„Ich muss das einfach tun.“ – SteglitzMind stellt Hartmut Abendschein von der edition taberna kritika vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht das 50. Gespräch an. Mit Hartmut Abendschein, der seine edition taberna kritika 2007 ins Leben gerufen hat. Den Vorschlag machte Günter Vallaster von der edition ch.

Eine Skizze vom Verlag …

Hartmut Abendschein © Sabine Jansen

Hartmut Abendschein © Sabine Jansen

Die edition taberna kritika (kurz: etkbooks) ist ein Literaturverlag mit Sitz in Bern. Ende 2007 habe ich den Verlag gegründet, um eine Plattform für anspruchsvolle formale, inhaltliche und sprachliche Experimente zu schaffen. Vorausgegangen ist eine längere Beschäftigung im und mit dem Umfeld der Netz- und Weblogliteratur – als Autor und Herausgeber, seit Anfang der 2000er. Mein literarisches Weblog hieß damals und heißt heute noch taberna kritika, mittlerweile ist es vor allem Werkstatt und literarischer, digitaler Vorlass.

Die Programmschwerpunkte?

Der Editionsname kommt also nicht von ungefähr. Mit der Edition versuche ich in kleinstmöglicher Struktur eine maximale literarische Bandbreite abzubilden, in der auch die Darstellung von offenen Textformen und Schreibprozessen sowie unterschiedlichste Medientypen Platz finden. Vor 2 bis 3 Jahren habe ich ihr eine noch stärkere konzeptuelle Ausrichtung verpasst. Sie ist jetzt eine differentielle Exempelsammlung in Progress. In den Medien Buch, Objekt und Digitales Objekt erschließt sie systematisch das Feld eines erweiterten Literatur- und Lesebegriffs und untersucht die vielfältigen Produktions- und Rezeptionsmöglichkeiten literarischer Ausdrucksformen. Im Lo-Fi-Modus soll einer durch Markt und Betrieb verengten Ästhetik ein breites Spektrum an Arbeiten entgegengehalten werden, die einschlägige Kategorisierungen um Autorschaft, Werk und Gattung problematisieren.

Machen Sie alles alleine?

Ich mache immer noch das Meiste alleine, habe aber Unterstützung in der Auslandsauslieferung durch eine Kölner Galerie und eine Handvoll Leute, mit denen immer wieder kleine Veranstaltungen durchgeführt werden. Wenn ich etwas nicht selbst machen kann, hole ich punktuell auch freie Mitarbeiter bzw. Dienstleister mit ins Boot.

Ihre persönlichen Highlights?

etbooks cover1Highlights? Da jeder Titel für eine eigene Koordinate steht und jetzt und künftig eine Bedeutung in der Gesamtstruktur hat, habe ich keinen speziellen Liebling. Auffälliger sind natürlich gewisse Titel, die medial stärker rezipiert wurden, oder einen Preis oder Förderungen erhielten etc. Wie Roland Reichens “Sundergrund”, Li Mollets “sondern”, Franz Dodels “Von Tieren” oder das “Schellendiskursli” von mir.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Nach Buchhandelsausbildung, Literaturstudium, Praktika und Volontariat im Bereich Literatur – Buch – Medien lag das für mich lange auf der Hand. Da ich noch einen anderen – allerdings literaturaffinen – Job habe, bin ich sozusagen teilselbständig. Damit hänge ich finanziell nicht vollständig vom Wohl und Wehe der Produktion ab und bin inhaltlich und programmgestalterisch sehr unabhängig. Das schätze ich sehr. (In gewissem Sinne ist es sicher aber auch eine Kompensationsstrategie, weil man in meinem Alter eher nicht mehr in einer Punkrockband spielt.)

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Als neugieriger und geselliger Mensch sehe ich da keine Schwierigkeiten. Außerdem, wenn man das als künstlerische Arbeit bezeichnen will: ich muss das einfach tun.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Da ich mich immer schon mit Digitalität beschäftigt habe, gab es keine großen Veränderungen. Gewisse Workflows waren von Anfang an auch schon so da. Im Laufe der Zeit konnte ich aber einige Prozesse verschlanken und optimieren.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

etbooks cover2Ich habe immer schon den Merve-Verlag bewundert mit seiner minimalistischen Serialität. Die aber immer absolut stimmig und zeitgemäß war. (Natürlich gibt es noch einige andere Verlage, die das so durchziehen.) etkbooks orientiert sich teilweise daran, hat programmatisch aber einen etwas anderen Ansatz. Tendenziell sind abseitigere Schreibansätze, Mischformen, Experimente, medial und inhaltlich gewagtere Konzepte gefragt. Auch: ein spielerischer Umgang mit der Materialität von Zeichen. Und dabei soll es nicht allzu verkrampft zugehen. Das Ignorieren betrieblicher Buchzyklen, beispielsweise, kann sehr befreiend sein.

Prinzipiell sehe ich die ganze Verlagsproduktion, also den Verlagstext, eher als akkumulatives Gesamtkunstwerk. Ein einzelner Titel steht dabei weniger im Vordergrund als der Dialog der Texte untereinander. Und dieser Dialog soll auch auf der Höhe der Zeit stattfinden. Hochgejazzte Autorschaftsinszenierungen gibt es bei etkbooks auch nicht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich glaube, das war ganz OK so, wie es bislang lief …

Wie gewinnen Sie Autoren?

etbooks cover3Über Netzwerke (z.B. litblogs.net), Veranstaltungen, die ich besuche, oder auf kleineren Messen, auf denen ich ausstelle. Auch über persönliche Kontakte, schreibende Freunde. Wenige Male bin ich auch schon auf Autoren direkt zugegangen, wenn ein Textansatz besonders gut ins Programm gepasst hat. etkbooks bekommt allerdings auch regelmäßig unverlangte Manuskripteinreichungen. Meistens merke ich aber sofort, dass sich die Verfasser gar nicht mit dem Verlagskonzept beschäftigt haben und die Texte passen dann nicht mal ansatzweise. Jedenfalls ist die Textpipeline voll und ich muss gerade das Jahr 2017 ordnen. Da ich selbst auch schreibe, muss ich noch hinzufügen, dass immer mal wieder auch ein Bändchen von mir bei etkbooks erscheint. Ich war zwar früher auch schon bei einigen anderen kleinen Verlagen. Derzeit habe ich aber keine Lust mehr, mit – für Außenstehende – seltsamen, abseitigen, unverständlichen, aber mir wichtigen Textprojekten und Schreibansätzen auf langwierige Verlagssuche zu gehen. Wozu auch, wo ich mir doch nun so ein kleines Maschinchen gebaut habe.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wie gesagt: ich mache das Meiste selbst. (Bis auf die Auslandsversände etc.) Das ist in der Größenordnung gerade noch leistbar. Wie es in 5 Jahren aussehen wird, kann ich im Moment allerdings noch nicht sagen, weil ja doch auch ein gemächliches, aber kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen ist.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich freue mich, wenn der Buchhandel bei mir bestellt. Das macht bei mir derzeit vielleicht knapp die Hälfte aller Bestellungen aus. Aber sicher kann man das noch verbessern. Ein paar gut sortierte, spezialisierte Buchhandlungen, auch solche mit Kunstkontexten, haben etkbooks-Novitäten immer an Lager. Ich forciere aber nicht eine breitere Streuung bzw. Präsenz in Buchläden mit allgemeinem Sortiment. Es sind ja in der Regel keine Bücher, die sich im Stapel von selbst verkaufen, weil da wie wahnsinnig in die Werbung gepumpt wird.

Wie halten Sie es mit Amazon?

etbooks cover4etkbooks liefert keine Bücher über Amazon aus und hat dort auch kein Lager – keine Margenkämpfe, keine Magenkrämpfe. Um Zweitverwertern und Ramschern das Feld aber nicht kampflos alleine zu überlassen, bietet es die Bücher über den Marketplace an. Zudem bleibt der Titel so als lieferbarer Titel präsent. Wo es sinnvoll ist, gibt es etkbooks als Kindle-Editions, ca. ½ Jahr nach Erscheinen der Printedition. Die Digitalen Ausgaben gibt es natürlich auch auf anderen Plattformen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Das übliche im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten: Mailings, Twitter, Blogposts, Messeauftritte, ab und zu mal eine Anzeige. Rezensionsexemplare, die auf Abruf, aber generell großzügig ausgegeben werden. Auch an interessierte BuchbloggerInnen. Die Kooperation mit SWIPS hilft bei der Vernetzung. Veranstaltungen, Lesungen etc. sind natürlich auch nicht schlecht … Ab und zu gibt es einen kleinen Preis oder Titelförderungen, die können etwas beflügeln.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV macht immer wieder gute Sachen und ist in der Schweizer Buchbranche eine wichtige Instanz, auch wenn ich nicht mit allen Überlegungen und Maßnahmen einverstanden bin. etkbooks ist allerdings (noch) zu klein dafür. Dafür ist etkbooks bei SWIPS dabei, die oft mit dem SBVV kooperieren.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Lesende mit Sinn für Bewusstseinserweiterungen, Theorie in der Praxis, Experimente, Freude am Erkenntnisgewinn, an Prozesshaftigkeiten, Fragmenten und komplettistischer Sammelwut.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen? Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

etbooks cover5Die Chancen und Risiken halten sich gegenseitig in Schach. Das hat ein gewisses Entspannungspotential.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das sind oft ganz angenehme Leute. Meistens können sie gute Partys organisieren.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es stellt sich die Frage: soll damit (hauptsächlich) Geld oder (hauptsächlich) Kunst gemacht werden? Für den ersten Fall habe ich keinen Tipp. Der interessiert mich eigentlich auch gar nicht. Für Fall 2: Ein stabiles Konzept und ein langer Atem schaden da nicht. Ein Nichtverstandenwerden bzw. Pathologisierungen muss man aushalten können. Am besten, man legt sich erst mal eine Lederjacke zu.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

In dieser Reihe wurden schon einige Verlage genannt, die ich gut finde und deren Produktion ich interessiert verfolge. Auf die SWIPS Independent Publishers habe ich auch schon aufmerksam gemacht. Namentlich will ich noch die kleinen Literaturverlage wie bspw. den verlag die brotsuppe, Der gesunde Menschenversand oder die edition pudelundpinscher erwähnen. Und: Ein Gruß nach Biel geht ans Haus am Gern bzw. die Edition Haus am Gern und einer nach Basel an das Büro für Problem.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © etbooks

das Logo © etkbooks

Die edition taberna kritika im Netz:

Verlagswebsite: http://www.etkbooks.com

Twitteraccount mit Informationen aus Verlag und Werkstatt, obskuren Beobachtungen und streng subjektivistischen Notaten: http://twitter.com/etkbooks

„Wenn ich Kompromisse eingehen wollen würde, würde ich keinen eigenen Verlag brauchen.“ – SteglitzMind stellt Jano Rohleder von dani books vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Jano Rohleder von dani books Rede und Antwort. Der Vorschlag kommt von Mark Fischer vom Epsilon-Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

dani books ist ein deutscher Comicverlag, der seit Herbst 2012 All-Age- und Erwachsenentitel veröffentlicht. Alle Titel liegen sowohl in gedruckter Form als auch digital vor, außerdem kann man sich bei einem Großteil der Comics eine kostenlose Digital Copy herunterladen, wenn man die Druckausgabe gekauft hat.

Machen Sie alles alleine?

Comic-Salon Erlangen: v.l.n.r.: Standhelfer Sergio Presta, Zeichner Giovanni Rigano ("Monster Allergy"), Zeichnerin Paola Antista ("Katzen!"), Verlagsleiter Jano Rohleder, Autor und Zeichner Stephen Mooney ("Half Past Danger - Damen. Draufgänger. Dinosaurier.") sowie Stephens Frau Jacintha. © dani books

Comic-Salon Erlangen: v.l.n.r.: Standhelfer Sergio Presta, Zeichner Giovanni Rigano („Monster Allergy“), Zeichnerin Paola Antista („Katzen!“), Verlagsleiter Jano Rohleder, Autor und Zeichner Stephen Mooney („Half Past Danger – Damen. Draufgänger. Dinosaurier.“) sowie Stephens Frau Jacintha. © dani books

Ich bin mein einziger Mitarbeiter und mache aus Budgetgründen nahezu alle der anfallenden Tätigkeiten selbst (Layout, Lettering, Lektorat etc.). Das ist zwar ein Haufen Arbeit, kostet mich aber natürlich entsprechend weniger und sorgt zudem dafür, dass am Ende alles genauso aussieht, wie ich mir das vorgestellt habe. Bei Übersetzungen und Textüberarbeitungen lasse ich mir aber bei vielen Titeln etwas helfen, da ich zwar eigentlich Übersetzer bin, es aber aufwandstechnisch für mich gar nicht zu schaffen wäre, alles auch noch selbst zu übersetzen.

Ihre Highlights im Bücherjahr?

Ein Highlight dieses Jahr dürften sicherlich die zwei brandneuen „Isnogud“-Alben aus Frankreich sein, die bei mir als deutsche Erstveröffentlichung erscheinen … und da nun „Akte X“ als TV-Miniserie fortgesetzt wird, ist es natürlich nicht unangenehm, dass ich seit anderthalb Jahren die offiziellen Comics zur Serie im Programm habe. Derzeit erscheint noch „Staffel 10“ und nach deren fünftem Band wird dann zu „Staffel 11“ übergegangen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Das hat sich mehr oder weniger zufällig ergeben. Ich bin schon seit der Oberstufe Übersetzer (und mittlerweile öfters auch Redakteur) für die Disney-Titel von Egmont Ehapa Media und der Ehapa Comic Collection. Im Zuge dessen habe ich seit Anfang 2011 auch die Don Rosa Collection übersetzt und bearbeitet, eine neunbändige Gesamtausgabe der Duck-Comics von Onkel-Dagobert-Starzeichner Don Rosa, den ich schon seit vielen Jahren gut kenne. Dabei entstand die Idee, doch auch mal Sammelbände von Dons Vor-Duck-Comics zu bringen. Die sind allerdings wirklich hauptsächlich was für Hardcore-Rosa-Fans und daher für einen großen Publikumsverlag kaum geeignet. Da weder Don noch ich eine Veröffentlichung von zwei dicken Hardcoverbänden, die um die 8.000 Euro an Druckkosten bedeutet hätte, aus eigener Tasche bezahlen konnten noch wollten, habe ich dann auf Indiegogo eine Crowdfundingkampagne zur Vorfinanzierung der Ausgabe eingerichtet. Dadurch war auch schnell klar, dass die Bände im englischen Original erscheinen würden, weil sie sonst für die Fans aus aller Welt natürlich wenig geeignet gewesen wären.

Da man in Deutschland nichts einfach mal so verkaufen darf, habe ich aufgrund der Kampagne ein Gewerbe als Verlag angemeldet und so kam eins zum anderen. Das Faninteresse war jedenfalls so groß, dass mehr als die doppelten angepeilten Einnahmen erreicht wurden und beide Bände gedruckt werden konnten.

Tja, und da es ziemlich interessant und spaßig war, diese Bücher anzufertigen und ich gleich mal lieber 100 ISBNs auf Vorrat gekauft hatte, weil das im Verhältnis deutlich günstiger war, als nur zehn zu nehmen, stand dann schnell die Frage auf dem Plan, mit was es denn weitergehen würde … 98 ISBNs dürfen schließlich nicht einfach so verfallen. 😉 So kam es zu den Plänen für das erste deutschsprachige Comicprogramm, das im Frühjahr 2013 (nachdem die Don Rosa Classics im Herbst 2012 erschienen waren) an den Start ging.

Was machte Sie bislang besonders glücklich?

dani books_cover monster aBesonders froh bin ich darüber, dass ich meine Lieblingsreihe Monster Allergy einkaufen und zurück nach Deutschland bringen konnte, die meiner Meinung nach eine der lustigsten und am besten geschriebenen Comicreihen der letzten Jahrzehnte ist. Insgesamt gibt es 29 Episoden, von denen drei 2003 schon mal als Kioskhefte bei Carlsen erschienen waren und von 2007 bis 2009 noch mal 16 Episoden in acht kleinen Doppelbänden bei Egmont. Beide Male wurde die Reihe dann wegen geringer Verkaufszahlen eingestellt. Bei mir erscheint Monster Allergy nun seit 2013 in Paperback-Gesamtausgaben mit je vier Episoden, sodass die Reihe am Ende in acht Bänden komplett vorliegen wird. Dabei freut mich zum einen, dass meine Ausgabe laut den Autoren die weltweit beste Fassung ist, und zum anderen natürlich auch, dass es meine bestlaufende Comicreihe ist und ich bei den Monster Allergy -Bänden (im Gegensatz zu einem Großteil meines restlichen Programms) tatsächlich ein bisschen Gewinn mache. Band eins ist mittlerweile bereits in Zweitauflage und Band zwei wird in Kürze ebenfalls nachgedruckt, sodass ich ab Band vier die Startauflage von bislang 1.200 Exemplaren entweder auf 1.500 oder sogar noch ein paar mehr Exemplare anheben werde.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Natürlich dämpft es die Motivation etwas, wenn mal wieder von einem Titel vielleicht nur 200 Exemplare ausgeliefert wurden … aber letztlich bleibt das Engagement doch immer erhalten, da ich der Überzeugung bin, dass der deutsche Comicmarkt dani-books-Titel braucht. 😉 Es gibt noch so viele tolle Comics, die es ohne mich potenziell nie nach Deutschland schaffen würden, dass es mir auch weiterhin lohnenswert erscheint, welche zu veröffentlichen. Verständlicherweise ist es für die Motivation auf Dauer aber schon ganz vorteilhaft, wenn die entsprechenden Titel dann letztlich auch zumindest kostendeckend sind.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Da ich schon von Beginn an mit digitalen Vorlagen gearbeitet habe, kenne ich es nicht anders. Daher war meine Arbeitsweise entsprechend auch immer schon so wie heute.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich orientiere mich prinzipiell nicht an anderen Verlagen oder irgendwelchen „Konventionen“. Würde ich das tun, wären die fertigen Bände nur Kompromisse. Ich mache Bücher so, wie ich es für richtig halte und wie ich sie selbst auch kaufen wollen würde. Das bedeutet für mich: kostenlose Digital Copys zu allen Titeln (sofern lizenzbedingt möglich) anbieten, Übersetzungen nach dem höchstmöglichen Qualitätsstandard abliefern sowie niemals stillstehen, was Optimierungen betrifft. Von daher käme es für mich nie infrage, mich bei anderen Verlagen umzusehen, wie dort etwas gemacht wird. Ich habe von all meinen Bänden eine ganz genaue Vorstellung und gebe mich erst dann zufrieden, wenn diese Vorstellung beim fertigen Produkt zu 100 % erreicht ist. Wenn ich Kompromisse eingehen wollen würde, würde ich keinen eigenen Verlag brauchen, das kann ich auch, wenn ich für andere Verlage arbeite. 😉

Wollen Sie das etwas ausführen?

dani books_cover katzenEin Beispiel: Aus irgendeiner Unsitte heraus gibt es in Deutschland bei vielen Comicverlagen die unsinnige Angewohnheit, Ellipsen – also diese drei Auslassungspunkte … – vor einem Satz mit Leerschritt zu setzen, aber am Satzende ohne:

… dies ist ein Beispieltext…

Das sieht nicht nur ziemlich doof aus, sondern folgt auch absolut keinen deutschen Formatierungs- oder Grammatikstandards. Ich vermute, man hat das einfach mal irgendwann aus den französischen Originalalben übernommen und dann hat sich das im Laufe vieler Jahre ärgerlicherweise so eingebürgert, dass es sogar einige Comicverlage gibt, die zwingend darauf bestehen, dass man die Auslassungszeichen so setzt. Natürlich kommt da nie mal jemand im Verlag auf die Idee, sich zu fragen, ob das überhaupt richtig ist oder Sinn ergibt. Im Deutschen müssen die Auslassungszeichen aber auf beiden Seiten mit Leerschritt gesetzt werden, also: … dies ist ein Beispieltext …

Die einzige Ausnahme ist lediglich, wenn ein Satz mitten im Wort abgebrochen wird: … dies ist ein Beispielte…

Von daher versuche ich gar nicht erst, mich bewusst von anderen Verlagen abzuheben, sondern das geschieht durch meine Vorgehensweise bereits automatisch. Nur weil alle (oder zumindest viele) beispielsweise ihre Zeichensetzung falsch machen, muss ich das ja nicht auch tun. Gleiches gilt entsprechend auch für andere Bereiche der Buchinhalte.

Ein feines Beispiel …

Anderes Beispiel: Deutschland ist hinsichtlich digitaler Comics immer noch nahezu ein Niemandsland, weil die Verlage oftmals immer noch tierisch Angst vor der bösen digitalen Technik haben. Die könnte ja zu Raubkopien führen, Umsatzeinbrüche bewirken etc. blabla. Ich hingegen will Comics digital lesen können, wenn ich will, und nicht, wenn’s dem Verlag zufällig mal gerade passt, eine Reihe anzubieten. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich nicht nur wann immer möglich kostenlose Digital Copys für Käufer der Druckausgaben anbiete, sondern auch alle großen digitalen Marktplätze bediene. So ist das komplette dani-books-Programm sowohl bei Kindle als auch bei beam ebooks erhältlich, außerdem direkt auf der Verlagswebsite und bei Comicanbietern wie Mad Dog Comics oder ComiXology. Darüber hinaus sind meine Titel auch in den Leseflatrates von Kindle Unlimited und demnächst Scribd erhältlich. Und nein, mir brechen dadurch keine Umsätze weg, sondern mir entstehen vielmehr wertvolle Zusatzeinnahmen. Den Promoeffekt weiter Verbreitung und einfacher Verfügbarkeit darf man ebenfalls nicht unterschätzen. Aus diesem Grund biete ich auch die jährlichen Gratis-Comic-Tag-Hefte immer digital an. Denn wer es am Gratis-Comic-Tag nicht in eine Comichandlung schafft, um sich ein gedrucktes Exemplar abzuholen, kann dann immer noch die digitale Fassung lesen und legt sich daraufhin vielleicht die gedruckte oder digitale Ausgabe des entsprechenden Gesamtbands zu.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Inzwischen musste ich leider lernen, nicht zuuuu überengagiert zu sein. Es gibt so viele noch auf Deutsch unveröffentlichte Comicreihen, die nicht nur großartig sind, sondern auch perfekt in mein Programm passen würden. In der Anfangsphase habe ich solche Titel immer gleich auf Vorrat eingekauft, was ich heute nicht mehr so machen würde, da einige davon bislang immer noch nicht erschienen sind. Das liegt einfach an den deutschen Marktgegebenheiten und meinen sehr eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich auf den Comicfachhandel beschränken. Natürlich sind meine Titel auch alle über Buchhandlungen und Shops wie Amazon etc. erhältlich, aber wenn man dann etwas veröffentlicht, das man als Leser bei einem Onlineshop nie finden würde, wenn man nicht gezielt danach sucht, ist das halt problematisch.

dani books_cover halfBei einem Großteil meiner Titel bin ich darauf angewiesen, dass potenzielle Leser sie zufällig im Comicladen stehen sehen, um überhaupt mitzukriegen, dass es sie gibt. Ist aber natürlich schwer, wenn der Fokus in Deutschland primär auf frankobelgischen Albentiteln für Erwachsene liegt, dann die Händler schon von vornherein sagen: „Ist nichts für meine Kunden.“ und einen Titel entweder gar nicht erst bestellen oder bei Erscheinen vielleicht mal ein Exemplar nehmen, das vielleicht auch schnell verkauft ist, aber dann nicht nachbestellt wird. Im Prinzip also dieselbe Problematik, die Belletristik-Indieverlage mit dem „normalen“ Buchhandel haben.

Von daher konzentriere ich mich derzeit auf meine gut laufenden Sachen und probiere hin und wieder mal aus, ob der eine oder andere Albentitel funktionieren könnte. Querbeet alle guten Titel einkaufen, die ich selbst toll finde, habe ich aber mittlerweile aufgegeben oder zumindest stark eingeschränkt … solange ich keine Reihe in meinem Programm habe, die sich in solchen Stückzahlen verkauft, dass ich davon alles andere querfinanzieren kann. 😉

Wie gewinnen Sie Autoren?

Gar nicht, da ich ausschließlich Lizenzausgaben ausländischer Bände (vor allem aus den USA und Frankreich) veröffentliche. Eigenproduktionen wären für mich zu teuer. Der Kontakt zu Autoren und Zeichnern ist aber natürlich trotzdem wichtig, um z. B. Signierstunden oder Messe-/Festivalbesuche abzustimmen, die viel zu guten Verkaufszahlen vor Ort beitragen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die Bücher gehen von der Druckerei direkt an PPM und von dort an die Comicläden sowie an die Barsortimente KNV, Libri und Umbreit. Über Letztere landen sie dann auch bei Amazon und anderen Onlinehändlern und sind natürlich für alle deutschen Buchhandlungen bequem bestellbar, auch wenn das von diesen ganz gern mal übersehen wird …

In letzter Zeit läuft erfreulicherweise auch der Direktvertrieb über meine Website immer besser, wo man alle Titel versandkostenfrei bestellen kann und ich dann doppelt so hohe Einnahmen wie bei Handelsverkäufen habe, weil Vertriebs- und Händlerrabatt wegfallen. Von daher bin ich über jeden Direktbesteller immer sehr froh.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Aufgrund meiner eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten und des geringen Budgets, über das ich verfüge, gibt es keinerlei gezielte Buchhandelsaktivitäten wie Handelsvertreter o. Ä. Erfahrungsgemäß sind viele Buchhandlungen sowieso – wenn überhaupt – aufgrund der meist kleinen Präsentationsfläche fast immer nur an bekannten Comics wie Asterix, Lucky Luke, den Ducks oder ggf. noch Tim und Struppi interessiert. Meine Bände sind daher auf Comicladen- und Internetvertrieb ausgerichtet, auch wenn es natürlich schön wäre, in ein paar mehr regulären Buchhandlungen präsent zu sein. Beispielsweise habe ich neulich während der Leipziger Buchmesse in der Buchhandlung Ludwig am Leipziger Hauptbahnhof ein paar Exemplare meines Comics „Kalimbo – Band 1: Mata-Mata“ (zwischen Ducks, Spirou und Mosaik stehen sehen. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Wie halten Sie es mit Amazon?

dani books_cover akte xAmazon ist sowohl bei E-Books als auch bei Comicreihen, die auf Medienfranchises basieren, ein wichtiger Vertriebsweg. Reihen wie meine zehnte Staffel von „Akte X“ funktionieren im stationären Comichandel so gut wie gar nicht, da die Zielgruppe nicht klassische Comicleser sind. Über Amazon setze ich davon hingegen Hunderte von Exemplaren ab, da man dort als Akte-X-Fan bei einer entsprechenden Suche nach DVDs oder anderem Akte-X-Merchandise ganz schnell zufällig über sie stolpert. Das ist unbezahlbar.

Im E-Book-Bereich ist Amazon auch insgesamt meine Haupteinnahmequelle, gerade auch jetzt mit den Kindle-Unlimited-Abos, vor denen viele Verlage ja noch so Angst haben. Es stimmt zwar, dass die regulären Kindle-Verkäufe etwas zurückgegangen sind, seit meine Titel für Kindle-Unlimited-Abonnenten kostenlos verfügbar sind … die monatlichen Einnahmen haben sich aber trotzdem mehr als verdreifacht.

Amazon ist zudem auch gut zur Direktkundengewinnung. Bei fast allen meiner Bücher kann man sich durch Zumailen eines Fotos oder Scans des Kaufbelegs eine kostenlose Digital Copy anfordern. Wenn dann jemand diese bei mir mit einer Amazon-Rechnung anfragt, schicke ich neben dem Downloadlink auch eine kurze nette Mail zurück, dass man künftige Bände auch gern versandkostenfrei direkt bei mir auf meiner Website bestellen kann, zumal ich dann doppelt so viel dran verdiene, was für mich als Ein-Mann-Verlag natürlich immer ganz angenehm ist. Es gibt zwar einige Leser, die dann trotzdem weiterhin bei Amazon kaufen, aber viele tätigen dann die nächste Bestellung direkt bei mir. Gerade bei Akte X hat sich so im Laufe der Zeit ein sehr treuer Käuferkreis gebildet, der neue Ausgaben immer direkt nach Einlistung auf meiner Verlagswebsite bei mir vorbestellt.

Damit niemand beleidigt ist, weise ich sicherheitshalber lieber noch darauf hin, dass ich diese Mails ausdrücklich nur dann schicke, wenn jemand eine Rechnung von Amazon oder einem anderen großen Onlinehändler einschickt. Fordert ein Leser seine Digital Copy mit der Quittung eines Comicladens oder einer kleinen lokalen Buchhandlung an, bekommt er nur den Downloadlink – ohne Hinweis auf die Direktbestellmöglichkeit. Denn wer eine Comichandlung in der Nähe hat und sowieso regelmäßig dort kauft, soll ruhig auch meine Titel dort beziehen. Dann werden sie etwas bekannter und beim nächsten Mal bestellt der Händler vielleicht sogar direkt ein, zwei zusätzliche Exemplare.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

dani books hat umfangreiche Präsenzen auf Twitter und Facebook, wo ich bei Neuerscheinungen auch gelegentlich Werbung schalte, weil das nicht allzu teuer ist. Zudem gibt es für neue Bände regelmäßig „Hands-on“-Videos auf YouTube und für den Direktkontakt mit den Lesern habe ich auch noch ein Verlagsforum im Comicforum. Allgemeine Werbeanzeigen z. B. in Comicfachzeitschriften habe ich mal probiert, aber inzwischen komplett eingestellt, weil diese Magazine in der Regel hauptsächlich von Lesern konsumiert werden, die meistens nicht so wirklich meiner Zielgruppe entsprechen und meine Titel daher sowieso nicht kaufen würden. Da investiere ich das Geld lieber in die Druckkosten meiner Bücher.

Sehr gute Werbung ist allerdings immer die Teilnahme am jährlich im Mai stattfindenden Gratis-Comic-Tag. (In diesem Jahr am 9. Mai.) Der Tag ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung zahlreicher deutscher Comicverlage, bei der nach Vorbild des amerikanischen Free Comic Book Day in allen teilnehmenden Comic- und zum Teil auch Buchhandlungen speziell für diesen Tag produzierte Gratishefte für die Leser zur kostenlosen Mitnahme ausliegen. Das ist zum einen natürlich gute PR für die Händler, zum anderen aber auch eine gute Möglichkeit für die beteiligten Verlage, eine Auswahl aus ihrem Programm bekannter zu machen. Die Auflagen der Hefte orientieren sich dabei immer an den Händlerbestellmengen und sind mit üblicherweise zwischen 8.000 und 9.000 Exemplaren deutlich höher als meine regulären Auflagen zwischen 1.000 und 1.500 Exemplaren. Dadurch habe ich mit den Gratisheften naturgemäß eine sehr viel größere Reichweite als mit meinen eigentlichen Comics an sich … und wenn ein paar mehr Leute auf meine Titel aufmerksam werden, kann das natürlich nie schaden. 😉

dani books_gratiscomictag

Monster Allergy-Ausgabe für den Gratis Comic Tag 2013

2013 hat das beispielsweise schon mit meinem allerersten Gratisheft sehr gut funktioniert, in dem ich die komplette erste Episode der Reihe Monster Allergy, die bei mir als Gesamtausgabe erscheint, veröffentlicht habe. Bis heute bekomme ich auf das Gratisheft dazu immer noch sehr positive Rückmeldungen von Kunden, die laut eigener Aussage ohne das Heft nie auf die Reihe aufmerksam geworden wären. Von daher hat die Aktion auf jeden Fall dazu beigetragen, dass Monster Allergy heute meine bestlaufende Serie ist. Aufgrund des großen Erfolgs habe ich letztes Jahr dann auch noch mal eine 1.000er-Auflage des Gratishefts im etwas kleineren A5-Format nachdrucken lassen, weil man das dann immer ganz gut auf Messen und sonstigen Veranstaltungen verteilen oder auch einfach mal bei Bestellungen anderer Titel als Teaser mit reinlegen kann.

Von daher sind solche Gratishefte immer sehr beliebt. Sie müssen aber natürlich einen gewissen Mehrwert für den Leser bieten, also auch wirklich eine gute Grundlage für den weiteren Kauf der jeweiligen Reihen sein. Wenn das Gratisheft nur eine etwas längere Leseprobe ist, die mitten im Geschehen aufhört, also noch nicht mal zumindest ein vollständiges erstes Kapitel eines Buches präsentiert, ist das für den Leser eher ärgerlich als kaufanregend.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin kein Mitglied und interessiere mich auch nicht großartig für dessen Tätigkeiten, da ich im regulären Buchhandel ja sowieso so gut wie nicht vertreten bin. Ich nutze aber natürlich die Services der Börsenvereinstochter MVB, also das Verzeichnis lieferbarer Bücher und den Bezug von ISBNs.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Das dani-books-Programm gliedert sich in zwei größere Bereiche. Das sind zum einen die All-Ages-Titel, die Erwachsenen Spaß machen, aber vor allem auch für Kinder gut geeignet sind. Das Angebot in dieser Richtung wird zwar mittlerweile auch bei anderen Verlagen ein bisschen größer, aber im Vergleich zu beispielsweise Frankreich oder den USA ist das All-Ages-Angebot in Deutschland nach wie vor etwas mau, wenn man mal an Comics außer den üblichen Verdächtigen wie Disney, Simpsons, Asterix, Lucky Luke und eventuell noch Star Wars denkt. Aus dem All-Ages-Programm habe ich noch diverse Titel in Planung, muss aber erst den richtigen Zeitpunkt zum Veröffentlichen abwarten, weil sich dieser Bereich leider in Deutschland etwas schwertut, wenn man nur so eingeschränkte Vertriebsmöglichkeiten wie ich als Kleinstverlag hat. Mein Programm liegt eben vorwiegend in Comicläden aus, welche aber in Deutschland hauptsächlich von eher deutlich älteren Kunden besucht werden, die meistens primär an frankobelgischen Albentiteln interessiert sind und nicht so wirklich an All-Ages-Paperbacks. Von daher muss ich da bei jeder Veröffentlichung gut abwägen, zu welchem Zeitpunkt ich die meisten Leser erreiche. Ein Titel, der an Weihnachten spielt, verkauft sich z. B. naturgemäß besser, wenn er auch Richtung November/Dezember erscheint und nicht mitten im Hochsommer.

dani books_cover kalimboDer zweite Programmbereich von dani books sind die Erwachsenentitel, die vornehmlich aus sich an ältere Leser richtenden US-Comicreihen bestehen. Hierunter fallen z. B. die Danger-Girl-Comics (eine Reihe im Stil von Charlie’s Angels treffen auf James Bond und Indiana Jones), die schon erwähnte exklusive Comicfortsetzung zur Kultserie Akte X („Akte X – Staffel 10“) und auch die eine oder andere Fortsetzung von Reihen, die bislang bei Panini erschienen, dort aber nicht weiter veröffentlicht wurden. So erscheinen bei mir beispielsweise die letzten beiden Bände der Reihe „Fatale“ von Ed Brubaker und Sean Phillips, deren erste drei Bände von Panini verlegt wurden.

Natürlich gibt es auch Titel, die sich in beide Bereiche einordnen lassen. So kommen bei mir dieses Jahr unter anderem die ersten beiden Alben der neuen Abenteuer von „Isnogud“, die sich zwar auch gut als All-Ages-Bände lesen lassen, sich aber vermutlich letztlich doch primär an ältere Leser richten, die bereits die bei Egmont erschienene ursprüngliche Reihe von Goscinny und Tabary gemocht haben.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die größten Chancen habe ich sicherlich dann, wenn ich weiterhin regelmäßig Bände von höchster Qualität veröffentliche und dann im Laufe der Zeit – je mehr Comics erscheinen – hoffentlich auch immer mehr Leser auf zumindest eine der Reihen aufmerksam werden. Hat man erst mal einen meiner Titel entdeckt, ist die Wahrscheinlichkeit gleich schon deutlich höher, künftig dann auch weitere Comics von mir zu kaufen. Außerdem ist es sicherlich ganz gut, dass ich in Deutschland so ziemlich der einzige Comicverlag bin, dessen Programm bereits komplett auch digital vorliegt und in diversen Leseflatrates enthalten ist.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko am Comicverlegen in Deutschland ist immer die schwere Einschätzbarkeit der Verkaufschancen von Titeln. So muss ein Band, der sich beispielsweise in Frankreich oder den USA zigtausendfach verkauft hat, nicht auch automatisch in Deutschland gut laufen. Dafür sind die Comickulturen der jeweiligen Länder einfach zu unterschiedlich. Daher muss ich mein Programm primär auf die Leser ausrichten, die ich mit meinen eingeschränkten Vertriebs- und Werbemöglichkeiten erreichen kann … auch wenn das leider bedeutet, dass der eine oder andere tolle Titel eventuell längere Zeit auf Eis liegt oder vielleicht sogar gar nicht erscheinen kann.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

dani books_cover_taleIch hab eigentlich keinen wirklichen Kontakt zur „Szene“, höchstens mal zu dem einen oder anderen Comicverlag (dort allerdings meistens auch eher zu den größeren, weil ich hauptsächlich für die als Übersetzer tätig bin), von daher kann ich dazu nicht viel sagen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ich kann nicht davon abraten – dafür mache ich es nach wie vor zu gerne, auch wenn ich bislang nichts dran verdiene –, muss aber darauf hinweisen, dass man sich, wenn man denn unbedingt einen Verlag gründen möchte, auf jeden Fall darüber im Klaren sein sollte, dass man lange Zeit erst mal nichts verdienen wird … sofern man ein komplettes Programm aufstellen und nicht nur jedes Quartal mal einen oder zwei Bände neben seinem eigentlichen Job rausbringen möchte. Durchhaltevermögen ist jedenfalls das Wichtigste, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch dann, wenn ein Titel, der einem selbst extrem Spaß gemacht hat, und von dem man auch weiß, dass er objektiv betrachtet wirklich gut ist, mal wieder nur unter 200 Exemplare abgesetzt hat, weil der Handel meint: „Ist nix für meine Kunden.“ Wer auch beim zehnten Mal, wenn so was vorkommt, noch nicht seinen Computer gefrustet in die Ecke schmeißt, sondern sich stattdessen denkt: „Jetzt erst recht! Denen hau ich Titel um die Ohren, bis irgendwas gut läuft!“, der könnte mit einem eigenen Verlag vielleicht richtig liegen. 😉

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich mag das Programm von Schwarzkopf & Schwarzkopf sehr gern und im Comicbereich ist sicherlich der fleißige Herr Schott von Salleck Publications erwähnenswert (sofern es primär um Verlage geht, die noch nicht interviewt wurden).

Vielen Dank für diesen Einblick. BTW: Der ‚fleißige‘ Eckart Schott hat seine Hausaufgaben dankenswerterweise hier bereits gemacht.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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dani books im Netz:

www.danibooks.de – die offizielle Verlagsseite, auf der es Titeldaten, Leseproben etc. zu allen Bänden gibt. Außerdem können dort natürlich alle Titel versandkostenfrei bestellt werden.

www.facebook.com/danibooks.de – die Facebookseite für News, Gewinnspiele etc.

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www.youtube.com/danibooksde – YouTube-Channel mit Hands-on-Videos zu allen Veröffentlichungen

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www.patreon.com/danibooks – Wer mein Verlagskonzept gut findet, sich aber nicht für alle Titel interessiert, kann mich gern über Patreon unterstützen und pro Neuerscheinung einen beliebigen Betrag ab $1 beisteuern. Ab $10 bekommt man auch unregelmäßig physische Goodies wie signierte Drucke und andere Specials.

„Comics von einem Fan für die Fans.“ SteglitzMind stellt Eckart Schott von Salleck Publications vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Die Antworten kommen heute von Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Andreas Mergenthaler von Cross Cult.

Eine Skizze vom Verlag …

Eckart Schott © privat

Eckart Schott © privat

Im Jahr 1990 habe ich meinen Verlag als Comic-Fan gegründet. Das erste Projekt ging mächtig in die Hose, das zweite war Der alte Blaue von Francois Walthéry und Raoul Cauvin, ein lustiger Comic über Brieftaubenzüchter. Der erste größere Erfolg war Das Blaue Tagebuch von André Juillard.

Ich arbeite nur mit freien Mitarbeitern. Programmschwerpunkte sind klassische Comics, aber auch Kindercomics wie Yakari und Technik-Comics wie Margots Reportagen (Oldtimer) oder Buck Danny und Der Große Uhu (Fliegerei). Also ein vielseitiges Programm, zu dem ich stehen kann.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Mein Highlight für 2015 wird der zweite Band von Waldi Wichtig und die Naseweise: Die Schmetterlingsjagd und der Abschlussband des ersten Zyklus von Esteban.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Vom Comic-Leser zum Comic-Sammler zum Comic-Verleger war es eigentlich ein konsequenter Weg. Der Comic-Leser bekam als Kind keine Serie voll, der Comic-Sammler hätte gern einige französische Comics auf Deutsch gehabt und hat diese dann verlegt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Motto „Comics von einem Fan für die Fans“ gilt eigentlich immer noch nach 25 Jahren. Großen Wert habe ich auch immer auf die persönlichen Kontakte zu „meinen“ Zeichnern gelegt, und viele von ihnen auch nach Deutschland geholt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Arbeit wurde einfacher, was Übersetzen, Korrigieren und Drucken angeht.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich bin im Jahr auf ca. 15 Messen, Comic-Börsen und Oldtimer-Messen präsent und freue mich über den direkten Kundenkontakt. Und habe oft auch Comic-Zeichner dabei.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich habe mich holterdiepolter ziemlich blauäugig und naiv in das Abenteuer gestürzt. Aber damals war ich eben auch noch 25 Jahre jünger …

Wie gewinnen Sie Autoren?

Am Anfang bin ich auf Comic-Festivals in Frankreich und Belgien gefahren, habe die Künstler angesprochen. Diese zum Teil Freundschaften bestehen seit 25 Jahren. Einige Zeichner sind inzwischen leider auch verstorben. Ich bin auch in der Szene, auch im Ausland bekannt, auch dafür, dass wir – ich und mein Team – uns große Mühe geben, mit allem, was wir tun. Übersetzung, Extras, Einladungen auf Veranstaltungen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Privatkunden beliefere ich selbst, alles andere läuft über meine Auslieferung PPM Peter Poluda Medienvertrieb.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich selbst wenig. Das ist Aufgabe meines Vertriebs. Dazu fehlt mir die Zeit.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon ist sicher eine Chance für Verlage, solange die Buchpreisbindung in Deutschland Bestand hat. Wenn diese fällt, wäre Amazon als Marktführer eine Gefahr für viele Buchhändler.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte relativ viel Werbung in Comic-Magazinen und bin auch viel unterwegs auf Messen usw.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Er ist wichtig. Wichtig, dass die Buchpreisbindung nicht fällt.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Für Comic-Sammler, für Kinder, für Oldtimer- und Flugzeugfans, für anspruchsvolle Leser. Also sehr vielseitig.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In meiner Vielseitigkeit und in meinem Engagement.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Dass ich zu viele Titel aus dem Bauch heraus mache, die dann eventuell nicht gut genug laufen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kenne sie nicht gut genug. Aber ich denke, sie ist die Chance für junge Talente, einen Verlag zu finden, sozusagen einen Einstieg ins Leben eines Comic-Schaffenden.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich das gut zu überlegen. Und vielleicht auf regionale Themen zu setzen. Siehe Karl, der Spätlesereiter, oder aktueller die Comic-Serie um Karl den Großen, die in Aachen verlegt wird.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich kenne die kleinen Verlage zu wenig. Aber als nächsten Interview-Partner empfehle ich Mark O. Fischer von Epsilon.

Danke sehr für diesen Einblick!

BTW: Am Sonntag, den 26. April findet in Berlin im Ellington Hotel (Nürnberger Straße 50-55, Ecke Augsburger) zwischen 10 und 16 Uhr die Berliner Comicmesse statt. Neben vielen anderen ist Eckart Schott von Salleck Publications dabei.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Salleck Publications im Netz:

Die Homepage: www.salleckpublications.de

„Die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.“ SteglitzMind stellt Günter Vallaster von der edition ch vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Günter Vallaster von der edition ch Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kasnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Günter Vallaster © edition ch

Günter Vallaster © edition ch

Die edition ch wurde 1990 in Wien von der Autorin Christine Huber als AutorInnenedition für visuelle Poesie und Lyrik gegründet. Der Verlagsname leitet sich somit von den Initialen ihres Namens ab. Christine Huber gab die Edition an Franz Obel weiter, dieser an Lisa Spalt, schließlich landete sie 2004 bei mir. Die edition ch wurde somit zu einer Wanderedition, die es auf diese Weise auf ein mittlerweile 25-jähriges Bestehen gebracht hat, und nach wie vor besteht sie nur aus der Herausgeberin oder dem Herausgeber, weitere MitarbeiterInnen gibt es nicht. Bei Einzeltiteln können sich die jeweiligen AutorInnen in unterschiedlichem Umfang auch als MitarbeiterInnen einbringen, indem sie Satz, Layout und Cover ihres Buches auch selbst gestalten. Bei den Anthologien der Reihe „Raum für Notizen“ layoute ich.

Die Programmschwerpunkte?

Und nach wie vor widmet sich die Edition der sprachreflexiven Literatur im transmedialen Spannungsfeld von Text, Bild und Klang, dann und wann kann auch mal Prosa erscheinen. Jedes ch-Buch ist ein Highlight, zuletzt erschienen die Anthologie „Räume für Notizen“ mit visuell-poetischen und essayistischen Beiträgen aus aller Welt, „Herzbau“ von Andrea Zámbori mit wunderbaren, hochpräzisen Zeichnungen, soeben aus der Druckerei gekommen ist „Und wieder vergisst der Tag dann die Nacht“, der neunte Band des autobiografischen und biografiereflektierenden Verwicklungsromans von Ilse Kilic und Fritz Widhalm aka „Das fröhliche Wohnzimmer“, in den Startlöchern steht gerade „für die fisch“ von jopa jotakin, „frische fischlyrik ohne hand und fuß, aber mit schuppen und flossen“, wie er selbst zu seinem Band meint, mit Zeichnungen von Andrea Knabl und Kala Haisee.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Musste es gar nicht. Wenn mich Lisa Spalt damals nicht gefragt hätte, wäre ich möglicherweise nie editionärisch tätig geworden – wenn mich dieser Bereich grundsätzlich immer auch interessiert hat, zum Beispiel hatte ich vor längerer Zeit mal ein Praktikum in einem Verlag gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

© Andrea Zámbori

© Andrea Zámbori

Ich verstehe mich vor allem selbst als Autor und habe auch ein wissenschaftliches Interesse an Sprache und Literatur. Dies prägt auch meine herausgeberische Tätigkeit, bei der sich drei Linien festmachen lassen: Zunächst einmal die Anthologien der Reihe „Raum für Notizen„, die keine bloßen Text-Bild-Sammlungen darstellen, sondern immer von konzeptuellen Überlegungen getragen sind. So habe ich beispielsweise mal Autorinnen und Autoren dazu eingeladen, einen Buchstaben nach Wahl visuell-poetisch umzusetzen („Ein Alphabet der visuellen Poesie“, 2010) oder die Form des Paragramms auszuloten („Paragramme – Ein Sammelband“, 2011) oder gemeinsam mit Jörg Piringer eine Zusammenstellung visueller und digitaler Poesie aus mehreren Ländern rund um den Globus herausgegeben („A Global Visuage“, 2012). Eine weitere Linie repräsentiert der biennal erscheinende Verwicklungsroman von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, von dem bei meiner Vorgängerin Lisa Spalt schon die ersten drei Bände erschienen waren.

Schließlich gibt es auch die Einzelpublikationen, die in der edition ch auch möglich sind, wobei Einzeltitel an und für sich in größeren Verlagen besser aufgehoben sind. Als Autor kann ich nicht in dem erforderlichen Umfang andere Autorinnen und Autoren betreuen, aber zumindest mal eine erste Publikation mit Präsentationen ermöglichen. Der Grund, weshalb ich die edition ch übernommen hatte, war also die Möglichkeit, Projekte zu realisieren und ihnen eine Öffentlichkeit zu geben. Ich verstehe die Edition vor allem als Plattform für Texte und Bilder, die neue Wege wagen und daher auf dem konventionellen Markt oft schwerer auf Akzeptanz stoßen. Auch der interkulturelle Austausch war stets eine große Motivation: Die Reihe „Raum für Notizen“ startete 2006 mit „Grenzüberschneidungen. Peresečenija granic. Poesie Visuell Interkulturell“, worin herausgegeben von Juliana V. Kaminskaja und mir russische und deutschsprachige visuelle Poesie u.a. von Dmitrij Avaliani, Alexandr Gornon, Boris Konstriktor, Lenore Llinza, Brigitta Falkner, elffriede.aufzeichnensysteme, Heinz Gappmayr, Werner Herbst, Christine Huber, Erika Kronabitter, Gerhard Rühm und Liesl Ujvary versammelt wurde.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

© jopa jatakin

© jopa jotakin

Ich sitze inzwischen tatsächlich öfter am Computer als über Büchern und nutze das Internet, um die edition ch zu präsentieren, indem ich das Blog mit möglichst vielen Informationen ausstatte. Dazu gehören auch einige pdf-Files mit Leseproben, also Ansätze zum E-Book sind schon vorhanden.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich kenne keine Konkurrenz, ich bin für Vielfalt. Meinetwegen soll es in der Literatur alles Mögliche geben und die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Als ich anfing, hatte ich keine Wohnungseinrichtung, aber eine Edition und fünf Projekte. Um editionärisch tätig zu sein, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Indem ich sie zu meinen Anthologieprojekten einlade. Bei Einzeltiteln muss eine ästhetische Wellenlänge mit mir als Autor gegeben sein.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Eigenauslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Für ein Fußfassen im Buchhandel sind die Mittel und Auflagenhöhen zu gering. Es gibt aber schon Nischenbuchhandlungen, die immer wieder mal an Publikationen der Edition interessiert sind und bestellbar sind die Bücher grundsätzlich ja immer und von jeder Buchhandlung.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Auf der Amazon-Homepage war ich schon lange nicht mehr. Ich empfehle, die Bücher im Buchhandel oder direkt bei der Edition zu bestellen. Das geht auch viel schneller als über Amazon.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

Veranstaltungen (Lesungen, Ausstellungen, Performances), Rezensionen, Workshops und so weiter – also verschiedene Formen der öffentlichen Präsentation, selbst organisiert, mitorganisiert oder indem ich anbiete. Sehr schön war zuletzt beispielweise die mit der Reihe „Raum für Notizen“ zusammenhängende Ausstellung „räume für notizen | rooms for notes“ in der Wiener Galerie wechselstrom von Renate Pittroff und Christoph Theiler, bei der 77 AutorInnen und bildende KünstlerInnen ausgestellt haben, über 90 Exponate waren es, und einige internationale Gäste zusammen mit VertreterInnen aus Österreich mit Lesung, Vortrag und Performance in der Alten Schmiede und in der Galerie aufgetreten sind. Das ist Vernetzung, wie ich sie mir vorstelle.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Die edition ch ist zu klein für den Hauptverband.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mir geht es eigentlich nicht um Marktnischen, sondern mehr um so etwas wie Kulturauftrag.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Für diese Gesprächsreihe vorschlagen möchte ich „Das fröhliche Wohnzimmer“ von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, das schon seit 30 Jahren editionärisch und als Rundum-Kunst-Projekt in Wien sehr aktiv ist. Beide sind auch seit langem schriftstellerisch und eigentlich in allen Kunstformen tätig, Ilse Kilic ist derzeit auch Generalsekretärin der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, des größten AutorInnenverbandes in Österreich. Und aus dem digitalen und Hybrid-Buchbereich TRAUMAWIEN und die edition taberna kritika. – Eine der Verantwortlichen der edition, nämlich Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net, kam hier meines Wissens bereits in einem anderen Zusammenhang zu Wort. Und nicht vergessen, die edition keiper, u.a. mit einem feinen, von Helwig Brunner betreuten Lyrikprogramm und den Klever Verlag von Ralph Klever, der sich sehr um die avancierte Literatur kümmert. U.a. erlesene visuelle Poesie und Anthologien zu Fragestellungen der Zeit in bibliophilen Ausgaben verlegt Batya Horn in ihrer Edition Splitter, Kerstin Lichtblau startete mit dem lichtblau verlag ein spannendes Label für Bild, Sound und Poesie. In der edition art science, u.a. mit der engagierten, von Erika Kronabitter herausgegebenen Reihe „Lyrik der Gegenwart“, ist zuletzt mit „hab den der die das“ eine umfangreiche Würdigung von Friederike Mayröcker erschienen, mit Beiträgen von 165 DichterInnen

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © edition ch

das Logo © edition ch

Die edition ch im Netz:

Die Homepage/das Blog: http://editionch.at/

Und bei Facebook: https://www.facebook.com/pages/Edition-ch/583087415150799?fref=ts

„Dass man dann und wann mit Verkaufshits belohnt wird, ist das berühmte Sahnehäubchen.“ – SteglitzMind stellt Andreas Mergenthaler von Cross Cult vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir etwas mehr von über Andreas Mergenthaler von Cross Cult. Vorgeschlagen hatte das Michael Preissl von Voodoo Press.

Eine Skizze vom Verlag …

Andreas Mergenthaler © Cross Cult

Andreas Mergenthaler © Cross Cult

Cross Cult ist die Verlagssparte des Grafik-Studios Amigo Grafik, das ich zusammen mit meinem alten Schulfreund Hardy Hellstern gegründet habe. Da wir damals viel für den Dino-Verlag (später übernommen von Panini) gearbeitet haben, lag es nahe, auch selbst mal etwas mit Comics zu versuchen. Also haben wir 2001 unseren ersten Comicband veröffentlicht: Hellboy. Nachdem das vor allem wegen des kurz danach startenden ersten Hellboy Kinofilms ganz gut funktioniert hat, haben wir unser Programm nach und nach ausgebaut. Sin City war der erste große finanzielle Erfolg. 2007 kamen schließlich noch Romane hinzu und ab und zu auch Sachbücher und Artbooks. Die meisten Titel mit Bezug zu Kino- und TV-Themen oder Games. Um die Romane und Sachbücher kümmert sich Markus Rohde – unser externer Cheflektor. Die Comics und die Pressearbeit machen wir größtenteils „in-house“.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Irgendwann war die reine Layoutarbeit zu anstrengend. Allerdings sind wir damals ohne große Erwartungen an die Sache rangegangen. Rückblickend war auch viel Glück dabei, dass es mit Cross Cult so gut funktioniert hat. Jetzt arbeiten ich und fünf bis sechs interne Mitarbeiter Vollzeit an unseren Verlagstiteln – plus viele Freelancer.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Es macht einfach Spaß, dass die Verlagsarbeit so vielfältig ist und dass man dann und wann mit Verkaufshits belohnt wird, ist das berühmte Sahnehäubchen. Ich selbst kümmere mich um die Auswahl der Comictitel, um manche der Lizenzdeals, die Arbeit mit Coverillustratoren und Comiczeichnern, habe einen Blick auf Marketing und Vertriebsarbeit, ich layoute die Umschläge, die redaktionellen Seiten der Comics und die Anzeigen, Kataloge und andere Werbemittel. Und zig andere Kleinigkeiten … Zudem macht es großen Spaß, mit Themen zu arbeiten, die man schon als Kind oder Jugendlicher geliebt hat: Die Peanuts, Star Trek, James Bond uvm.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ich kenne es eigentlich nur so. Zum Glück ist ja mittlerweile auch das Fax so gut wie ausgestorben.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Bei Verlagsgründung hatten wir den Ansatz, es anders wie andere machen zu wollen, und deshalb haben wir unseren ersten Comic ganz untypisch von Farbe auf Schwarzweiß „umgebaut“ und auch noch mit Hardcover und kleinerem Format buchhandelstauglich gemacht. Das hat sich dann spätestens bei Sin City ausgezahlt, denn unser Format hat ideal dazu gepasst: Keine schlapprigen, dünnen Softcover, sondern dicke, stabile, wertige Hardcover. Dafür etwas teurer als üblich. Das kam bei Fans und dem Handel gut an. So wurde unser Format sogar für die US-Ausgabe von Sin City genommen. Mittlerweile hat sich dieses „Alleinstellungsmerkmal“ etwas aufgeweicht, weil wir auch Kiosktitel im Angebot haben, die eben Softcover und einen günstigen Preis brauchen. Und bei den Romanen verkaufen sich die Taschenbücher nun mal auch besser als edle Hardcover. Bei den meisten Comics sind wir unserem Hardcoverformat mit Lederimitatfolienkaschierung aber treu geblieben.

Zudem ist unsere Spezialität Comics, Romane oder Artbooks zu Filmen und TV-Serien zu veröffentlichen. Manchmal, wie im Fall von Planet der Affen, auch alles zugleich. Die deshalb möglichen Kooperationen mit Medienpartnern (Filmverleihern, Game-Publishern, TV-Sendern, Zeitschriftenredaktionen etc.) erleichtern die Vermarktung der Titel ungemein. Da es bei aktuellen Kinofilmen meist um schnelles Handeln geht, ist dies auch ein Vorteil für uns. Größere Verlage müssen einen Filmroman viele Monate vor Erscheinen einplanen – wir sind da flexibler.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die vorsichtige Startphase war schon richtig so. Aber nach dem Erfolg der sieben Sin City-Bände hatten wir den Bogen etwas überspannt und zu viele zu schlecht laufende Titel veröffentlicht. Das wirft einen dann zurück. Aber man lernt ja auch aus solchen Fehlern. Auch wenn sie schmerzhaft und teuer sind.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kaufen vor allem fix-und-fertige Lizenzen aus dem Ausland ein. In letzter Zeit haben wir aber angefangen, auch eigene Stoffe zu entwickeln und auch mit deutschen Autoren und Zeichnern zusammenzuarbeiten. Das ist aber noch relativ am Anfang. Vor ein paar Jahren kam ein Comicmacher auf uns zu, weil er an der Ludwigsburger Filmakademie als Abschlussarbeit einen Comic gemacht hatte, für den er einen Verlag gesucht hat. Das haben wir dann „ausnahmsweise“ gemacht, weil der Mann, Felix Mertikat, wirklich sehr gut in seinem Job ist. Und prompt wurden Felix und sein Texter damals auf der Frankfurter Buchmesse für den Band Jakob als beste Comic-Newcomer ausgezeichnet. Ein oder zwei Jahre später gab es dann für Steam Noir, vom selben Team, auch noch den Preis als „Bester Comic national“. Mit unseren ersten deutschen Comics gleich so gut angenommen zu werden, das war schon außergewöhnlich.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Anfangs haben wir zwar einen Comicfachhandelsvertrieb gehabt, aber die Barsortimente haben wir noch selbst beliefert. Wenn also ein LKW von der Druckerei kam, hieß es „Kette bilden und die Bücher in den Keller schaffen“. Spätestens mit Sin City war das dann wegen der Mengen aber nicht mehr möglich. Unser Fachhandelsvertrieb PPM hat sich dann also (wohl oder übel) auch auf die Belieferung des Buchhandels eingespielt. Dort sind die Margen ja nicht so gut wie im Fachhandel. Mittlerweile kümmert sich also PPM um den Vertrieb in den Buchhandel, Zwischenbuchhandel, Amazon & Co., eine andere Auslieferung kümmert sich um Bahnhofs-und Flughafenbuchhandel und Grosso – aber nur bei ausgewählten Titeln – und Bookwire kümmert sich sehr rührig um die digitalen Buchhandelsausgaben. Daneben gibt es noch einen kleineren Vertrieb für digitale Comics als App. Manche Messen und Conventions sind bei den Themen, die wir veröffentlichen, auch gute Absatzmöglichkeiten. Dort tummeln sich die Geeks und Fanboys und -girls, die unsere Bücher lesen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

das Logo © Cross Cult

das Logo © Cross Cult

Sagen wir mal: Das ist noch sehr ausbaufähig. Natürlich hat der stationäre Buchhandel schlichtweg Platz-und Zeitprobleme und er kann nicht jedes Buch kleinerer Verlage anbieten. Sogar die Top 20 der Verlage bekommen ihre Programm ja nur bei größeren Buchhandlungen komplett in die Regale. Kleinere Verlage sind dann erst recht nicht im Fokus der Händler. Was für uns und den Handel natürlich schade ist, den einige unserer Titel sind absolute Topseller auf Amazon – z.B. die Comicserien The Walking Dead oder Avatar oder die Romanreihe zur TV-Serie Castle – der Handel verliert also gute Umsätze und wir verlieren „Sichtbarkeit“, weil wir nicht die Kunde erreichen, die gerne in Buchhandlungen stöbern.

Leider springt der Handel auch nicht darauf an, wenn man rechtzeitig zu informieren versucht. Z.B. gingen uns gute Umsätze verloren, als vorletztes Jahr der James Bond Film Skyfall ein riesiger Erfolg in den deutschen Kinos war – 8 Millionen Zuschauer – aber fast keine Buchhandlung wollte im Vorfeld unsere Neu-Edition der James Bond Romane von Ian Fleming haben. Die eigentlich ein ideales Begleitprodukt zum Film gewesen wären.

Ganz aktuell haben wir zusammen mit einem befreundeten Comicverlag einen Key-Accounter engagiert, der uns bzw. unsere Titel beim Buchhandel, insbesondere bei den großen und mittleren Ketten und größeren Einzelbuchhandlungen, voranbringen soll. Für die kleinen Buchhandlungen sind viele unserer Titel wirklich zu „speziell“.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Eine Art Hassliebe. Ohne Amazon würde uns ein guter Teil des Umsatzes fehlen. Andererseits macht Amazon durch die reine Marktmacht ja viele Buchhandlungen „um die Ecke“ kaputt oder zumindest das Leben schwer. Immerhin gibt es noch die Buchpreisbindung – Gott sei Dank. Sonst würde sich der Prozess noch beschleunigen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wie gesagt: Viel geht über Marketingkooperationen mit Medienpartnern, gelegentlich schalten wir Handelsanzeigen in den üblichen Fachblättern, manchmal auch Anzeigen in auflagenstarken Blättern wie McDonalds Kino-News oder dem King Magazin oder Saturns Piranha-Magazin oder in Genremagazinen. Eine Art Marketingaktion ist auch, dass wir die Comicserie „The Walking Dead“ derzeit mit Hilfe eines Vertriebspartners bei Media-Markt und Saturn anbieten. Und ansonsten das Übliche: Website, Google Ads, gesponserte Facebook Beiträge etc. Für unsere Comics für eine jüngere Zielgruppe erstellen wir gerade eine spezielle Website nach deren Bedürfnissen: Crocu.de.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind nicht Mitglied – nutzen also die meisten Services des Börsenvereins nicht. Aber auf den Buchmessen Leipzig und Frankfurt sind wir aber mit Ständen vertreten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Um es kurz zu sagen: Fans. Insbesondere der Genres Science-Fiction, Horror, Crime und Fantasy. Menschen, die gerne TV-Serien und aktuelle Kinofilme anschauen und die sich Lesestoff dazu besorgen wollen. Manche unserer Titel sind aber natürlich auch ohne Medienbezug einfach nur so gute Comics oder Romane.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wir besetzen meist Nischen, die andere Verlage vernachlässigen. Das war damals bei Verlagsgründung so, als nicht viele Verlage US-amerikanische-Comics veröffentlicht haben. Das Thema Science-Fiction wird derzeit arg vernachlässigt, das Thema James Bond lag auch lange brach – da sehe ich unsere Chancen, noch zu wachsen. Denn die großen Verlage sind oft sehr weit weg von der „Fanbase“. Überspitzt gesagt: Sie veröffentlichen nur Krimis aus Schweden für die Quotenfrau oder Vampir-Romance für Mädchen. Ihnen dämmert erst langsam, dass Mädchen heutzutage auch gerne mal so etwas wie einen Zombiecomic lesen wollen oder dass auch Männer manchmal Bücher lesen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das Risiko ist immer: Auf zu viele falsche Pferde setzen. Aber dieses Risiko kann man minimieren. Wir achten vor allem darauf, nicht nur ein Standbein zu haben. Wir haben einige: Das Grafikstudio, die Comics, die Romane, die Sachbücher, in Zukunft auch mehr Eigenproduktionen und vielleicht auch mal Merchandising.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Der familiäre Umgang miteinander ist natürlich schön. Man ist näher an den Fans, den Lesern, man ist auch als Verleger oft auf Messen und spricht mit den Leuten, die die Bücher kaufen, man muss nicht irgendwelche Vorgaben internationaler Konzerne befolgen, man kann sein Ding durchziehen, man muss selbst für Fehler gerade stehen, man kann aber auch Erfolge selbst genießen. Gerade in letzter Zeit gab es auch schöne Kooperationen mit anderen Verlagen. Das wäre so bei Großverlagen sicher nicht möglich, da dort der Konkurrenzgedanke vorherrscht.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Lass die Hände davon. 😉 Wir hatten wirklich verdammt viel Glück – davon kann man nicht immer ausgehen. Die Regel ist wohl, dass man eine Bruchlandung hinlegt, weil man zu viel gewagt hat, oder dass man auf kleinstem Niveau vor sich hin arbeitet, weil man Risiken vermeidet. Beides ist nicht befriedigend. Erfolg in diesem Geschäft kann man nicht erzwingen oder berechnen. Aber wenn man es spannend und arbeitsreich mag: Einfach mal ausprobieren. Viel Glück!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zum Beispiel Steffen Janssen vom Luzifer Verlag, Karlheinz Schlögel und Hannes Riffel, die den Golkanda-Verlag verantworten, oder Joachim Körber mit der Edition Phantasia. Wobei sich ja alle hier bereits vorgestellt haben. Oder, wenn es auch mal ein Comicverlag sein darf: Eckart Schott/Salleck Publications und Dirk Schulz/Splitter Verlag.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Cross Cult im Netz:

Die Verlagswebsite: www.cross-cult.de

Eine Infoseite zu unseren Star-Trek-Romanen: http://www.startrekromane.de

Der Blog unserer James-Bond-Übersetzerinnen: http://translating007.tumblr.com

Ab März 2015 – unsere Kids-Website: www.crocu.de

Das Verlagsforum: http://www.comicforum.de/forumdisplay.php?48-Cross-Cult

Auf Facebook:

https://www.facebook.com/crosscult

https://www.facebook.com/startrekromane

https://www.facebook.com/doctorwhoromane

„Alleine, dass wir machen können, was wir wollen, hilft schon viel.“ – SteglitzMind stellt Sarah Legler und Jorghi Poll von der Edition Atelier vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von stellt Sarah Legler und Jorghi Poll, die die Wiener Edition Atelier verantworten. Vorgeschlagen hatte das Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Goldegg Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Die Edition Atelier wurde in den Achtzigerjahren von Jörg Mauthe gegründet und ist jetzt ganz zufällig in der Nähe des Jörg-Mauthe-Platzes im 9. Wiener Gemeindebezirk beheimatet. Seit 2012 ist der Verlag wieder selbstständig und wird von Sarah Legler und Jorghi Poll geleitet.

Machen Sie alles alleine?

das Team: Legler, Poll, Volkmann, Reiner © Edition Atelier

das Team: Legler, Poll, Volkmann, Reiner © Edition Atelier

Wir machen alles selbst, Lektorat, Grafik und Presse, ganz selten mal, dass wir etwas außer Haus geben. Wie vermutlich die meisten unserer KollegInnen schauen wir nicht unbedingt auf die Uhr und sind auch öfter am Wochenende im Büro. Zurzeit sind wir mit zwei geringfügigen MitarbeiterInnen, Sebastian Reiner und Jana Volkmann, zu viert im Team.

Die Programmschwerpunkte?

In dreißig Jahren des Bestehens hat sich die Programmlinie natürlich immer wieder mal verändert, mit unserer Übernahme haben wir den Schwerpunkt auf zeitgenössische Belletristik gelegt. Wir arbeiten sehr intensiv mit den Autorinnen und Autoren zusammen und legen Wert auf literarische Qualität. Neben den Romanen ist unsere Paperback-Reihe „Textlicht“ mit kürzeren Erzählungen und Prosatexten etwas, das sonst nur wenige andere Verlage machen. Die Reihe „Wiener Literaturen“ legt vergessene Bücher von Wiener Autorinnen und Autoren aus den 1920er- und 30er-Jahren neu auf. Darüber hinaus versuchen wir aber auch, die Backlist am Leben zu erhalten. Neben den Romanen von Jörg Mauthe haben wir zum Beispiel „Die Strategie des Tarockspiels“ vor kurzem nachgedruckt. Nicht zu fassen, wie viele TarockspielerInnen es gibt!

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Seit dem Sommer 2014 bieten wir die meisten Romane auch als E-Books an. Lange haben wir uns gewehrt, sehen E-Books aber mittlerweile als spannende Alternative. Außerdem ist es schön, dass manche Backlist-Titel hier noch mal mehr Aufmerksamkeit bekommen. Durch die E-Books tut sich noch mal was auf!

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Das ist ein bisschen so, wie wenn man eine Mutter nach ihrem Lieblingskind fragt. Aber im Ernst: 2015 sind bisher drei Bücher erschienen – die finden wir alle und ohne Einschränkungen großartig: In unserer Taschenbuchreihe „Textlicht“: Hanno Millesis Novelle „Venusatmosphäre“, der Roman „Die Verschwundenen“ von Wolfgang Popp und „Magda“, Meike Ziervogels Roman über Magda Goebbels, den Martin Thomas Pesl aus dem Englischen übersetzt hat.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir haben arbeiten beide schon länger in der Branche, dann bekam Jorghi das Angebot, den Verlag zu übernehmen, ein Jahr später ist Sarah dazu gestoßen. Vermutlich hätten wir aber früher oder später ohnehin gemeinsam etwas in die Richtung gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Alleine, dass wir machen können, was wir wollen, hilft schon viel. Die (kreative) Zusammenarbeit mit engagierten Menschen tut ebenfalls enorm viel dazu!

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

???????????????????????Es geht alles schneller.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Vermutlich machen wir nicht wirklich was anders. Wir versuchen, das, was wir tun, möglichst gut zu tun – also nicht mal darin unterscheiden wir uns von anderen VerlegerInnen. Im Ernst: Wir probieren viel aus – darin liegt vielleicht einer der Vorteile eines Indie-Verlages: die Möglichkeit, auszuprobieren. Über Gespräche mit Autorinnen und Autoren ergeben sich auch immer viele Ideen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die Startphase war schon auch wichtig für uns – weil wir viel gelernt haben.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kannten schon vor unserer Arbeit mit der Edition Atelier einige junge Autorinnen und Autoren, insofern hatten wir beide schon „Listen“ mit Leuten, mit denen wir gerne zusammenarbeiten wollten. Die allermeisten unserer Bücher ergeben sich durch persönliche Kontakte.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir überlegen immer wieder mal, ob wir einen Webshop einrichten sollen, aber im Prinzip haben wir ganz klassische Verkaufsabläufe: im Buchhandel, bei Veranstaltungen, online. Die E-Books werden über Bookwire vertrieben.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir versuchen, Lesungen in Buchhandlungen zu veranstalten und persönliche Kontakte aufzubauen; und dann reisen natürlich auch die VertreterInnen durch die Buchhandlungen. Wir haben schon das Gefühl, dass uns die BuchhändlerInnen immer mehr wahrnehmen – gleichzeitig ist die Situation im Buchhandel aber sehr schwierig, und das wirkt sich natürlich auch auf die kleinen Verlage aus.

Wie halten Sie es mit Amazon?

???????????????????????????????????????????Unsere Bücher sind über Amazon erhältlich, und wir wollen auch niemandem vorschreiben, wo er einkaufen soll. Natürlich verweisen wir aber gezielt auf die Buchhandlungen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Budget für Marketing ist bei uns keines vorhanden, das geht sich beim besten Willen nicht aus. Wir haben Accounts bei Facebook und Twitter, einen eigenen Verlagsblog, machen, so gut es geht, Pressearbeit, verschicken Newsletter. Wir versuchen, viel rauszugehen – was natürlich auch eine Zeitfrage ist. Dieses Jahr sind wir auch stärker beim Indiebookday präsent.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Geschäftlich – wir sind Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Eigentlich für Leute wie uns: die gerne lesen und gerne Neues entdecken, das auch schon mal unkonventionell sein darf. Eine konkrete Zielgruppe gibt’s nicht wirklich – wir machen keine glatten Bücher, sprachlich und inhaltlich gibt’s sehr viele Unterschiede.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In unserer Zusammenarbeit und in den AutorInnen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Es ist eine Grundvoraussetzung selbstständiger Arbeit, dass man sich von den zahlreichen Risiken, die es dabei und in und um die Buch- und Verlagsbranche gibt, nicht verrückt machen darf.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

edition atelier Ziervogel_Magda_Cover2DDass sehr oft nicht dieses klassische Konkurrenzdenken da ist. Den Austausch und Zusammenhalt, was auch der Indiebookday zeigt, der zwar in Österreich leider noch nicht so bekannt ist, aber in Deutschland innerhalb weniger Jahre zu einem gemeinsamen Projekt geworden ist. Und dass viele gute Sachen entstehen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich von Beginn an gut zu strukturieren und sich was gutes Neues zu überlegen, das sich von den irrsinnigen Büchermassen, die jedes Jahr neu erscheinen, abhebt.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es gibt viele tolle Indie-Verlage, die wir gut finden und deren Treiben wir mitverfolgen. Empfehlen wollen wir hier das Verlagshaus J. Frank, die machen vor allem Lyrik. Das passt schon deshalb gut zu uns, weil wir regelmäßig darüber streiten, ob wir Lyrik machen sollen oder nicht – und die tun das einfach, und das großartig!

Herzlichen Dank für diesen Einblick! Und zudem dafür, dass ich mir aus Ihrem Programm habe „Magda“ wünschen dürfen.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Edition Atelier im Netz:

Website, hier gibt’s neben Infos zu AutorInnen und Büchern auch Leseproben, Trailer, Hörproben: www.editionatelier.at

Verlagsblog: https://textlicht.wordpress.com/

Facebook: www.facebook.com/edition.atelier

Twitter: https://twitter.com/editionatelier

Vorschau & Verlagsmagazin

 

 

„Deshalb unternehmen wir nichts mehr in Bezug auf Buchhandlungen.“ SteglitzMind stellt Uschi Zietsch vom Fabylon Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Uschi Zietsch vom Fabylon-Verlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Joachim Körber von der Edition Phantasia.

Eine Skizze vom Verlag …

Fabylon wurde 1987 von mir, Uschi Zietsch, und Gerald Jambor in München gegründet und ist seit über 10 Jahren im bayerischen Unterallgäu beheimatet. Wir haben uns hauptsächlich dem phantastischen Genre mit Fantasy, Science Fiction und allen Facetten dazwischen verschrieben, seit neuestem sind auch noch Hörbücher und Kinderbücher dazu gekommen, wobei hier die Titelanzahl, dezent gesagt, noch gut überschaubar ist. Lieferbar sind derzeit analog und digital um die 80 Titel. (Ich habe ehrlich gesagt nicht nachgezählt).

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Verlegerehepaar aud der Leipziger Buchmesse 2014 © Fabylon Verlag

Verlegerehepaar auf der Leipziger Buchmesse 2014 © Fabylon Verlag

2015 freuen wir uns sehr auf die Premiere unseres zweiten Hörbuches auf der Messe in Leipzig im März, eine weitere Geschichte der „Chroniken von Waldsee“: Nauraka – Volk der Tiefe. Der Start unseres ersten Hörbuches im vergangenen Jahr, die ungekürzte Vertonung der Waldsee-Trilogie, war fulminant – bereits in den ersten 14 Tagen über 500 Downloads – und ging danach erst so richtig auf die Überholspur.

Im zweiten Halbjahr freue ich mich auf die nächsten Sherlock Holmes- und Steampunk-Titel, die allesamt sehr vielversprechend und recht originell in der Idee sind. Vor allem „Sherlock Holmes und der Höllenbischof“, so viel kann ich schon verraten, denn Barbara Büchner hat bereits in ihrem Vorgängerband einen Bösen erschaffen, der hier nun voll zum Zuge kommt, und den man so beschreiben kann: vergesst Moriarty!

Im September, und das ist mir eine Herzensangelegenheit, erscheinen zudem zwei Bände meines viel zu früh verstorbenen besten Freundes Ernst Vlcek, der jahrzehntelang hauptsächlich für Perry Rhodan gewirkt hat, aber auch in anderen schriftstellerischen Gefilden unterwegs war. Wir bringen seinen Erstling „Der Kosmische Vagabund“ in behutsamer Überarbeitung heraus, sowie die Storysammlung „Gib mir Menschen“ mit schlichtweg großartigen und ungewöhnlichen Kurzgeschichten und Novellen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Liebe zu Büchern wurde mir in die Wiege gelegt und von meinem Vater gründlich weiterentwickelt. Zum einen bin ich selbst Schriftstellerin und schon von daher gesehen Buchliebhaberin, zum anderen hatte auch mein Mann, der niemals ohne Bücher leben könnte, den Traum, Bücher zu produzieren, wie wir sie uns vorstellen, inhaltlich und gestalterisch. Der Anstoß kam damals nach meiner Erstveröffentlichung, denn durch Programmkürzung hätte es so schnell keine weitere Publikation gegeben, aber ich wollte nicht gleich wieder in der Versenkung verschwinden. Einen reinen Selbstverlag wollten wir aber auch nicht, sondern haben ein halbes Jahr lang intensiv darüber nachgedacht, was genau wir machen wollten und wie wir uns die Umsetzung vorstellten. Und das haben wir nie bereut oder je darüber nachgedacht, ein anderes Unternehmen zu starten.

Wir freuen uns heute noch wie beim ersten Mal, wenn die jeweilige Neuerscheinung bei uns eintrifft, der Karton wird aufgerissen, jeder schnappt sich ein Exemplar, schlägt das Buch auf und schnuppert hinein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ebooks sind da leider weniger aufregend, weil man nichts Haptisches in der Hand hat und es sowieso auf jedem Reader anders aussieht, man kann nicht damit herumlaufen und es strahlend mit den Worten „mein Schaaaaaaatsssss“ herzeigen. Aber auch hier freuen wir uns natürlich, wenn der digitale Markt an unseren schönen Geschichten teil hat und fleißig den Download-Knopf drückt. Am schönsten ist es natürlich, wenn wir Feedback in Form von Mails oder persönlichen Kontakten bekommen, vor allem wenn es vorher eher „Nicht-Leser“, sei es dieses Genres oder allgemein, waren, die wir sozusagen „bekehrt“ haben. Dann haben wir die Bestätigung, warum ein Verlag und nichts anderes.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus den oben genannten Gründen – Bücherlesen ist wichtig zur Erweiterung des Horizonts, aber auch der Empathie. Es gibt so viele wunderbare Geschichten, die erzählt sein wollen, und alle sollen sie erfahren. Die Menschen haben schon immer gern Geschichten gehört, in der Frühzeit am Feuer, und heute in verschiedenen Medien, in denen das Buch immer noch eine wichtige Rolle spielt. Dazu wollen wir beitragen.

Und was heißt schon Schwierigkeiten? Widerstand und Rückschläge hat man doch in jedem Metier. Jammern und klagen sollen andere. Man tut es, oder man tut es nicht, ohne „ja, aber …“

Na gut, bei einem Verlag ist man schon mit einer gewissen Portion Masochismus gesegnet. Wenn wir schnell (oder überhaupt) reich werden wollten, würden wir Aktien-, Drogen- oder Waffenhändler.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Es ist vieles erheblich kostengünstiger geworden, und es geht alles sehr viel einfacher, schneller und effizienter in der Produktion. Satz und Umschlag dauern keine Tage mehr, die Cover können umgehend geändert werden, man hat von Anfang bis Ende alles in der Hand und tauscht sich per Mausklick innerhalb weniger Stunden aus. Und die Druckereien sind ebenfalls erheblich günstiger geworden – vor allem, weil nun auch in Kleinstauflagen bzw. Print on Demand gedruckt werden kann, sogar Hardcover mit Farbillustrationen an gewünschter Stelle, ohne dass die Kosten explodieren oder der Buchpreis so hoch angesetzt werden muss, dass sich kein Käufer mehr dafür finden kann. Man kann jetzt sehr exakt kalkulieren, und sollte man sich in positivem Sinne mit der Auflage vertan haben, nämlich dass der Absatz sehr viel höher als erwartet ist, ist sehr schnell nachgedruckt und ausgeliefert. Das Risiko für Verlust und platzende Lagerbestände ist um ein Vielfaches gesunken.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich betrachte die Kleinverlage in unserem Genre nicht als Konkurrenz. Wir arbeiten zusammen, organisieren sogar gemeinsam Werbung oder Messestände, auch Lesungen, geben uns gegenseitig Tipps und vieles mehr. Ja, wir weinen uns auch manchmal beim anderen aus, das gehört ebenfalls dazu.

Jeder Verlag unseres Genres hat sein eigenes, spezielles Programm, der eine macht mehr Science Fiction, der andere mehr Fantasy Romance, der dritte hauptsächlich Übersetzungen … es gibt natürlich Überschneidungen, aber im Grunde hat jeder seine Linie und sein Zielpublikum. Und was die Überschneidungen betrifft, so nimmt keiner dem anderen etwas weg, weil genau diese Leser, denen das gefällt, die Vielfalt schätzen, davon profitieren alle Verlage. Diejenigen Leser, die sich ausschließlich auf eine Richtung „spezialisiert“ haben, würden wir nicht dazu gewinnen, indem es einen Verlag dieser Richtung weniger gäbe. Denn wir tanzen nicht auf allen Hochzeiten, auch wenn unser Programm breit gefächert ist. – Gerade im Bereich des Phantastischen erschafft man sich mit der Zeit aber auch einen „Lesezirkel“ mit treuen Kunden als Basis. Der „harte Kern“ kennt sich auch persönlich, manchmal über Jahre hinweg.

Wir gehen raus auf Messen, Conventions und Veranstaltungen, um direkt mit unseren (künftigen) Lesern zu kommunizieren und ihnen unser Programm zu präsentieren. Dabei hören wir auch sehr genau zu, was gern gelesen wird. Mit den Jahren hat man viele „Bekannte“ und lernt auch immer wieder neue Fans, Nerds und Geeks kennen.

Was wir anders machen als die anderen, weiß ich nicht, darauf achte ich nicht. Wir verfolgen wie seit Anbeginn unsere Strategie, vorwiegend Newcomer ins Rampenlicht zu bringen und darüber hinaus Titel auch von bekannten Autoren zu produzieren, an denen uns sehr viel liegt und von denen wir überzeugt sind. Wir beobachten den Markt und gehen Kompromisse ein bzw. nehmen Anpassungen an unsere Strategie vor, um unsere Ziele so gut wie möglich zu erreichen. Wir wollen es natürlich nicht allen recht machen, aber auch nicht am Markt vorbei produzieren. Wir wollen nicht nur die Leser zufriedenstellen, sondern auch unsere Autoren.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Sie meinen abgesehen davon, dass eine gute Erbschaft gerade recht käme? Nichts. Man muss alles ausprobieren, um festzustellen, was funktioniert. Unser einziger Fehler am Anfang war vielleicht eine zu hohe Auflage, andererseits konnten wir dadurch den Verkaufspreis so kalkulieren, dass er kaum über den Großverlagen lag, und erreichten dadurch zufriedenstellende Umsätze. Damals waren Klein(st)auflagen zudem noch nicht möglich, der Filmsatz war noch relativ jung, der Buchdruck immerhin schon Bogenoffset. Ansonsten haben wir uns vor der Gründung ausführliche Gedanken gemacht, haben uns professionell beraten lassen, und unsere bis dahin gesammelte Berufserfahrung im Vertrieb und Marketing war ebenfalls nützlich. Sicherlich würden wir Kleinigkeiten anders machen, aber im Großen und Ganzen würden wir unter denselben Voraussetzungen noch einmal so starten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Da wir hauptsächlich Newcomer, die wir für talentiert halten, publizieren, kommen die Autoren zumeist auf uns zu. Aber auch „gestandene“ Autoren kommen gern zu uns. Außerdem haben wir in unserem Programm einige spezielle Reihen von unserer Herausgeberin Alisha Bionda, die sich ausgezeichnet in der Branche auskennt und ein hervorragendes Gespür für Talente sowie beste Kontakte hat.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir vertreiben die Printbücher über das Barsortiment und die Ebooks über einen Vertriebsdienst. Direktbestellungen von Buchhändlern nehmen wir natürlich auch an, wenn sie nicht über Barsortiment ordern möchten. Und dazu haben wir noch einen eigenen Online-Shop für die Endkunden sowie den Direktverkauf auf Veranstaltungen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Augenblick, jetzt muss ich erst mal lachen. Entschuldigung …

Gut, ich habe wieder Luft geschnappt.

Räusper. Ähem. – Zur ersten Teilfrage kurz und bündig: Nichts. Nichts mehr.

Zur zweiten Teilfrage: Unsere Erfahrung hat uns zu Punkt 1 gebracht. Das dauert jetzt ein bisschen länger.

Als wir gestartet sind, waren wir beide uns darüber im Klaren, dass wir nicht persönlich alle Buchhandlungen abklappern können. Damals war Deutschland zwar noch ein ganzes Stück kleiner, aber trotzdem zu groß für zwei Personen, die zudem noch einen Brotverdienst hatten, denn dass der Verlag uns nicht sofort ernähren kann, insofern wir nicht ein wahnsinniges Glück mit einem riesigen Bestseller hätten, lag klar auf der Hand. Wir wollten ja kein finanzielles Desaster erleben, sondern Schritt für Schritt etwas aufbauen, das Bestand haben sollte, und mit unseren Brotjobs Verluste auffangen.

fabylon_Cover HörbuchDeshalb haben wir uns damals einen Vertrieb gesucht, und just zu der Zeit gab es einen jungen Vertrieb, der sich auf Kleinverlage spezialisiert hatte. Er beschäftigte Vertreter, die ganz Deutschland bedienten, sorgte für Prospektverteilung und dergleichen mehr. Damit sollten wir in die Buchhandlungen hineinkommen. Der Vertrieb war sehr engagiert, die Vertreter leider nicht so sehr, und der Buchhandel hatte überhaupt keine Lust. Kleinverlage waren damals Ende der 80er zudem noch etwas sehr Anrüchiges.

Hierzu unternahm mein Mann einst einen Test, ging in München in eine große, heute nicht mehr existierende Buchhandlung, und bestellte ein Buch unseres Verlages. Er bekam zunächst von verschiedenen Verkäufern (den Begriff „Buchhändler“ möchte ich hier ausdrücklich nicht verwenden) die Auskunft: „haben wir nicht – gibt es nicht – das ist doch ein *hüstelnd, naserümpf* Selbstverlag“. Der Herr Verleger Incognito ließ aber nicht locker und erhielt dann – immerhin! – vom Abteilungsleiter doch noch zur Antwort: „Ja, das kann ich bestellen, aber es dauert mindestens vierzehn Tage, bis so ein Verlag liefert.“ Dazu der „wollen Sie sich das wirklich antun?“- Blick.

Tja, was soll ich sagen? Exakt nach vierzehn Tagen traf die Bestellkarte bei uns ein! Aber sagen wir auch hier: immerhin! Andere weigerten und weigern sich ja heute noch strikt, zu bestellen. Manche mit Begründung wie „ach, den Verlag/das Buch gibt es ja schon lange nicht mehr“, oder: „nein, das machen wir grundsätzlich nicht.“ Und dabei waren wir seit Anbeginn bei den Barsortimentern vertreten!

Jedenfalls, nach einem oder zwei Jahren gab der Vertrieb auf, schmiss zuerst alle Vertreter und dann uns Kleinverlage raus. (Und ging ein weiteres Jahr später mit seinem eigenen Verlag pleite, doch das ist eine andere Geschichte.) Aber immerhin hatten wir in der Zeit fleißig Adressen gesammelt und schon einen kleinen Kreis um uns geschart. Außerdem haben wir es mit Massensendungen mit gekauften Adressen versucht – was man eben alles so unternimmt. Damit kamen wir so ganz gut durch, aber immer noch nicht in die Buchhandlungen rein.

Das Ergebnis war und ist: „Wir haben sooooooooooooooooo viiiiiiiiiiiiele Bücher, und Ihre können wir doch gar nicht los werden, wie sollen wir sie denn überhaupt anpreisen?“ Da ist schon was Wahres dran. Ich weiß, bei gut 10.000 Neuerscheinungen im Jahr ist nur wenig Platz vorhanden, ich habe Verständnis dafür, ebenso, dass auch ein Buchhändler ein Wirtschaftsunternehmen ist und deshalb auf umsatzträchtige Bestseller setzt.

Aber wenigstens bestellen könnten Buchhandlungen auf Kundennachfrage, sich zuvorkommend geben, und nicht abwimmeln! – Wobei ich zugeben muss, das passiert ja auch Großverlagen. Also dieser „Service am Kunden“ mit Auszeichnung „höchst mangelhaft“.

Ganz aktuell zu Weihnachten 2014 hat eine Bekannte von mir ihrem Ehemann eine Bücherliste gegeben mit Titeln, die sie sich zu Weihnachten wünschte. Er ging also frohgemut in die Buchhandlung. Nicht einer der Titel war da (wie gesagt, es waren keine Kleinverlagstitel und keine unbekannten Autoren), woraufhin die verkaufstüchtige Gemischtwarensonstwasbrühwursthändlerin dem verwirrten Ehemann („das ist doch hier eine Buchhandlung?!“) Bücher eines ganz anderen Genres von einer Stapeltisch-Autorin aufdrängte und ihn mit einer Tüte voll davon fortschickte. Zum Verständnis der kompetenten Fachkenntnis der Wasauchimmerverkäuferin nehmen wir folgendes Beispiel, das hierzu fiktiv ist, aber passt: Jemand wollte Henning Mankell und hat dafür Rosamunde Pilcher bekommen. (Aber dafür wahrscheinlich im Sonderangebot.)

Wir bekommen manchmal euphorische Meldungen unserer Autoren, was die Buchhandlung XYZ alles für die dort geplante Lesung tun will, vor allem die Bücher im Schaufenster auslegen, und Werbung, undund. Ich spiele nicht den Miesepeter, denn das Engagement der Autoren ist großartig, doch ich könnte voraussagen, wie es in mindestens 70% der Fälle ausgeht: Die Bücher liegen nicht aus, werden erst wenige Tage vor der Lesung natürlich bei uns, nicht im Barsortiment (wegen Remission und höherer Rabatte) bestellt, dass ich express liefern muss, und schon tags nach der Lesung geht der verbliebene Rest wieder an den Verlag zurück, ohne das Buch auch nur eine Sekunde auf irgendeinem Büchertisch präsentiert oder jemals angepriesen zu haben. Das ist natürlich nicht immer so, aber leider immer noch zu oft. Gerade weil hier ja der Bezug zu Autor und Lesung da ist, könnte man doch vorher und nachher ein bisschen mehr Anpreisung versuchen? Das Remissionsrecht geben wir ja deshalb für ein Jahr.

Wenn man seine Bücher unbedingt auf einem Büchertisch haben möchte, muss man selbigen kaufen. Oder pachten. Oder leasen. Wie immer Sie das nennen möchten, und bestimmt lautet der empörte Aufschrei der Fachleser dieser Zeilen „stimmt doch gar nicht!“ Stimmt aber doch. Viele, vor allem große und Ketten-Buchhandlungen lassen sich dafür bezahlen, dass sie die Titel schön augenfällig präsentieren. Und remittieren dann trotzdem; ein Thema, das ich als bei Großverlagen publizierende Autorin sattsam kenne.

Deshalb unternehmen wir nichts mehr in Bezug auf Buchhandlungen. Zumindest, was den allgemeinen Vertrieb betrifft. Es sind selbstverständlich nicht alle so, ein bisschen polemisch war ich jetzt schon. Es gibt noch eine Reihe kleiner Buchhandlungen, hauptsächlich in den Ostbundesländern, die sehr engagiert sind. Diese unterstützen wir gern mit Werbematerial und Sonderkonditionen. Nur leider finden gerade diese oft, bedingt durch die Lage in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit, wiederum nicht genug Kunden, die ihnen den ausreichenden Umsatz bescheren, sodass wir auch hier keine Win/Win-Situation erreichen können …

Wie halten Sie es mit Amazon?

Vorausgeschickt: Amazon ist garantiert nicht der gemeinste und schlechteste Arbeitgeber aller Zeiten. Ich habe persönlich schon ganz andere Verhältnisse erlebt. Sicher ist das trotzdem nicht gutzuheißen, aber Ausbeutung gibt es in nahezu allen Branchen, vor allem bei den Großfirmen. Sollte ich die alle boykottieren, müsste ich auf sehr vieles verzichten.

Amazon ist auch für uns bestimmt kein freundschaftlicher Geschäftspartner, und es gibt da einige vertragliche Bindungen, die keineswegs vorbildhaft gesetzeskonform sind. Gerade audible setzt da durch die fehlende Preisbindung bei Hörbüchern ganz harte Bandagen an. Dennoch werden wir nicht darauf verzichten, solange der Umsatz stimmt und diese Einschränkungen tragbar sind.

Amazon wird für uns vom Barsortiment im Printbereich bedient, und bei den Ebooks von unserem Dienstleister. Im Printbereich hält Amazon dabei kaum einen Anteil, da sind es vielleicht 20% gegenüber dem Buchhandel insgesamt, bei unseren Ebooks ist der Anteil erheblich höher, wobei er sich von anfänglich 80-90% inzwischen auf 50-60% Anteil gegenüber den Online-Shops insgesamt eingependelt hat. Das ist immer noch ordentlich und beschert uns bis dato gute und pünktliche Abrechnungen.

Es ist eine einfache Sache für den Kunden, zu denen übrigens auch ich gehöre, bei Amazon einzukaufen, und es wäre wirtschaftlich unvertretbar, wenn wir hier irgendwelche moralische Ansätze höher halten würden. Natürlich beliefern wir nicht zu jedem Preis, aber wir versuchen auch hier, den besten Kompromiss herauszufiltern und werden diese Linie verfolgen, solange sie funktioniert.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wie bereits weiter oben schon ausgeführt, schalten wir Anzeigen für Buchhändler (damit sie nicht sagen können, das Buch hätten sie noch nie gesehen *grins*) und Endkunden. Verteilen über Großverteiler Prospekte, betreiben einen Youtube-Kanal, sind auf Facebook, Google+ und mit eigenen Blogs online vertreten, wir versenden Neuerscheinungen für Rezensionen und gehen persönlich in die Öffentlichkeit auf Veranstaltungen (siehe Foto der Verleger) und zeigen uns dem Publikum. Außerdem wird regelmäßig Pressearbeit betrieben, und natürlich geben wir gern Interviews wie zum Beispiel Ihnen. 😉

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Mit der Verlagsgründung wurden wir Mitglied, sind dann aber nach einigen Jahren ausgetreten, nachdem wir festgestellt hatten, dass es uns für den vergleichsweise hohen Beitrag nichts bringt. Wir können ja trotzdem einige Leistungen wie das VLB auch weiterhin in Anspruch nehmen, müssen lediglich mehr dafür bezahlen als Mitglieder, aber damit kommen wir wirtschaftlich besser zurecht.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir haben ein breit gefächertes Programm, da ist für jeden in jedem Alter etwas dabei. Sherlock Holmes, Steampunk, Erotik, Literarisches, Episches oder Urban Fantasy, Science Fiction. Unsere Markt“nische“ besteht in der Hartnäckigkeit, unbekannten Talenten eine Chance zu geben, aber wir sind nicht ausschließlich darauf festgelegt.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wäre schön, wenn ich unseren nächsten und übernächsten Bestseller vorhersagen könnte! Aber das Spannende dieser Branche ist, dass man es nie genau wissen kann, ob ein Titel einschlägt oder nicht. In jedem unserer Bereiche gibt es gut gehende und nicht so gut gehende Titel, manches als Print, anderes als Ebook. Fantasy, Urban Fantasy und Vampire laufen als Ebook sehr gut, Sherlock Holmes und Steampunk besser im Print, bei den anderen hält es sich ziemlich die Waage. Wir sind nach allen Richtungen offen und flexibel.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

das Logo  © Fabylon Verlag

das Logo © Fabylon Verlag

Wie sie bei jedem Unternehmen bestehen: Der künftige Markt hat womöglich im großen Jahr des Börsencrashs oder toller neuer Medien kein Interesse oder kein Geld mehr, sich mit unseren Publikationen zu befassen. Aber bedingt durch die gesunkenen Produktionskosten und indem wir die Nebenkosten möglichst gering halten und so viel wie möglich selbst machen, können wir auch schlechtere Zeiten überstehen und uns wieder hochrappeln. Wir können sofort von heute auf morgen das Programm herunter- oder wieder hinauffahren. Bei allem Enthusiasmus und Engagement schießen wir nach 28 Jahren nicht über die Grenzen unserer Möglichkeiten hinaus, sondern halten das Risiko möglichst so, einen Verlust so zu verkraften, dass weder Verlag noch wir daran zugrunde gehen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Dass so viel Engagement besteht, auch Enthusiasmus und Freude an dem, was man tut, und der Mut, etwas zu riskieren (ob nun inhaltlich mit einem „brisanten Titel“ oder finanziell). Es wird ja gerade nach dem Außergewöhnlichen, Originellen gesucht, und man steht hinter dem, was man publiziert. Damit wird die Vielfalt erhalten und der Einheitsbrei des Mainstream durchbrochen. Die Einstellung zum eigenen Unternehmen an sich ist auch ganz anders, da geht es nicht um Dienst nach Vorschrift und die pünktlichen Renteneinzahlungen. Es geht noch um die Kunst „Buch“ und nicht um Zahlen auf der Buchhaltungsliste. Und natürlich sind die Entscheidungswege kurz, es gibt keinen riesigen Verwaltungsapparat, der nur schwer in die Gänge kommt.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Auch hier wie bei jedem Unternehmen: Eine klare Linie, eine Strategie, das Ziel, was man überhaupt machen will, und natürlich die Kalkulation. Professionalität durch das Erscheinungsbild, die Auswahl der Texte und das Lektorat. Professionalität durch Information im Vorfeld und genügend Startkapital, um die ersten schwierigen Jahre durchzustehen. Man muss schon genau wissen, was man will, wie lange man Verluste finanziell tragen kann, und vor allem muss man sich darüber im klaren sein, dass der Tag dann nicht aus 8 Stunden besteht, sondern aus 12 Stunden und mehr. Auf den Lorbeeren ausruhen kann man sich in der Rente, vorher jedoch ist es ein zwar schöner, aber sehr anstrengender und nicht selten frustrierender Job, in dem man an allen Fronten kämpfen muss – Buchhaltung, Finanzen, Steuern, Gesetze, Verträge, Herstellung und Produktion, Vertrieb, Marketing, Künstler, und so weiter. Der finanzielle Dank ist oft nur sehr klein.

Wenn etwas schiefgehen kann, wird es auch schiefgehen, es ist eine ständige Gratwanderung. Man muss ständig auf alles gefasst sein. Und man muss flexibel sein, wenn die eine Sache nicht funktioniert, es auf anderem Wege zu versuchen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich glaube, die meisten wurden sowieso schon genannt, vor allem von Joachim Körber der Edition Phantasia, der netterweise mich in seinem Beitrag hier erwähnt hat (danke, Joachim!). Hat vielleicht schon mal jemand den Atlantis-Verlag von Guido Latz erwähnt? Der ist ja nun auch schon eine Weile überaus aktiv und kann interessante Antworten aus jahrelanger Erfahrung geben.

Ja, der Verlag wurde mir für ein Gespräch bereits empfohlen, aber leider hat der Verleger für so viele Fragen keine Zeit übrig.

Empfehlen würde ich sowieso alle Kolleginnen und Kollegen, denn jeder auf seine Weise ist sehr engagiert und hat seine eigene Strategie. Es gibt so viele – und das ist gut so!

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Fabylon-Verlag im Netz:

www.fabylon.de – hier findet sich der Shop samt Blog und alle Infos zu uns.

https://www.youtube.com/channel/UCuEpWORkDYtBFd0YDibicFg – Unser Youtube-Kanal

https://www.facebook.com/Fabylonverlag – Unsere Facebook-Seite

https://plus.google.com/111012295768807918823/posts – Unsere Google+-Seite

http://blog.fabylon-verlag.de/ – Mein Blog mit Neuigkeiten zu Fabylon, meinen Publikationen und meiner Meinung zur Welt

„Diese Klasse wird sich durchsetzen.“ SteglitzMind stellt Jürgen Schütz vom Septime Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Antworten darauf kommen heute von Jürgen Schütz, der den Wiener Septime Verlag gegründet hat. Vorgeschlagen hatten das Karlheinz Schlögl vom Golkonda-Verlag, Joachim Körber von der Edition Phantasia, Michael Preissl von Voodoo Press und Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Goldegg Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Septime Verlag hat seinen Sitz in Wien. Seit 2009 gibt es Septime Bücher. Bis 2014 erschienen 6 – 8 Bücher im Jahr – 2015 sind es 7 im Frühjahrsprogramm und wahrscheinlich ebenso viele im Herbst. Preislich sind wir immer versucht, fair zu sein und die Bücher erschwinglich zu halten. Verglichen mit ähnlichen Programmen sind wir regelrecht „billig“.

Machen Sie alles alleine?

Jürgen Schütz @ Ulrike Rauch

Jürgen Schütz @ Ulrike Rauch

Neben mir sind seit 2012 Sabrina Gmeiner und seit 2014 Esther Forberger wichtige Mitglieder in diesem kleinen Team. Es wird alles gemeinsam beschlossen und alle stehen hinter dem, was wir gerade tun. Übersetzer, Lektoren sind immer extern – mal abgesehen davon, dass Sabrina Gmeiner seit dem aktuellen Programm auch als Übersetzerin in Erscheinung tritt. Bei den Externen wird aber meistens auf die selben Kolleginnen und Kollegen zurückgegriffen, da diese mit unserer, dadurch dass wir auch berufstätig sind, manchmal etwas anderen Vorgehensweise und Gangart vertraut sind.

Die Programmschwerpunkte?

Programmschwerpunkt ist: 65% internationale Literatur, derzeit aus Chile, Argentinien, Kuba, Mexiko, Guatemala, USA, Kanada, Japan, Portugal, Schweden, Norwegen. Und natürlich unsere AutorInnen aus Österreich, Deutschland und Südtirol. Fast alle der deutschsprachigen AutorInnen hatten ihr Debüt bei Septime. 2015 erscheint wieder eine Anthologie (diesmal als Hardcover) und setzt auch die Reihe der Erzählbände (PERSPEKTIVENWECHSEL) fort, die in den ersten vier Verlagsjahren erschienen.

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Noch vor der Leipziger Buchmesse werden die ersten e-books erscheinen, darunter sind fast alle deutschsprachigen Romane und ein erster Teil der internationalen Titel.

Ihre Highlights?

septime_BIO_160Unsere Highlights bislang waren in jedem Fall die James Tiptree Jr. Werkausgabe, die von der Kritik in TV, Radio, Print und Internet in höchsten Tönen gelobt wurde. Desweiteren Ryu Murakami – Das Casting, der Roman schaffte es 2013 auf die HotList bei der Frankfurter Buchmesse. Der Jahrmarkt von Juan José Arreola landete 2011 auf Platz 4 der Weltempfänger Bestenliste mitten unter namhaften Verlagen, wobei das grade mal das zweite Buch des Verlags war.

National gewannen bereits zwei unserer Autorinnen mit ihrem Debüt einen Landespreis für ihre Werke. Isabella Feimer – Der afghanische Koch und Gudrun Büchler – Unter dem Apfelbaum.

Aktuelle Entdeckung: José Luís Peixoto – Das Haus im Dunkel (erscheint im Februar) aus Portugal. Wir sind gespannt, wie sich dieses grandiose Buch entwickelt. Heuer ist sicher Coin Locker Bays von Ryu Murakami unser Toptitel im Frühjahr. Als Übersetzerin konnten wir Ursula Gräfe gewinnen, die man nicht extra vorstellen muss, übersetzt sie ja auch seinen Namensvetter Haruki.

Aber, unsere Bücher haben kein Ablaufdatum und wir arbeiten hart weiter für unsere Projekte – wir sind stolz auf unsere Backlist und bewerben diese auch regelmäßig.

Was hat Sie enttäuscht?

Was uns traurig macht: Dass ein Jahrhundert-Titel wie Jan Kjaerstad – Ich bin die Walker Brüder völlig von der Kritik übergangen wurde. Und, dass wir noch nicht stark genug sind, von uns entdeckte AutorInnen wie Nona Fernández, Mare Kandre oder Carlos Gamerro, die in ihrer Heimat Fixsterne am Himmel der Literatur sind, dort zu positionieren, wo ihr Platz wäre.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

septime_Casting_160Das ist eine wichtige Frage, in Zeiten, in denen man/frau einen Verlag lieber schließen würde als gründen. Aber durch meine Liebe zur Literatur wurde ein innerer Drang immer stärker, etwas in diese Richtung zu unternehmen. Das begann mit dem Schreiben von mehr oder weniger guten Kurzgeschichten, Rezensionen im Internet und endete letztendlich mit der Gründung des Septime Verlags und 2009 mit dem Erscheinen einer Anthologie zum Thema Lateinamerika.

Auch wenn ich es an manchen Tagen bereue – hätte ich es nicht gemacht, wäre dieser Drang heute nach wie vor unbefriedigt. Letztendlich war es kein Fehler.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Die Schwierigkeiten sind das Salz in der Suppe – Schwierigkeiten machen mein Team und mich stärker, nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ – das Engagement ist eigentlich Pflicht, denn da wir alle im Verlag auch berufstätig sind, ist Zeit für uns ein kostbares Gut – und etwas, das wir nicht mit Jammern vergeuden können. Wenn ein oder mehrere Projekte einmal laufen – von Vertragsverhandlung, betreuen der ÜbersetzerInnen bzw. AutorInnen, bestellen der Lektoren, Satz, Covergestaltung, Druck bis in den Buchhandel – dann vergeht keine Woche, in der nicht daran gearbeitet wird, irgendetwas ist immer zu tun.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ich kenne in dem Fall nichts anderes. Bin aber sicher, dass ich ohne die aktuellen Möglichkeiten keinen Verlag gegründet hätte. Mit ein paar guten Ideen, einem Notebook und einem Steuerberater konnte ich losstarten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

septime_Stallungen_160Septime zielt nicht gleich auf den Gewinn, sondern darauf, ob ein Buch eine Bereicherung für die Literaturlandschaft ist. Dann überlegen wir, wie wir uns das leisten können. Die James Tiptree Jr. Werkausgabe ist an Papier ein Wahnsinn – aber selbst wenn sich der Erfolg in den kommenden Jahren nicht einstellt, werde ich ein Leben lang auf diese Zeit zurückblicken können, in der diese wunderbare Serie entstand. Jan Kjaerstad, früher bei einem großen deutschen Verlag, mit weit über 600 Seiten aus dem Norwegischen vorzufinanzieren, ist der Geldbörse gegenüber rücksichtslos – aber dafür gibt es nun ein neues Meisterwerk des Norwegers für das deutschsprachige Publikum. – Das ist das, was wir auf unserer Website kompromisslos nennen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Einiges!

– Ich begann ohne Vertrieb, das war nicht leichtsinnig, sondern dumm. Unser erstes Buch verkauft sich heute noch träge und tröpfelt dahin, aber es gab nie eine sogenannte „Erstbestellung“ des Buchhandels.

– Ich würde keine Taschenbücher mehr machen. Die Wertigkeit des Inhalts wird leider viel zu oft am Umschlag gemessen. Übersetzungen waren sehr teuer, die Lizenzen für einige AutorInnen wie Julio Cortázar, Susan Sontag, Siri Hustvedt, Ian Fleming ebenfalls nicht umsonst und letztendlich wurde der Preis von fast 17,– € für ein Taschenbuch oft von BesucherInnen auf den Messen kritisiert – beim Hardcover um 22,– € hätte es weniger Kritik gegeben.

– Bessere Pressearbeit vom Start weg.

Ansonsten ein paar Kleinigkeiten, die ich nicht an die große Glocke hängen sollte – im Prinzip ging’s nicht so schlecht.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Internationale AutorInnen werden entweder von uns entdeckt oder wiederentdeckt, d. h. wir kennen schon das eine oder andere Werk von ihnen. Neue AutorInnen werden uns u. a. von ÜbersetzerInnen zugetragen und dann geprüft.

Deutschsprachige AutorInnen bewerben sich direkt beim Verlag mit Manuskripten oder sprechen uns auf Messen und Lesungen an, oder wir entdecken sie bei diversen Veranstaltungen usw. – recherchieren, ob sie schon einen Verlag haben und eröffnen dann das Gespräch.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

septime_HIMMEL_160Klassisch: Wir haben in Österreich, Deutschland und der Schweiz jeweils eine Auslieferung, in allen drei Fällen sehr nette und kompetente Partner und im Moment acht Vertreter, die die Buchhandlungen für uns bereisen und unser Programm vorstellen, eine in Österreich, einen in der Schweiz und in Deutschland sechs Herren.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir machen alles, was gewünscht wird. Wenn es heißt, macht Plakate, machen wir Plakate. Macht Leseproben – wir machen Leseproben. Macht die Bücher nicht so dunkel – nehmen wir hellere Motive (siehe aktuelles Programm). Die Barsortimente sind schon OK – speziell KNV betreut uns sehr gut, und wenn wir dort anrufen, wissen sie auch, mit wem sie sprechen. Unterm Strich ist es aber wahnsinnig, wie remittiert wird. Manchmal schicken alle drei (Umbreit, Libri und KNV) ein oder mehrere Bücher zurück an die Auslieferung, nur um die gleiche Menge desselben Titels wieder nachzubestellen. Ich nenne so etwas GELDVERNICHTUNG.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Tja – das ist eine gemeine Frage an den Inhaber eines kleinen Verlages. Natürlich hätte ich gerne, dass unsere Bücher nur über den Buchhandel an die LeserInnen gelangen – wir würden dann vielleicht wirklich auch einmal Geld verdienen – aber das klappt so nicht, denn die Tische und Schaufenster der Buchhandlungen sind schon für Vampire, Hexenjäger, schwedische und italienische Kommissare und die großen Verlage reserviert. Amazon, so traurig das nun klingen mag, ist die einzige Buchhandlung, die unsere Backlisttitel verfügbar hat. Trotzdem: Wir verlinken an keiner Stelle im Internet auf Amazon, sondern verweisen immer auf den Buchhandel, der zeitweise den KundInnen sagt, dass es ein Buch von uns nicht mehr gibt.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Mal abgesehen von der Website und Facebook, das wir sehr nutzen, gibt es eben die Plakate und Leseproben, Postkarten und die üblichen Leporellos in den Büchern.

Im Jahr wird ein gewisser 4-stelliger Betrag bereitgestellt und budgetiert, der für Internet- und Printwerbung verwendet wird. Es ist nicht viel Geld.

Die Besprechungen und Interviews, wie dieses, sind das, was uns nach oben tragen sollte.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

septime_Walker_160Septime Verlag ist Mitglied. Warum weiß ich nicht mehr – ich dachte damals, es ist richtig so, denke aber, dass nicht viele Verlage Mitglied sind. Die Leute, die dort arbeiten, sind allesamt sehr sehr liebe und gute Menschen und helfen, wenn sie können, wo es geht.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Bücher sind für Frau und Mann, die gute Literatur lesen wollen und nicht nur berieselt werden möchten. Unsere spezielle Marktnische, obwohl ich es als mehr als eine Nische betrachte, sind die internationalen AutorInnen – mit den Übersetzungen sind wir sicher die Nummer 1 in Österreich.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Eben bei der Auswahl der Autorinnen und Autoren. Diese Klasse wird sich durchsetzen.

Unsere Bücher, so sie über Marketing und Buchhandel bei den LeserInnen ankommen, werden gemocht, geschätzt und gelesen. – Wir versuchen aus Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

septime_ZEP_160Dass es finanziell eng wird, ehe der Erfolg sich einstellt. Aber wir und alle in unserem Umfeld, die den Verlag seit einigen Jahren beobachten, glauben an den Erfolg. Vielleicht kommt er ja schon dieses Jahr. Das Frühjahrsprogramm ist mit dem zweiten Ryu Murakami, dem Pulitzerpreisträger Steven Millhauser und José Luís Peixoto, den wir jüngst entdeckten, international gut bestückt, das 100-Jahre Jubiläum von James Tiptree Jr. steht in diesem Jahr ebenso an, und wir werden die Werkausgabe abschließen (was uns 2011 nicht viele zutrauten), Tobias Sommer, der im Vorjahr beim Ingeborg Bachmann Preis teilnahm, bringt seinen dritten Roman, Jürgen Bauer, der in der nationalen Presse schon 2012 ein anerkanntes Debüt feierte, bringt seinen zweiten Roman … – und im Herbst wartet noch etwas ganz Besonderes auf seine Veröffentlichung, aber das wollen wir noch nicht verraten – dass dieser Titel aber bei so einem kleinen Verlag landete, ist eine große Sache und wird im September für einiges Aufsehen sorgen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Dass es gute, ehrliche Menschen sind – bescheiden – denen man und frau die Liebe zum Buch anmerkt. Nicht das Geld und der Gewinn stehen an erster Stelle, sondern die Arbeit an sich – die Arbeit mit Literatur und den Menschen, AutorInnen, ÜbersetzerInnen, LektorInnen usw. Das ist schön.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Entweder: „Überleg dir das noch mal ganz genau!“ oder „Mach keine Kompromisse, gib dein Bestes und erfreu dich an allem, wie wenig es auch sein mag, was dir positiv widerfährt!“

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Limbus Verlag (Österreich), Rotpunktverlag (Schweiz) und Voodoo Press (Malta), den Michael Preissl hier bereits vorgestellt hat.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Septime Verlag im Netz:

Die Homepage: www.septime-verlag.at

Bei Facebook: www.facebook.com/septimeverlag

Standard.at berichtet regelmäßig über die Neuerscheinung von James Tiptree Jr. z. B. hier:

http://derstandard.at/2000006233554/Rundschau-Die-Wahrheit-ist-hier-drinnen?_slide=7

http://derstandard.at/2000010295935/Rundschau-Die-besten-SF-Buecher-des-Jahres?_slide=8

Auf sf-fan.de wird ebenfalls jede Neuerscheinung der Serie erwähnt: http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=44&t=8530

Oder diese wunderbare Rezension von Alban Nikolai Herbst – in dessen Blog über eines unserer Highlights: Jan Kjaerstad – Ich bin die Walker Brüder: http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/ideologen-aus-den-aufzeichnungen-eines-vierzehnjaehrigen-von-kjrstad-1/

Hier eine der vielen Besprechungen unseres Hot-List-Titels „Das Casting“ von Ryu Murakami bei den booknerds: http://www.booknerds.de/2014/01/ryu-murakami-das-casting-buch/

Oder diese Rezension von Erich Hackl zu Rodrigo Rey Rosa – Stallungen (2014) (mit onlineabo): https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2014/06-26/018.php

und hier im Literatur.blog: http://www.literatur-blog.at/2014/03/rodrigo-rey-rosa-stallungen/

Und selbstverständlich im Literaturhaus Wien, die regelmäßig unsere nationalen AutorInnen besprechen: hier Gudrun Büchler – Unter dem Apfelbaum: http://www.literaturhaus.at/index.php?id=10415&L=0%2Fadmin%2Ffile_man

 

 

 

„Wenn Eintracht Braunschweig Deutscher Meister wird und die Eishockey-Nationalmannschaft Olympia-Gold holt, bin ich ein gemachter Mann!“ – SteglitzMind stellt Andreas Reiffer vom Verlag Andreas Reiffer vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Andreas Reiffer, der den Verlag Andreas Reiffer verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Dominik Bartels vom Blaulicht Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Andreas Reiffer ©  privat

Andreas Reiffer © privat

Den Verlag Andreas Reiffer habe ich vor 15 Jahren gegründet. Zunächst, um der Literaturzeitschrift SUBH ein Zuhause zu geben. Mit den Büchern hat es dann etwa 2004 so richtig angefangen.

Vor vier Jahren habe ich mich entschlossen, den Hobbybetrieb zu einem professionell arbeitenden Verlag zu wandeln. Dieser Prozess dauert bis heute an. Momentan habe ich noch keine Angestellten.

Die Programmschwerpunkte?

Derzeit habe ich rund 35 lieferbare Titel. Mein Schwerpunkt liegt einerseits bei satirisch-polemischen Werken, die teilweise ins ernsthafte Fachbuchsortiment „abgleiten“. So beschäftigt sich beispielsweise die „Edition Wissenwertes“ mehr oder weniger ernsthaft mit Völkerkunde, dem Internet/sozialen Medien oder mit der Kategorisierung von Monstern! Zudem habe ich einige Werke von Poetry Slammern, wie beispielsweise den „The Punchliner“-Sammelbänden, im Programm. Darüber hinaus gibt es reine Sachbücher, z.B. über Eishockey und Fußball und einige regionale Titel über die Stadt Braunschweig und dem Harz. Ein weiteres Standbein ist die „Pratajev-Bibliothek“ mit Büchern von und über den leider fast vergessenen russischen Dichter und Lebemann S.W. Pratajev und eine Reihe von Bandbiografien.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Im Herbst erschien mit „Schimmel über Berlin“ ein Wahnsinnswerk mit Literatur, Visual Art und Gesprächen, die den Wandel und die sympathische „Unfertigkeit“ der Stadt widerspiegeln. Den beiden Herausgebern, Ronald R. Klein und Stefan van Zwoll, ist es gelungen – neben Autoren wie Björn Kuhligk, Torsten Schulz, Astrid Monet oder Kai Grehn – Iggy Pop, Wolfgang Joop, Dieter Meier, Anne Clark und viele andere als Gesprächspartner dafür zu gewinnen. Das Buch wirkt genauso fassettenreich wie Berlin selber und wird sicher noch für längere Zeit mein „Highlight“ bleiben – auch wegen der aufwändigen Gestaltung.

Die kommenden Highlights sind sicher das neue Eishockey-Buch von Frank Bröker und eine von mir herausgegebene Heavy-Metal-Anthologie.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Das war eigentlich die logische Folge aus der jahrelangen Tätigkeit als Fanzineherausgeber: Das Hobby zum Beruf machen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

andreas reiffer_cover_schimmel berlinViele der Bücher sind ja auch ein bisschen meinem Wunsch ans eigene Bücherregal geschuldet: Es gibt keine guten Bücher über Eishockey auf dem Markt? Es gibt keine Biografie der Band SANDOW? Dann mach ich sie halt. Das motiviert mich natürlich sehr bei meiner Arbeit.

Ich besitze eine gewisse Sturheit und bin nicht bereit aufzugeben. Mir gelingt es offenbar auch die eine oder andere Marktnische zu finden, in die meine Bücher passen und die auch anderen Leuten gefallen. Eine weitere Antriebsfeder ist die Zusammenarbeit mit den Autoren, Zeichnern und Lektoren. Die Kommunikation von der Ideenskizze bis hin zur Abgabe der Druckdaten läuft über mich. So ein Projekt mitzugestalten und wachsen zu sehen, ist jedes Mal traumhaft.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Vieles ist einfacher geworden. Zu Fanzinezeiten musste ich noch Texte abtippen! Auch die Möglichkeit, eine kleinere Auflage in guter Qualität zu produzieren ist ein Riesenvorteil. Ebook-Versionen gibt es momentan noch nicht von allen Titeln – das wird sich aber noch ändern. Der Schwerpunkt wird jedoch beim gedruckten Buch bleiben.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Darüber mache ich mir wenig Gedanken. Ich mache einfach, was mir Spaß macht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ein längeres Praktikum bei einem größeren Independentverlag. Viele kaufmännische Dinge, Vertrieb usw. habe ich mir zu mühsam selber beigebracht. Diese Zeit hätte ich lieber fürs Programm genutzt.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Viele meiner Stammautoren bieten mir Projekte an, wenn sie meinen, dass sie gut bei mir reinpassen. Oft habe ich ja auch eine Idee zu einem Buch und schau dann, wer aus dem Kreis meiner Autoren so etwas machen könnte. Oft ist es auch so, dass ich Autoren aus meinen Anthologien anspreche, ob sie nicht auch mal einen Einzelband machen wollen. Manuskripteinsendungen mir völlig unbekannter Autoren kann ich mir aus Zeitgründen leider gar nicht anschauen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ich beliefere den Barsortimenter und die eine oder andere Buchhandlung selber. Zudem betreibe ich einen Webshop für Endkunden.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

andreas reiffer_cover_eishockeyZum regionalen Buchhandel habe ich gute Kontakte – was natürlich besonders für die Braunschweig-Bücher sehr wichtig ist. Auch einige Musikmailorder oder Sportbuchhandlungen nehmen gerne Titel ins Programm. Grundsätzlich ist aber viel davon abhängig, ob die Bücher eine gute Presse bekommen und dementsprechend dann auch geordert werden.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Naja, mein Großhändler beliefert die halt auch … Bei all der berechtigten Kritik an Amazon – dort „liegen“ meine Bücher relativ gleichberechtigt neben den Bestsellern der Majorverlage. Ein Umstand, den ich mir für den stationären Buchhandel auch wünsche. Andererseits gibt es auch zu Amazon wunderbare Alternativen, wenn es denn schon der Onlinebuchhandel sein muss.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Postkarten, Buttons, ab und an eine Anzeige in einem Musik- oder Stadtmagazin, Plakate für Lesungen – das Budget ist immer ganz schnell aufgebraucht. Aber ich versuche schon präsent zu sein. Dinge wie Facebook, Twitter usw. sind auch sehr hilfreich.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin dort (noch) nicht Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wahrscheinlich für Menschen wie mich. Also für Menschen, die lieber Heavy Metal statt Helene Fischer hören, lieber Eintracht Braunschweig statt Bayern München die Daumen drücken oder lieber Slam-Kurzgeschichten statt Fantasyromane lesen. Wahrscheinlich wäre es wirtschaftlich besser, wenn ich Frau Fischer, den Bayern oder feuerspuckenden Drachen mehr Beachtung schenken würde. Andererseits will ich eben nur Bücher machen, die ich auch kaufen und lesen würde. Und wenn es darüber hinaus ein paar Leute gibt, denen Autor und Verlag eine Freude machen, ist doch alles perfekt!

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Vielleicht ist es so wie in der Musikbranche – hier hatten kleine Labels in der Krise auf einmal bessere Chancen zu überleben, weil sie Nischen bedienten und flexibler waren. Bei meinem Verlag könnte das ähnlich sein, mein Programm ist kein Betätigungsfeld für große Verlage. Und wenn Eintracht Braunschweig Deutscher Meister wird und die Eishockey-Nationalmannschaft Olympia-Gold holt, bin ich ein gemachter Mann!

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

andreas reiffer_cover_heavy metalIch habe quasi keine Rücklagen. Wenn ich ein Jahr lang mal nur Titel herausbringe, die nicht laufen und mich auch die Backlist nicht mehr über Wasser halten kann, ist der Ofen aus. Ein weiteres Risiko liegt in meiner One-Man-Show – wenn ich einmal ausfalle, kann keiner den Job einfach so übernehmen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Kollegialität statt Konkurrenz. Vernetzung. Die ganze Palette.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Vorher ein Praktikum machen 😉 Auf jeden Fall eine Programmplanung und einen Finanzplan. Das Vertriebskonzept sollte vielleicht auch stehen, bevor noch der erste Titel aus der Druckerei kommt. Und viel Zeit mitbringen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hervorragende Indieverlage gibt es so viele! Ich würde mich sehr freuen, wenn der Ventil Verlag in dieser Reihe zu Wort kommt.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo  © Verlag  Andreas Reiffer

das Logo © Verlag Andreas Reiffer

Der Verlag Andreas Reiffel im Netz:

Verlagswebshop: http://www.verlag-reiffer.de/

Facebook: www.facebook.com/verlagreiffer

„Privatleben existiert für mich zum Beispiel kaum noch.“ – SteglitzMind stellt Sebastian Guggolz vom Guggolz Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich, dass heute Sebastian Guggolz Rede und Antwort steht, der seinen Guggolz Verlag im vergangenen Jahr an den Start brachte. Ihn gebeten, hier mitzutun, habe ich.

Eine Skizze vom Verlag …

Sebastian Guggolz © Alena Schmick

Sebastian Guggolz © Alena Schmick

Den Guggolz Verlag gibt es seit 2014, im Herbst 2014 sind die ersten beiden Bücher erschienen. Der Verlag widmet sich Neu- und Wiederentdeckungen vergessener Klassiker aus Ost- und Nordeuropa in neuer Übersetzung. Das Verlagsbüro befindet sich auf der Roten Insel in Berlin-Schöneberg. Der Verlag ist ein Ein-Mann-Betrieb des Gründers Sebastian Guggolz. Unterstützt wird er in der Pressearbeit von Maren Baier. Die Auslieferung übernimmt die GVA Göttingen. Bisher sind zwei Bücher erschienen, ein Roman des bisher einzigen finnischen Nobelpreisträgers Frans Eemil Sillanpää, »Frommes Elend«, sowie ein Roman des Weißrussen Maxim Harezki, »Zwei Seelen«. Im Frühjahr 2015 erscheinen »Vater und Sohn unterwegs« von Heðin Brú, einem Färöischen Autor, und »Der Irdische Kelch« von Michail Prischwin. Die Bücher gibt es nur in ihrer gebundenen Form, fadengeheftet und mit Lesebändchen, nicht digital.

Ihre Highlights im vergangenen Jahr?

Mein persönliches Highlight im Bücherjahr ist natürlich mein Verlagsstart gewesen, darüber hinaus war für mich das Erscheinen des wirklich phänomenalen Buches »Am Fluß« von Esther Kinsky (bei Matthes & Seitz Berlin) ein großes Ereignis. Ein Buch, das trotz der positiven Resonanz und seiner Nominierung für den Buchpreis noch nicht ausreichend gewürdigt wurde, wie ich finde.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Ich habe einige Jahre als Lektor gearbeitet (bei Matthes & Seitz Berlin) und war an einem Punkt, entweder zu versuchen, zu einem großen Verlag zu gehen, oder eben etwas Eigenes zu machen. Als sich dann abzeichnete, dass ich das Geld für die Gründung zusammenbekomme, gab es kein Zögern mehr. Ich bin noch jung und unbedarft genug, dass ich auch mit einem Scheitern leben könnte. Und je länger ich damit gewartet hätte, mich selbstständig zu machen, desto mehr Zweifel wären mir wahrscheinlich gekommen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus der Überzeugung, dass es notwendig ist, den vergessenen Schätzen der Literatur zu einer neuen Öffentlichkeit zu verhelfen. Und dass es genügend Menschen gibt, die ähnlich denken und lesen, wie ich. Bei sagen wir mal 50 Millionen potenziellen deutschsprachigen Lesern müssen sich doch 2.000 pro Buch finden, die ich ungefähr brauche, damit sich die Kosten decken.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Klar, in meinem Fall spielt das eigentlich gar keine Rolle. Wenn dann nur indirekt, weil sich durch die Ausdifferenzierung des Marktes im Zuge der Digitalisierung neue Freiräume ergeben und eine neue Sehnsucht nach schönen, gut gemachten Büchern zu beobachten ist.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Guggolz_Cover_Harezki_SeelenIch habe von Anfang an versucht, dem Verlag ein klares inhaltliches Profil zu geben. Neu- und Wiederentdeckungen vergessener Klassiker aus Ost- und Nordeuropa in neuer Übersetzung. Das machen natürlich auch andere Verlage – Dörlemann, Lilienfeld oder die Friedenauer Presse –, aber es gibt genügend Autoren, die zu entdecken sind, sodass da keine Konkurrenzsituation entsteht. Ich sehe andere Verlage vielmehr als Kollegen, nicht als Konkurrenten.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Eigentlich nichts. Hätte ich mehr Geld zur Verfügung gehabt, wäre das toll gewesen, aber sonst bin ich mit allem zufrieden, wie es gelaufen ist. Im Frühjahr 2015 erscheint mein zweites Programm, ich bin also sowieso immer noch in der Startphase.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Das meiste durch eigene Lektüre, ansonsten durch Empfehlungen von Autoren oder Experten.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ich werde durch die GVA Göttingen ausgeliefert und in Deutschland durch Nicole Grabert, Christiane Krause und Regina Vogel vom Büro indiebook vertreten. Seit diesem Jahr auch in Österreich durch Seth Meyer-Bruhns. Das klappt hervorragend, meine Vertreterinnen sind ein großes Glück für mich, die haben im ersten Programm fantastisch gearbeitet und dafür gesorgt, dass ich schon gleich sehr präsent war im Buchhandel.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich habe die eben erwähnten tollen Vertreterinnen und Vertreter, die da den Großteil der Arbeit für mich machen, außerdem versuche ich auch persönlich Kontakt zu Buchhandlungen zu halten. Meine Erfahrungen sind sehr positiv, ich stoße im Sortiment auf sehr große Offenheit und Bereitschaft, sich, zwar nicht in gigantischem Ausmaß, aber doch ernsthaft mit viel Interesse auf mein Programm einzulassen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon ist für mich als Verlag ein Kunde, wie jeder andere auch. Die beziehen meine Titel über das Barsortiment, bekommen sie also auch zu den gleichen Konditionen wie jede Buchhandlung. Privat kaufe ich aber im stationären Buchhandel, wenn ich mal ein Buch besorge. Preislich macht das wegen der Buchpreisbindung für mich ja keinen Unterschied, aber wenigstens landet der Buchhandelsrabatt dann nicht auf einem Luxemburger Konto

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte gezielt Anzeigen in Literaturzeitschriften (Schreibheft, horen), mehr lässt mein Budget nicht zu. Eine Facebookseite habe ich noch als Verlag, wenn man das unter Marketing verbuchen möchte.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Da bin ich selbstverständlich Mitglied. Ich halte das für wichtig, dass man als Branche auch ein politisches Sprachrohr und einen Ansprechpartner hat.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Guggolz_Cover_Sillanpaeae_ElendIch mache meine Bücher für diejenigen, die sich für genau diese Art von Büchern interessieren. Es sind Bücher, die aus vergangenen Zeiten stammen und einem diese Zeiten vor Augen führen. Es sind also echte Leser, Leser, die an Literatur interessiert sind und gerne etwas beim Lesen lernen oder zumindest erfahren wollen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Darin, dass er sich etabliert. Ich hege keine Illusionen, dass ich gigantischen Erfolg haben werde oder viel Geld verdiene. Das Ziel ist, wirtschaftliche Stabilität und damit Sicherheit zu erreichen, dass sich alles selbst trägt. Darum geht es erst einmal und das ist schwierig genug. Den spürbaren Trend, dass die Leute sich wieder mehr für schöne, gut gemachte Bücher interessieren, versuche ich zu nutzen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Alles ist finanziell sehr knapp bemessen, wenn einzelne Titel mal gar nicht laufen, dann wird das gerade jetzt am Anfang gleich existenziell bedrohlich. Aber ich will den schlimmsten Fall gar nicht an die Wand malen, noch ist alles sehr gut und vielversprechend!

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Dass sie sehr viel lebendiger und freier ist, als das bei großen Verlagen der Fall ist. Außerdem erlebe ich eine große Solidarität zwischen den Verlagen, auch so eine Einrichtung wie die Kurt Wolff Stiftung zum Beispiel ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie wir alle an einem Strang ziehen. Hinter den meisten Verlagen stehen Entscheidungen, die von Menschen getroffen werden, die auch lesen. Das scheint mir bei den großen und Konzernverlagen definitiv in den meisten Fällen nicht so zu sein.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich sehr gut vorzubereiten und zu informieren. Es ist unglaublich viel Arbeit, auch der zeitliche Umfang, Privatleben existiert für mich zum Beispiel kaum noch. Außerdem muss man bei einem kleinen Verlag eben alle Bereiche selbst betreuen, Vertrieb, Presse, Herstellung, Lektorat. Wenn man da nicht sehr genau weiß, was man wo zu tun hat, kann das schnell im Chaos enden.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle natürlich ausnahmslos alle unabhängigen Verlage. Und als Empfehlung für ein Verlagsinterview schlage ich Harald Krewer von Speak Low vor. Speak Low ist ein wirklich außergewöhnlich toller Hörbuchverlag aus Berlin.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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