„Verkauft eure Bücher nicht an Amazon!“ SteglitzMind stellt Jessica Ebert und Katja Weber von der „ebertundweber Buchhandlung“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber etwas näher kennenlernen sollten, hatte Snoopylife vorgeschlagen, der das Blog dements betreibt.

Eine Skizze vom Laden…

Wir, Jessica Ebert und Katja Weber, haben ebertundweber 2006 gegründet. Seit 2013 haben wir Anne Gregor als Teilzeitangestellte dabei.

Warum sind Sie Buchhändlerinnen geworden?

Einladung zum Schmökern © ebertundweber

Einladung zum Schmökern © ebertundweber

Weil wir Bücher lieben.

Wir hatten den Traum, eine Buchhandlung zu gestalten und zu führen und beide hatten wir den Traum, diesen in Kreuzberg zu verwirklichen und dort vor allem den kleinen unabhängigen Verlagen ein Forum zu bieten.

Auf wenig Fläche spannende Bücher ansprechend präsentieren, Intellekt und Unterhaltung miteinander verbinden!

Wir sind ein optimales Duo aus einer „gelernten“ Buchhändlerin und einer Quereinsteigerin, die durch ihre Branchenferne viel Neues sieht. Dadurch gelingt uns der Blick über den Buchhändlertellerrand immer wieder.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Nicht die Bedingungen würden uns abschrecken – höchstens die Verdienstchancen – aber die waren im Buchhandel schon immer sehr bescheiden….Der klassische Buchhändler verdient unwesentlich mehr als jeder andere Verkäufer im Einzelhandel.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Alles geht schneller, aber die Kunden sind geduldiger geworden.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir haben seit Gründung unseres Ladens einen Onlineshop, der auch gerne genutzt wird, allerdings ist es nicht soo einfach diesen bei den Kunden bekannt zu machen.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Berlin nimmt bezüglich des Buchlädensterbens eine absolute Sonderrolle ein – hier nimmt die Anzahl der kleinen Buchläden jährlich zu! Berlin lebt in seinen Kiezen.

Für uns wären der Fall der Buchpreisbindung und steigende Mieten existenzielle Bedrohungen.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Bei uns kann man seit einigen Monaten über unserer Website E-Books kaufen, an denen wir dann auch einen Hauch verdienen. Wir freuen uns darüber – allerdings wird dies (noch) nicht häufig genutzt.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Wenn die Bücher gut sind. Warum nicht?

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Wir haben eine spannende und breite Auswahl, haben dank unseres genossenschaftlichen Einkaufsmodell Anabel, täglich Neues. Wir richten uns beim Einkauf nach unserer eigenen Meinung beziehungsweise der unserer Kunden und wählen jedes Buch individuell aus.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

"E" wie  © ebertundweber

„E“ wie © ebertundweber

1. Verkauft eure Bücher nicht an Amazon!

2. Verkauft eure Bücher nicht an Amazon! Würden sich drei, vier große Publikumsverlage trauen, ihre Titel nicht mehr über Amazon zu verkaufen, wäre der Ruf von Amazon bezüglich der allumfassenden Lieferfähigkeit schnell hin und der Kunde würde auch wieder mal woanders hinschauen.

3. Verramscht eure Bücher nicht so schnell! Die Bücher werden sehr, sehr schnell – manchmal innerhalb eines halben Jahres an moderne Antiquariate billig verhökert, so dass zeitgleich bei uns die „normale“ Ausgabe gehandelt wird – das ist sehr unschön…

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Innovative Werbekampagnen, zum Beispiel wie wahnsinnig schnell der Buchhandel liefert! Nach 30 Jahren immer noch fast ein Geheimnis, obwohl es eines der dicksten Pfunde der Branche ist. Nur Apotheken sind schneller!

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wir freuen uns, dass sich trotz allem kleine Verlage neu gründen!

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil es so schön ist von Mensch zu Mensch zu reden! Und wer möchte eigentlich in Orten wohnen, wo es keinen Einzelhandel mehr gibt, sondern nur noch Postautos?

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die polnische Buchhandlung buch|bund in Berlin/Neukölln, cohen + dobbernigg in Hamburg und Czuly Barbarzynca in Warschau.

Vielen Dank. Das wird sicherlich ein spannendes Unterfangen, eine Warschauer Buchhandlung zu kontaktieren…

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

Heike Wenige mit dem Taschenbuchladen, der im sächsischen Freiberg ansässig ist

Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden