„Alleine, dass wir machen können, was wir wollen, hilft schon viel.“ – SteglitzMind stellt Sarah Legler und Jorghi Poll von der Edition Atelier vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von stellt Sarah Legler und Jorghi Poll, die die Wiener Edition Atelier verantworten. Vorgeschlagen hatte das Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Goldegg Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Die Edition Atelier wurde in den Achtzigerjahren von Jörg Mauthe gegründet und ist jetzt ganz zufällig in der Nähe des Jörg-Mauthe-Platzes im 9. Wiener Gemeindebezirk beheimatet. Seit 2012 ist der Verlag wieder selbstständig und wird von Sarah Legler und Jorghi Poll geleitet.

Machen Sie alles alleine?

das Team: Legler, Poll, Volkmann, Reiner © Edition Atelier

das Team: Legler, Poll, Volkmann, Reiner © Edition Atelier

Wir machen alles selbst, Lektorat, Grafik und Presse, ganz selten mal, dass wir etwas außer Haus geben. Wie vermutlich die meisten unserer KollegInnen schauen wir nicht unbedingt auf die Uhr und sind auch öfter am Wochenende im Büro. Zurzeit sind wir mit zwei geringfügigen MitarbeiterInnen, Sebastian Reiner und Jana Volkmann, zu viert im Team.

Die Programmschwerpunkte?

In dreißig Jahren des Bestehens hat sich die Programmlinie natürlich immer wieder mal verändert, mit unserer Übernahme haben wir den Schwerpunkt auf zeitgenössische Belletristik gelegt. Wir arbeiten sehr intensiv mit den Autorinnen und Autoren zusammen und legen Wert auf literarische Qualität. Neben den Romanen ist unsere Paperback-Reihe „Textlicht“ mit kürzeren Erzählungen und Prosatexten etwas, das sonst nur wenige andere Verlage machen. Die Reihe „Wiener Literaturen“ legt vergessene Bücher von Wiener Autorinnen und Autoren aus den 1920er- und 30er-Jahren neu auf. Darüber hinaus versuchen wir aber auch, die Backlist am Leben zu erhalten. Neben den Romanen von Jörg Mauthe haben wir zum Beispiel „Die Strategie des Tarockspiels“ vor kurzem nachgedruckt. Nicht zu fassen, wie viele TarockspielerInnen es gibt!

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Seit dem Sommer 2014 bieten wir die meisten Romane auch als E-Books an. Lange haben wir uns gewehrt, sehen E-Books aber mittlerweile als spannende Alternative. Außerdem ist es schön, dass manche Backlist-Titel hier noch mal mehr Aufmerksamkeit bekommen. Durch die E-Books tut sich noch mal was auf!

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Das ist ein bisschen so, wie wenn man eine Mutter nach ihrem Lieblingskind fragt. Aber im Ernst: 2015 sind bisher drei Bücher erschienen – die finden wir alle und ohne Einschränkungen großartig: In unserer Taschenbuchreihe „Textlicht“: Hanno Millesis Novelle „Venusatmosphäre“, der Roman „Die Verschwundenen“ von Wolfgang Popp und „Magda“, Meike Ziervogels Roman über Magda Goebbels, den Martin Thomas Pesl aus dem Englischen übersetzt hat.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir haben arbeiten beide schon länger in der Branche, dann bekam Jorghi das Angebot, den Verlag zu übernehmen, ein Jahr später ist Sarah dazu gestoßen. Vermutlich hätten wir aber früher oder später ohnehin gemeinsam etwas in die Richtung gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Alleine, dass wir machen können, was wir wollen, hilft schon viel. Die (kreative) Zusammenarbeit mit engagierten Menschen tut ebenfalls enorm viel dazu!

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

???????????????????????Es geht alles schneller.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Vermutlich machen wir nicht wirklich was anders. Wir versuchen, das, was wir tun, möglichst gut zu tun – also nicht mal darin unterscheiden wir uns von anderen VerlegerInnen. Im Ernst: Wir probieren viel aus – darin liegt vielleicht einer der Vorteile eines Indie-Verlages: die Möglichkeit, auszuprobieren. Über Gespräche mit Autorinnen und Autoren ergeben sich auch immer viele Ideen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die Startphase war schon auch wichtig für uns – weil wir viel gelernt haben.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kannten schon vor unserer Arbeit mit der Edition Atelier einige junge Autorinnen und Autoren, insofern hatten wir beide schon „Listen“ mit Leuten, mit denen wir gerne zusammenarbeiten wollten. Die allermeisten unserer Bücher ergeben sich durch persönliche Kontakte.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir überlegen immer wieder mal, ob wir einen Webshop einrichten sollen, aber im Prinzip haben wir ganz klassische Verkaufsabläufe: im Buchhandel, bei Veranstaltungen, online. Die E-Books werden über Bookwire vertrieben.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir versuchen, Lesungen in Buchhandlungen zu veranstalten und persönliche Kontakte aufzubauen; und dann reisen natürlich auch die VertreterInnen durch die Buchhandlungen. Wir haben schon das Gefühl, dass uns die BuchhändlerInnen immer mehr wahrnehmen – gleichzeitig ist die Situation im Buchhandel aber sehr schwierig, und das wirkt sich natürlich auch auf die kleinen Verlage aus.

Wie halten Sie es mit Amazon?

???????????????????????????????????????????Unsere Bücher sind über Amazon erhältlich, und wir wollen auch niemandem vorschreiben, wo er einkaufen soll. Natürlich verweisen wir aber gezielt auf die Buchhandlungen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Budget für Marketing ist bei uns keines vorhanden, das geht sich beim besten Willen nicht aus. Wir haben Accounts bei Facebook und Twitter, einen eigenen Verlagsblog, machen, so gut es geht, Pressearbeit, verschicken Newsletter. Wir versuchen, viel rauszugehen – was natürlich auch eine Zeitfrage ist. Dieses Jahr sind wir auch stärker beim Indiebookday präsent.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Geschäftlich – wir sind Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Eigentlich für Leute wie uns: die gerne lesen und gerne Neues entdecken, das auch schon mal unkonventionell sein darf. Eine konkrete Zielgruppe gibt’s nicht wirklich – wir machen keine glatten Bücher, sprachlich und inhaltlich gibt’s sehr viele Unterschiede.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In unserer Zusammenarbeit und in den AutorInnen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Es ist eine Grundvoraussetzung selbstständiger Arbeit, dass man sich von den zahlreichen Risiken, die es dabei und in und um die Buch- und Verlagsbranche gibt, nicht verrückt machen darf.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

edition atelier Ziervogel_Magda_Cover2DDass sehr oft nicht dieses klassische Konkurrenzdenken da ist. Den Austausch und Zusammenhalt, was auch der Indiebookday zeigt, der zwar in Österreich leider noch nicht so bekannt ist, aber in Deutschland innerhalb weniger Jahre zu einem gemeinsamen Projekt geworden ist. Und dass viele gute Sachen entstehen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich von Beginn an gut zu strukturieren und sich was gutes Neues zu überlegen, das sich von den irrsinnigen Büchermassen, die jedes Jahr neu erscheinen, abhebt.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es gibt viele tolle Indie-Verlage, die wir gut finden und deren Treiben wir mitverfolgen. Empfehlen wollen wir hier das Verlagshaus J. Frank, die machen vor allem Lyrik. Das passt schon deshalb gut zu uns, weil wir regelmäßig darüber streiten, ob wir Lyrik machen sollen oder nicht – und die tun das einfach, und das großartig!

Herzlichen Dank für diesen Einblick! Und zudem dafür, dass ich mir aus Ihrem Programm habe „Magda“ wünschen dürfen.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Edition Atelier im Netz:

Website, hier gibt’s neben Infos zu AutorInnen und Büchern auch Leseproben, Trailer, Hörproben: www.editionatelier.at

Verlagsblog: https://textlicht.wordpress.com/

Facebook: www.facebook.com/edition.atelier

Twitter: https://twitter.com/editionatelier

Vorschau & Verlagsmagazin

 

 

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„Schwierigkeiten ist das falsche Wort, als Unternehmer und Verleger kennt man nur Herausforderungen.“ – SteglitzMind stellt Karlheinz Schlögl vom Golkonda-Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass heute Karlheinz Schlögl Rede und Antwort steht, der gemeinsam mit Hannes Riffel den Golkonda-Verlag verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Steffen Janssen vom Luzifer Verlag.

Seit wann existiert Ihr Verlag?

Den Golkonda-Verlag in Berlin gibt es seit 2010, der Verlagsname ist dem Atomvulkan Golkonda von Arkadi & Boris Strugatzki geschuldet, deren Werkausgabe zum zentralen Programm bei Golkonda gehört. Ursprünglich als GbR von Hannes Riffel gegründet, der hauptberuflich als freier Lektor und Übersetzer tätig ist, erfolgte 2012 mit meinem Einstieg als Co-Gesellschafter die Umwandlung in eine GmbH.

Machen Sie und Hannes Riffel alles alleine?

Karlheinz Schlögl © Golkonda-Verlag

Karlheinz Schlögl © Golkonda-Verlag

Von Anfang an mit dabei waren auch unsere Gestalterin Susanne Beneš und Setzer und SF-Spezialist Hardy Kettlitz. Darüber hinaus unterstützen uns zahlreiche freie Mitarbeiter und Verlagsfreunde dabei, schwerpunktmäßig, aber nicht nur, internationale Phantastik und Krimis sowie seit 2014 auch klassische Literatur und Sachbücher zu veröffentlichen, und zwar sowohl als aufwendig gestaltete Printausgaben wie auch als eBooks.

In Summe sind nun schon an die sechzig Bücher bei Golkonda erschienen, wir waren also mehr als fleißig in den letzten vier Jahren, und freuen uns, dass unser Schaffen auch schon viermal mit dem Kurd Laßwitz Preis gewürdigt wurde, zweimal für Bestes ausländisches SF-Werk mit deutscher Erstausgabe und zweimal für Beste Übersetzung zur SF ins Deutsche mit Erstausgabe.

Ihre persönlichen Highlights?

Bei so vielen bereits erschienenen Büchern kann jede Aufzählung von Highlights immer nur zur Unterschlagung anderer wichtiger Bücher führen, aber wenn schon, dann sind es für mich die deutschen Erstveröffentlichungen, und hier vor allem die Storybände aus dem angloamerikanischen Raum von David Marusek, Paolo Bacigalupi, Ted Chiang, Geoff Ryman und Kij Johnson sowie, mein persönliches Steckenpferd, die Ausgabe der Gesammelten Werke von Samuel R. Delany, für deren Herausgeberschaft ich mich auch verantwortlich zeichne.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Delany-Bewegung_150Ich denke, die Zeit ist immer passend für einen neuen Verlag … Für mich war es entscheidend, damit auch die Möglichkeit zu haben, die eigenen Lieblingsautoren und meinen Literaturgeschmack sichtbar zu machen. Und eigentlich sehe ich in diesen Zeiten für kleine Verlage dank Amazon und E-Books ganz neue Möglichkeiten und Chancen, sich neben den Großen zu behaupten, eben ohne eigenes Vertriebsnetz zu den Buchhandlungen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Schwierigkeiten ist das falsche Wort, als Unternehmer und Verleger kennt man nur Herausforderungen. Unser Engagement beruht auf der Freude und dem Stolz, schöne Bücher zu schaffen, die unseren Qualitätsvorstellungen entsprechen und die wir selbst gerne in unsern eigenen Bücherregalen stehen haben möchten.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Die Digitalisierung erleichtert uns selbstverständlich die Erstellung der Bücher, Datenaustausch und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten wird dadurch einfacher möglich. Der Ausgangspunkt jeglicher erfolgreichen Verlegertätigkeit ist jedoch die Auswahl der »richtigen« Bücher für das Verlagsprogramm, und hier muss man Vertrauen in den eigenen Geschmack und Riecher haben, keine Digitalisierung und Innovation kann einem das abnehmen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Halbengel_150Ich denke, jeder Verlag ist einzigartig durch die im jeweiligen Verlag engagierten Personen. Entsprechend spiegelt auch der Golkonda-Verlag das Geschmacksspektrum des Golkonda-Teams wieder und führt dadurch zu seinem eigenen unverwechselbaren Verlagsprogramm.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Man lernt natürlich einiges dazu, aber viele der späteren Einsichten sind zu Beginn gar nicht umsetzbar. Um beispielsweise Medienpräsenz und Besprechungen zu bekommen oder Kooperationen mit anderen Verlagen eingehen zu können, ist es vorab einmal notwendig, sich selbst mit seinem Programm zu positionieren.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Lesen, lesen und nochmals lesen, um vergleichen zu können und eine gute Auswahl zu treffen. Die Kontaktierung von Autoren, die man veröffentlichen möchte, erfolgt zumeist über deren Agenten. Aber sobald man mit dem eigenen Programm wahrgenommen wird, passiert es auch, dass einem von den Agenten Manuskripte ungefragt angeboten werden oder Autoren sich bei einem melden, weil sie auch Teil des Verlagsprogrammes werden wollen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Neben einigen ausgewählten, für uns wichtigen Buchhandlungen, die direkt beim Verlag bestellen, wie beispielsweise das Otherland in Berlin, mit dem wir auch persönlich stark verbunden sind, erfolgt im Printbereich die Auslieferung vor allem über die großen Zwischenhändler wie KNV und Libri. Damit dort wiederum die gewünschten Bestellungen eintreffen, muss unser Marketing das Verlagsprogramm entsprechend bekannt machen, wobei für uns dann vor allem die Rezensionen im Fernsehen, im Radio, in den Internetblogs und auf den Literaturhomepages sehr, sehr hilfreich sind.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Atomvulkan_150Da wir kein eigenes Vertriebsnetz unterhalten, ist der direkte Kontakt zu den Buchhandlungen nur punktuell möglich. Umso mehr freut es uns dann, wenn es von Seiten der Buchhandlungen immer wieder auch Angebote gibt, einen Golkonda-Schwerpunkt zu präsentieren, wie beispielsweise letzten Sommer bei Dussmann in Berlin, bei Leykam in Graz, bei Decius in Hannover und vor allem über das ganze Jahr mit eigenem Golkonda-Regal in der Otherland Buchhandlung in Berlin.

Letztendlich verdanken wir jeden Erfolg den Autoren unserer Bücher. So kann es durchaus passieren, das auch große Ketten wie Hugendubel schon mal vorab einen spürbaren Teil einer Auflage vorbestellen, wenn sie erfahren, dass beispielsweise George R. R. Martins Armageddon Rock von Golkonda neu aufgelegt wird.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Als Kleinverlag stellt Amazon einen echten Mehrwert da, das ganze Verlagsprogramm wird für alle zugänglich, ohne in jeder Buchhandlung präsent sein zu müssen. Gleichzeitig braucht man nicht zu befürchten, mit Amazon Margen neu aushandeln zu müssen oder erpressbar zu werden, da man von den Umsatzgrößen her einfach viel zu klein ist.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir bemühen uns mit Newsletter, Blog auf der Verlags Homepage und viralem Marketing über den Golkonda Insider auf Facebook Aufmerksamkeit auf unser Verlagsprogramm zu lenken. Wichtig für uns sind alle Buchbesprechungen, entsprechend verfügen wir über einen stetig wachsenden Presseverteiler, über den wir vorab unsere Informationen und Leseexemplare diesen Meinungsmachern zukommen lassen.

Johnson-Pinselstriche_150Des Weiteren schalten wir regelmäßig Bannerwerbungen im Internet, platzieren Anzeigen in den passenden Magazinen, unterstützen Online-Aktionen im E-Book-Segment bei den entsprechenden Portalen und freuen uns über jede zusätzliche Gelegenheit, wie beispielsweise dieses Interview, um den Golkonda-Verlag einer noch breiteren Leserschaft bekannt zu machen. – Für all diese Themen und noch einige mehr ist bei uns Heide Franck zuständig, die gerne weitere Anfragen per E-Mail an presse@golkonda-verlag.de beantwortet.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Nächste Frage bitte.

Nun denn: Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Marusek-Glueck_150In erster Linie wohl für uns selbst, in der Hoffnung und Erwartung, dass auch andere unseren Geschmack teilen. Der Golkonda-Verlag ist sehr breit aufgestellt, entsprechend bedienen wir, oder versuchen es zumindest, sehr viele Zielgruppen. Phantastik-Liebhabern bieten wir, neben Kurzgeschichtensammlungen und Romanen, auch Sekundärliteratur zum Thema an, den Krimi-Fans bieten wir Crossovers zur Phantastik und den Liebhabern der Klassikliteratur wiederum eine eigene Klassikerreihe, wobei auch hier Brückenschläge zurück zur Phantastik zu finden sind, wie beispielsweise Der lachende Mann von Victor Hugo. Und Bücher wie Dunkle Reflexionen von Samuel R. Delany, HalbEngel von Tobias O. Meissner oder Bloß weg hier! von Frank Böhmert zeigen dem interessierten Leser, welches Spektrum diese Autoren, die in erster Linie mit dem Genre Literatur assoziiert werden, zu bieten haben. Das Durchbrechen dieser Genregrenzen, der ganzheitliche Ansatz zur Literatur, ist auch eine erklärte Zielsetzung des Golkonda-Verlages.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Dass wir uns bei der Leserschaft als klare Marke etablieren, sodass diese im Vertrauen auf das bereits geschaffene Verlagsprogramm bereit ist, sich von uns zu neuen Büchern hinführen zu lassen. Dass wir quasi mit unserem Programm eine Art Garantie abgeben können, dass die Erwartungshaltung unserer Leser erneut erfüllt wird, auch wenn die neuen Autoren noch nicht im deutschsprachigen Raum etabliert sind.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Mit unserer Breite im Verlagsprogramm zu verschrecken, einer Beliebigkeit anheimzufallen, dem Leser keine Identifikation zu bieten und entsprechend nicht die Resonanz zu finden, die wir eigentlich anstreben.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo © Golkonda-Verlag

das Logo © Golkonda-Verlag

Die Freiheit zu haben, seine eigenen Vorstellungen, welche Inhalte der Verlag publizieren soll, ohne allzu große Kompromisse umsetzen zu können. Und vor allem Mitstreiter zu finden, die diese Ziele mittragen und ebenfalls ihr Engagement einbringen, ohne dass alles nur unter kommerziellen Aspekten beurteilt wird. Die Glückshormone, die dabei bei allen Beteiligten ausgeschüttet werden, sind wohl außerhalb der Independent-Szene kaum zu bekommen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Auf sich selbst zu vertrauen und nicht auf diejenigen zu hören, die immer vermeintlich wissen, was alles nicht funktioniert. Aber dieser Rat gilt wohl grundsätzlich für alle, die etwas Neues schaffen wollen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Spontan fällt mir der Verlag Das Beben ein, ganz neu und E-Books only, oder der Septime Verlag in Wien mit der wunderbaren James-Tiptree-Ausgabe.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Golkonda-Verlag im Netz:

Die Homepage: http://golkonda-verlag.de/

Die Präsenz bei Facebook: https://www.facebook.com/Golkonda.Insider

Klein und oho, aber nicht auf dem Schirm? Wer und wo sind sie – die kleineren Verlage?

Ich mache Bücher – das scheint heutzutage kein Problem mehr. Die Hürden sind in Folge der Digitalisierung niedrig. Selfpublishing hat sich als feste Größe etabliert und Verlagsgründungen sind en vogue. Die Grenzen zwischen Klein-/Indie-/Miniverlagen einerseits und Selfpublishern andererseits verwischen immer mehr. So mancher, der damit liebäugelt, sein Werk an die Leser zu bringen, gründet gleich seinen eigenen Verlag. Fast könnte man versucht sein, die Redewendung „Wer nichts wird, wird Wirt. Und wer das nicht wird, macht Bücher!“ auf die Buchbranche zu münzen.

Wer schaut da noch durch? Und: wie definiert sich das überhaupt – Verlag? Wie trennt man die Spreu vom Weizen? Und wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick?

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Wer sich mit den Kleinverlagen beschäftigt, der kommt um die Kurt-Wolff-Stiftung mit ihrem rührigen Vorsitzenden Stefan Weidle nicht umhin. Im Jahr 2000 ins Leben gerufen, vertritt sie nach eigenen Aussagen die „Bedeutenden“ der Kleineren. Ähnlich wie der 1980 gegründete Arbeitskreis unabhängiger Verlage (AkV) im Börsenverein hat sich die Stiftung das Ziel gesetzt, die Interessen der Independents zu vertreten und ihnen zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Alljährlich präsentieren sich 65 Mitglieder im Katalog der Stiftung „Es geht um das Buch“, der unter Liebhabern und in Buchhandlungen die Runde macht. Zudem werden der 26.000 Euro dotierte Kurt-Wolff-Preis sowie ein Förderpreis vergeben, die beide für Außenwirkung sorgen.

wer macht denn alles Bücher? © GvP

wer macht denn alles Bücher? © GvP

 

Wer wissen will, wie ein kleiner Verlag bestellt sein sollte, wird bei der Kurt-Wolff-Stiftung ebenfalls fündig. Hier wurden Kriterien für die Aufnahme in den Freundeskreis erarbeitet. Der Anwärter muss ein allgemeines Programm aus den Bereichen Literatur und/oder Sachbuch bieten. Er darf kein Druckkostenzuschussverlag sein. Weitere Anforderungen wie Konzernunabhängigkeit und eine Umsatzobergrenze leuchten mir ebenfalls ein. Warum aber Verlage ohne professionelle Auslieferung, ohne Mitgliedschaft im Börsenverein oder mit einer geringeren Produktion als vier Titeln jährlich aus dem Raster fallen, erscheint mir dagegen wenig stimmig und nicht mehr à jour.

Ganz alleine jedenfalls stehen die Independents schon lange nicht mehr. Seit den 1960ern, als die ersten Unabhängigen an den Start gingen, hat sich eine Menge getan. Etwa gibt es Dienstleister, die sich eigens an die Kleineren wenden. Tubuk, die Buchshop-Plattform für Literatur von unabhängigen Verlagen, bietet seit vergangenem Jahr auch Unterstützung beim Vertrieb und der Herstellung von E-Books. Oder das Büro indiebook, ein Backoffice für Vertreter, die für unabhängige Verlage reisen. Zum Start der Leipziger Buchmesse 2015 ist indiebook.de geplant, eine Plattform für unabhängige Verlage und Buchhandlungen. Events wie die Mainzer Minipressen-Messe, Buchlust in Hannover oder Kleine Verlage am Großen Wannsee bieten seit Jahren für Kleinverlage regelmäßig Schaufenster. Nicht zu vergessen die Hotlist, die 2009 initiiert wurde, um die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen zu küren.

Unter den Literaturaffinen im Netz macht der Indiebookday Furore, der auf Anregung des Mairisch Verlages 2013 aus der Taufe gehoben wurde. „Geht am 23. März in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeins, das Ihr sowieso gerade haben möchtet“, so der diesjährige Aufruf. „Hauptsache es stammt aus einem unabhängigen/kleinen Verlag.“ Hier beißt sich die Katze freilich in den Schwanz. Heißt es nicht, dass die Kleinen im Buchhandel nicht präsent sind? Und tatsächlich wurden am diesjährigen Indiebookday verschiedentlich Klagen laut, dass in den besuchten Buchläden keine Indie-Perlen zu finden sind.

Überhaupt tut sich im Netz so einiges, um Aufmerksamkeit für die Kleineren zu schaffen. We read Indie beispielsweise. Eine Blogger-Allianz, die sich nach dem ersten Indiebookday 2013 rund um die Klappentexterin zusammengefunden hat, um regelmäßig über Bücher von Independents und die Kleinstverlagsszene zu berichten. Auch das Portal Kleinfairverlage, ebenfalls 2013 ins Leben gerufen, hat sich auf die Fahne geschrieben, kleineren und mittelgroßen Verlagen zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Und die literarisch ambitionierten Blogger? Deren Herz schlägt ohnehin für Bücher aus unabhängigen, kleineren Verlagen.

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Kurzum: Es bewegt sich was. Allerdings fiel mir bei meinen Recherchen auf, dass der Kreis der Independents, denen die Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zollt, leider noch eng bemessen ist. Beachtung finden nämlich zumeist die Immer Gleichen. Dazu zählen jene, die der Kurt-Wolff-Stiftung angehören. Häuser, die seit längerem existieren, und Verlage, die Preise gewonnen oder einen Bestseller gelandet haben.

wer macht denn alles Bücher? © GvP

wer macht denn alles Bücher? © GvP

Was ist mit den vielen anderen, die das Wagnis Verlag eingegangen sind? Martina Bergmann, Sascha Lobo, Peter R. Hellinger, Tobias Hertle, Nikola Hahn, Ingolf Ludmann-Schneider, Barbara Miklaw, Michael Fischer, Zoë Beck, Bettina Schaefer, Gabriele Schmid, die Pennigtons, Ursula Richard oder Dieter Paul Rudolf, um einige wenige zu nennen. Wie schaut man da durch? Was treibt junge Verleger an? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chance?

Fragen, die SteglitzMind in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgreifen möchte. Schön wäre ja, dabei auch einige Unabhängige zu entdecken, die im Schatten stehen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr!

Vorgestellt haben sich bislang:

Barbara Miklaw mit ihrem Mirabilis Verlag

Sebastian Kaufmann, der den Chaotic Revelry Verlag gemeinsam mit Dog Thor Dionysos gründete

Andreas Heidtmann vom poetenladen Verlag

Franziska Röchter, die den chiliverlag verantwortet

Steffen Ille vom Verlag Ille & Riemer

Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag

Michaela Stadelmann mit ihrem Wunderwaldverlag

Sandra Thoms vom Dryas Verlag

Bernhard Rusch mit dem den TTR-Verlag, wo die Zeitschrift applaudissement erscheint

Steffen Janssen vom Luzifer Verlag

Michael Fischer von der dahlemer verlagsgesellschaft

Karlheinz Schlögl, der gemeinsam mit Hannes Riffel den Golkonda-Verlag verantwortet

Jasper Nicolaisen vom Verlag das Beben

Karsten Strack vom Poetry-Slam-Verlag Lektora

Peter R. Hellinger mit art&words

Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag

Vanessa Wieser vom Milena Verlag in Wien

Sonja Rüther mit Briefgestöber

Helge Pfannenschmidt und seine edition AZUR

Boris Koch mit Medusenblut

Karsten Möckel vom Liesmich Verlag

Claudia Gehrke mit ihrem konkursbuch Verlag

Stefan Weidle vom Weidle Verlag

Volker Surmann vom Berliner Satyr Verlag

Zoë Beck und Jan Karsten mit CulturBooks

Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag

Dominik Bartels mit dem Blaulicht Verlag

Joachim Körber von der Edition Phantasia

Peter Trier mit Litradukt

Katharina Picandet von der Edition Nautilus

Daniel Beskos vom mairisch Verlag

Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Wiener Goldegg Verlag

Sebastian Guggolz mit seinem Guggolz Verlag

Andreas Reiffer vom Verlag Andreas Reiffer

Michael Preissl mit Voodoo Press

Jürgen Schütz vom Septime Verlag in Wien

Uschi Zietsch vom Fabylon-Verlag

Sarah Legler und Jorghi Poll, die die Wiener Edition Atelier verantworten

Adrian Kasnitz von der parasitenpresse

Andreas Mergenthaler von Cross Cult

Günter Vallaster von der edition ch

Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet

Roman Pliske vom Mitteldeutschen Verlag

Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag

Das Team vom Berliner Verlagshaus J. Frank

Mark O. Fischer vom Epsilon-Verlag

Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag

Bertram Reinecke vom Leipziger Verlag Reinecke & Voß

Jano Rohleder von dani books

Hartmut Abendschein mit seiner edition taberna kritika

Sonia Lauinger mit Der Kleine Buch Verlag

Ulf Stolterfoht von Brueterich Press

Matthias Burki mit Der gesunde Menschenversand

Beatrice Maritz und Andreas Grosz von der edition pudelundpinscher

Bernd Schuchter vom Limbus Verlag

Josef Felix Müller mit seinem Vexer Verlag

Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner von der Edition Haus am Gern

Ralph Klever und der Klever Verlag

Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger von der Wiener Edition Krill

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Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier