Berliner Buchhändler und Attac starten Aktion gegen TTIP

Zum Start der EU-weiten Aktionswoche gegen die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta und TISA konnte Attac Berlin zahlreiche Berliner Buchhandlungen für die bundesweite Kampagne Ich bin ein Handelshemmnis gewinnen. In den Schaufenstern informieren die teilnehmenden Buchhandlungen darüber, welche dramatischen Auswirkungen die Freihandelsabkommen auf den deutschen Buchmarkt haben würden.

Der Text auf den Plakten lautet: „Hier wollen wir Sie auch weiterhin über Neuerscheinungen – wie jetzt von der Frankfurter Buchmesse – informieren. Aber es droht Gefahr! Das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA bedroht die Buchpreisbindung – und damit die Existenz Ihrer Lieblingsbuchhandlung in Ihrem Kiez. Ein irreparabler Schaden für AutorInnen, LeserInnen und den Buchhandel. Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift in der bei uns ausliegenden Liste, TTIP und andere ‚Frei’handelsabkommen zu verhindern.“

Zur Aktion in Berlin einige Stimmen:

Günter Sölken von Attac-Berlin: „TTIP & Co. sind ja nicht nur auf den Abbau von Zöllen gerichtet, sondern mehr noch auf die Beseitigung sogenannter Handelshemmnisse und eins davon ist die deutsche Buchpreisbindung. Wenn sie fällt, werden sowohl der mittelständische Buchhandel als auch die Leserschaft dafür einen hohen Preis zahlen müssen.“

Handelshemmnis-Button

Logo © Attac

„Wenn die Buchpreisbindung fällt, wird sich das Buchhandelssterben weiter beschleunigen. Branchengiganten wie Amazon können dann eine Preisschlacht starten, bei der die Kiezbuchhandlungen und sogar die Ketten schwerlich mithalten können. Hier ist ein Verdrängungs- und Vernichtungsfeldzug zu befürchten. Selbst die Verlage werden betroffen sein, und so ist zu befürchten, dass die Vielfalt des literarischen Angebots leiden wird.“ So Jörg Braunsdorf, Inhaber der Tucholsky-Buchhandlung in Mitte.

„Bücher sind keine Ware, sondern Kulturgut“, sagt Astrid Westhoff, stellvertretende Landesbezirksleiterin Ver.di Berlin-Brandenburg.  Wenn kleine Buchhandlungen vom Markt verdrängt werden, fallen Arbeitsplätze weg. Kunden, die vor Ort auf Beratung angewiesen sind, finden nur noch Mainstream. Selbst öffentliche Bibliotheken werden womöglich ihre Buchbestellungen nach dem Vergaberecht ausschreiben müssen.“

„Mancher mag glauben, dass ein Wettbewerb über den Preis letztlich die Leser erfreuen müsste. Das ist leider ein Fehlschluss. Insgesamt sollte die Debatte um die Auswirkungen des TTIP-Abkommens die deutsche und europäische Kulturwirtschaft stärker fokussieren. Denn hier liegen die größten Gefahren!“, warnt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats.

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Informationen und Materialien zur Aktion „Ich in ein Handelshemmnis“ gibt es hier

Informationen des Deutschen Kulturrates zu den Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TISA kann man hier tagesaktuell nachlesen

Zu einem Gespräch mit Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung geht es hier

 

 

 

Herr Braunsdorf, was meinen Sie, was wäre zu tun, damit der Buchhandel zukunftsfähig bleibt?

Zoë Beck, Lorenz Borsche, Boris Langendorf und Stefan Weidle standen mir im Vorfeld der Diskussionsrunde „Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ dankenswerterweise hier Rede und Antwort. Nun kann man sich fragen, warum ich nicht auch beim Initiator der Veranstaltung, Jörg Braunsdorf, nachgehakt habe?

Hab‘ ich! Der Beitrag ist gestern in der Rubrik Das Sonntagsgespräch bei Buchmarkt online erschienen.

Logo © Tucholsky-Buchhandlung

Logo © Tucholsky-Buchhandlung

 

Die Gesprächsrunde, von der Jörg Braunsdorf sich auch Signale an die Politik und den Börsenverein für den deutschen Buchhandel erhofft, findet am Dienstag, den 3. Juni 2014, um 19.00 Uhr in der Tucholskystr. 47 in Berlin/Mitte in der Tucholsky-Buchhandlung statt. Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung, entweder per E-Mail  [kurt(at)buchhandlung-tucholsky(dot)de] oder via Facebook, wird gebeten.

Gäste sind: Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Politikwissenschaftler, Redakteur der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ und Autor von „Amazon. Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung).

„Wir sollten unser System nicht nur verteidigen, sondern es vielmehr offensiv propagieren!“ Im Gespräch mit Stefan Weidle

???????????????????????????????Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ – so ist eine Diskussionsrunde überschrieben, mit der SteglitzMind indirekt verbandelt ist. Und zwar insofern als die Gespräche mit Buchhändlern/innen, die ich seit letztem Sommer führe, dafür Pate standen. In seinem Beitrag kündigte der Inhaber der Berliner Tucholsky-Buchhandlung Jörg Braunsdorf an, die Fragestellungen der Interviewreihe anderenorts vertiefen zu wollen. Seinen Worten folgen nun Taten. Die Diskussionsrunde, von der Braunsdorf sich auch Signale an die Politik und den Börsenverein für den deutschen Buchhandel erhofft, findet am Dienstag, den 3. Juni 2014, um 19.00 Uhr in der Tucholskystr. 47 in Berlin/Mitte in der Tucholsky-Buchhandlung  statt.

Gäste sind: Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Politikwissenschaftler, Redakteur der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ und Autor von „Amazon. Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung).

Ich erwarte mir im Vorfeld der Berliner Buchtage, die übrigens Tags darauf beginnen, eine spannende Diskussion, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung, entweder per E-Mail  [kurt(at)buchhandlung-tucholsky(dot)de] oder via Facebook, wird gebeten.

Als Appetizer gibt es auf SteglitzMind vorab Gespräche mit einigen Gästen, die das Podium bestreiten werden.

Heute – Stefan Weidle

„Es geht um das Buch“ – steht auf dem Best-of-Katalog der Kurt-Wolff-Stiftung und neuerdings auch auf knallroten Stofftaschen, die auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse erstmals am Stand der Stiftung zu haben waren. Die Assoziation liegt nahe, dass das Buch gefährdet ist. Wie sehr sorgen Sie sich darum?

Als wir den Slogan erfanden, das muß 2006 gewesen sein, hatten wir noch keine Gefährdung des Buches dabei im Blick. Es ging uns da eher um die Wurst, bzw. die Assoziation zu dieser. Freilich könnte man den Satz, wie Sie, heute anders verstehen, und ich sorge mich zwar nicht um das Buch, verfolge aber manche Entwicklung rund um das Buch mit Sorge, etwa die Wahrnehmung des Buches als bloßer Content, bei dem es egal ist, in welcher Form er rezipiert wird. Ein Buch ist ein Zusammenklang von mehreren Elementen: Die Wahrnehmung dafür tritt unseligerweise mehr und mehr in den Hintergrund.

Stefan Weidle  © Jürgen Eis

Stefan Weidle © Jürgen Eis

Offenbar ist Amazon ja nicht nur der größte Feind des Buchhandels. Für den Buchhändler scheint der Riese aus Seattle auch die einzige Gefahr zu sein? Ist das nicht zu eng gedacht?

Amazon ist nicht nur der Feind des Buchhandels. Amazon ist der Feind unserer gelebten Kultur, die doch zu einem großen Teil aus den Begegnungen in den Städten besteht, aus dem Flanieren. Wir binden uns durch unser gemeinsames Leben in Städten und Dörfern zusammen, betrachten einander und vergleichen. Nur wo wir zusammentreffen, sind wir das Volk (wer mag schon in verödeten Innenstädten demonstrieren, wo alle Schaufenster längst von selbst zerbrochen sind?). Wenn es Amazon und Konsorten gelingt, den Einzelhandel auszumanövrieren, dann ist das ein Ende für vieles, worauf wir uns gründen. Aber es ist ja nicht nur Amazon, es ist der Slogan der Nemesis: Geiz ist geil. Wenn wir auf andere Werte als Geld Wert legten, könnte man den Untergang noch aufhalten. Aber sobald heute drei Menschen irgendwo zusammenkommen, werden Preise verglichen. Der Preis hat längst den inneren Wert der Ware ersetzt. Etwas ist nicht den Nutzen wert, den es bringt, sondern den Betrag, den es gekostet hat. Also zu Ihrer Frage zurück: Der gesamte Online-Handel ist der Feind.

Die Angst ist groß, dass die Buchpreisbindung mit dem transatlantischen Freihandels­abkommen fallen könnte. Könnten denn freie Preise nicht sogar eine Belebung des Buchmarktes zur Folge haben?

Wenn die Preisbindung fällt, schließe ich drei Monate später meinen Verlag. Ich jogge zurzeit gelegentlich mit einem Briten, der mir in den wärmsten Farben schilderte, was in seinem Land nach Aufhebung der Preisbindung passiert ist. Die Bücher wurden sehr viel teurer, und die Buchhandlungen machten sich auf den Weg über die Wupper – auch wenn die nicht durch Großbritannien fließt. Nein, freie Preise sind keine Belebung, eher eine Betodung des Buchmarktes. Schauen Sie nach Israel, dort war der Buchmarkt wegen des Preiskampfes zweier Ketten so unter die Räder gekommen, dass der Staat die Autorenhonorare übernehmen musste. Um den Komplettzusammenbruch zu verhindern, hat man die Preisbindung eingeführt. Wir sollten unser System nicht nur verteidigen, sondern es vielmehr offensiv propagieren! Die Schweiz wird schon bald die Früchte ihres Wahnsinns ernten, denn der stationäre Buchhandel wird es kaum auf Dauer überleben, dass Amazon jedes deutschsprachige Buch (also auch Bücher aus Schweizer Verlagen) mit 20% Rabatt auf den Ladenpreis portofrei in die Schweiz liefert. Natürlich ein Verlustgeschäft für Amazon (geliefert wird von DHL – deren Rolle beim bösen Spiel wird überhaupt nie hinterfragt), aber es geht ja nicht um kurzfristigen Gewinn, sondern um den Aufbau einer Monopolstellung. Man könnte sich wehren: Was, wenn jeder Schweizer bei Amazon ein Reclam-Bändchen bestellt und es sofort zurückschickt? Auch die Schweizer wären das Volk, wenn sie es denn sein wollten.

Selfpublishing ist in aller Mund; inzwischen satteln auch etablierte Verlage auf. Wie schätzen Sie das ein: Nur ein Hype oder ein langfristiger Trend, der den Buchmarkt umstülpt?

Ich beschäftige mich nicht damit. Wie gesagt, ist ein Buch für mich mehr als Content. Gut daran aber ist, dass die Bezahlverlage dadurch ihr Geschäft verlieren.

Neben Kleinstverlagen drängen zunehmend auch Labels von Selfpublishern auf den Markt, die den Käufer vermuten lassen, dass ein Verlag dahinter steht. Was halten Sie davon?

Ist mir noch nicht untergekommen. Aber: Niemand wird aus freien Stücken Selfpublisher. Man sucht doch immer zuerst einen Verlag. Und wenn jemand das Buch eines Selfpublishers für ein traditionell verlegtes Buch hält, ist das doch nur recht. Bücher sollen gelesen werden, egal auf welchem Weg sie in die Welt kommen. Wenn das Buch gut ist, spielt es keine Rolle, was auf dem Buchrücken steht.

Bei den Gesprächen mit Buchhändlern/innen für SteglitzMind konnte ich mich verschiedentlich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Sortimenter bisweilen Publikationen aus Independent Verlagen und Titel von Selfpublishern in einen Topf wirft. Machen Sie ähnliche Erfahrungen? Und wenn ja, halten Sie das womöglich für problematisch?

Nein, diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht. Ich glaube nicht, daß Selfpublisher Buchhandelsvertreter und eine professionelle Auslieferung haben. Ein Sortimenter, der nicht jeden Morgen unmittelbar nach dem Aufstehen gegen seinen Schrank läuft und anschließend die Beule mit dem Klammerbeutel überpudert, kann das unterscheiden.

Die Zugehörigkeit zur Kurt-Wolff-Stiftung ist für Verlage ja quasi auch ein Gütezeichen. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Verzeichnen Sie im Zuge der Entwicklung, dass immer mehr Kleinstverlage entstehen, verstärkt Anträge auf eine Mitgliedschaft?

Ja, wir bekommen mehr Anträge als früher. Was uns zeigt, dass wir gelegentlich auch mal was richtig gemacht haben. Wir haben eine Kriterienkatalog auf unsere Website gestellt, und wer alle diese Kriterien erfüllt, wird automatisch in den Freundeskreis der KWS aufgenommen. Bei der Aufnahme in den Katalog entscheidet das Kuratorium der Stiftung (dem kein Verleger angehört), wer dafür qualifiziert ist; und natürlich wird immer wieder rotiert, auf die Dauer wird jeder Verlag auch mal aussetzen müssen. Mehr als 65 Verlage können wir im Katalog nicht präsentieren.

Als Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung sprechen Sie sich schon länger für eine staatliche Förderung engagierter Buchhandlungen aus. Jetzt kündigte Kulturministerin Monika Grütters an, den unabhängigen Buchhandel finanziell unterstützen zu wollen. Was versprechen Sie sich davon?

Das muss ich präzisieren: Es geht nicht um eine staatliche Förderung, also um Subventionen. Es geht darum, Buchhandlungen, die sich als kulturell wichtiger Ort etabliert haben, dafür mit einer Prämie auszuzeichnen, also analog den Auszeichnungen für die Programmkinos. Kulturell wichtige Buchhandlungen sind solche, die das Gespräch über Kultur ermöglichen. Wenn nämlich über Kultur nicht mehr gesprochen wird, stirbt sie. In vielen kleineren Orten findet Kultur, bzw. eine Debatte über Kultur, allein in Buchhandlungen statt; das muss so bleiben und sich noch verstärken. Und eine »vielfältige Verlags- und Literaturszene«, zu deren Förderung die KWS angetreten ist, findet kaum in Buchhandelsketten statt, sondern im inhabergeführten unabhängigen Buchladen. Natürlich geht es auch darum, die flächendeckende Versorgung mit Literatur zu sichern. Ich verspreche mir davon, dass Buchhandlungen nicht mehr in erster Linie als Warenumschlagplätze angesehen werden, sondern als staatlich anerkannte kulturelle Einrichtungen; diese Buchhandlungen bekommen dann ein Label an die Tür oder das Fenster, das darauf hinweist. Diese Plakette können auch Buchhandlungen bekommen, die nicht unabhängig oder zu umsatzstark für eine Prämie sind, aber ein gutes Kulturprogramm anbieten.

Von der Gesprächsrunde in der Berliner Tucholsky-Buchhandlung, bei der Sie am 3. Juni ebenfalls Gast sind, erhofft sich der Veranstalter Jörg Braunsdorf ein Signal in Richtung Politik und Börsenverein. Wo sehen Sie in diesem Kontext besonderen Nachholbedarf?

In Richtung Politik erhoffe ich mir ein wachsendes Bewusstsein für die Wichtigkeit des Buchhandels für unsere Kultur (jenseits derer die Verrohung lauert). In Richtung Börsenverein habe ich wenig zu sagen, da ich mit diesem konstruktiv und vertrauensvoll bei der Gestaltung des Prämiensystems für den unabhängigen Buchhandel zusammenarbeite.

Wenn Sie drei Wünsche an den Buchhandel frei hätten. Welche wären das in Ihrer Funktion als Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung? Und welche für Ihren Weidle-Verlag, mit dem Sie sich seit über 20 Jahren vorrangig um die Exilliteratur verdient gemacht haben?

Als KWS: 1. Mehr Einsatz für unabhängige Verlage. 2. Kein eigenes Indie-Regal, wir wollen nicht die armen Verwandten sein. Wenn unsere Bücher neben den uniformen Konzernprodukten liegen, sieht man erst, wieviel individueller sie gemacht und gestaltet sind. 3. Permanente Präsentation unseres Katalogs »Es geht um das Buch«. Die Kunden nehmen ihn sehr gerne mit, er muss nur sichtbar zur Mitnahme ausliegen.

Als Weidle Verlag (der übrigens inzwischen viel mehr macht als Exilliteratur): 1. Termine mit unseren Vertreterinnen. 2. Mehr Bestellungen von Leseexemplaren (unsere Bücher verkaufen sich leichter, wenn man sich davon überzeugt hat, dass sie überzeugend sind). 3. Verkauf ausschließlich unserer Bücher in gewaltigen Stückzahlen.

Es scheint im Trend zu liegen, sich die Buchhandlung der Zukunft auszumalen. Wie sieht Ihre persönliche Vision aus?

Meine Vision ist schon Bonner Realität und heißt Buchhandlung Böttger. Dort finde ich immer wieder Titel aus Verlagen, die selbst ich nicht kannte. Und treffe Autoren, die aus Mangel an kommerziellem Potential anderswo gar nicht erst eingeladen werden. Letzte Woche etwa Alfred Goubran, einen Wiener Autor, der einen großartigen Roman, »Durch die Zeit in meinem Zimmer«, bei Braumüller publiziert hat. Hand aufs Herz, Ihr Buchhändler: Wer kennt den, und wer hätte ihn eingeladen?

Ich wünsche mir in erster Linie von einer Buchhandlung, dass der Buchhändler belesener ist als ich selbst und mir Tipps gibt, für die ich ihm immer dankbar sein werde. – S. Corinna Bille hätte ich ohne meinen Buchhändler vermutlich nicht entdeckt, ebenso wenig Giovanni Orelli, von dem ich inzwischen sogar ein Buch publiziert habe (das im Impressum ein Dankeschön an Alfred Böttger enthält). Das ist meine Buchhandlung der Gegenwart, und meine Buchhandlung der Zukunft wünsche ich mir ganz genau so. Und ich weiß, dass es hierzulande Buchhändler gibt, die sich in diese Richtung bewegen.

Vielen Dank, Herr Weidle. Ich freue mich auf unsere persönliche Begegnung am 3. Juni in der Tucholsky-Buchhandlung.

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Am Sonntag, den 1. Juni,  könnt Ihr beim Buchmarkt ein Gespräch mit dem Initiator der Veranstaltung, Jörg Braunsdorf, lesen.

Zum Gespräch mit Lorenz Borsche von eBuch geht es hier, Zoë Beck  steht mir im Zusammenhang mit der Diskussionsrunde „Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ hier Rede und Antwort und zu den Antworten von Boris Langendorf geht es hier

 

„Der Buchhandel wird dieses Geschäft anders betreiben als früher, aber er wird es weiter tun.“ Im Gespräch mit Boris Langendorf

???????????????????????????????Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ – so ist eine Diskussionsrunde überschrieben, mit der SteglitzMind indirekt verbandelt ist. Und zwar insofern als die Gespräche mit Buchhändlern/innen, die ich seit letztem Sommer führe, dafür Pate standen. In seinem Beitrag kündigte der Inhaber der Berliner Tucholsky-Buchhandlung Jörg Braunsdorf an, die Fragestellungen der Interviewreihe anderenorts vertiefen zu wollen. Seinen Worten folgen nun Taten. Die Diskussionsrunde, von der Braunsdorf sich auch Signale an die Politik und den Börsenverein für den deutschen Buchhandel erhofft, findet am Dienstag, den 3. Juni 2014, um 19.00 Uhr in der Tucholskystr. 47 in Berlin/Mitte in der Tucholsky-Buchhandlung  statt.

Gäste sind: Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Politikwissenschaftler, Redakteur der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ und Autor von „Amazon. Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung).

Ich erwarte mir im Vorfeld der Berliner Buchtage, die übrigens Tags darauf beginnen, eine spannende Diskussion, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung, entweder per E-Mail  [kurt(at)buchhandlung-tucholsky(dot)de] oder via Facebook, wird gebeten.

Als Appetizer gibt es auf SteglitzMind vorab Gespräche mit einigen Gästen, die das Podium bestreiten werden.

Heute – Boris Langendorf

Sie analysieren und kommentieren die Entwicklungen auf dem Buchmarkt seit fast vier Jahrzehnten. Anfangs beim Buchreport, dann für den eigenen buchhändlerischen Informationsdienst. Was trieb Sie in all den Jahren besonders um?

Boris Langendorf © privat

Boris Langendorf © privat

Die fast 25 Jahre bei „buchreport“ waren eine Zeit, in der ich einen spannenden Beruf und eine faszinierende Branche genoss. Zur Gründung von „Langendorfs Dienst“ kam es dann, weil ich die Tätigkeit des Chronisten mit einer echten Aufgabe tauschen wollte: dem unabhängigen Buchhandel zu helfen, im Wettbewerb besser zu bestehen.

Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen ein? Sorgen Sie sich um den Buchhandel? Etwa gar um das Kulturgut Buch?

Warum? Qualitative Information ist ein Grundbedürfnis, das wichtiger wurde und noch wichtiger wird. Den kompetenten Zugang zu dieser Information zu verschaffen dient diesem Grundbedürfnis, hat also ebenfalls Zukunft. Der Buchhandel wird dieses Geschäft anders betreiben als früher, aber er wird es weiter tun. Und das Medium Buch? Auch das entwickelt sich, aber warum sollte ich einem E-Buch von vornherein die Eigenschaft als „Kulturgut“ absprechen?

In den Debatten um die Zukunft der Buchhandlungen beruft man sich gerne auf drei große Bs: Bibliographieren, Beschaffen, Beraten. Bibliographieren und Beschaffen sind im Zeitalter des WWW keine große Kunst mehr. Und Beratung im Sinne von Buchempfehlungen findet man ebenfalls zu Hauf im Netz. Sind die buchhändlerischen Kernkompetenzen nicht längst old school?

Nein. Bibliografieren und Beschaffen kann der Buchhändler nicht mehr exklusiv, aber wenn er es anbietet, warum sollte der ungeübte Kunde das selbst machen? Und selbst wenn, schadet das niemandem. Denn die Beratung wird mit der wachsenden Flut nicht einschätzbarer Informationen für den Laien immer bedeutender. Buchempfehlungen von Lieschen Müller sind keine Beratung, sondern Teil des Informationsgestrüpps.

 Eine feste Rubrik in Langendorfs Dienst ist die „Leuchtturm“-Buchhandlung des Monats. Was bringt eine Buchhandlung zum Leuchten?

Ganz unterschiedlich, jede dieser inzwischen 140 Buchhandlungen ist anders. Gemeinsamer Nenner ist, dass diese Leuchttürme ihren zur Entmutigung neigenden Kollegen zeigen, dass auch heute ein guter und erfolgreicher Buchhandel unter den unterschiedlichsten Bedingungen möglich ist. Für das Publikum draußen und auch für die Berufswahl des Nachwuchses ist es ein Signal für Vielfalt und Nutzen des klassischen Sortimentsbuchhandels.

Amazon scheint ja nicht nur der größte Feind des Buchhandels zu sein. Vielmehr drängt sich inzwischen der Eindruck auf, als sei der Riese aus Seattle die einzige Gefahr für den hiesigen Buchhandel. Ist das nicht zu eng gedacht?

Das ist in der Tat zu eng gedacht. Technische und gesellschaftliche Entwicklungen haben den Umgang mit qualifizierten Informationen grundlegend verändert, und Amazon ist nicht mehr als ein Symptom dafür. Es gilt nicht vor immer neuen Feindbildern zu erstarren, sondern sich auf die Weiterentwicklung der Gesellschaft vorzubereiten, auf eine Zeit, aus deren Sicht Amazon eine Episode ist, wie es die Feindbilder Warenhaus, Buchclub, Nebenmarkt und Großfläche waren.

Amazon als Verleger: Die Bemühungen, mit dem Kindle und hauseigenen Publikationen im Sortiment Fuß zu fassen, scheiterten bislang weltweit. Jetzt wurde bekannt, dass der italienische Filialist Giunti in den Vertrieb einsteigt. Ist damit der Damm gebrochen?

Es ist wie immer: Die einen machen mit, die anderen nicht. Wenn Amazon am Verlegen nicht sowieso wieder die Lust verliert, wird dieser Teilnehmer einer von vielen am Markt sein, dessen Erfolg aber immer noch von der Akzeptanz des Publikums abhängt.

Die buchhändlerische Genossenschaft eBuch will Amazon mit einem Online-Shop die Stirn bieten, der für alle Händler und Verlage offen ist. Halten Sie solche Initiativen für einen Schritt in die richtige Richtung?

Ja. Der Zugang des unbefangenen Kunden zum Sortiment muss so leicht sein, wie er eigentlich gedanklich nahe liegt, und ohne dass sich jemand den Kopf über Adressen und Formate zerbrechen muss. Dann müssen Service und Kulanz noch auf Amazon-Niveau kommen. In diese Richtung sehe ich die eBuch-Initiative gehen. Wie weit? Man wird sehen.

Von der Gesprächsrunde in der Berliner Tucholsky-Buchhandlung, bei der Sie am 3. Juni ebenfalls Gast sind, erhofft sich der Veranstalter Jörg Braunsdorf Signale in Richtung Politik und Börsenverein. Wo sehen Sie in diesem Kontext besonderen Nachholbedarf.

Politik und Öffentlichkeit sollen den Sortimentsbuchhandel als eine leistungsfähige und selbstbewusste Wirtschaftsbranche wahrnehmen, die nicht nur den eigenen Beutel füllt, sondern ohne Subvention und ohne viel Gejammer eine wichtige Aufgabe im kulturellen Leben des Landes leistet. Der Börsenverein ist ja in der Öffentlichkeitsarbeit keineswegs untätig, könnte aber dieses Zeichen aus Berlin zum Anlass nehmen, branchenintern die Sparte verbreitender Buchhandel noch stärker zu gewichten, nicht aus Fürsorge, sondern zwecks Selbsterhalt.

Die Angst ist groß, dass die Buchpreisbindung mit dem transatlantischen Freihandels­abkommen fallen könnte. Könnten freie Preise nicht sogar eine Belebung des Buchmarktes zur Folge haben?

Die genannte Angst teile ich nicht. Wenn die Preisbindung fällt, dann wegen der Undiszipliniertheit von Marktteilnehmern, nicht aber wegen des Abkommens. Ihr Wegfall würde zu einer Belebung im Sinne einer Marktveränderung führen, nicht jedoch, wie die Beispiele anderer Länder gezeigt haben, zu einer Verbesserung des Angebots für die Kunden.

Es scheint im Trend zu liegen, sich die Buchhandlung der Zukunft auszumalen. Wie sieht Ihre persönliche Vision aus?

Die Buchhandlung der Zukunft ist selbstverständlich auf allen digitalen Kanälen voll vernetzt, und ihre Kunden wissen das. Sie bleibt aber als stationäres Geschäft ein Platz, an dem man sich gerne trifft, um gemeinsam mit der Buchhändlerin die Informationsbeschaffung zu einem guten Ergebnis zu bringen und darüber hinaus sich mit Niveau zu unterhalten und etwas Schönes zu erleben.

Danke, dass Sie sich Zeit für meine Fragen genommen haben. Ich denke mal, einige Aspekte werden am 3. Juni auch Thema sein.

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Am Freitag geht’s an dieser Stelle weiter mit Stefan Weidle.

Zum Gespräch mit Lorenz Borsche von eBuch geht es hier und Zoë Beck  steht mir im Zusammenhang mit der Diskussionsrunde „Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ hier Rede und Antwort

Wie groß ist die Zukunft des Buches? Zur Veranstaltung in der Berliner Tucholsky-Buchhandlung am 3. Juni

„Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ – so ist eine Diskussionsrunde überschrieben, mit der SteglitzMind indirekt verbandelt ist. Und zwar insofern als die Gespräche mit Buchhändlern/innen, die ich seit letztem Sommer führe, dafür Pate standen. In seinem Beitrag kündigte der Inhaber der Berliner Tucholsky-Buchhandlung Jörg Braunsdorf an, die Fragestellungen der Interviewreihe anderenorts vertiefen zu wollen. Seinen Worten folgen nun Taten. Die Veranstaltung, von der sich Braunsdorf auch Signale an die Politik und den Börsenverein für den deutschen Buchhandel erhofft, findet am Dienstag, den 3. Juni 2014, um 19.00 Uhr in der Tucholskystr. 47 in Berlin/Mitte in der Tucholsky-Buchhandlung  statt.

Logo © Tucholsky-Buchhandlung

Logo © Tucholsky-Buchhandlung

Dass dieses Mal die üblichen Grabenkämpfe nicht ausgefochten werden, dafür tragen sicherlich auch die geladenen Diskutanten Sorge. Sie alle haben mit der Buchbranche zu tun, kommen aber aus völlig verschiedenen Ecken: Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Politikwissenschaftler, Redakteur der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ und Autor von „Amazon. Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung).

Ich erwarte mir im Vorfeld der Berliner Buchtage, die übrigens Tags darauf beginnen, eine spannende Diskussion, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Der Eintritt ist frei; um Anmeldung per E-Mail wird gebeten [kurt(at)buchhandlung-tucholsky(dot)de].

Als Appetizer gibt es auf SteglitzMind vorab Gespräche mit einigen Gästen, die das Podium am 3. Juni in der Tucholsky-Buchhandlung bestreiten werden. Den Anfang haben Lorenz Borsche von der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch und Zoë Beck gemacht.

„An der Zerstörung der Wertschöpfungskette Buch arbeiten viele.“ – SteglitzMind stellt Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Barbara Miklaw, die 2012 ihren Mirabilis Verlag gegründet hat, hatte mir Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung ans Herz gelegt. Ich sage Barbara danke für die Empfehlung, und freue mich sehr, dass Jörg Braunsdorf meiner Einladung gefolgt ist.

Eine Skizze vom Laden …

Die Buchhandlung besteht seit drei Jahren, in Berlin-Mitte. Vorher führte ich acht Jahre eine Buchhandlung im Lichthof des Auswärtigen Amts. Die Schwerpunkte sind Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Berlin und die Durchführung von Veranstaltungen.

Warum sind Sie Buchhändler geworden?

für die Großen © Tucholsky-Buchhandlung

für die Großen © Tucholsky-Buchhandlung

Das war Zufall. In meiner Heimatstadt Wetzlar habe ich in einem Buchladenkollektiv mitgearbeitet und bin dabei geblieben.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Vor allem die Politik motivierte mich, Buchhändler zu werden. Jetzt nach über 30 Jahren buchhändlerischer Praxis finde ich den Beruf immer noch spannend. Wie ich mich als junger Mensch entscheiden würde …?

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Die Konkurrenz der Freizeitindustrie ist in den letzten Jahrzehnten um ein vielfaches gestiegen. Dabei ist das Buch das „langsamste Medium“, von der schriftstellerischen Arbeit, über die Herstellung bis hin zum Lesen (was die Faszination und den Sinn ausmacht). Die technischen Entwicklungen verändern die Branche enorm. Die Kunden nutzen die Breite der Wissensmedien, sind gut informiert.

Die Anforderungen sind auch in unserem Beruf gestiegen, was ihn interessant hält.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir nutzen unsere Internetseite zur Information, zur Bewerbung von Veranstaltungen und bieten einen Web-Shop zum Einkaufen an. Wir sind bei Facebook zu finden, bisher halbherzig. Über Online-Medienportale bewerben wir Veranstaltungstermine, Buchbesprechungen gelangen u.a. über Medienpartner ins Netz.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Der unabhängige Einzelhandel ist kreativ, die Konkurrenzsituation unterschiedlicher Plattformen setzte ich jetzt mal als bekannt voraus. Es gibt allerdings Faktoren, die wir kaum steuern können. Zum Beispiel die Mietkosten (hier ist der Gesetzgeber gefordert), die Prozesskosten, schärfere bis umverschämte Einkaufs- und Distributionskonditionen.

Weitere Punkte: Dienstleistungskosten, Finanzsektor als Partner (?), kulturelle Verarmung, Bildungsniveau, politische Regulierungswut, Einkaufsverhalten öffentlicher Dienstleister. Die Freizeitindustrie wächst, die (freie) Zeit der Menschen wird immer knapper. Hier stehen wir in einer Konkurrenzsituation, die sich weiterhin zuspitzen wird. – An der Zerstörung der Wertschöpfungskette Buch arbeiten viele…

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ist bisher kaum ein Thema in der Buchhandlung. Über den Grossisten werden wir den Kauf von E-Books ermöglichen. Reader verkaufen wir keine. – Persönlich lese ich nur das echte Buch.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Regional- und im Kommissionsbezug ja. Allerdings müssen Qualität und die Konditionen stimmen. Darüber hinaus ist der Filter Verlag begrüßenswert, wir müssen und werden uns, über die Zahl der Neuerscheinungen hinaus nicht mit jedem x-beliebigen Buch beschäftigen.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Die Buchhandlung soll einladen, gemütlich sein, ein überschaubares, interessantes Programm anbieten, das Buchangebot und die Buchhändler müssen glaubwürdig sein. Beratungskompetenz ist klar. Die Veranstaltungen müssen den Ort repräsentieren. Service und Freundlichkeit sind unverzichtbar.

Der Buchhändler ist auch Kommunikator, da ich mich als politischen Buchhändler verstehe, gehört die kreative Kontroverse dazu.

Wir haben nichts gegen Bestellungen übers Netz. Soviel fürs erste.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

für die Kleinen © Tucholsky-Buchhandlung

für die Kleinen © Tucholsky-Buchhandlung

Viele, viele Verlage sind klasse Partner und ich hoffe, die Branche hat die Vision und die Kraft diesen Stil zu bewahren. Nicht Klasse ist, wenn wir von Verlagen jeder Größenordnung mit Konditionen beliefert werden, die keine Rendite mehr ermöglichen!

Ich erwarte, dass die Verlage Konditionenforderungen von Amazon und Konsorten, die keine Wettbewerbsgerechtigkeit mehr ermöglichen, an unsere Realitäten angleichen. Die Preisbindung würde es ermöglichen und mit welchem Recht fordert die Krake 20 – 25% mehr Rabatt zzgl. Distributionskosten. Schließlich wickelt der traditionelle Buchhandel erheblich mehr Buchumsatz ab als Amazon.

Buchhandlungen, Verlage, Grossisten und Auslieferungen sollten alles dafür tun, den flächendeckenden Standard der Buchbranche, der einmalig in der Welt ist und damit auch eine Vision für andere Länder sein kann, zu erhalten.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Rahmenbedingungen erhalten. Kompetenter Partner für die Mitglieder, die Politik und die Endkunden sein. Der Börsenverein muss sich entscheiden, für wen er da sein will – da kann man es nicht jedem recht machen.

Ich weiß, das ist sehr allgemein gehalten, damit biete ich immerhin Interpretationsspielraum, den wir vielleicht in einer anderen Runde einmal ausfüllen könnten.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe im letzten Jahr Buy local e.V. mitgegründet und wünsche mir ein stetes Wachstum des Vereins und seiner Anliegen. Es gibt im Rahmen der wirtschaftlichen, kulturellen und literarischen Debatte konkrete Punkte, die dem stationären Buchhandel kurzfristig helfen könnten. Zum Beispiel: Rabatte für Bibliotheken und öffentliche Schulbuchaufträge abschaffen.

Rabatte der Schulbuchverlage erhöhen.

Eine Gebührentabelle für Bestellungen verankern.

Programmbuchhandlungen fördern.

Kulturanbieter verpflichten, bei öffentlicher Mittelverwendung im Veranstaltungsbereich mit Buchhandlungen vor Ort zu kooperieren.

Buchhändler in literarische Jurys einbinden.

Soweit ein paar Punkte, auch hier gibt es sicher noch mehr.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Zuallererst sollen Sie ihr Buch bekommen, direkt aus dem Lager, oder als Bestellung, portofrei und meist am nächsten Tag. Dann wünsche ich mir, dass die Kunden die geschäftliche, soziale und kulturelle Dynamik einer Buchhandlung schätzen und diese, wie bisher, in Anspruch nehmen und honorieren.

Die Welt ist viel mehr als ein Klick, oder um Ilma Rakusas Argumentation im Essay „Langsamer“ weiterzutragen, für die, „…das Lesen als eine der Hauptfiguren des Widerstandes gilt gegen das Diktat des ökonomisch argumentierenden Zeitgeistes; das Lesen, das als einzige Kunstform auf der Verweigerung von Tempo, Eile, Geschwindigkeit beharrt. „… „Es geht um ein Gegenprogramm zu Zeitmanagement, Zapping, Eventrausch und Trendhektik. Um ein Innehalten hier und jetzt.“ (in: Langsamer, 6. Auflage. 2012, Droschl Verlag)

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ulrike Waha-Helduser vom Buchladen Alte Lahnbrücke in Wetzlar und den Hamburger Buchladen Osterstraße, namentlich Torsten Meinicke.

Danke sehr, ich freue mich, dass auch Sie dabei sind.

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim