Steglitz fragt bei Jan-Uwe Fitz aka @Vergraemer nach

„Begeisterung ist keine gute Verhandlungsposition!“

Wer bei Twitter ist, kennt den @Vergraemer und dessen miesepetrige Kunstfigur Taubenvergrämer. Seit September 2009 lädt das Alter Ego von Jan-Uwe Fitz zudem regelmäßig zur Lese-Show „Jour Fitz“ ein, wo wir uns im selben Jahr erstmals persönlich begegneten. Dass er es aus der Timeline heraus zu einem richtigen Buch bei einem großen Publikumsverlag geschafft hat, ist inzwischen auch außerhalb des Social Web bekannt. Als Jan mich im Frühjahr 2011 zur Premieren-Lesung aus seinem Wahnsinnsroman „Entschuldigen Sie meine Störung“ lud, wollte mir freilich noch nicht in den Sinn, dass er im Begriff war, gemeinsam mit einigen anderen Twitteratis ein neues Kapitel Literaturgeschichte aufzuschlagen.

Tatsächlich gilt Jan-Uwe Fitz inzwischen als Prototyp einer zeitgemäßen literarischen Gattung, nämlich der „Twitterature“. Sein Wahnsinnsroman „Entschuldigen Sie meine Störung“ erschien bei Dumont im April 2011. Das E-Book „Vergraemungen @vergraemers seltsamste Tweets“ legte er im September 2011 nach. Brandneu ist das E-Book „Der Unerträgliche“, das jetzt auch gedruckt vorliegt.

Wie kam es zu deiner ersten Publikation?

Die mir auch privat bekannte Autorin Paula Lambert stieß auf mein Blog und empfahl es meiner heutigen Agentin Michaela Röll von der Agentur Petra Eggers. Die war zum Glück der Meinung, dass man einen Verlag für mich finden würde und rief mich an. Gemeinsam haben wir dann aus dem Blog und meiner persönlichen Burn-out-Geschichte das Konzept für „Entschuldigen Sie meine Störung“ entwickelt.

Dein „Wahnsinnsroman“ ist bei Dumont erschienen. Welche Vorteile machst du in der Zusammenarbeit mit klassischen Verlagen aus?

Dumont hat meinen Roman auf Basis eines Konzepts gekauft. Das heißt, ich konnte mit einem Vorschuss im Rücken zu schreiben beginnen. Für den Verlag war das ein Risiko, schließlich war ich Neuautor und sie wussten nicht wirklich, was am Ende herauskommen würde. Zumal mein Humor nicht jedermanns Sache ist.

Ein anerkannter Verlag …

Ja, das Image: Bei einem Traditionsverlag wie DuMont zu veröffentlichen, schmeichelt dem Selbstwertgefühl. Wovon ich nicht allzu viel habe. Wenn ein Verleger wie Jo Lendle an dich glaubt, ist das großartig.

Welche Vorteile siehst du noch?

Außerdem das Lektorat und natürlich die PR. Dumont hat meinen Roman nicht nur als Spitzentitel im Handel positioniert, sondern auch für eine Lesung auf EinsLive gesorgt.

Wo machst du Nachteile aus?

Ehrlich gesagt: keine. – Das wundert mich jetzt gerade selbst ein bisschen …

Was sollte man als Neu-Autor in der Zusammenarbeit mit klassischen Verlagen besonders beachten?

Jan-Uwe Fitz aka @Vergraemer - Foto (c) Anke Fitz

Jan-Uwe Fitz aka @Vergraemer – Foto (c) Anke Fitz

Ich hatte und habe das große Glück, von einer tollen Agentin unterstützt zu werden. Ohne sie wäre ich heillos überfordert, zumal ich unfähig bin, meine Interessen zu vertreten. Ich rate jedem Autor, sich eine Agentur zu suchen. Die großen Verlage sind in der der Regel zwar fair, aber natürlich vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht.

Die angemessene Höhe des Vorschusses sowie die vertraglichen Feinheiten kann man als Autor gar nicht kennen. Und allein die Aussicht bei einem großen Verlag zu landen, elektrisierte mich so sehr, dass mir alles egal war.

Begeisterung ist keine gute Verhandlungsposition!

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Du veröffentlichst auch in Eigenregie. Was hat dich dazu bewogen?

Experimentierfreude. Und weil es dank des Internets ziemlich einfach ist. Ich bin von Natur aus faul und schon der kleinste Widerstand stürzt mich ins Tal der Tränen. Wenn es nichts kostet und nicht zu viel Aufwand bedeutet, teste ich, was immer mir interessant erscheint. Immerhin ist das Verhältnis von „Glücksgriff“ zu „Hätte ich mir sparen können“ bei mir 4:1.

Welche Vorteile machst du beim Self-Publishing aus?

Ich arbeite ungerne mit Menschen zusammen. Sie blockieren mich. Deshalb sage ich meist „Ja und Amen“, um so schnell wie möglich von ihnen wegzukommen. Beim Self-Publishing habe ich alle Fäden in der Hand und die Wut über Fehlentscheidungen richtet sich ausschließlich gegen mich. Das ist zwar auch nicht toll, aber angenehmer, als andere Menschen zu verfluchen.

Wo siehst du besondere Risiken?

Natürlich ist die Vermarktung das Hauptproblem. Verlage verfügen über eine Werbepower, die man auch im Social Web allein nicht erreicht. Und Klinkenputzen bei wichtigen Medien und Multiplikatoren liegt nicht jedem.

Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Man ist noch stärker auf sich allein gestellt als ohnehin. Das hat seine Vorteile, aber man fühlt sich mitunter auch bitter allein. Außerdem rauben Technik, Vertrieb etc. Zeit, die man auch kreativ nutzen könnte. Das Schreiben kommt plötzlich zu kurz. Dabei ist es genau das, was mir am meisten Spaß macht. Um das andere kümmere ich mich nur aus sozialer Feigheit.

Für dein aktuelles E-Book hast du dich für die Kindle-Edition entschieden. Warum?

Nicht ganz richtig. Ursprünglich war das so, stimmt. Aber bereits zwei Tage später habe ich „Der Unerträgliche – Brief an einen todgeweihten Mitreisenden“ auf kobo-books veröffentlicht, weil Kindle leider keine E-Books im Format epubs bereitstellt. Epubs sind aber die Basis fast aller Leseprogramme.

Die Kindle-Edition war für mich anfangs der Weg des geringsten Widerstands. Amazon macht es einem verhältnismäßig leicht. Bei der weiteren Verbreitung der Geschichte unterstützt mich zum Glück der Leipziger Verlag Ille & Riemer. Ich befasse mich ungern mit Technik. Wenn mir jemand etwas abnimmt, jubele ich wie irre. Allerdings warte ich, bis man mich anspricht. Ille & Riemer hat das zum Glück getan.

Worauf sollte man besonders achten, wenn man sich für die Kindle-Edition entscheidet?

Vor allem darauf, dass man nicht das Häkchen mit dem exklusiven Amazon-Vertrieb aktiviert. Es ergeben sich immer noch andere Möglichkeiten und dann sind einem vorerst die Hände gebunden. Das wäre schade.

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Ich verzichte darauf. Ich hoffe, dass die Leser einsehen, dass man Geschichtenerzähler unterstützen muss. Anderenfalls verhungern sie nämlich. Außerdem nimmt der Kopierschutz einem viele Möglichkeiten – zum Beispiel was Social Reading betrifft. Mein Dumont-Buch ist allerdings kopiergeschützt. Das ist eine Verlagsentscheidung gewesen, und die war für mich ok.

Was hältst du von den Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book?

Ich muss ehrlich zugeben: Ich befasse mich kaum mit politischen oder ideologischen Fragen rund um das Buch. Ich verfolge das zwar, aber es lenkt mich zu sehr vom Herumspinnen ab.

Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf traditionelle Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben (werden). Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Das geht sicherlich zu Lasten der kleineren Buchhandlung. Aber Erlebniswelten rund um das Buch werden immer boomen. Ein Konzept könnte sein, mehr Eventlesungen zu veranstalten. Unterstützt von Social Media. Wie ich es mit meiner Lesereihe „Jour Fitz“ versuche. Buchhandlungen könnten zu Clubs werden. Oder mit Bars kooperieren. Ich habe da ein paar Ideen. Falls irgendjemand dieses Interview lesen sollte und Interesse an Leseshows hat: Nur zu! Er oder sie mögen sich gerne bei mir melden …

Was stößt dir bei den aktuellen Diskussionen rund um die Zukunft des Buches besonders negativ auf?

Dass vor allem aus der Perspektive der Literatur-Stars argumentiert wird.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ich glaube nicht an die Zukunft!

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In Teil 2 des Gespräches erfahren wir u.a., wie der Taubenvergrämer aus der Taufe gehoben wurde, ob sich Follower „rechnen“ und was Jan-Uwe Fitz für sein Buchmarketing tut.

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Steglitz fragt bei Nicole Sowade nach

„Der Windows-Apple-Kindergarten aus der Musikindustrie wird mit epub und mobi zur Amazon-Apple-Spielwiese des Buchmarktes.“

Nicole Sowade fiel mir auf der re:publika12 auf. Zum Panel „Was Autoren vom Self-Publishing erwarten können (und was nicht)“ erschien sie mit Krönchen und Schärpe. Geschrieben stand darauf „Miss Januar“. Das ist der Titel ihres in der Kindle Edition im Februar 2012 selbstverlegten E-Books, mit dem die Berlinerin inzwischen bei epubli ist. In der Kategorie Belletristik ist sie damit zudem bei derneuedeutschebuchpreis.de vertreten – dem Schreibwettbewerb für die neue Self-Publisher-Autoren-Generation, der auf der Frankfurter Buchmesse 2012 zum zweiten Mal vergeben wird.

Nicole macht sich keine Illusionen. Die Entwicklungen auf dem Buchmarkt verfolgt die studierte Germanistin, die ein Praktikum in einem Publikumsverlag absolviert hat, kritisch. Und auch den Vor- und Nachteilen des Self Publishing sieht sie heute klaren Blickes ins Auge. Nicole sagt, als Selbstverlegerin müsse man kreativ sein. – Das wollte ich unter anderem von ihr genauer wissen.

Hast du dein Manuskript auch traditionellen Verlagen angeboten?

Zunächst einmal: Danke für die Einladung, Gesine. –  Ja, habe ich. Als ich vor einem guten Jahr den Schlusspunkt unter meinen Roman gesetzt hatte, konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als meinen Titel gedruckt zu sehen. Also habe ich es natürlich probiert und die großen deutschen Verlage, die Unterhaltungsliteratur im Programm haben, zwischen Hoffen und Besseres-Wissen angeschrieben. Was dann folgte, waren früher oder später eintrudelnde Absagen, die mit einem „Weiterhin viel Erfolg!“ endeten. – Immerhin weckte meine ziemlich chaotische Suche nach Mr. Right auf den Straßen Berlins das Interesse des Rowohlt-Verlags. Sie baten um Einsendung des Manuskripts. Obwohl man anfänglich begeistert nachfragt hatte, erfolgte auch hier eine Absage, erneut mit Standard-Sätzen. – Mein Liebling ist allerdings nach wie vor Bastei Lübbe. Wohl hat sich der Verlag bis heute nicht bei mir zurückgemeldet und das, obwohl die findige Mitarbeiterin mir auf der Leipziger Buchmesse nahezu genervt versicherte: „Wir melden uns immer!“ Haha, naja …

Die typischen Leiden einer Jung-Autorin …

Ja. Anders hatte ich das auch nicht erwartet. Denn während meines Studiums habe ich als Praktikantin Mäuschen in einem Berliner Lektorat gespielt. Dort waren die Stapel des „unaufgefordert Eingesandten“ keine Chefsache, sondern meine Aufgabe. Ob sich das heute geändert hat? Wer weiß … Vielleicht sind es mittlerweile Werkstudenten oder Volontäre? Letztlich kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass Lektoren neben ihrer eigentlichen Arbeit an neuen Titeln, tatsächlich noch den Literaturscout spielen. Dieses Feld wird doch mehr und mehr Agenturen überlassen, die im Idealfall auch Einblick in die Programmplanung der Verlage haben. Für alle, die nicht wissen, was in einem Jahr „in“ ist, bleibt das ein Glückspiel. Und die machen bekanntlich nur dann Spaß, wenn man gewinnt.

Welche Vorteile hat das Self-Publishing deiner Meinung nach?

Da muss ich nur mein Cover anschauen. Am glücklichsten bin ich, dass mein Roman immer noch „Miss Januar“ heißt und ich mir jedes Mal aufs Neue denke: Wow, was für ein toller, sympathischer Titel! Bei der Covergestaltung sage ich mir immer: Puh, zum Glück läuft da nicht gerade ein Hamster, ein Frosch oder irgendein anderes Tier übers Bild! Die haben nämlich aus unerfindlichen Gründen noch immer Hochkonjunktur.

Und zudem deine Spendenaktion zugunsten „Save the Children Deutschland“ …

Ja, genau. Das freut mich umso mehr, dass mit jedem verkauften „Miss Januar”-E-Book 50 Cent an die gemeinnützige Organisation gehen. Ich bezweifele, dass ich als unbekannte Autorin eine solche Spendenaktion bei einem klassischen Verlag hätte durchsetzen können. Mir ist zumindest kein Titel bekannt, bei dem das gemacht wird – jedenfalls nicht in der Unterhaltungssparte.

Neben den formalen Aspekten … Welche Vorteile machst du beim Self Publishing darüber hinaus aus?

Großartig ist, dass ich die Story völlig unabhängig von Programmplanungen der etablierten Verlage herausbringen konnte. Meine Heldin stolpert durch Berlin wie in den 90er Jahren Bridget Jones durch London. Nebenbei sucht sie Mr. Right und eine Lösung, die Welt zu retten. Und egal, ob der Stoff nun laut den Gesetzen des Buchmarkts angesagt ist, oder nicht: Diese charmante Figur bekam blitzartig die Chance, das Herz der Leser zu erobern.

Ein bisschen ist die Situation auf dem Buchmarkt derzeit vergleichbar mit der Fashionindustrie. Plötzlich hängt nur noch Orange in den Geschäften, weil irgendeine Trendmesse festgelegt hat, dass man das nun tragen soll. Aber wenn dir Orange nicht steht oder nicht gefällt, dann hättest du doch gerne etwas anderes, nicht? Ich bin das andere! Gemeinsam mit vielen anderen Selbstverlegern sorge ich für etwas Abwechslung.

Wo machst du beim Self-Publishing besondere Risiken aus?

Hmm, lass mich kurz nachdenken … Ich glaube das größte Risiko besteht darin, auf ein Unternehmen zu vertrauen, das einem beim Vertrieb oder etwa bei der Vermarktung helfen will und mit utopischen Erfolgszahlen lockt. Für die Leistungen werden Gebühren fällig. Und die werden plötzlich immer höher. Der Bereich Self-Publishing ist genauso kommerziell wie jeder andere auch. Doch woher soll der Hobby-Autor wissen, welches Angebot seriös ist und welches nicht? Welcher Laie kennt schon die Buchbranche und ihre Gepflogenheiten? Und wie kann man einen Nepper-Schlepper-Bauernfänger erkennen, bevor man bettelarm ist?

Nicole Sowade – Foto (c) frischefotos / Heiko Marquardt

Dazu kommt, dass mir beim Self-Publishing niemand professionelles Feedback zur Qualität meines Textes gibt. Mir bleibt nur die Reaktion der Leser, die im meinem Fall dankbarerweise bis jetzt durchweg positiv ist. Aber vielleicht wurde ein Manuskript auch mit Fug und Recht von Verlagen abgelehnt? Dann kann ich den Text natürlich selbst veröffentlichen, das macht ihn aber leider auch nicht besser.

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Was ist in deinen Augen von besonderem Nachteil?

Na ja. Der größte Nachteil beim Self-Publishing ist schlichtweg der Vertrieb. Klar kann ein Titel mit ISBN überall bestellt werden, aber das heißt ja noch lange nicht, dass er Platz in jeder Buchhandlung findet. Oder – wenn er wie in meinem Fall zunächst nur als E-Book vorliegt – in den absolut relevanten Online-Store vertreten sein. Für die Sichtbarkeit und steigende Bekanntheit muss der Autor selbst sorgen.

Was rätst du jenen, die Schritte in Richtung Self Publishing / Independent Publishing planen? Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Dass ihr bis auf weiteres keine Autoren mehr seid. Vergesst es! Nennt euch ab sofort Selbstvermarkter! Ich sage das bewusst so direkt, weil mir das vorher in dem Maße nicht so klar war. Ziemlich naiv dachte ich, das läuft schon irgendwie. Ich hatte sogar bereits mit der Fortsetzung begonnen. Dann kam Teil 1 raus. Und plötzlich war keine Zeit mehr zum Schreiben. Auf einmal ging es um Leser, Fans, Marketing-Material, Messen und immer wieder die Frage: Was kann ich, verdammt noch mal, noch unternehmen, um mit einem kleinen Budget einen zumindest bemerkbaren Effekt zu erzielen?

Wer also einen Text selbst veröffentlichen möchte, der sollte sich Zeit nehmen, das Danach zu planen. Sollte beobachten, was andere Autoren erfolgreich macht. Und ruhig auch nochmal das eine oder andere DIY-Fachbuch zum Thema Buchmarketing lesen. Traut euch unbedingt auch, andere Personen aus der Branche auf Xing oder Facebook und natürlich auch im echten Leben anzusprechen! Gerade uns Frauen fällt das ja nicht immer so leicht. Doch falsche Bescheidenheit ist fehl am Platze. Und last but not least: Übt unbedingt über euren Text zu sprechen. So banal das klingen mag, wenn der Moment kommt, dein „Baby“ vorzustellen, solltest du es flüssig und prägnant in den höchsten Tönen loben können …

Warum hast du dich für die Veröffentlichung von „Miss Januar“ für ein E-Book entschieden?

Entscheidung würde ich es gar nicht nennen. Es gab im letzten Jahr einen Moment, an dem eine Veröffentlichung als E-Book plötzlich Sinn machte. Während allmählich die Absagen ins Haus trudelten und der Frust wuchs, meinten Freunde, dass ich den Roman doch selbst drucken lassen könnte. Doch davon war ich nicht überzeugt. Ich hätte stapelweise Papier im Flur, und dann? Zur gleichen Zeit stieß ich online auf eine Studie des Öko-Instituts, wonach E-Books nachhaltiger als Print-Bücher seien – zumindest wenn man als Vielleser mehr als 11 Titel im Jahr schafft.

Was hat das mit deinem Roman zu schaffen …

Ganz, ganz viel! Ich kenne nämlich nur eine ganz spezielle Sorte von Verrückten, die so viel lesen: Fans von Liebesgeschichten und Happyends. Also: meine Zielgruppe! Und genau die kann ich mit E-Books erreichen und dabei sogar Gutes tun. Zugleich fiel mir auch mein Vorhaben wieder ein, zu meinem Roman etwas dazu zupacken. Urplötzlich war mir klar, dass ich ganz im Sinne meiner Romanheldin eine Spendenaktion möglich machen könnte. Na ja. Zu guter Letzt, bin ich wohl irgendwann über den „Buch veröffentlichen“-Button bei Amazon gestolpert. Ich wusste um das Honorar von Taschenbuch-Autoren. Mir ging auf, dass ich über Amazon wesentlich höhere Tantiemen erhalten würde. Der Rest ist Geschichte.

Worauf sollte man besonders achten, wenn man sich fürs E-Book entscheidet?

Ich denke, das ist ähnlich wie bei anderen Eigenveröffentlichungen. Lass es unbedingt von so vielen Leuten wie möglich lesen. Dann musst du dir das Cover überlegen, die Bildrechte klären, dich eventuell um eine ISBN kümmern und einen guten Preis festlegen. Wie soll der Satz aussehen? Wie das Layout? Wie das Inhaltsverzeichnis? Packst du noch weitere Infos rein? Verlinkst du Texte ins Web, was mit dem klassischen Buch nicht möglich ist. Und kannst du womöglich sogar am Ende des Buches bereits auf einen Nachfolger aufmerksam machen?

Und natürlich ist es nie verkehrt, bei den Profis zu lauschen. Janet Evanovich hatte damals gerade Teil 17 herausgebracht. Mir war es eine Freude, unter dem Deckmantel knallharter E-Book-Recherche ihre neue Story zu lesen und nebenbei zu schauen, was ein digitales Buch – noch dazu made in America – mindestens können muss. Auch wenn es in der Buchbranche sonst zu Recht nicht gerne gesehen ist, hier gilt: Abkucken erlaubt!

Was hältst du von den Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book?

Als Leser finde ich die Preispolitik der großen Verlage unverschämt überteuert. Wobei es hier natürlich auch Ausnahmen gibt. Ich kann nur hoffen, dass die Mehreinnahmen den Autoren zugutekommen. Wenn bei einem gedruckten Buch in der Regel ein Drittel der Einnahmen für die Produktion berechnet wird, so erwarte ich beim E-Book mindestens einen vergleichbaren Nachlass beim Verkaufspreis. Schließlich ist die digitale, technische Herstellung um ein Vielfaches günstiger ist.

Wie verfährst du mit der Preisgestaltung?

Als Autor gehe ich natürlich anders an die Frage heran. Dabei ist entscheidend, wo ich selbst stehe und was ich strategisch möchte. Die Verramschungspanik kann ich nicht teilen. Als Part-Time-Autor finde ich Gratis-Aktionen, die in der Regel ja auch zeitlich beschränkt sind, toll. Sie sind das, was im klassischen Verlag das Gewinnspiel ist, und kosten de facto sogar weniger, nämlich nichts. Der Effekt ist jedoch der Gleiche: Man gewinnt neue Leser.

Mit welchem Preis Self-Publishing-Autoren aufmachen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mein Rat: Kalkulieren und sich dann für die beste Alternative entscheiden. Mein E-Book „Miss Januar“ ist für 3,49€ zu haben. Damit verdiene ich zwischen 60% und 80% vom Nettoverkaufspreis. Und damit schon einmal viel mehr pro Exemplar, als wenn ich ein Taschenbuch verkaufen würde. Von meinen Einnahmen gehen 50 Cent für die Spendenaktion für Save the Children Deutschland ab. Verbleiben also grob zwischen 1,20€ und 1,80€ für mich, die ich wiederum in Aktionen oder Ähnliches investieren kann. Für mich perfekt.

Aber nochmal: Der Preis ist abhängig von der persönlichen Situation und den eigenen Zielen. Mir geht es mit meinem Erstling „Miss Januar“ darum, Leser zu finden und zu unterhalten. Wenn ich damit den einen oder anderen Euro verdiene ist das ein Plus, kein Muss. Und noch toller wäre ehrlich gesagt, wenn ich nach einem Jahr einen richtig fetten Check an Save the Children überreichen könnte. Dafür muss ich aber vor allem eines: bekannter werden …

Du hast „Miss Januar“ zunächst in der Kindle-Edition veröffentlicht. Inzwischen bist du damit bei epubli, dem Online-Unternehmen der Verlagsgruppe Holtzbrinck. – Wieso das?

Du wirkst überrascht? Dabei sprachen für epubli sogar relativ viele Gründe und nicht einmal an erster Stelle, dass sie zu Holtzbrinck gehören und damit auf relativ sicheren Beinen stehen. Sie nehmen mir vor allem das Handling mit den drei großen E-Book-Stores Amazon, iTunes und Google Play ab. Außerdem haben sie mich im Gegensatz zu anderen Anbietern bereits auf der Leipziger Buchmesse durch Seriosität und Professionalität überzeugt. Hinzu kommen eine gute Reputation und ein sympathisch-unaufdringliches Auftreten. Jeder kennt das doch: Man betritt einen Laden und in den Augen der Verkäufer blitzen Provisionsgedanken auf. Dann stürzen sie sich auf dich und beginnen dir alles Mögliche aufzuschwatzen. Um bei meinem Fashion-Beispiel zu bleiben: Sie argumentieren, dass dir Orange doch steht. Erst zu Hause siehst du dem Fehlkauf offen ins Auge und bist enttäuscht. Das war bei epubli nicht so.

Spielte der Standort-Vorteil bei deiner Entscheidung auch eine Rolle?

Ja. Für epubli sprach auch, dass sie wie ich in Berlin sitzen. Noch besser, sogar in einer Ecke, in der es nur so vor jungen Leuten mit tollen Ideen wimmelt. Dort herrscht genau der Spirit, den ich klassischen Verlagen heute nicht mehr zutraue. Epubli hat beispielsweise derneuebuchpreis.de ins Leben gerufen, an dem epubli-Autoren wie ich teilnehmen können, um dadurch bekannter zu werden. Sie sind außerdem auch Print-on-Demand-Anbieter, was vielleicht für mich noch spannend werden kann. Na ja. Und falls ein anderes Angebot attraktiver werden sollte, dann ist das auch kein Weltuntergang. Mit einer Kündigungsfrist von fünf Tagen werde ich epubli im Zweifel schneller los als meinen furchtbaren Handyvertrag.

Welche Vorteile machst du in der Zusammenarbeit mit einem BOD-Verlag aus?

So unromantisch das jetzt auch klingen mag: Während ich mit meinen Ideen rumtüdele, wollen BODs im Grunde nur eines: Verkaufen! Und das ist überhaupt nicht verkehrt, sondern im Gegenteil von nicht zu unterschätzendem Wert. Zum einen bin ich ihre Ware – wobei sich das Invest bei epubli jedoch in Grenzen hält. Zum anderen ist es aber mein Titel. Und der soll allen Umsatz bringen. Da sag ich doch nicht „nein“ dazu. Außerdem kommt mir deren Fachkompetenz ebenfalls zugute. Was für mich momentan noch Freizeit ist, ist deren Hauptberuf: Trends des eBook-Marktes verfolgen, bewerten und selbst setzen, nach Amerika schauen, die Vorreiter sind, und und und. Man muss, ja man kann als Self-Publisher nicht Profi in allem sein!

Siehst du in der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen auch Nachteile?

Dafür währt die Zusammenarbeit mit epubli noch zu kurz. Logischerweise fehlt ihnen die Vertriebsstruktur der großen, klassischen Verlage. Oder hast du schon einmal auf den Buchtischen der großen Ketten wie Thalia &Co neben Goldmann, Rowohlt und wie sie nicht alle heißen das epubli-Label gesehen? Aber, das kann man ihnen wohl kaum anlasten. Das wäre ja so, als wolle ich mich beschweren, dass es im Supermarkt kein Benzin zu kaufen gibt. Es steckt einfach ein anderes Geschäftsmodell dahinter.

Darüber hinaus muss ich mich bei einem BOD-Verlag um mein Marketing selbst kümmern. Allerdings war mir das bereits vor meiner Entscheidung bewusst, zu epubli zu wechseln. Wenn ich nicht Top-1A-Superseller-Autor der großen Verlage bin, wäre das dort kaum anders. Frag mich doch bezüglich der Nachteile in einem Jahr nochmal, vielleicht weiß ich dann mehr …

Das mache ich glatt, Nicole – epubli & co … Alle Zeichen deuten ja darauf hin, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf traditionelle Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben. Wie schätzt du diese Entwicklung ein?

In puncto Digitalisierung und damit einhergehender Panik lassen sich immer schöne Parallelen zum Musik-Business ziehen. Genau wie dort, wird das Angebot wachsen. Es gibt den Mainstream, der im Radio läuft, und daneben zahlreiche Künstler, die sich ebenfalls erfolgreich positioniert haben. Genau diese Vielfalt entwickelt sich mehr und mehr auch auf dem Buchmarkt. Und das ist doch auch gut so, oder? Die Verlage sind keine Gatekeeper mehr– mit welchem Recht auch? Dass solche Entwicklungen den Buchhandel, so wie er momentan existiert, und allen voran den stationären Buchhandel bedrohen, das sehe ich auch. Wie sie sich behaupten können? Naja. Vielleicht indem sie statt neuestem Grillbesteck, Blumensamen und saisongerecht passenden Schürzen endlich verstärkt das digitale Leben in ihre Heiligen Hallen lassen und damit auch wieder für ein jüngeres Publikum interessant werden.

Und die Autoren …

Jeder Autor kann sich sein Publikum selbst suchen. Formen der Urheberschaft, etwa wenn eine Community einen Social Roman schreibt, und Bezahlmodelle werden sich genauso wie die Textgattungen verändern. Denke doch zum Beispiel an den Kurzroman, der gerade immer beliebter wird und zugleich ein Symptom unserer schnelllebigen Zeit ist. Inhalte werden in Rekordgeschwindigkeit konsumiert, bis der nächste Text die Aufmerksamkeit erregt. Mir war dieser Trend, bevor ich mich mit E-Books beschäftigt habe, nicht klar. Mittlerweile finde ich ihn jedoch sehr spannend.

Was stößt dir bei den aktuellen (brancheninternen) Diskussionen rund um die Zukunft des Buches besonders negativ auf?

Die Branche klammert sich an ein Trägermedium, weniger an den Inhalt. Und sollte es nicht genau darum gehen? Das ist doch ihr eigentliches Business! Die Inhalte erhalten gerade eine neue Verpackung, mehr nicht. Was dahinter steht, behält doch die gleichen Werte. Es bleibt genauso liebenswert oder schockierend oder informativ wie zuvor. Es ist ja auch nicht so, dass nur noch E-Books publiziert werden. Im Gegenteil! Jeder Titel steht in verschiedenen Formaten zur Verfügung und jeder Leser muss für sich entscheiden, welches Format er wählt. Vielleicht gewinnt die Haptik eines echten Buches, vielleicht die Platzersparnis eines E-Books. Vielleicht brauchen einige Leser auch ihr Bücherregal, auf das sie voller Stolz schauen können, so wie andere sich ihren Porsche leisten …

„Meine Güte, so what?!“, möchte man am liebsten ausrufen. Hauptsache: Der Inhalt ist gut und Hauptsache, es wird gelesen. Und das wird es! Schon zu Beginn meines Studiums, und das ist mittlerweile zehn Jahre her, geisterte die Angst vor dem Tod des Buches durch die Hörsäle. Völlig übertrieben und mal ehrlich: Totgesagte leben länger.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Was heißt dem E-Book? Dem digitalem Lesen … Warum nicht? Beides existiert ja längst nicht erst seit gestern, auch wenn alle so tun. In den Diskussionen wird oft vergessen, dass wir bereits seit Jahrzehnten tagtäglich am PC und auf Handys digital lesen. Und so abstoßend, wie es bisweilen dargestellt wird, empfinden wir das bei weitem doch gar nicht, sondern in der Regel als ziemlich praktisch. Die entsprechenden Geräte haben wir heute schon und freiwillig gestalten wir unser Leben immer mobiler und digitaler. Wenn wir sogar schon Freundschaften online pflegen, warum dann nicht auch unsere Bücher? Die Technik mag noch nicht hundertprozentig ausgereift sein, aber es kann sich ja nur noch um Augenblicke handeln, bis hier Abhilfe geschaffen wird.

Wo siehst du Probleme?

Für mich ist nach wie vor die Frage des Zitierens ungeklärt. Zum wissenschaftlichen Arbeiten taugt das E-Book momentan nicht. Und noch furchtbarer ist das Hickhack mit den Dateiformaten. Der Windows-Apple-Kindergarten aus der Musikindustrie wird mit epub und mobi zur Amazon-Apple-Spielwiese des Buchmarktes. Und ich baue darauf, dass es ein gemeinsames Format geben wird, wie die wunderbare mp3 im Audiobereich, das auf allen Readern funktioniert.

Wird Gedrucktes deines Erachtens jemals verschwinden?

Eher nicht. Mit dem Siegeszug des PCs dachten auch alle, das papierlose Büro naht. Und dennoch drucken und archivieren wir wie die Weltmeister. Das recht einfach herzustellende Medium Papier wird ergänzt. Abgelöst jedoch durch ein technisch hoch komplexes Gerät? Noch lange nicht!

Der zweite Teil meines Gespräches mit Nicole Sowade dreht sich darum, was sie für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Steglitz fragt bei Petra Röder nach

„Es gibt kaum einen rationalen Grund, nicht auf E-Books umzusteigen.“

Die Verbindung zu Petra kam über Michael Röder zustande, für dessen Portal The Intelligence ich gelegentlich schreibe. Als ich mir Gedanken machte, welche Autoren unterschiedlichen Schlages in meiner losen Gesprächsreihe den Anfang machen könnten, fragte ich Micha, ob er mir einen Kontakt herstellt. Und: siehe da …

Die Selbst-Verlegerin Petra Röder ist ursprünglich Grafikerin. Ihr Debüt, den ersten Band der Vampir-Trilogie „Blutrubin“, veröffentlichte sie 2011 bei „edition winterwork“, einem BOD-Verlag, der auch die Folgebände druckte. Mit ihren E-Books ist sie bei Kindle präsent, seitdem die Plattform in Deutschland im Frühjahr 2011 an den Start ging. Petra hat klare Vorstellungen von den Anforderungen an Self Publisher und ist davon überzeugt, dass dem E-Book die Zukunft gehört. Ginge es nach ihr, würde die Buchpreisbindung in Deutschland fallen.

Wie kam es zu deiner ersten Publikation?

Ich habe vor rund drei Jahren mit dem Schreiben begonnen und einen, nennen wir es Übungsroman zu Papier gebracht. Der liegt mittlerweile gut verschlossen in einer Schublade. Dort wird er auch bleiben. Das erste vorzeigbare Werk war „Blutrubin – Die Verwandlung“ mit dem ich mich auch bei verschiedenen Verlagen und Agenturen beworben habe. Neben vielen Absagen, die übrigens heute noch – nach über 2 Jahren – eintreffen, bekundete eine bekannte deutsche Literaturagentur ernsthaftes Interesse. Nach vielen Gesprächen habe ich den Roman umgeschrieben und die Charaktere etwas verjüngt, damit die Zielgruppe sich besser damit identifizieren kann. Das alles nahm ein halbes Jahr in Anspruch. Danach war drei Monate Funkstille. Am Ende wurde mir dann mitgeteilt, dass derzeit kein Bedarf an weiteren Vampir-Romanen bestünde. An diesem Punkt habe ich mich entschlossen, die Veröffentlichung selbst in die Hand zu nehmen.

Deine Bücher sind bei „edition winterwork“ erschienen. Hast du – außer dem Druck – auch andere Dienstleistungen in Anspruch genommen?

Neben dem Druck ist „edition winterwork“ ist auch für den Vertrieb zuständig. Die Covergestaltung und den Satz habe ich selbst übernommen. Als Grafikerin fällt mir das nicht schwer. Das Lektorat wurde zusammen mit meinem Mann, einigen Testlesern und Softwareunterstützung ebenfalls selbst bewerkstelligt. All diese Dienstleistungen kann man bei „edition winterwork“ auch dazu buchen, sofern man sich damit überfordert fühlt.

Wieso „edition winterwork“ …

Vor der Zusammenarbeit mit „edition winterwork“ habe ich sehr ausführlich recherchiert, bei welchem Anbieter ich mein Buch veröffentlichen möchte. Die Leitungen sind sicherlich überall ähnlich, die Preise und Vertragsbedingungen sind allerdings eklatant unterschiedlich. Da mir bei „edition winterwork“ auch telefonisch eine sehr kompetente und intensive Beratung geboten wurde, habe ich mich letztendlich für diesen Anbieter entschieden und es bis heute nicht bereut. Meinen Verlag kann ich hier reinen Gewissens eine Empfehlung aussprechen.

Welche Vorteile machst du in der Zusammenarbeit mit einem BOD-Verlag aus?

Im Vergleich zu klassischen Verlagen sehe ich einen großen Vorteil darin, dass Bücher, schnell und unkompliziert veröffentlicht werden.

Siehst du in der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen auch Nachteile?

So man keine größeren Summen investieren möchte oder kann, muss man sich um alles in Eigenregie kümmern: Lektorat, Satz, Cover und Marketing. Mittlerweile sehe ich das jedoch nicht mehr als Nachteil. Wahrscheinlich, weil es mir längst zur Routine geworden ist.

Was sollte man bei der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen besonders beachten?

Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Daten, hier besonders der Text, korrekt sind, die man für den Druck übermittelt. Letztendlich wird gedruckt, was man liefert. Ohne weitere Rückfragen. Mit meinem ersten Buch habe ich diesbezüglich eine unvergessliche Erfahrung gemacht. Als ich die für meinen Eigenbedarf benötigte Auflage bestellt habe, rutschte mir doch tatsächlich versehentlich eine unkorrigierte Version in die Mail an den Verlag. Diese Bücher liegen jetzt hier im Schrank. Vielleicht werden sie einmal begehrte Sammlerstücke, wer weiß … Zum Verkauf taugen sie jedenfalls nicht.

Welche Vorteile hat Self-Publishing deiner Meinung nach?

Ich bin mein eigener Herr. Meine Bücher erscheinen so, wie ich sie geschrieben habe. Es gibt niemanden, der sich einmischt, weder bei der Story noch bei der Gestaltung des Covers.

Wo machst du besondere Risiken aus?

Bisher sind mir keine Risiken aufgefallen; zumindest nicht bei meinem Anbieter.

Was rätst du jenen, die Schritte in Richtung Self Publishing/Independent Publishing planen? Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Ein BOD-Verlag druckt alles, was man ihm vorlegt. Auch den allergrößten Mist, um es unverblümt zu sagen. Daher ist es ungemein wichtig, sich zuallererst wirklich belesene und vor allem gnadenlose Kritiker zu suchen, auf die man dann auch hört. Kritikfähigkeit ist unabdingbar. Wahrscheinlich ist kein Autor auf diesem Planeten in der Lage, das eigene Werk objektiv zu betrachten. Wer aus der Schreiberei einen Nebenerwerb oder mehr machen möchte, der muss qualitativ Ansprechendes abliefern. Ob das dann ein wirklicher Erfolg wird oder nicht, stellt sich erst später heraus.

Petra Roeder – Foto (c) Michael Roeder

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man sich keinen Illusionen hingibt. Es mag da so manchen geben, der sich bereits kurz nach der Veröffentlichung Gedanken über seine Rede zur Verleihung des Literaturnobelpreises macht. Das mag jetzt überspitzt formuliert sein. Aber: Wer von vornherein davon ausgeht, ab sofort mit Reichtum und Ruhm rechnen zu können, der liegt gründlich daneben. Um einen kommerziellen Erfolg zu erzielen, müssen viele Faktoren zusammenspielen, die man nur bedingt planen kann.

Was unerlässlich ist, ist das Marketing. Das tollste Buch wird von niemandem gekauft, wenn kein Mensch weiß, dass es das Buch gibt. Besonders in Sachen Social Media kann man mit der Vorplanung gar nicht früh genug anfangen.

Du veröffentlichst deine Bücher auch als E-Book, und zwar in der Amazon Kindle-Edition. Was hat dich dazu bewogen?

Ich stieg bei Kindle bereits kurz nach dem Start der Plattform ein, um zu testen, ob es da wirklich einen Markt gibt. Die Verkaufszahlen waren gleich zu Beginn erfreulich. Und da die Veröffentlichung eines Kindle-Buches relativ einfach ist, lag es auf der Hand auch meine anderen Bücher dort einzustellen. Ein nicht zu vernachlässigender Grund sind natürlich auch die deutlich höheren Tantiemen.

„Traumfänger“ lag zunächst als E-Book vor – dann als körperliches Buch. Was versprichst du dir von dieser Abfolge?

Die gedruckte Ausgabe war von vorneherein geplant, da es sehr viele Leser gibt, die ein Buch in Händen halten möchten. Allerdings ist die Kindle-Version schneller erstellt. Und so etablierte sich bei mir das Prozedere, ein neues Buch direkt nach Fertigstellung als Kindle-E-Book zu veröffentlichen und sich erst danach um den Satz und das Cover für die gedruckte Version zu kümmern. Zudem dauert es auch ein bisschen, bis ein neues Druckwerk bei Amazon und den anderen Anbietern gelistet und verfügbar ist. Das ist auch bei meinem neuesten Roman „Racheschwur“ so, was die Fortsetzung von „Flammenherz“ ist. Seit vorletzter Woche gibt es die Kindle-Edition. Die gedruckte Ausgabe erscheint am 1. September.

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Den habe ich aktiviert. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass wir hier nicht von „unknackbar“ sprechen. Ich stehe allerdings auf dem Standpunkt, dass für geleistete Arbeit auch ein entsprechendes Honorar fällig ist. Und wer es noch nicht selbst gemacht hat, dem sei es hier verraten: Dass es wirklich Arbeit ist, ein Buch zu schreiben.

Was hältst du von den Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book?

Ich finde das sollte man jedem Autor bzw. Verantwortlichen selbst überlassen. Der Vorteil am E-Book ist ja, dass mit ein paar Mausklicks etwas geändert werden kann, neben spät erkannten Tippfehlern auch der Preis. Ob man das nun für eine befristete Sonderaktion zu Promo-Zwecken nutzt oder herumexperimentiert, zu welchem Preis sich das Buch gut verkaufen lässt.

Ich habe das mit meinem Buch „Mitten ins Herz“ so gemacht. Anlässlich der Fußball-EM habe ich den Preis heruntergesetzt, um den nicht fußballbegeisterten Lesern eine kleine Freude zu machen. Die Verkaufszahlen sind daraufhin so exorbitant angestiegen, dass ich beschlossen habe, den reduzierten Preis zu belassen. Mit einer Preisbindung ist das unmöglich. Wenn es nach mir ginge, würde auch die Buchpreisbindung für Gedrucktes abgeschafft. Überall wird von den „Märkten“ geredet, die das regeln. Nur bei Büchern hält man an einer Regelung fest, die einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Das beantworte ich mit ganz klaren Ja. Das lässt sich doch bereits an den Verkaufszahlen von E-Books ablesen, die von Monat zu Monat ansteigen. Seit Weihnachten 2011 ist ein echter Boom erkennbar. Man hat deutlich gemerkt, dass der Kindle-Reader bei vielen Menschen unter dem Christbaum lag. Ich gehe davon aus, dass sich das dieses Jahr wiederholt. Ich bin mir zwar sicher, dass gedruckte Bücher zumindest mittelfristig nicht aussterben, aber in den kommenden Jahren mehr und mehr von E-Books abgelöst werden. Wer schon einmal einen E-Book-Reader mit E-Ink-Technologie in der Hand hatte, wird zugeben müssen, dass der Unterschied zu Papier wirklich minimal ist. Es gibt also kaum einen rationalen Grund, nicht auf E-Books umzusteigen.

Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf traditionelle Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben (werden). Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Sagen wir es so: Als Buchhändler würde ich mir schon meine Gedanken machen, was in drei oder fünf Jahren sein wird. Auf den Buchladen vor Ort dürften echte Probleme zukommen. Für Verlage wird es sicher nicht ganz so dramatisch werden. Die werden ihre etwas geringeren Umsätze dann eben mit E-Books wettmachen.

Glaubst du, dass Independent Publikationen à la longue den klassischen Verlagen den Rang ablaufen können?

Das kommt darauf an, wie sich die Autoren verhalten. Es ist zwar einfach ein E-Book auf den Markt zu bringen, aber nicht jeder Autor ist auch in der Lage ein gutes Buch zu schreiben. Sicher sind unter den neuen Autoren viele unentdeckte Talente, aber eben auch viele Hobbyschreiber, die über kurz oder lang erkennen werden, dass sieben verkaufte Bücher innerhalb eines Jahres zum Broterwerb nicht taugen. Ich denke, das wird sich mit der Zeit einspielen. Neben den publizierenden Hobbyschreibern werden etablierte Self Publisher und E-Book-Autoren stehen, die den traditionellen Verlagen richtig Konkurrenz machen. Ob die renommierten Bestseller-Autoren zukünftig auf Verlage verzichten werden, kann ich schwer einschätzen. Es ist aber zu vermuten, dass sich Vertragsverhandlungen anders gestalten werden und die Tantiemen entsprechend erhöht werden.

Der zweite Teil meines Gespräches mit Petra Röder dreht sich darum, was sie für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken? – Rede und Antwort standen hier bereits Jando und Petra van Cronenburg.