Steglitz stellt Filo mit „Filos Bücheruniversum“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Bianka Boyke pflegt jungesbuch; neuerdings gemeinsam mit einer Jugendredaktion, der auch Filo angehört. Bianka schlug vor, dass wir etwas mehr über die 16-jährige Schülerin und ihr Blog Filos Bücheruniversum erfahren sollten. Nun freue mich, dass sich heute eine junge Nachwuchs-Bloggerin präsentiert.

Dein Steckbrief in Stichworten…

– geboren am 25.12.1996, also ein richtiges Weihnachtskind 😉
– gehe noch zur Schule, aber in 2 Jahren bin ich dann auch endlich mit dem Abi durch
– mein Blog Filos Bücheruniversum bereitet mir mit jedem Tag mehr Spaß

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge mittlerweile seit starken 9 Monaten, was nicht viel erscheint im Vergleich mit manch alten Hasen. Trotzdem bin ich stolz darauf und hoffe, dass ich meinen Blog noch lange weiterführen kann. Denn der Hauptgrund, warum ich mit dem Bloggen angefangen habe, ist nun mal der Spaß am Rezensionen schreiben und die Freude, mit anderen Lesebegeisterten in Kontakt zu treten. Und jeder weitere Lebenstag meines Blogs macht mir nur noch mehr Lust daran. Die Leute, die ich über den Blog kennen gelernt habe, sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Header © Filo

Header © Filo

Für Blogspot habe ich mich als total Unerfahrene in diesem Bereich entschieden, da es mir einfach vom technischen her am einfachsten erschien. Außerdem wusste ich auch kaum von anderen Plattformen, da die meisten Blogs, die ich zu diesem Zeitpunkt kannte, alle über Blogspot liefen.

Deine Themenschwerpunkte…

Mein größter Themenschwerpunkt sind natürlich Bücher. Rezensionen, ob dieses oder jenes Buch empfehlenswert ist, prägen mein Bücheruniversum. Dazu liebe ich es aber auch, mit meinen Lesern in Kontakt zu treten, so dass ich des Öfteren auch mal meine Meinung zu Buchthemen im Allgemeinen abgebe und die Leser dazu auffordere, ihre Meinung zu diesem Thema zu sagen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb, derzeit besonders um?

Ich finde es gerade besonders spannend, neue Genre für mich zu entdecken. Nachdem der Jugendbuchbereich zurzeit nur so mit Dystopien überschwemmt wird, brauche ich davon mal etwas Abwechslung. Daher lese ich nun auch immer wieder mal einen Thriller und habe auch schon Science Fiction getestet, was mich aber nicht wirklich einnehmen konnte.

Wie machst du den Blog und deine Beiträge bekannt?


Da verfolge ich ehrlich gesagt keine besondere Strategie. Von Anfang an habe ich nicht wirklich Werbung für meinen Blog gemacht. Dass immer mehr Leute zu meinem Blog finden, ist einfach so ins Rollen gekommen. Hauptsächlich beschränkt sich meine Art von „Werbung“ nämlich nur darauf, dass ich auch gerne auf anderen Blogs kommentiere und auf ein paar Literturplattformen aktiv bin.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?


Zu viel über sein Privatleben erzählen. Schließlich wird alles, was man im Internet schreibt, für immer dort zu lesen sein. Außerdem sollte man immer eine angemessene Sprache benutzen und nicht aggressiv oder beleidigend schreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?


Besonders am Anfang ist wohl die größte Schwierigkeit die Technik. Vor meiner Bloggerzeit hatte ich keine Ahnung von HTML, Javascript und Co. Und auch jetzt bin ich längst noch kein Profi darin. Um aber einen ansprechenden Blog zu haben, muss man sich diese Fähigkeiten wenigstens ein bisschen aneignen. Zum Glück finden sich dazu im Internet viele hilfreiche Seiten, mit deren Hilfe man sich das technische Know-how beibringen kann.
Eine andere Hürde ist das Bekanntwerden, das Herausstechen aus der Masse. Das gestaltet sich viel schwieriger, weil es dafür keine seitenlangen Anleitungen gibt. Man muss für seinen Blog das gewisse Etwas finden und das ist gar nicht so leicht.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…


Eigentlich ist meine gesamte Bloggerzeit ein schönes Erlebnis, aber vor nicht allzu langer Zeit hatte ich doch so etwas wie den allerschönsten Moment. Kurz vor der Buchmesse gewann ich nämlich durch eine Rezension zum Buch „Und keiner wird dich kennen“ von Blogg dein Buch und dem Beltz & Gelberg Verlag einen Wettbewerb und bin nun „Beltz & Gelberg Buchblogger 2013“. Das allein hat mich natürlich schon sehr gefreut, aber zum schönsten Moment macht es das noch nicht. Richtig glücklich haben mich nämlich die Reaktionen darauf gemacht. Ich habe sehr viele Glückwünsche erhalten, unter den Kommentaren waren aber auch einige, die mich noch mehr gefreut haben als der tatsächliche Gewinn: ernst gemeintes Lob und so liebe Worte, die mir für eine ganze Weile ein großes Lächeln aufs Gesicht gezaubert haben.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wie sollte ich damit groß umgehen? Ich freue mich, dass meine Arbeit auf dem Blog anerkannt wird, so dass ich für Rezensionsanfragen in Frage komme. Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass das, was man tut, gut ankommt. Und wenn mich das Buch interessiert, dann will ich es natürlich auch gerne lesen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Da das durchaus schon passiert ist, brauche ich hier gar nicht im Konjunktiv schreiben. Wenn mir ein Self-Publisher ein Rezensionsexemplar anbietet, schaue ich es mir genauso wie die Titel aus den großen Verlagen an. Spricht mich der Klappentext, das Cover und die Idee des Buches an, kümmert es mich nicht, wie das Buch veröffentlicht wurde.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

E-Books sind für mich definitiv keine Alternative zum gedruckten Buch, aber eine schöne Ergänzung. Gerade wenn man unterwegs ist, ist ein E-Book deutlich praktischer. Ich habe daher auf meinem Handy einen E-Book-Reader. Viel häufiger und lieber halte ich aber ein gedrucktes Buch in der Hand, das raschelnde Papier und der Duft von frisch gedruckten Seiten kann einfach durch nichts ersetzt werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Sich auf 5 zu beschränken ist wirklich nicht einfach. Aber wirklich zu empfehlen sind diese 5 Blogs, die ich nicht mehr missen möchte: Buchlabyrinth, Les Bookmoiselles, Keine Zeit für Langeweile, Mays Reviews und Lichtgold.

Danke Filo, deinen Antworten ist deutlich anzumerken, wie viel Freude dir das Bloggen über Bücher macht …

Es hat mir viel Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten 😉

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Zuletzt stellte sich JuneAutumn mit 1001 Bücher vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Samy vom Kulturblog der Buchhandlung Jastram. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Bianka Boyke mit „jungesbuch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von Anne-Kathrin und Jessica, die lesErLeben verantworten, kam der Vorschlag, dass wir mehr über Bianka Boyke erfahren sollten, die jungesbuch pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Bianka Boyke (30), selbständige Journalistin und Kinderbuchliebhaberin seit … immer. Studierte Kulturjournalismus, Rechtswissenschaften und Sozialethik in Bern und Marburg. Volontariat beim Medienhaus Lensing. Selbständig seit 2010, u.a. als Gerichtsberichterstatterin, Reporterin für sozialkritische Straßenmagazine und Rezensentin für das Fachmagazin Eselsohr. Kopf ist immer voll mit neuen Projekt-Ideen, die meist nachts zu Papier gebracht und weitergedacht werden, wenn meine beiden Töchter schlafen …

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Mit jungesbuch.de bin ich 2010 online gegangen, um dort vor allem Kinderbücher zu rezensieren. Ich habe immer gehofft, daraus irgendwann ein Online-Magazin für alle Kinder- und Jugendbuchbegeisterten machen zu können und probiere noch immer fleißig herum. Recht neu habe ich zum Beispiel eine Jugendredaktion ins Leben gerufen, die Novitäten aus den Bereichen Dystopie, Romantasy, Fantasy, … bespricht. Ein „Ehrenamt“ sollte es allerdings nie werden, weshalb ich meinen Arbeitsenthusiasmus nahezu täglich bremsen muss. Ich nutze WordPress, weil mir das vorgeschlagene Layout gefiel.

Deine Themenschwerpunkte …

der Kopf dahinter © René Boyke

der Kopf dahinter © René Boyke

… sind derzeit durch die noch recht neue Jugendredaktion vor allem Jugendromane. Ich selbst widme mich seit rund einem halben Jahr vor allem Illustratoren und präsentiere die dann mit Galerien und individuellen Portraits. Es liegt wohl am Alter meiner Töchter, dass ich mich derzeit vor allem sehr für Bilderbücher interessiere. Und die Steckbriefe vieler Autoren und Illustratoren fand‘ ich schon immer recht langweilig, versuche da durch individuelle Fragen auch die Persönlichkeit der einzelnen Illustratoren – bzw. sind es bisher hauptsächlich Illustratorinnen – einzufangen und den Lesern Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Wenn ich genügend Zeit habe, gelingt mir das ganz gut. Zudem gibt es immer ein Thema des Monats, weil ich mir zu verschiedenen Themen gerne einen Überblick verschaffe. Das kann ernst sein, wie etwa Depressionen im Bilder- und Kinderbuch, ein Messebericht oder auch einfach nur ein Blick auf die Novitäten unter einem Oberthema, etwa: Tierische Weihnachten, Detektive im Kinderbuch oder Serienheldinnen, die ich vergleiche. Solche Sammler veröffentliche ich dann immer auch im Eselsohr. Aktuell habe ich mich mit Magersucht und Bulimie im Jugendbuch bzw. in Büchern, die für Jugendliche geeignet sind, beschäftigt. Dazu gibt es in diesem Monat ein Interview auf jungesbuch.de.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das wenige bzw. ungerecht „verteilte“ Geld auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt. Wie schon gesagt, wollte ich aus jungesbuch.de mal ein Magazin machen und zusätzlich versuchen, mich in verschiedenen Projekten für Leseförderung starkzumachen. Zahlen schwirren mir ständig durch den Kopf. 500 bis 1000 Euro für den Illustrator eines ganzen Bilderbuchs, mehr als 95 Prozent der Branche sind kinderlos, vor allem unter den Lektorinnen und den Illustratorinnen, deren Arbeitspensum sich nur Selbständige vorstellen können. 2000 Euro „Gewinn“ am Jahresende für einen 40-Wochenstunden-Job, den Frau als eine Art „Hobby“ betreibt, weil der Ehemann ja Geld nach Hause bringt … Und immer wieder der Satz von verschiedenen Köpfen: „Kinderbücher machen hat nichts mit Kindern haben zu tun.“ Warum eigentlich nicht?! Vielleicht, weil es finanziell nicht möglich ist?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Erst recht neu auf Facebook und – für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe – in meiner Kinderbuchkolumne in der Tageszeitung Ruhr Nachrichten. Zu meinem Buchtipps gibt es immer auch den Hinweis auf meine Seite.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Zu viel Privates preiszugeben. Ein Mal im Netz, immer im Netz. Vor allem Fotos der Kinder, die jetzt oder später jeder dank digitaler Gesichtserkennung suchen kann, gehören nicht der ganzen Welt präsentiert.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Vor allem die rechtlichen Hürden sind hoch und für (junge) Blogger undurchsichtig und auch riskant – wenn etwa Produkte abgebildet oder Zitate übernommen werden, …

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es zwei ganz Aktuelle: Als ich vor wenigen Monaten auf der Suche nach einer Jugendredaktion war, um auf jungesbuch.de mehr Jugendbücher besprechen zu lassen, habe ich 5 Bloggerinnen angeschrieben und alle 5 haben sich sofort zurückgemeldet, weil Ihnen jungesbuch.de gefiel. Und dann freut es mich, dass die Illustratoren für „Meine Galerie“ auf jungesbuch.de mir immerhin pdfs ihrer Werke zukommen lassen und damit Vertrauen schenken und meine Arbeit anerkennen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe bereits als Studentin als Rezensentin gearbeitet, damals – passend zum Studium – ging es um neuere deutsche Literatur, etwa für das Internetmagazin literaturkritik.de. Später rezensierte ich für Tageszeitungen und inzwischen auch schon seit mehreren Jahren für das Fachmagazin Eselsohr. Darum ist es für mich nichts besonders – auch wenn das jetzt blöd klingt – jedes Jahr hunderte von Büchern geschickt zu bekommen. Zugegeben: ganz am Anfang hat mich das schon beeinflusst, jedes Paket war wie ein kleines Weihnachtsfest. Inzwischen trudelt aber täglich mindestens ein Buch ein und selbst meine 2-Jährige sagt: „Mama, Bucha“, wenn der Postbote klingelt. Verrisse schreibe ich selten, Bücher, die mir nicht gefallen, werden von mir schlichtweg nicht besprochen. Kritik gibt es hingegen oft, nichts ist perfekt, aber auch das kann ein gutes Buch ausmachen. Natürlich treffe ich nach der Durchsicht der Vorschauen selbst eine Vorauswahl. Was ich dann bestelle, oder zu welchen Themen ich Sammler schreibe, entscheide ich immer selbst.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Aufmachung anschauen, Inhaltsangabe und Leseprobe lesen, und mich dann für eine Zu- oder Absage entscheiden. Im Grunde wie bei jeder Mail aus dem Verteiler eines großen Verlages. Ein Buchtipps eines Selfpublishers oder eines ganz kleinen Verlages wäre an dieser Stelle doch ganz nett 😉

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Vielleicht werde ich mein erstes E-Book lesen, wenn ich mehr reise. Wenn ich meinen Kindern oder auch im Kindergarten vorlese, wollen die Kids anfassen, am Buch zerren, umblättern und dabei auch mal klebrige Obst- oder Kekshände haben können.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da empfehle ich – natürlich – die Blogs meiner Mädels, „meiner“ Jugendredaktion. Weil es allerdings sechs sind, MUSS ich alle nennen. Den Stab nur an eine weiterzugeben, ist ohnehin schwer genug. Das wären also: Lea (13) mit Meine Bücherwelt, Noelle (16) mit maybeweforgot, Elisa (16) mit mybookbubble, Filo (16) mit Filos Bücheruniversum, Evelyn (19) mit Dreaming till Midnight und Jessica (19) mit Jessis Bücherkiste.

Falls einer minderjährigen Gesprächsteilnehmerin nichts entgegensteht, entscheide ich mich für Filo, weil sie mir schlichtweg bei meiner Suche nach Rezensentinnen für die Jugendredaktion von jungesbuch.de zuerst aufgefallen ist – wegen ihr hübschen Seite und ihrer Rezensionen. – Zweite Wunschkandidatin ist Evelyn, die ihren Blog gemeinsam mit ihrer Schwester betreibt. Evelyn rezensiert alles, was ihr in die Finger kommt, ihre Schwester zeichnet bekannte Autoren.

Danke sehr Bianka. Und da du bereits über das zulässige Maß hinausgegangen bist, indem du 6 statt 5 Empfehlungen nennst, wollen wir auch bei den Interviewpartnerinnen ein Auge zudrücken und beide zum Gespräch bitten. Ausnahmen im Sinne der Blogger-Nachwuchsförderung sozusagen… Und womöglich zeichnet Evelyns‘ Schwester Miriam gelegentlich etwas für SteglitzMind 😉

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Zuletzt stellte sich Peter Hetzler mit seiner Comickunst vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Myriel mit ihrer Bücherzeit. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Christiane Nowak mit „vorgelesen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Christiane Nowak mit vorgelesen vor. Den Vorschlag hatte Ada Mitsou gemacht, die Ada Mitsou liest… pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Zuerst einmal herzlichen Dank an Ada Mitsou, dass sie meinen Blog vorgeschlagen hat.   Es freut mich sehr, das Interview beantworten zu können. Ich bin 34 Jahre alt, habe Neuere deutsche Literatur, Deutsch als Fremdsprache, Politik und Publizistik studiert und bis vor einem Jahr in Neuere deutsche Literatur promoviert. Meinem Sohn, der 2008 geboren wurde, ist mein Blog gewidmet. Beim Bloggen begleitet mich eine Holzpuppe, ein kleiner Pinocchio, der viele Dummheiten macht und lernt, ein Mensch zu werden.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Im September 2011 habe ich vorgelesen bei wordpress eingerichtet. Einige Monate lang war vorher die Lektüre von Blogs meine liebste Ablenkung beim Schreiben meiner Doktorarbeit gewesen. WordPress schien mir die am häufigsten benutzte Plattform und da ich nicht sehr technikaffin bin, habe ich mich auf das verlassen, was andere auch benutzen.

Und nach der Promotion?

Das Bloggen hat sich für mich dann als Ersatz zum Schreiben an der Doktorarbeit entwickelt. So konnte ich fortsetzen, was einige Jahre lang meine tägliche Beschäftigung war. Und es erlaubt mir, noch anderen Leidenschaften nachzugehen: Ich liebe es, Dinge, die ein Leben dokumentieren, zu sammeln und zu archivieren. Leider gibt es aus meiner Kindheit nicht so viele Dokumente, so dass ich meinem Sohn gerne mehr Erinnerungen mitgeben möchte.

Während meines Studiums und der Doktorarbeit habe ich zudem viel Wissen über Literatur angehäuft. Mit diesem Wissen im Kopf konnte ich die Kinderbücher meines Sohnes nicht unbefangen lesen. Beim Vorlesen machte ich mir ständig Gedanken über Erzählperspektiven, Raumgestaltungen, literaturgeschichtliche Einordnungen, Gesellschaftsbilder, Interpretationen und Text-Bild-Interaktionen. Diese Beobachtungen und Überlegungen mussten irgendwie raus.

Deine Themenschwerpunkte …

der Blogbegleiter © Christiane Nowak

der Blogbegleiter © Christiane Nowak

Ich rezensiere Bilderbücher für Kinder von 0 bis 6 Jahren und Kinderbuchklassiker, die man gut Kindern vorlesen kann. Mein Sohn ist jetzt fast 5 Jahre, vielleicht weitet sich das Spektrum bald auf Kinderbücher zum Selbstlesen aus. Daneben berichte ich von Lesungen oder Kinderliteraturveranstaltungen, die wir besucht haben, und ich stelle Autoren vor, die mir am Herzen liegen. Außerdem schreibe ich meine Gedanken zu allem auf, was das Vorlesen betreffen könnte und wo unser Alltag sich mit Büchern verknüpft. Ich versuche literaturwissenschaftliches Hintergrundwissen zu einzelnen Büchern in klare, verständliche und gut lesbare Texte zu verpacken. Apps und kommerziellen Reihen stehe ich sehr kritisch gegenüber.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Im Bereich Kinder- und Jugendbuch nervt mich, dass sehr stark dem Prinzip der Reihen gefolgt wird und dass die Vermarktung von Kinderbuchfiguren immer mehr ausgeweitet wird. Meiner Meinung nach wird da zu sehr die Unmündigkeit und Verführbarkeit von Kindern ausgenutzt. Wenn ein Kind eine Figur lieb gewonnen hat, müssen Eltern dann ständig entscheiden, ob nun auch noch das Hörbuch, das Kuscheltier und die Brotdose gekauft werden können. Manchmal wird da mit ganz schön perfiden Mitteln gearbeitet, finde ich.

Wir hatten schon eine CD, in der ein kleines Pflaster als Geschenk mit der Figur eingelegt war, was meinen Sohn total begeistert hat. Beim nächsten Aua war dann die Enttäuschung groß, dass es nicht mehr von diesen tollen Pflastern gab. Solchen Ärger möchte ich ungern mit Kinderbuchfiguren verknüpfen. Es handelt sich hierbei um kein sehr aktuelles Phänomen, sondern um eine langfristige Entwicklung. Im Kinder- und Jugendbuchbereich hat meiner Meinung nach die Kommerzialisierung stark zugenommen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich habe eine Facebookseite, bin mit einigen Literaturblogs und Elternblogs verlinkt, wurde auf der Seite der Elternzeitschrift nido sowie auf der Seite von Brigitte Mom vorgestellt und habe an der Jury des Preises „Urzeitroboter – Das lustigste Bilderbuch 2012“ teilgenommen. Die Eintragung in Blogverzeichnisse und Listen steht immer mal auf meiner To-Do-Liste, rutscht aber immer wieder nach hinten.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich finde es ganz schön fies, wenn ein Blogger, dem man eine Zeit lang gerne gefolgt ist, plötzlich gar nichts mehr von sich hören lässt, und die Leser im Unklaren darüber lässt, ob es weiter geht oder nicht. Eine kleine Nachricht darüber, was passiert, sollte immer drin sein.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Als berufstätige Mutter ist Zeit natürlich ein knappes Gut. Dafür sind Bilderbücher aber nicht so umfangreich wie erwachsene Bücher, so dass die Lektüre viel schneller geht. Mir fehlen ein paar Software-Kompetenzen, z.B. in der Bildbearbeitung, und ich habe auch keine Geduld, mir diese anzueignen, so dass ich manchmal nicht ganz so zufrieden mit der Darstellung von Bildern im Blog bin.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Im November 2012 habe ich über meine Kindheitserinnerungen an Märchen auf Diarollfilmen berichtet, die meine Eltern uns Kindern immer vorgelesen haben. Daraufhin meldeten sich Schulfreundinnen, die das Medium auch kannten und wir konnten die Erinnerungen an solche Kinoabende teilen. Wir haben eine kleine Tauschbörse veranstaltet und wiederholen diese Tradition des Heimkinos jetzt mit unseren eigenen Kindern.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Der Bereich Bilder- und Kinderbuch unterscheidet sich da etwas von der Erwachsenenliteratur, so scheint es mir. Es gibt nicht so viele Blogs und die Verlage nehmen das Medium noch nicht so ernst. Ich bekomme daher kaum Rezensionsexemplare angeboten und wurde von einem großen deutschen Verlag sogar schon einmal abgewiesen mit meiner Bitte um ein Buch. Da ich aber auch gerne und öfters ältere Bücher vorstelle, die nur noch antiquarisch erhältlich sind, brauche ich gar nicht oft neue Werke. Außerdem muss ich eh immer aufpassen, dass die Büchermenge nicht überhandnimmt – ein großes Bibliothekszimmer wird wohl noch sehr lange einer meiner unerfüllten Träume bleiben. So bin ich ganz zufrieden, dass ich noch nicht so oft mit Angeboten konfrontiert war und bisher nicht viele Absagen schreiben musste.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Es gibt kaum Self-Publisher, die Kinder- und Jugendbücher herausbringen, denn Illustrationen sind sehr aufwändig in der Herstellung.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich kenne mich damit noch gar nicht aus, spiele im Moment aber mit dem Gedanken, mir einen E-Book-Reader anzuschaffen. Ich finde sie für Fachpublikationen sehr sinnvoll. Es grenzt an ein Wunder, dass ich noch keinen Bandscheibenvorfall hatte, so viele Bücher habe ich schon aus Bibliotheken heraus und wieder hinein getragen. Da sind E-Books eine große Erleichterung.

Bei Kinderbüchern und beim Vorlesen kann ich mir aber nicht vorstellen, auf das Medium Computer umzusteigen. Mein Sohn ist immer so neugierig, dass er sich mehr auf die Funktionen des E-Book-Readers (Tasten, Schaltflächen) konzentrieren würde und ich Angst hätte, der Inhalt der Bücher würde gar nicht mehr richtig ankommen. Außerdem ist das Blättern in Büchern sehr wichtig für die Strukturierung des Vorlesens. Mit einem E-Book könnte ich gar nicht mehr sagen: „Und nun nur noch eine Seite!“ Außerdem sind Bücher viel robuster und man muss nicht vor der Zerbrechlichkeit des Mediums warnen. Und man muss sich keine Gedanken um die Stromversorgung machen. Ich versuche generell, meinen Sohn zu einem bewussten, kritischen und zielgerichteten Medienkonsum zu erziehen. Reale Begegnungen und Erfahrungen sind für Kinder elementar.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Märchensammler, Papillionis liest, jungesbuch und lesErLeben. An den Literaturclub lesErLeben möchte ich auch die Stafette weiterreichen.

Danke, Christiane, auch dafür, dass du unser Augenmerk auf Kinder- und Jugendbücher lenkst.

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Zuletzt stellte sich Richard Norden mit Writers Workshop vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Stephan Waldscheidt, der schriftzeit betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier