Steglitz stellt Ruth Justen mit „Ruth liest“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Ruth Justen mit Ruth liest ein wenig näher kennen. Mit ihrem Porträt erfüllt sich – pünktlich so kurz vor Weihnachten – ein Wunsch der Bücherliebhaberin, die ihr glasperlenspiel13 pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – sagen Fotografen und Filmemacher. Mag sein. Dennoch liebe ich Worte, vor allem gedruckte Worte möglichst zwischen zwei Buchdeckeln. Von Kindheit an bin ich eine leidenschaftliche Leserin, die sich gerne im Freundeskreis über das Gelesene austauscht. Die Literatur gab mir auch in den anstrengenden Jahren als Vollzeit-PR-Managerin und Mutter den notwenigen Ausgleich für Hirn und Herz.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Im Frühjahr 2011 habe ich mich beruflich umorientiert. Nach 18 Jahren Festanstellung als Pressesprecherin wollte ich mich als freie Journalistin selbstständig machen. Zunächst nahm ich mir die Zeit, meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Ich las ein Buch nach dem anderen. Irgendwann entstand dann die Idee, das Lesen mit meiner zweiten Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Und so fing ich an zu recherchieren. Was gibt es an Literaturblogs? Welche Plattformen nutzen die Kollegen? Was würde ich anders machen, als mir bis dato bekannte Bücherblogs? Im April 2011 habe ich mich dann für WordPress entschieden. Es ist ein sehr einfach zu bedienendes System und daher weit verbreitet.

Deine Blogposts sind relativ kompakt …

Im Unterschied zu vielen anderen Blogs wollte ich unbedingt einen Blog mit kurzen Texten machen. Warum? Ich bin von Natur aus furchtbar ungeduldig, deshalb bevorzuge ich kurze Besprechungen und ausführliche Bücher. Außerdem veröffentliche ich nur Rezensionen zu Büchern, die mir zumindest gefallen. Ich kritisiere, verreiße aber nicht. Mein Blog soll ja anderen Lust auf das Lesen machen und sie nicht abschrecken. Zudem habe ich große Wertschätzung für Autoren und möchte niemanden verletzen. Bücher, die ich ganz und gar nicht empfehlen kann, verschweige ich einfach. Ich sehe mich auch nicht als Kritikerin. Diese Rolle füllt ein großartiger Denis Scheck aus.

Deine Themenschwerpunkte …

Ruth liest steckt voller Bücher über Tod und Terror. Romane, die Diktaturen oder Kriege und ihre Auswirkungen auf die Menschen schildern, interessieren mich vorrangig. Das können Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg sein, aber auch Erzählungen aus Ländern wie Argentinien oder China. Ein großer Schwerpunkt ist auch die jüdische Literatur, die oft mit den Themen Krieg und Diktatur verwoben ist. Bücher ohne historischen Bezug langweilen mich schnell, vermutlich habe ich deshalb vor Jahrzehnten Geschichte studiert.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ruth © Rainer Justen

Ruth © Rainer Justen

Derzeit denke ich ernsthaft über einen E-Reader nach. Bisher habe ich das vehement abgelehnt, um den stationären, kleinen Buchhandel nicht noch weiter zu schwächen. Aber die Verführung ist groß, immer einen Berg Literatur in der Tasche zu haben. Der Gedanke  innerhalb einer Minute ein neues Buch zu erwerben, ohne in die Stadt fahren oder gar langwierig ein Buch bestellen zu müssen, weil es mal wieder nicht im Ladenregal steht, ist sehr reizvoll. Zumal ich selten zu gängigen Titeln greife und so oft frustriert ein Geschäft verlasse. Gleichzeitig finde ich die Flut von E-Books bedenkenswert. Die Lektoren klassischer Verlage sorgen für eine hohe sprachliche Qualität.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Klassisch. Zunächst habe ich versucht, mich mit möglichst vielen anderen Bloggern zu verlinken. Dann streue ich Buchtipps bei Facebook, Google+ und Lovelybooks bzw. kommentiere dort die Buchtipps von Kollegen. Manchmal schreibe ich Buchbesprechungen auf den großen Portalen wie buecher.de oder amazon.de.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ein Blogger sollte immer Wertschätzung gegenüber Autoren, Lesern oder anderen Bloggern ausdrücken.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Hürde ist die Unfreiheit des Geistes. So schön Rezensionsexemplare oder viele Freunde in den Netzwerken sind, so sehr können damit Erwartungshaltungen verbunden sein. Von solchen Erwartungshaltungen muss man sich frei machen und unabhängig schreiben, was man denkt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Habe ich täglich mindestens ein Mal, wenn über das Bloggen ein Austausch mit anderen Lesern erfolgt. Manchmal bestätigen die anderen deine eigene Sichtweise, manchmal kritisieren sie dich. Immer empfinde ich die Anmerkungen als anregend und bin dankbar dafür.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Derartige Angebote nehme ich nur selten an. Eigentlich nur dann, wenn ich im Voraus weiß, dass das Buch für mich kein Flop sein wird. Außerdem lehne ich es ab, wenn Bedingungen daran geknüpft sind wie eine Zeilenanzahl und Termine, die mich in meiner Freiheit einschränken.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Self-Publisher unterscheiden sich für mich nicht von anderen Autoren. Ich entscheide nach Titel und Thema, ob ich das Werk lesen möchte.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Wie gesagt, ich bin gerade auf der Suche nach einem E-Reader, mit dem ich möglichst viele hochwertige Bücher lesen kann. Für Tipps und Erfahrungswerte bin ich sehr dankbar!

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Mara Giese und Petra Gust-Kazakos, die übrigens das gleiche WordPress-Theme hat wie ich, sind hier ja bereits zu Wort gekommen. Beiden Blogs konnte ich immer wieder wertvolle Lesetipps entnehmen. Ada mit Ada Mitsou liest … ist großartig, vielfältig und inspirierend. Sie betreibt ihr Blog bereits seit drei Jahren. Hut ab vor der Ausdauer. Anka Brüggemann macht unter dem Namen Blog für Anonyme Bookoholiker einen sehr schönen Blog mit Besprechungen zu meist außergewöhnlichen Titeln. Sehr praktisch: Es gibt immer eine inhaltliche Einführung, eine Leseprobe, eine Kritik und eine Empfehlung. Ich würde mich freuen, wenn du sie zu einem Interview überreden könntest.

Danke, Ruth, dann wollen wir mal schauen, ob meine Überredungskünste bei Anka fruchten …

________________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Axel Hollmann mit seinem gleichnamigen Schreibblog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Richard Norden, der Writers Workshop betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt die Bücherliebhaberin mit „Glasperlenspiel13“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Empfehlung, dass wir die Bücherliebhaberin und ihr glasperlenspiel13 näher kennen lernen sollten, stammt von Buechermaniac, die lesewelle pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich nenne mich auf meinem Blog Bücherliebhaberin, bin 80er Jahrgang und komme gebürtig aus Leipzig. Momentan wohne ich in der Nähe – ich zitiere Caterina, die in ihrem Porträt hier gesagt hat: „vom mäßig attraktiven Frankfurt“. Habe ein geisteswissenschaftliches Studium hinter mir und bin beruflich in der PR Branche unterwegs. Einige Familienmitglieder verweigern sich mittlerweile mir Bücher zum Geburtstag zu schenken, da seit Jahren nichts anderes auf meinem Wunschzettel steht.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit März 2011 auf blogger.com Würde sehr gern wechseln, scheue mich aber vor dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der damit verbunden ist. Zum Bloggen hat mich meine Schwangerschaft gebracht. Ich wusste, dass ich das erste Jahr mit Kind zu Hause bleiben werde und hatte ein wenig Horror davor überhaupt nicht mehr geistig gefordert zu sein. Ein Blog schien mir genau das Richtige, um meine Leseleidenschaft weiterzuführen, dem Windelwechsel-Alltag ein wenig zu entfliehen und meiner Liebe zu Strukturen, Listen und Tabellen gerecht zu werden. Viele befreundete Mütter meinten, dass ich die Zeit zum Lesen UND für den Blog nicht haben würde. Bis jetzt klappt es aber eigentlich ganz gut. Mein Sohn ist immerhin schon anderthalb.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücherliebhaberin mit Lieblingsfigur aus der Literatur © glasperlenspiel13

Auf meinem Blog findet man zeitgenössische Literatur aber auch ältere Werke; viel aus spanischsprachigen Ländern und Osteuropa. Bei mir eher unterbesetzt: Literatur aus dem englischsprachigen Sprachraum und Krimis. Ich besuche relativ viele Lesungen und berichte natürlich auch über meine Eindrücke.

Vor einiger Zeit habe ich meine Freude an Specials entdeckt. Das bedeutet, dass ich eine Woche lang jeden Tag einen Beitrag zu einem ganz bestimmten Thema veröffentliche. Anfang des Jahres war es die Leipziger Buchmesse, kurz darauf eröffnete ich die Jüdische Woche und erst vor wenigen Wochen endete die Lateinamerikanische Woche. Das nächste Special steht bereits in den Startlöchern – zumindest gedanklich.

Ja und dann gibt es noch „en español“ und „en français“. Das bedeutet in regelmäßig unregelmäßigen Abständen erscheinen auf glasperlenspiel13 spanische und französische Artikel. So bleiben meine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig in Schuss.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Verdrängung der Inhabergeführten Buchläden. Und zum anderen: Das permanente Geschrei um das eBook. Das ist nun mal die Entwicklung. Wer nutzt denn heute noch Schallplatten für die Musikrezeption? Das bedeute aber nicht, dass ich selbst auch eBooks konsumiere – im Gegenteil.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Da triffst du einen wunden Punkt. Kurz nach dem Start meines Blogs habe ich eine Seite beim „blauen Netzwerk“ eingerichtet, um dann doch die Finger davon zu lassen. Monate später habe ich erneut einige Posts eingestellt. Langfristig werde ich wohl eher darauf verzichten. ABER: Sag niemals nie.

Viele Blogger beklagen, dass bei Ihnen zu wenig kommentiert wird und gehen dann den Weg über Twitter und andere. Auch bei mir kommen keine 20 Kommentare bei jedem Beitrag zustande. Natürlich freue ich mich über jeden Austausch aber ich habe in den letzten Monaten auch viele Rückmeldungen aus meinem persönlichen Umfeld erhalten. Sei es per Telefon, per Mail oder über direkten Kontakt. Das motiviert und spornt ebenso an.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Persönliche Angriffe auf andere Blogger. Werbung für amerikanische Versandhäuser mag ich persönlich überhaupt nicht. Aber letztendlich ist jeder Blog der individuelle Ausdruck einer einzelnen Person und da kann man schlecht was vorschreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Am Anfang muss man sich einige Zeit nehmen, um sich mit der Nutzeroberfläche anzufreunden und danach benötigt man noch mehr Zeit, um seinen Blog zu pflegen. Nebenbei lese ich auch sehr gern andere Blogs, möchte auch da einen Kommentar hinterlassen, wenn angebracht. Das ist auf jeden Fall ein enormer Zeitaufwand, auf den ja in dieser Reihe auch schon andere Blogger hingewiesen haben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

1) Als ich Javier Marías den Link zu meinem Beitrag über seine Lesung schickte, stelle er diesen kurzerhand auf seinen Blog. Eine Stunde später hatte ich halb Lateinamerika und Spanien bei mir zu Gast … 2) Die Einladung, hier Antworten geben zu können. 3) Andere Blogger persönlich kennenzulernen: Wie in dem Fall von Caterina.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich schau mir immer genau den Inhalt an, ob es mich interessieren könnte. Wenn nicht antworte ich höflich, dass es einfach nicht meinen Geschmack trifft. Hin und wieder frage ich auch mal einen Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Meist aber nur kleinere Verlage, da die großen eh mit Anfragen überschwemmt werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ähnlich. Entweder es passt oder eben nicht.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Dazu kann ich nur sagen: Ich nenne mich Bücherliebhaberin und werde mich niemals in eBook-Liebhaberin umbenennen. Auf diesem Gebiet bleibe ich sicher altmodisch. Selbst das Argument ein E-Reader sei praktisch für Reisen überzeugt mich einfach nicht, da ich meine Wälzer auch in der Ferne in den Händen halten will. Dann pack ich lieber eine Hose wieder aus. – Selbst Hörbüchern stand ich jahrelang sehr skeptisch gegenüber. Und Taschenbücher kommen mir grundsätzlich nicht ins Haus. Du siehst altmodischer geht es wirklich nicht.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon viele gute Empfehlungen zusammengekommen, die auch meinen Geschmack treffen. Zwei Blogs wurden noch nicht genannt, deshalb möchte ich an dieser Stelle auf diese hinweisen. Besonders beeindruckend finde ich die Impressionen auf Where books live…. Wo Bücher wohnen. Und wer sich besonders für Kinderbücher interessiert, sollte bei Papillionis liest vorbeischauen, auch wenn es da momentan etwas ruhiger zugeht. – Als nächste Gesprächspartnerin wünsche ich mir Ruth von Ruth liest. Mit ihr verbindet mich die gemeinsame Leidenschaft für die Leipziger Buchmesse.

Danke sehr. Auch dafür, dass du Ruth zum Gespräch bittest, ihr Blog wurde hier ja bereits verschiedentlich als Perle gehandelt.

_____________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich @Anousch mit Anousch vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war der Betreiber von Kid37. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Caterina mit „SchöneSeiten“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts erläutert habe.

Heute stellt sich Caterina vor, die das Literaturblog SchöneSeiten pflegt. Gewünscht hatte sich das Kerstin Pistorius, die Atalantes Historien pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Aufgewachsen bin ich auf der Insel Rügen, zu Hause fühle ich mich aber mittlerweile in Berlin und auch ein wenig in Italien, wo ich eine Weile gelebt, studiert und gearbeitet habe und wohin ich immer wieder gerne zurückkehre. Seit einem Jahr wohne ich im – wie ich finde – mäßig attraktiven Frankfurt und mache meine ersten Gehversuche im Verlagswesen.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Das Bloggen im weitesten Sinne habe ich schon vor langer Zeit für mich entdeckt – wenn man das Basteln von Webseiten, in die man undifferenziert all das hineinpackt, was das eigene Leben ausmacht, und deren einziger Leser man selbst ist, als Bloggen bezeichnen kann. Vor zwei, drei Jahren dann die Wende: Ich wechselte zu WordPress, gab meinem Webauftritt eine inhaltliche Richtung und nahm erstmals Kontakt zu anderen Schreiberlingen auf.

Private Anekdoten gibt es seither keine mehr. SchöneSeiten ist mittlerweile ein reiner Literaturblog, auf dem fast ausschließlich Buchbesprechungen zu finden sind. Warum Literatur? Sie ist meine Leidenschaft, sie begleitet mich sowohl in meinem privaten als auch in meinem beruflichen Leben, sie eröffnet mir Welten, sie zeigt mir, was für ein wunderbares und aufregendes Werkzeug die Sprache ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich befasse mich hauptsächlich mit deutschsprachiger und internationaler Gegenwartsliteratur fernab der Genres. Dabei gilt mein besonderes Interesse (aufgrund meiner Studienschwerpunkte) einerseits der aktuellen italienischen Literatur, andererseits literarischen Verarbeitungen der Holocaust-Erfahrung. David Grossmans „Stichwort: Liebe“, Jonathan Safran Foers „Everything Is Illuminated“ und Nicole Krauss’ „The History of Love“ gehören zu den beeindruckendsten Romanen, die ich jemals gelesen habe.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

So einiges, da ich wie gesagt selbst in der Branche tätig bin: u.a. die Frage, die Atalante in der Gesprächsreihe bereits aufgeworfen hat, und zwar diejenige nach der Unabhängigkeit der Literaturkritiker und generell aller Kulturschaffenden. Bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Buchpreises ist mir jüngst wieder bewusst geworden, wie sehr hinter den Kulissen auch politische und wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen. Dass es eben nicht einfach nur um gute Texte und gute Autoren geht, ist eine ernüchternde Erkenntnis, wenn man sich ursprünglich mit einem gewissen Idealismus dem Gegenstand Literatur verschrieben hat.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Indem ich einerseits relativ häufig und ausführlich auf anderen Blogs kommentiere (so viel, dass ich mittlerweile das Gefühl habe, dort präsenter zu sein als auf meinem eigenen Blog) und indem ich andererseits eine Facebook-Seite betreibe, auf der ich allerlei Webfundstücke präsentiere, die über die Inhalte meines Blogs hinausgehen (Rezensionen, Interviews, Debatten, auch Beiträge zu anderen Künsten wie Fotografie und Musik).

schöne Seiten … © Caterina

Außerdem kommentiere ich auf anderen Facebook-Seiten (etwa von Verlagen oder Kulturinstitutionen) nie unter meinem eigenen Namen, sondern ausschließlich als SchöneSeiten, sodass die Leute darauf aufmerksam werden. Übrigens glaube ich, dass meiner Facebook-Seite viel mehr Leute folgen als meinem Blog, wohl weil die knappen „Kulturnews“ bekömmlicher sind als meine weitschweifigen Rezensionen. – Von Werbung für den Blog kann also eigentlich gar keine Rede sein ;).

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich möchte anderen Bloggern ungern sagen, was sie tun und lassen sollten, da ich meinen Blog selbst nicht gerade vorbildlich führe. Mir fehlt leider die Zeit (und hin und wieder auch die Geduld), meine Seite regelmäßig mit Material zu speisen, was zur Folge hat, dass sie – für Internetverhältnisse – ziemlich selten aktualisiert wird und es lange Durststrecken gibt. Andererseits bin ich der Ansicht, dass man die Leser auch nicht überfordern sollte: Ich denke, ein bis drei Beiträge pro Woche sind ein guter Schnitt (den ich selbst nicht einhalte).

Ansonsten gelten die üblichen Regeln: fair und sachlich sein (sowohl in den eigenen Beiträgen als auch in den Kommentaren), gut argumentieren, nicht beleidigen, sich um ein zivilisiertes Miteinander bemühen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Das Bloggen ist wie gesagt ungemein zeitintensiv, zumindest wenn man den Kontakt zu anderen Bloggern sucht und um einen regen Austausch bemüht ist. Mir fällt es schwer, oft und regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen. Um dennoch nicht in Vergessenheit zu geraten, füttere ich eifrig meine Facebook-Seite (was kaum Aufwand bedeutet) und melde mich häufig auf den anderen Blogs zu Wort.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

An ein spezielles Erlebnis kann ich mich nicht erinnern, generell empfinde ich aber diesen Dialog, in den man mit den anderen Bloggern tritt, als überaus bereichend. Es ist immer schön zu wissen, dass man nicht nur für sich selbst schreibt, sondern dass es da Leser gibt, die sich für deine Texte interessieren und die aus ihnen irgendeine Erkenntnis gewinnen – und sei es die Erkenntnis, dass man völlig verschiedener Meinung ist.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist bisher noch nicht vorgekommen. Ich selbst habe noch nie ein Rezensionsexemplar angefordert, und mein Blog ist offenbar noch nicht so bekannt, dass die Verlage von selbst auf mich zukommen. Generell lehne ich diese Prozedur nicht ab, allerdings würde ich mich umfassend über das jeweilige Buch informieren und mich vergewissern, dass es in etwa meinem Geschmack entspricht. Außerdem lasse ich mich ungern unter Druck setzen, da ich ohnehin schon so wenig Zeit für meinen Blog zur Verfügung habe, d.h. ich würde mir eine ausreichend lange „Bearbeitungsfrist“ zusichern lassen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich arbeite ja, wie bereits gesagt, in der Buchbranche, beobachte das Phänomen Self-Publishing also aus beruflichem Interesse und sehe das Potential, das darin steckt. Daher müsste ich eigentlich sagen: Ich halte es mit selbstverlegten Büchern genauso wie mit den „traditionell“ bzw. „professionell“ verlegten, d.h. ich informiere mich umfassend über den Titel und entscheide dann, ob er in das Profil von SchöneSeiten passt. Doch die Wahrheit ist, dass ich auf ein solches Rezensionsangebot sehr skeptisch reagieren würde, um nicht zu sagen: Ich würde es vermutlich aus Prinzip ablehnen.

Warum das?

Wirklich begründen kann ich es nicht; es liegt wohl daran, dass es in meinem Kopf (noch!) eine Art Schranke gibt: Ich verbinde Self-Publishing nicht mit Qualität und glaube nach wie vor an die Rolle der Verlage, sprich der Lektoren, der Hersteller, der Graphiker usw., denn wenn dem nicht so wäre, dann müsste ich dringend meinen Berufswunsch überdenken. Gleichzeitig bin ich mir aber sehr wohl darüber bewusst, dass auch die traditionellen Buchverlage schon längst keine Garantie mehr für Qualität sind. Ein Dilemma…

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich benutze beruflich einen e-Reader, um Manuskripte zu lesen und zu prüfen – das reduziert den Papierverbrauch ungemein, was ja auch keine schlechte Sache ist. Allerdings habe ich noch nie ein eBook gekauft, für meine privaten Lektüren bevorzuge ich dann doch das gedruckte Buch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele der Blogs und Blogger, die ich sehr schätze und die eine große Inspirationsquelle für mich darstellen, wurden bereits genannt und mitunter auch schon in dieser Interviewreihe vorgestellt, weshalb ich ihre Namen an dieser Stelle nicht wiederholen werde. Hinzufügen möchte ich Bibliophilin, wortlandschaften (der zwar leider selbst nicht mehr bloggt, aber nach wie vor sehr eifrig liest und kommentiert), das glasperlenspiel13 sowie 1001 Bücher. Als nächste Gesprächspartnerin wünsche ich mir Syn-aesthetisch, die mich überhaupt erst in die Gemeinschaft der Literaturblogger eingeführt hat und der ich hiermit ganz herzlich danke.

Danke sehr, Caterina. Die Urheberin von Syn-aesthisch wurde in der Gesprächsreihe ja bereits verschiedentlich mit Lob bedacht. Nun hoffe ich doch sehr, dass sie sich den Fragen stellen wird.

____________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Buechermaniac mit der lesewelle vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von glasperlenspiel13. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt Buechermaniac mit „lesewelle“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Buechermaniac mit der lesewelle vor. Der Vorschlag stammt von Manuela Hofstätter, die lesefieber.ch pflegt. Die Beiden verbindet nicht nur das Bloggen, sondern auch ein gemeinsames Waschküchenerlebnis.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Buechermaniac von der „lesewelle“ ist weiblich und wenn sie nicht im Büro sitzt, zählt sie Kochen, Reisen, Film, Fotografie und Sprachen zu ihren Leidenschaften. Und: Sie ist absolut Buchverrückt. Ursprünglicher Berufswunsch: Buchhändlerin, fiel der damaligen Rezession zum Opfer. Und – unglaublich aber wahr – es gab zu jener Zeit Absagen mit der Begründung „Mädchen bilden wir lieber nicht aus, die heiraten sowieso.“

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich bin erst seit Juli 2011 mit der „lesewelle“ im Netz. Oft kann ich Bücher im Bekanntenkreis und in unserem Lesezirkel, der seit zehn Jahren besteht, empfehlen, die gerne gelesen werden. Da hat es mich gereizt, mich mit einem Literaturblog zu versuchen. Wenigstens als Hobby wollte ich etwas mit Büchern machen und es macht mir riesigen Spaß. Nach nervigen Versuchen bei Jimdo und Blogspot, habe ich mich für WordPress entschieden. Für Laien ist diese Plattform relativ einfach zu bedienen und viele Blogs, die ich sonst noch mag, sind auch hier vertreten. Und nur noch dies, ich finde es sehr amüsant, dass Manu Hofstätter, die lesefieber.ch betreibt, und lesewelle im gleichen Haus wohnen.

die absolut Buchverrückte © lesewelle

Deine Themenschwerpunkte …

Buchbesprechungen, hauptsächlich Belletristik, aus aller Herren Länder. Gerne stelle ich Gedichte mit einem passenden Foto ein, denn Lyrik kommt im Literaturbetrieb häufig zu kurz. Ich berichte von Lesungen und Themen rund ums Buch. Zwischendurch gesellen sich auch Fotos dazu, die mir gefallen. Im Gegensatz zu Manu mag ich den „Freitags-Füller“. Er stellt immer wieder eine Herausforderung an meine Hirnzellen dar, denn ich muss mir überlegen wie ich die Lücken zu den vorgegebenen Worten fülle. Ich sehe das auch als eine Art Schreibübung.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Nicht nur derzeit, ganz allgemein finde ich es immer wieder erschreckend, wenn eine weitere Buchhandlung für immer die Türen schliesst. Da staune ich echt über die Tatsache, dass ausgerechnet in unserer Gemeinde, mit über 40% Ausländeranteil, gleich zwei Buchhandlungen, in unmittelbarer Nähe, seit Jahrzehnten bestehen. Ich persönlich berücksichtige beide Läden, weil ich beide sehr mag und sich immer wieder schöne und interessante Gespräche ergeben, die ich schätze und die beim Onlineanbieter und in der Großbuchhandlung nicht stattfinden.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Zurzeit bin ich weder auf Facebook noch auf Twitter, weil ich mich dort nicht sehr gerne aufhalte, aber vielleicht überleg ich es mir ja noch. Gerne kommentiere ich auf anderen Blogs, wenn ich etwas zur Diskussion beitragen möchte und wenn es passt, erwähne ich mein Blog in Gesprächen unterwegs.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Werbung passt nicht, da klicke ich persönlich ziemlich schnell weiter. Überladene Seiten, wo man vor lauter Geblinke das Wesentliche aus den Augen verliert und immer wieder den Hinweis auf den amerikanischen Versandhandel findet, schätze ich auch nicht besonders.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Jeder sollte sich im Klaren sein, dass ziemlich viel Zeit investiert werden muss, um einen Blog seriös zu betreiben. Diesen Anspruch habe ich vor allem aber an mich selbst. 100% berufstätig sein, Haushalt erledigen, Lesen, mit Leidenschaft bloggen und dabei die Partnerschaft nicht zu kurz kommen zu lassen, ist eine große Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Wenn ich Rezensionen schreibe, tue ich mich manchmal noch schwer, die passenden Worte zu finden. Wenn ich bei Bloggern reinschaue, die beruflich im Buchhandel tätig sind oder Literaturwissenschaften studieren oder studiert haben, komme ich mir mit meinem Stil eher stümperhaft vor. Bis meine Beiträge aufgeschaltet werden korrigiere ich sie noch x Mal und schreibe alles um, bis sie meinem eigenen Urteil standhalten. Trotz allem bereitet mir die Arbeit, die der Blog mit sich bringt, Freude. Es ist für mich wie beim Aufstieg auf den Berg: umkehren oder aufgeben gilt nicht. Das lässt mein Dickschädel niemals zu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Als erste Bloggerinnen, die in der Literaturszene schon längst einen Namen haben, bei mir kommentierten und mich bei sich verlinkten, hat mich das riesig gefreut. Dass sie weiterhin bei mir lesen und sich zu Wort melden, freut mich noch mehr. Ganz generell finde ich es toll, wenn sich eine Diskussion zu einem Beitrag entwickelt, manchmal geschieht das noch viel zu wenig. Als sich ein Verlag, aufgrund einer Rezension, bei mir bedankte und mir ein Bücherpaket zustellte, weil ihn meine Meinung zu den Romanen interessiert, war ich platt. Das sind die Momente, die mich beflügeln, antreiben, denn manchmal bin ich unsicher, ob das, was und wie ich es mache, anderen gefällt, denn ehrlich gesagt, fände ich es ziemlich öde, wenn ich meine einzige Leserin wäre.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist zwar erst zweimal vorgekommen. Beide Male musste ich aus Zeitmangel ablehnen. Ich möchte mich nicht unnötig unter Druck setzen und Bücher lesen müssen, damit bald eine Rezension im Netz steht. Lieber wähle ich meine Lektüre deshalb selber aus. Über ein Buch zu sprechen, das nicht ich ausgewählt habe, ist nicht unbedingt mein Ding. Es gibt so viele fantastische, literarische Werke, die ich noch lesen möchte, da bleibt einfach keine Zeit für Uninteressantes.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich schaue hin und wieder einem eBook-Benutzer über die Schultern, kann mich aber noch nicht begeistern. Ich mag das gebundene Buch und wenn es eine bibliophile Ausgabe ist, halte ich es erst recht gern in Händen. Um Platz zu sparen und auf Reisen mag das eBook ein Argument sein, aber vorläufig will ich mich nicht mit weiterer Elektronik herumschlagen, da bin ich zu altmodisch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Oh je, es gibt so viele Blogs, die ich sehr schätze und auf denen ich gerne regelmäßig eintauche. Einige von ihnen haben sich hier bereits vorgestellt, deshalb nenne ich sie jetzt nicht nochmals, sondern möchte andere Blogs berücksichtigen. Die nicht genannten mögen mir verzeihen.

Bücherwurmloch von Mariki  und Klappentexterin begeistern mich beide gleichermaßen. DruckSchrift finde ich sehr schön, da findet man Neues und Altes über Buchkunst, Druck, Papier etc., was mich sehr interessiert. Die vier Autorinnen von Die Seitenspinnerinnen sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich möchte sie nicht mehr missen. Dann ist da noch die Bücherliebhaberin von glasperlenspiel13, mit der ich unter anderem die Leidenschaft für Irène Némirovskys Werk teile.

Ich wünsche mir deshalb, dass glasperlenspiel13 in dieser Interviewreihe zu Wort kommt und wir mehr über sie erfahren dürften.

Vielen Dank Buechermaniac. Dann haben wir ja jetzt mit dir, Manus lesefieber.ch sowie den Blogs „Denkzeiten“ und „Bücherwelten“ von Sandra  hier eine feine „Triplette Suisse“ beieinander.

________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Harald Sack mit Biblionomicon vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerinnen waren die beiden Betreiberinnen von leselink.de. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt Flatter Satz mit „aus.gelesen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Flatter Satz mit aus.gelesen vor. Dass er hier zu Wort kommt, hat Mara Giese vorgeschlagen, als sie ihr Blog Buzzaldrins Bücher hier präsentierte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Männlich, in der zweiten Hälfte der 50er Jahre, Leser und Bücherbegeisterter von Kindesbeinen an, studiert habe ich vor langen Jahren Chemie. Was Literatur angeht, bin ich also absoluter Laie…

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Mein erster Blog (ich weiß, üblich ist das Blog, aber das geht mir einfach nicht über die Lippen…) war auf blog.de, ein Allerweltsblog ohne festes Thema. Seit über vier Jahren betreibe ich den Bücher- und Literaturblog aus.gelesen auf WordPress.com. Wie ich zu WordPress gekommen bin, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen, aber offensichtlich gefiel mir die Plattform am besten, denn ich weiß noch, dass ich zwischenzeitlich auch andere Blogsysteme durchprobiert habe.

Deine Themenschwerpunkte …

Grundsätzlich lese ich außer Vampir-, Werwolf- und Fantasygeschichten eigentlich alles. Bedingt durch mein ehrenamtliches Engagement liegt ein Schwerpunkt sicher bei Büchern über Sterben, Tod und Trauer, ein Thema, das ja sonst in Bücherblogs eher weniger vorgestellt wird. Manchmal macht mir mein Gemischtwarenladen auch Angst und Bange, aber ich lese aus Spaß an der Freude und habe halt an vielen Themen Freude und Interesse.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das ist eine Frage, zu der ich nur wenig sagen kann, da ich da einfach nicht „drin“ stecke. Als Leser interessiert mich natürlich, ob sich irgendwann das E-Book am Markt auch bei den normalen Verlagspublikationen so durchsetzen wird, dass keine Printausgaben mehr erscheinen. Für mich wäre das ein großer Verlust, für die nachwachsende Generation wohl nicht: „Wofür brauchen wir Bücher, man kann doch alles am Rechner lesen…“, das habe ich gerade erst letzte Woche gehört….

Obwohl ich im Moment eher die Altbestände meiner eigenen Regale und damit ältere Bücher lese, bekomme ich über andere Blogs mit, dass es eine Menge junger deutscher AutorInnen gibt, die offensichtlich „gute“ Bücher schreiben. Sicherlich werde ich mich auch wieder in solche interessanten Neuausgaben einklinken, denn ich finde es wichtig, gerade junge AutorInnen zu unterstützen, sich im Dickicht aller Neuerscheinungen hervorzuheben. Und natürlich bin ich auch neugierig, wer sich letztlich in der Szene durchsetzen wird.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Über entsprechende Tweets und Facebook-Beiträge, wobei über Twitter kaum Resonanz kommt. Was Twitter angeht, ist mir sogar schon einmal gesagt worden, wer nur so auf seinen Blog hinweist, sei so etwas wie ein Schmarotzer… Da ich nur wenig in anderen Blogs kommentiere, bekomme ich über diese Schiene kaum Kontakte, andererseits ist mein Blog in vielen Linklisten vertreten. Die meisten Besucher kommen aber über Suchmaschinen auf aus.gelesen oder haben meinen Blog über Feed-Systeme abonniert. Bei Facebook hat sich inzwischen eine Gruppe von Bloggern/-innen (überwiegend sind dies ja Frauen) gefunden, die nett miteinander in Kontakt stehen und sich über ihre Besprechungen informieren.

Bücherblogger bei Facebook …

Ja, die sind da sehr aktiv. Zum Beispiel bei Bücher und Buchvorstellungen werden von uns die Besprechungen gepostet, sonst nix. Zwischen den Zeilen ist eine geschlossene Gruppe, in der auch ab und angeplaudert wird. Aber  überwiegend ist die Gruppe mit Büchern und Lesen befasst. Wer mitmachen will, muss sich anmelden. Und dann wird es im Dezember wieder die Jahresgruppe geben, in der jeder seine drei Highlights des abgelaufenen Jahres vorstellen kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das ist eine gute Frage, aber das sollte jeder für sich selbst wissen. Ich persönlich versuche, alles zu vermeiden, was kränkt, diskriminiert oder gar beleidigt. Ein wichtiges Kriterium für mich ist auch, nur das zu schreiben, was ich auch im „realen“ Leben von Person zu Person vertreten würde. Ansonsten bin ich – um einen alten Blogfreund zu zitieren – auf meinem Blog der König.

In Reih und Glied © Flatter Satz

Schreibt man, um damit auch Besucher auf seinen Blog zu bekommen und Kontakte zu knüpfen, sollte man vermeiden, nur Klappentexte wieder zu geben. Ein Beitrag, eine Buchvorstellung sollte meiner Meinung nach eine persönliche Note haben, die aufs Weiterlesen neugierig macht.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Eigentlich keine. Rein technisch ist bloggen ein einfaches Unterfangen und so die Beiträge eine gewisse Qualität aufweisen, kommen auch Besucher auf den Blog. Das lässt sich z.B. über Facebookaktivitäten stark beschleunigen, ansonsten braucht man etwas Geduld. Bevor man mit bloggen anfängt, sollte man sich im Klaren darüber sein, für was und wen man bloggen will. Wobei ich auf dem Standpunkt stehe, dass man einen Bücherblog so führen sollte, als ob man ihn für sich schriebe. Also tatsächlich wie ein Tagebuch oder ein Leseprotokoll. Das gibt einem unendlich viel Freiheit beim Schreiben, da man – mit den genannten kleinen Einschränkungen, die eigentlich keine sind – auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen muss und so ein Blog mit eigenem Charakter heranwächst

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Obwohl ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich nicht einem Fake aufsaß, ist der lobende Kommentar von Herta Müller zu der Besprechung ihres Buches des sich verneigenden Königs für mich das Highlight meines Blogs. Überhaupt freue ich mich immer, wenn sich ein Autor bei mir meldet. Diesbezüglich es haben sich auch schon ein paar nette Kontakte entwickelt. Generell freue ich mich auch immer, wenn sich eine Diskussion über ein Buch entwickelt. Dass dies viel zu selten geschieht, liegt wohl auch daran, dass ich selbst wenig in anderen Blogs kommentiere.

Was mir auch ein sehr schönes Gefühl gibt, ist, dass mir unter all meinen Besprechungen vielleicht eine Handvoll gelungen ist, auf die ich richtig stolz bin, weil ich sie – gemessen an meinen eigenen Kriterien – für wirklich gut halte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wenn mir da nicht gerade ein Buch über Baustatik (auch das ist schon passiert) zum Rezensieren angeboten wird, sage ich normalerweise zu, mache aber gegebenfalls Einschränkungen, dass ich auf diesem Gebiet, z.B. bei Reiseliteratur, keine Erfahrung habe. Meist hat es sich damit dann schon erledigt….

Aktiv auf Verlage etc. mit der Bitte um Rezensionsexemplar zuzugehen vermeide ich, da ich schon bei diesen wenigen anderen Rezensionsexemplaren merke, dass ich nicht ganz frei bin im Kopf beim Schreiben, und wenn es nur um Formulierungen geht. Mara hatte dies in dem Gespräch mit dir hier ja auch schon angedeutet. Dieses „nicht frei sein“ kann übrigens auch in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen: man ist beim Schreiben besonders kritisch und mäkelig, was dem Autoren gegenüber natürlich auch ein wenig unfair ist…

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich möchte es so ausdrücken: Wenn alle Leser meiner Ansicht wären, wäre das E-Book auf dem Markt chancenlos. Ich bin kein E-Book-Leser, ich brauche das Haptische eines Buches, das Umblättern, das Gefühl, über Papier zu streichen, das Gewicht in der Hand, das leichte Ärgern, wenn ich die Schrumpffolie mal wieder nicht schnell genug herunterziehen kann. Ein Buch ist eben ein Buch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Das ist eine „schlimme“ Frage, denn natürlich gibt es viel mehr als fünf Bücherblogs, die ich empfehlen könnte. Aus dem oben schon erwähnten Facebook-Kreis der Blogger käme sicherlich jeder in Frage. Wohl möchte ich die Gelegenheit hier nutzen diesen Kreis ein wenig erweitern, indem ich hier auch auf andere Blogs hinweise, die ich immer wieder gerne und mit Gewinn besuche:

Da wären zum Beispiel der Themenblog Japanliteratur von Friederike, die Historien von Atalante, die Buchbesprechungen der frankophilen Durchleserin oder das Biblionomicon von Harald zu nennen. Und last not least will ich hier auf Veras Glasperlenspiel verweisen. Und jetzt muss ich noch einen Blog nennen, den ich mir als nächsten Interviewpartner wünsche? 🙂 Dann, wenn es sein muss, entscheide ich mich für Atalante und bin sehr gespannt …

Na, ganz so schlimm waren die Fragen ja nun doch nicht 🙂 Danke sehr, Flatter Satz, dass du dich ihnen gestellt hast.

__________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich in der losen Gesprächsreihe Selçuk Caydi vor, der sein Blog Konstantiniye notlari (Notizen aus Konstantinopel) meist von Istanbul und Izmit aus betreibt. Er würde es gerne sehen, wenn sich die Österreicherin Mareike Fallwickl hier präsentiert, die das Bücherwurmloch pflegt.