„Ich schreibe meinen Autoren nichts vor, vor allem nicht, was oder wie sie zu schreiben haben.“ Ein Gespräch mit Lea Korte über Schreibschulen und Autoren-Coaching

Lea Korte veröffentlicht bei Droemer Knaur historische Romane, Liebesromane beim Aufbau Verlag und unter Pseudonym liegen bei Heyne und Bastei Lübbe Sachbücher und Liebesromane von ihr vor. Seit 2011 bietet die rührige Autorin, die seit Jahrzehnten im Süden lebt, zudem Online-Autorenkurse und ein Manuskriptcoaching an. Beides nahm Gabriele Schmid wahr, mit der ich Gespräche über ihren Weg als Autorin und Eigenverlegerin geführt habe. Darüber kam ich mit Lea Korte in Kontakt, die sich freundlicherweise bereit erklärte, mir im Zusammenhang mit Schreibschulen einige Fragen zu beantworten. – Ich sage Lea Korte herzlich danke, dass sie sich die Zeit genommen hat.

Dem Literaturinstitut in Leipzig und dem Studiengang Kreatives Schreiben in Hildesheim eilt der Ruf voraus, Türöffner für Verlage und den Literaturbetrieb zu sein. Werden Autoren ernster genommen, die spezielle Schulungen durchlaufen haben?

Ja, ich denke schon, dass dies der Fall ist. Wann immer ich mit Agenten oder Lektoren über die Autoren meiner Kurse und deren Werke rede, sehe ich ja auch, auf welch großes Interesse ich stoße. Der Agent oder der Verlagslektor weiß, dass die Projekte, die im Rahmen des Kurses entwickelt wurden, handwerklich einwandfrei und optimiert sind. In der Tat haben ja auch schon einige „meiner“ Autoren den Weg in Publikumsverlage geschafft beziehungsweise einen Agenturvertrag unterschreiben können.

Anfang des Jahres sorgte ein ZEIT-Kommentar von Florian Kessler für Aufregung, in dem auch die Literaturinstitute in Hildesheim und Leipzig ihr Fett abbekamen. Wie sehen Sie das: Besteht die Gefahr, dass Schreibschulen uniforme Literatur produzieren?

Lea Korte © Lea Korte

Lea Korte © Lea Korte

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht – und in meinem Kurs schon gar nicht. Ich schreibe meinen Autoren nichts vor, vor allem nicht, was oder wie sie zu schreiben haben. Das Autorenhandwerk, das ich im Kurs vermittele, ist einfach das Rüstzeug, das jeder Autor braucht, wenn er vorankommen will – und das bedeutet nicht, dass man ab da „nach „Regeln schreibt“. In der Tat habe ich derzeit sogar in jedem Kurs einige äußerst „regelwidrige“ Romane, denen ich aber größte Chancen auf dem Buchmarkt einräume, gerade weil sie anders, weil sie originell, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Ich helfe Autoren, das Optimum aus IHRER Romanidee zu machen und stelle vor allem Fragen, durch die der Autor selbst den richtigen Weg finden kann, und zwar einen, der dann auch zu ihm passt.

Reicht ein solides literarisches Handwerk tatsächlich aus, um als Autor unter heutigen Bedingungen zu reüssieren?

Nicht allein, denn mindestens ebenso wichtig ist die Romanidee, die Figuren… Beides muss Hand in Hand gehen, und deswegen arbeiten ich im Kurs ja auch auf mehreren Ebenen.

Das „wie erzähle ich?“ mag man lernen können. Aber doch nicht das „was erzähle ich?“. Oder?

Doch, auch das. Ideenfindung gehört zur Arbeit im Kurs. Nicht alle Autoren kommen schon mit einer Romanidee; die, die noch keine haben, finden sie im Kurs. Auch hierfür gibt es durchaus Techniken.

Sie haben selber Schreibkurse belegt; meines Wissens sogar bereits in Ihrer Schulzeit. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Ich habe schon in der Schule – was damals sicher der Zeit voraus war – Kurse in „creative writing“ besuchen können, auch später jede Schulungsmöglichkeit wahrgenommen, den ständigen Austausch mit guten Kollegen gesucht und viele, viele Romane analysiert, um zu sehen: Was geht, was nicht? Was zieht den Leser weiter, was wirft ihn raus? Wie baut welcher Autor die Figuren, die Spannung auf? Etc. Und ich habe bei alledem immens viel gelernt – und gebe dieses Wissen heute weiter.

Was hat Sie bewogen, Kurse für Autoren anzubieten?

Je bekannter ich geworden bin, desto öfter habe ich Mails von Autoren mit der Bitte bekommen, mir ihre Texte doch mal „kurz“ anzusehen und eine Einschätzung bzw. „ein paar Tipps“ zu geben. Damit aber ist es in 99% der Fälle nicht getan. Da fehlt Handwerk, die Figurenentwicklung ist nicht hinreichend durchdacht, die Spannungskurve flacht schon nach wenigen Seiten wieder ab, etc. Das alles aber kann man nicht „in drei Worten“ vermitteln. Und da ich, wenn, dann richtig helfen wollte, habe ich diesen Kurs entwickelt.

Sollte man ein gewisses Rüstzeug mitbringen, wenn man sich bei Ihnen fortbilden will?

entführt in phantastische Welten... © Lea Korte

entführt in phantastische Welten… © Lea Korte

Wichtig ist die Liebe zum Schreiben, Ausdauer und Kritikfähigkeit. Wer diese drei Dinge mitbringt, der hat in der Regel alles, was man braucht, um sich weiterentwickeln zu können. Ich sehe ja immer wieder, wie sehr sich die Projekte und Romanszenen der Autoren allein schon in nur drei Monaten weiterentwickeln!

Wie schätzen Sie die Entwicklung ein, dass mit dem Aufkommen des Selfpublishings auch Schreibschulen wie Pilze aus dem Boden wachsen?

Das Problem ist – wie immer -, dass der Autor am Ende vor der Schwierigkeit steht, den richtigen Mentor/Lehrer zu finden. Es gibt sehr gute Mentoren, Coacher, Schreiblehrer, etc. – aber es gibt auch weniger gute, die ihr Handwerk selbst nicht verstehen. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist für einen Autor, der ja zunächst nur einen Blick von außen auf das werfen kann, was da angeboten wird, sicher nicht einfach.

Worauf sollte man bei der Wahl einer Schreibschule besonders Acht geben?

Die Chemie zwischen dem Autor und seinem Mentor muss stimmen. Die Kursdauer sollte nicht zu kurz angelegt sein, denn Roman und Autor brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Es sollte nicht nur um das Handwerkszeug, das Schreiben an sich gehen, sondern man sollte auch Hilfe bei der Roman- und Figurenentwicklung, dem Plot, dem Exposé, der Leseprobe bekommen. Man sollte einen Probemonat machen können. Wichtig wäre mir als Autor auch der Austausch mit anderen Autoren. Wie ich dies zum Beispiel in meinem (nur für Kursteilnehmer offenstehenden) Autorenforum anbiete und das in sehr großem Umfang genutzt wird.

Sie sind eine eingeführte Autorin, die inzwischen sogar vom Schreiben leben kann. Was raten Sie dem Nachwuchs?

Wichtig ist, so langweilig sich das jetzt auch anhören mag, Disziplin, Ausdauer und Geduld. Ein Roman schreibt sich nicht „in drei Minuten“, der braucht Zeit – auch Zeit zum Atmen, sprich Zeit, in der man ihn mal liegenlässt, damit der Blick für ihn wieder frei wird, man Abstand zu seinem Werk bekommt. Und der andere wichtige Tipp hängt damit direkt zusammen: Ein gutes Buch ist das Ergebnis von vielen, vielen Überarbeitungsschritten. Nur die allerwenigsten Autoren können einen guten Text aus dem Ärmel schütteln. Der „normale“ Autor, und das sind sicher die meisten, braucht dafür viele Überarbeitungsschritte. Ein guter Roman wird seinen Weg gehen, aber bis er gut ist, muss man viel Zeit und Energie reinstecken. Und das Wissen, wie man beim Überarbeiten vorgeht, kann dabei nur nützlich sein.

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Der Traum vom eigenen Buch. SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Gabriele Schmid kontaktierte mich und wir führten diverse Gespräche. Sie schreibt seit ihrer Jugend. Serien, Liebesgeschichten, die allesamt im Süddeutschen spielen, wo sie sich verwurzelt fühlt. 2010 fasst sie den Entschluss, ihr Hobby zu professionalisieren. Sie steckt sich das ehrgeizige Ziel, den ersten Band einer lange gereiften Serie rund um eine Freiburger Privatklinik an einen Verlag bzw. einen Agenten zu bringen. Aber: Es hagelt Ablehnungen.

Gabriele Schmid lässt sich nicht entmutigen. Sie arbeitet an einem neuen Manuskript, absolviert Schreibschulen und lässt sich von erfahrenen Autorinnen coachen. Von Ulrike Dietmann, die an ihrer Pegasus-Schreibschule auch eine zertifizierte Ausbildung zur Roman-Autorin anbietet. Zum ordentlichen Abschluss gehört die Veröffentlichung eines Romans. Und von Lea Korte, die Online-Autorenkurse anbietet. Nun geht es Schlag auf Schlag.

Gabriele Schmid nimmt eine erstaunliche Entwicklung, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Für ihren Traum vom eigenen Buch hängt sie sogar ihren Job als Datenbank-Ingenieurin in einer renommierten Stuttgarter Anwaltskanzlei an den Nagel. Die Ausbildung an der Pegasus-Schreibschule endet im November 2013 mit ihrem Romandebüt Gleichklang – eine turbulente Liebesgeschichte, in die Gabriele Schmid ihre Alltagserfahrungen mit ihrem hämophilen Sohn einfließen ließ. Der Roman erscheint als E-Book und gedruckt bei spiritbooks. Und noch ein Wunsch erfüllt sich: Vom Erlös eines jeden verkauften Buches fließt jeweils ein Euro an die Deutsche Hämophiliegesellschaft.

Wenige Wochen nach Erscheinen ihres Erstlings legt Gabriele Schmid im Eigenverlag nach. Unter dem Label PCSbooks (Plots. Characters.Scripts) erscheinen in kurzen Abständen die ersten beiden Bände ihrer Kurzromanreihe Aus Träumen werden Geschichten, deren Plots in Mittsingen spielen, einem fiktiven Ort in Baden-Württemberg. In Vorbereitung ist Band 3 „Hitzeschlacht“. Außerdem feilt Gabriele Schmid derzeit gemeinsam mit Lea Korte an einer Serie rund um die Kriminalkommissarin Sina Roth.

Ich habe bei der umtriebigen Autorin nachgehakt. Im ersten Beitrag geht es heute um Schreibschulen, was sie bringen und worauf man bei der Wahl achten sollte. Unser zweites Gespräch dreht sich um den Selbstverlag PCSbooks und abschließend möchte ich von Gabriele Schmid erfahren, was es alles braucht, um als Autorin Fuß zu fassen.

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Reicht handwerkliches Können aus, um als Autorin zu reüssieren?

Leider nicht. Freilich geht ohne das richtige Rüstzeug gar nichts! Aber selbst wenn man alles tut, um voranzukommen, braucht man auch ein Quäntchen Glück. Auch das Vermögen, sich immer wieder neu zu motivieren, darf nicht fehlen. Und vor allem braucht es das nötige Selbstvertrauen und nicht zuletzt der Glaube an sich selbst.

Gabriele Schmid  © Nicole Geck

Gabriele Schmid © Nicole Geck

Warum haben Sie sich für die Pegasus-Schreibschule von Ulrike Dietmann entschieden?

Aus ganz pragmatischen Gründen: Aufgrund von Patricks Krankheit…

Ihr Sohn leidet unter Hämophilie A, einer angeborenen Bluterkrankheit. Selbst geringfügige Verletzungen können zu lang anhaltenden, starken Blutungen und später zu irreparablen Folgeschäden führen.

Genau. Erfahrungen, die ja auch in meinen Roman Gleichklang eingeflossen sind. Aufgrund seiner Erkrankung wollte ich nicht allzu weite Entfernungen in Kauf nehmen. So habe ich mich hauptsächlich nach Schulungsmöglichkeiten im Stuttgarter Raum umgesehen und bin – mehr durch Zufall – auf die Pegasus-Schreibschule gestoßen. Die Webpräsenz sprach mich sofort an. Super, dachte ich, gleich um die Ecke! Noch am selben Tag habe ich Kontakt mit Ulrike Dietmann aufgenommen, die sich dann auch sogleich mit mir in Verbindung setzte.

 Was bietet die Pegasus-Schreibschule?

Ulrike Dietmann bietet zweitägige Schulungen unter anderem in Zusammenarbeit mit Schreibfluss von Jurenka Jurk, die mehr in die spirituelle Richtung gehen, das notwenige Rüstzeug wie Heldenreise, Plottrainung usw. allerdings nie außer Acht lassen. Trotz der Tatsache, dass nur sechs Teilnehmer pro Kurs angenommen werden und auf jeden Einzelnen persönlich eingegangen wird, können zweitägige Schulungen natürlich nur an der Oberfläche der einzelnen Schreibvorhaben kratzen. Vertieft werden die Projekte dann in einer engeren Zusammenarbeit, dem Coaching. Hier wird die Theorie, die man sich in den Schulungen angeeignet hat, in der Praxis umgesetzt, das heißt konkret: an den jeweiligen Romanvorhaben.

Wie viele Schulungen muss man durchlaufen, um beim Coaching teilnehmen zu können. Und: Was kostet mich das?

Das läuft unabhängig von einander. Die Schulungen kosten jeweils 300 Euro, das Coaching wiederum wird nach einem Stundensatz abgerechnet. Man muss die Ausbildung nicht komplett absolvieren. Ich habe inzwischen einige Autoren kennengelernt, die gar nicht das Ziel verfolgen, einen Abschluss zu machen. Sie wollen sich lediglich inspirieren lassen.

Die Pegasus-Schreibschule bietet auch eine zertifizierte Ausbildung zum Romanautor an. Was zeichnet eine zertifizierte Romanautorin aus?

Das beschreibt Ulrike Dietmann so:

Eine zertifizierte Romanautorin kann

  • professionell lektorierte Prosa schreiben
  • weiß, wie Spannung in einer Geschichte und in einer einzelnen Szene entsteht
  • kann eine Vielfalt von Gefühlen authentisch ausdrücken
  • kann lebendige Figuren schreiben und mit Worten eine eigene Wirklichkeit entstehen lassen, die den Leser in ihren Bann zieht

Und schließlich gehört auch das dazu: Sie bringt ein Projekt zu Ende, und zwar bis hin zur Veröffentlichung.

Meinen Sie, dass ihr Debüt „Gleichklang“ ohne Schulungen und Schreibcoaching jemals Druckreife angenommen hätte?

Ich denke, irgendwann vermutlich schon – allerdings bestimmt nicht in dieser Qualität und schon gar nicht in dieser kurzen Zeit. Gemeinsam mit Ulrike Dietmann habe ich Teile gestrichen, die überflüssig waren und andere Teile dafür ausgebaut, die bisher brachlagen. Dies zu erkennen, dazu fehlte mir damals noch das Knowhow.

War der kasus knaxus etwa ein anderer Blick auf das Manuskript, den Ulrike Dietmann erst möglich machte?

das Debüt bei spiritbooks

das Debüt bei spiritbooks

Schwierige Frage. Eigentlich hat sie nur die Schwachstellen erkannt und mir diese aufgezeigt. Richtig kritisiert hat sie nie. Wir haben viel miteinander telefoniert. Ich habe danach umgeschrieben und wir haben die entsprechenden Passagen abermals besprochen. Manches habe ich danach wieder geändert.

Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich mir ihre Ideen nur angehört und diese dann reifen lassen. Quasi aus dem Bauch heraus entstanden dann Neue. Bei meinem ersten Buch war mir sehr wichtig, dass komplett alles aus mir herausgeflossen ist. Ulrike ließ mir freie Hand. Was auch zeigt, dass sie enormes Vertrauen in mich hatte. Dafür bin ich ihr sehr dankbar – sie wollte mich oder meine Ideen nie verbiegen. Das betraf auch den Titel „Gleichklang“, den ich unbedingt haben wollte. Sie war anfangs nicht glücklich damit, ließ mir aber meinen Willen.

Mit dem Aufkommen des Selfpublishings wachsen Schreibschulen für Jungautoren wie Pilze aus dem Boden; selbst Verlage satteln auf den Trend auf. Worauf sollte man bei der Auswahl besonders Acht geben?

Meines Erachtens ist bereits der erste Eindruck wichtig. Missfällt mir der Internetauftritt oder muss ich lange nach einer Information suchen, dann ist für mich dieses Angebot meist schon gestorben. Vor allem aber, muss man einen Draht zum Dozenten oder der Dozentin aufbauen können. Stimmt die Chemie nicht, wird man keinen Zugang finden.

Das Annehmen von Kritik fällt den meisten Menschen schwer. Wie ist es Ihnen ergangen, als Ihr Manuskript auf dem Prüfstand stand?

Das hat mich selbst überrascht! Ich konnte ganz nüchtern damit umgehen, denn nicht die Buchidee oder der Plot wurden kritisiert, sondern lediglich einzelne Teile daraus. Natürlich war ich von manchen Vorschlägen, die Ulrike gemacht hat, nicht unbedingt begeistert. Aber ich ließ sie mir zumindest durch den Kopf gehen.

Kritik bedeutet ja nicht unbedingt, dass etwas schlecht ist. Mich spornt Kritik an, etwas anschaulicher zu beschreiben oder eine Handlung stimmiger zu formen. Testleser oder etwa das Autoren-Forum, das Lea Korte anbietet, sind wertvolle Hilfen. Im Autoren-Forum kann ich Passagen, die mir besonders gut oder gar nicht gefallen, einstellen und von anderen kommentieren lassen. Dabei mache ich immer wieder die erstaunliche Erfahrung, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Situation interpretieren. Als Autorin hilft mir Kritik, besser zu werden – als Mensch kann ich eher weniger gut damit umgehen.

Es heißt ja, Austausch, Inspiration und Kritik – das geht nirgends so intensiv wie an Schreibschulen. Würden Sie dem zustimmen?

Unbedingt. Mit acht weiteren Autoren habe ich Mitte Mai eine Schreibwoche unter der Leitung von Lea Korte in Spanien besucht. So viel konstruktive und faire Kritik wie in diesen Gruppen habe ich in meinem bisherigen Berufsleben nicht erfahren. Neid war hier ein absolutes Fremdwort.

Im Rahmen Ihrer Danksagung an Ulrike Dietmann schreiben Sie: „Hier wusste jemand ganz genau, was es heißt, ständig mit Geschichten im Kopf unterwegs zu sein und nicht zu wissen, wie man sie los wird. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Man schreibt sie nieder, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Das Schwierigste dabei ist nicht, dies zu tun, sondern endlich den Mut dazu zu finden, auch darüber zu reden.“ Mögen Sie diese Aussage etwas konkretisieren?

Ich selbst habe nie darüber geredet, dass ich fortwährend Geschichten im Kopf habe oder Stoffe aus Filmen und Büchern weiterspinne. Für mich war es tatsächlich der schwerste Schritt, dafür gerade zu stehen und meiner Familie und meinen Bekannten zu eröffnen, dass ich Bücher schreiben möchte.

 Wie wurde auf Ihr Bekenntnis reagiert?

Überwiegend positiv, was mich immer noch überrascht. Ich hatte mit Erstaunen oder Zweifel gerechnet.

Ihren Erstling „Gleichklang“ publizierte Ihre Mentorin Ulrike Dietmann in ihrem eigenen Verlag spiritbooks. Wie kam es zu der Entscheidung?

Nach Abschluss der Manuskriptarbeiten kam von Ulrike Dietmann ein klares GO mit zwei Optionen: Entweder erarbeiten wir gemeinsam ein hieb- und stichfestes Exposé nebst Anschreiben für Verlage und Agenten. Oder eben das Angebot, in ihrem Verlag – mit weniger Vergünstigungen – zu veröffentlichen. Für mich fiel die Entscheidung innerhalb weniger Sekunden.

Was bedeutet: mit weniger Vergünstigungen?

Kein Vorschuss, lediglich eine Umsatzbeteiligung, kein breites Marketing. Dafür muss der Autor seinen Teil tun. Wobei: das ist inzwischen ja gängig, dass Autoren das in die eigene Hand nehmen müssen.

Sie haben außerdem Onlinekurse absolviert, die Lea Korte Autoren anbietet…

Spontane Kaffeeidee – ich las von den Online-Autorenkursen und dachte mir, das packe ich obendrauf, dann wird das rund.

 Inwiefern unterscheiden sich die Angebote von Dietmann und Korte?

Lea Korte steigt noch tiefer in die jeweiligen Schreibprojekte ihrer Teilnehmer ein. Die Skripte sind ausführlicher und mit vielen, vielen Beispielen unterlegt. Jeder Einzelne arbeitet gezielt an seinem Romanprojekt, das anfangs sowohl Lea Korte wie der Gruppe vorgestellt wird. Pro Monat sind zwei Lektionen zu bearbeiten und mehrere Szenen zu schreiben. Diese gehen an Lea und kommen von ihr kommentiert zurück. Dann geht es ans Überarbeiten. Erst danach wird der Text den anderen im Forum präsentiert und dort diskutiert. Erstaunlich, wie vielen Logikfehlern und anderen Unstimmigkeiten man bei den Diskussionen noch auf die Spur kommt. Abschließend kommentiert Lea jede Szene erneut.

Wie viele Teilnehmer hatte Ihr Kurs?

In meinem Kurs waren wir zeitweise bis zu 13 Teilnehmer. Allerdings haben nur acht davon konsequent bis zum Schluss durchgehalten. Die Onlinekurse von Lea Korte setzen schon einiges an Selbstdisziplin und Fleiß voraus. Das fiel auch mir nicht immer leicht, die Hausaufgaben neben Beruf, Familie und der Überarbeitung von „Gleichklang“ zu stemmen. Manches Mal war ich kurz davor, Sina Roth ins Eck zu werfen.

Neben Ulrike Dietmann lassen Sie sich inzwischen auch von Lea Korte coachen…

Das hat sich aufgrund des Online-Kurses einfach so ergeben. Nach dessen Abschluss kann ich mich bei Lea Korte nur noch über das Coaching und im geschlossenen Forum weiterbilden.

Heißt es nicht, viele Köche verderben den Brei?

Da ich sowieso beständig an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite, ist das für mich sogar eine Erleichterung, für meine verschiedenen Projekte unterschiedliche Ansprechpartner zu haben. Mir liegt das, mit unterschiedlichen Menschen-, Autoren- und Dozententypen zu arbeiten. Einerseits profitiere ich von Ulrikes ruhiger, überlegter Art, andererseits von Leas übersprudelnder, spontaner Arbeit. Das ist äußerst spannend. Ich möchte weder das eine, noch das andere missen. Im Gegenteil: Bei Ulrike Dietmann werde ich jährlich mindestens ein weiteres Training besuchen; bevorzugt das Schamanische Reisen. Das bringt mir pure Inspiration.

Der Ansatz der Pegasus-Schreibschule legt nahe, dass Sie Schreiben für einen spirituellen Prozess halten…

(lacht) Das kann meine Familie nur bestätigen. Wenn ich schreibe, bin ich definitiv in einer anderen Welt. So es rundläuft. Man beamt sich quasi zu seinen Protagonisten und lässt sie leiden, lieben … Es fließt aus einem heraus, ohne das man nachdenken, planen muss. Die Personen verselbständigen sich und die Handlungen passieren einfach – wie Magie! Manches Mal tauche ich ungerne aus dieser Welt wieder auf. Beim Überarbeiten kann ich oftmals nicht fassen, dass ich das geschrieben haben soll, was da auf dem Papier steht.

Mit Lea Korte arbeiten Sie an den Kriminalgeschichten rund um die 32-jährige Kommissarin Sina Roth. Band 1 soll zum Jahresende unter dem Pseudonym Lexi Frey erscheinen. Warum nicht unter Ihrem Namen?

Ein kleiner Gag, den ich mir erlauben will: Wer die Bände „Herbststürme“ und „Sternschnuppen-Regen“ aus meiner Kurzroman-Serie rund um den fiktiven Ort Mittsingen kennt, kennt auch Lexi Frey.

Die Buchhändlerin, die Krimis für die Schublade schreibt…

Exakt. Ich meine, ein anderes Genre zieht auch einen anderen Namen nach sich. Gabriele Schmid steht ja eher für Liebe.

Sehen Sie vor, auch weiterhin in Ihre Ausbildung als Romanautorin zu investieren?

Abgesehen von den bereits genannten Vorhaben bei Ulrike Dietmann möchte ich mich als Krimi-Autorin weiterbilden. Hierzu suche ich noch passende Schulungsmöglichkeiten. Derzeit allerdings besteht mein vorrangiges Ziel darin, meinen Platz als Autorin zu festigen.

Dazu kommen wir noch. Für heute: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, eine Menge Fragen rund um Autorenschulen zu beantworten.

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.