„Wir verstehen uns als Verlag für bibliophile LeserInnen.“ SteglitzMind stellt Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger von der Edition Krill vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger, die die Wiener Edition Krill gegründet haben. Den Vorschlag machte Ralph Klever vom Klever Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch © Klaus Pichler

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch © Klaus Pichler

Wir, Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger, gründeten die Edition Krill im Sommer 2007 in Wien per Handschlag, um in den Grauzonen der Buchgenres Entdeckungen zu machen.

In der Schnittmenge von Kunst, Literatur und grafischer Umsetzung unternehmen wir, bzw. die Edition Krill, seitdem immer wieder aufs Neue den Versuch, dem Medium Buch inhaltlich wie gestalterisch nahe- und beizukommen und daraus die schönen Eigenheiten des Objektes für den Leser zu entwickeln. Der zentrale Gedanke des Verlages ist sich durch kein Programm festschreiben oder einschränken zu wollen, sondern alle Gattungen und Gebiete der Handhabe Buch als Möglichkeiten offen zu lassen. Der besondere Reiz eines Themas bestimmt, was umgesetzt wird.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Idee zu einem Verlag entstand aus dem immer stärker werdenden Wunsch heraus, Bücher nicht mehr nur zu konsumieren, sondern sie selbst anzutreiben, zu initiieren, sie selbst zu produzieren. Von einem als Konsumenten eher passiven Zugang zum Buch hin zu einem aktiven Zugang als Editor, als Verleger, um sich quasi dem Thema von der anderen Seite her zu nähern.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Letztendlich treibt uns immer wieder die Neugierde an auf das, was sich aus einem konkreten Buchprojekt machen lässt, wie es anfangs gedacht war und wohin es sich im Laufe der Konzeption und Umsetzung dann entwickelt. Ein Bild für uns dazu ist in etwa so, die Kiesel am Ufer eines Bachbettes umzudrehen und nachzusehen, was darunter verborgen ist, und sich dann davon anregen zu lassen. Ähnlich auch die Idee, den Blick abseits des ausgetreten Wegesrandes zu halten und auf das Besondere zu achten, das sich gerne erst auf den zweiten Blick erschließt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Digitalisierung ist für die Edition Krill in dem Sinn nie ein Thema gewesen – und wird es aller Voraussicht nach auch nicht werden –, da für uns die Haptik des Buches im Allgemeinen und in Form von Ausstattung und Papierwahl im Besonderen immer ein zentraler Teil bei der Gestaltung und Umsetzung der Buchprojekte ist.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir verstehen andere Verlage durchaus nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr unsere Edition Krill als eine spannende Bereicherung in der Sparte der Kleinverlage. Was uns von anderen Verlagen unterscheiden mag, ist, dass wir neben unserer Tätigkeit als Verleger, Herausgeber und Gestalter noch einige Seitenarme betreiben, etwa das Projekt »Immer Freitag«, das als wöchentliche Kolumne auf der Webseite der Edition Krill beispielgebend ist für unser Selbstverständnis als Verleger und Buchgestalter.

Ein anderes Beispiel ist die »Ehrenwerte Krill’sche Reisebuchflottille«, zwölf Bücher mit leeren Seiten, die an zwölf ausgesuchte und auf der ganzen Welt verstreute Personen versandt wurden. Mit dem Buch erhielten sie die Aufforderung, etwas in die leeren Seiten einzutragen und das Buch anschließend weiterzuschicken auf die Reise zu neuen Personen. Die anfangs leeren Alben kehren schließlich voller Geschichte und Geschichten zur Edition Krill zurück.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Da wir die Edition Krill nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen gegründet haben und wir somit ganz nach dem Lustprinzip vorgehen konnten, hatten wir die Möglichkeit, recht ungezwungen und mit vielen persönlichen Freiheiten das Projekt zu entwickeln. Das scheint uns auch heute noch richtig so.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Zum Großteil entstehen unsere Projekte über persönliche Verbindungen. Seien das Empfehlungen oder Tipps unserer AutorInnen auf mögliche zukünftige AutorInnen oder auch durch den schönen „Möglichmacher Zufall“, woraus sich schon interessante Projekte ergeben haben.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ganz klassisch via Auslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Grundsätzlich haben wir festgestellt, dass der persönliche Kontakt, gerade für einen kleinen, jedoch recht speziellen Verlag wie uns, enorm wichtig ist. Entsprechend haben wir Kontakt zu einigen ausgesuchten Buchhandlungen, die sich für unsere Bücher interessieren und unser Programm aktiv verfolgen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Unsere Bücher sind via Amazon erhältlich.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

das Logo © Edition Krill

das Logo © Edition Krill

Wir folgen dabei dem Prinzip „Qualität statt Quantität“, nehmen uns die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit für Kontakte und Ankündigungen, halten deren Zahl aber klein.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Wir haben soweit eine gute Zusammenarbeit, allerdings nicht viele Übeschneidungspunkte.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Edition Krill ist für all jene interessant, die neben dem Buchinhalt auch der Buchgestaltung großen Wert beimessen. Wir verstehen uns als Verlag für bibliophile LeserInnen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Für uns war es immer wichtig, unseren Buchprojekten die notwendige Zeit zu geben, sie in unserem Sinne und im Sinne der AutorInnen zu entwickeln. Wir haben das bis heute beibehalten. Die Möglichkeit, bei unseren Projekten auf das Detail Rücksicht nehmen zu können, sehen wir gerade mit Blick auf die Zukunft als besonders wichtig an.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Grundsätzlich ist dabei immer die wirtschaftliche Komponente mitzudenken. Es war uns allerdings von Anfang an bewusst, dass man einen Verlag unserer Ausrichtung kommerziell nur in kleinen Schritten wird denken können.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Vielfalt und Unabhängigkeit in den Programmen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich sehr genau mit der persönlichen Motivation dazu auseinanderzusetzen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Empfehlen möchten wir den Artbook Verlag. Das ist quasi persönlicher Natur, da wir dem Verleger Dennis de Kort schon lange verbunden sind. Einerseits über die Zusammenarbeit bei der Bildreproduktion für eines unserer Buch-Projekte (wo wir seine sehr genaue und bedachte Arbeitsweise näher kennen lernen durften). Andererseits auch deshalb, weil die Edition Krill aus vielerlei Gründen ursprünglich einmal als Teil des Artbook Verlages gedacht war, als eine Art zweite, etwas „freiere“ Schiene zu den Kunstbüchern des Artbook Verlages. Letztlich haben wir uns gemeinsam entschieden, doch separate Projekte entstehen zu lassen. Aber die Diskussionen und Gespräche dabei haben unserer Wertschätzung für das Selbstverständnis von Dennis de Kort als Verleger von Kunstbüchern verfestigt.

Was uns diesbezüglich verbindet, ist der Wunsch nach einer sehr unmittelbaren und aktiven Zusammenarbeit mit allen Beteiligten eines Projektes. Seien das nun AutorInnen wie bei der Edition Krill oder hauptsächlich KünstlerInnen wie bei Artbook. Und abschließend gesagt: So wie wir bei der Edition Krill legt auch Dennis de Kort bei Artbook stets großen Wert auf eine hochwertige und grafisch stimmige Umsetzung seiner Buchprojekte. Dieses Gesamtpaket gefällt uns schlichtweg

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Krill im Netz:

Edition Krill: http://www.editionkrill.at/

Immer Freitag: http://www.editionkrill.at/freitag.html

Die Ehrenwerte Krill’sche Buchflottille: http://log.editionkrill.at/de/

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„Autorinnen und Autoren, Bücher und Texte treiben mich an.“ SteglitzMind stellt Ralph Klever vom Klever Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Ralph Klever und seinen Klever Verlag. Vorgeschlagen hatten das Günter Vallaster von der edition ch und Bernd Schuchter vom Limbus Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Ralph Klever auf der Buch Wien © Klever Verlag

Ralph Klever auf der Buch Wien © Klever Verlag

Der Klever Verlag, 2008 aus der Taufe gehoben, definiert sich etwas kokett als lustvolles Laboratorium für avancierte Gegenwartsliteratur. Mit den beiden Verlagsschienen Essayistik und Literatur versuchen wir programmatisch Texte einzufangen, die über den Status quo heutiger Belletristik wie „Welterfahrung“ reflektieren und mittels originärer Formensprache einen poetischen oder auch poetologischen Beitrag leisten zur unausweichlichen „Ausweitung“ der Literaturzone.

Machen Sie alles alleine?

Der Verleger Ralph Klever ist in Personalunion Programmleiter, Geschäftsführer, Setzer und – meist auch – Lektor. Der Grafiker Eduard Mang ist von Beginn an für die Gestaltung der Bücher und Kataloge verantwortlich.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Ein verlegerischer Höhepunkt 2015 ist die Übersetzung eine Klassikers der französischen Poesie: René Char’s Buch „Suche nach Grund und Gipfel“ wird in der Übersetzung von Manfred Bauschulte im Oktober erstmals auf Deutsch vorliegen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Nachdem ich fast vierzehn Jahre lang für den Ritter Verlag in Klagenfurt als Lektor tätig war und drei Jahre parallel für den Molden Verlag in Wien, schien mir im so genannten „Krisenjahr“ 2008 der Zeitpunkt günstig, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Autorinnen und Autoren, Bücher und Texte begleiten einen und treiben mich an. Man ist „Getriebener“ im Literaturbetrieb, kann aber meist selbst steuern und navigieren.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Im Mittelpunkt steht nach wie vor die Arbeit an den Texten der Vertrieb der Bücher.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Man versucht, als kleiner Literaturverlag ein entsprechend eigenständiges und eigenwilliges Programm auf die Beine zu stellen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Strukturell würde ich kaum etwas anders machen. Sollte ich keinen Literaturverlag gründen, würde fast alles anders aussehen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Man pflegt sein Netzwerk und wirft die Netze mitunter auch in anderen Gewässern aus.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Ganz klassisch: Auslieferungen, Barsortimenter, Vertreter etc. Wobei über alternative Wege immer nachgedacht werden sollte.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich vertraue darauf, dass die Verlagskataloge und Werbebroschüren auch entsprechend wahrgenommen werden. Darüber hinaus wäre die Intensivierung persönlicher Kontakte sinnvoll.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon funktioniert im Vertrieb wie auch die anderen Barsortimenter.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Da wird bisweilen einigermaßen improvisiert. In puncto Marketing könnte man vieles professionalisieren – natürlich nicht ohne zusätzliches Kapital.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Mit dem Hauptverband als Interessensvertretung wurde von Anfang an gut zusammengearbeitet.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Klever macht ganz bewusst ein Nischenprogramm mit anspruchsvoller Literatur, d.h. Essayistik, die sich vom klassischen „Sachbuch“ unterscheidet, Lyrik, die unkonventionell sein darf, Prosa, die sich nicht unbedingt nur als Roman ausgeben muss. etc.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die Hoffnung, dass ästhetisch Randständiges, mitunter Exzentrisches, immer existieren kann.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das ökonomische Risiko, einen Literaturverlag zu betreiben, wird naturgemäß immer ein Thema bleiben.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Die Buntheit, Vielfalt, Risikofreudigkeit…

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Gerade in der Startphase sollten kalkulatorisch neben den Herstellungskosten für die Bücher gerade nicht die Kosten für die Infrastruktur insgesamt vernachlässigt werden.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hab in der Liste kurz nachgesehen und bemerkt, dass etwa die Edition Krill aus Wien noch nicht genannt wurde: Die möchte ich gerne empfehlen.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Klever Verlag im Netz:

www.klever-verlag.com

„Wir stehen mit jedem neuen Titel neu am Start, das ist unser Konzept.“ SteglitzMind stellt Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner von der Edition Haus am Gern vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner, die die Edition Haus am Gern verantworten. Vorgeschlagen hatte das Hartmut Abendschein von der edition taberna kritika.

Eine Skizze vom Verlag …

das Logo © Edition Haus am Gern

das Logo © Edition Haus am Gern

Die Edition Haus am Gern, gegründet 2001 von Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner, verlegt Bücher aus dem Einzugsgebiet der bildenden Kunst. Ausgestattet mit einem Preis für die schönsten Bücher der Schweiz 2004 zeigt Edition Haus am Gern ihre sorgfältig gestalteten Verlagsprodukte vorwiegend an Kunstbuchmessen wie z.B. «I Never Read» in Basel, «Salon für Kunstbuch» in Wien, «EDiciON» in Biel, «Publishers Table» in Zürich, beliefert aber auch spezialisierte Buchhandlungen und Museums-Bibliotheken. Unsere Titel haben kein Ablaufdatum und sind alle seit 2001 aktuell geblieben. Die neuesten Titel sind Giacomo Bianchetti’s subversives Fotobuch CAN I ? Matthias Wyss’s fulminantes Werk TAGESLICHT, Vreni Spieser’s «Legend Of The Things», das sie von einer sehr, sehr langen Reise zurückgebracht hat, und Erik Dettwilers «Dispositions: Like Ephemeral Fibers on a City Map», ebenfalls ein künstlerischer Reisebericht der eigenen Art.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Eigentlich möchten wir nur unsere Kunst unter dem Label Haus am Gern machen. Wenn da die Edition nicht wäre. Aber sie ist nun mal da. Seit 15 Jahren. Gegründet wegen einem einzigen schmalen Lyrik-Bändchen, denn dieses Lyrik-Bändchen fand keinen Verlag, seine Publikation drängte sich aber auf. Der Autor ist heute mehrfach preisgekrönt – und die edition Haus am Gern ein Verlag, denn wir sind auf den Geschmack gekommen. So sind fast nebenbei ein paar leichte und ein paar schwere Bücher entstanden, Liebhabereien und Schnellschüsse, Eigenes und Fremdes, haarscharf am Markt vorbei und trotzdem am Rande des Nervenzusammenbruchs produziert.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus der gezielten Ignoranz gegenüber markt- und marketingstrategischen Überlegungen. Wir sind keine Unternehmer, sondern Künstler, und verstehen unser Verlagstätigkeit als Förderung für das Künstlerbuch. Jede Publikation und die Zusammenarbeit mit den Autoren/ Künstlern bereichert unser eigenes Schaffen – wir handeln also auch eigennützig. Unser Verlag ist Luxus pur, und wer will das nicht?

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Vorgehensweise optimiert sich aufgrund unserer wachsenden Erfahrung, aber jeder Titel wartet mit neuen gestalterischen, drucktechnischen und konzeptuellen Herausforderungen auf. Bisher wurde keiner unserer Titel digital herausgegeben, das wird aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir lassen uns auf Trab halten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Die Edition Haus am Gern ist nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung in der Verlagslandschaft. Wir verstehen unsere Titel als konzeptuelle Sammlung, die sich laufend erweitert. Der Luxus der Unabhängigkeit erlaubt uns, uns und unseren Autorinnen und Autoren Zeit zu lassen, um ein gutes Projekt zu schaffen, das seinen eigenen Regeln folgt. Da wir hauptsächlich Künstlerbücher herausgeben, ist jede Produktion eigenständig und Format, Grafik, Drucktechnik, Bild und Text bilden eine künstlerische Einheit. Obwohl die Mittel immer sehr begrenzt sind, können sich die Resultate sehen lassen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Barbara Meyer Cesta © Edition Haus am Gern

Barbara Meyer Cesta © Edition Haus am Gern

Wir stehen mit jedem neuen Titel neu am Start, das ist unser Konzept.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Diese kommen in der Regel zu uns, weil sie bei uns nicht nur verlegerische, sondern auch künstlerische, und konzeptuelle Begleitung erhalten und sich mit dem Verlagskonzept identifizieren können. Wir regen aber auch vereinzelt Künstler zu einer Publikation an.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Von der Nische zum Publikum… Wichtig ist die Präsenz an Buchmessen, bei Ausstellungen, in ausgewählten und wohlwollenden Buchhandlungen. Daneben pflegen wir unsere Website und machen ab und zu Veranstaltungen zu Neuerscheinungen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Unsere Titel sind nicht immer regalkonform und keine Bestseller und müssen mit einem gewissen Aufwand an Beratung verkauft werden. Das trübt das Verhältnis zum Buchhandel. Zudem haben wir nicht immer gute Erfahrungen gemacht, wenn wir Bücher in Kommission gegeben haben.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Bisher keinen Versuch gemacht und haben es auch nicht vor.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Eine gute Pressearbeit ist schon fast ganz die halbe Miete. Die Präsenz an Independent-Messen – von denen wir eine bei uns in Biel/Bienne ins Leben gerufen haben – die andere Hälfte. Den Rest macht unser Ruf.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Gar nicht.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Rudolf Steiner © Edition Haus am Gern

Rudolf Steiner © Edition Haus am Gern

In unserer Nische stehen Bücher für ein waches, verspieltes und anspruchsvolles Publikum.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In dieser Nische. Die kann sich auch noch ausdehnen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Wir sind kein kommerzieller Verlag und meist auf öffentliche Gelder angewiesen. Solange wir unsere Produkte finanzieren können und sie ein Publikum finden, liegt das Risiko allein bei unserer Nervenstärke.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Wir geben grundsätzlich keine Ratschläge.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Der gesunde Menschenversand, Luzern

Herzlichen Dank für diesen Einblick. Matthias Burki war bereits so freundlich, seinen Verlag hier vorzustellen.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Edition Haus am Gern im Netz:

Die Homepage

Die kleine Bieler Büchermesse, die wir ins Leben gerufen haben, bei Facebook

Der vielsprachige öffentliche Bücherschrank in Biel/Bienne, der ebenfalls auf unserem Mist gewachsen ist

„Ein Verlag wird immer auch an den Leistungen der Vergangenheit gemessen.“ – SteglitzMind stellt Josef Felix Müller vom Vexer Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Josef Felix Müller und seinen Vexer Verlag mit Sitz in St. Gallen und Berlin. Vorgeschlagen hatten das Beatrice Maritz und Andreas Grosz von der edition pudelundpinscher.

Wie kam es zur Gründung?

Josef Felix Müller mit Tochter Vera Ida Müller © privat

Josef Felix Müller mit Tochter Vera Ida Müller © privat

Die Idee zur Gründung vom Vexer Verlag entstand 1984 in einer Atelierwohnung in Paris. Josef Felix Müller lebte damals zusammen mit seiner Frau Monika und der gemeinsamen Tochter Vera Ida ein Jahr lang in Frankreich. 1985, nach der Rückkehr in die Schweiz entstand die Schriftenreihe Vexer Nummer 1 – 10. Die sehr unterschiedlichen Texte von Künstlern, Kunstvermittlern, Musikern und Laien wurden in Blei gesetzt, im Buchdruckverfahren gedruckt und zusammen mit Freunden von Hand gebunden und fadengeheftet. In der Folge entstanden viele Bücher, Editionen, Videos, musikalische Produktionen, Multiples etc.

Das Profil?

Bei den über 150 publizierten Projekten, die seit 1985 im Vexer Verlag realisiert worden sind, handelt es sich ausschließlich um Kooperationen zwischen Kunstschaffenden und dem Künstler und Verleger Josef Felix Müller.

Der Vexer Verlag hat auch einen Sitz in Berlin …

Als Erweiterung vom Schweizer Hauptsitz in St. Gallen eröffnete Vera Ida Müller, ebenso Künstlerin und Verlegerin, 2014 das Vexer Verlag Büro Berlin. Josef Felix Müller und Vera Ida Müller verstehen ihre verlegerische Tätigkeit als Teil ihrer eigenen künstlerischen Auseinandersetzung, als eine Art des persönlichen Fortschreibens der eigenen Fragestellungen durch den Austausch mit künstlerischen Positionen. Die Motivation liegt darin, inhaltliche Fragen durch ein gemeinsam mit den Künstlern und Künstlerinnen konzipiertes, multiplizierbares Produkt zu erkennen, zu klären, adäquat umzusetzen und zu vermitteln.

Machen Sie alles alleine?

Vexer_Liechti_Klartext (2)Für die Realisierung der Projekte pflegen wir einen grossen Pool von Mitarbeitenden, ein freischaffendes Team, bestehend aus Grafikerinnen und Grafikern, Lektorinnen, Korrektorinnen, Fotografen, Druckereien, Buchbindereien etc. aus ganz Europa.

Wir sind in den letzten Jahren immer wieder großzügig unterstützt worden durch Stiftungen, Gemeinden, Kantone und durch private Förderung. Unser Netzwerk und die gute Zusammenarbeit mit interessierten Buchhändlerinnen und Buchhändlern ermöglichen es uns, unsere Projekte international zu vertreiben. – Die effizienteste und schönste Förderung aber ist für unseren Verlag die Stammkundschaft von Sammlerinnen und Sammlern sowie Bibliotheken, die unsere Bücher regelmässig erwerben.

Ihre persönlichen Highlights?

Als Highlights möchte ich Peter Liechti nennen mit den beiden Büchern „Lauftext“ und „Klartext“, das alle Gespräche beinhaltet, die der Filmer kurz vor seinem Tod mit seinen Eltern geführt hat und die dann im Film „Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern“ verwendet wurden.

Ganz neu ist jetzt ein literarisches Portrait erschienen von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller. Die sehr eigenwillige und emanzipierte 86-jährige Künstlerin erzählt darin über ihr frei bestimmtes Leben. Sie war befreundet mit Meret Oppenheim, Jean Tinguely, Daniel Spörri, Sam Franzis usw. Lilly Keller ist eine außergewöhnliche Frau, die noch heute unbeirrt ihre Kreativität auslebt.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Bücher waren für mich schon in jungen Jahren überlebenswichtig. Ich konnte durch das Lesen in fremde Welten eintauchen, den Alltag vergessen und Abenteuer erleben, für die ich im realen Leben viel zu ängstlich war.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Die Vorstellung, dass man durch Bücher fremde Menschen an persönlichem Empfinden teilhaben lassen kann finde ich großartig. Wenn mir etwas gefällt, möchte ich es mit möglichst vielen Menschen teilen können.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Das Büchermachen ist sehr viel einfacher geworden. Die digitale Zeit bringt aber mit sich, dass viele Menschen denken, dass sie keinen materiellen Balast mehr brauchen und dass sie alles zu jeder Zeit vom Netz herunterladen können. Für mich ist aber das Haptische, das Greifbare enorm wichtig. Ohne diese Körperlichkeit kann ich mir das reale Leben nicht vorstellen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Vexer_PeterLiechti_Lauftext_CoverIch mache nur das, was mich persönlich berührt und interessiert. Alles muss mit meinem Leben verbunden sein. Somit kann es eigentlich gar keine Konkurrenz geben.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich kann immer nur in der Gegenwart reagieren. Ich überdenke meine Aktivitäten immer wieder. Bei mir ist eigentlich jeder Tag ein Neubeginn.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Die meisten Künstlerinnen und Künstler sind sehr glücklich, wenn ich sie anfrage für ein Projekt. Ich muss viel mehr Autorinnen und Autoren enttäuschen, die etwas mit mir machen wollen, das ich nicht will.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir machen alles selber. Ich in St.Gallen und meine Tochter in Berlin. So bleibt mehr Geld im Verlag. Für einen kleinen Verlag sind die professionellen Vertriebsangebote viel zu teuer. Ich muss für jedes Buchprojekt ein neues Publikum finden. Die wichtigsten Kunden kommen aus dem sozialen Umfeld der Künstler. Dann gibt es aber auch immer mehr interessierte Sammler, die das ganze Programm haben wollen. Das sind dann immer Freudentage.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Für Kunstbücher gibt es immer weniger interessierte Buchhandlungen. Der Markt ist sehr klein und regional beschränkt. Das heißt, dass ich für jedes Buch die geeigneten Partnerbuchhandlungen finden muss. Ich bin nun seit dreißig Jahren als Verleger tätig. Da entstehen richtige Freundschaften und das ist wichtig im Buchhandel.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Ich habe noch nie ein Buch bei Amazon gekauft. Die bezahlen keine Steuern und die Mitarbeitenden werden sehr schlecht bezahlt. Dieses Gebaren ist Gift für die Buchkultur.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Für Werbung habe ich kein Geld. Die richtigen Bücher zur richtigen Zeit sind die beste Langzeitwerbung.

Wie halten Sie es mit dem Schweizer Buchhändlerverband?

Ich bin seit zwei Jahren im Schweizer Buchhändler und Verleger Verband SBVV. Berufsverbände sind sehr wichtig, um politisch etwas bewegen zu können. Für Kleinverlage ist aber der Mitgliederbeitrag viel zu hoch.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Ich möchte ganz nahe bei den Künstlerinnen und Künstlern sein, die ein Projekt im Vexer Verlag machen. Ich glaube, als Kleinverlag die so sehnlich gewünschte Intimität und Einzigartigkeit zu bieten, die gute Bücher brauchen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Vexer_LillyKeller_CoverDie größte Chance ist die Zeit, die vergeht. Ein Verlag wird immer auch an den Leistungen der Vergangenheit gemessen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Bestseller sind eine große Gefahr für einen Kleinverlag. Schon viele gute Verlage sind daran gescheitert.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Unabhängiges Denken und Handeln sind die Basis von kultureller Arbeit.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Klein und fein beginnen und klein und fein halten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich mag den Mark Pezinger Verlag in Wien und den Mitbegründer Thomas Geiger.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Vexer Verlag im Netz:

www.vexer.ch