„Dabei will ich nur Bücher schreiben.“ ACR über Schreiben, Selfpublishing und den Literaturbetrieb

Der Blogpost „Statt Schriftsteller ist man Schreibmaschine“, in dem zwei Autorinnen über haarsträubende Erfahrungen mit Verlagen berichteten, treibt seit seinem Erscheinen im Juli vergangenen Jahres um. Immer wieder erreichen mich dazu Kommentare, Stellungnahmen und Erfahrungsberichte. So von Angela Charlotte Reichel, deren Erfahrungen ich hier teilen möchte. – Ich danke Charlotte für ihre Offenheit.

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„Durch den Artikel „Ein Herz für Kinder!? Oder: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“ bin ich auf diesen Blog gekommen. Seitdem lese ich und finde viele Zusammenhänge – im Sinne von – es berührt, betrifft, geht (auch) mich etwas an. (Geht mich auch etwas an – trifft ebenso zu.)

Es ist – wie wenn ich die Wehrbrücke meiner Burg herunterlasse und erstmals ins Freie gehe … nach langer Zeit.

„Selbst schuld“, brummt meine innere Stimme, während ich kopfnickend: ‘Siehste!‘ denke und weiterlese und weiter lese. Da wird ausgesprochen/aufgeschrieben was ich schon lange vermute, denke, fühle und mich nicht traue, zu sagen.

Zwei Gründe für meine Zurückhaltung: Ich habe gedacht, ich bin zu unbekannt für eine Stimme und ganz nebenbei macht der „Markt der Etablierten“ (auf mich) pausenlos den Eindruck, unter ihm sei der Weisheit und des Erfolges Schatz bereits verteilt.

Nun finde ich hier zwar wieder zwei etablierte Schriftsteller(Innen), dass sie sich allerdings anonym halten, macht mir Mut.

Wenn also einen Namen haben, die „Stimme nimmt“, bin ich regelrecht beschenkt mit meiner Stimme „ohne Namen“.

Also sag‘ ich was!

Und damit beginnt es schwierig zu werden. Ich mag die „Verkaufsgeschichten“ nicht. Ich mag nicht diese Reißer: „Am eigenen Leib gespürt und nun der Welt mit auf den Weg gegeben!“

Und – weil ich sie nicht mag, scheue ich sie und prüfe in sensiblen Zeiten sogar jede meiner Zeilen, ob sich da irgendwo etwas hinter der Formulierung verbergen könnte, „was auszusehen schiene“ wie eine versteckte Werbemasche.

Dabei will ich nur Bücher schreiben.

Ganz stimmt das nicht. Ich will Romane schreiben.

Und auch das trifft es nicht, denn ich will immer besser werden. Ich will Literatur machen, anspruchsvoll und die Sprache als Instrument für: Leben beschreiben … Lebensbilder malen …

Wieso? Soweit ich zurückdenken kann… ich will schon immer Bücher schreiben … schon immer.

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Die dunkelsten Stunden meiner Kindheit habe ich auch deshalb überlebt, weil ich nachts unter der Bettdecke heimlich gelesen habe. Es gab nicht viele Kinderbücher, ich habe Erwachsenenbücher aus dem Regal meiner Eltern stibitzt und Hauptmann, Seghers, Mann und andere gelesen. Und mir kleinem Mädchen haben diese Bücher die Hoffnung mit ins Leben gegeben: „Manchmal ist es ganz schwer zu leben, aber es gibt auch gute Erwachsene; und es gibt sogar mutige Erwachsene; und es gibt zusätzlich auch gute und weise Erwachsene, und die, die das aufschreiben können, nützen der ganzen Welt.“

Und weil eben so ein kleines Kind nichts anderes hat als sich selbst, habe ich mir vorgenommen: „Wenn ich mal groß bin, schreibe ich auch solche Bücher.“ Ja, ich hatte schon als Kind eine recht erwachsene Sprache. Ich weiß nicht, ob es gut oder weniger gut ist, wenn ein Kind sich neue Worte selbst erklärt. Mir hat das nicht geschadet. Lesen prägt – es bildet nicht nur.

Nun wäre es ein Leichtes gewesen, Feder und Papier und losgelegt, sobald das Alter dafür erreicht gewesen ist.

Gehindert hat mich nicht nur meine Mutter, die in der Tatsache, mich zur Welt gebracht zu haben, das Recht an meinem Leben behauptete. Nein, intuitiv hatte ich wohl auch der Realität in der DDR zu leben, allerhand zugeordnet. Ich hätte es vielleicht zu einem anerkannten FDJ- Schreiber bringen können, aber was ich damals wollte und gekonnt hätte, kam im Sozialismus offiziell gar nicht vor. (Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – ich bin kein Freiheitsheld gewesen, ich wollte nur schreiben, wie ich will.)

Schreiben. Es ist wie atmen können, wie fliegen, wie weinen, schreien, wie leben, sterben, wachsen, schmelzen, auferstehen, wie … alles was mich ausmacht. Demnach habe ich viele Jahre nur für die Schublade geschrieben.

Anfänglich heimlich. Meine Mutter suchte nach meinen Machwerken, zerriss sie … und mich. Sie hatte nichts gegen Schreiben, sie wollte nur nicht, dass ich es kann. Beinahe meine ich, sogar das Talent von ihr geerbt zu haben. Die Kämpfe, etwas zu nutzen oder zu verbannen, was aus oder von ihr kommt, habe ich hinter mir.

In meinen besten Jahren, also in denen die allgemein so genannt werden, kam die Wende. Die Mauer fiel und ich hatte gedacht, nun kommt meine Zeit, ich werde beginnen zu schreiben, ernsthaft zu schreiben. Da kamen – fast über Nacht – die „Wendebücher“.

Diese: „Mir sind 40 Jahre meines Lebens gestohlen worden“ Geschichten habe ich nicht erzählen wollen, zumal es dafür ausreichend viele „35Jährige“ gegeben hat. Jedoch waren die Verlage zu dieser Zeit darauf geeicht, endlich die Ostdeutschen ins Bild zu bekommen. Das wollten damals alle lesen oder es sollten damals alle lesen. Was weiß ich, wie diese Politik gemacht wird. Egal. Wenn wir aus dem Osten was ganz gut können, ist es warten und improvisieren.

Also warten; ich wartete auf „meine Zeit“.

Mit Mitte 50, an einem Donnerstagmorgen gegen 3 Uhr habe ich den ersten Satz meines ersten Romans geschrieben. Ich konnte nicht mehr warten, in mir brannte alles was geschrieben werden musste, wollte, sollte, konnte, durfte …

Durfte? Hach! Ich bestimme was ich schreibe! Punkt!

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Den Fortgang dessen habe ich in meinem Blog unter: „Kommen Sie hierher! Kommen Sie ran! Hier bekommen Sie´s billiger als nebenan.“ (Teil 1 und Teil 2) angerissen. Dazu habe ich mich entschlossen, nachdem viele meiner Facebookfreunde mir zu meinem Gedichtband gratuliert und versichert hatten, sie laden es sich auf jeden Fall herunter, sobald ich eine Kostenlosaktion mache. Ich solle sie nur unbedingt ankündigen.

Gleichzeitig habe ich sofort so etwas wie schlechtes Gewissen entwickelt – was kümmert es die Welt, wie ich mich fühle, wenn fast jeder denkt, es gibt mich kostenlos? Bei der aktuellen Werbung im TV kann ich ja noch froh sein, nicht unter „schön billig“ eingestuft zu werden. Sollte ich nicht lieber in meiner „Burg“ bleiben und machen, was ich wirklich will – schreiben.

Und doch, immer mal wieder piekt es mich an. Es trifft mich, wenn wir Autoren – also viele von uns – wie Deppen in der Verlags- und Self Publishing Landschaft behandelt werden.

Erst vor ein paar Tagen hat mir in praxi der Administrator eines Forums erklärt, ich möge mich vom Acker machen und könne gerne wiederkommen, sofern mich ein namhafter Autorenverlag veröffentlicht, schließlich wäre dies allein die Garantie für Qualität.

Jene, auf enorm hohem Rosse reitende Dame (die gendertechnisch einwandfreie weibliche Bezeichnung für Admin kenne ich nicht und die, von der ich annehme, sie stimmt, klingt albern), hat das zwar konzilianter geschrieben, die Tonlage ist unverschämt hochtrabend gewesen.

Abgesehen davon, bin ich nur in diesem oben genannten Forum gelandet, weil mir Google eine Rezension angezeigt hat, die dort liegt und ich mich, ein bissel kindlich, gefreut habe und sie »in echt« sehen wollte.

Den Tenor der Allgemeinheit vertritt dieser Fachmann (oder nennt sich das Fachfrau?) jedoch ganz deutlich. Scharfer Wind, sogar aus den eigenen »selbst auch durchgeblasenen« Reihen, herrscht überall. Manches mutet wie der Versuch an, jeden vom Tellerrand zu jagen.

Diese Hatz lenkt mich von dem ab, was ich will und so zähle ich gern zu den Einzelgängern, die sich dem Becken der hohen Wellen nur selten nähern.

Meist bin ich stabil. Es ficht mich nicht an. Meinen Gewinn fahre ich durchs Schreiben ein. Das ist die Quelle meiner Lust am Leben. Zugegeben das Gelesenwerden ist das Salz in der Suppe, alles andere eher das im Kaffee.

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Was mich wundert? Wieso sich diese Zuschussverlage noch halten.

Was bieten sie heute Unersetzbares? Was können oder könnten wirklich nur sie? Was machen sie nicht, wofür sie sich aber bezahlen lassen?

Was ist so unersetzlich bemerkenswert an einem sogenannten namhaften Verlag? Ich muss jetzt einfach mal aussprechen, wie sehr mich erschüttert, dass sich die Häupter des Suhrkamp öffentlich versuchen gegen selbst errichtete Mauern zu schlagen.

Und bitte sage mir doch mal jemand, welcher Lektor heutzutage noch das ist, was – von mir aus altmodisch und althergebracht – aber eben wirklich fruchtbar ist? Niemand kann sich mehr um einen Autor kümmern, damit dessen Muse sich nicht abwende. Wie auch, die Butter fürs Brötchen und sei es noch so klein, will bezahlt sein.

Ergo: Das Wesentliche muss ohnehin vom Autor geleistet werden. Auf sich aufpassen. Bewahren, was er wirklich will. Sich vervollkommnen. Bin ich weltfremd, wenn ich denke, es muss mir beim Schreiben gut gehen, damit – was ich schreibe – gut ist?

Bestimmt wirklich Geld was wie wann geschrieben wird?

Ich kenne die Antwort – aber bitte, ich will das nicht wissen!

Mit dem Wissen soll ich erfolgreich das machen, was mich von keinem Unternehmer abhebt, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung fürs eigene Produkt? Irgendwie kann ich das nicht.

Ich will es auch nicht, denn ich habe keine Chance. Und ich habe sie nicht, weil das Vorurteil der Unfähigkeit auf mir lastet, solange mich kein Verlag druckt.

Ist es nur Mundpropaganda oder nehmen Rezensenten tatsächlich Self Publisher „nicht in die Hand“? Ist es nur der Anflug eines arroganten Scheins oder lesen Journalisten wirklich keine entsprechenden Hinweise auf Neuveröffentlichungen von „namenlosen Alleinproduzenten“?

Ich bin nach meinem Ausflug in den Schein der Verlagswelt von ihr geheilt – oder abgestoßen, jedenfalls habe ich mich weder bei Rezensenten noch Journalisten in die Reihe geschummelt.

„Wer ohne mich lebt, lebt mit Verlust“, lache ich so manchem Tag ins Gesicht.

Es stellt sich (mir) an den restlichen Tagen die Frage, auf welche Weise unterscheiden wir uns – die, in einem renommierten Autorenverlag unter Vertrag stehenden Autoren, bei einem BoD, bei einem Fair, bei einem eBook, Self Publishing – generell?

Ich möchte wirklich nicht unbelehrbar gelten, deshalb behaupte ich nicht, sondern stelle anheim, es gibt keinen Unterschied. Unsere Werke müssen wir alle selber an die Leser bringen, ausgenommen jene, die sich in allerhand TV-Formaten tummeln oder einen solch‘  überzeugend leistungsstarken Namen haben, dass sie auf Vorbestellungslisten und in Werbekonsolen feste Plätze generieren.

Die Vermutung, renommierte Verlage schürften nun im Wildpark der Selbstverleger nach güldenem Einzelglanz, wird von Ereignissen, wie in der eBook Plagiatswelt erlebt, nicht unbedingt unterstützt.

Mir scheint eher, da stünden einige am Ufer und warteten auf nützliches Treibgut, welches nur noch herausgefischt und ins bereits vorhandene Boot gehoben werden muss.

Was also bitteschön, frage ich mich gelegentlich, macht die Überheblichkeit des Marktes aus, die den Autoren der renommierten Verlage mehr Können bescheinigen als so manchem Self Publisher?

Folgende Antworten kenne ich:

1. Finanzielle Sicherheit

2. Lektorat

3. Covererstellung

Diese Punkte sind für mich nicht relevant. Finanzielle Sicherheit haben die wenigsten Autoren durchs Schreiben, und ich bin nicht auf ein „Schreibeinkommen“ angewiesen. Einem Lektorat werde ich mein ganzes Leben lang nie wieder vertrauen und mein Cover mache ich sowieso immer selber.“

Mit freundlicher Genehmigung © Angela Charlotte Reichel, der ich an dieser Stelle – sie weiß, warum – auch gratulieren möchte

„Solche Windstöße sind gut, die Düsterheit der deutschen Buchhändelei aufzuklären.“ (Goethe)

B. Claus DeFuyard erinnert sich: an die Erlebnisse eines Autoren, der in den literarischen Betrieb auszogen war, um dort das Fürchten zu lernen. Aus seinen Erfahrungen mit Neppern, Schleppern, Literaturkritikern und Juroren zog er den Schluss: „Man muss sich um sich selber kümmern.“ Womit der Grundstein für den Zeitlichkeitverlag gelegt war. Hier erscheint u.a. das Un-Periodikum „Der Kulturflüchter“, aus dem ich in der Rubrik „Der Kulturflüchter auf SteglitzMind“ in loser Folge Beiträge und Textauszüge vorstelle.

Vom Uhu, Meisen und großen Leuchten. Erinnerungen von B. Claus DeFuyard. Von wem sonst?

Es gibt Geschichten, mit denen sich Verleger immer schwer getan haben. Dokumente des Alltäglichen sind zur Genüge auf dem Markt. Mehr war nicht erwünscht. Hier jedoch geht es um eine Geschichte, in der ein Unberufener in der Einfalt seines Denkens unter die Räder eines Bezahlverlages geriet. Das war einmal. Auf sich gestellt, hatte er keine andere Wahl. In einem „rezessiven Markt“ wäre die Lieferbarkeit eines „vorfinanzierten Buchbestands“ die einzige Lösung – behaupteten sie. Das äußerliche Blendwerk, mit dem etliche Verleger ihr Sammelsurium von Sinn und Unsinn bezeichnen. Vom Image eines Nepper-Schlepper-Autorenfängers in den Abgrund pauschaler Nichtachtung gestürzt, drohte dem Autor lebenslänglich. Quasi für falsches Parken.

„Solche Windstöße sind gut, die Düsterheit der deutschen Buchhändelei aufzuklären.“, so der Jot Wolfi Goethe.

Eine Literaturkritikerin drückte sich in angeborener hochnotpeinlicher Zurechtweisung aus: „Ich fürchte“, schrieb sie, „das Buch kommt nicht in Frage, weil wir Bücher aus Bezahl- oder Zuschussverlagen nicht wahrnehmen.“ Man beachte demnach Gammelfleisch, pöbelnde Politiker, Dummheit an sichindes, nichts wahrzunehmen ist wahrlich der Höhepunkt schlaffer Inkompetenz. „Ihr Schreiben“, antwortete der gedemütigte Autor, „hat mich sehr getroffen. Ich bin nicht der Verleger, vor allem nicht der Verleger, wenn wir beide denselben meinen. Ich habe mit ihm nichts gemein. Ich bin nur verzweifelt.“

So besehen ist die Geschäftsphilosophie dieser Art von Verlegertätigkeit die reinste Rosstäuscherei, ein Hütchenspiel. Zum Mythos gehört, dass diese Spezies in ihrem verdammt Bisschenleben an anderen herumfummeln dürfen und ’Löcher in sie schlagen’. „Große Lichter sind die wahrlich nicht, nur große Leuchter. Sie handeln mit anderer Leute Meinungen.“ (Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbuch 1793)

irgendeinen Vogel hat jeder! Uhu oder Meise ... © Dierk Arnold / Der Kulturflüchter

irgendeinen Vogel hat jeder! Uhu oder Meise … © Dierk Arnold / Der Kulturflüchter

Auf dem Flohmarkt, wo früher mit rostigem Hausrat und Sperrmüll gehandelt wird, mit Resten von Goethe, Schiller und Schopenhauer, den Memoiren begnadeter Spaßmacher – beantwortete auch der Autor die Sinnfrage: „Man müsse sich um sich selber kümmern“, mit einem melancholischen Seitenblick auf Buch und Titel: ein Uhu vor einer alten Eiche, an deren Ästen Menschen hängen. „Der Uhu“, erklärt der Autor, „ist für den Unfug in den Köpfen des Menschen verantwortlich. Sag bloß“, so eine beiläufig Interessierte und staunte. „Der Mensch – ein Uhu? „Na ja – einen Vogel hat jeder“, antwortet der Autor, „alle hätscheln und tätscheln ihn – allein die Größe des Vogels hängt von der Bedeutung seines Besitzers ab – Meise oder Uhu.

Eine nicht sehr massenkompatible Geschichte und die meisten haben doch schon ein Buch. Und neuerdings das iPad – sie benötigen das Buch nicht. Die auf das aktuelle Geschehen reduzierte Nachrichtenprosa, macht Schreiben an sich schon zu einem Umweltdelikt.

Doch zurück zu damals: Ein Literaturkritiker – Mitglied einer Zunft, ein Wortrichter und der Kunst des Urteilens verpflichtet – dem der Namenlose sein Manuskript entgegen streckte, pflegte dann auch im Sinne einer buchstabendeutenden Zeichensetzung das Skript erst vom Moder und Staub zu befreien: „Der Text sei wie nicht sauber gespültes Geschirr …“, lautete die inquisitorische Metapher. Die einzige zulässige Rechtfertigung wäre: Autoren seien eben keine Menschen. Ringen mit ihren Visionen. Verzweifeln an der Buchmacherei. So kommt es, dass manche Autoren eine unglückliche Verrückung durchmachen, unablässig darüber nachdenken, in welcher Nische sie überdauern können, stets ums eigene Ich kreisen, zu dem oft nichts Ausreichendes zu vermelden ist, um sich vorbehaltlos darüber zu äußern.

Dennoch: Der Autor, dem Auditorium schließlich zum Fraß vorgeworfen, stand wie unter Hypnose. Er las. An der Stelle, als der Protagonist seiner Geschichte den Abhang herunter in ein schwarzes Loch plumpst, verabschiedete man den Autor vor laufender Kamera und trieb ihn derart öffentlich ab. „Ich sage Ihnen“, lächelte einer der Juroren, „was ich nicht sagen sollte, aber sagen muss – und nicht einmal weiß, ob jeder Mensch die Wahrheit verträgt, die natürlich nur meine Wahrheit ist: dem Urheber des soeben erledigten Textes, sollte das Handwerk gelegt werden. Er verbreitet Angst und Schrecken.“ Applaus. Gelächter.

Der Deuter der Autoren Not nennt Literatur Leben, das Leben Wahrheit, die Wahrheit Lüge, die Lüge Wirklichkeit und die macht sich über uns lustig. Er beschreibt die Veränderung des Verlagswesens, die in gewisser Hinsicht den Autoren am liebsten das Schreiben verbieten möchte. Und dann auf einmal das Internet. Dies irae – dies illa – der Tag des Zornes, die Antwort der Moderne auf das Weltgericht. Nur, wie es ausgeht, wissen wir noch nicht.

Der Autor erinnert sich: Gleichsam geteert und gefedert, beherrscht er seine Betroffenheit bis zum Grad der Selbstverleugnung. Er wurde verabschiedet, erhob sich – er, der vor der Lesung noch euphorisch verkündete, er habe vom Auditorium bis zum Podium dreißig Schritte gezählt und dafür ganze dreißig Jahre benötigt. Dann flüchtete er. Es blieb ihm, sich selbst zu subventionieren. Jetzt ist es soweit. Vom Regen in die Traufe.

Es obsiegte die Zierde der Literatur – eine liebliche Buchstabengestalt – für ihr Erstlingswerk: „Redundanz“. Die eigentliche und uneigentliche Bedeutung des Wortes ist: Überfluss – der Roman einer fiebrigen Spermatologin. Sie erhielt den Preis und ein illustres Blumengebinde. Die Literatur trieb Blüten. Und Blüten ihre Triebe. Mit viel buntem Staub an Ideen und Träumen. Es lebe der Uhu, der Urvogel in uns allen, der starke Vogel ohne Stimme, der immer nur seufzt. Es ist jedoch nicht das Ende der Geschichte.

Gerechtigkeit – Allerweltshure – Ankündigung mit Anspruch – nur, wer viel davon spricht, sorgt für das Scheitern von Gerechtigkeit. Wollen mal sehen … was aus uns noch werden kann, wenn die unsinnigen Gesetze weiterhin Beachtung finden. Spitzenkräfte auswandern. Ehrgeiz bestraft, Besitz verteufelt wird. Gott hat sich verlaufen. Das Sagen haben die Versprecher und Versager. Stillstand ist Fortschritt. Die Langsamen fressen die Schnellen.

Und jetzt wird das „Schreiben von Büchern ein kollektives Abenteuer: Das Publikum mischt mit.“ (Leser mach’s dir selbst, in: ZEIT ONLINE 31.01.2013)

© 2013 Der Kulturflüchter N° 1

Nachzulesen sind DeFuyards Erinnerungen „Vom Uhu, Meisen und großen Leuchten“ in: Der Kulturflüchter N° 1. Das Un-Periodikum erscheint im Zeitlichkeitverlag, Herausgeber ist B. Claus DeFuyard. “Der Kulturflüchter” präsentiert sich in Bälde auch mit einem Blog

„Entweder es passt oder es passt nicht.“ Buchblogger vs. Selfpublisher?

Ein Aufreger besonderer Art auf SteglitzMind war der Beitrag Lieber buchaffiner Blogger, wie hältst du es mit Selbst-Verlegtem?, der am 9. November 2012 erschienen ist. Darin zu lesen waren 15 Statements von Bloggern und Bloggerinnen, die auf die Frage Antwort gaben: Wie würdest du damit umgehen, wenn dir Selfpublisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Von Stimmungsmache gegen selbstverlegende Autoren konnte keine Rede sein. Herausgekommen ist ein ausgewogenes Meinungsbild: Die befragten Blogger stehen Publikationen von Selfpublishern zwar kritisch, aber nicht generell ablehnend gegenüber. So sie Rezensionsexemplare abwinken – was sie häufig tun, hängt das mit dem Selbstverständnis des jeweiligen Bloggers zusammen, der seine Unabhängigkeit schätzt und großen Wert auf selbstbestimmte Lektüre legt. Man will sich nicht in die Pflicht nehmen lassen. Und zwar gilt das für Publikationen von Selfpublishern und Rezensionsangeboten aus klassischen Verlagen gleichermaßen. Hier machen die Blogger keinen Unterschied. Einig waren sie sich auch dahingehend, dass Selfpublisher und Verlagsautoren durch Qualität überzeugen müssen.

Erstaunt hat mich so manche Reaktion, die der Beitrag hervorrief. Fast könnte man meinen, dass die Fronten zwischen Buchbloggern und Selfpublishern verhärtet sind:

Übrigens weiß ich nicht, ob ich bei diesem Beitrag und einigen Kommentaren heulen oder lachen soll. […].Ich habe den Eindruck, dass viele, die nun wirklich vorurteilsbeladen Self Publishing von vornherein als Trash klassifizieren, sich einfach nicht wirklich auszukennen scheinen.

Schade eigentlich, dass es da so viele Vorurteile gibt, denn ich denke immer, es kommt darauf an was in dem Buch drin steht und nicht welcher Verlagsnamen, bei denen man auch schummeln kann, draufsteht …

Was wirklich fehlt ist der Respekt vor Amateuren, auch im textlichen Bereich …

Zur meiner Irritation trug vergangene Woche des Weiteren der Artikel „Self-Publishing. Der YouTube-Literaturbetrieb“ von Jan Fischer bei, der bei ZEIT online erschienen ist. Zwar kommt dem Verfasser zweifellos das Verdienst zu, mit dem Thema Selfpublishing einen Gegenstand aufgegriffen zu haben, den die klassischen Medien lieber meiden. Allerdings kolportiert der Beitrag die Behauptung, dass „viele deutsche Blogger, die sich mit Rezensionen von Neuerscheinungen befassen“, Büchern von Selfpublishern „ablehnend gegenüber“ stünden. Dass sich die Aussage direkt auf den SteglitzMind-Blogpost vom 9. November 2012 bezog, verwunderte mich doch sehr.

denk mal um © GvP

denk mal um © GvP

Wo steht dort geschrieben, dass viele Buchblogger Indie-Publikationen keinen Respekt zollen, ihnen gar ablehnend gegenüberstehen? Wurde gar das Fazit des Beitrags übersehen, in dem zu lesen steht, dass Blogger keine Unterschiede machen und von Autoren – egal ob Indie-, Hybrid- oder Verlagsautor – in erster Linie Qualität einfordern. Warum fiel mein Versuch, ein differenziertes Stimmungsbild wiederzugeben, pauschalisierenden Schlussfolgerungen anheim? Neigt man in der Eile des Gefechts dazu, das Kind mit dem Bade auszuschütten?

Da mir daran gelegen ist, die Sachlage zu objektivieren, freue ich mich, heute mit 15 Stellungnahmen zur Frage nachziehen zu können: Wie würdest du damit umgehen, wenn dir Selfpublisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich habe da keine Vorbehalte. Das ist auch schon vorgekommen. Es ist ähnlich wie oben [bei Verlagen oder Dienstleistern]. Ich kaufe lieber, weil ich mich dann in meiner Entscheidung freier fühle, ob ich darüber schreiben will. Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby, Gleisbauarbeiten

Es kommt ganz darauf an, ob mich das Werk interessiert. Aber grundsätzlich sehe ich mich derzeit nicht als Rezensentin. Nur wenn mich etwas so begeistert oder empört, dass ich andere daran teilhaben lassen möchte, dann mache ich darauf aufmerksam. @Anousch, Anousch

Ähnlich [wie bei Verlagen oder Dienstleistern: Ich schau mir immer genau den Inhalt an, ob es mich interessieren könnte. Wenn nicht antworte ich höflich, dass es einfach nicht meinen Geschmack trifft.] Entweder es passt oder eben nicht. Bücherliebhaberin, glasperlenspiel13

Vermutlich ebenso wie ich es im Fall von Verlagen und Autoren tun würde. [Ich wähle sehr bedacht aus und greife meist nur bei mir bekannten Autoren zu oder auch bei einem Verlag, deren Programm sehr viele Übereinstimmungen mit meinem Lesegeschmack hat. Rezensionsexemplare bedeuten immer die Verpflichtung, zeitnah eine entsprechend ausführliche Rezension zum Gelesenen online zu stellen – die möchte ich gerne erfüllen und mich zugleich nicht beim Lesen und Schreiben hetzen, weil sich Rezensionsexemplare bereits bei mir stapeln. Aus diesem Grund, und auch weil mir manche Titel nicht zugesagt haben, habe ich Rezensionsexemplare durchaus schon dankend abgelehnt. Zudem kommentiere ich im Gegensatz zu vielen anderen Bloggern auch nicht vorwiegend Neuerscheinungen.] Svenja, Syn-ästhetisch

Ich nehme sie an, wenn sie zu meinem Blog passen. Marcus Johanus mit Marcus Johanus‘ Blog

Das ist schon vorgekommen. Bisher hab ich die Angebote abgelehnt, weil es sich dabei um Krimis und eine Biografie handelte, die mein Interesse nicht wecken konnten. Mal sehen, wie ich handeln werde, wenn mir mal etwas gut Klingendes angeboten wird … Ob ich dann mein eigenes Vorurteil, beim Self Publishing könne ja nichts Gutes rauskommen, überwinden werde? Ich könnte es ja hiermit beschließen und der Sache eine Chance geben! Mareike Fallwickl, Bücherwurmloch

Wie bereits erwähnt, wähle ich mir meine Bücher selbst aus. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit Freiheit, das zu lesen, was ich möchte – und die Zeit, in der ich das machen kann, ist eng begrenzt. So habe ich nur maximal zwei Stunden dafür am Tag Zeit dafür – außer an den Wochenenden oder im Urlaub. Ich möchte mich nur ungern von meiner Lesefreiheit trennen. Auf der anderen Seite sehe ich, wie schwieriger es für Schreibende wird, ihre Werke bei Verlagen unterzubringen. Simone Finkenwirth, Klappentexterin

Genau gleich wie bei den anderen Büchern: Ich reiche sie an das Team durch. Entscheidend ist, ob sich ein Rezensent dafür interessiert. Aber: es passiert in der Regel nicht … Oliver Gassner, Literaturwelt

Genauso, wie wir mit Rezensionsexemplaren von Verlagen umgehen. Wenn uns Genre, Titel und vor allem die Beschreibung ansprechen, würden wir das Buch auch lesen und rezensieren. Bislang ist das leider nicht vorgekommen, da meist entweder das Genre für uns nicht passte, oder der Inhalt nicht allzu attraktiv beschrieben war. Das wäre dann auch ein Tipp an alle Self Publisher: Jeder potenzielle Leser wird natürlich vom “Klappentext” auf den Inhalt und die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist, schließen. Dieser kurze Beschreibungstext muss also so attraktiv wie möglich und natürlich fehlerfrei sein. Stefanie und Yvonne, Leselink

Das ist bis jetzt noch nicht passiert. Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net

Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem Self-Publisher und einem “Verlags-Autoren”, d.h. siehe oben. (Rezensionsexemplare würde ich sehr, sehr sorgfältig prüfen, bevor ich eine Zusage geben würde. Leider habe ich immer viel weniger Zeit, als mir lieb ist. Deshalb würde ich keine Erwartungen wecken, die ich dann nicht erfüllen kann.) Axel Hollmann, Axel Hollmanns Schreibblog

Self-Publisher unterscheiden sich für mich nicht von anderen Autoren. Ich entscheide nach Titel und Thema, ob ich das Werk lesen möchte. Ruth Justen, Ruth liest

Wie bereits erwähnt, nehme ich ein Angebot an, wenn es mich anspricht. Wobei ich gestehen muss, dass das selten der Fall ist. [Noch vor einiger Zeit war ich mächtig stolz darauf, wenn mir ein Rezensionsexemplar angeboten wurde. Ich habe mich geehrt gefühlt, dass es jemanden interessiert, was ich von einem Buch halte. Ich habe diese Bücher auch gerne angenommen. Seitdem ich jedoch merke, dass viele Blogger die selben E-Mails bekommen, in denen nur die Anrede ausgetauscht wird, überlege ich doch ein bisschen länger, ob ich ein Rezensionsexemplar annehmen soll. Ehrlich gesagt finde ich es besser, selbst ein Rezensionsexemplar bestellen zu dürfen und freue mich jedes Mal sehr, wenn ich ein entsprechendes Päckchen aus dem Briefkasten herausfische.] Dorota Federer, Bibliophilin

Grundsätzlich genauso wie mit anderen Rezensionsexemplaren auch, allerdings nehme ich keine E-Books an , da ich keinen eigenen Reader besitze und auch vorerst keinen haben möchte bzw. brauche. (Heute nehme ich kaum noch Rezensionsexemplare an. Manchmal tut es mir leid, Absagen erteilen zu müssen, gerade in Hinblick auf noch unbekannte Autoren, doch ich schaffe das zeitlich einfach nicht mehr. Je nachdem, was beruflich oder privat so anliegt, bin ich zu eingespannt, sodass für den Blog kaum noch Zeit übrig bleibt. In solchen Phasen schätze ich es sehr, meine Lektüre frei auswählen zu können, ohne unter dem Druck zu stehen, das Buch möglichst zeitnah zu lesen und vor allem auch zeitnah rezensieren zu müssen.) Ada Mitsou, Ada Mitsou liest….

Ich mache keinerlei Unterschiede zwischen den Büchern von Verlagen und denen selbstverlegender Autoren. Für mich zählt die Qualität eines Buchs und nicht, ob es über einen bekannten Publikums-Verlag, einen Print-on-Demand-Anbieter oder als Kindle-eBook veröffentlicht wurde. Auch hier gilt: Ich veröffentliche nur dann eine Rezension, wenn ich das Buch meinen Lesern guten Gewissens empfehlen kann. Einen Verriss würde ich nur dann schreiben, wenn der Autor partout auf der Rezension seines Werks besteht. Richard Norden, Writers Workshop

Dezidierte Vorurteile gegen Selfpublishing oder gar Ignoranz gegen Publikationen, die in Eigenregie verlegt sind, werden in diesen Stellungnahmen abermals nicht laut. Und wenn, wie hier in einem Fall, dann werden diese kritisch hinterfragt. – So darf ich mein Fazit vom 9. November 2012 also getrost wiederholen: Durch die Bank legen die befragten Blogger Wert auf selbstbestimmte Lektüre, weshalb sie Rezensionsangebote vielfach ablehnen. Sie unterscheiden nicht zwischen Verlagsautoren und Selfpublishern, noch legen sie unterschiedliche Kriterien an die jeweiligen Publikationen an. Überzeugen lassen sie sich allein durch Qualität.

Weitere Überlegungen zur Bedeutung von Literaturblogs und deren Umgang mit E-Book und selbstverlegenden Autoren habe ich in einem Interview für litaffin angestellt, das hier nachgelesen werden kann.

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Die Frage Wie würdest du damit umgehen, wenn dir Selfpublisher ihre Titel zur Rezension anbieten?  ist Bestandteil der Gesprächsreihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger“ vor, die im September 2012 an den Start ging. Ihr voraus geht die Frage Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten? Aus den Antworten darauf stammen die Zitate, die in eckige Klammern […] gesetzt sind.

Rede und Antwort standen in der Interviewreihe bislang 37 Bloggerinnen und Blogger. Ein Überblick findet sich hier

Steglitz fragt bei Wilhelm Ruprecht Frieling aka @Prinz Rupi nach (Teil 3)

„Ich arbeite als Rampensau auf offener Bühne und mache mich notfalls auch zum Affen.“

Im ersten Teil des Gespräches äußerte sich Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als »Prinz Rupi« bekannt, u.a. dazu, wie er die Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung einschätzt und welche Zukunft er der Buchbranche prophezeit. In zweiten Teil des insgesamt dreiteiligen Interviews ging es um die Stichworte Self-Publishing und E-Book. Abschließend dreht es sich heute ums Buchmarketing.

Was hältst du von der Entwicklung, dass Autoren immer mehr für ihr Buchmarketing selbst tun (müssen)?

Rupi macht sich zum Affen © R. W. Frieling

Prinz Rupi macht sich zum Affen © R. W. Frieling

Der Zwang zum Self-Marketing gilt heutzutage für Autoren wie für bildende Künstler, für Musiker, Schauspieler und alle anderen Kulturschaffenden. Selbst prominente Verlagsautoren tingeln über Land und halten ihr Gesicht in die Kameras, um ins Gespräch zu kommen und sich zu verkaufen. Schließlich drängen immer mehr Selbstdarsteller mit ihren Werken auf den Markt.

Das Web 2.0 stellt uns mit den Social Communities dutzende Plattformen zur Verfügung, die für ein gezieltes Buchmarketing eingesetzt werden können. Wer online auftritt, hat eine größere Reichweite.

Was machst du für Dein Buchmarketing außerhalb des Social Web?

Ich veranstalte Lese-Performances an schrägen Orten, gern auch in Zusammenarbeit mit unkonventionellen Musikern und Schauspielern. Auf Barcamps, Kongressen und Fachveranstaltungen trete ich mit Vorträgen zu aktuellen Themen des Publizierens auf. Firmen im Medienbereich biete ich Mitarbeiterschulungen und Fortbildungen zum Stichwort Web 2.0 an. All das führt unmittelbar zu einem Interesse an meinen Büchern.

Welche deiner Aktivitäten außerhalb des Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Meine Veranstaltungen waren zu meinem Glück bisher immer ausverkauft. Beliebt sind Lesungen aus »Angriff der Killerkekse«, wo selbstverständlich auch Killerkekse zum Verzehr dargeboten werden. In meiner Show »Der Viagra-Mann kommt« bekommen die Besucher zuvor eine blaue Pille; das dient der Entspannung und Erheiterung.

Im Bereich Social Web: Welche Plattformen bevorzugst du hier für dein Buchmarketing? Warum?

Historisch bin ich in der Reihenfolge Online-Foren, Blogs, YouTube, LovelyBooks, Qype, Twitter, Facebook, Google+, Pinterest angetreten. Foren habe ich vor etwa zehn Jahren aufgegeben, das Trollunwesen machte eine vernünftige Arbeit fast unmöglich. Ich blogge seit 2006 und betreibe neben meinem Prinz-Rupi-Blog einen Literatur-, Oper- und Kunstblog sowie einen Gruppenblog mit derzeit 1.500 mitwirkenden Autoren. Insgesamt wurden über meine Blogs inzwischen weit mehr als 1,5 Millionen Leser erreicht.

Ich twittere seit 2008 mit guten Ergebnissen für mehr als 15.000 Abonnenten. YouTube ist ein toller Kanal für Tests, da habe ich knapp 400.000 Abrufe. Google+ ist für Sachthemen spannend und hat mehr Klasse als Masse. Pinterest kommt aufgrund des optischen Bezugs stark in Schwung. Über die Kindle-Community habe ich ebenso interessante Kontakte wie über LovelyBooks bekommen. Über XING werde ich zu Vorträgen und Firmenveranstaltungen eingeladen.

Und das Netzwerk, bei dem sich inzwischen alle tummeln?

Facebook wird als Bühne zunehmend uninteressant, Hobbyautoren schwimmen in diversen Gruppen im eigenen Saft und stehlen sich gegenseitig die Zeit. Sie neiden sich ihren bescheidenen Erfolg und schlagen aufeinander ein, bis das Blut spritzt. Ich bin neulich von einem talentlosen Schreiberlein als »Hassprediger« bezeichnet worden, weil ich sein Buch auf Amazon mit »nur« drei freundlichen Sternen bewertet hatte. Ein anderer schickte mit eine Anzeige wegen übler Nachrede ob einer kritischen Buchbesprechung ins Haus, die natürlich niedergeschlagen wurde. Das muss man sich mal vorstellen: So tief ist die Szene mittlerweile gesunken!

Rupi auf der Höhe © R. W. Frieling

Prinz Rupi auf der Höhe © R. W. Frieling

Bist du bei deinen ersten Schritten im Social Web planvoll vorgegangen? Setzt du für dein Buchmarketing auf eine Social-Media-Strategie?

Für mich war das die logische Fortsetzung der analogen Werbung. Ich habe mir angesehen, was es gab und das Beste daraus zu machen versucht. Sobald es Werkzeuge gab, um Rückläufe zu zählen, habe ich sie eingesetzt.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation im Social Web besonders?

Ich möchte meine Leser informieren und mit möglichst viel eigenem Content unterhalten. Auf keinen Fall will ich langweilen, spammen oder Links zum x-ten Mal wiederholen. Ich poste grundsätzlich keine privaten Dinge, ich arbeite stattdessen als Rampensau auf offener Bühne und mache mich notfalls auch zum Affen. Was hinter dem Vorhang passiert, geht niemanden etwas an.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an?

Schwer zu sagen. Meine beste Aktion in jüngerer Zeit war vielleicht Ask-A-Conductor für meinen Kunden Universal Music auf Twitter, damit konnte ich dem von mir aufgebauten Account KlassikAkzente in 24 Stunden knapp 2.000 neue Follower zuführen.

Was habe ich mir unter einer Dirigenten-Befragung bei Twitter vorzustellen?

Das war eine 24stündige Aktion auf Twitter, die unter dem Stichwort »#ask-a-conductor« weltweit ein musikinteressiertes Publikum von Melbourne über Johannisburg, New York, London bis Berlin zusammenbrachte. Weltberühmte Dirigenten wurden gewonnen, Fragen aus dem Publikum direkt per Tweet zu beantworten. In meinem Opern-Blog habe ich die Aktion ausführlich beschrieben.

Was floppte bislang im Social Web?

Lesungen im Second Life floppten aufgrund technischer Unzulänglichkeiten. Die Plattform kam zehn Jahre zu früh, sie wurde damals wie heute nur von Kennern genutzt. Auch Anzeigen für E-Books verbuche ich unter Misserfolge, weil die Kosten in keinem gesunden Verhältnis zu den Erträgen stehen. Ansonsten habe ich enormes Glück gehabt und stets schwarze Zahlen geschrieben.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen gesammelt?

Gratisaktionen sind ein großartiges Marketinginstrument, die möglichst zielgerichtet und anlassbezogen eingesetzt werden sollten. Beispiel: Zum Todestag von Richard Wagner habe ich meinen Opernführer zum »Rheingold« verschenkt. Zu meinem letzten runden Geburtstag gab ich meine Autobiografie »Der Bücherprinz« ab.

Bringt das wirklich was?

Der Name des Autors wird mit derartigen Aktionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht: Streuwerbung ohne Kosten. Mehr als 5.000 neue Leser konnte ich damit gewinnen. Anschlussverkäufe im dreistelligen Bereich wurden generiert. Derartige Aktionen bringen allerdings nur etwas, wenn der Titel mindestens unter die Gratis-Top-Five kommt.

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Ich war immer schon Workaholic und bin bekennender Internet-Junkie. Darum möchte ich diese Frage lieber überspringen. Nur so viel: Unter einer 80-Stunden-Woche geht es selten. Ich spiele gelegentlich mit dem Gedanken, einen Mitarbeiter für Routinen einzustellen. Doch damit wäre der Zwang zum Wachstum verbunden, und diese Phase habe ich eigentlich erfolgreich überwunden.

Ausloggen fällt dir demnach schwer?

Eines meiner Bücher heißt programmatisch »Tausend Titten tanzen Tango«. Damit beschreibe ich die endlosen Irritationen und Ablenkungen, die uns durch Klingeln, Blinken, Piepsen und Klopfen auf immer neue und raffinierte Weise im Netz verzaubern und gefangen nehmen wollen. Besonders problematisch empfinde ich dabei die zunehmend enger werdende Verzahnung der digitalen Welt mit dem Tagesalltag und seinen Abläufen. Kurz: Es kostet mich enorm viel Selbstbeherrschung, abzuschalten.

Gemälde von Jan Bouman ©  W.R. Frieling

Gemälde von Jan Bouman © W.R. Frieling

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle? Nutzt du Tools?

Jede Plattform verfügt über passende Tools. Es würde zu einem weiteren E-Ratgeber führen, hier jedes Werkzeug vorzustellen. Eine nützliche Zusammenstellung der Tools hat Wolfgang Gumpelmaier auf seiner Seite veröffentlicht.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Jeder muss sich die zentrale Frage beantworten, ob er privat auftreten will oder als Kunstfigur agiert. Beides geht meines Erachtens nicht. Ich finde es grauenvoll, wenn Autoren sich im Netz abmelden, weil sie kurz pinkeln gehen, ihren Urlaub verkünden, als würde sie tatsächlich jemand vermissen und sich dann wieder zurückmelden, um zehn Likes à la »Ach wie schön, dass Du wieder da bist« zu kassieren. Ich finde einfach nur peinlich, wenn sich Damen plötzlich als Muttis aufspielen, wildfremde Leute wecken, mit virtuellem Gebäck füttern und ihnen ein Gute-Nacht-Lied singen.

Wie schätzt du die Entwicklung ein, dass Twitter und die anderen Social Communities wie Facebook mittlerweile von fast allen Verlagen entdeckt worden sind?

Von fast allen Verlagen entdeckt? Wo siehst du das denn? Die meisten Verlage nutzen Twitter & Co in der Manier, sich ein weiteres buntes Mäntelchen in den Schrank zu hängen, weil das momentan jeder so macht. Das geschieht in vielen Fällen herz- und hirnlos. Sonst würde ich nicht immer wieder Anfragen von Verlagen bekommen, ob ich ihr Team schulen kann oder einen Twitter-Account für sie einrichte. Letzteres ist, unter uns gesagt, eine lukrative Nebenbeschäftigung …

Danke sehr, Rupi. Unser Gespräch war mir Ehre, Lehre und Vergnügen zugleich …

Ich habe zu danken, denn ich vermute, dass Du Dir mit diesem Interview nicht nur Freunde machst. Dazu polarisiere ich zu stark. Und wie heißt es so schön: »Der Mutige wird zuerst erschossen«. Dennoch hoffe ich, dass Dir der Gnadenschuss aus dem Stall der Neidhammel erspart bleibt. Ich bleibe jedenfalls mir und meinen Idealen treu und folge meiner inneren Stimme. Damit bin ich im Leben sehr weit gekommen.

Ist der Ruf erst ruiniert … So du Zeit und Lust hast, legen wir 2013 nach.

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Wer mehr über Wilhelm Ruprecht Frieling erfahren möchte, findet ihn und seine Bücher hier im Netz:

Webpräsenzen:

Heimathafen

Herausgeber

Wikipedia

Twitter

Google+

Facebook

Pinterest

YouTube

XING

Blogs:

Prinz-Rupi-Blog

Literatur-Blog

Opern-Blog

Kunst-Blog

Autoren-Blog

Bücher:

http://www.amazon.de/Wilhelm-Ruprecht-Frieling/e/B001K1NI6G

Steglitz fragt bei Petra Röder nach

„Es gibt kaum einen rationalen Grund, nicht auf E-Books umzusteigen.“

Die Verbindung zu Petra kam über Michael Röder zustande, für dessen Portal The Intelligence ich gelegentlich schreibe. Als ich mir Gedanken machte, welche Autoren unterschiedlichen Schlages in meiner losen Gesprächsreihe den Anfang machen könnten, fragte ich Micha, ob er mir einen Kontakt herstellt. Und: siehe da …

Die Selbst-Verlegerin Petra Röder ist ursprünglich Grafikerin. Ihr Debüt, den ersten Band der Vampir-Trilogie „Blutrubin“, veröffentlichte sie 2011 bei „edition winterwork“, einem BOD-Verlag, der auch die Folgebände druckte. Mit ihren E-Books ist sie bei Kindle präsent, seitdem die Plattform in Deutschland im Frühjahr 2011 an den Start ging. Petra hat klare Vorstellungen von den Anforderungen an Self Publisher und ist davon überzeugt, dass dem E-Book die Zukunft gehört. Ginge es nach ihr, würde die Buchpreisbindung in Deutschland fallen.

Wie kam es zu deiner ersten Publikation?

Ich habe vor rund drei Jahren mit dem Schreiben begonnen und einen, nennen wir es Übungsroman zu Papier gebracht. Der liegt mittlerweile gut verschlossen in einer Schublade. Dort wird er auch bleiben. Das erste vorzeigbare Werk war „Blutrubin – Die Verwandlung“ mit dem ich mich auch bei verschiedenen Verlagen und Agenturen beworben habe. Neben vielen Absagen, die übrigens heute noch – nach über 2 Jahren – eintreffen, bekundete eine bekannte deutsche Literaturagentur ernsthaftes Interesse. Nach vielen Gesprächen habe ich den Roman umgeschrieben und die Charaktere etwas verjüngt, damit die Zielgruppe sich besser damit identifizieren kann. Das alles nahm ein halbes Jahr in Anspruch. Danach war drei Monate Funkstille. Am Ende wurde mir dann mitgeteilt, dass derzeit kein Bedarf an weiteren Vampir-Romanen bestünde. An diesem Punkt habe ich mich entschlossen, die Veröffentlichung selbst in die Hand zu nehmen.

Deine Bücher sind bei „edition winterwork“ erschienen. Hast du – außer dem Druck – auch andere Dienstleistungen in Anspruch genommen?

Neben dem Druck ist „edition winterwork“ ist auch für den Vertrieb zuständig. Die Covergestaltung und den Satz habe ich selbst übernommen. Als Grafikerin fällt mir das nicht schwer. Das Lektorat wurde zusammen mit meinem Mann, einigen Testlesern und Softwareunterstützung ebenfalls selbst bewerkstelligt. All diese Dienstleistungen kann man bei „edition winterwork“ auch dazu buchen, sofern man sich damit überfordert fühlt.

Wieso „edition winterwork“ …

Vor der Zusammenarbeit mit „edition winterwork“ habe ich sehr ausführlich recherchiert, bei welchem Anbieter ich mein Buch veröffentlichen möchte. Die Leitungen sind sicherlich überall ähnlich, die Preise und Vertragsbedingungen sind allerdings eklatant unterschiedlich. Da mir bei „edition winterwork“ auch telefonisch eine sehr kompetente und intensive Beratung geboten wurde, habe ich mich letztendlich für diesen Anbieter entschieden und es bis heute nicht bereut. Meinen Verlag kann ich hier reinen Gewissens eine Empfehlung aussprechen.

Welche Vorteile machst du in der Zusammenarbeit mit einem BOD-Verlag aus?

Im Vergleich zu klassischen Verlagen sehe ich einen großen Vorteil darin, dass Bücher, schnell und unkompliziert veröffentlicht werden.

Siehst du in der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen auch Nachteile?

So man keine größeren Summen investieren möchte oder kann, muss man sich um alles in Eigenregie kümmern: Lektorat, Satz, Cover und Marketing. Mittlerweile sehe ich das jedoch nicht mehr als Nachteil. Wahrscheinlich, weil es mir längst zur Routine geworden ist.

Was sollte man bei der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen besonders beachten?

Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Daten, hier besonders der Text, korrekt sind, die man für den Druck übermittelt. Letztendlich wird gedruckt, was man liefert. Ohne weitere Rückfragen. Mit meinem ersten Buch habe ich diesbezüglich eine unvergessliche Erfahrung gemacht. Als ich die für meinen Eigenbedarf benötigte Auflage bestellt habe, rutschte mir doch tatsächlich versehentlich eine unkorrigierte Version in die Mail an den Verlag. Diese Bücher liegen jetzt hier im Schrank. Vielleicht werden sie einmal begehrte Sammlerstücke, wer weiß … Zum Verkauf taugen sie jedenfalls nicht.

Welche Vorteile hat Self-Publishing deiner Meinung nach?

Ich bin mein eigener Herr. Meine Bücher erscheinen so, wie ich sie geschrieben habe. Es gibt niemanden, der sich einmischt, weder bei der Story noch bei der Gestaltung des Covers.

Wo machst du besondere Risiken aus?

Bisher sind mir keine Risiken aufgefallen; zumindest nicht bei meinem Anbieter.

Was rätst du jenen, die Schritte in Richtung Self Publishing/Independent Publishing planen? Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Ein BOD-Verlag druckt alles, was man ihm vorlegt. Auch den allergrößten Mist, um es unverblümt zu sagen. Daher ist es ungemein wichtig, sich zuallererst wirklich belesene und vor allem gnadenlose Kritiker zu suchen, auf die man dann auch hört. Kritikfähigkeit ist unabdingbar. Wahrscheinlich ist kein Autor auf diesem Planeten in der Lage, das eigene Werk objektiv zu betrachten. Wer aus der Schreiberei einen Nebenerwerb oder mehr machen möchte, der muss qualitativ Ansprechendes abliefern. Ob das dann ein wirklicher Erfolg wird oder nicht, stellt sich erst später heraus.

Petra Roeder – Foto (c) Michael Roeder

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man sich keinen Illusionen hingibt. Es mag da so manchen geben, der sich bereits kurz nach der Veröffentlichung Gedanken über seine Rede zur Verleihung des Literaturnobelpreises macht. Das mag jetzt überspitzt formuliert sein. Aber: Wer von vornherein davon ausgeht, ab sofort mit Reichtum und Ruhm rechnen zu können, der liegt gründlich daneben. Um einen kommerziellen Erfolg zu erzielen, müssen viele Faktoren zusammenspielen, die man nur bedingt planen kann.

Was unerlässlich ist, ist das Marketing. Das tollste Buch wird von niemandem gekauft, wenn kein Mensch weiß, dass es das Buch gibt. Besonders in Sachen Social Media kann man mit der Vorplanung gar nicht früh genug anfangen.

Du veröffentlichst deine Bücher auch als E-Book, und zwar in der Amazon Kindle-Edition. Was hat dich dazu bewogen?

Ich stieg bei Kindle bereits kurz nach dem Start der Plattform ein, um zu testen, ob es da wirklich einen Markt gibt. Die Verkaufszahlen waren gleich zu Beginn erfreulich. Und da die Veröffentlichung eines Kindle-Buches relativ einfach ist, lag es auf der Hand auch meine anderen Bücher dort einzustellen. Ein nicht zu vernachlässigender Grund sind natürlich auch die deutlich höheren Tantiemen.

„Traumfänger“ lag zunächst als E-Book vor – dann als körperliches Buch. Was versprichst du dir von dieser Abfolge?

Die gedruckte Ausgabe war von vorneherein geplant, da es sehr viele Leser gibt, die ein Buch in Händen halten möchten. Allerdings ist die Kindle-Version schneller erstellt. Und so etablierte sich bei mir das Prozedere, ein neues Buch direkt nach Fertigstellung als Kindle-E-Book zu veröffentlichen und sich erst danach um den Satz und das Cover für die gedruckte Version zu kümmern. Zudem dauert es auch ein bisschen, bis ein neues Druckwerk bei Amazon und den anderen Anbietern gelistet und verfügbar ist. Das ist auch bei meinem neuesten Roman „Racheschwur“ so, was die Fortsetzung von „Flammenherz“ ist. Seit vorletzter Woche gibt es die Kindle-Edition. Die gedruckte Ausgabe erscheint am 1. September.

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Den habe ich aktiviert. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass wir hier nicht von „unknackbar“ sprechen. Ich stehe allerdings auf dem Standpunkt, dass für geleistete Arbeit auch ein entsprechendes Honorar fällig ist. Und wer es noch nicht selbst gemacht hat, dem sei es hier verraten: Dass es wirklich Arbeit ist, ein Buch zu schreiben.

Was hältst du von den Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book?

Ich finde das sollte man jedem Autor bzw. Verantwortlichen selbst überlassen. Der Vorteil am E-Book ist ja, dass mit ein paar Mausklicks etwas geändert werden kann, neben spät erkannten Tippfehlern auch der Preis. Ob man das nun für eine befristete Sonderaktion zu Promo-Zwecken nutzt oder herumexperimentiert, zu welchem Preis sich das Buch gut verkaufen lässt.

Ich habe das mit meinem Buch „Mitten ins Herz“ so gemacht. Anlässlich der Fußball-EM habe ich den Preis heruntergesetzt, um den nicht fußballbegeisterten Lesern eine kleine Freude zu machen. Die Verkaufszahlen sind daraufhin so exorbitant angestiegen, dass ich beschlossen habe, den reduzierten Preis zu belassen. Mit einer Preisbindung ist das unmöglich. Wenn es nach mir ginge, würde auch die Buchpreisbindung für Gedrucktes abgeschafft. Überall wird von den „Märkten“ geredet, die das regeln. Nur bei Büchern hält man an einer Regelung fest, die einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Das beantworte ich mit ganz klaren Ja. Das lässt sich doch bereits an den Verkaufszahlen von E-Books ablesen, die von Monat zu Monat ansteigen. Seit Weihnachten 2011 ist ein echter Boom erkennbar. Man hat deutlich gemerkt, dass der Kindle-Reader bei vielen Menschen unter dem Christbaum lag. Ich gehe davon aus, dass sich das dieses Jahr wiederholt. Ich bin mir zwar sicher, dass gedruckte Bücher zumindest mittelfristig nicht aussterben, aber in den kommenden Jahren mehr und mehr von E-Books abgelöst werden. Wer schon einmal einen E-Book-Reader mit E-Ink-Technologie in der Hand hatte, wird zugeben müssen, dass der Unterschied zu Papier wirklich minimal ist. Es gibt also kaum einen rationalen Grund, nicht auf E-Books umzusteigen.

Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf traditionelle Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben (werden). Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Sagen wir es so: Als Buchhändler würde ich mir schon meine Gedanken machen, was in drei oder fünf Jahren sein wird. Auf den Buchladen vor Ort dürften echte Probleme zukommen. Für Verlage wird es sicher nicht ganz so dramatisch werden. Die werden ihre etwas geringeren Umsätze dann eben mit E-Books wettmachen.

Glaubst du, dass Independent Publikationen à la longue den klassischen Verlagen den Rang ablaufen können?

Das kommt darauf an, wie sich die Autoren verhalten. Es ist zwar einfach ein E-Book auf den Markt zu bringen, aber nicht jeder Autor ist auch in der Lage ein gutes Buch zu schreiben. Sicher sind unter den neuen Autoren viele unentdeckte Talente, aber eben auch viele Hobbyschreiber, die über kurz oder lang erkennen werden, dass sieben verkaufte Bücher innerhalb eines Jahres zum Broterwerb nicht taugen. Ich denke, das wird sich mit der Zeit einspielen. Neben den publizierenden Hobbyschreibern werden etablierte Self Publisher und E-Book-Autoren stehen, die den traditionellen Verlagen richtig Konkurrenz machen. Ob die renommierten Bestseller-Autoren zukünftig auf Verlage verzichten werden, kann ich schwer einschätzen. Es ist aber zu vermuten, dass sich Vertragsverhandlungen anders gestalten werden und die Tantiemen entsprechend erhöht werden.

Der zweite Teil meines Gespräches mit Petra Röder dreht sich darum, was sie für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken? – Rede und Antwort standen hier bereits Jando und Petra van Cronenburg.

Steglitz fragt … bei Autoren nach

Seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, hier Autorinnen und Autoren zu Wort kommen zu lassen, die mir im Social Web aufgefallen sind.

Die lose Interview-Reihe, die morgen an den Start geht, wird sich stets mit den gleichen Fragestellungen beschäftigen. Es geht darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen. Mich interessiert, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

Einerseits erhalten die Autoren eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung und -reflexion. Andererseits erhoffe ich mir, dass wir von ihren Ideen und Erfahrungen

  • wie sie publizieren
  • wo sie publizieren und
  • was sie für ihr Buchmarketing tun

lernen können und Anstöße für unsere eigenen Wege im Social Web und den Umgang mit den neuen Distributions- und Kommunikationskanälen erhalten. Dass unter den befragten Autoren auch solche sein werden, die ich auf beruflichem Wege kennen gelernt habe, liegt auf der Hand.

Ich freue mich auf anregende Gespräche und zudem auf Vorschläge, welche Autoren hier auch zu Wort kommen könnten. – Rede und Antwort standen bereits Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher und Lindenstraßen-Autor Michael Meisheit, Jost Renner, der mit dem Gedichtband „LiebesEnden“ debüttierte, und Gabriele Schmid, die einen Eigenverlag an den Start brachte.