SteglitzMind stellt Andrea Koßmann mit „Kossis Welt“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „SteglitzMind stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe. – Eine Übersicht, wer bereits Rede und Antwort stand, und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden findet Ihr hier.

Heute erfahren wir mehr über Andrea Koßmann, die das Blog Kossis Welt verantwortet. Vorgeschlagen hatte das der BookTuber („brivideo libro“) Andreas Dutter.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich bin ein echtes Ruhrpottkind, geboren im schönen „Summer of 69“. Als ich in der 1. Schulklasse das Lesen erlernte, besuchte ich nachmittags oft meine ehemalige Kindergartenlehrerin und las dort den kleinen Kindern aus Büchern vor. Nach 12 Jahren Schule begann ich meine Ausbildung zur Bürokauffrau. 2009 erschien mein erster Gedichtband, ein Jahr später folgte mein erster Roman und irgendwann dann Postkartentexte und ganz aktuell habe ich eigene Notizbücher für Leseratten veröffentlicht.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Andrea Koßmann © privat

Andrea Koßmann © privat

Seit 2006 gibt es mich online mit meiner Homepage „Kossis Welt„, die mir damals ein guter Freund aufzwang, weil er meinte, dass ich so viel zu sagen hätte, dass das Internet sich darüber erfreuen würde. (Wahrscheinlich ging ihm mein Redezwang irgendwie auf den Keks ;-)) Ein guter Freund ist er heute immer noch und er übernimmt weiterhin den technischen Teil von Kossis Welt.

2007 kam der dazugehörige Blog dazu. Mir schrieben bereits im ersten Jahr so viele Menschen liebe Mails und ich wollte einen direkteren Kontakt, der dann eben durch Blogkommentare einfacher zu handeln war und ich konnte den Blog dynamischer führen, weil meine Internetseite doch eher statisch aufgebaut ist. Ich hatte eben in der Tat viel zu sagen und wollte dann auch immer recht aktuell sein.

2009 kam Youtube hinzu und somit war ich damals die erste deutsche „Buchyoutuberin“ (den Begriff gab es damals noch gar nicht). Auch das war mehr oder weniger Zufall, denn ich wollte meinen Bloglesern für ein tolles 2008 danken und einfach mal meine Lieblingsbücher aus dem Jahr vorstellen. Und das nicht nur schriftlich, sondern mit Bild und Ton. Bei dem einen Video (bzw. waren es damals drei Videos, da ich nur eine klitzekleine Speicherkarte an meiner Cam hatte) sollte es eigentlich bleiben. Da die Resonanz aber dann so überwältigend war, machte ich einfach weiter damit.

Deine Themenschwerpunkte …

Angefangen hatte „Kossis Welt“ mit meinen eigenen Gedichten und Kurzgeschichten, die ich dort veröffentlichte. Die Buchrezensionen kamen erst 2007 hinzu. Meine allererste Rezension war die zu „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek. Ein reiner Buchblog war „Kossis Welt“ aber nie. Ich habe schon immer gern andere Menschen an meinem Leben teilhaben lassen und veröffentlichte auch oft sehr persönliche Postings. Bis heute ist die Literatur aber ein sehr großer Teil meiner Welt. Im Laufe der Jahre kamen andere Themen hinzu und so gebe ich heute auch Tipps zu den Themen „Ernährung, Sport, Lifestyle, Kleidung“. Ich verblogge einfach gerne alles, was ich bereit bin, für’s Internet zu geben. Mein Motto: „Was du Arbeitskollegen erzählen kannst, kannst du auch im Internet posten! Ist oft ja eh so ähnlich!“ 🙂

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ehrlich gesagt treibe ich mich in dieser Szene gar nicht rum. Wenn ich online bin, bekomme ich zwar bei Facebook und Co einiges mit, aber im Grunde decke ich nur meinen eigenen Bereich ab und schaue nicht nach rechts und links.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verlinke natürlich (wie wohl jeder Blogger) in den Social Communities. Ich bin aktiv bei Facebook, Twitter und vor allem bei Instagram.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Alles, wofür er im Nachhinein nicht geradestehen kann. Mein Motto dahingehend ist: „Alles was ich schreibe oder auch in meinen Videos sage, muss mich nachts gut schlafen lassen!“ Und wenn man hinter dem steht, was man tut und dies vor allem mit Herzblut, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit macht, kann man auch nachts gut schlafen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Da ich es nie auf Erfolg abgesehen habe (wovon ich denke, dass auch dies ein kleines Geheimnis des Erfolges ist), musste ich nie Hürden überwinden und ich hatte auch nie Schwierigkeiten beim Bloggen. Vielleicht ist das auch wiederum der Vorteil, wenn man, wie ich oben bereits schrieb, nicht nach rechts und links schaut, sich an die Regeln der Netikette hält und einfach das macht, worauf man Bock hat und nicht mit irgendeinem Strom schwimmt, der übermorgen vielleicht schon wieder in die andere Richtung fließt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es sicher so so viele, die mir jetzt alle gar nicht einfallen. Schön finde ich aber, dass ich mit meinen Ideen oft Vorreiter war. Zum Beispiel mit den Buchvideos und später dann bei den sogenannten „Wohnzimmerlesungen“ (die ich zusammen mit meinem ersten Gast Sebastian Fitzek ins Leben gerufen habe und die in meinem Fall „Meet & Read“ hießen). Es ist schön, zu sehen, dass aus den Buchvideos inzwischen eine riesige Community gewachsen ist und Wohnzimmerlesungen, bei denen der Autor zu den Lesern nach Hause kommt, gibt es mittlerweile ja auch zu genüge und werden teilweise sogar von den Verlagen angeboten, zB. in Form von Gewinnspielen.

Herausragend war auch meine „Lesen-verbindet-Aktion“, bei der ich ein Moleskine-Bookjournal auf die Reise schickte. Der Empfänger schrieb dann sein Lieblingsbuch hinein und schickte es weiter an die nächste Leseratte, die auf meiner Liste stand. Insgesamt war Mole vier Jahre und vier Monate unterwegs, bis es im Juni 2014 den Weg wieder zurück zu mir fand. Vollgepackt mit Buchtipps, lieben Worten und vor allem einer Riesenportion Bücherliebe, die eben … verbindet! Am Allerschönsten finde ich es aber immer, wenn ich das Feedback meiner Leser und Zuschauer sehe. All die lieben Mails, Kommentare, Briefe und Päckchen. Wenn ich sehe, dass ich jemanden mit meinen Tipps zu allen möglichen Dingen, ein stückweit in seinem eigenen Leben glücklich machen kann, so ist das für mich das schönste Gefühl, das mir „Kossis Welt“ geben kann.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Eine „Regel“, die ich intuitiv bereits von Anfang an einhalte ist die, dass ich grundsätzlich nur Bücher lese, die ich mir selber aussuche. Denn erstens möchte ich kein „Spielball“ für andere sein und zweitens möchte ich mich nicht unter Druck setzen lassen. Sobald das Lesen ein Druck wäre, würde ich die Lust verlieren. Ich bekomme fast täglich Anfragen dieser Art und komme leider nicht mal mehr dazu, sie alle abzulehnen, weil der Zeitaufwand zu groß wäre.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Siehe oben.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich bin da eher altmodisch. Erst einmal habe ich gar keinen eReader. Ich könnte zur Not aber eBooks auf meinem iPad lesen. Das habe ich auch schon ein paar Mal getan, als ich ein Buch vorab gelesen habe, um ein Quote dafür zu schreiben, und das auch nur, weil ich mich superdoll auf dieses Buch gefreut hatte. Im Normalfall ist diese elektronische Variante des Lesens (derzeit) aber noch nichts für mich. Ich muss ein Buch aus Papier in den Händen halten. Schon allein deshalb, weil ich bei jedem Buch meine Nase hineinstecke, um an den Seiten zu riechen. Lesen ist für mich eben auch „leben“.

Danke, Kossi, ich freue mich, dass du in der Gesprächsrunde mit bibliophilen Bloggern dabei bist.

SteglitzMind stellt Andreas Dutter mit „brivideo libro“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „SteglitzMind stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe. – Eine Übersicht, wer bereits Rede und Antwort stand, und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden findet Ihr hier.

Heute erfahren wir mehr über den BookTuber („brivideo libro“), Blogger und Autor Andreas Dutter. Vorgeschlagen hatte das Stefan Mesch, der auf Stefan Mesch bloggt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Andreas Dutter, 1992, geboren und aufgewachsen im Burgenland – Österreich. An der Universität Wien studiere ich Kultur- und Sozialanthropologie und bin Autor, BookTuber sowie Blogger.

Ich denke, dass nicht alle wissen, was BookTuber so machen. Magst du uns das etwas näher erläutern?

Andreas Dutter © privat

Andreas Dutter © privat

BookTube ist eine Zusammensetzung der Worte „Book“ und „YouTube“. Das bedeutet genauer gesagt, dass es sich um Videos handelt, die auf der Plattform YouTube online gestellt werden. Diese Videos beinhalten dann die Themen Bücher, Literatur, Lesen etc. Jedoch steht dabei die emotionale Ebene im Vordergrund. Die Leser und Leserinnen versuchen zu erklären, warum sie ein Buch gefesselt hat oder warum es ihnen nicht gefallen hat. Dabei geht es nicht darum, ein Buch zu analysieren oder es kritisch zu beleuchten, sondern um die Gefühle, die es ausgelöst hat. Wir versuchen, den ZuschauerInnen eine kurzweilige Unterhaltung zu bieten.

Buchblogs waren gestern. Angesagt sind BookTuber. Wie schätzt du das ein?

Ich denke nicht, dass Buchblogs nicht mehr „angesagt“ sind. Booktubing ist eine wohlwollende Ergänzung zu Blogs. Bücherblogs bieten eine Plattform, die es einem ermöglicht, seine Gedanken zu Büchern aufzuschreiben, diese festzuhalten und mit anderen zu teilen. Auf Blogs findet dies – meiner Meinung nach – oftmals intensiver und länger statt. BookTuberInnen geht es darum, aufzuzeigen, was die Geschichte, die Charaktere, der Schreibstil und das Ende in uns ausgelöst haben. Kurz und unterhaltsam. – Ich kann hier immer nur für mich sprechen. Auf meiner Autorenwebsite habe ich auch einen Autoren- & Bücherblog. Dort schreibe ich meine Gedanken zu Buchthemen oder zu Rezensionen viel detaillierter auf.

BookTubing ist in Amerika und Mexiko schon seit längerem angesagt. Hast du eine Erklärung dafür, warum die Bewegung den deutschsprachigen Raum erst relativ spät erreicht hat?

Wenn es BookTuberInnen in Amerika und Mexiko schon länger gibt, dann liegt der Grund hierfür auch bei den Büchern. Jene Bücher wie: „Harry Potter“, „Die Tribute von Panem“, „Die Bestimmung“ usw., die weltweit für einen gewissen Hype sorgten, gab es in Amerika früher. Weswegen die Menschen dort eher das Medium YouTube genutzt haben, um ihre Liebe zu Büchern auszudrücken.

Bisweilen bläst BookTubern scharfer Wind ins Gesicht. Wie gehst du mit Vorurteilen, etwa dass BookTuber Literatur auf den niedrigsten gemeinsamen Massengeschmack reduzieren, um?

Als diese Diskussion begonnen hat, konnte ich das für mich nicht nachvollziehen. Ich persönlich habe BookTuberInnen nie als LiteraturkritikerInnen gesehen. Es gab da eigentlich von Anfang an diese stillschweigende Übereinkunft, dass wir mit unseren Videos nur zeigen wollen, dass uns das Lesen Spaß macht. Mit unseren Videos wollten wir dies auch auf unsere ZuschauerInnen übertragen.

Warum hauptsächlich „Mainstream“ gelesen wird? Ich glaube, dass das auch zu einem gewissen Grad daran liegt, dass wir ein eher jüngeres Publikum ansprechen. Sie interessieren sich eben eher für Jugend- und Fantasybücher. Das wäre genauso, wenn man eine/n LiteraturkritikerIn fragt, warum er/sie nicht z.B. „Selection“ vorstellt. Da wäre die Antwort wahrscheinlich auch, dass sich viele seiner/ihrer LeserInnen einfach nicht dafür interessieren würden. (Abgesehen davon, dass es ihn/sie selbst nicht interessiert).

Ich persönlich lese aber nicht nur Jugend- & Fantasybücher. Ich bin auch ein großer Liebhaber von historischen Romanen, habe auch viele Klassiker bereits gelesen und lese generell auch öfter außerhalb des „Mainstreams“.

Seit wann und warum pflegst du das BookTubing?

Ich mache das jetzt seit Juni 2012 und habe damit begonnen, weil ich in meinem Freundeskreis niemanden hatte, der/die Bücher liest. Deswegen habe ich mich oft im Internet umgesehen, wenn ich ein Buch beendet hatte. So bin ich auf ein Büchervideo auf YouTube gestoßen und habe mir daraufhin gedacht, dass ich das auch machen will.

Deine Themenschwerpunkte …

Meine Themenschwerpunkte sind Bücher, mein Leben als Autor und Serien. Bei Büchern ist es für mich essentiell, dass ich nicht nur Rezensionen biete, sondern auch andere Formate. Lesemonate – was habe ich im Monat gelesen. Top 5/10 Beiträge – Zum Beispiel „Die 5 besten Mütter in Büchern“. Bei Videos/Beiträgen, die sich mit meinem Leben als Autor beschäftigen, gebe ich Auskünfte darüber, wie ich meine Verlage finde, welche Erfahrungen ich mache, wie es mir während des Schreibens eines Buches geht. Dabei interagiere ich mit meinen ZuschauerInnen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Diskussion VerlagsautorInnen versus SelfpublisherInnen. Die finde ich schon sehr ermüdend. Es gibt schwarze Schafe unter SelfpublisherInnen, aber genauso gibt es auch unter VerlagsautorInnen Menschen, die eher durch fragwürdige Methoden bei einem Verlag untergekommen sind.

Wie machst du deine Beiträge bekannt?

Natürlich über YouTube, aber auch über Twitter, Facebook, Instagram und über meine Website.

Ein gewisses Talent zur Selbstinszenierung braucht man als BookTuber, oder?

Es kommt darauf an, wie man Selbstinszenierung definiert. Anfang September 2015 stand ich für mein Buch und meinen BookTube Kanal auch vor der Fernsehkamera. Da habe ich gemerkt, dass es zwar Spaß macht, aber es für mich angenehmer ist, wenn ich alles selbst unter Kontrolle habe. Dann weiß ich, dass die Leute mich so sehen, wie ich bin und nicht so, wie es andere Menschen wollen.

Und darüber hinaus: Was macht in deinen Augen einen guten BookTuber aus?

Ein/e gute/r BookTuberIn sollte eine große Leidenschaft für Bücher haben, gepaart mit Charisma und einer angenehmen Präsenz vor der Kamera. Das bedeutet nicht, dass man sich zum Affen machen muss.

Was sollte ein BookTuber besser sein lassen?

Falsche Bewertungen – Bücher betreffend. Außerdem sollte man auch nicht unbedingt gekünstelt wirken, sondern authentisch und natürlich.

Welche Hürden muss ein BookTuber nehmen?

Die Hürde beginnt beim Gedanken darüber, was man sich erwartet. Will man einen kleinen Kreis von Menschen finden, mit denen man sich über Bücher unterhält, oder will man die breite Masse von Leseratten ansprechen? Ich wollte zunächst ersteres, später wurde ich ehrgeiziger. Und hier liegt der Ursprung der Hürde. Bücher sind immer noch ein Thema, das auf YouTube nicht das gefragteste ist. Deswegen darf man sich nicht mit Comedy- oder Beauty-Menschen messen. Andere haben nach vier Jahren oftmals eine Million Abonnenten. In der Bücherszene kann man das einfach nicht erwarten. Deswegen muss man Spaß an der Sache haben und darf sich nicht ärgern, wenn es länger dauert, bis ZuschauerInnen zu einem finden.

Dein schönstes Erlebnis als BookTuber …

Meine ZuschauerInnen haben sich zu meinen LeserInnen entwickelt und schreiben mir Kommentare, Nachrichten und begleiten mich in meinem Bücher-Universum. Seien es Bücher, die ich lese oder Bücher, die ich schreibe. Ich mag den Austausch mit den Menschen, die mich sympathisch und interessant finden. Das ist Tag für Tag immer ein schönes Erlebnis.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Nach 3 ½ Jahren passiert es mir natürlich oft, dass mir Rezensionsexemplare angeboten werden. Ich nutze das aber nicht aus und wähle nur solche Bücher, die mich auch wirklich interessieren. Außerdem wäre es mir auch unmöglich, alle Bücher zu lesen, die mir angeboten werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Da gehe ich genauso vor.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Selbstverständlich geht nichts über ein Taschenbuch bzw. über ein gebundenes Buch, welches man in Händen hält. Dennoch bin ich mittlerweile genauso auch für E-Books zu begeistern.

Welche anderen Booktuber bzw. Buchblogger empfiehlst du? Und welche sollten in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich würde es interessant finden, wenn Kossi aka Andrea Koßmann („Kossi’s Welt“) hier zu Wort kommen würde.

Danke sehr, Andreas, ich freue mich, dass du in der Gesprächsreihe dabei bist.

Steglitz stellt Samy Wiltschek mit „Kulturblog der Buchhandlung Jastram“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm bloggt. Dass wir ihn mitsamt seinem Kulturblog ein wenig näher kennenlernen sollten, hatte JuneAutumn vorgeschlagen, die 1001 Bücher pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Lest Bücher nicht T-Shirts  © Samy Wiltschek

Lest Bücher nicht T-Shirts © Samy Wiltschek

Ein Silvesterkind aus dem Jahre 1958 mit einem Arbeitslosenstudium (Grundschullehrer) und seit 1983 Buchhändler in Ulm. Durch die beiden Kinder und dem Enkelkind nie den Kontakt zu Bild-, Kinder- und Jugendbüchern verloren, wobei ich gerne in neue Romane abtauche und mir die halbjährlichen Büchertsunamis schwer zu schaffen machen.

Ein Rettungsanker: Täglich vor dem Frühstück 10 Seiten in einem Klassiker lesen. Somit schaffe ich auch Tolstois Anna Karenina.

.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich denke, es ist das dritte Jahr. Begonnen hat es mit Jastram Kulturblog, mit täglichen Verlinkungen auf facebook. Danach kam noch das Bilderblog der Jastramwelt dazu. Im Moment gibt es zu unserer Sommeraktion noch Jastrampixi.

Ich denke, das reicht. Uff!

Deine Themenschwerpunkte …

Ich bin Buchhändler, habe eine kleine, literarische Buchhandlung. Das genau ist der Inhalt dieser Blogs. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber: das reicht auch!

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich bin immer auf der Suche nach Neuem und sitze mitten drin in der Bücherwelt und habe meinen Lieblingsberuf. Mich interessieren nicht Querelen bei Suhrkamp, oder wer wo was wie und wann macht. Lieber lese ich Bücher und kann die dann auch verkaufen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Was ich gemerkt habe: Ich brauche einen langen Atem. Es spricht sich einfach rum.

Die Blogs sind eine Erweiterung des Buchlandens. Weitere Schaufenster, an denen Interessierte vorbeibummeln können. Ich bin auch nicht auf Freundesammeln bei facebook aus. Ich denke, wer Lust auf die Seiten hat, wem die Seiten gefallen, schaut immer wieder rein und findet die Buchhandlung auch hier wieder.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Oh je. Ich für mich passe auf, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne und dass die Blogs nicht zu einer Selbstinzensierung werden. Bücher sollen bei mir im Vordergrund stehen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Langer Atem. Und hin und wieder bei anderen Bloggern reinschauen (mach ich zu wenig, da ich keine Zeit dafür habe), dabei lerne ich so viel.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Ach! Z.B.wenn ein Verlag sich meldet und meinen Beitrag, den er gerade gegoogelt hat, prima findet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ist bei mir noch nie passiert. Ich fordere auch keine an und schicke den Verlagen auch keine Infos, wenn ich ein Buch von ihnen gebloggt habe. Wenn mir jemand etwas schicken sollte, prüfe ich erst ob es mir persönlich gefällt.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

s.o.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe seit Jahren selbst einen SONY-Reader, den ich immer wieder benutze. Auf Reisen, oder in letzter Zeit auch für Leseexemplare, oder Leseproben, die die Verlag verschicken. Das erspart mir das Entsorgen von Altpapier. Im Laden verkaufen wir Reader und bieten über unsere Plattformen E-Books an.

Aber das ist ein anderes, sehr heikles Thema, über das ich gar nicht groß nachdenken mag.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da ich mich aus Zeitgründen nicht oft und lange im Netz bewege und meine Lieblingsblogs, denen ich folge, hier schon erwähnt worden sind, möchte ich zwei erwähnen, die ganz gut in die Reihe passen könnten.

Zum einen Verenas Welt der Jugendbücher. Verena (wir kennen uns nicht) arbeitet in der Buchhandlung Ravensbuch in Ravensburg und bespricht auf ihrem Blog Kinder- und Jugendbücher. Nicht, dass alles, was sie bespricht mir auch zusagt, aber die persönlichen Besprechungen helfen mir sehr in der Flut von Jugendbüchern, von den ich oft wenig Ahnung habe, wenn es dann auch um Fantasy und ähnliches geht. – Den Stab würde ich gerne an Verena weiterreichen.

Und: WordBrooklyn. Diese kleine und extrem rührige unabhängige Buchhandlung habe ich in Brooklyn kennengelernt, mehrfach besucht und auch schon im Buchmarkt darüber geschrieben. Same same but different. Ich habe einiges von den Mädels dort übernommen und bin begeistert, wie die sich in der Bücherwelt tummeln.

Danke sehr, Samy. Fein, dass ein Buchhändler zu Wort gekommen ist – eine Buchhändlerin haben wir hier ja bereits kennengelernt…

________________________________________________________________________________________________

Zuletzt haben sich Evelyn und Miriam mit Dreaming till Midnight vorgestellt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Filo mit „Filos Bücheruniversum“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Bianka Boyke pflegt jungesbuch; neuerdings gemeinsam mit einer Jugendredaktion, der auch Filo angehört. Bianka schlug vor, dass wir etwas mehr über die 16-jährige Schülerin und ihr Blog Filos Bücheruniversum erfahren sollten. Nun freue mich, dass sich heute eine junge Nachwuchs-Bloggerin präsentiert.

Dein Steckbrief in Stichworten…

– geboren am 25.12.1996, also ein richtiges Weihnachtskind 😉
– gehe noch zur Schule, aber in 2 Jahren bin ich dann auch endlich mit dem Abi durch
– mein Blog Filos Bücheruniversum bereitet mir mit jedem Tag mehr Spaß

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge mittlerweile seit starken 9 Monaten, was nicht viel erscheint im Vergleich mit manch alten Hasen. Trotzdem bin ich stolz darauf und hoffe, dass ich meinen Blog noch lange weiterführen kann. Denn der Hauptgrund, warum ich mit dem Bloggen angefangen habe, ist nun mal der Spaß am Rezensionen schreiben und die Freude, mit anderen Lesebegeisterten in Kontakt zu treten. Und jeder weitere Lebenstag meines Blogs macht mir nur noch mehr Lust daran. Die Leute, die ich über den Blog kennen gelernt habe, sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Header © Filo

Header © Filo

Für Blogspot habe ich mich als total Unerfahrene in diesem Bereich entschieden, da es mir einfach vom technischen her am einfachsten erschien. Außerdem wusste ich auch kaum von anderen Plattformen, da die meisten Blogs, die ich zu diesem Zeitpunkt kannte, alle über Blogspot liefen.

Deine Themenschwerpunkte…

Mein größter Themenschwerpunkt sind natürlich Bücher. Rezensionen, ob dieses oder jenes Buch empfehlenswert ist, prägen mein Bücheruniversum. Dazu liebe ich es aber auch, mit meinen Lesern in Kontakt zu treten, so dass ich des Öfteren auch mal meine Meinung zu Buchthemen im Allgemeinen abgebe und die Leser dazu auffordere, ihre Meinung zu diesem Thema zu sagen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb, derzeit besonders um?

Ich finde es gerade besonders spannend, neue Genre für mich zu entdecken. Nachdem der Jugendbuchbereich zurzeit nur so mit Dystopien überschwemmt wird, brauche ich davon mal etwas Abwechslung. Daher lese ich nun auch immer wieder mal einen Thriller und habe auch schon Science Fiction getestet, was mich aber nicht wirklich einnehmen konnte.

Wie machst du den Blog und deine Beiträge bekannt?


Da verfolge ich ehrlich gesagt keine besondere Strategie. Von Anfang an habe ich nicht wirklich Werbung für meinen Blog gemacht. Dass immer mehr Leute zu meinem Blog finden, ist einfach so ins Rollen gekommen. Hauptsächlich beschränkt sich meine Art von „Werbung“ nämlich nur darauf, dass ich auch gerne auf anderen Blogs kommentiere und auf ein paar Literturplattformen aktiv bin.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?


Zu viel über sein Privatleben erzählen. Schließlich wird alles, was man im Internet schreibt, für immer dort zu lesen sein. Außerdem sollte man immer eine angemessene Sprache benutzen und nicht aggressiv oder beleidigend schreiben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?


Besonders am Anfang ist wohl die größte Schwierigkeit die Technik. Vor meiner Bloggerzeit hatte ich keine Ahnung von HTML, Javascript und Co. Und auch jetzt bin ich längst noch kein Profi darin. Um aber einen ansprechenden Blog zu haben, muss man sich diese Fähigkeiten wenigstens ein bisschen aneignen. Zum Glück finden sich dazu im Internet viele hilfreiche Seiten, mit deren Hilfe man sich das technische Know-how beibringen kann.
Eine andere Hürde ist das Bekanntwerden, das Herausstechen aus der Masse. Das gestaltet sich viel schwieriger, weil es dafür keine seitenlangen Anleitungen gibt. Man muss für seinen Blog das gewisse Etwas finden und das ist gar nicht so leicht.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…


Eigentlich ist meine gesamte Bloggerzeit ein schönes Erlebnis, aber vor nicht allzu langer Zeit hatte ich doch so etwas wie den allerschönsten Moment. Kurz vor der Buchmesse gewann ich nämlich durch eine Rezension zum Buch „Und keiner wird dich kennen“ von Blogg dein Buch und dem Beltz & Gelberg Verlag einen Wettbewerb und bin nun „Beltz & Gelberg Buchblogger 2013“. Das allein hat mich natürlich schon sehr gefreut, aber zum schönsten Moment macht es das noch nicht. Richtig glücklich haben mich nämlich die Reaktionen darauf gemacht. Ich habe sehr viele Glückwünsche erhalten, unter den Kommentaren waren aber auch einige, die mich noch mehr gefreut haben als der tatsächliche Gewinn: ernst gemeintes Lob und so liebe Worte, die mir für eine ganze Weile ein großes Lächeln aufs Gesicht gezaubert haben.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wie sollte ich damit groß umgehen? Ich freue mich, dass meine Arbeit auf dem Blog anerkannt wird, so dass ich für Rezensionsanfragen in Frage komme. Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass das, was man tut, gut ankommt. Und wenn mich das Buch interessiert, dann will ich es natürlich auch gerne lesen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Da das durchaus schon passiert ist, brauche ich hier gar nicht im Konjunktiv schreiben. Wenn mir ein Self-Publisher ein Rezensionsexemplar anbietet, schaue ich es mir genauso wie die Titel aus den großen Verlagen an. Spricht mich der Klappentext, das Cover und die Idee des Buches an, kümmert es mich nicht, wie das Buch veröffentlicht wurde.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

E-Books sind für mich definitiv keine Alternative zum gedruckten Buch, aber eine schöne Ergänzung. Gerade wenn man unterwegs ist, ist ein E-Book deutlich praktischer. Ich habe daher auf meinem Handy einen E-Book-Reader. Viel häufiger und lieber halte ich aber ein gedrucktes Buch in der Hand, das raschelnde Papier und der Duft von frisch gedruckten Seiten kann einfach durch nichts ersetzt werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Sich auf 5 zu beschränken ist wirklich nicht einfach. Aber wirklich zu empfehlen sind diese 5 Blogs, die ich nicht mehr missen möchte: Buchlabyrinth, Les Bookmoiselles, Keine Zeit für Langeweile, Mays Reviews und Lichtgold.

Danke Filo, deinen Antworten ist deutlich anzumerken, wie viel Freude dir das Bloggen über Bücher macht …

Es hat mir viel Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten 😉

______________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich JuneAutumn mit 1001 Bücher vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Samy vom Kulturblog der Buchhandlung Jastram. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt JuneAutumn mit „1001 Bücher“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, dass wir JuneAutumn und ihr Blog 1001 Bücher näher kennenlernen sollten, stammt von DocTotte, der Tottes kleines Literaturlexikon pflegt.

Dein Steckbrief in Worten…

Ehemalige Literaturstudentin, die an der Uni ihre Liebe zu den Büchern nicht ausleben konnte und auf der Suche nach anderen Möglichkeiten ist… Mein Traum ist es, irgendwann einmal meine Brötchen mit Büchern zu verdienen, also schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Seit wann, warum und wo bloggst Du?

der Kopf dahinter © JuneAutumn

der Kopf dahinter © JuneAutumn

1001 Bücher gibt es seit anderthalb Jahren. Vorher habe ich einige Versuche gestartet, auf anderen Plattformen und mit gemischten Themen. Nun fühle ich mich aber bei WordPress sehr gut aufgehoben, da es leicht zu bedienen ist und eine große Community hat. Ich blogge, weil ich hoffte und nun weiß, dass da draußen noch andere sind, die genauso oder zumindest ähnlich denken wie ich. Das ist in einer Stadt, die hauptsächlich auf naturwissenschaftliche Studiengänge setzt, selten zu finden. Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Deine Themenschwerpunkte…

Das ist relativ einfach. Ich lese mich durch die „1001 Bücher, die man gelesen haben sollte, bevor man stirbt„. Das ist zwar nur eine von vielen Listen, aber ich habe mich für diese entschieden, weil sie so umfangreich ist. Dass immer noch vieles und vor allem viele Länder nicht vorhanden sind, stört zwar, kann aber kompensiert werden. Auf jeden Fall denke ich, dass man einen guten Eindruck erlangt und darauf aufbauend weiterlesen kann… Außerdem hat es mir schon immer geholfen, etwas Konkretes zu haben, das ich abarbeiten kann, so dass ich nicht unterwegs vom Weg abkomme…

Was treibt Dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Hypes. Ich kann nicht verstehen, dass es immer wieder eine Thematik gibt, die komplett ausgeschlachtet wird. Dabei scheint Qualität oder Anspruch keine große Rolle zu spielen. Ich könnte mir vorstellen, dass Menschen, die sich nicht so sehr mit Literatur auseinandersetzen, ein sehr merkwürdiges Bild bekommen. Wäre Vielfalt nicht angebrachter?

Wie machst Du Deinen Blog und Deine Beiträge bekannt?

Tatsächlich nur über WordPress. Facebook und Twitter habe ich mal ausprobiert, dann aber für mich entschieden, dass ich nicht alles von mir preisgeben und vermarktet werden möchte. So besuche ich regelmäßig viele Blogs, like, was mir gefällt und kommentiere, wenn ich was dazu äußern möchte. Es klappt, ich habe mir eine schöne Gemeinschaft aufgebaut.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das trifft einen wunden Punkt bei mir: Wenn ein Blogger nicht nachsieht, ob sein Beitrag ordentlich und fehlerfrei ist. Natürlich unterlaufen immer mal Tippfehler und dergleichen, und das am Monitor zu kontrollieren ist nicht immer einfach. Dennoch würde ich mir wünschen, dass jeder Verfasser noch einmal Korrektur liest, da ich es äußerst schade finde, wenn ein gut geschriebener Beitrag schlechter wird. Wenn ich zig Fehler sehe, höre ich auf zu lesen, und das ist manchmal äußerst ungerecht. Aber Sprache ist unser Werkzeug, und ich finde, es sollte korrekt angewandt werden. Und ich finde es auch fürchterlich, wenn ein Blogger ewig lange Texte verfasst – auch wenn ein Thema es durchaus verdient, intensiver behandelt zu werden. Aber solche Texte lese ich dann lieber in Papierform (klar, wo sollte ich die herbekommen?) als am PC.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Er muss Geduld und Ausdauer haben. Die Literaturbloggemeinde ist zwar sehr freundlich und heißt jeden neuen Blogger willkommen, aber es dauert trotzdem seine Zeit, bis man sich eine Community aufgebaut hat. Man sollte regelmäßig bloggen und den Kontakt halten, das heißt, auch verfolgen, was die anderen machen. Ich möchte aber noch sagen, dass es sehr schön ist, dass man auch mal eine schwächere Zeit haben kann, und einem trotzdem alle die Stange halten.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Da gibt es kein einzelnes Erlebnis. Ich freue mich, dazuzugehören, ich genieße den Austausch mit Gleichgesinnten, und auch die Möglichkeit solcher Interviews, die mehr von einer Person zeigen, finde ich klasse.

Wie gehst Du damit um, wenn Dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist dank der Natur meines Blogs noch nicht vorgekommen. Meine Leseliste besteht ja aus einer festen Reihe von Büchern, dementsprechend braucht niemand etwas anzubieten. Ich würde demgegenüber allerdings auch sehr skeptisch sein, da ich gerne unbefangen lesen und keine Verpflichtung zu einer positiven Bewertung eingehen möchte.

Und wie würdest Du damit umgehen, wenn Dir Self-Publisher ihre Titel anbieten würden?

Da würde ich grundsätzlich keinen großen Unterschied machen. Ich würde mir den Titel genau ansehen, aber auch hier keine Verpflichtung zu einer positiven Bewertung eingehen wollen.

Wie hältst Du es mit dem E-Book?

Ich kann den Nutzen sehen, den es hat. Und ich habe auch schon von mehreren Lesemuffeln gehört, die dank des E-Books wieder mehr lesen. Seine Existenz ist also okay für mich, aber ich möchte keins haben, da ich tatsächliche Bücher bevorzuge. Ich schleppe sie gerne mit mir rum, halte sie gerne in der Hand, blättere gerne tatsächliche Seiten um… Würde ich allerdings viel auf Reisen sein, würde ich zumindest mit dem Gedanken spielen, mir eines zuzulegen…

Welche anderen Blogs empfiehlst Du (max. 5)? Und welcher Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Die meisten Blogs, die ich verfolge, sind schon mehrmals empfohlen worden. Ich habe auf meiner Seite Artikel verlinkt, die ich mag, so dass jeder sehen kann, was gerade passiert. Ich möchte Samy vom Kulturblog der Buchhandlung Jastram als Gesprächspartner empfehlen, da er täglich Neues aus der Bücher-, Musik- und Filmszene zu berichten hat, und das in einer sehr unterhaltenden Weise. Außerdem möchte ich mich bei DocTotte für die Überreichung des Staffelstabes bedanken.

Und ich danke dir, dass du den Stab angenommen hast und freue mich, dass du ihn an einen bloggenden Buchhändler weitergibst…

_________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stelle sich Alban Nikolai Herbst mit Die Dschungel. Anderswelt vor. Seine Wunsch-Interview-Partner waren Sophia Mandelbaum mit  Ze Zurrealism itzelf und Helmut Schulze mit parallalie. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Noch mehr Antworten auf die Frage: Sind bibliophile Blogger Nostalgiker?

Am 24./25. Mai findet LiteraturFutur in Hildesheim statt – und auch ich bin dabei. Konzipiert wurde das Format von Studenten der dortigen Universität, die sich mit Kreativem Schreiben, Kulturjournalismus und Kulturwissenschaften beschäftigen. Diskutiert wird über die Zukunft der Literatur und neue Formen der Literaturvermittlung unter digitalen Bedingungen. Gemeinsam mit eingeladenen Autorinnen und Autoren, Literaturvermittlern, Experten aus Verlagen und Agenturen wollen sie während der Veranstaltung versuchen, einige vorläufige Antworten zu finden.

© Litfutur Hildesheim 24./25 Mai 2013

© Litfutur Hildesheim 24./25 Mai 2013

Im Vorfeld der Hildesheimer Zusammenkunft führte Lew Weisz ein Interview mit mir – ein Schnipsel aus meiner langen Rede findet sich hier.

Unter anderem wollte die sympathische Studentin von mir wissen, ob bibliophile Blogger Nostalgiker sind. Da ich das selber gerne wissen möchte, habe ich nicht lange gefackelt und jene um ein Statement dazu gebeten, die bei der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ dabei sind.

Seitdem ich die Frage, deren Sinnhaftigkeit sich nicht unbedingt auf Anhieb erschließt, an Bloggerinnen und Blogger weitergereicht habe, zieht sie im Netz Kreise. So machte sich hier Jost Renner darüber so seine  speziellen Gedanken, Stefan Mesch steuerte SteglitzMind einen Essay bei und den Krimi-Depeschen war die Frage sogar eine Extra-Nostalgie-Ausgabe wert.

Heute folgen weitere Stellungnahmen von elf Bloggerinnen und Bloggern, für die ich Euch herzlich danke sage!

Wenn ich durch ein Antiquariat laufe, spüre ich die Nostalgie an meinem Mantel zupfen. Dort stehen die Bücher oft bis hoch an die Decke und verströmen ihren eigenen Geruch, an dem ich mich nicht satt schnuppern kann. Die Ausgaben sind meist älter als ich und zeigen mir mit ihren Seiten wie viele Jahre sie schon auf dem Buckel haben. Sie nehmen mich mit in ihre eigene Welt, eine Zeit, die vor mir da war und die ich gern betreten würde, damals, als es beispielsweise literarische Kreise wie die Gruppe 47 gab.

Bücher sind nicht nur Boten der Phantasie und Gedanken, sie reflektieren auch die Gegenwart, in der sie geschrieben werden. Genau betrachtet ist es nicht nur die Nostalgie, die alte Ausgaben in mir hervorrufen, sondern auch reine Neugier. Die ist es, die uns bibliophile Blogger zu den Büchern führt. Warum schlagen wir sonst Bücher auf? Die Nostalgie mag uns hier und da streifen, den einen berührt sie mehr, den anderen weniger, aber sie ist es nicht allein, die uns täglich über Bücher schreiben lässt. Simone Finkenwirth aka Klappentexterin

Ich kann mit solchen blinden Verallgemeinerungen nichts anfangen. Warum sollten bibliophile Blogger Nostalgiker sein? Klar, könnten sie sein. Genau wie Schrebergärtner oder Autobahndrängler. Ich sehe da schlicht keinen Zusammenhang, dafür aber ein sonderbares Klischee, das versucht, zwei Dinge gewaltsam zusammenzubringen. Stephan Waldscheidt mit Schriftzeit

Wikipedia sagt zu Nostalgie unter anderem: „Nostalgikern wird oft Gegenwartsflucht vorgeworfen.“

So gesehen muss ich die Frage mit ja beantworten, denn mit dem Lesen von Büchern flüchte ich in eine andere Welt. Ansonsten sehe ich bibliophile Blogger nicht als Nostalgiker. Wenn viele auch zum altbewährten Notizbuch und zum Kugelschreiber greifen, um sich Notizen für einen Post zu machen, ist es danach das Internet, in dem die bibliophile Begeisterung verbreitet wird. Und da kann man wohl kaum von Nostalgikern reden. Buechermaniac von der lesewelle

Ob „bibliophile Blogger“ Nostalgiker sind, weiß ich nicht. Zum einen halte ich den Begriff für sehr heterogen (vor allem, wenn ich die Liste der von Dir vorgestellten Blogger sehe). Zum anderen weiß ich nicht, ab wann man ein Nostalgiker ist. Zu viele Etiketten – sorry. Gregor Keuschnig mit Begleitschreiben

Ich habe bei deiner Frage einfach definitorische Probleme. Was ist bibliophil und was ist nostalgisch? Letzteres bedeutet ja, grob gesprochen, vergangene Zeiten hochzuhalten und ihnen zu huldigen, indem man ihnen auch ein wenig nachtrauert. Und bibliophil kann eine eher kunstgewerbliche Annäherung an Literatur bedeuten (bibliophile Ausgaben…) oder generell eine Liebe zum Geschriebenen. Wenn ich für mich gelten lasse, Literatur zu lieben und durchaus auch solche vergangener Zeiten, bin ich ein „bibliophiler Nostalgiker“. Aber doch nur, um die Gegenwart besser verstehen und analysieren zu können. Ich bin Traditionalist, weil ich glaube, dass man Traditionen nur fortsetzen und manchmal auch überwinden kann, wenn man sie überhaupt kennt. Etwas, das z.B. den deutschen Krimi betreffend, völlig im Argen liegt. Mit Nostalgie hat das sehr wenig bis gar nichts zu tun. Mit Bibliophilie als kunstgewerblicher Impuls ebenso nicht. Aber wer nicht zurückschaut, schaut auch nicht nach vorne. Oder schaut nach vorne, aber ins Dunkel… Dieter Paul Rudolph mit Krimikultur: Archiv

Bibliophile Blogger Nostalgiker? Nein. Wir bloggen über EINE Form des Geschichtenerzählens, das selbst seit x000 Jahren existiert 😉 Bettina Schnerr-Laube mit Bleisatz

Du hast mich / uns gefragt – und ich versuche mal kurz zu antworten. Bzw. hm, wie soll ich es ausdrücken: so richtig verstehe ich die Frage ja nicht. Wieso sollten denn bibliophile Blogger überhaupt Nostalgiker sein? Sind Blogger nicht Menschen, die sich im Netz bewegen, eine bestimmte Affinität zum digitalen Medium haben, was ja eher auf eine Neigung zur Modernität, zur Zukunft und nicht zur Vergangenheit und Nostalgie hindeutet?

Meint Nostalgie dann eher die Tatsache, dass sie vermutlich noch gedruckte Bücher bevorzugen, obwohl sie sich im Netz bewegen? Oder eher das ihr Content, das sie bevorzugen, Langtexte sind? Und eben nicht kurze Gebrauchstexte aus dem Internet? So wie für viele Menschen heutzutage?

Oder zielt die Nostalgie darauf ab, dass man etwas mag, was immer weniger Leute mögen / tun? Hm, dann muss ich sagen, dass ich einer bin 😉 Aber tatsächlich nur in dem Sinne, dass mich tatsächlich fiktionaler Content sehr viel mehr reizt, sehr viel mehr gibt. Sachtexte sind zwar interessant, aber immer auch Arbeit. Wenn ich aus dem Alltag flüchten oder Spaß haben will, dann möchte ich Fiktion lesen. Nostalgisch in dem Sinne, dass ich es schön fand, in die Bücherei zu gehen. Und schön finde, mich mit Leuten darüber auszutauschen, was ich lese. Und das tun bibliophile Blogger nun im Internet. Aber ist das dann noch nostalgisch? Ist das nicht das Gegenteil davon?

Nostalgie leitet sich ab von den griechischen Wörtern νόστος, nóstos (Rückkehr, Heimkehr) und άλγος, álgos (Schmerz).

Das sagt Wikipedia. Als Blogger, der sein Blog „schmerzwach“ nennt, möchte ich kurz „ja“ sagen, ich bin Nostalgiker. Aber dann frage ich mich: was tut mir weh, wenn ich an Bücher oder die gegenwärtige Literatur denke? Nichts. Und wohin möchte ich zurückkehren? Ich finde alles ganz gut, wie es ist. Etwas unübersichtlich vielleicht. Aber war es früher besser? Nein. Ich denke nicht. Ich weiß nicht, ob ich die Frage damit beantwortet habe. Jannis Plastargias mit schmerzwach

Der Sinn der Frage erschließt sich mir aus dem Kontext nicht. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Deshalb meine Antwort: „Wieso?“. Peter Hetzler von Comickunst

Ich kann natürlich schwerlich für alle sprechen, aber ich selbst halte mich für einen Mix aus Nostalgie und neugieriger Aufgeschlossenheit.
Ich schau mir gern Neues an, weiß aber auch alte Dinge oder Ideen zu schätzen, wenn sie gut sind.
Bücher gehören eindeutig dazu.
Schrift ist eben mit der Entdeckung der (Messbarkeit der) Zeit die wichtigste Erfindung, die die Menschheit gemacht hat.
Alles andere ist im Zweifelsfall praktisch verzichtbar, weil die Zivilisation in der Schrift steckt. DocTotte mit Tottes kleines Literaturlexikon

Leider aber kann ich Deine Frage nicht beantworten, weil ich mich, wie ich bereits notierte, nicht als bibliophilen Blogger verstehe. Spannende Dinge ereignen sich in den Räumen des Schreibens, der Zeit, der Papiere, der Methoden, der Verbreitung von Gedanken und ihren Zeichen. Anbei ein kleiner particles-Text, – so wie ich das sehe. andreas louis seyerlein: particles

Was die Frage angeht, so finde ich sie viel zu allgemein. „Inwiefern?“ möchte ich da gern zurückfragen. Nostalgiker sind ja nicht einfach nur Leute, die ein Faible für alte oder altmodische Dinge und Tätigkeiten haben, sondern Menschen, die die Vergangenheit idealisieren und sich in einer „Früher-war-alles-besser-Attitüde“ nach ihr sehnen und am liebsten die Gegenwart fliehen würden. Ein typischer Vertreter wäre die Hauptfigur aus „Midnight in Paris“, doch selbst er entscheidet sich am Ende für die Gegenwart, weil er den ungesunden Aspekt einer übertriebenen Vergangenheitsverliebtheit erkennt.
Inwiefern sollten bibliophile BloggerInnen NostalgikerInnen sein? Weil sie in ihren Blogs versuchen, die Salonkultur mit modernen Mitteln zu beleben? Manche BloggerInnen können mit E-Books und entsprechenden Readern nichts anfangen – andere sind davon begeistert und äußern dies auch in ihren Blogbeiträgen. Einige haben ein Faible für altmodische Dinge wie Notizbücher oder Füller und doch nutzen sie fleißig WordPress, Twitter et al. Mit Sicherheit gibt es etliche, die schöne alte Dinge mögen, aber das macht sie nicht zu NostalgikerInnen oder Gegenwartsflüchtlingen. Auch die Lesevorlieben sind kein Kriterium: Von Besprechungen zeitgenössischer Literatur bis zu tatsächlich bibliophilen Ausgaben findet sich so ziemlich alles. Alle bibliophilen BloggerInnen über den Nostalgiekamm scheren zu wollen, halte ich daher für Unfug. Petra Gust-Kazakos mit Philea’s Blog

Steglitz stellt Alban Nikolai Herbst mit „Die Dschungel. Anderswelt“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Dschungel. Anderswelt ist ein Blog unter jenen, die im bisherigen Verlauf der Gesprächsreihe mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, sich aber noch nicht vorgestellt haben. Über Pfingsten ergab sich unverhofft eine Gelegenheit, Alban Nikolai Herbst zu bitten, hier mitzutun. Er ließ sich zu meiner großen Freude, nicht lange bitten …

Seit wann, warum und wo  bloggen Sie?

Ich begann 2003, weil eine damals noch blutjunge Geliebte, die ein, zwei meiner Bücher gelesen hatte, der Meinung war, ich solle nicht nur immer theoretisieren, sondern müsse auch „real“ im Netz zugegen sein. Also programmierte sie mir die heute leider verwaiste Site „Herbst & Deters Fiktionäre“ . Kurz darauf wurde ich in einen Buchprozeß gezogen, eine der unterdessen gängigen Persönlichkeitsrechts-/Kunstrechtsauseinandersetzungen, in deren Folge mein Roman „Meere“ verboten wurde; er ist unterdessen, leicht modifiziert, wieder frei. Der Prozeß verbot mir gewissermaßen den Mund für alles, so empfand ich das, was privat war. Also eröffnete ich mein erstes Weglog, damals noch bei free city und begann darin, Privates zu poetisieren, zu thematisieren, Fragen nach Zusammenhängen von Privatem und Öffentlichem zu stellen und das auf das Netz zu übertragen. Vorher schon hatte ich in einigen Chats mit verschiedenen Identitäten gespielt, war ein fünfzehnjähriges Mädchen, ein achtzigjähriger Mann usw. – was den Grund hatte, daß ich für meine Romane Sprech- und Sprachhaltungen ausprobieren und trainieren wollte. Besonders, aus der imaginierten Innensphäre einer Frau zu sprechen, ist sehr heikel, wenn es um Glaubwürdigkeiten geht. In neuerer Zeit zeigt das der „Fall Torik“, wo so etwas aber meisterhaft gelang, vor allem auf Dauer, was wiederum mein Ziel nie war; ich wollte einfach nur Figuren möglichst glaubhaft gestalten können.

Der Ort des Geschehens - eine Momentaufnahme beim Beantworten der Fragen © Alban Nikolai Herbst

Der Ort des Geschehens – eine Momentaufnahme beim Beantworten der Fragen © Alban Nikolai Herbst

Hinzu mischte sich mein Interesse an den Verbindungen privaten Erlebens mit dem, was dann poetisch in Romanen und Erzählungen daraus wird. Ich fing also Faktisches und Fiktives zu vermischen an und begleitete das von allem Anfang an mit theoretischen Überlegungen, die ich ebenfalls öffentlich formulierte. Daraufhin bekam ich eine Email von Oliver Gasser, einem der, kann man sagen, netzaffinen Autoren der allerersten Tage: Er finde, schrieb er mir, daß ich, um meine Vorstellungen auch poetisch realisieren zu können, eine andere Plattform brauche, und zwar dringend. Durch seine Vermittlung kam ich vor knapp zehn Jahren an Twoday, also Knallgrau in Wien. Gassner empfahl, mir die dortige, damals noch vorausweisende, Technologie unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, davon hätten ganz gewiß beide Seiten etwas. Twoday tat das und tut es bis heute. Deswegen, weil ich mich dem Unternehmen verpflichtet fühle, habe ich den Hoster nie gewechselt, auch dann nicht, als andere Technologien nach vorne und schließlich weit voraus drängten. Ich habe einen starken Freundschaftsbegriff.

Ihre Themenschwerpunkte …

Unterdessen sehr weit gespannt. Es gibt – je in gesonderten Rubriken zusammengefaßt – die halb persönlichen, halb fiktiven, weil immer wieder von „klassischen“ Erzählungen durchzogenen Arbeitsjournale, die von ihren Lesern als eine Art tägliche Sitcom rezipiert und ganz sicher so auch einfach konsumiert werden; es gibt die Beiträge, in denen literarische Texte ausprobiert werden, bisweilen skizzenartig, bisweilen schon sehr ausgeführt, also Gedichte, Erzählungsanfänge, Romanauszüge; es gibt Notate und Paralipomena, d.h. Aphorismen, die oft sehr zugespitzt, bisweilen provokant sind; es gibt einen stark ausgebauten Bereich, der sich mit Sexualmoral usw. beschäftigt; es gibt Briefwechselauszüge, aber auch tatsächlich im Weblog und nur darin stattfindende Briefwechsel; es gibt quasi philosophische, vor allem kunstphilosophische Partien; es gibt „Fundstücke“ der Banalität, bzw. banaler Beobachtungen und den Versuch, Schlüsse aus ihnen zu ziehen; es gibt, sozusagen überfassend, das Unternehmen einer kleinen Theorie des Literarischen Bloggens usw. Unter letzterem Namen ist bereits ein Buch entstanden, das auch als eBook erhältlich und im Netz recht ausführlich diskutiert worden ist – meines Wissens das erste Unternehmen dieser Art überhaupt. Hinzukommen als eigener, sehr ausgeführter Bereich Rezensionen zum Musiktheater und zur E-Musik. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Tagebücher anderer Autoren; ich hatte die Idee eines „chorischen“ Tagebuches, also möglichst vieler Stimmen zu jedem Tag; sie hat sich aber nie wirklich realisiert. – Und schließlich gibt es eine erstaunlich viel beachtete und diskutierte Rubrik, die sich mit literarischen Übersetzungen beschäftigt, also in der sie vorgelegt, modifiziert und/oder verworfen werden. Das letzte Projekt dieser Art habe ich mit dem in Italien lebenden Lyriker Helmut Schulze, der selbst ein spannendes Weblog führt, begonnen und Partie für Partie eingestellt; wir stehen jetzt davor, daß es ein Buch wird. Es handelt sich um frühe Skizzen von James Joyce, seinen „Giacomo Joyce“, von denen es bislang nur eine einzige, unterdessen vierzig Jahre alte Übersetzung von Klaus Reichert gibt. Unsere „Aneignungen“ dieser Dichtung werden im Herbst dieses Jahres sowohl als Print als auch eBook erscheinen. Das Besondere ist, daß man die Entstehungsgeschichte mitsamt Irrtümern, Ideen usw. im Netz wird weiter nachlesen können.

Was treibt Sie in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Na ja, es ist ein Teil meiner Arbeit, insofern ich zu denjenigen Autoren gehöre, die aus der Printwelt kommen und sie auch gar nicht völlig verlassen wollen; ich bin durch das herkömmliche Buch sehr geprägt, es gehört zu mir. Aber ich habe ein riesiges Interesse am Netz als einem neuen Medium von Literatur, gerade auch von Dichtung, der hier Bereiche aufgeschlossen werden, in die sie bislang nicht eindrang. Es gibt eine beachtenswerte Szene insbesondere für Lyrik, die in Buchausgaben selten höhere Auflagen erzielt als zwischen 500 und 1000 Exemplaren. Manche meiner Gedichte aber sind vieltausendfach gelesen, um manche gibt es die heftigsten Auseinandersetzungen. Ähnliches gilt für die Prosa. Dabei macht es mich ärgerlich, ja manchmal wütend, mit welcher Ignoranz der herkömmliche Literaturbetrieb das Netz als literarisches Ausdrucksmedium abzutun versucht, nicht selten mit schwer diskriminierenden Artikeln. Es wird hier ein Machtkampf um Deutungshoheit, das heißt letztlich: um Einkommen geführt, die man sich sichern will – auch wenn das auf Kosten vieler geschieht, die im Netz vorzügliche poetische Arbeiten vorlegen. Meist werden die gar nicht erst angeschaut. Ja, das treibt mich sehr und leidenschaftlich um.

Hinzu kommen die Auseinandersetzungen um das Urheberrecht. Ich mag mich hier nicht wiederholen, meine Position ist in Der Dschungel deutlich nachzulesen. Aber ich will doch betonen, daß eine Neuauffassung dessen, was ein Urheberrecht wäre, dringend ansteht.

Wie machen Sie Ihr Blog und die Beiträge bekannt?

Anfangs tat ich das gar nicht, bzw. verschickte wöchentliche Rundmails. Unterdessen nutze ich vor allem – aber allein als Medium des Annoncements – Facebook. Ich hatte aber auch Glück, weil Die Dschungel ziemlich gleich nach ihrem ersten Erscheinen querdurch die Szene diskutiert wurde, oft ablehnend, oft aber auch zustimmend. Das führte zu Verlinkungen, um die ich selbst mich gar nicht kümmern mußte. Manche provokante Stellungnahme tat ihr übriges. Hinzukommt, daß ich eine sehr lange Zeit lang Kämpfe mit Trolls (ich schreibe bewußt nicht Trollen) ausfocht, mich aber zugleich weigerte, Kommentare zu löschen; mir war der, auch wenn bisweilen weit unter der Gürtellinie geführte, Kampf lieber, als daß ich zensiert hätte. Das führte zu einem Schwall von Rezipienten, die sich am Dreck ergötzen wollten; es ist ein bißchen widerlich, aber auf kurze Spannen erhöht Sensationsgier die Zugriffszahlen extrem. Auf lange Sicht übrigens nicht; wenn ich jahrealte Beiträge, etwa Gedichte, wieder neu aufrufe, haben sich die Zugriffszahlen geradezu verkehrt: Long„seller“ sind, meiner jetzigen Erfahrung nach, die „seriösen“ Beiträge und, selbstverständlich, solche, die mit Sexualität zu tun haben.

Bis heute moderiere ich Kommentare nicht; manche allerdings lösche ich unterdessen einfach weg – vor allem, weil es nach den Kämpfen, die Wortschlachten werden konnten – schwere Leser:inn:enklagen und Verluste mir wertvoller Kommentator:inn:en gab. Auch dieser Prozeß ist von theoretischen Reflektionen begleitet worden.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Keine Ahnung. Wenn man es gut macht, kann man alles machen. Wie weit der Bogen gespannt wird, hängt aber sicherlich – und da vielleicht sollte jede:r für sich nachdenken – von der persönlichen Belastbarkeit der Autorinnen und Autoren ab. Geschehen in viel gelesenen Weblogs sind, wie im übrigen Leben auch, nicht ohne Folgen, vor allem dann, wenn Blogs mit Klarnamen geführt werden. Mir ist es wichtig, das so zu tun, aber es gibt Konditionen, in denen sich die Verwendung eines Pseudonyms sehr empfiehlt, weil eben auch Blogs nicht „aus der Welt“ sind. Denken Sie an die vielen Präsenzen von Frauen, in denen sie ihre Fantasien präsentieren – etwas, das sehr wichtig ist, daß es geschieht, aber es kann da zu existentiellen, z.B. etwa ökonomischen, Sanktionen kommen, gerade im nach-wie-vor-Patriarchat.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Man braucht Kontinuität, wenn man nicht einen Anlaß hat, der Leser:innen qua Thema immer wieder herholt. Sehr viele Blogs sterben wieder, und nicht wenige sehr schnell, weil, darin zu publizieren, nicht als Arbeit begriffen wird, sondern als Freizeit. Das kann gutgehen, besonders bei dem, was ich einmal einen Plauderblog genannt habe – es sind dies in meinen Augen aber weniger Blogs als mehr fixierte Chats. Man muß damit umgehen, daß man eventuell jahrelang ins Leere schreibt – aber das ist bei jedem künstlerischen Beruf so. Da ich Die Dschungel als Teil meines literarischen Werkes betrachte und so von Anfang an auch angelegt habe, bin ich aber nicht eigentlich geeignet, Ihre Frage zu beantworten. Ich betreibe Die Dschungel als poetisches Werk, habe sie bisweilen sogar „einen Roman“ genannt. Das ist sicher bei anderen Blog-Autor:inn:en nicht so und muß auch nicht so sein. Bewahre.

Gab’s beim Bloggen auch persönliche Krisen?

Meine persönlichen Schwierigkeiten, ja richtige Krisen hatte ich durchzustehen, wenn ich diffamierend angegriffen wurde. Manchmal kostet sowas eine Woche, um sich wieder zu berappeln. Man kann wütend werden, man kann depressiv werden, ich habe einige Male vorm Computer geweint. Andere Male war ich für meine Nächsten nur sehr schwer zu ertragen, weil ich schon ohnedies cholerisch genug bin. Aber so etwas formt einen. Ist man zäh genug, findet man schließlich akzeptable Umgangsformen und reift dran; man lernt auch einiges über sich selbst und kann das dann wieder poetisch umsetzen, ob nun im Weblog selbst, ob in anderer künstlerischer Weise.

Ihr schönstes Erlebnis als Blogger …

Wirkliche Freundschaften, die sich nie oder wahrscheinlich nie ergeben hätten, gäbe es Die Dschungel nicht. Eine der engsten entstand zu Helmut Schulze (parallalie), den ich oben schon erwähnte, aber auch mit Benjamin Stein (Turmsegler), Phyllis Kiehl (Tainted Talents),  Norbert W. Schlinkert, ebenso wie zu June (changes)und vor allem auch Jutta S. Piveckova (Gleisbauarbeiten), mit der ich quasi ständig diskutiere. Wir sind durchaus nicht immer einer Meinung, aber getragen von gegenseitiger Achtung.

Wenn ich nachdenke, kann ich eine ganze Liste erstellen.

Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Tun sie nicht. Sie täten’s aber sofort, wenn ich fragte, da ich auch für „klassische“ Medien rezensiere; ich muß da nur anrufen, halte meine Rezensionstätigkeit indessen in sehr engen Grenzen, weil ich zum Beispiel zu einer solchen Klasse, wie Keuschnig mit dem Begleitschreiben sie repräsentiert, schon aus Zeitgründen nicht aufrücken könnte. Er betreibt das für mich nachdrücklichste und zugleich „ehrlichste“ Rezensionsforum des deutschsprachigen Raums. Meine Achtung vor seiner Leistung ist riesig.

Und wie würden Sie damit umgehen, wenn Ihnen Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anböten?

Gefährliche Frage. Ich würde versuchen, in den Text hineinzuschauen, aber immer auch gleich sagen, daß es ziemlich lange dauern kann, bis ich’s schaffe. Das tue ich aber genau so, wenn mich Autor:inn:en um Lektorate bitten oder auch nur um meine Meinung. Wie jede/r andere kann auch ich nicht alles lesen, was erscheint – wobei ich da zwischen Neuen und klassischen Medien keinen Unterschied mache, mir die Neuen vielleicht sogar lieber sind, weil haptische Bücher – Platz brauchen. Davon steht mir ein nur sehr begrenzter zur Verfügung. Am „Fetisch Buch“ hänge ich eitlerweise nur für meine eigenen Texte, bzw. bei Dichtungen, die mir wirklich nahegekommen sind. Da lasse ich ein Buch auch schon mal neu, nach eigenem Entwurf, binden.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Siehe hierüber. Einen prinzipiellen Unterschied zu gebundenen Büchern mache ich nicht.

Welche anderen Blogs empfehlen Sie?

Wobei ich mich bei allen entschuldigen möchte, die ich ebenfalls nennen müßte, aber begrenzungshalber nicht kann; ich wähle deshalb nach Spanne dessen aus, was im Netz poetisch möglich ist und gehe dabei nach der – zufälligen, nicht alphabetischen – Reihenfolge meiner Bookmarks vor. Imgrunde ist Ihre Frage eine nach der Blogroll, die ich nicht führe, bzw. habe ich auf meiner Site nur sehr wenige feste Links. Es hat sich bewährt, solche Verlinkungen immer an einen Anlaß zu binden; gibt es einen, verlinke ich schnell.

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Herzenswunsch? Sophia Mandelbaum mit Ze Zurrealism itzelf. Freundes- und ebenfalls Herzenswunsch: Helmut Schulze mit parallalie. Einstein hatte unrecht: Gott würfelt. In dem Fall möchte ich’s nicht ihm, sondern Ihnen überlassen.

Das habe ich besonders gerne: Die Qual der Wahl … Danke vielmals, dass Sie hier dabei sind, Alban Nikolai Herbst, ich freue mich sehr darüber.

___________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Miss TT mit Tainted Talents vor. Ihr Wunsch-Interview-Partner war Norbert W. Schlinkert mit seinen Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Bianka Boyke mit „jungesbuch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von Anne-Kathrin und Jessica, die lesErLeben verantworten, kam der Vorschlag, dass wir mehr über Bianka Boyke erfahren sollten, die jungesbuch pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Bianka Boyke (30), selbständige Journalistin und Kinderbuchliebhaberin seit … immer. Studierte Kulturjournalismus, Rechtswissenschaften und Sozialethik in Bern und Marburg. Volontariat beim Medienhaus Lensing. Selbständig seit 2010, u.a. als Gerichtsberichterstatterin, Reporterin für sozialkritische Straßenmagazine und Rezensentin für das Fachmagazin Eselsohr. Kopf ist immer voll mit neuen Projekt-Ideen, die meist nachts zu Papier gebracht und weitergedacht werden, wenn meine beiden Töchter schlafen …

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Mit jungesbuch.de bin ich 2010 online gegangen, um dort vor allem Kinderbücher zu rezensieren. Ich habe immer gehofft, daraus irgendwann ein Online-Magazin für alle Kinder- und Jugendbuchbegeisterten machen zu können und probiere noch immer fleißig herum. Recht neu habe ich zum Beispiel eine Jugendredaktion ins Leben gerufen, die Novitäten aus den Bereichen Dystopie, Romantasy, Fantasy, … bespricht. Ein „Ehrenamt“ sollte es allerdings nie werden, weshalb ich meinen Arbeitsenthusiasmus nahezu täglich bremsen muss. Ich nutze WordPress, weil mir das vorgeschlagene Layout gefiel.

Deine Themenschwerpunkte …

der Kopf dahinter © René Boyke

der Kopf dahinter © René Boyke

… sind derzeit durch die noch recht neue Jugendredaktion vor allem Jugendromane. Ich selbst widme mich seit rund einem halben Jahr vor allem Illustratoren und präsentiere die dann mit Galerien und individuellen Portraits. Es liegt wohl am Alter meiner Töchter, dass ich mich derzeit vor allem sehr für Bilderbücher interessiere. Und die Steckbriefe vieler Autoren und Illustratoren fand‘ ich schon immer recht langweilig, versuche da durch individuelle Fragen auch die Persönlichkeit der einzelnen Illustratoren – bzw. sind es bisher hauptsächlich Illustratorinnen – einzufangen und den Lesern Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Wenn ich genügend Zeit habe, gelingt mir das ganz gut. Zudem gibt es immer ein Thema des Monats, weil ich mir zu verschiedenen Themen gerne einen Überblick verschaffe. Das kann ernst sein, wie etwa Depressionen im Bilder- und Kinderbuch, ein Messebericht oder auch einfach nur ein Blick auf die Novitäten unter einem Oberthema, etwa: Tierische Weihnachten, Detektive im Kinderbuch oder Serienheldinnen, die ich vergleiche. Solche Sammler veröffentliche ich dann immer auch im Eselsohr. Aktuell habe ich mich mit Magersucht und Bulimie im Jugendbuch bzw. in Büchern, die für Jugendliche geeignet sind, beschäftigt. Dazu gibt es in diesem Monat ein Interview auf jungesbuch.de.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das wenige bzw. ungerecht „verteilte“ Geld auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt. Wie schon gesagt, wollte ich aus jungesbuch.de mal ein Magazin machen und zusätzlich versuchen, mich in verschiedenen Projekten für Leseförderung starkzumachen. Zahlen schwirren mir ständig durch den Kopf. 500 bis 1000 Euro für den Illustrator eines ganzen Bilderbuchs, mehr als 95 Prozent der Branche sind kinderlos, vor allem unter den Lektorinnen und den Illustratorinnen, deren Arbeitspensum sich nur Selbständige vorstellen können. 2000 Euro „Gewinn“ am Jahresende für einen 40-Wochenstunden-Job, den Frau als eine Art „Hobby“ betreibt, weil der Ehemann ja Geld nach Hause bringt … Und immer wieder der Satz von verschiedenen Köpfen: „Kinderbücher machen hat nichts mit Kindern haben zu tun.“ Warum eigentlich nicht?! Vielleicht, weil es finanziell nicht möglich ist?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Erst recht neu auf Facebook und – für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe – in meiner Kinderbuchkolumne in der Tageszeitung Ruhr Nachrichten. Zu meinem Buchtipps gibt es immer auch den Hinweis auf meine Seite.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Zu viel Privates preiszugeben. Ein Mal im Netz, immer im Netz. Vor allem Fotos der Kinder, die jetzt oder später jeder dank digitaler Gesichtserkennung suchen kann, gehören nicht der ganzen Welt präsentiert.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Vor allem die rechtlichen Hürden sind hoch und für (junge) Blogger undurchsichtig und auch riskant – wenn etwa Produkte abgebildet oder Zitate übernommen werden, …

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es zwei ganz Aktuelle: Als ich vor wenigen Monaten auf der Suche nach einer Jugendredaktion war, um auf jungesbuch.de mehr Jugendbücher besprechen zu lassen, habe ich 5 Bloggerinnen angeschrieben und alle 5 haben sich sofort zurückgemeldet, weil Ihnen jungesbuch.de gefiel. Und dann freut es mich, dass die Illustratoren für „Meine Galerie“ auf jungesbuch.de mir immerhin pdfs ihrer Werke zukommen lassen und damit Vertrauen schenken und meine Arbeit anerkennen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe bereits als Studentin als Rezensentin gearbeitet, damals – passend zum Studium – ging es um neuere deutsche Literatur, etwa für das Internetmagazin literaturkritik.de. Später rezensierte ich für Tageszeitungen und inzwischen auch schon seit mehreren Jahren für das Fachmagazin Eselsohr. Darum ist es für mich nichts besonders – auch wenn das jetzt blöd klingt – jedes Jahr hunderte von Büchern geschickt zu bekommen. Zugegeben: ganz am Anfang hat mich das schon beeinflusst, jedes Paket war wie ein kleines Weihnachtsfest. Inzwischen trudelt aber täglich mindestens ein Buch ein und selbst meine 2-Jährige sagt: „Mama, Bucha“, wenn der Postbote klingelt. Verrisse schreibe ich selten, Bücher, die mir nicht gefallen, werden von mir schlichtweg nicht besprochen. Kritik gibt es hingegen oft, nichts ist perfekt, aber auch das kann ein gutes Buch ausmachen. Natürlich treffe ich nach der Durchsicht der Vorschauen selbst eine Vorauswahl. Was ich dann bestelle, oder zu welchen Themen ich Sammler schreibe, entscheide ich immer selbst.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Aufmachung anschauen, Inhaltsangabe und Leseprobe lesen, und mich dann für eine Zu- oder Absage entscheiden. Im Grunde wie bei jeder Mail aus dem Verteiler eines großen Verlages. Ein Buchtipps eines Selfpublishers oder eines ganz kleinen Verlages wäre an dieser Stelle doch ganz nett 😉

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Vielleicht werde ich mein erstes E-Book lesen, wenn ich mehr reise. Wenn ich meinen Kindern oder auch im Kindergarten vorlese, wollen die Kids anfassen, am Buch zerren, umblättern und dabei auch mal klebrige Obst- oder Kekshände haben können.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da empfehle ich – natürlich – die Blogs meiner Mädels, „meiner“ Jugendredaktion. Weil es allerdings sechs sind, MUSS ich alle nennen. Den Stab nur an eine weiterzugeben, ist ohnehin schwer genug. Das wären also: Lea (13) mit Meine Bücherwelt, Noelle (16) mit maybeweforgot, Elisa (16) mit mybookbubble, Filo (16) mit Filos Bücheruniversum, Evelyn (19) mit Dreaming till Midnight und Jessica (19) mit Jessis Bücherkiste.

Falls einer minderjährigen Gesprächsteilnehmerin nichts entgegensteht, entscheide ich mich für Filo, weil sie mir schlichtweg bei meiner Suche nach Rezensentinnen für die Jugendredaktion von jungesbuch.de zuerst aufgefallen ist – wegen ihr hübschen Seite und ihrer Rezensionen. – Zweite Wunschkandidatin ist Evelyn, die ihren Blog gemeinsam mit ihrer Schwester betreibt. Evelyn rezensiert alles, was ihr in die Finger kommt, ihre Schwester zeichnet bekannte Autoren.

Danke sehr Bianka. Und da du bereits über das zulässige Maß hinausgegangen bist, indem du 6 statt 5 Empfehlungen nennst, wollen wir auch bei den Interviewpartnerinnen ein Auge zudrücken und beide zum Gespräch bitten. Ausnahmen im Sinne der Blogger-Nachwuchsförderung sozusagen… Und womöglich zeichnet Evelyns‘ Schwester Miriam gelegentlich etwas für SteglitzMind 😉

________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Peter Hetzler mit seiner Comickunst vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Myriel mit ihrer Bücherzeit. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Stephan Waldscheidt mit „Schriftzeit“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass sich heute Stephan Waldscheidt mit seiner Schriftzeit vorstellt, hatte Richard Norden vorgeschlagen, der Writers Workshop betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Danke zunächst an Kollege Richard Norden, der mich für Ihr Blog vorgeschlagen hat.

  • Schriftsteller.
  • Geboren und aufgewachsen im Saarland.
  • Wohn- und lebhaft zwischen Schwarzwald und Elsass.
  • Studierter Konsumentenforscher.
  • Passionierter Kaffeetrinker, Kuchenbäcker, Wanderer.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Stephan Waldscheidt © Onuk www.onuk.de

Stephan Waldscheidt © Onuk http://www.onuk.de

Ich blogge seit … keine Ahnung. Mein aktuelles Blog »Schriftzeit – Wie Sie Romane schreiben und Ihre Leser verzaubern« betreibe ich seit Dezember 2010. Vorher hatte ich schon mal eins, mit anderen Inhalten.

Ich blogge, um Autoren Dinge über das Schreiben zu zeigen, die sie so noch nicht kennen. Ich blogge für mich, weil ich von meiner seit jeher intensiven Analyse von Romanen, die die Grundlage der Blog-Artikel bilden, selbst am meisten profitiere – genauer: meine Romane und ich.

Ich blogge da, wo ich blogge, weil in meinem Webpaket dieses Blog mit drin ist. Die Basis ist ein, allerdings stark eingeschränktes, WordPress-Blog. Was schlecht ist, weil es mir gestalterisch wenig Freiraum lässt. Und zugleich gut, weil es mir gestalterisch wenig Freiraum lässt. Es zwingt mich dazu, mich auf die Texte, auf die Inhalte zu konzentrieren.

Deine Themenschwerpunkte …

Das Schreiben und Erzählen im Allgemeinen und das Schreiben von Romanen im Besonderen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe zu viele eigene Projekte, um mich groß mit dem »Betrieb« auseinanderzusetzen, was immer das sein soll. Ich kenne Autoren, ich bin mit einigen befreundet, ich finde, die meisten Autoren sind verdammt nette Menschen. Aber ich sehe mich nicht als Teil der Literaturszene. Was immer genau das sein soll. Ich lebe nicht in Berlin. Vielleicht erklärt sich damit alles andere.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Im Blog selbst empfehle ich den Leuten ein Abo des Feeds. Als erstes und regelmäßig poste ich neue Beiträge auf meiner Facebook-Seite und bei twitter. Des Weiteren treibe ich mich auch fast täglich bei Facebook und Twitter herum.

Ich veröffentliche alle zwei, drei Monate einen Newsletter für Autoren, mit dem ich dann indirekt auch wieder an mein Blog erinnere. Ich veröffentliche Schreibratgeber, für die ich die Blog-Artikel überarbeite und erweitere und mit Schreibtricks oder Schreibanregungen versehe. Wer einen Ratgeber kauft, wird darin auch einen oder mehrere Links zu meinem Blog finden. Ich schreibe regelmäßig eine Glosse für die Autorenzeitschrift Federwelt. Dort wird auch auf mein Blog hingewiesen. Gelegentlich kommentiere ich auch mal was in einem anderen Blog, dazu komm ich aber leider zu selten.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Seine Leser zu langweilen. Gegen Propaganda und egozentrische Meinungsmache habe ich nichts. Es fehlt zu vielen Autoren in Deutschland an Leidenschaft und an eigenen Meinungen und dem Mut, sie zu vertreten. Wenn ich davon mehr bekomme, nehme ich auch die Agitatoren in Kauf.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die Hürden sind offenbar zu niedrig. Sonst würden nicht so viele bloggen. Die größte Schwierigkeit dürfte sein, Leser zu finden. Und wenn man die hat, mehr Leser zu finden.

Ansonsten hatte ich bei meinem ersten Blog das Problem, das Blog nicht selbst vom Netz nehmen zu können. Es dümpelte Jahre da herum, und ich konnte nichts dagegen machen, der Betreiber hat auf keinen einzigen Kontaktversuch reagiert. Grundsätzlich ist fehlende Kontrolle ein Problem. Wenn das Blog auf einem Webspace liegt, auf den man als Blogger keinen Einfluss hat. Ein Problem beim Bloggen: Es kostet Zeit. Die mir dann für die Arbeit an meinen anderen Projekten, vor allem an den Romanen, fehlt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Reaktionen zufriedener und bisweilen sogar enthusiastischer Leser.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ist noch nie vorgekommen. Ich schreibe ja auch keine Rezensionen, obwohl ich in meinen Artikeln gerne aktuelle Romane als Beispiele benutze. Die meisten Verlage schicken mir dann auf Anfrage ein Exemplar zu.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Immer her damit. Aber ich verspreche nicht, dass ich darüber schreibe. Und schon gar nicht verspreche ich eine positive Kritik. Keine Vorteile für niemanden, das bin ich meiner Glaubwürdigkeit schuldig. Vielleicht ist das noch eine Gefahr für Blogger: sich abhängig zu machen. Was besonders dann leicht vorkommen kann, wenn man Gefälligkeiten erwidern möchte.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

E-Books sind inzwischen für mich als Autor essenziell. Meine Schreibratgeber bringe ich alle zunächst als E-Book heraus. Dank meines erfolgreichen Blogs und der sonstigen Bemühungen und, wie ich hoffe, wegen der Inhalte, verkaufen sie sich hervorragend. Relativ zur Größe der Zielgruppe, wohlgemerkt. Wegen der erstklassigen Margen, die Amazon mit Kindle Direct Publishing bietet, und dem genau einzugrenzenden Kreis potenzieller Leser und Käufer ist das wahrscheinlich trotzdem lohnender, als über einen klassischen Verlag zu gehen.

Ein selbstpubliziertes E-Book ist das ideale Medium für Autoren, die ihre Zielgruppe kennen und sie auch ansprechen können. Was mein anderes Standbein, das Schreiben von Romanen, betrifft, bevorzuge ich nach wie vor den klassischen Verlag. Was sich aber ändern mag. Mal sehen, was kommt.

Als Leser bevorzuge ich das klassische Buch zum Anfassen, zum Sachen Anstreichen, lese aber regelmäßig auch auf meinem Kindle. Der ist ideal für unterwegs. Und neue Titel sind sofort da, wenn man sie haben will. Oder sogar haben muss.

Ein Nachteil des E-Books wird leicht übersehen: Ein E-Book vergisst man leicht. Wenn ich ein Taschenbuch auf dem Tisch liegen habe, denke ich daran, es zu lesen. Wenn es eins ist unter tausend auf meinem Reader, vergesse ich es schnell mal. So sammeln sich die Titel rascher an, als man sie liest.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hm, schwierig, da ich leider so gut wie nie zum Lesen von Blogs komme. Ich mag das Blog von Marcus Johanus, der sich hier ja bereits vorgestellt hat. Mir haben es vor allem seine Top-10-Listen angetan haben. Mehr als einen Blick wert ist auch der Gedankenzirkus von Oliver Koch.

Eines meiner wichtigsten englischsprachigen Stopps ist The Killzone, wo einige amerikanische Krimi- und Thriller-Autoren Anregendes und Lehrreiches von sich geben. Und, für jeden, der besser plotten lernen will, empfehle ich Storyfix von Thriller-Autor Larry Brooks. – Die Staffel gebe ich weiter an Oliver Koch.

Schön, dass du auch englischsprachige Blogs empfiehlst, das hatten wir seit  Klausbernd Vollmars Beitrag hier hier nicht mehr. Danke, Stephan, dass du in der Gesprächsreihe dabei bist.

Dank zurück, hat Spaß gemacht.

___________________________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Katarina Liest mit Die Bücherphilosophin. vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von Literaturen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Christiane Nowak mit „vorgelesen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Christiane Nowak mit vorgelesen vor. Den Vorschlag hatte Ada Mitsou gemacht, die Ada Mitsou liest… pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Zuerst einmal herzlichen Dank an Ada Mitsou, dass sie meinen Blog vorgeschlagen hat.   Es freut mich sehr, das Interview beantworten zu können. Ich bin 34 Jahre alt, habe Neuere deutsche Literatur, Deutsch als Fremdsprache, Politik und Publizistik studiert und bis vor einem Jahr in Neuere deutsche Literatur promoviert. Meinem Sohn, der 2008 geboren wurde, ist mein Blog gewidmet. Beim Bloggen begleitet mich eine Holzpuppe, ein kleiner Pinocchio, der viele Dummheiten macht und lernt, ein Mensch zu werden.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Im September 2011 habe ich vorgelesen bei wordpress eingerichtet. Einige Monate lang war vorher die Lektüre von Blogs meine liebste Ablenkung beim Schreiben meiner Doktorarbeit gewesen. WordPress schien mir die am häufigsten benutzte Plattform und da ich nicht sehr technikaffin bin, habe ich mich auf das verlassen, was andere auch benutzen.

Und nach der Promotion?

Das Bloggen hat sich für mich dann als Ersatz zum Schreiben an der Doktorarbeit entwickelt. So konnte ich fortsetzen, was einige Jahre lang meine tägliche Beschäftigung war. Und es erlaubt mir, noch anderen Leidenschaften nachzugehen: Ich liebe es, Dinge, die ein Leben dokumentieren, zu sammeln und zu archivieren. Leider gibt es aus meiner Kindheit nicht so viele Dokumente, so dass ich meinem Sohn gerne mehr Erinnerungen mitgeben möchte.

Während meines Studiums und der Doktorarbeit habe ich zudem viel Wissen über Literatur angehäuft. Mit diesem Wissen im Kopf konnte ich die Kinderbücher meines Sohnes nicht unbefangen lesen. Beim Vorlesen machte ich mir ständig Gedanken über Erzählperspektiven, Raumgestaltungen, literaturgeschichtliche Einordnungen, Gesellschaftsbilder, Interpretationen und Text-Bild-Interaktionen. Diese Beobachtungen und Überlegungen mussten irgendwie raus.

Deine Themenschwerpunkte …

der Blogbegleiter © Christiane Nowak

der Blogbegleiter © Christiane Nowak

Ich rezensiere Bilderbücher für Kinder von 0 bis 6 Jahren und Kinderbuchklassiker, die man gut Kindern vorlesen kann. Mein Sohn ist jetzt fast 5 Jahre, vielleicht weitet sich das Spektrum bald auf Kinderbücher zum Selbstlesen aus. Daneben berichte ich von Lesungen oder Kinderliteraturveranstaltungen, die wir besucht haben, und ich stelle Autoren vor, die mir am Herzen liegen. Außerdem schreibe ich meine Gedanken zu allem auf, was das Vorlesen betreffen könnte und wo unser Alltag sich mit Büchern verknüpft. Ich versuche literaturwissenschaftliches Hintergrundwissen zu einzelnen Büchern in klare, verständliche und gut lesbare Texte zu verpacken. Apps und kommerziellen Reihen stehe ich sehr kritisch gegenüber.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Im Bereich Kinder- und Jugendbuch nervt mich, dass sehr stark dem Prinzip der Reihen gefolgt wird und dass die Vermarktung von Kinderbuchfiguren immer mehr ausgeweitet wird. Meiner Meinung nach wird da zu sehr die Unmündigkeit und Verführbarkeit von Kindern ausgenutzt. Wenn ein Kind eine Figur lieb gewonnen hat, müssen Eltern dann ständig entscheiden, ob nun auch noch das Hörbuch, das Kuscheltier und die Brotdose gekauft werden können. Manchmal wird da mit ganz schön perfiden Mitteln gearbeitet, finde ich.

Wir hatten schon eine CD, in der ein kleines Pflaster als Geschenk mit der Figur eingelegt war, was meinen Sohn total begeistert hat. Beim nächsten Aua war dann die Enttäuschung groß, dass es nicht mehr von diesen tollen Pflastern gab. Solchen Ärger möchte ich ungern mit Kinderbuchfiguren verknüpfen. Es handelt sich hierbei um kein sehr aktuelles Phänomen, sondern um eine langfristige Entwicklung. Im Kinder- und Jugendbuchbereich hat meiner Meinung nach die Kommerzialisierung stark zugenommen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich habe eine Facebookseite, bin mit einigen Literaturblogs und Elternblogs verlinkt, wurde auf der Seite der Elternzeitschrift nido sowie auf der Seite von Brigitte Mom vorgestellt und habe an der Jury des Preises „Urzeitroboter – Das lustigste Bilderbuch 2012“ teilgenommen. Die Eintragung in Blogverzeichnisse und Listen steht immer mal auf meiner To-Do-Liste, rutscht aber immer wieder nach hinten.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich finde es ganz schön fies, wenn ein Blogger, dem man eine Zeit lang gerne gefolgt ist, plötzlich gar nichts mehr von sich hören lässt, und die Leser im Unklaren darüber lässt, ob es weiter geht oder nicht. Eine kleine Nachricht darüber, was passiert, sollte immer drin sein.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Als berufstätige Mutter ist Zeit natürlich ein knappes Gut. Dafür sind Bilderbücher aber nicht so umfangreich wie erwachsene Bücher, so dass die Lektüre viel schneller geht. Mir fehlen ein paar Software-Kompetenzen, z.B. in der Bildbearbeitung, und ich habe auch keine Geduld, mir diese anzueignen, so dass ich manchmal nicht ganz so zufrieden mit der Darstellung von Bildern im Blog bin.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Im November 2012 habe ich über meine Kindheitserinnerungen an Märchen auf Diarollfilmen berichtet, die meine Eltern uns Kindern immer vorgelesen haben. Daraufhin meldeten sich Schulfreundinnen, die das Medium auch kannten und wir konnten die Erinnerungen an solche Kinoabende teilen. Wir haben eine kleine Tauschbörse veranstaltet und wiederholen diese Tradition des Heimkinos jetzt mit unseren eigenen Kindern.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Der Bereich Bilder- und Kinderbuch unterscheidet sich da etwas von der Erwachsenenliteratur, so scheint es mir. Es gibt nicht so viele Blogs und die Verlage nehmen das Medium noch nicht so ernst. Ich bekomme daher kaum Rezensionsexemplare angeboten und wurde von einem großen deutschen Verlag sogar schon einmal abgewiesen mit meiner Bitte um ein Buch. Da ich aber auch gerne und öfters ältere Bücher vorstelle, die nur noch antiquarisch erhältlich sind, brauche ich gar nicht oft neue Werke. Außerdem muss ich eh immer aufpassen, dass die Büchermenge nicht überhandnimmt – ein großes Bibliothekszimmer wird wohl noch sehr lange einer meiner unerfüllten Träume bleiben. So bin ich ganz zufrieden, dass ich noch nicht so oft mit Angeboten konfrontiert war und bisher nicht viele Absagen schreiben musste.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Es gibt kaum Self-Publisher, die Kinder- und Jugendbücher herausbringen, denn Illustrationen sind sehr aufwändig in der Herstellung.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich kenne mich damit noch gar nicht aus, spiele im Moment aber mit dem Gedanken, mir einen E-Book-Reader anzuschaffen. Ich finde sie für Fachpublikationen sehr sinnvoll. Es grenzt an ein Wunder, dass ich noch keinen Bandscheibenvorfall hatte, so viele Bücher habe ich schon aus Bibliotheken heraus und wieder hinein getragen. Da sind E-Books eine große Erleichterung.

Bei Kinderbüchern und beim Vorlesen kann ich mir aber nicht vorstellen, auf das Medium Computer umzusteigen. Mein Sohn ist immer so neugierig, dass er sich mehr auf die Funktionen des E-Book-Readers (Tasten, Schaltflächen) konzentrieren würde und ich Angst hätte, der Inhalt der Bücher würde gar nicht mehr richtig ankommen. Außerdem ist das Blättern in Büchern sehr wichtig für die Strukturierung des Vorlesens. Mit einem E-Book könnte ich gar nicht mehr sagen: „Und nun nur noch eine Seite!“ Außerdem sind Bücher viel robuster und man muss nicht vor der Zerbrechlichkeit des Mediums warnen. Und man muss sich keine Gedanken um die Stromversorgung machen. Ich versuche generell, meinen Sohn zu einem bewussten, kritischen und zielgerichteten Medienkonsum zu erziehen. Reale Begegnungen und Erfahrungen sind für Kinder elementar.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Märchensammler, Papillionis liest, jungesbuch und lesErLeben. An den Literaturclub lesErLeben möchte ich auch die Stafette weiterreichen.

Danke, Christiane, auch dafür, dass du unser Augenmerk auf Kinder- und Jugendbücher lenkst.

_______________________________________________________________________________________________________

Zuletzt stellte sich Richard Norden mit Writers Workshop vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Stephan Waldscheidt, der schriftzeit betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier