„Wir verstehen uns als Verlag für bibliophile LeserInnen.“ SteglitzMind stellt Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger von der Edition Krill vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger, die die Wiener Edition Krill gegründet haben. Den Vorschlag machte Ralph Klever vom Klever Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch © Klaus Pichler

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch © Klaus Pichler

Wir, Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger, gründeten die Edition Krill im Sommer 2007 in Wien per Handschlag, um in den Grauzonen der Buchgenres Entdeckungen zu machen.

In der Schnittmenge von Kunst, Literatur und grafischer Umsetzung unternehmen wir, bzw. die Edition Krill, seitdem immer wieder aufs Neue den Versuch, dem Medium Buch inhaltlich wie gestalterisch nahe- und beizukommen und daraus die schönen Eigenheiten des Objektes für den Leser zu entwickeln. Der zentrale Gedanke des Verlages ist sich durch kein Programm festschreiben oder einschränken zu wollen, sondern alle Gattungen und Gebiete der Handhabe Buch als Möglichkeiten offen zu lassen. Der besondere Reiz eines Themas bestimmt, was umgesetzt wird.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Idee zu einem Verlag entstand aus dem immer stärker werdenden Wunsch heraus, Bücher nicht mehr nur zu konsumieren, sondern sie selbst anzutreiben, zu initiieren, sie selbst zu produzieren. Von einem als Konsumenten eher passiven Zugang zum Buch hin zu einem aktiven Zugang als Editor, als Verleger, um sich quasi dem Thema von der anderen Seite her zu nähern.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Letztendlich treibt uns immer wieder die Neugierde an auf das, was sich aus einem konkreten Buchprojekt machen lässt, wie es anfangs gedacht war und wohin es sich im Laufe der Konzeption und Umsetzung dann entwickelt. Ein Bild für uns dazu ist in etwa so, die Kiesel am Ufer eines Bachbettes umzudrehen und nachzusehen, was darunter verborgen ist, und sich dann davon anregen zu lassen. Ähnlich auch die Idee, den Blick abseits des ausgetreten Wegesrandes zu halten und auf das Besondere zu achten, das sich gerne erst auf den zweiten Blick erschließt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Digitalisierung ist für die Edition Krill in dem Sinn nie ein Thema gewesen – und wird es aller Voraussicht nach auch nicht werden –, da für uns die Haptik des Buches im Allgemeinen und in Form von Ausstattung und Papierwahl im Besonderen immer ein zentraler Teil bei der Gestaltung und Umsetzung der Buchprojekte ist.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir verstehen andere Verlage durchaus nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr unsere Edition Krill als eine spannende Bereicherung in der Sparte der Kleinverlage. Was uns von anderen Verlagen unterscheiden mag, ist, dass wir neben unserer Tätigkeit als Verleger, Herausgeber und Gestalter noch einige Seitenarme betreiben, etwa das Projekt »Immer Freitag«, das als wöchentliche Kolumne auf der Webseite der Edition Krill beispielgebend ist für unser Selbstverständnis als Verleger und Buchgestalter.

Ein anderes Beispiel ist die »Ehrenwerte Krill’sche Reisebuchflottille«, zwölf Bücher mit leeren Seiten, die an zwölf ausgesuchte und auf der ganzen Welt verstreute Personen versandt wurden. Mit dem Buch erhielten sie die Aufforderung, etwas in die leeren Seiten einzutragen und das Buch anschließend weiterzuschicken auf die Reise zu neuen Personen. Die anfangs leeren Alben kehren schließlich voller Geschichte und Geschichten zur Edition Krill zurück.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Da wir die Edition Krill nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen gegründet haben und wir somit ganz nach dem Lustprinzip vorgehen konnten, hatten wir die Möglichkeit, recht ungezwungen und mit vielen persönlichen Freiheiten das Projekt zu entwickeln. Das scheint uns auch heute noch richtig so.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Zum Großteil entstehen unsere Projekte über persönliche Verbindungen. Seien das Empfehlungen oder Tipps unserer AutorInnen auf mögliche zukünftige AutorInnen oder auch durch den schönen „Möglichmacher Zufall“, woraus sich schon interessante Projekte ergeben haben.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ganz klassisch via Auslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Grundsätzlich haben wir festgestellt, dass der persönliche Kontakt, gerade für einen kleinen, jedoch recht speziellen Verlag wie uns, enorm wichtig ist. Entsprechend haben wir Kontakt zu einigen ausgesuchten Buchhandlungen, die sich für unsere Bücher interessieren und unser Programm aktiv verfolgen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Unsere Bücher sind via Amazon erhältlich.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

das Logo © Edition Krill

das Logo © Edition Krill

Wir folgen dabei dem Prinzip „Qualität statt Quantität“, nehmen uns die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit für Kontakte und Ankündigungen, halten deren Zahl aber klein.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Wir haben soweit eine gute Zusammenarbeit, allerdings nicht viele Übeschneidungspunkte.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Edition Krill ist für all jene interessant, die neben dem Buchinhalt auch der Buchgestaltung großen Wert beimessen. Wir verstehen uns als Verlag für bibliophile LeserInnen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Für uns war es immer wichtig, unseren Buchprojekten die notwendige Zeit zu geben, sie in unserem Sinne und im Sinne der AutorInnen zu entwickeln. Wir haben das bis heute beibehalten. Die Möglichkeit, bei unseren Projekten auf das Detail Rücksicht nehmen zu können, sehen wir gerade mit Blick auf die Zukunft als besonders wichtig an.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Grundsätzlich ist dabei immer die wirtschaftliche Komponente mitzudenken. Es war uns allerdings von Anfang an bewusst, dass man einen Verlag unserer Ausrichtung kommerziell nur in kleinen Schritten wird denken können.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Vielfalt und Unabhängigkeit in den Programmen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich sehr genau mit der persönlichen Motivation dazu auseinanderzusetzen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Empfehlen möchten wir den Artbook Verlag. Das ist quasi persönlicher Natur, da wir dem Verleger Dennis de Kort schon lange verbunden sind. Einerseits über die Zusammenarbeit bei der Bildreproduktion für eines unserer Buch-Projekte (wo wir seine sehr genaue und bedachte Arbeitsweise näher kennen lernen durften). Andererseits auch deshalb, weil die Edition Krill aus vielerlei Gründen ursprünglich einmal als Teil des Artbook Verlages gedacht war, als eine Art zweite, etwas „freiere“ Schiene zu den Kunstbüchern des Artbook Verlages. Letztlich haben wir uns gemeinsam entschieden, doch separate Projekte entstehen zu lassen. Aber die Diskussionen und Gespräche dabei haben unserer Wertschätzung für das Selbstverständnis von Dennis de Kort als Verleger von Kunstbüchern verfestigt.

Was uns diesbezüglich verbindet, ist der Wunsch nach einer sehr unmittelbaren und aktiven Zusammenarbeit mit allen Beteiligten eines Projektes. Seien das nun AutorInnen wie bei der Edition Krill oder hauptsächlich KünstlerInnen wie bei Artbook. Und abschließend gesagt: So wie wir bei der Edition Krill legt auch Dennis de Kort bei Artbook stets großen Wert auf eine hochwertige und grafisch stimmige Umsetzung seiner Buchprojekte. Dieses Gesamtpaket gefällt uns schlichtweg

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Krill im Netz:

Edition Krill: http://www.editionkrill.at/

Immer Freitag: http://www.editionkrill.at/freitag.html

Die Ehrenwerte Krill’sche Buchflottille: http://log.editionkrill.at/de/

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„Autorinnen und Autoren, Bücher und Texte treiben mich an.“ SteglitzMind stellt Ralph Klever vom Klever Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Ralph Klever und seinen Klever Verlag. Vorgeschlagen hatten das Günter Vallaster von der edition ch und Bernd Schuchter vom Limbus Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Ralph Klever auf der Buch Wien © Klever Verlag

Ralph Klever auf der Buch Wien © Klever Verlag

Der Klever Verlag, 2008 aus der Taufe gehoben, definiert sich etwas kokett als lustvolles Laboratorium für avancierte Gegenwartsliteratur. Mit den beiden Verlagsschienen Essayistik und Literatur versuchen wir programmatisch Texte einzufangen, die über den Status quo heutiger Belletristik wie „Welterfahrung“ reflektieren und mittels originärer Formensprache einen poetischen oder auch poetologischen Beitrag leisten zur unausweichlichen „Ausweitung“ der Literaturzone.

Machen Sie alles alleine?

Der Verleger Ralph Klever ist in Personalunion Programmleiter, Geschäftsführer, Setzer und – meist auch – Lektor. Der Grafiker Eduard Mang ist von Beginn an für die Gestaltung der Bücher und Kataloge verantwortlich.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Ein verlegerischer Höhepunkt 2015 ist die Übersetzung eine Klassikers der französischen Poesie: René Char’s Buch „Suche nach Grund und Gipfel“ wird in der Übersetzung von Manfred Bauschulte im Oktober erstmals auf Deutsch vorliegen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Nachdem ich fast vierzehn Jahre lang für den Ritter Verlag in Klagenfurt als Lektor tätig war und drei Jahre parallel für den Molden Verlag in Wien, schien mir im so genannten „Krisenjahr“ 2008 der Zeitpunkt günstig, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Autorinnen und Autoren, Bücher und Texte begleiten einen und treiben mich an. Man ist „Getriebener“ im Literaturbetrieb, kann aber meist selbst steuern und navigieren.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Im Mittelpunkt steht nach wie vor die Arbeit an den Texten der Vertrieb der Bücher.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Man versucht, als kleiner Literaturverlag ein entsprechend eigenständiges und eigenwilliges Programm auf die Beine zu stellen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Strukturell würde ich kaum etwas anders machen. Sollte ich keinen Literaturverlag gründen, würde fast alles anders aussehen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Man pflegt sein Netzwerk und wirft die Netze mitunter auch in anderen Gewässern aus.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ganz klassisch: Auslieferungen, Barsortimenter, Vertreter etc. Wobei über alternative Wege immer nachgedacht werden sollte.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich vertraue darauf, dass die Verlagskataloge und Werbebroschüren auch entsprechend wahrgenommen werden. Darüber hinaus wäre die Intensivierung persönlicher Kontakte sinnvoll.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon funktioniert im Vertrieb wie auch die anderen Barsortimenter.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Da wird bisweilen einigermaßen improvisiert. In puncto Marketing könnte man vieles professionalisieren – natürlich nicht ohne zusätzliches Kapital.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Mit dem Hauptverband als Interessensvertretung wurde von Anfang an gut zusammengearbeitet.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Klever macht ganz bewusst ein Nischenprogramm mit anspruchsvoller Literatur, d.h. Essayistik, die sich vom klassischen „Sachbuch“ unterscheidet, Lyrik, die unkonventionell sein darf, Prosa, die sich nicht unbedingt nur als Roman ausgeben muss. etc.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die Hoffnung, dass ästhetisch Randständiges, mitunter Exzentrisches, immer existieren kann.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das ökonomische Risiko, einen Literaturverlag zu betreiben, wird naturgemäß immer ein Thema bleiben.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die Buntheit, Vielfalt, Risikofreudigkeit…

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Gerade in der Startphase sollten kalkulatorisch neben den Herstellungskosten für die Bücher gerade nicht die Kosten für die Infrastruktur insgesamt vernachlässigt werden.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hab in der Liste kurz nachgesehen und bemerkt, dass etwa die Edition Krill aus Wien noch nicht genannt wurde: Die möchte ich gerne empfehlen.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Klever Verlag im Netz:

www.klever-verlag.com

„Wir stehen mit jedem neuen Titel neu am Start, das ist unser Konzept.“ SteglitzMind stellt Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner von der Edition Haus am Gern vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner, die die Edition Haus am Gern verantworten. Vorgeschlagen hatte das Hartmut Abendschein von der edition taberna kritika.

Eine Skizze vom Verlag …

das Logo © Edition Haus am Gern

das Logo © Edition Haus am Gern

Die Edition Haus am Gern, gegründet 2001 von Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner, verlegt Bücher aus dem Einzugsgebiet der bildenden Kunst. Ausgestattet mit einem Preis für die schönsten Bücher der Schweiz 2004 zeigt Edition Haus am Gern ihre sorgfältig gestalteten Verlagsprodukte vorwiegend an Kunstbuchmessen wie z.B. «I Never Read» in Basel, «Salon für Kunstbuch» in Wien, «EDiciON» in Biel, «Publishers Table» in Zürich, beliefert aber auch spezialisierte Buchhandlungen und Museums-Bibliotheken. Unsere Titel haben kein Ablaufdatum und sind alle seit 2001 aktuell geblieben. Die neuesten Titel sind Giacomo Bianchetti’s subversives Fotobuch CAN I ? Matthias Wyss’s fulminantes Werk TAGESLICHT, Vreni Spieser’s «Legend Of The Things», das sie von einer sehr, sehr langen Reise zurückgebracht hat, und Erik Dettwilers «Dispositions: Like Ephemeral Fibers on a City Map», ebenfalls ein künstlerischer Reisebericht der eigenen Art.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Eigentlich möchten wir nur unsere Kunst unter dem Label Haus am Gern machen. Wenn da die Edition nicht wäre. Aber sie ist nun mal da. Seit 15 Jahren. Gegründet wegen einem einzigen schmalen Lyrik-Bändchen, denn dieses Lyrik-Bändchen fand keinen Verlag, seine Publikation drängte sich aber auf. Der Autor ist heute mehrfach preisgekrönt – und die edition Haus am Gern ein Verlag, denn wir sind auf den Geschmack gekommen. So sind fast nebenbei ein paar leichte und ein paar schwere Bücher entstanden, Liebhabereien und Schnellschüsse, Eigenes und Fremdes, haarscharf am Markt vorbei und trotzdem am Rande des Nervenzusammenbruchs produziert.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus der gezielten Ignoranz gegenüber markt- und marketingstrategischen Überlegungen. Wir sind keine Unternehmer, sondern Künstler, und verstehen unser Verlagstätigkeit als Förderung für das Künstlerbuch. Jede Publikation und die Zusammenarbeit mit den Autoren/ Künstlern bereichert unser eigenes Schaffen – wir handeln also auch eigennützig. Unser Verlag ist Luxus pur, und wer will das nicht?

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Vorgehensweise optimiert sich aufgrund unserer wachsenden Erfahrung, aber jeder Titel wartet mit neuen gestalterischen, drucktechnischen und konzeptuellen Herausforderungen auf. Bisher wurde keiner unserer Titel digital herausgegeben, das wird aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir lassen uns auf Trab halten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Die Edition Haus am Gern ist nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung in der Verlagslandschaft. Wir verstehen unsere Titel als konzeptuelle Sammlung, die sich laufend erweitert. Der Luxus der Unabhängigkeit erlaubt uns, uns und unseren Autorinnen und Autoren Zeit zu lassen, um ein gutes Projekt zu schaffen, das seinen eigenen Regeln folgt. Da wir hauptsächlich Künstlerbücher herausgeben, ist jede Produktion eigenständig und Format, Grafik, Drucktechnik, Bild und Text bilden eine künstlerische Einheit. Obwohl die Mittel immer sehr begrenzt sind, können sich die Resultate sehen lassen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Barbara Meyer Cesta © Edition Haus am Gern

Barbara Meyer Cesta © Edition Haus am Gern

Wir stehen mit jedem neuen Titel neu am Start, das ist unser Konzept.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Diese kommen in der Regel zu uns, weil sie bei uns nicht nur verlegerische, sondern auch künstlerische, und konzeptuelle Begleitung erhalten und sich mit dem Verlagskonzept identifizieren können. Wir regen aber auch vereinzelt Künstler zu einer Publikation an.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Von der Nische zum Publikum… Wichtig ist die Präsenz an Buchmessen, bei Ausstellungen, in ausgewählten und wohlwollenden Buchhandlungen. Daneben pflegen wir unsere Website und machen ab und zu Veranstaltungen zu Neuerscheinungen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Unsere Titel sind nicht immer regalkonform und keine Bestseller und müssen mit einem gewissen Aufwand an Beratung verkauft werden. Das trübt das Verhältnis zum Buchhandel. Zudem haben wir nicht immer gute Erfahrungen gemacht, wenn wir Bücher in Kommission gegeben haben.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Bisher keinen Versuch gemacht und haben es auch nicht vor.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Eine gute Pressearbeit ist schon fast ganz die halbe Miete. Die Präsenz an Independent-Messen – von denen wir eine bei uns in Biel/Bienne ins Leben gerufen haben – die andere Hälfte. Den Rest macht unser Ruf.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Gar nicht.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Rudolf Steiner © Edition Haus am Gern

Rudolf Steiner © Edition Haus am Gern

In unserer Nische stehen Bücher für ein waches, verspieltes und anspruchsvolles Publikum.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In dieser Nische. Die kann sich auch noch ausdehnen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Wir sind kein kommerzieller Verlag und meist auf öffentliche Gelder angewiesen. Solange wir unsere Produkte finanzieren können und sie ein Publikum finden, liegt das Risiko allein bei unserer Nervenstärke.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Wir geben grundsätzlich keine Ratschläge.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Der gesunde Menschenversand, Luzern

Herzlichen Dank für diesen Einblick. Matthias Burki war bereits so freundlich, seinen Verlag hier vorzustellen.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Haus am Gern im Netz:

Die Homepage

Die kleine Bieler Büchermesse, die wir ins Leben gerufen haben, bei Facebook

Der vielsprachige öffentliche Bücherschrank in Biel/Bienne, der ebenfalls auf unserem Mist gewachsen ist

„Man braucht auch mal große Vorbilder …“ – SteglitzMind stellt Bernd Schuchter vom Limbus Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Bernd Schuchter und den Limbus Verlag. Vorgeschlagen hatte das Jürgen Schütz vom Wiener Septime Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Bernd Schuchter © Merle Rüdisser

Bernd Schuchter © Merle Rüdisser

Der Limbus Verlag geht 2015 in sein zehntes Jahr als Verlag und fühlt sich mittlerweile angekommen im Literaturbetrieb. Die Programmschwerpunkte deutschsprachige Gegenwartsliteratur mit Fokus österreichische Literatur sowie die Essayreihe zu diversen gesellschaftspolitisch aktuellen Themen werden im Literaturbetrieb gut angenommen; die Resonanz von Presse und Buchhandel ist seit Jahren positiv, ebenso die Umsatzentwicklung in den letzten Jahren. Nach der Gründung in Innsbruck und vier Jahren in Hohenems (Vorarlberg) hat der Verlag seit 2011 wieder in Innsbruck seinen Sitz. Im Programm sind inklusive E-Books etwa 135 Bücher lieferbar, wobei seit zwei Jahren alle Novitäten sowohl in Print als auch digital erscheinen. Die Backlist wird nach und nach digitalisiert.

Machen Sie alles alleine?

Im Verlag selbst sind wir zu dritt, neben den zwei Lektorinnen Mag. Merle Rüdisser und Mag. Elisabeth Mayr bin ich als Verleger für das Organisatorische, die Programmgestaltung, Presse und Vertrieb zuständig.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Meine Highlights in diesem Buchfrühling sind die drei Essays von Alois Schöpf (Kultiviert sterben), Stefanie Holzer (Wer, bitte, passt auf meine Kinder auf?) und vor allem der sehr schöne Stefan-Zweig-Essay von Reinhard Wilczek (Stefan Zweigs Reise ins Nichts). Im Herbst freuen wir uns auf den neuen Erzählband von Wolfgang Hermann (Die letzten Gesänge) und die Neuauflage von Wolfgang Hermanns wunderbarem Band Paris Berlin New York.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Limbus_Schoepf_Sterben_DownÜber das eigene Schreiben (meine Romane erscheinen im Braumüller Verlag, Wien, zuletzt der Roman Föhntage und der Reiseführer Innsbruck abseits der Pfade, Anm.) kam ich in den Literaturbetrieb, lernte AutorInnen kennen und machte erste Gehversuche bei Literaturzeitschriften. Neben dem Studium arbeitete ich auch jahrelang in einem Antiquariat und lernte das Buch als Kulturträger, von der haptischen Seite her, kennen: Was ist ein Vorsatz, eine Titelei, ein Schnitt, Bünde, Bögen, wann sagt man berieben, wann bestoßen. Das war sehr lehrreich, insbesondere auch der Zugang zur Druckgrafik; so lernte ich etwa den Unterschied zwischen Holz- und Kupferstich, Radierung und Lithografie. Da war es ein kleiner Schritt zum eigenen Büchermachen; vor allem, da es damals, um 2003, 2004, einen gewissen Bedarf an neuen Verlagen gab, es war die letzte Gründerwelle, wenn man so will; Verlage wie die meisten Independents, Blumenbar, Voland & Quist in Deutschland, Salis in der Schweiz, Luftschacht, Klever oder eben Limbus sind Gründungen jener Jahre. Seitdem hat sich viel getan. Wir sind alle professioneller geworden, mit dem Verlegen selbst, dem Büchermachen. Die Verlage wurden über die Jahre erwachsen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Büchermachen ist schlicht eine sehr schöne Arbeit; man lernt spannende Menschen kennen, die sich mit spannenden Themen beschäftigen; es ist manchmal recht unzeitgemäß, trotz aller Schwierigkeiten aber eine sehr erfüllende und sinnvolle Arbeit. Abgesehen davon ist der Literaturbetrieb – die befreundeten AutorInnen und VerlegerInnen, BuchhändlerInnen und VertreterInnen, JournalistInnen und LeserInnen – sehr solidarisch und interessant. Das macht den Alltag nicht nur erträglich, sondern erstrebenswert.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Limbus_Hermann_DieletztenGesaenge_Cover_DownKaum etwas; wir bieten unsere Bücher auch als E-Books an, das macht vom Umsatz her aber kaum etwas aus, da wir eine sehr spezielle Art von Literatur machen; unsere LeserInnen sind da klassisch sozialisiert und schätzen sorgfältig gemachte, gedruckte Bücher. Wenn da mal eine junge Generation nachkommt, die es gewohnt ist, auf dem Bildschirm oder dem Tablet zu lesen, wird sich das ändern. Aber das sind Veränderungen, die nur sehr langsam stattfinden.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Als kleinerer Verlag arbeiten wir immer in einer Art Nische, wenngleich bei einem passenden Thema und einem passenden Autor auch die großen Zeitungen und die LeserInnen genauso zu begeistern sind, etwa bei Hans Platzgumers Tschernobyl-Roman Der Elefantenfuß, das verselbständigte sich damals im März 2011 wegen Fukushima; da riefen schon mal ein Dutzend Journalisten pro Tag an, über Wochen. Ansonsten wissen unsere LeserInnen, das wir ordentliche Bücher machen, ordentlich lektoriert, mit schönem Satz und schöner Ausstattung und mit spannenden Themen. Engagierte Literatur, wenn man so will, mit diesem speziellen Fokus auf österreichische AutorInnen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Schwer zu sagen, es hängt oft ein wenig von der einen oder anderen Rezension oder dem einen oder anderen Buchhändler ab, man braucht ein wenig Glück; am Ende ist es aber immer so, dass man sich von vergangenen Erfolgen nichts kaufen kann; jedes neue Buch muss sich neu bewähren, die Arbeit beginnt mit jedem neuen Buch aufs Neue.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Limbus_Hermann_PBNY_Cover_DownMittlerweile kennt man den Verlag und da wir hauptsächlich mit HausautorInnen arbeiten, ergibt sich aus der Tatsache, dass wir nur etwa fünfzehn Bücher im Jahr machen, dass das Programm über die Jahre zu einem guten Teil immer wieder von jenen AutorInnen bestritten wird, mit denen wir bereits zusammenarbeiten. Hinzu kommen ein paar Empfehlungen von KollegInnen; in der Essayreihe gehen wir auch nach Themen und sprechen AutorInnen an, von denen wir glauben, sie könnten zum jeweiligen Thema etwas schreiben. Blindzusendungen finden den Weg ins Programm eher selten.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ich habe früher auch im Buchhandel gearbeitet und kannte daher die Strukturen des Buchhandels ein wenig; der Vertrieb ist klassisch aufgebaut – Auslieferungen, Barsortimente, Vertreter –, wobei in den letzten Jahren der Direktvertrieb keine unbedeutende Rolle spielt. Da wir uns keine großen Inseratenkampagnen leisten können, sind wir immer auf redaktionell gestaltete Pressearbeit angewiesen, und natürlich Mundpropaganda sowie die persönlichen Gespräche bei Lesungen und Messen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

In Österreich ist die Szene recht kollegial – wenn das Buch vom Autor, vom Thema her für den Buchhandel passt, kaufen die KollegInnen auch gerne ein; die Schweiz ist da schon schwieriger und der deutsche Markt ist aufgrund der Umwälzungen durch Thalia und Hugendubel in den letzten Jahren ein wenig trostloser geworden; da braucht es als Türöffner oft lokal bekannte deutsche AutorInnen oder entsprechend gut wahrgenommene Rezensionen in den Leitmedien; besonders die deutschen Radios sind aber meist sehr interessiert, auch mit den großen Zeitungen wie taz, NZZ, FAZ oder der Zeit haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Braucht man und ist aus dem Betrieb nicht wegzudenken; wir beliefern sie aber nicht direkt, sondern über unsere Auslieferungen und Barsortimente. Amazon ist wie der unbeliebte Onkel, keiner mag ihn, er gehört aber doch zur Familie. Man muss sagen – abgesehen von den Arbeitsbedingungen und dem sonstigen Geschäftsgebaren –, was sie machen und wie, das ist schon gut.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Limbus_Holzer_Kinder_DownPersönliche Marketingarbeit, persönlicher Kontakt zu LeserInnen, BuchhändlerInnen, JournalistInnen, BibliothekarInnen usw. Jedes Buch hat sein je eigenes Marketing, kein Dienst nach Vorschrift.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Der HVB ist ein wichtiges Organ, auch wenn er unsere tägliche Arbeit nicht oft streift; als Institution etwa auf den großen Buchmessen und als Interessenvertretung ist er für alle österreichischen Verlage wichtig; genauso wichtig ist aber etwa die weitaus niederschwelligere Arbeit der IG AutorInnen, deren Stand etwa auf der Frankfurter Buchmesse eine enorm wichtige Anlaufstelle für AutorInnen und Verlage ist.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wie bereits oben beschrieben; haptisch, handwerklich, inhaltlich-literarisch anspruchsvoll, engagierte Themen, authentisch: Wir stehen hinter jedem Buch. Unsere Leser sind so vielfältig wie die Vielfalt an Büchern und Themen, die es in der Welt gibt.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wir arbeiten daran, unseren Stil und unser Programm unverwechselbar zu machen, etwa durch die schöne Reihe Limbus Preziosen, sodass man vielleicht in ein paar Jahren sagen kann: „Ah, ja die Preziosen-Reihe.“, wie man das heute von der Salto-Reihe des Wagenbach-Verlags oder den Büchern der Friedenauer Presse sagt; man braucht auch mal große Vorbilder …

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Ein Standbein unseres Verlags ist sicher die Kulturförderung der öffentlichen Hand, besonders in Österreich; das betrifft alle österreichischen Verlage, von Haymon über Residenz bis Klever. Wenn es die in der Form mal nicht mehr gibt, wird es für die österreichische Literatur zappenduster.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die kleinen Verlage sind ein wenig flexibler, können oft schneller produzieren und dürfen sich das eine oder andere Mal etwas trauen, was gegen die Marktgepflogenheiten ist. Als wir den Essay über das Vorlass-Wesen (Wenn Dichter nehmen von Alois Schöpf, 2014) gemacht haben, waren wir und der Autor vielen Anfeindungen ausgesetzt, vor allem vom etablierten Literaturbetrieb, den Institutionen, Archiven, auch von AutorenkollegInnen und Vereinigungen; diese hysterische Reaktion hat uns gezeigt, dass wir einen wunden Punkt getroffen hatten, also nicht ganz falsch lagen. Ein wunderbarer Artikel in der Zeit hat uns dann zum größten Teil recht gegeben; das war eine wichtige, wenngleich späte Genugtuung für unsere Arbeit.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Limbus_Wilczek_Zweig_DownDa kann man nicht raten, einfach machen oder nicht. Es geht da auch viel um Leidenschaft fürs Lesen, das Buch, das Büchermachen; lesen Sie den schönen Essay Wie ich Bücher gestalte. Ästhetik des Buches von Friedrich Forssman, der eben bei Wallstein erschienen ist; man sollte sich schon darüber Gedanken machen, wie man Bücher machen will, gründen allein ist zu wenig. Auch die Leidenschaft allein ist zu wenig, man sollte vom Büchermachen schon ein wenig Ahnung haben, inhaltlich und haptisch-ästhetisch, sei es durch ein klassisches Germanistik-Studium, als Buchgestalter, Grafikdesigner oder auch als Autodidakt, ein Verlag bedeutet schlicht Arbeit und die kann man immer gut oder schlecht erledigen.

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Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es gibt einige spannende Verlage, die unbeirrt ihren Weg gehen; in Österreich der Sonderzahl Verlag, Luftschacht oder etwa der Klever Verlag; ich würde Ralf Klever vom Klever Verlag als nächsten Gesprächspartner vorschlagen.

Wo findet man Ihren Verlag im Netz?

Vornehmlich über unsere Website. Die extrem zeitfressenden Auftritte wie Facebook oder Twitter, die ja auch ständig betreut werden müssen, sparen wir uns derzeit noch und machen stattdessen lieber ein Buch zusätzlich; aber das kann sich ja mal ändern.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

„Gewisse – auch schlechte – Erfahrungen gehören zu jedem Anfang.“ – SteglitzMind stellt Beatrice Maritz und Andreas Grosz von der edition pudelundpinscher vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute stehen Beatrice Maritz und Andreas Grosz Rede und Antwort, die 2006 die edition pudelundpinscher ins Leben gerufen haben. Vorgeschlagen hatte das Hartmut Abendschein, der die edition taberna kritika verantwortet.

Seit wann existiert die Edition?

das Verlegerteam © edition pudelundpinscher

das Verlegerteam © edition pudelundpinscher

In einem alten Holzhaus, das zur Zeit der Erfindung des Buchdrucks, aber noch vor der Entdeckung von Amerika erbaut wurde und in den Schweizer Alpen steht, gründeten wir 2006 unseren kleinen Verlag.

Machen Sie alles alleine?

Wir – Beatrice Maritz und Andreas Grosz – führen so viele Arbeiten wie möglich selber aus, lassen unsere Bücher im italienischsprachigen Nachbarkanton drucken, weil das so praktisch und recht umweltfreundlich ist, und erteilen hie und da auch Aufträge.

Die Programmschwerpunkte … Und Ihre persönlichen Highlights?

Im Augenblick sind 25 Titel lieferbar, ausschließlich analog. Als Programmschwerpunkte gelten immer noch Lyrik, nicht ganz marktkonforme Prosa und Übersetzungen.

Und die Highlights? Wie war das doch zum Beispiel an den letzten Solothurner Literaturtagen, als wir im SWIPS-Zelt hinter unserem Bücherstand auf Neugierige warteten: Da schnappte sich eine junge Frau ein Buch von unserem Tisch und las daraus ihren beiden Kolleginnen vor. Es handelte sich um „Abstecher ins bürgerliche Jenseits“ von Wilfried Happel. Er lebt übrigens in Berlin …

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Gewisse Dinge bahnen sich langsam an. Viele Jahre Buchhandel, eigene fast lebenslange Schreiberfahrung, eine fast manische Bücherliebe – das musste irgendwann fast zwangsläufig zur Gründung eines eigenen Verlags führen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das fragen wir uns bisweilen tatsächlich auch.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

pudelupinscher_coverDer Computer ermöglicht vieles, was früher mit viel mehr Schwierigkeiten verbunden war – zum Beispiel auch die Gründung eines Verlags.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir basteln leidenschaftlich gern, das erlaubt uns, so unabhängig wie möglich zu sein. Wir machen niemandem viel streitig, deshalb ist von Konkurrenz auch kaum etwas zu spüren.

 So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Gewisse – auch schlechte – Erfahrungen gehören zu jedem Anfang. Anders geht es nicht. Wirklich schief gelaufen ist bisher kaum etwas.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kennen Autorinnen und Autoren, wir lassen uns welche empfehlen, wir erhalten Manuskripte …

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir haben eine Auslieferung in der Schweiz und eine in Deutschland, wir haben einen Vertreter, der in unserem Auftrag die deutschsprachige Schweiz bereist, wir versenden unsere Verlagsvorschauen und Newsletters an Presse und Literaturinteressierte, und wir versuchen, da und dort ein wenig aufzufallen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Siehe oben. Wir verschenken Lese-Exemplare und decken unseren eigenen Bücherbedarf in Buchhandlungen. u einzelnen Buchhändlerinnen und Buchhändlern pflegen wir persönliche Beziehungen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir gehen Amazon aus dem Weg. Die dort herrschenden Arbeitsbedingungen und andere Seltsamkeiten legen uns ein solches Verhalten nahe.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Unser Möglichstes.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Wir sind (noch) nicht Mitglied des SBVV.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Leute, die gute, schöne, handliche Bücher mögen. À propos „schön“: Unsere Covers werden von Künstlerinnen und Künstlern gestaltet. Vielleicht nennt sich das „eine Marktnische“.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In seiner Kleinheit. Die gewährleistet eine gewisse Unsinkbarkeit (aber das haben schon Riesen und Titanen von sich behauptet …)

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

das Logo © edition pudelundpinscher

das Logo © edition pudelundpinscher

Dass uns die Puste ausgeht.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das Unkonventionelle, Leidenschaftliche. Und die Freundschaft unter Kolleginnen und Kollegen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Macht euch auf Wunder gefasst (auch auf blaue). Seid also offen und unvoreingenommen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

verlag die brotsuppe, edition 8, edition howeg, Vexer Verlag, Verlag im Waldgut, edition taberna kritika, die Hartmut Abendschein hier bereits vorgestellt hat. Klopfen Sie doch einmal in Biel beim verlag die brotsuppe an.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die edition pudelundpinscher im Netz:

www.pudelundpinscher.ch

www.swips.ch

www.literaturfest.ch

www.viceversaliteratur.ch

 

„Ich mache einfach das, was man machen sollte …“ – SteglitzMind stellt Matthias Burki von Der gesunde Menschenversand vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Matthias Burki, der den Verlag Der gesunde Menschenversand gegründet hat. Der Vorschlag kommt von Hartmut Abendschein, der die edition taberna kritika verantwortet.

Eine Skizze vom Verlag …

Matthias Burki © Mischa Christen

Matthias Burki © Mischa Christen

Der gesunde Menschenversand wurde 1998 in Bern gegründet und ist nun seit einigen Jahren in Luzern zu Hause, ein Fast-1-Mann-Verlag mit 120 Stellenprozenten, ab August 2015 kommt aber eine 50%-Stelle dazu. Und natürlich gibt es viele freie Mitarbeiter für Grafik, Lektorat, Korrektorat etc.

Die Programmschwerpunkte?

Schwerpunkt ist Spoken-Word-Literatur in Text und Ton, Literatur also, die auch oder ausschließlich für die Bühne, im Radio usw. geschrieben wurde und von den Autor/innen selber vorgetragen wird. Anzahl lieferbarer Titel: ca. 100; analog und digital (E-Books seit 2 Jahren, Ton-Download seit Anbeginn)

Ihre persönlichen Highlights?

„Simeliberg“ von Michael Fehr natürlich (2. Preis in Klagenfurt), „Grand Tour“ von Fitzgerald & Rimini. Aber vor allem eine Veranstaltung: Am 1. Februar organisierte der Autor Matto Kämpf eine Benefiz-Veranstaltung für Menschenversand, an der gleich 20 Autor/innen des Verlags aufgetreten sind. Ein langes, ausverkauftes Fest mit dem längsten Büchertisch der Verlagsgeschichte. Und ein fast zu Tränen rührendes Engagement, wer kann schon auf so treue, mitdenkende, ja mitfühlende Autor/innen zählen?

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Das war nicht so geplant, am Anfang stand die Idee einer Anthologie (Das Buch der Langeweile), so brauchten wir einen Verlagsnamen, dann haben wir, damals noch zu zweit, halt einfach weitergemacht, mit Poetry Slams, Hörbüchern, einem Literaturfanzine usw. Ohne Businessplan und mit einer gesunden Portion Naivität. Parallel dazu blühte die Schweizer Spoken-Word-Szene auf und so ergab das eine das nächste …

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

menschenversand_Cover 1Keine Ahnung. Zum Glück habe ich auch keine Zeit, darüber nachzudenken.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Vorläufig wenig, neben den natürlich anfallenden neuen Arbeitsschritten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

„Positionieren“ und „Konkurrenz“ sind Begriffe, die mir fern liegen. Ich mache einfach das, was man machen sollte, wenn man Spoken-Word-Literatur verlegt.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Noch weniger gesunder Menschenverstand und noch mehr gesunde Naivität.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Über die (Schweizer) Spoken-Word-Szene, viele der Autor/innen kenne ich seit Jahren. Oder über Empfehlungen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die üblichen Wege mit Auslieferung, Barsortiment und Vertretung. Im Unterschied zu anderen Verlagen ist der Direktverkauf höher, an Lesungen, aber auch mit Ständen außerhalb der Buchbranche, etwa an Weihnachtsmärkten usw.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Einiges, aber zu wenig. Schön ist: Es gibt einige Menschenversand-Fans unter den Buchhändler/innen, in Bern und anderswo, die sich sehr für die (Hör)Bücher einsetzen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Schwierig. Kein direkter Kontakt.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Viel, aber zu wenig.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Mitglied. Als politischer Akteur unerlässlich und in jüngster Zeit im (erfolglosen) Kampf gegen die Abschaffung der Buchpreisbindung, der möglichen schweizerischen Verlagsförderung (vielleicht erfolgreich) und dem Auftritt an der Leipziger Buchmesse sehr aktiv, gut vernetzt und engagiert.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Nische ergibt sich aus dem Schwerpunkt – Literatur auf der Bühne. Die Leser und Hörerinnen sind erfreulich unterschiedlich, auch je nach Autor/in, insofern erübrigt sich das marketingverseuchte Zielgruppensuchen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Im Überleben.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Im zermürbenden Sich-ständig-knapp-über-Wasser-Halten.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo  © Der gesunde Menschenversand

das Logo © Der gesunde Menschenversand

Experiment, Austausch, Sperrigkeit, Hilfsbereitschaft, Trinken, Freundschaft, Tanzen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Abraten. Auch als Jurist kann man jammern, aber auf bedeutend höherem Niveau.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle Verlage von SWIPS (Swiss Independent Publishers), Urs Engelers Verlag, insbesondere die roughbook-Reihe, diaphanes, Edition Korrespondenzen, kookbooks, Der Kollaboratör, Voland & Quist, Verbrecher Verlag, den Jörg Sundermeier hier bereits vorgestellt hat, und viele mehr …

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der gesunde Menschenversand im Netz:

www.menschenversand.ch

„Würde ich Schlagzeug spielen, wäre es wahrscheinlich ein Label geworden.“ – SteglitzMind stellt Ulf Stolterfoht von Brueterich Press vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Ulf Stolterfoht von Brueterich Press Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Bertram Reinecke von Reinecke & Voß.

Eine Skizze vom Verlag …

Ulf Stolterfoht © Ayse Yavas

Ulf Stolterfoht © Ayse Yavas

Angemeldet hatte ich den Verlag schon im März 2011, es hat dann aber doch bis zum März 2015 gedauert, bis die ersten drei Bücher erscheinen konnten. Was, von heute aus betrachtet, auch ganz gut so war. Der Verlag hat zwei Standorte, Berlin-Schöneberg und Feistritzwald in der Steiermark.

Ein Einzelkämpfer?

Ich mache bisher alles alleine, also auch die Auslieferung, nur die Gestaltung liegt in fremden Händen, nämlich denen der Stuttgarter Agentur gold & wirtschaftswunder, und in Stuttgart wird auch gedruckt.

Die Programmschwerpunkte?

Bei BRUETERICH PRESS erscheinen Lyrik und Lyriktheorie, beides im Original und in Übersetzung. Bisher lieferbar sind drei Bücher, zwei Gedichtbände von Hans Thill und Oswald Egger, und ein Theoriebuch von Franz Josef Czernin – bisher nur analog, eBooks sind aber für die Zukunft eine Option, vor allem für Wiederveröffentlichungen oder zweite Auflagen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Da ich mich nur mit Lyrik auskenne, zumindest ein bisschen, kam nichts anderes in Frage. Und für jemanden, der selbst auch nur Lyrik schreibt, ist es schön, wenn er morgens mal rauskommt, Bücher zur Post bringen, Versandtaschen kaufen, mit BuchhändlerInnen Kaffee trinken. Solche Sachen. Würde ich Schlagzeug spielen, wäre es wahrscheinlich ein Label geworden.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Zu sehen, dass man auch mit relativ wenig Geld relativ viel anstellen kann, ist eine prima Sache. Dazu kommt die allseits bekannte Lyrikunlust bei den großen Verlagen, die sich in den nächsten Jahren eher noch steigern wird, wenn ich die Zeichen richtig deute. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es Lyrik in zehn Jahren nur noch in kleinen oder sehr kleinen Verlagen geben wird. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm. – Ich glaube mittlerweile, dass es gut ist. Und das sage ich nicht nur als Miniverleger, sondern in erster Linie als Autor.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Bei mir hat sich in den paar Monaten natürlich nichts verändert. Was sich sicher ändern wird, sind die absurd hohen Preise, die derzeit von den sogenannten. Publikumsverlagen für eBooks verlangt werden. Hier sind die Kleinen sicher im Vorteil, weil es für sie viel einfacher ist, für ein eBook das zu verlangen, was es in der Produktion tatsächlich kostet. Was Lyrikbände betrifft, wird das alles wohl etwas länger dauern, aber ich denke, dass es auch hier zu Veränderungen kommt. Ich sehe das als große Chance, nicht als Bedrohung.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Die Lyrik bei BRUETERICH PRESS ist etwas schwieriger und die Bücher sind etwas teurer als üblich. Der Rest ist sicher ähnlich.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Ich frage Freunde, ob sie Lust haben, ein Buch zu machen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Durch morgendliche Gänge zur Post (siehe oben).

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich versuche, Buchhandlungen dazu zu überreden, BP-Depots anzulegen. Das klappt ganz gut. Bisher gibt es solche Depots in Berlin, Köln, Düsseldorf, Südtirol und hoffentlich bald auch in Wien und Zürich. Darüber hinaus gibt es Buchhandlungen, die die Bände abonniert haben, und solche, die sie in Kommission nehmen. Insgesamt dürften es noch ein paar mehr sein. Natürlich kann jede Buchhandlung auch ganz normal über das VLB bei mir bestellen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Diesbezüglich überhaupt keine Ambitionen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Was für die Buchhandlungen gilt, gilt genauso für die Leser: ich versuche möglichst viele Menschen zu einem BP-Abo zu überreden. Im Moment gibt es 56 AbonnentInnen. Bei 75 Abos wären die Druckkosten weitgehend abgedeckt. Ansonsten: Flyer, Email-Verteiler, Facebook, Lesungen. Wenn man an den richtigen Türen klopft, gehen die manchmal auch auf. Wobei das Klinkenputzen für mich sicher einfacher ist als für jemanden, der „nur“ verlegt und selbst nicht schreibt.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin kein Mitglied. Weiß auch nicht, ob die mich nehmen würden.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Zu 80% für Leute, die selbst auch Lyrik schreiben und veröffentlichen. Mir kommt das aber nicht schlimm vor – das ist eben so.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Darin, daß die großen Verlage die Lyrik drangegeben haben. Und in der Tatsache, dass kaum jemand nein sagt, wenn ich ihn / sie um ein Buch bitte. (Wobei diese beiden Dinge wahrscheinlich auch miteinander zu tun haben.)

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Keine. Wenn sich der Verlag nach drei Jahren nicht trägt, werde ich wieder aufhören damit.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Kann ich nicht beantworten. Für mich ist die Independent-Szene die einzige Szene.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es einfach zu versuchen. Allerdings ohne das Ziel, davon leben zu wollen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Meinen Schöneberger Nachbarn, den Quiqueg Verlag.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © Brueterich Press

das Logo © Brueterich Press

Brueterich Press im Netz:

www.brueterichpress.org/

„Es war gut klein und naiv anzufangen.“ – SteglitzMind stellt Sonia Lauinger von Der Kleine Buch Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Sonia Lauinger, die Der Kleine Buch Verlag gegründet hat. Vorgeschlagen hatte das Sandra Thoms vom Dryas Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Kleine Buch Verlag wurde im Januar 2010 in Karlsruhe gegründet: mit nur einer Homepage, noch keinen Autoren, aber mit dem Gedanken: „außer man tut es“ sowohl für den (noch unbekannten) Autor als auch für mich als Verlegerin. Weniger drüber sprechen, mehr tun! – Das war das Motto zu den Verlagsanfängen. Ich wollte die Bücherwelt aus Sicht eines Verlegers kennenlernen. Und bevor ich mich recht versah, trudelten bereits die ersten Manuskripte ein. Woher kannten sie mich? Lag es vielleicht am Verlagsnamen, dass man auf mich kam, wenn man nach „kleiner Verlag“ googelt?

Sonia Lauinger © Der Kleine Buch Verlag

Sonia Lauinger © Der Kleine Buch Verlag

Der-ein-Frau-Verlag nahm Fahrt auf, organisierte Schreibwerkstätten, gab Autoren-Coachings, suchte den Kontakt zu anderen Verlagen, war auf Buchmessen und sonstigen Märkten, tat sonst noch alles Mögliche und Unmögliche um den Wissensdurst zu stillen. Frei nach dem Motto: probieren statt studieren. Und statt eine beschauliche Premieren-Lesung mit meinen ersten vier Titeln im Herbst 2010 zu veranstalten, lud ich in die Karlsruher Fleischmarkt Halle (400 m²) ein, zum ersten „Aufschnitt mit Beilage“: Lesung umrahmt von einem 3-Gänge-Fingerfood-Menü und Livemusik. Mein Ziel: entweder es nach 5 Jahren geschafft zu haben, oder fest zustellen, die Verlagswelt ist doch nicht die meine.

2014 war ich fast soweit: ich hatte mein Profil in der Belletristik gefunden und inzwischen 32 lieferbare Titel herausgebracht; tolle Autoren und ein Pool von kleinen Helferlein um mich geschart; verstand wie der Buchhandel funktioniert; hatte eine kleine Auslieferung; hatte bereits die spannendsten Buchmessen für mich entdeckt, ganz besonders die Leipziger Buchmesse. Und war zudem über den Arbeitskreis kleiner unabhängiger Verlage vom Börsenverein sehr gut mit meinen neuen Kollegen vernetzt und organisierte ab 2011 das Bücherbüffet, „Aufschnitt mit Beilage“, die erste kleine Buchmesse in Karlsruhe – Netzwerken für Büchermacher & Bücherfans.

Und ich schrieb eine schwarze Null 😉

Dann geschah das Unfassbare: ich, der kleinste Verlag in Karlsruhe, bekam den G. Braun Buchverlag, den ältesten, renommiertesten und größten Verlag der Stadt, zum Kauf angeboten!

Heute, kein Jahr später, habe ich nun über 180 lieferbare Titel, mit drei Schwerpunkten: Belletristik (diese Titel sind fast komplett auch als E-Book erschienen), Freizeit sowie Kultur und Geschichte. Eine (inzwischen die bereits die zweite) richtige, große Vorschau, ein 16-köpfiges Team aus freien und festen Mitarbeitern (davon drei Verlagsvertreter und zwei Pressemitarbeiterinnen), Prolit als Auslieferung und meine Bücher finden heute wie selbstverständlich ihren Weg in den Buchhandel, … *freu*

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Das tolle am Verlegen ist: ein Highlight jagt das nächste. Jedes Buch, jedes Projekt ist ein Highlight. Die fertig zusammengestellte Vorschau ist ein Highlight. Eine erfolgreiche Buchmesse ist ein Highlight. Und die junge Entscheidung, mit der Belletristik auch als Hörbuch durch zu starten, ist gerade das aktuellste Highlight für mich.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Gute Frage! Wenn ich vorher geahnt hätte, wie viel Arbeit und Risiko ein Verlag mit sich bringt, hätte ich womöglich die Finger davon gelassen. Noch ahnungslos, reizten mich die Vielschichtigkeit, das Kreative, das Projektorganisatorische, das Netzwerken, und die fast grenzenlose Möglichkeit sich zu definieren. Eben aus mir anvertrauten Texten und Ideen eine Wirklichkeit werden zu lassen. Auf alle Fälle habe ich in der Verlegerei nun endlich ein Ventil gefunden, meiner überschüssigen Energie freien Lauf lassen zu können.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Bei mir ist es bisher immer Vorwärts gegangen. In stillen Moment bekomme ich manchmal schon Angst vor meiner eigenen Courage. Vielleicht es ist es aber einfach eine Naivität, bei der ich immer wieder nur auf die Knie und bisher noch nicht auf die Nase gefallen bin. Und ich habe eine wunderbare Familie die mir den Rücken stärkt, sowie ein unverwechselbares, geniales, super hoch motiviertes Team.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Nun, die Digitalisierung habe ich bisher noch nie als Bedrohung oder Konkurrenz wahr genommen, warum auch? Alles entwickelt sich, auch die Medien. Es ist doch spannend zu erfassen, auf welchen Zug man mit aufspringen könnte, welche Art der Digitalisierung auch zu einem selbst passt. E-Books habe ich bereits seit 2012 im Programm und auch 2011 mein erstes Hörbuch produziert. Ich sehe die Digitalisierung eher als Erweiterung des Portfolios.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ob ich etwas wesentlich anderes mache weiß ich nicht, aber ich stecke sehr viel Herzblut in meine Arbeit. Soweit ich meine Kollegen kenne, machen die das auch. Das Tollste am Verlegen ist, man hat keine echten Konkurrenten, man hat Kollegen. Das kenne ich aus andern Branchen nicht so. Jeder weiß wie viel Energie in einem Projekt steckt. Man hat daher eher Respekt und kennt die Arbeit der anderen Verlage an. Das gefällt mir.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Nichts. Es war gut klein und naiv anzufangen. Viel lernen, viel probieren. Mutig, einfach aus sich heraus. Sich selbst ständig hinterfragen: Was passt und was sollte ich anders machen? Immer wieder neu. Heute noch.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Nun, das ist ganz unterschiedlich – in der Belletristik müssen die Autoren eher uns gewinnen, denn im Schnitt bekommen wir in der Woche zwischen zwei bis fünf Manuskripteinreichungen. Zu bestimmten Themen im Bereich der Ausflugsführer und/oder Geschichte/Kultur akquirieren wir aber auch und sprechen gezielt potentielle Autoren an. Interessanter ist wohl die Frage, wie man seine Autoren fest an sich bindet:

Ich denke, die aufgeschlossene, umtriebige Art und Weise wie der Verlag arbeitet, Hand in Hand mit den Autoren, sorgt bei uns für die Bindung. Eben gemeinsam das Beste versuchen heraus zu holen. Auch die Autoren vom ehemaligen G. Braun Buchverlag (142) sind, bis auf zwei, bei Der Kleine Buch Verlag geblieben. Das spricht für mich und die Arbeitsweise meines Teams.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir haben eine Auslieferung in Deutschland (Prolit) und eine in Österreich (Ennsthaler). Schweiz soll bald folgen. Außerdem beschäftige ich eine Mitarbeiterin im Vertriebsinnendienst und aktuell haben wir drei Vertreter in Deutschland (für die Gebiete: Baden-Württemberg; Hessen, Rheinlandpfalz und Saarland sowie Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen), die unser Programm verkaufen. Aber auch hier möchte ich bald aufstocken und alle Vertriebsgebiete in Deutschland abdecken. In Österreich haben wir über unsere Auslieferung einen Vertreter laufen und für die Schweiz möchte ich natürlich auch bald einen Vertreter gewinnen. Auch im Direktmarketing sind wir erfolgreich – die Beteiligung an vielen Messen (auch neben den üblichen Messen und Ausstellungen für Bücher), Veranstaltungen, eine kontinuierliche Social Media-Arbeit und das Verteilen von Flyern, Programmheften, Postkarten, etc. macht sich bezahlt. Unser Onlineshop wird stark frequentiert und wir bekommen auch telefonische direkt Bestellungen im Verlag. Manchmal kommen die Kunden sogar persönlich vorbei. Unser Handlager muss also ständig neu bestückt werden.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Die Anfangsphase war schwierig – als ganz kleiner Verlag muss man sich das „Ernstgenommen werden“ hart erkämpfen. Aber mit viel Engagement, tollen Büchern und motivierten Autoren bekommt man im Laufe der Zeit immer mehr Kontakte und sichert sich so seinen kleinen, aber feinen Platz im Sortiment. Auch Präsenz auf Messen kann da helfen. Und nach der Verlagsübernahme im letzten Jahr läuft der Eintritt ins Sortiment der Baden-Württemberger und Pfälzer Buchhändler (natürlich insbesondere bei den regionalen Titeln sehr reibungslos.)

Wie halten Sie es mit Amazon?

Noch ohne G. Braun vermied ich den direkten Kontakt zu Amazon, war nur indirekt über den Zwischenbuchhandel gelistet. Heute ist Amazon für den Verlag „leider“ ein wichtiger Vertriebsweg geworden, auf deren Umsätze ich nicht verzichten kann. Um das ethisch ein wenig auszugleichen, versuche ich gute Kontakte mit besonderen Angeboten für den Buchhandel zu pflegen. Bei unseren vielen Messeauftritten versuchen ich und mein Team zudem, so viele Endkunden wir möglich vom Stationären Handel zu überzeugen und vermitteln, dass es mittlerweile viele Buchhändler gibt, die den gleichen Service bei der Buchbestellung bieten. Aufklärungsarbeit im Kleinen eben.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Alles Klassische: Printanzeigen, Sozial Media, Lesungen organisieren, Werbematerial für den Händler und den Endkunden. Und durch die vielen Messen sind wir immer im direkten Kontakt mit den Endkunden. Man kommt ins Gespräch. Hier sehe ich dann: Welche Bücher werden wahrgenommen? Wie gefällt die Gestaltung? Spricht die Titelformulierung an? Diese Informationen nutzen ich und mein Team dann zum einen zur weiteren Programmentwicklung, zum anderen können wir so auch absehen, welche Marketingaktionen sich für einen Titel lohnen würden. So gesehen sind die Messebeteiligungen die wichtigsten Marketingaktionen für Der Kleine Buch Verlag. Oft genug verirren sich Buchhändler auf Messen außerhalb des Fachbetriebs. Tolle Gelegenheit für neue Kontakte und oftmals Anstoß für neue Ideen beim Handelsmarketing.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin Mitglied seit 2011 und bin dann auch gleich in den Arbeitskreis kleiner und unabhängiger Verlage getreten. Ich würde behaupten, alle wesentliche Infos und Kontakte sind von hier aus gekommen. Und auch heute nutze ich den Service des Börsenvereins bei den unterschiedlichsten Fragen.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

das Logo © Der Kleine Buch Verlag

das Logo © Der Kleine Buch Verlag

Durch die unterschiedlichen Kernbereiche des Programms haben wir auch ganz unterschiedliche Zielgruppen. Das ist das schöne, denn Menschen sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Interessen und wir haben uns einfach nicht selbst den Zwang auferlegt, nur in einer Zielgruppe zu denken. In der Belletristik ebnen wir vor allem Debütanten den Weg ins Autoren-Dasein – das finden unsere Leser sehr spannend. Das Portfolio reicht von leicht bis anspruchsvoll, jedoch immer den Gedanke in sich tragend, den Leser zu unterhalten. Eine kleine Auszeit vom Alltag.

Bei den regionalen Themen suchen wir gezielt nach Nischenthemen – vom Schneeschuhwandern über die Entdeckungsreisen (vorausgesetzt, es gibt dafür auch eine nennenswerte Zielgruppe – ansonsten macht für uns ein Projekt keinen Sinn). Und für unsere Reihe „Kleine Geschichte. Regionalgeschichte – fundiert und kompakt“ sind wir bekannt und haben uns einen Namen gemacht.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ausgewogen unsere drei Sparten Kultur und Geschichte, Freizeit und Belletristik zu pflegen und weiter auszubauen und dabei jede für sich klar in sich definiert zu belassen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

In Deutschland haben wir gute Strukturen und Möglichkeiten, Bücher in die Welt zu bringen. Auf dem klassischen Weg gibt es allerdings dabei viele „Mäuler zu stopfen“. Das geht allerding nur durch Masse (sei es durch die Auflagenhöhe oder durch die Anzahl der Titel). Ein kleiner Verlag schafft aber diese Masse nicht. Will auch diese Masse gar nicht unbedingt schaffen. Setzt auf Projekte neben dem Mainstream und will nur das machen, hinter dem er auch steht.

Und auch wenn mein Verlag im vergangenen Jahr recht schnell gewachsen ist, ist Der Kleine Buch Verlag, ein kleiner unabhängiger Verlag, der keinen Konzern zur Sicherheit im Rücken hat. Deshalb würde ich mich freuen, wenn bei unserer Gesellschaft die Akzeptanz zu fairen Preisen für Bücher wieder Einzug erhält. Denn immerhin ist das „Bücher-machen“ die Schöpfung eines Kulturguts – das Kostet seinen Preis und dieser sollte für das Endprodukt auch bezahlt werden.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Hier haben Titel eine Chance, die nicht sofort und ganz brav, nur einer Sparte zu zuordnen sind. Wir können uns dazwischen ausbreiten, austoben, neues kreieren. Der festen Sparte sozusagen auch mal ein Schnippchen schlagen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

  • Habe einen Plan. Und sei bereit dazu, deinen Plan immer wieder neu zu planen.
  • Habe einen langen Atem.
  • Und sei sparsam, das Verlegen ist teuer genug.
  • Suche Kontakte, tausche dich mit Gleichgesinnten aus. Es gibt viele von uns 😉

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da fällt mir spontan der Zauberberg Verlag ein, der sich gerade erst gegründet hat und dessen Verleger auch einer meiner Autoren ist. Außerdem fände ich interessant: den michason & may Verlag aus Frankfurt a.M., den Kindermund Verlag aus Karlsruhe, den Achter Verlag und Klöpfer & Meyer, ein Verlag mit Sitz in Tübingen.

Danke sehr für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Kleine Buch Verlag im Netz:

Die Homepage

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Die Verlagspräsentation bei der Auslieferung Prolit

„Ich muss das einfach tun.“ – SteglitzMind stellt Hartmut Abendschein von der edition taberna kritika vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht das 50. Gespräch an. Mit Hartmut Abendschein, der seine edition taberna kritika 2007 ins Leben gerufen hat. Den Vorschlag machte Günter Vallaster von der edition ch.

Eine Skizze vom Verlag …

Hartmut Abendschein © Sabine Jansen

Hartmut Abendschein © Sabine Jansen

Die edition taberna kritika (kurz: etkbooks) ist ein Literaturverlag mit Sitz in Bern. Ende 2007 habe ich den Verlag gegründet, um eine Plattform für anspruchsvolle formale, inhaltliche und sprachliche Experimente zu schaffen. Vorausgegangen ist eine längere Beschäftigung im und mit dem Umfeld der Netz- und Weblogliteratur – als Autor und Herausgeber, seit Anfang der 2000er. Mein literarisches Weblog hieß damals und heißt heute noch taberna kritika, mittlerweile ist es vor allem Werkstatt und literarischer, digitaler Vorlass.

Die Programmschwerpunkte?

Der Editionsname kommt also nicht von ungefähr. Mit der Edition versuche ich in kleinstmöglicher Struktur eine maximale literarische Bandbreite abzubilden, in der auch die Darstellung von offenen Textformen und Schreibprozessen sowie unterschiedlichste Medientypen Platz finden. Vor 2 bis 3 Jahren habe ich ihr eine noch stärkere konzeptuelle Ausrichtung verpasst. Sie ist jetzt eine differentielle Exempelsammlung in Progress. In den Medien Buch, Objekt und Digitales Objekt erschließt sie systematisch das Feld eines erweiterten Literatur- und Lesebegriffs und untersucht die vielfältigen Produktions- und Rezeptionsmöglichkeiten literarischer Ausdrucksformen. Im Lo-Fi-Modus soll einer durch Markt und Betrieb verengten Ästhetik ein breites Spektrum an Arbeiten entgegengehalten werden, die einschlägige Kategorisierungen um Autorschaft, Werk und Gattung problematisieren.

Machen Sie alles alleine?

Ich mache immer noch das Meiste alleine, habe aber Unterstützung in der Auslandsauslieferung durch eine Kölner Galerie und eine Handvoll Leute, mit denen immer wieder kleine Veranstaltungen durchgeführt werden. Wenn ich etwas nicht selbst machen kann, hole ich punktuell auch freie Mitarbeiter bzw. Dienstleister mit ins Boot.

Ihre persönlichen Highlights?

etbooks cover1Highlights? Da jeder Titel für eine eigene Koordinate steht und jetzt und künftig eine Bedeutung in der Gesamtstruktur hat, habe ich keinen speziellen Liebling. Auffälliger sind natürlich gewisse Titel, die medial stärker rezipiert wurden, oder einen Preis oder Förderungen erhielten etc. Wie Roland Reichens “Sundergrund”, Li Mollets “sondern”, Franz Dodels “Von Tieren” oder das “Schellendiskursli” von mir.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Nach Buchhandelsausbildung, Literaturstudium, Praktika und Volontariat im Bereich Literatur – Buch – Medien lag das für mich lange auf der Hand. Da ich noch einen anderen – allerdings literaturaffinen – Job habe, bin ich sozusagen teilselbständig. Damit hänge ich finanziell nicht vollständig vom Wohl und Wehe der Produktion ab und bin inhaltlich und programmgestalterisch sehr unabhängig. Das schätze ich sehr. (In gewissem Sinne ist es sicher aber auch eine Kompensationsstrategie, weil man in meinem Alter eher nicht mehr in einer Punkrockband spielt.)

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Als neugieriger und geselliger Mensch sehe ich da keine Schwierigkeiten. Außerdem, wenn man das als künstlerische Arbeit bezeichnen will: ich muss das einfach tun.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Da ich mich immer schon mit Digitalität beschäftigt habe, gab es keine großen Veränderungen. Gewisse Workflows waren von Anfang an auch schon so da. Im Laufe der Zeit konnte ich aber einige Prozesse verschlanken und optimieren.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

etbooks cover2Ich habe immer schon den Merve-Verlag bewundert mit seiner minimalistischen Serialität. Die aber immer absolut stimmig und zeitgemäß war. (Natürlich gibt es noch einige andere Verlage, die das so durchziehen.) etkbooks orientiert sich teilweise daran, hat programmatisch aber einen etwas anderen Ansatz. Tendenziell sind abseitigere Schreibansätze, Mischformen, Experimente, medial und inhaltlich gewagtere Konzepte gefragt. Auch: ein spielerischer Umgang mit der Materialität von Zeichen. Und dabei soll es nicht allzu verkrampft zugehen. Das Ignorieren betrieblicher Buchzyklen, beispielsweise, kann sehr befreiend sein.

Prinzipiell sehe ich die ganze Verlagsproduktion, also den Verlagstext, eher als akkumulatives Gesamtkunstwerk. Ein einzelner Titel steht dabei weniger im Vordergrund als der Dialog der Texte untereinander. Und dieser Dialog soll auch auf der Höhe der Zeit stattfinden. Hochgejazzte Autorschaftsinszenierungen gibt es bei etkbooks auch nicht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich glaube, das war ganz OK so, wie es bislang lief …

Wie gewinnen Sie Autoren?

etbooks cover3Über Netzwerke (z.B. litblogs.net), Veranstaltungen, die ich besuche, oder auf kleineren Messen, auf denen ich ausstelle. Auch über persönliche Kontakte, schreibende Freunde. Wenige Male bin ich auch schon auf Autoren direkt zugegangen, wenn ein Textansatz besonders gut ins Programm gepasst hat. etkbooks bekommt allerdings auch regelmäßig unverlangte Manuskripteinreichungen. Meistens merke ich aber sofort, dass sich die Verfasser gar nicht mit dem Verlagskonzept beschäftigt haben und die Texte passen dann nicht mal ansatzweise. Jedenfalls ist die Textpipeline voll und ich muss gerade das Jahr 2017 ordnen. Da ich selbst auch schreibe, muss ich noch hinzufügen, dass immer mal wieder auch ein Bändchen von mir bei etkbooks erscheint. Ich war zwar früher auch schon bei einigen anderen kleinen Verlagen. Derzeit habe ich aber keine Lust mehr, mit – für Außenstehende – seltsamen, abseitigen, unverständlichen, aber mir wichtigen Textprojekten und Schreibansätzen auf langwierige Verlagssuche zu gehen. Wozu auch, wo ich mir doch nun so ein kleines Maschinchen gebaut habe.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wie gesagt: ich mache das Meiste selbst. (Bis auf die Auslandsversände etc.) Das ist in der Größenordnung gerade noch leistbar. Wie es in 5 Jahren aussehen wird, kann ich im Moment allerdings noch nicht sagen, weil ja doch auch ein gemächliches, aber kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen ist.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich freue mich, wenn der Buchhandel bei mir bestellt. Das macht bei mir derzeit vielleicht knapp die Hälfte aller Bestellungen aus. Aber sicher kann man das noch verbessern. Ein paar gut sortierte, spezialisierte Buchhandlungen, auch solche mit Kunstkontexten, haben etkbooks-Novitäten immer an Lager. Ich forciere aber nicht eine breitere Streuung bzw. Präsenz in Buchläden mit allgemeinem Sortiment. Es sind ja in der Regel keine Bücher, die sich im Stapel von selbst verkaufen, weil da wie wahnsinnig in die Werbung gepumpt wird.

Wie halten Sie es mit Amazon?

etbooks cover4etkbooks liefert keine Bücher über Amazon aus und hat dort auch kein Lager – keine Margenkämpfe, keine Magenkrämpfe. Um Zweitverwertern und Ramschern das Feld aber nicht kampflos alleine zu überlassen, bietet es die Bücher über den Marketplace an. Zudem bleibt der Titel so als lieferbarer Titel präsent. Wo es sinnvoll ist, gibt es etkbooks als Kindle-Editions, ca. ½ Jahr nach Erscheinen der Printedition. Die Digitalen Ausgaben gibt es natürlich auch auf anderen Plattformen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Das übliche im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten: Mailings, Twitter, Blogposts, Messeauftritte, ab und zu mal eine Anzeige. Rezensionsexemplare, die auf Abruf, aber generell großzügig ausgegeben werden. Auch an interessierte BuchbloggerInnen. Die Kooperation mit SWIPS hilft bei der Vernetzung. Veranstaltungen, Lesungen etc. sind natürlich auch nicht schlecht … Ab und zu gibt es einen kleinen Preis oder Titelförderungen, die können etwas beflügeln.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV macht immer wieder gute Sachen und ist in der Schweizer Buchbranche eine wichtige Instanz, auch wenn ich nicht mit allen Überlegungen und Maßnahmen einverstanden bin. etkbooks ist allerdings (noch) zu klein dafür. Dafür ist etkbooks bei SWIPS dabei, die oft mit dem SBVV kooperieren.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Lesende mit Sinn für Bewusstseinserweiterungen, Theorie in der Praxis, Experimente, Freude am Erkenntnisgewinn, an Prozesshaftigkeiten, Fragmenten und komplettistischer Sammelwut.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen? Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

etbooks cover5Die Chancen und Risiken halten sich gegenseitig in Schach. Das hat ein gewisses Entspannungspotential.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das sind oft ganz angenehme Leute. Meistens können sie gute Partys organisieren.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es stellt sich die Frage: soll damit (hauptsächlich) Geld oder (hauptsächlich) Kunst gemacht werden? Für den ersten Fall habe ich keinen Tipp. Der interessiert mich eigentlich auch gar nicht. Für Fall 2: Ein stabiles Konzept und ein langer Atem schaden da nicht. Ein Nichtverstandenwerden bzw. Pathologisierungen muss man aushalten können. Am besten, man legt sich erst mal eine Lederjacke zu.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

In dieser Reihe wurden schon einige Verlage genannt, die ich gut finde und deren Produktion ich interessiert verfolge. Auf die SWIPS Independent Publishers habe ich auch schon aufmerksam gemacht. Namentlich will ich noch die kleinen Literaturverlage wie bspw. den verlag die brotsuppe, Der gesunde Menschenversand oder die edition pudelundpinscher erwähnen. Und: Ein Gruß nach Biel geht ans Haus am Gern bzw. die Edition Haus am Gern und einer nach Basel an das Büro für Problem.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © etbooks

das Logo © etkbooks

Die edition taberna kritika im Netz:

Verlagswebsite: http://www.etkbooks.com

Twitteraccount mit Informationen aus Verlag und Werkstatt, obskuren Beobachtungen und streng subjektivistischen Notaten: http://twitter.com/etkbooks

„Wenn ich Kompromisse eingehen wollen würde, würde ich keinen eigenen Verlag brauchen.“ – SteglitzMind stellt Jano Rohleder von dani books vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Jano Rohleder von dani books Rede und Antwort. Der Vorschlag kommt von Mark Fischer vom Epsilon-Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

dani books ist ein deutscher Comicverlag, der seit Herbst 2012 All-Age- und Erwachsenentitel veröffentlicht. Alle Titel liegen sowohl in gedruckter Form als auch digital vor, außerdem kann man sich bei einem Großteil der Comics eine kostenlose Digital Copy herunterladen, wenn man die Druckausgabe gekauft hat.

Machen Sie alles alleine?

Comic-Salon Erlangen: v.l.n.r.: Standhelfer Sergio Presta, Zeichner Giovanni Rigano ("Monster Allergy"), Zeichnerin Paola Antista ("Katzen!"), Verlagsleiter Jano Rohleder, Autor und Zeichner Stephen Mooney ("Half Past Danger - Damen. Draufgänger. Dinosaurier.") sowie Stephens Frau Jacintha. © dani books

Comic-Salon Erlangen: v.l.n.r.: Standhelfer Sergio Presta, Zeichner Giovanni Rigano („Monster Allergy“), Zeichnerin Paola Antista („Katzen!“), Verlagsleiter Jano Rohleder, Autor und Zeichner Stephen Mooney („Half Past Danger – Damen. Draufgänger. Dinosaurier.“) sowie Stephens Frau Jacintha. © dani books

Ich bin mein einziger Mitarbeiter und mache aus Budgetgründen nahezu alle der anfallenden Tätigkeiten selbst (Layout, Lettering, Lektorat etc.). Das ist zwar ein Haufen Arbeit, kostet mich aber natürlich entsprechend weniger und sorgt zudem dafür, dass am Ende alles genauso aussieht, wie ich mir das vorgestellt habe. Bei Übersetzungen und Textüberarbeitungen lasse ich mir aber bei vielen Titeln etwas helfen, da ich zwar eigentlich Übersetzer bin, es aber aufwandstechnisch für mich gar nicht zu schaffen wäre, alles auch noch selbst zu übersetzen.

Ihre Highlights im Bücherjahr?

Ein Highlight dieses Jahr dürften sicherlich die zwei brandneuen „Isnogud“-Alben aus Frankreich sein, die bei mir als deutsche Erstveröffentlichung erscheinen … und da nun „Akte X“ als TV-Miniserie fortgesetzt wird, ist es natürlich nicht unangenehm, dass ich seit anderthalb Jahren die offiziellen Comics zur Serie im Programm habe. Derzeit erscheint noch „Staffel 10“ und nach deren fünftem Band wird dann zu „Staffel 11“ übergegangen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Das hat sich mehr oder weniger zufällig ergeben. Ich bin schon seit der Oberstufe Übersetzer (und mittlerweile öfters auch Redakteur) für die Disney-Titel von Egmont Ehapa Media und der Ehapa Comic Collection. Im Zuge dessen habe ich seit Anfang 2011 auch die Don Rosa Collection übersetzt und bearbeitet, eine neunbändige Gesamtausgabe der Duck-Comics von Onkel-Dagobert-Starzeichner Don Rosa, den ich schon seit vielen Jahren gut kenne. Dabei entstand die Idee, doch auch mal Sammelbände von Dons Vor-Duck-Comics zu bringen. Die sind allerdings wirklich hauptsächlich was für Hardcore-Rosa-Fans und daher für einen großen Publikumsverlag kaum geeignet. Da weder Don noch ich eine Veröffentlichung von zwei dicken Hardcoverbänden, die um die 8.000 Euro an Druckkosten bedeutet hätte, aus eigener Tasche bezahlen konnten noch wollten, habe ich dann auf Indiegogo eine Crowdfundingkampagne zur Vorfinanzierung der Ausgabe eingerichtet. Dadurch war auch schnell klar, dass die Bände im englischen Original erscheinen würden, weil sie sonst für die Fans aus aller Welt natürlich wenig geeignet gewesen wären.

Da man in Deutschland nichts einfach mal so verkaufen darf, habe ich aufgrund der Kampagne ein Gewerbe als Verlag angemeldet und so kam eins zum anderen. Das Faninteresse war jedenfalls so groß, dass mehr als die doppelten angepeilten Einnahmen erreicht wurden und beide Bände gedruckt werden konnten.

Tja, und da es ziemlich interessant und spaßig war, diese Bücher anzufertigen und ich gleich mal lieber 100 ISBNs auf Vorrat gekauft hatte, weil das im Verhältnis deutlich günstiger war, als nur zehn zu nehmen, stand dann schnell die Frage auf dem Plan, mit was es denn weitergehen würde … 98 ISBNs dürfen schließlich nicht einfach so verfallen. 😉 So kam es zu den Plänen für das erste deutschsprachige Comicprogramm, das im Frühjahr 2013 (nachdem die Don Rosa Classics im Herbst 2012 erschienen waren) an den Start ging.

Was machte Sie bislang besonders glücklich?

dani books_cover monster aBesonders froh bin ich darüber, dass ich meine Lieblingsreihe Monster Allergy einkaufen und zurück nach Deutschland bringen konnte, die meiner Meinung nach eine der lustigsten und am besten geschriebenen Comicreihen der letzten Jahrzehnte ist. Insgesamt gibt es 29 Episoden, von denen drei 2003 schon mal als Kioskhefte bei Carlsen erschienen waren und von 2007 bis 2009 noch mal 16 Episoden in acht kleinen Doppelbänden bei Egmont. Beide Male wurde die Reihe dann wegen geringer Verkaufszahlen eingestellt. Bei mir erscheint Monster Allergy nun seit 2013 in Paperback-Gesamtausgaben mit je vier Episoden, sodass die Reihe am Ende in acht Bänden komplett vorliegen wird. Dabei freut mich zum einen, dass meine Ausgabe laut den Autoren die weltweit beste Fassung ist, und zum anderen natürlich auch, dass es meine bestlaufende Comicreihe ist und ich bei den Monster Allergy -Bänden (im Gegensatz zu einem Großteil meines restlichen Programms) tatsächlich ein bisschen Gewinn mache. Band eins ist mittlerweile bereits in Zweitauflage und Band zwei wird in Kürze ebenfalls nachgedruckt, sodass ich ab Band vier die Startauflage von bislang 1.200 Exemplaren entweder auf 1.500 oder sogar noch ein paar mehr Exemplare anheben werde.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Natürlich dämpft es die Motivation etwas, wenn mal wieder von einem Titel vielleicht nur 200 Exemplare ausgeliefert wurden … aber letztlich bleibt das Engagement doch immer erhalten, da ich der Überzeugung bin, dass der deutsche Comicmarkt dani-books-Titel braucht. 😉 Es gibt noch so viele tolle Comics, die es ohne mich potenziell nie nach Deutschland schaffen würden, dass es mir auch weiterhin lohnenswert erscheint, welche zu veröffentlichen. Verständlicherweise ist es für die Motivation auf Dauer aber schon ganz vorteilhaft, wenn die entsprechenden Titel dann letztlich auch zumindest kostendeckend sind.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Da ich schon von Beginn an mit digitalen Vorlagen gearbeitet habe, kenne ich es nicht anders. Daher war meine Arbeitsweise entsprechend auch immer schon so wie heute.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich orientiere mich prinzipiell nicht an anderen Verlagen oder irgendwelchen „Konventionen“. Würde ich das tun, wären die fertigen Bände nur Kompromisse. Ich mache Bücher so, wie ich es für richtig halte und wie ich sie selbst auch kaufen wollen würde. Das bedeutet für mich: kostenlose Digital Copys zu allen Titeln (sofern lizenzbedingt möglich) anbieten, Übersetzungen nach dem höchstmöglichen Qualitätsstandard abliefern sowie niemals stillstehen, was Optimierungen betrifft. Von daher käme es für mich nie infrage, mich bei anderen Verlagen umzusehen, wie dort etwas gemacht wird. Ich habe von all meinen Bänden eine ganz genaue Vorstellung und gebe mich erst dann zufrieden, wenn diese Vorstellung beim fertigen Produkt zu 100 % erreicht ist. Wenn ich Kompromisse eingehen wollen würde, würde ich keinen eigenen Verlag brauchen, das kann ich auch, wenn ich für andere Verlage arbeite. 😉

Wollen Sie das etwas ausführen?

dani books_cover katzenEin Beispiel: Aus irgendeiner Unsitte heraus gibt es in Deutschland bei vielen Comicverlagen die unsinnige Angewohnheit, Ellipsen – also diese drei Auslassungspunkte … – vor einem Satz mit Leerschritt zu setzen, aber am Satzende ohne:

… dies ist ein Beispieltext…

Das sieht nicht nur ziemlich doof aus, sondern folgt auch absolut keinen deutschen Formatierungs- oder Grammatikstandards. Ich vermute, man hat das einfach mal irgendwann aus den französischen Originalalben übernommen und dann hat sich das im Laufe vieler Jahre ärgerlicherweise so eingebürgert, dass es sogar einige Comicverlage gibt, die zwingend darauf bestehen, dass man die Auslassungszeichen so setzt. Natürlich kommt da nie mal jemand im Verlag auf die Idee, sich zu fragen, ob das überhaupt richtig ist oder Sinn ergibt. Im Deutschen müssen die Auslassungszeichen aber auf beiden Seiten mit Leerschritt gesetzt werden, also: … dies ist ein Beispieltext …

Die einzige Ausnahme ist lediglich, wenn ein Satz mitten im Wort abgebrochen wird: … dies ist ein Beispielte…

Von daher versuche ich gar nicht erst, mich bewusst von anderen Verlagen abzuheben, sondern das geschieht durch meine Vorgehensweise bereits automatisch. Nur weil alle (oder zumindest viele) beispielsweise ihre Zeichensetzung falsch machen, muss ich das ja nicht auch tun. Gleiches gilt entsprechend auch für andere Bereiche der Buchinhalte.

Ein feines Beispiel …

Anderes Beispiel: Deutschland ist hinsichtlich digitaler Comics immer noch nahezu ein Niemandsland, weil die Verlage oftmals immer noch tierisch Angst vor der bösen digitalen Technik haben. Die könnte ja zu Raubkopien führen, Umsatzeinbrüche bewirken etc. blabla. Ich hingegen will Comics digital lesen können, wenn ich will, und nicht, wenn’s dem Verlag zufällig mal gerade passt, eine Reihe anzubieten. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich nicht nur wann immer möglich kostenlose Digital Copys für Käufer der Druckausgaben anbiete, sondern auch alle großen digitalen Marktplätze bediene. So ist das komplette dani-books-Programm sowohl bei Kindle als auch bei beam ebooks erhältlich, außerdem direkt auf der Verlagswebsite und bei Comicanbietern wie Mad Dog Comics oder ComiXology. Darüber hinaus sind meine Titel auch in den Leseflatrates von Kindle Unlimited und demnächst Scribd erhältlich. Und nein, mir brechen dadurch keine Umsätze weg, sondern mir entstehen vielmehr wertvolle Zusatzeinnahmen. Den Promoeffekt weiter Verbreitung und einfacher Verfügbarkeit darf man ebenfalls nicht unterschätzen. Aus diesem Grund biete ich auch die jährlichen Gratis-Comic-Tag-Hefte immer digital an. Denn wer es am Gratis-Comic-Tag nicht in eine Comichandlung schafft, um sich ein gedrucktes Exemplar abzuholen, kann dann immer noch die digitale Fassung lesen und legt sich daraufhin vielleicht die gedruckte oder digitale Ausgabe des entsprechenden Gesamtbands zu.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Inzwischen musste ich leider lernen, nicht zuuuu überengagiert zu sein. Es gibt so viele noch auf Deutsch unveröffentlichte Comicreihen, die nicht nur großartig sind, sondern auch perfekt in mein Programm passen würden. In der Anfangsphase habe ich solche Titel immer gleich auf Vorrat eingekauft, was ich heute nicht mehr so machen würde, da einige davon bislang immer noch nicht erschienen sind. Das liegt einfach an den deutschen Marktgegebenheiten und meinen sehr eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich auf den Comicfachhandel beschränken. Natürlich sind meine Titel auch alle über Buchhandlungen und Shops wie Amazon etc. erhältlich, aber wenn man dann etwas veröffentlicht, das man als Leser bei einem Onlineshop nie finden würde, wenn man nicht gezielt danach sucht, ist das halt problematisch.

dani books_cover halfBei einem Großteil meiner Titel bin ich darauf angewiesen, dass potenzielle Leser sie zufällig im Comicladen stehen sehen, um überhaupt mitzukriegen, dass es sie gibt. Ist aber natürlich schwer, wenn der Fokus in Deutschland primär auf frankobelgischen Albentiteln für Erwachsene liegt, dann die Händler schon von vornherein sagen: „Ist nichts für meine Kunden.“ und einen Titel entweder gar nicht erst bestellen oder bei Erscheinen vielleicht mal ein Exemplar nehmen, das vielleicht auch schnell verkauft ist, aber dann nicht nachbestellt wird. Im Prinzip also dieselbe Problematik, die Belletristik-Indieverlage mit dem „normalen“ Buchhandel haben.

Von daher konzentriere ich mich derzeit auf meine gut laufenden Sachen und probiere hin und wieder mal aus, ob der eine oder andere Albentitel funktionieren könnte. Querbeet alle guten Titel einkaufen, die ich selbst toll finde, habe ich aber mittlerweile aufgegeben oder zumindest stark eingeschränkt … solange ich keine Reihe in meinem Programm habe, die sich in solchen Stückzahlen verkauft, dass ich davon alles andere querfinanzieren kann. 😉

Wie gewinnen Sie Autoren?

Gar nicht, da ich ausschließlich Lizenzausgaben ausländischer Bände (vor allem aus den USA und Frankreich) veröffentliche. Eigenproduktionen wären für mich zu teuer. Der Kontakt zu Autoren und Zeichnern ist aber natürlich trotzdem wichtig, um z. B. Signierstunden oder Messe-/Festivalbesuche abzustimmen, die viel zu guten Verkaufszahlen vor Ort beitragen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die Bücher gehen von der Druckerei direkt an PPM und von dort an die Comicläden sowie an die Barsortimente KNV, Libri und Umbreit. Über Letztere landen sie dann auch bei Amazon und anderen Onlinehändlern und sind natürlich für alle deutschen Buchhandlungen bequem bestellbar, auch wenn das von diesen ganz gern mal übersehen wird …

In letzter Zeit läuft erfreulicherweise auch der Direktvertrieb über meine Website immer besser, wo man alle Titel versandkostenfrei bestellen kann und ich dann doppelt so hohe Einnahmen wie bei Handelsverkäufen habe, weil Vertriebs- und Händlerrabatt wegfallen. Von daher bin ich über jeden Direktbesteller immer sehr froh.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Aufgrund meiner eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten und des geringen Budgets, über das ich verfüge, gibt es keinerlei gezielte Buchhandelsaktivitäten wie Handelsvertreter o. Ä. Erfahrungsgemäß sind viele Buchhandlungen sowieso – wenn überhaupt – aufgrund der meist kleinen Präsentationsfläche fast immer nur an bekannten Comics wie Asterix, Lucky Luke, den Ducks oder ggf. noch Tim und Struppi interessiert. Meine Bände sind daher auf Comicladen- und Internetvertrieb ausgerichtet, auch wenn es natürlich schön wäre, in ein paar mehr regulären Buchhandlungen präsent zu sein. Beispielsweise habe ich neulich während der Leipziger Buchmesse in der Buchhandlung Ludwig am Leipziger Hauptbahnhof ein paar Exemplare meines Comics „Kalimbo – Band 1: Mata-Mata“ (zwischen Ducks, Spirou und Mosaik stehen sehen. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Wie halten Sie es mit Amazon?

dani books_cover akte xAmazon ist sowohl bei E-Books als auch bei Comicreihen, die auf Medienfranchises basieren, ein wichtiger Vertriebsweg. Reihen wie meine zehnte Staffel von „Akte X“ funktionieren im stationären Comichandel so gut wie gar nicht, da die Zielgruppe nicht klassische Comicleser sind. Über Amazon setze ich davon hingegen Hunderte von Exemplaren ab, da man dort als Akte-X-Fan bei einer entsprechenden Suche nach DVDs oder anderem Akte-X-Merchandise ganz schnell zufällig über sie stolpert. Das ist unbezahlbar.

Im E-Book-Bereich ist Amazon auch insgesamt meine Haupteinnahmequelle, gerade auch jetzt mit den Kindle-Unlimited-Abos, vor denen viele Verlage ja noch so Angst haben. Es stimmt zwar, dass die regulären Kindle-Verkäufe etwas zurückgegangen sind, seit meine Titel für Kindle-Unlimited-Abonnenten kostenlos verfügbar sind … die monatlichen Einnahmen haben sich aber trotzdem mehr als verdreifacht.

Amazon ist zudem auch gut zur Direktkundengewinnung. Bei fast allen meiner Bücher kann man sich durch Zumailen eines Fotos oder Scans des Kaufbelegs eine kostenlose Digital Copy anfordern. Wenn dann jemand diese bei mir mit einer Amazon-Rechnung anfragt, schicke ich neben dem Downloadlink auch eine kurze nette Mail zurück, dass man künftige Bände auch gern versandkostenfrei direkt bei mir auf meiner Website bestellen kann, zumal ich dann doppelt so viel dran verdiene, was für mich als Ein-Mann-Verlag natürlich immer ganz angenehm ist. Es gibt zwar einige Leser, die dann trotzdem weiterhin bei Amazon kaufen, aber viele tätigen dann die nächste Bestellung direkt bei mir. Gerade bei Akte X hat sich so im Laufe der Zeit ein sehr treuer Käuferkreis gebildet, der neue Ausgaben immer direkt nach Einlistung auf meiner Verlagswebsite bei mir vorbestellt.

Damit niemand beleidigt ist, weise ich sicherheitshalber lieber noch darauf hin, dass ich diese Mails ausdrücklich nur dann schicke, wenn jemand eine Rechnung von Amazon oder einem anderen großen Onlinehändler einschickt. Fordert ein Leser seine Digital Copy mit der Quittung eines Comicladens oder einer kleinen lokalen Buchhandlung an, bekommt er nur den Downloadlink – ohne Hinweis auf die Direktbestellmöglichkeit. Denn wer eine Comichandlung in der Nähe hat und sowieso regelmäßig dort kauft, soll ruhig auch meine Titel dort beziehen. Dann werden sie etwas bekannter und beim nächsten Mal bestellt der Händler vielleicht sogar direkt ein, zwei zusätzliche Exemplare.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

dani books hat umfangreiche Präsenzen auf Twitter und Facebook, wo ich bei Neuerscheinungen auch gelegentlich Werbung schalte, weil das nicht allzu teuer ist. Zudem gibt es für neue Bände regelmäßig „Hands-on“-Videos auf YouTube und für den Direktkontakt mit den Lesern habe ich auch noch ein Verlagsforum im Comicforum. Allgemeine Werbeanzeigen z. B. in Comicfachzeitschriften habe ich mal probiert, aber inzwischen komplett eingestellt, weil diese Magazine in der Regel hauptsächlich von Lesern konsumiert werden, die meistens nicht so wirklich meiner Zielgruppe entsprechen und meine Titel daher sowieso nicht kaufen würden. Da investiere ich das Geld lieber in die Druckkosten meiner Bücher.

Sehr gute Werbung ist allerdings immer die Teilnahme am jährlich im Mai stattfindenden Gratis-Comic-Tag. (In diesem Jahr am 9. Mai.) Der Tag ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung zahlreicher deutscher Comicverlage, bei der nach Vorbild des amerikanischen Free Comic Book Day in allen teilnehmenden Comic- und zum Teil auch Buchhandlungen speziell für diesen Tag produzierte Gratishefte für die Leser zur kostenlosen Mitnahme ausliegen. Das ist zum einen natürlich gute PR für die Händler, zum anderen aber auch eine gute Möglichkeit für die beteiligten Verlage, eine Auswahl aus ihrem Programm bekannter zu machen. Die Auflagen der Hefte orientieren sich dabei immer an den Händlerbestellmengen und sind mit üblicherweise zwischen 8.000 und 9.000 Exemplaren deutlich höher als meine regulären Auflagen zwischen 1.000 und 1.500 Exemplaren. Dadurch habe ich mit den Gratisheften naturgemäß eine sehr viel größere Reichweite als mit meinen eigentlichen Comics an sich … und wenn ein paar mehr Leute auf meine Titel aufmerksam werden, kann das natürlich nie schaden. 😉

dani books_gratiscomictag

Monster Allergy-Ausgabe für den Gratis Comic Tag 2013

2013 hat das beispielsweise schon mit meinem allerersten Gratisheft sehr gut funktioniert, in dem ich die komplette erste Episode der Reihe Monster Allergy, die bei mir als Gesamtausgabe erscheint, veröffentlicht habe. Bis heute bekomme ich auf das Gratisheft dazu immer noch sehr positive Rückmeldungen von Kunden, die laut eigener Aussage ohne das Heft nie auf die Reihe aufmerksam geworden wären. Von daher hat die Aktion auf jeden Fall dazu beigetragen, dass Monster Allergy heute meine bestlaufende Serie ist. Aufgrund des großen Erfolgs habe ich letztes Jahr dann auch noch mal eine 1.000er-Auflage des Gratishefts im etwas kleineren A5-Format nachdrucken lassen, weil man das dann immer ganz gut auf Messen und sonstigen Veranstaltungen verteilen oder auch einfach mal bei Bestellungen anderer Titel als Teaser mit reinlegen kann.

Von daher sind solche Gratishefte immer sehr beliebt. Sie müssen aber natürlich einen gewissen Mehrwert für den Leser bieten, also auch wirklich eine gute Grundlage für den weiteren Kauf der jeweiligen Reihen sein. Wenn das Gratisheft nur eine etwas längere Leseprobe ist, die mitten im Geschehen aufhört, also noch nicht mal zumindest ein vollständiges erstes Kapitel eines Buches präsentiert, ist das für den Leser eher ärgerlich als kaufanregend.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich bin kein Mitglied und interessiere mich auch nicht großartig für dessen Tätigkeiten, da ich im regulären Buchhandel ja sowieso so gut wie nicht vertreten bin. Ich nutze aber natürlich die Services der Börsenvereinstochter MVB, also das Verzeichnis lieferbarer Bücher und den Bezug von ISBNs.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Das dani-books-Programm gliedert sich in zwei größere Bereiche. Das sind zum einen die All-Ages-Titel, die Erwachsenen Spaß machen, aber vor allem auch für Kinder gut geeignet sind. Das Angebot in dieser Richtung wird zwar mittlerweile auch bei anderen Verlagen ein bisschen größer, aber im Vergleich zu beispielsweise Frankreich oder den USA ist das All-Ages-Angebot in Deutschland nach wie vor etwas mau, wenn man mal an Comics außer den üblichen Verdächtigen wie Disney, Simpsons, Asterix, Lucky Luke und eventuell noch Star Wars denkt. Aus dem All-Ages-Programm habe ich noch diverse Titel in Planung, muss aber erst den richtigen Zeitpunkt zum Veröffentlichen abwarten, weil sich dieser Bereich leider in Deutschland etwas schwertut, wenn man nur so eingeschränkte Vertriebsmöglichkeiten wie ich als Kleinstverlag hat. Mein Programm liegt eben vorwiegend in Comicläden aus, welche aber in Deutschland hauptsächlich von eher deutlich älteren Kunden besucht werden, die meistens primär an frankobelgischen Albentiteln interessiert sind und nicht so wirklich an All-Ages-Paperbacks. Von daher muss ich da bei jeder Veröffentlichung gut abwägen, zu welchem Zeitpunkt ich die meisten Leser erreiche. Ein Titel, der an Weihnachten spielt, verkauft sich z. B. naturgemäß besser, wenn er auch Richtung November/Dezember erscheint und nicht mitten im Hochsommer.

dani books_cover kalimboDer zweite Programmbereich von dani books sind die Erwachsenentitel, die vornehmlich aus sich an ältere Leser richtenden US-Comicreihen bestehen. Hierunter fallen z. B. die Danger-Girl-Comics (eine Reihe im Stil von Charlie’s Angels treffen auf James Bond und Indiana Jones), die schon erwähnte exklusive Comicfortsetzung zur Kultserie Akte X („Akte X – Staffel 10“) und auch die eine oder andere Fortsetzung von Reihen, die bislang bei Panini erschienen, dort aber nicht weiter veröffentlicht wurden. So erscheinen bei mir beispielsweise die letzten beiden Bände der Reihe „Fatale“ von Ed Brubaker und Sean Phillips, deren erste drei Bände von Panini verlegt wurden.

Natürlich gibt es auch Titel, die sich in beide Bereiche einordnen lassen. So kommen bei mir dieses Jahr unter anderem die ersten beiden Alben der neuen Abenteuer von „Isnogud“, die sich zwar auch gut als All-Ages-Bände lesen lassen, sich aber vermutlich letztlich doch primär an ältere Leser richten, die bereits die bei Egmont erschienene ursprüngliche Reihe von Goscinny und Tabary gemocht haben.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die größten Chancen habe ich sicherlich dann, wenn ich weiterhin regelmäßig Bände von höchster Qualität veröffentliche und dann im Laufe der Zeit – je mehr Comics erscheinen – hoffentlich auch immer mehr Leser auf zumindest eine der Reihen aufmerksam werden. Hat man erst mal einen meiner Titel entdeckt, ist die Wahrscheinlichkeit gleich schon deutlich höher, künftig dann auch weitere Comics von mir zu kaufen. Außerdem ist es sicherlich ganz gut, dass ich in Deutschland so ziemlich der einzige Comicverlag bin, dessen Programm bereits komplett auch digital vorliegt und in diversen Leseflatrates enthalten ist.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko am Comicverlegen in Deutschland ist immer die schwere Einschätzbarkeit der Verkaufschancen von Titeln. So muss ein Band, der sich beispielsweise in Frankreich oder den USA zigtausendfach verkauft hat, nicht auch automatisch in Deutschland gut laufen. Dafür sind die Comickulturen der jeweiligen Länder einfach zu unterschiedlich. Daher muss ich mein Programm primär auf die Leser ausrichten, die ich mit meinen eingeschränkten Vertriebs- und Werbemöglichkeiten erreichen kann … auch wenn das leider bedeutet, dass der eine oder andere tolle Titel eventuell längere Zeit auf Eis liegt oder vielleicht sogar gar nicht erscheinen kann.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

dani books_cover_taleIch hab eigentlich keinen wirklichen Kontakt zur „Szene“, höchstens mal zu dem einen oder anderen Comicverlag (dort allerdings meistens auch eher zu den größeren, weil ich hauptsächlich für die als Übersetzer tätig bin), von daher kann ich dazu nicht viel sagen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ich kann nicht davon abraten – dafür mache ich es nach wie vor zu gerne, auch wenn ich bislang nichts dran verdiene –, muss aber darauf hinweisen, dass man sich, wenn man denn unbedingt einen Verlag gründen möchte, auf jeden Fall darüber im Klaren sein sollte, dass man lange Zeit erst mal nichts verdienen wird … sofern man ein komplettes Programm aufstellen und nicht nur jedes Quartal mal einen oder zwei Bände neben seinem eigentlichen Job rausbringen möchte. Durchhaltevermögen ist jedenfalls das Wichtigste, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch dann, wenn ein Titel, der einem selbst extrem Spaß gemacht hat, und von dem man auch weiß, dass er objektiv betrachtet wirklich gut ist, mal wieder nur unter 200 Exemplare abgesetzt hat, weil der Handel meint: „Ist nix für meine Kunden.“ Wer auch beim zehnten Mal, wenn so was vorkommt, noch nicht seinen Computer gefrustet in die Ecke schmeißt, sondern sich stattdessen denkt: „Jetzt erst recht! Denen hau ich Titel um die Ohren, bis irgendwas gut läuft!“, der könnte mit einem eigenen Verlag vielleicht richtig liegen. 😉

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich mag das Programm von Schwarzkopf & Schwarzkopf sehr gern und im Comicbereich ist sicherlich der fleißige Herr Schott von Salleck Publications erwähnenswert (sofern es primär um Verlage geht, die noch nicht interviewt wurden).

Vielen Dank für diesen Einblick. BTW: Der ‚fleißige‘ Eckart Schott hat seine Hausaufgaben dankenswerterweise hier bereits gemacht.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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