SteglitzMind stellt Vero Nefas mit „Drei Groschen Poesie“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Melanie Döring von bookrecession hatte vorgeschlagen, dass wir Vero Nefas etwas näher kennenlernen sollten, die das Blog Drei Groschen Poesie pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten…

Vero Nefas, 29 Jahre alt, alleinerziehende Mama einer ganz bezaubernden, literaturbegeisterten Tochter, berufstätig, buchverrückt, Single.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Vero Nefas mit... @ privat

Vero Nefas mit… @ privat

Ich blogge seit Anfang 2012, genauer gesagt seit dem 22.2.12 (Die eine freche 1 hat sich einfach in das schöne Datum geschlichen 😉 ) Aber eigentlich war das alles gar nicht geplant. Ich habe über Facebook damals recht zeitgleich zwei Testlese-Bücher gewonnen und dann stand ich da, mit meinen ersten beiden Rezensionen und wusste nicht wohin damit. Für Amazon waren sie mir zu schade, auf Lovelybooks war ich damals noch nicht aktiv und so habe ich kurzerhand einen Blog gegründet (zuerst noch bei Blogspot getestet. Mich dort nicht wirklich wohl gefühlt, daher dann am besagten 22.2. zu WordPress gewechselt), einen irgendwie griffigen Namen gesucht und dann war ich geboren: Vero Nefas und die Drei Groschen Poesie waren zum Leben erweckt und sind seither ein nicht unbedeutender Teil von mir.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Themenschwerpunkt: Alles Rund ums Buch. Nein, im Ernst. Ich lese alles was mir gefällt, bespreche Bücher wie mir der Sinn danach steht und blogge vor allem gerne über Lesungen, Messen und andere Literatur-Veranstaltungen. Gerade meine Event-Berichte erfreuen sich großer Beliebtheit. Manchmal spreche ich auch einfach Themen an, die mich interessieren, aber im Großen und Ganzen geht es immer irgendwie um meine Leidenschaft: Bücher.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Eine schwierige Frage, weil ich gar nicht genau weiß wie ich sie zu verstehen habe. Aber es gibt durchaus ein paar Dinge, die mich eher wenig begeistern können. z.B. der aktuelle Trend, dass man ein Buch, das sich gut verkauft, von allen Seiten versucht zu kopieren und im Endeffekt dann ein und die selbe Geschichte hundertmal erzählt wird. Als Beispiel dient mir dazu das, was aktuell so unter „Fantasy“ läuft: Junges Mädchen findet durch Zufall heraus, dass sie Fee/Elfe/anderes magisches Wesen ist und ihr Reich vor dem Untergang retten muss. Dabei verliebt sie sich in den Prinzen und nach diversen (und unbedingt notwendigen) Irrungen und Wirrungen finden sie am Ende zusammen. Ja, die Story hatte durchaus mal ihren Reiz – aber halt nicht, wenn sie zum 150 mal mit wechselnden Protagonisten erzählt wird. Von Glitzervampiren oder Pseudo-erotischen Romanen will ich jetzt gar nicht erst reden.

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Ein anderes Problem sehe ich darin, dass man versucht Bücher – vor allem bei Thrillern fällt mir das vermehrt auf – als etwas auszugeben, was sie nicht sind. Man verspricht rasante Unterhaltung, promotet ein Buch mit riesigen Mitteln und am Ende liest der Käufer zwar ein im Prinzip sehr, sehr gutes Buch, an das er aber völlig andere Erwartungen hatte und weswegen der geneigte Einheitsbreileser natürlich enttäuscht ist und das Buch verreißt. So geschehen z.B. bei Gone Girl von Gillian Flynn. Ein wunderbarer, hochintelligenter Roman und eine wirklich gigantische Kampagne, die aber halt leider absolut nichts mit dem Buch zu tun hatte. Die Werbestrategie für das Buch versprach Serienmörder, viel Gewalt und Blut. Nichts davon findet man im Buch. Es wurde so promotet, dass sich der geneigte Fitze Leser (Ich führe ihn hier einfach mal als erfolgreichsten Deutschen Thriller Autoren ins Feld) angesprochen fühlt. Aber dieser Roman hat mit einem typischen Psychothriller null Komma nix zu tun, obwohl es einer der besten und raffiniertesten Romane ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und das passiert einfach immer häufiger – eine gute Geschichte wird der Stempel „Thriller“ geklebt, nur damit es sich besser verkauft und am Ende sind alle enttäuscht, weil viele nur ihre Erwartungen erfüllt sehen wollen, statt offen zu sein für neue Entdeckungen.

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Also eigentlich ärgere ich mich diesbezüglich gleichermaßen über Leser und Verlage: über die Verlage, weil sie die immer gleiche Massen-Einheits-Ware produzieren und über den Leser, weil er so langweilig und fad ist, und genau das auch noch haben will.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Eigentlich gar nicht – ich teile jeden Beitrag auf meiner Facebookseite und dem zugehörigen Twitter-Account und das war’s eigentlich. Manchmal sind dann eben Autoren, Verlage oder andere Blogger so nett und teilen mich weiter, wenn ihnen gefällt, was ich mache, und darüber kommen neue Leser hinzu. Aber um ehrlich zu sein blogge ich nicht, um bekannt zu werden – auch wenn das ein wirklich netter Nebeneffekt ist. Ich mache das, weil es mir Spaß macht zu schreiben, zu erzählen und meine Meinung zu Büchern zu „Papier“ zu bringen. Und es freut mich natürlich, wenn ich damit den ein oder anderen begeistern kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Oh weh, da gibt es so vieles. Angefangen mit der Bettelei um Rezensionsexemplare bis hin zu Neidattacken und Intrigen gegen andere Blogger oder sogar Autoren. Aber vor allem sollte er sich selbst nicht so wichtig nehmen. Mein Rat an andere Blogger: Macht euer Ding, schaut nicht immer wie andere es machen oder wie ihr besser sein könntet als andere, sondern bloggt wie es euch Spaß macht. In erster Linie geht es doch um Bücher und nicht darum, sich selbst zu präsentieren. Oder?

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Schwierigkeiten? Mal abgesehen vom anfänglichen Reinfinden in die Technik, eigentlich keine, außer, dass es manchmal nicht ganz nette Gerüchte über einen gibt, nur weil man ein bisschen Erfolg hat. Das ist schade, denn eigentlich sollte Bloggen ein Hobby sein, das allen Spaß macht und kein Konkurrenzkampf. Aber es wird immer Leute geben, die anderen nichts gönnen können und, ich gebe zu, manchmal ärgere ich mich auch, wenn besonders unsympathische Blogger Erfolg haben, weil ich es natürlich einfach den richtig lieben und netten Menschen viel eher wünschen würde. Aber hey, man kann sich über sowas auch einfach im stillen Kämmerchen ärgern, ohne über andere öffentlich herzuziehen. Und ein bisschen „Neid“ ist, glaube ich, sehr menschlich. Daher stehe ich auch voll dazu: Wenn jemand unverdient etwas bekommt bin ich durchaus missgünstig, oder wenn sich jemand durch Lügen und Intrigen Erfolge erschleicht. Wenn sich jemand Erfolg erarbeitet oder einfach Glück gehabt hat, dann gönne ich das von Herzen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Buchmessen, wenn einen einfach jeder erkennt. Das ist klasse, surreal und wahnsinnig witzig. Manchmal fühlt man sich schon ein bisschen wie ein kleiner Star, wenn man angesprochen wird und die Leute Fotos mit einem machen wollen. *Lach* Aber es ist vor allem schön, weil man so viele gleichgesinnte, wunderbare Menschen kennen lernen kann, die die gleiche Leidenschaft haben wie man selbst.
Im Moment z.B. steht es noch in den Sternen, ob ich nach Frankfurt fahren kann und es ist einfach schön, wenn viele Menschen darauf mit einem „Oh nein, Vero! Frankfurt ohne dich, das geht gar nicht!“ reagieren. Ich hatte keine unbedingt schöne Schulzeit, will heißen: Ich war nie sehr beliebt. Und es tut so unglaublich gut, wenn einen Menschen gern haben 🙂

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das passiert tatsächlich sehr häufig, meistens jedoch lehne ich ab, bzw. lasse – aufgrund der Menge an Mails – die Anfragen unbeantwortet. Das erscheint zwar unhöflich, aber mir fehlt einfach die Zeit auf jede Mail zu antworten und 20 Bücher in der Woche könnte ich sowieso nicht lesen. Außerdem soll Lesen Spaß machen – ich möchte lesen können was ich will und wann ich es will. Außer natürlich ich bekomme ein Buch angeboten, das sowieso ganz weit oben auf meiner Wunschliste steht. Dann freue ich mich darüber, dass ich mir gelegentlich ein paar Euro spare. Schließlich kaufe ich mindestens fünf bis sechs Bücher im Monat.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Diese Anfragen lehne ich mittlerweile, aufgrund einiger negativer Erfahrungen, generell ab. WENN ich wirklich Interesse an einem SP-Buch habe, dann kaufe ich es mir gerne, um den Autor zu unterstützen. Aber ich muss zugeben, dass tatsächlich wenig veröffentlich wird, was mich wirklich interessiert. Oder sagen wir: Es passiert selten, dass ich auf ein Buch stoße das mich anspricht, aber ich suche auch nicht gezielt danach.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Lese ich eigentlich gerne, aber leider vergesse ich meistens, dass ich auch noch eine ganze Menge ungelesener E-Books habe, weil man die einfach nicht so schön auf dem Nachttisch bzw. in meinem Fall ein Bücher-Nähmaschinen-Tisch (so ein antikes Teil, ohne Nähmaschine natürlich) präsentieren kann. Ich bin ein sehr visuell veranlagter Mensch. Alles, was ich nicht sehe, das vergesse ich einfach. Manchmal ist das wirklich lästig.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle als Blogs: Literatwo – Binea & Mr. Rail, das Bücherkaffee, …a literary passion und Buchgefieder und finde, dass die liebe Bella – von …a literary passion als noch recht junge Bloggerin hier auch zur Wort kommen sollte!

Danke sehr, Vero, ich freue mich, dass du dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Melanie Döring mit bookrecession vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

 

Steglitz stellt Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir Hilke-Gesa Bußmann mit ihrem gleichnamigen Blog näher kennenlernen sollten, hatte Jannis Plastargias vorgeschlagen, der schmerzwach pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe ja diese kleinen „Freundschaftsbücher“, die es früher immer gab, in denen man sich ein analoges Profil angelegt hat und alle immer die beliebtesten Schüler auf die erste Seite haben wollten. Ich imitiere das mal:

Name: Hilke-Gesa Bußmann

Geboren: 26.Januar 1990 – während Sturm Daria über Norddeutschland wütete und teilweise sogar für Stromausfälle verantwortlich war – aber zum Glück kennen wir in Norddeutschland auch Notstromgeneratoren.

Heimatort: Aurich – oder besser gesagt Moordorf, ein kleines Dorf im tiefsten Ostfriesland, ungefähr dreißig Kilometer von der Nordsee entfernt. Also quasi mit Blick auf Norderney und den anderen Inseln.

Wohnort: Im Moment Offenbach am Main, weil ich mein Studium in Frankfurt beende, aber möglicherweise ändert sich das zukünftig.

Ausbildung: Gymnasium Ulricianum Aurich, Abitur. Danach Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im Fachbereich Germanistik und Medienwissenschaft.

Traumjob: Was mit Digitalisierung. Was mit E-Books. Was mit innovativen Verlagen, die in die Zukunft denken und nicht nur trauern, sondern sich trauen nach vorne zu gehen. Und an dieser Stelle liegen die Worte trauern und trauen wirklich sehr nah beieinander.

Hilke-Gesa Bußmann © Hilke-Gesa Bußmann

Hilke-Gesa Bußmann © Hilke-Gesa Bußmann

Diesen ganzen Kram von wegen Lieblingsband (Flogging Molly – immer nur Flogging Molly (okay – und Nathen Maxwell, aber der ist Teil von Flogging Molly)), mein erster Moment mit Büchern (Struwwelpeter! Eindeutig der. Mit 4 Jahren konnte ich den auswendig rezitieren und meine unwissenden Großeltern hielten mich für ein Genie (aber meine Mutter hat es mir auch jeden Abend mindestens dreimal vorgelesen)), Lieblingssänger (habe ich doch schon gesagt, Nathen Maxwell! Na gut, Dave King und Bridget Regan sind auch lieblich), Lieblingsfächer (kurioser Weise tatsächlich nicht Deutsch sondern Latein und Geschichte – obwohl Latein in der Oberstufe und in meinem Leistungskurs dann irgendwann nicht mehr), Lieblingslehrer (Professor Dumbledore und natürlich Gandalf), Lieblingseis (Zitrone und Schokolade, bitte in diese Kombo) und Kaffee oder Tee (KAFFEE!) übergehe ich jetzt einfach. Es ist doch nicht wirklich von Interesse, oder? Vielleicht noch folgende Stichpunkte und dann sind auch schon die Seiten im Freundschaftsbuch voll:

Lieblingsbuch: Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher

Lieblingsautor: Ich kann nicht nur einen Autor mögen – ich bin Literaturwissenschaftlerin (zumindest meine eine Hälfte) – aber Tolkien, Ende, Zweig und Uwe Tellkamp stehen sehr nah beieinander.

Lieblingszitat: „Es gibt sehr viel Interessantes über die Eisberge zu erfahren“ Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher.

Motto: Literatur ist meine Leidenschaft

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit ungefähr 2011 auf verschiedenen Plattformen, aus verschiedenen Gründen und zu unterschiedlichen Themen. Begonnen habe ich mit einem Autorenblog auf einer kostenlosen WordPress-Seite, nachdem ich meinen Debüt-Roman „Lieb mich!“ im Herbst 2011 veröffentlicht hatte. Da ich es gerne seriös mag und unbedingt eine eigene Homepage haben wollte, stellte ich diesen kostenlosen Blog allerdings sehr schnell auf eine WordPressinstallation auf einem eigenen Server um. Seitdem blogge ich unter Hilke-Gesa Bußmann über meine Autorentätigkeiten, gebe Einblick in mein Schreiben, führe unterschiedliche Aktionen durch und versuche mich dort meinen Lesern vorzustellen. Dort kann man beispielsweise auch meinen momentanen Selbstversuch „Ein Jahr ohne Printbücher“ lesen und quasi hautnah mitbekommen wie leicht und gleichzeitig schwer es mir fällt, größtenteils auf das gedruckte Buch zu verzichten.

Für mein Haupt-Buchprojekt blogge ich auf Die Legenden der Weltentaucher. Obwohl ich zugeben muss, dass die Blogtätigkeit dort manchmal einschläft und oft nur mit den „neuesten“ Updates zum Buch bestückt sind. Ich versuche das zu ändern, aber leider fehlt oft die Zeit. – Ach und Zeit: Weil ich ja zu viel davon habe (nicht!), ich aber eigentlich schon immer einen Traum von einem informativen Blog hatte, bereite ich gerade den Blog Zukunft-Literatur vor, auf dem Neuigkeiten und Diskussionen rund um das Thema Zukunft der Literatur präsentiert werden sollen. Diesen Blog möchte ich nicht alleine führen – auf lange Sicht gesehen – sondern mit visionären Co-Autoren betreiben, die ebenfalls Spaß an einem Blick in die Zukunft haben.

Und irgendwann … Ja, irgendwann werde ich mich auch noch um einen Reiseblog kümmern. Zum Beispiel dann, wenn das Studium vorbei ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücher. Literatur. Digitalisierung. E-Books. Geschichten. Storytelling. Buchbranche. Weltentaucher. Fantasy. Zukunft. Innovationen. Self-Publishing.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das Self-Publishing. Ich mag das verlagsunabhängige Publizieren. Nicht, dass ich was gegen Verlage hätte oder ihnen den Tod prophezeie, ich empfinde es  – als junger und dynamischer Typ, der ich bin – nur als sehr angenehm, wenn sich in einem Betrieb, der quasi hunderte Jahre lang Tradition und Bestand hat, etwas verändert. Das klingt jetzt ziemlich kurios, aber: Ja – der Literaturbetrieb hat sich seit vielen Jahrzehnten nicht wirklich verändert. Vielleicht im Detail, vielleicht in einigen Abschnitten, aber immer war der Verlag die oberste Instanz. Die Möglichkeiten, die uns Unternehmen wie Amazon und Apple beispielsweise liefern (auch wenn sie natürlich in einigen Bereichen nicht moralisch handeln und den Literaturbetrieb ziemlich umkrempeln), sind grandios. Sie haben Vorteile, die wir nur akzeptieren müssen. Die wir nutzen müssen. Ich glaube in diesem Zusammenhang fest an ein Nebeneinander und nicht an ein Entweder-Oder.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Soziale Netzwerke. Facebook, Twitter, ganz selten Xing, noch seltener Google+. Ich glaube, meine Leser sitzen auf Facebook, weil ich dort auch am aktivsten bin. Obwohl sich das möglicherweise auch mit der Zeit ändern könnte.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich mag es nicht, wenn Blogger immer nörgeln. Egal, ob es Autoren, Buchblogger oder sonst wer ist, der meint, sich in einem Blog verewigen zu müssen, was ich nicht mehr lesen kann sind Aussagen wie: „Ich bin nur auf dem Amazon-Rang 1234, ich möchte aber sooooo gerne unter die Top100, könnt ihr bitte mein Buch kaufen? *heul * * schluchz * + Link zu Amazon.“ Ich finde es gut, wenn man mit seinen Lesern kommuniziert, ich kann es aber nicht ausstehen, wenn man sie „bevormundet“. Für mein Verständnis ist das keine Autorenarbeit mehr, sondern Betteln um Anerkennung. Aber das machen nicht nur Autoren, sondern auch normale Blogger, normale Menschen, einfach alle, die irgendwie nicht weiterkommen. Ich würde da eher raten: Schaut euch an, wie ihr eure Blogs verändern und optimieren könnt, um mehr Leser zu erlangen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für mich die allergrößte Hürde: Das regelmäßige Bloggen. Ich zähle mich selbst nicht zu den Bloggern, die „über alles“ bloggen. Mein(e) Blog(s) sind themenbezogen, d.h. es kann durchaus sein, dass ich mal eine Woche keine Themen finde, über die ich bloggen soll. Das soll nicht heißen, dass ich keine Lust habe, dass ich nichts zu sagen hätte … Ich möchte nur nicht „spamen“ und unnötige Dinge schreiben. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass meine Beiträge (oder die meisten zumindest) einen Mehrwert liefern und ein „Aha-Erlebnis“ hinterlassen. Dieses zu erzeugen ist wahrlich schwierig, aber irgendwie ist es das Resultat meines wissenschaftlichen Anspruchs.

Das soll nicht heißen, dass ich Blogger, die „über alles“ bloggen verachte. Ganz im Gegenteil, ich finde es sehr bemerkenswert, wenn man so etwas kann. Es hat etwas mit Authentizität zu tun: Ich möchte mich als die Person zeigen, die ich bin. Wenn jemand so persönlich offen ist, soll er das bitte zeigen. Ich charakterisiere mich eher als anders offen und liebe meine kritische Weise zu sehr, um sie gegen etwas „Aufgesetztes“ zu tauschen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Reaktionen auf meine Blogposts. Auf der Buchmesse Menschen zu begegnen, die mich wiedererkannt haben und sich an meine Beiträge erinnert haben. Das hat mich unglaublich glücklich gemacht – vor allem habe ich es nicht erwartet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich rezensiere nicht. Das mache ich jedem Autor, mit dem ich Umgang habe und jedem Verlag deutlich. Ich bin selbst Autor und somit kann ich nicht garantieren, dass ich neutral über andere Titel urteilen kann. Ich meine das nicht böse, nur empfinde ich meine Arbeit als Autorin wesentlich grundlegender als meine Arbeit als Rezensentin es jemals sein könnte und ich möchte vermeiden, dass Aussagen wie „Die schreibt ja nur Freundschaftsrezensionen“ oder im Gegenzug „Die macht ja nur alle nieder“ kommen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Da ich ja selbst Self-Publisherin bin und ich mir vorstellen kann, was ich machen würde, wenn ich rezensieren würde: Ich würde sie annehmen. Warum? Weil ich das Self-Publishing als sehr guten Parallelweg empfinde und ich die Autoren unterstützen würde. (Ich mache es ja jetzt auch, nur eben nicht auf Ebene von Rezensionen, sondern durch Vorstellungen, durch Beratungen usw.) Self-Publisher haben es im Vergleich zu Verlagen immer noch sehr viel schwerer, es ist aber keine schlechtere Literatur. Von daher möchte ich jeden bitten: Unterstützt die Self-Publisher, aber seit ehrlich und behandelt die Titel wie Verlagstitel!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich liebe E-Books. Für dieses Jahr habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nur E-Books zu lesen. Okay: Nicht nur, um für meinen Studienabschluss zu lernen, habe ich mir erlaubt, auch Printbücher und Kopien zu benutzen, da es sehr viele Bücher einfach nicht digital gibt, aber privat und Belletristik lese ich ausschließlich E-Books. Ich habe mir hierfür zu meinem Apple iPad einen Kindle E-Reader zugelegt, der mich davon abhalten soll, nebenbei auf Facebook und so herumzugammeln. Das ist bei eInk-Readern halt einfach wesentlich weniger der Fall (oder eher gar nicht) als bei Tablet-PCs. Ich habe mich zudem wissenschaftlich sehr ausführlich mit dem Thema E-Books beschäftigt und denke, dass gerade die Verbindung aus Multimedialität und Literatur die Zukunft sein könnte. Natürlich wird es die – ich nenne sie „klassischen E-Books“ – Adaptionen eines analogen Textes ins Digitale noch geben, aber die multimediale Varianten, die werden überzeugen und haben mich schon überzeugt.

Und, um auf meinen Selbstversuch zurückzukommen: Bisher vermisse ich Printbücher nicht. Ich lese sogar mehr im Vergleich zum Vorjahr. Warum: Weil ich anfange, nicht mehr mit dem Smartphone auf sozialen Netzwerken zu chatten, sondern in der Zeit, z.B. beim Warten auf der Bahn, lese.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle insbesondere Blogger wie Jannis Plastargias (schmerzwach) und beispielsweise Steffen Meier (Meier-meint). Blogs wie ihre sind einfach unterhaltsam und gleichzeitig informativ. Aber ich denke, beide haben hier schon einmal vorsprechen dürfen? Ich möchte Euch auch noch Buchblogger Christina Mettge mit Pudelmützen Bücherwelten und Melanie Döring mit bookrecession ans Herz legen – beide sind in meinen Augen sehr wichtig in der Bloggerwelt!

Danke vielmals, Hilke. Ich freue mich sehr, dass du der Gesprächsreihe zu einem Revival verhilfst…

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Zuletzt stellte sich die Mützenfalterin mit muetzenfalterin vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war Réka Kinces mit ihrem Blog Hausdrachen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Elke Engelhardt mit „muetzenfalterin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, etwas mehr über Elke Engelhardt aka die Mützenfalterin zu erfahren, unterbreitete Andreas Wolf, der Sichten und Ordnen pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Wenn ich keine Mützen falte, oder Besprechungen für Fixpoetry schreibe, laufe ich neuerdings gerne mit meiner Kamera durch die Gegend, um mich überraschen zu lassen, wie viel Schönheit selbst der hässlichste Ort noch bergen kann.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Fenster mit Aussicht ©  isla volante

Fenster mit Aussicht © isla volante

Ich blogge vermutlich seit der Schulzeit, nur dass es damals noch kein Internet gab, und das Bloggen auf kleinen Zetteln, die durch die Schulreihen wanderten, vor sich ging. Im Internet war Twoday meine erste Heimat, „Es war einmal“ der erste Blog, den ich betrieben habe, das war 2008 und 2010 bin ich dann in das „Zeitnetz“ umgezogen, um dort meine Miniaturen zu spinnen. Beide Blogs hatten relativ klare Konzepte, einmal die Lyrik, das andere Mal Miniaturen, die einen ganz bestimmten Ton hatten, auf die Dauer, und da streife ich die Schwierigkeiten, Hürden und Fehler, die mir beim Bloggen widerfahren sind, hat mich das eingeengt und mehr Stress als Lust verursacht. Darum habe ich 2011 die Plattform gewechselt, und bin mit dem Mützenfalterin Blog zu WordPress gezogen. WordPress hat für mich zwei klare Vorteile, die Anwendung ist übersichtlich und einfach, und die Speicherkapazität um einiges größer als bei Twoday.

Deine Themenschwerpunkte …

Der Mützenfalterin Blog war von Anfang an so angelegt, dass alles, was mich beschäftigt, was mir mitteilenswert erschien, seinen Platz haben sollte, Kunst, Literatur, Fotos, Bilder, eigene Texte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Je näher ich den „Literaturbetrieb“ kennen lerne, desto mehr habe ich das Gefühl, dass Literatur, wie ich sie verstehe und liebe, etwas grundsätzlich anderes ist, als die Dinge, die dort verhandelt werden. Das fängt an bei durch die Bank euphorischen Besprechungen von zutiefst mittelmäßigen Büchern in den großen Feuilletons und setzt sich fort in den Bachmann Tagen, die mit Ausnahme des letzten Jahres, als die großartige Olga Martynova dabei gewesen ist, seit Jahren in Mittelmäßigkeit versumpfen, während mutige kleine Verlage, die auf Qualität setzen, kaum wahrgenommen werden.

Wahrnehmung ist überhaupt so eine Sache, ich mache meine Beiträge nur sehr sporadisch auf Facebook bekannt, weil es mir im Grunde genommen (auch das war ein langer Lernprozess) weniger um die Quantität der Zugriffe geht, als vielmehr darum, zum Beispiel so einen schönen Satz wie den von Andreas Wolf zu lesen, als er die Staffel hier an mich weitergereicht hat.

Dein schönstes Erlebnis beim Bloggen…

Bloggen verändert das Schreiben, verändert auch die Wahrnehmung des eigenen Schreibens, wobei mir die Lobhudelei manchmal nicht gut tut, aber es sollte jetzt um das schönste Erlebnis gehen. DAS schönste Erlebnis kann ich nicht benennen, aber einige sehr schöne. Zum Beispiel die wunderbare Zusammenarbeit mit den Bildermachern der isla volante, die seit Ende letzten Jahres, Woche für Woche ihre Fortsetzung findet, und kürzlich vom Inselpreis gekrönt wurde, aber auch die Tatsache, dass ich den einen oder die andere Bloggerin mittlerweile persönlich kennen lernen durfte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Mir ist es tatsächlich erst zweimal passiert, dass Autoren mir Rezensionsexemplare angeboten haben, das war eine nicht angenehme, aber meinen Horizont erweiternde,  Erfahrung. Ich bespreche ja nicht nur Bücher, sondern schreibe auch selbst, so dass ich mit meinen Texten bei Literaturzeitschriften oder Verlagen schon so manches Mal in der Lage des Anbieters gewesen bin, mit den Angeboten hatte ich auf einmal die Seiten gewechselt und konnte selbst erfahren, was für ein ambivalentes Gefühl es ist, das Werk von jemanden, der seine Energie und sein Herzblut hinein gesteckt hat, abzulehnen. Da ich das große Glück habe für Fixpoetry rezensieren zu dürfen, nehme ich generell keine persönlich an mich herangetragenen Angebote an, wenn mich ein Buch neugierig macht, bestelle ich es lieber auf dem neutralen Weg über Julietta Fix, zu viel Nähe zum Autor würde mein Urteilsvermögen über die ohnehin gegebene subjektive Beschränkung hinaus, beeinflussen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Self Publishing ist nichts was für mich in Frage kommt. Auch wenn der Literaturbetrieb sicher nicht so funktioniert, wie ich mir das wünschen würde, denke ich doch, dass eine professionelle Vorauswahl notwendig und gut ist, damit der Markt nicht vollends überschwemmt wird. Bestimmt bleibt dabei die eine oder andere literarische Perle unentdeckt, aber ich habe weder die Zeit noch die Kraft, mich auf die Suche nach solchen Perlen zu machen.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Was das E-Book angeht, bin ich bekennende Nostalgikerin, ich mag es, wenn meine Tasche schwer ist, weil gewichtige Bücher darin liegen, ich mag meine überfüllten Regale und die Bücherstapel auf dem Boden und ich lese die großen unhandlichen Zeitungen nach wie vor auf Papier.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele sehr lesenswerte Blogs sind bereits vorgestellt worden, um so mehr freue ich mich, doch noch den einen oder anderen bisher unerwähnten Blog hinzufügen zu können. Als da wären: das zehn zeilen-Projekt der Piratin Sudabeh Mohafez, Ralph Pordziks „unmoralisches Angebot“, Pagophilas Cool Pains, die nicht müde wird, den Lesern immer wieder etwas Schönes zu zeigen, Jan Kuhlbrodts Postkultur und die Frau, von der ich gerne demnächst ein Kurz Interview in dieser Reihe lesen würde, die unvergleichliche Réka Kinces mit ihrem Blog Hausdrachen.

Danke, Elke, ich freue mich sehr, dass du dabei bist. – BTW: Das 65. Gespräch innerhalb dieser Reihe…

Danke für die Einladung, es hat mir großen Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten und noch mehr, die Staffel weiterzureichen. Das Foto mag ich übrigens sehr, weil darauf mein Fenster endlich die ersehnte Aussicht bereithält… Zusammengestellt haben es die Bildermacher von der isla volante.

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Zuletzt stellte sich Andreas Wolf mit Sichten und Ordnen vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war – eben Elke Engelhardt aka die Mützenfalterin. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Andreas Wolf mit „Sichten und Ordnen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, etwas mehr über Andreas Wolf und dessen Blog Sichten und Ordnen zu erfahren, stammt von Norbert W. Schlinkert, der uns Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen kredenzt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Jahrgang 74, geboren und aufgewachsen in Bayern. Studium in München (Philosophie, Germanistik, Logik & Wissenschaftstheorie) und Frankfurt am Main (Dramaturgie). Lebt heute in West-Berlin, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

so sieht die 4-jährige Tochter den bloggenden Vater © Andreas Wolf

so sieht die 4-jährige Tochter den bloggenden Vater © Andreas Wolf

Vor ungefähr 20 Jahren schenkte mir ein Freund ein Buch mit leeren Seiten und meinte, ich solle da mal was reinschreiben. Ich fing sofort damit an, das Buch war bald gefüllt. Seitdem blogge ich solche Notizbücher voll, später dann Festplatten. 2005 sagte meine Freundin, da sie mich immer so tippen sah, es gebe im Internet was Neues, das nenne sich Blog, und wenn ich eh schon immer so vor mich hin schreiben würde, könne ich das doch vielleicht auch ins Netz stellen. Nachdem ich sieben Jahre darüber nachgedacht hatte, kam ich zu dem Befund, dass sie womöglich Recht haben könnte, und machte im Mai 2012 Sichten und Ordnen auf.

Das wäre also die Antwort auf die Warum-Frage: weil ich es sowieso mache. Andererseits ist das aber auch nicht ganz richtig: durch das Veröffentlichen im Blog hat sich mein Schreiben sehr verändert. Was ich früher täglich schnell ins Notizheft hinein improvisierte, bedenke ich heute viel länger, bevor ich überhaupt mit dem Schreiben anfange, und arbeite es dann noch umständlich um, lese und korrigiere es immer wieder, bis ich mich dazu durchringen kann, es freizugeben. Ich weiß nicht genau, ob das den Texten nur gut tut, dieses ewige Bedenken und Bearbeiten. Bei den Prä-Blog-Texten war vielleicht viel unnützes Geschwafel dabei, aber der Ton war freier, denke ich heute manchmal.

Dritter Grund, warum ich blogge, ist natürlich die Hoffnung, dass irgendwer mein Geschreibsel mal ganz toll finden könnte und mir die Taschen voller Geld stopft, damit ich das für seine Zeitung / seinen Verlag / sein Sonstwas mache.

Die Plattform meines Bloggens ist meistens das Sofa, manchmal auch der Schreibtisch, ganz selten das Bett. WordPress ist ein Service, den ich nutze. Ziemlich austauschbar eigentlich. Keine Plattform, keine Community, keine Antwort auf ein „Wo?“.

Deine Themenschwerpunkte …

Eigentlich keine. In meiner unendlichen Großmütigkeit habe ich mir dereinst selbst die Lizenz erteilt, über alles zu bloggen, was immer mir einfiele, ohne Themenbeschränkung. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Themen Musik, Literatur und Philosophie meinen Horizont so begrenzen, dass ich jeden Alltagsschnipsel noch irgendwie vor dieser thematischen Leinwand zu positionieren versuche.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Nichts. Ich verfolge den Niedergang des Buchhandels, den Niedergang des gedruckten Buchs einigermaßen aufmerksam, aber auch apathisch. Der Fall Suhrkamp ist interessant: Siegfried Unseld konnte noch die widerstrebenden Interessen von Ökonomie und hoher Kultur in seiner Person vereinen. Nach seinem Tod spalteten sich diese Interessen auf verschiedene Personen auf und die bekämpfen sich jetzt vor Gericht. Dass die Ökonomie am Gericht Recht kriegt, wundert mich nicht.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich sende Links auf Twitter und Facebook aus. Angesichts meiner beschränkten Anzahl an Followern ist das aber eher ein Service für Freunde.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Da bin ich kein Experte. Ich habe manchmal den Verdacht, dass ich selber ständig Dinge tue, die ein Blogger besser bleiben lassen sollte.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Schwierig ist der Umgang mit den Kommentaren. Prinzipiell freue ich mich erstmal, dass jemandem zu meinem Zeug etwas einfällt und er sich die Mühe macht, das auch aufzuschreiben. Aber es hemmt einen auch. Anfangs hatte ich gar keine Kommentare, das war fürs Schreiben die totale Freiheit. Und plötzlich kamen dann welche und im Nu war ich in Diskussionen verstrickt, die ich nie wollte, die sich auch oft nur im Kreis drehten. Man redet aneinander vorbei und wird dabei sehr schnell müde. Vielleicht ist das auch meine persönliche Sozialspastik, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich mit den Kommentaren eigentlich umgehen soll. In letzter Zeit ist es allerdings wieder stiller geworden in der Kommentarspalte, das ist eigentlich ganz angenehm.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

So richtige Erlebnisse hat mir das Bloggen bislang nicht eingebracht. Was aber auch völlig in Ordnung ist. Ich blogge ja nicht, um Erlebnisse zu kriegen, sondern umgekehrt erlebe ich halt meine Erlebnisse und blogge dann darüber.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ist noch nie vorgekommen, aber ich würde eh ablehnen. Ich will mir meine Lektüre selbst aussuchen, auch unabhängig sein in meinem Urteil. Das umgekehrte Modell fände ich erstrebenswert: Ich kaufe mir ein Buch, blogge dann darüber, und aus Freude darüber erstattet mir der Verlag den Kaufpreis zurück. Das fände ich toll.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Siehe vorige Frage. Ich habe allerdings eine gewisse Skepsis gegenüber dem Self-Publishing. Auf Twitter folgte ich mal einer, die twitterte eigentlich ganz lustig, bis sie dann ihr eigenes E-Book rausbrachte. Plötzlich war meine ganze Timeline verstopft von ihrer Eigenwerbung und den von ihr retweeteten Tweets hysterisch begeisterter Leser. Dieses Trommelfeuer der Selbstbewerbung machte mich völlig irre. Man kann viel Schlechtes über das Verlagswesen sagen, aber das Gute daran ist, dass der Verlag dem Autor die Werbung abnimmt und er nicht selber rumlaufen muss und schreien: Ich bin so toll, ich schreibe so phantastisch, kauft mich, kauft mich! Einem Autor, der so schreit, traue ich nicht. Kafka wollte, dass sein Werk verbrannt wird. Das ist mir als Haltung seltsamerweise sympathischer.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich besitze keinen E-Reader, plane auch nicht, mir einen anzuschaffen. Als ich mal einen Kindle in der Hand hielt, ließ mich das völlig kalt. Ich verdamme es aber auch nicht, für viele Leute ist das sicher total praktisch, und der Geruch eines gedruckten Buches, die Haptik und das Geräusch beim Umblättern sind mir auch eigentlich herzlich egal. Aber ich mag es, vor meinen Bücherregalen zu stehen und die Bücher materialiter vor mir zu sehen. Und es gefällt mir, dass weder Amazon noch irgendein Geheimdienst noch ich selbst mein Leseverhalten statistisch auswerten kann.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele der Blogs, die ich lese, wurden hier schon vorgestellt. Deshalb nenne ich nur solche, die hier noch nicht vorkamen: Billy Bob Thornhills next big ding, Andreas Glumms Glumm, Moritz von Sprachwitzens Denkmuff, Iris’ Blütenblätter und schlussendlich die Mützenfalterin. Ich weiß nicht, ob dies wirklich bibliophile Blogger sind oder was so ein bibliophiler Blogger überhaupt sein soll, aber in diesen (und anderen) Blogs wird wirklich, auf die unterschiedlichste Weise, Literatur produziert, und kaum einer kriegt das mit. Das muss sich ändern. Ich reiche also das Stöckchen weiter an die Mützenfalterin, die mit ihren poetischen Miniaturen oft einen Nerv bei mir trifft, obwohl ich sonst eigentlich gar kein großer Lyrik-Leser bin.

Danke sehr, Andreas. Eine schöne Idee übrigens, dass Verlage bei einer gefälligen Besprechung Bloggern den Verkaufspreis des Buches erstatten könnten…

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Zuletzt stellte sich Samy Wiltschek mit Jastrams Kulturblog vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Verena mit Verenas Welt der Jugendbücher. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Evelyn mit „Dreaming till Midnight“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Bianka Boyke pflegt jungesbuch; neuerdings gemeinsam mit einer Jugendredaktion, der auch Evelyn angehört. Bianka schlug vor, dass wir etwas mehr über die 19-Jährige erfahren sollten, die gemeinsam mit ihrer 16-jährigen Schwester Miriam Dreaming till Midnight pflegt.

Euer Steckbrief in Stichworten …

Evelyn (19), Hobbyschreiberin, bald Auszubildende im Verlagswesen, und Miriam (16), Künstlerin, noch Schülerin – Schwestern, die seit einer Weile gemeinsam bloggen.

Unser Blog heißt Dreaming till Midnight und verknüpft (Jugend-)Literatur und Kunst.

Seit wann, warum und wo bloggt Ihr?

Ich blogge seit November 2012. Einige Monate zuvor hatte ich die Büchercommunity Lovelybooks für mich entdeckt und vor allem durch Leserunden begonnen, regelmäßig zu rezensieren. Als es zunehmend mehr wurde, dachte ich mir: Warum nicht einen eigenen Blog eröffnen? – und holte mir meine Schwester ins Boot, um aus Dreaming till Midnight etwas Besonderes zu machen.

Wir sind bei Blogger, aus dem einfachen Grund, dass ich mich nicht auskannte und als erstes darauf gestoßen bin. Sind damit bisher auch immer gut zurechtgekommen.

der Blog-Header zeigt Evelyn und Miriam © Dreaming till Midnight

der Blog-Header zeigt Evelyn und Miriam © Dreaming till Midnight

Eure Themenschwerpunkte …

Auf Dreaming till Midnight erscheinen meine Buchrezensionen, insbesondere aus den Bereichen Fantasy/Romantasy, Dystopie und Jugendbuch. Miriam lädt ihre Kunstwerke hoch, hauptsächlich Porträts. Sie zeichnet Stars und Autorinnen, Buchcharaktere und auf Wunsch auch die Leser unseres Blogs.

Was treibt Euch in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich frage mich manchmal, ob das Marketing eine größere Rolle spielt als eine Geschichte selbst, wenn es darum geht, ein Buch an die Leser zu bringen. In letzter Zeit haben mich lange im Voraus angekündigte Spitzentitel oft eher mäßig begeistern können, während weniger beworbene Bücher sehr gut ankommen könnten, aber einfach nicht bekannt sind. So werden z.B. oft nur Teile brillanter Reihen übersetzt, nur weil die ersten Bände keine hohen Verkaufszahlen erreichen. Das ist sehr schade.

Interessant, aber auch ein wenig traurig, zu beobachten finde ich, dass es, wie fast überall, auch auf dem Büchermarkt starke Trends gibt – ein Vorteil, wenn man selbst etwas damit anfangen kann, aber nachteilig, wenn es um Vielfalt und individuellen Geschmack geht.

Wie macht Ihr Euer Blog und die Beiträge bekannt?

Wirklich geworben haben wir für unseren Blog eigentlich noch nie. Unsere (bisher dementsprechend eher kleine) Leserzahl setzt sich aus denen zusammen, die zufällig darauf gestoßen sind oder die über Bücher-/Kunstplattformen auf uns aufmerksam geworden sind, wo unsere Webadresse in unseren Profilen vermerkt ist.

Man kann uns über GFC und Blog-Connect folgen. Seit Kurzem informiere ich über neue Posts auch auf Facebook, was allerdings bisher weniger erfolgreich läuft.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Blogger sollten mit ihren Blogs nicht irgendwelche Profitgedanken verfolgen (z.B. nur bloggen, um kostenfreie Rezensionsexemplare zu bekommen, die sich dann stapeln und eher knapp und lieblos besprochen werden). Kreativität, Begeisterung für die Themen und Austausch stehen im Vordergrund – aber das ist für viele zum Glück genauso selbstverständlich wie für mich.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Große Hürden sind mir beim Bloggen eigentlich noch nicht begegnet. Seinen Blog bei der Vielzahl von Angeboten, die es zurzeit gibt, aus der Versenkung zu holen und Leser zu gewinnen, ohne sich marktschreiermäßig anzupreisen, ist manchmal nicht leicht, aber ich denke, wenn jemand aus Leidenschaft bloggt, zeigt sich das auch nach außen und weckt Interesse.

Euer schönstes Erlebnis als Blogger …

Eines meiner bisherigen Blogger-Highlights war Biankas Anfrage, ob ich für jungesbuch rezensieren wollen würde, weil ihr meine Rezensionen gefielen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Ein schönes Erlebnis für Miriam war sicher, dass uns die Autorin Antje Wagner wenige Stunden, nachdem sie ein Porträt von ihr gepostet hatte, anschrieb und sich bei ihr bedankte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist bisher nicht direkt vorgekommen. Ich erhalte häufig Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden, Bloggeraktionen oder für Besprechungen auf jungesbuch, achte aber darauf, dass ich nicht zu viel auf einmal zu rezensieren habe und nehme nur an, was ich wirklich gern lesen möchte.

Rezensionsexemplare im Allgemeinen sind für mich als Schülerin bzw. bald Auszubildende eine gute Option, weil sie die Möglichkeit bieten, zu tun, was man gerne macht, ohne übermäßig viel Geld hinein investieren zu müssen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich würde mir auf jeden Fall ansehen, worum genau es sich handelt und dann entscheiden, ob es mich interessiert. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich was Self-Publisher angeht, meine Vorurteile habe. Häufig scheint einfach eine gewisse Professionalität zu fehlen, selbst wenn es nur um Rechtschreibung geht.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Das Thema E-Book hat für mich lange Zeit nicht zur Diskussion gestanden. Ich habe darauf bestanden, dass ein Buch nur dann ein Buch ist, wenn es Seiten aus Papier hat. Inzwischen denke ich, dass es eine gute Alternative für Vielleser sein kann, aus Geld- und ganz einfach auch aus Platzgründen. Dennoch wird es die „echten“ Bücher für mich nie ersetzen können und damit, auf einem Bildschirm zu lesen, habe ich mich bisher nicht anfreunden können.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Im Laufe der Zeit haben sich viele Blogs angesammelt, bei denen ich gerne reinschaue, größtenteils Jugendbuchblogs. Seit Bianka die Jugendredaktion ins Leben gerufen hat, folge ich den anderen Mitgliedern, aber wir wurden ja alle schon von ihr genannt 🙂

Hier also vier andere sehr empfehlenswerte Blogs, bei denen sich jeder Besuch lohnt:

Books a Week von Jessi, LEBENSWERT von Dagmar, Lilienlicht von Diana und last but not least Mandy mit Mandys Bücherecke.

Vielen Dank Evelyn – und weiterhin viel Spaß beim Bloggen und Glück auf als junge Auszubildende im Verlagswesen.

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Zuletzt stellte sich Norbert W. Schlinkert mit Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Andreas Wolf mit seinem Sichten und Ordnen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Norbert W. Schlinkert mit „Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir heute Norbert mitsamt dessen Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen näher kennenlernen, hatte Phyllies Kiehl aka Miss TT vorgeschlagen, die Tainted Talents pflegt.

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Ich darf mich vorstellen, mich und mein Blog! Das freut mich! Ich darf Fragen beantworten. Das tue ich gerne, wirklich! So habe ich zum Beispiel auf meinem Blog, der zugleich natürlich Website ist und allerlei Literarisches und Künstlerisches beinhaltet, nur für mich allein und die Welt den berühmten Fragebogen nach Marcel Proust durchgeackert – auf die Frage nach meinem Lieblingsvogel habe ich „Donald Duck“ geantwortet, was ich vollkommen ernst meine. Man sieht schon, ich komme womöglich ins Schwadronieren, doch da ich das angeblich laut Miss TT so gut kann und eben deswegen hier von mir sprechen darf, sehe ich auch keinen Grund, mich zu beherrschen. Selbstredend werde ich also all die Fragen brav und wie gesagt gerne beantworten, den gleich zu Beginn geforderten Steckbrief aber hefte ich lieber ganz unten an, nicht damit sich die Leute bücken müssen, sondern allein deswegen, damit die Faktenlage nicht den Blick vernebelt, wo ich mich denn schon einmal vor Sie und Euch alle hinstelle. Immanuel Kant wählte, wenn ich das einmal kurz anmerken darf, als Motto für seine Kritik der reinen Vernunft übrigens noch das „De nobis ipsis silemus“, „Was uns selbst angeht, so schweigen wir“, er übernahm diesen Vorsatz von Francis Bacon, doch eben dies beherzigen naturgemäß die wenigsten Blogger (um dieses häßliche Wort einmal zu benutzen), selbst ich nicht. Nun aber zu den Fragen, denn schließlich handelt es sich um ein Interview.

Seit wann und warum ich blogge? Nun, meine Website gibt es seit September 2009, dort habe ich zunächst fortlaufende Monatsbriefe geschrieben, die mit dem Ende des jeweiligen Monats beendet und fix und fertig waren. Die Resonanz war, da sich ja niemand auf meiner Seite äußern konnte, mathematisch genau gleich Null. Mit der Bloggerei (um dieses häßliche Wort einmal zu benutzen) begann ich dann am 11. Oktober 2011. Wie war noch mal die Frage? Ach ja, warum tue ich mir und der Welt das an? Imgrunde, weil ich, und das ist die Wahrheit, literarisch und also künstlerisch arbeite und mich weder von einer Null, und sei sie kugelrund, noch von sonstigen Umständen davon abhalten lassen will, der Welt die Möglichkeit zu geben, mich und meine Arbeit zu entdecken, und natürlich ist das Schreiben in einem Blog eben auch die Sache selbst und nicht nur deren Darstellung, die ich übrigens lieber „Fabulieren“ schimpfe, wenn man mir denn schon mit Fremdwörtern kommt. Damit wäre die Frage wohl eigentlich beantwortet, ist sie aber nicht, denn ich möchte mich in Sachen literarisches Weblog auf den vielleicht größten deutschsprachigen Essayisten und Romancier berufen, nämlich Robert Musil, der ein kleines Bändchen selbst herausgab, betitelt mit Nachlaß zu Lebzeiten. Im Vorwort schrieb er, ich darf zitieren: „Warum Nachlaß? Warum zu Lebzeiten? Es gibt dichterische Hinterlassenschaften, die große Geschenke sind; aber in der Regel haben Nachlässe eine verdächtige Ähnlichkeit mit Ausverkäufen wegen Auflösung des Geschäfts und mit Billigergeben. (…): ich habe jedenfalls beschlossen, die Herausgabe des meinen zu verhindern, ehe es soweit kommt, daß ich das nicht mehr tun kann. Und das verläßlichste Mittel dazu ist, daß man ihn selbst bei Lebzeiten herausgibt; mag das nun jedem einleuchten oder nicht.“ Eben dies, das im besten Fall sofortige, vor dem eigenen Ableben stattfindende Veröffentlichen literarischer Ergüsse scheint mir also das Wesen literarischer Weblogs ganz wesentlich auszumachen, wie ich das auch in einem bescheidenen kurzen Essay, in der Kürze liegt die Würze, nicht wahr!, darlegte.

Meine Themenschwerpunkte?

Warum „schwer“? Ich denke, es ist eine besondere und im deutschen Sprachraum nach wie vor eher unterbelichtete Kunst, das Schwere leichter zu machen, als es eigentlich ist – und auch dafür ist ein Weblog gut geeignet, denke ich, denn die Schwere, die Seriösität des gedruckten Werkes fehlt ihm, wohingegen die Leichtigkeit des Gesprächs ihm zu eigen sein kann, so wie wir hier ja jetzt auch locker plaudern. Wenn man so will, ist auf die Kritik des Sokrates am Buch, am gedruckten Wort, daß nämlich ein Buch nicht antworten kann, während auf der Agora wirkliche Gespräche geführt werden können, endlich eine adäquate Antwort gefunden worden, daß nämlich heute beides im öffentlichen Raum möglich ist, das Gespräch und auch das festgeschriebene Wort. Auch einem Heraklit mit seinem „Panta rhei“, „alles fließt“, ist entgegenzuhalten, wie sehr er recht hat, wenngleich zu bedenken ist, daß eben das Fließende auch etwas zu tragen vermag. Aber ich will nicht philosophieren, das liegt mir nicht. Mein Thema jedenfalls ist die Literatur im engeren Sinne als Erzähltes und im weiteren Sinne als die Kunst, über die ich mir am meisten Gedanken mache und mit der ich emotional aber sowas von eng verbunden bin! Nächste Frage bitte!

Ich darf mich hier tatsächlich einschalten, ja!? Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Gute Frage, denn das (Her)Umtreiben ist ja das Wesen der Literatur, siehe Sokrates und Heraklit. Mich treibt im Moment um, erstens meinen Roman in Kürze (ein vielbesuchter Ort, scheint mir, einige verschlägt es auch nach Bälde) zu vollenden, wobei das „erstens“ Quatsch ist, denn das ist das Einzige, was mich im Moment wirklich umtreibt, schon seit ich damals (2010) den noch im Stadium der Frühreife steckenden Text während eines Aufenthaltstipendiums in Schöppingen entscheidend vorantrieb. Es handelt sich, und da mag der Eine oder die Andere all die ganzen Vorurteile mal beiseitelassen, um einen historischen Roman, der Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts verzeitigt ist; geschrieben ist er, wenn man so will, ganz im Sinne Alfred Döblins, der für den modernen Roman „Tatsachenphantasie“ forderte, was wohl auch ein Halldór Laxness so gesehen hat, wenn ich das mal anmerken darf. Jedenfalls muß das Ding raus in die Welt, auch in die des Literaturbetriebs!!! Nächste Frage, bitte.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Vielleicht sollte ein Blogger eben dies unterlassen, nämlich sein Blog und seine Beiträge bekannt zu machen! Das wirkt so unbescheiden. Andererseits sind wir alle keine Bacons oder Kants, und ein bißchen trommeln schadet nicht, denn sonst kann man sich ja gleich den anonymen Bloggern anschließen. Ja, was tue ich also zum Bekanntwerden? Eigentlich tue ich nicht viel, wichtig aber war sicherlich, mich Litblogs.net angeschlossen zu haben, ich fragte bescheiden an und man bat mich herein, während ich ansonsten mit Klarnamen (und dementsprechender Verlinkung auf meine Seite) hier und da und auch mal recht ausführlich kommentiere, was natürlich Interesse zu wecken vermag.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ein Blogger muß sich trauen und jedes Wegducken vermeiden, denn es ist wie beim Hindernislauf, meistens muß man über die Hindernisse hinweg, drunterher zu kriechen gildet meist nicht! Eigentliche Schwierigkeiten sehe ich nicht, Gefahren allerdings schon, denn wer sich offen äußert ist anonymen Drunterherkriechern auch schon mal ein willkommenes Angriffsziel, aber da können andere Blogger ganz andere Liedchen singen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da schließe ich mich ganz Alban Nikolai Herbst an, denn tatsächlich habe ich über das Bloggen und das dadurch angeregte Auftauchen im Schnittpunkt von Raum und Zeit Freundschaften schließen können, die ohne meine und der anderen Webpräsenz wohl nicht möglich gewesen wären, weil man einfach immer aneinander vorbei hätte laufen können – man stelle sich das vor, diese Lauferei!

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe ein Buch recht ausführlich auf meiner Website rezensiert, eine durchaus wichtige Wiederentdeckung einer vergessenen Autorin. Ein weiteres Buch eben dieses guten kleinen Verlages liegt hier noch, verbunden mit der eher lockeren Erwartung, etwas darüber zu schreiben, was aber noch dauern kann, denn wie gesagt, mein Roman fordert mich. Eigentlich aber würde ich eher keine Rezensionen schreiben wollen, das ist nicht so ganz mein Ding und ich weiß auch nicht, ob die Welt Rezensionen wirklich braucht – aber das kann man ja auf der Agora mal diskutieren, wenn man denn unbedingt will.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich würde es nicht tun, glaube ich, doch da das ohnehin niemand machen wird, sage ich noch einschränkend dazu, vielleicht täte ich es, käme nur, auch im Falle einer nicht so positiven Rezension, ordentlich Schotter dabei raus. Sicher aber wäre es besser, so ein Werk würde mir vorher gegen Knete zum Lektorieren vorgelegt, denn dann ist die Chance auf eine Win-Win-Situation sicher größer.

Und wie hältst du es mit dem E-Book?

Sagen wir mal so: ich beurteile seit Kindheitstagen nahezu alles nach ästhetischen Gesichtspunkten unter Einsatz aller Sinne, ich rieche etwa gute Zigarren oder Whiskys/Whiskeys ebenso gerne wie richtige Bücher, frische Ölbilder, noch warme Motorradmotoren, Wald und Wiese und … das führte jetzt zu weit, ich höre gerne wunderbare Musik, lausche dem Rauschen der Bäume, sehe gerne schöne Landschaften aller Art und so weiter und so weiter. Auch ein Text, bei dem sich mir Schönes auftut, ist eine ästhetische Offenbarung, und da ist es gleich, in welcher Form er daherkommt, aber eben, eigentlich, nur fast. Mir sind die E-Books und auch die anderen Lesedinger einfach zu häßlich und ja auch nach kurzem Gebrauch oft irgendwie unschön verdreckt, sollten aber parallel zum Buch durchaus ihren Platz haben, denn gewisse Vorteile liegen ja auf der Hand, wenn ich auch auf dem Bildschirm nicht blättern, sondern lesen will wie bei einer Schriftrolle, so wie das im Netz ja eigentlich (noch) üblich ist – vielleicht gibt es ja dafür bald so kleine Scrollrädchen an den E-Books, das fände ich stimmiger. (Oder gibt’s das schon?) Wichtig erscheint mir noch, und das finde ich sehr gut, daß das E-Book das Veröffentlichen von Texten wahrscheinlicher macht, die ansonsten etwa der „falschen“ Länge wegen nicht veröffentlicht würden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wer als nächstes hier zu Wort kommen soll, das war mir sofort klar, nämlich Andreas Wolf mit seinem Sichten und Ordnen , ein Blog, das ich sehr mag, weil dort Literatur unverkrampft und klar im besten Sinne des Wortes erscheint, mal als lesenswerte kleine Geschichte und mal gesprächsweise. Jetzt kann ich noch fünf Blogs empfehlen, oder? Oje. Auf meiner Website steht „Ich lese übrigens in den folgenden Blogs und empfehle sie ausdrücklich.“ Allesamt haben sich bei SteglitzMind bereits vorgestellt. Nämlich: Phyllies Kiehl aka Miss TT mit Tainted Talents, Alban Nikolai Herbst mit Die Dschungel. Anderswelt, Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten und Guido Rohm mit Guido Rohms gestammelte Notizen.

Sichten und Ordnen steht da natürlich auch noch. Jedenfalls bleibe ich bei diesen Empfehlungen und verweise einfach auf die Empfehlungen dieser Blogbetreiber:innen und möchte überhaupt sagen, daß das Selbersuchen oft lohnt. Sódele!

Nix mit sódele! Es fehlt noch dein Steckbrief…

Ach ja, hatte ich vollkommen vergessen. Okay, ich versuch’s. Voilà!

Steckbrief:

Geboren wurde Norbert W. Schlinkert in Schwerte im wunderbaren Jahr 1964; er vollbrachte in jungen Jahren eine Tischlerlehre und holte sich wenige Jahre darauf das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, studierte wiederum Jahre später Kulturwissenschaft / Ästhetik und Theaterwissenschaft / Kulturelle Kommunikation an der Humboldt-Universität zu Berlin, veröffentlichte 2005 seine Studie Wanderer in Absurdistan. Novalis, Nietzsche, Beckett, Bernhard und der ganze Rest (Königshausen & Neumann) und wurde 2009 mit seiner Studie Das sich selbst erhellende Bewußtsein als poetisches Ich. Von Adam Bernd zu Karl Philipp Moritz, von Jean Paul zu Sören Kierkegaard promoviert; das Buch erschien Ende 2010 im Wehrhahn-Verlag. Hier und da kam es zu kleineren literarischen Veröffentlichungen, etwa story banal (1998) oder Das Wannenbad (Kurzgeschichte; in: SIC, Zeitschrift für Literatur Nr. 4, 2009). Im Jahr 2010 wurde ihm für sein Romanprojekt ein Aufenthaltsstipendium des Künstlerdorfes Schöppingen zugesprochen. Seit Oktober 2011 ist sein literarisches Weblog Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen auf Sendung und Empfang gestellt.

So, da stecke ich also! Ich würde aber noch gerne, da ich ja auch lange intensiv als bildender Künstler unterwegs war, ein kleines Objekt präsentieren, das sozusagen am Schnittpunkt meiner Interessen und Leidenschaften entstanden ist und bis heute eines meiner liebsten Kunstwerke darstellt. Es heißt schlicht Poesie, und so sieht es aus.

Poesie, 1996, 20 x 30 x 10 cm, Holz, Papier, Streichholzschachteln, © Norbert W. Schlinkert

Poesie, 1996, 20 x 30 x 10 cm, Holz, Papier, Streichholzschachteln, © Norbert W. Schlinkert

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Wer auf Norberts Roman neugierig geworden ist, kann sich hier kundig machen.

Zuletzt stellte sich Sophia Mandelbaum mit Ze Zurrealism itzelf vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Stefan Mensch. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Miss TT mit „Tainted Talents“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Tainted Talents ist ein Blog unter jenen Zehn, die im bisherigen Verlauf der Gesprächsreihe zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Anlässlich der 50. Folge von „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ habe ich diese Bloggerinnen und Blogger eingeladen, hier mitzutun. – Ich freue mich sehr, dass sich Miss TT heute vorstellt und sage für ihren Beitrag nebst Zeichnungen: danke sehr, danke vielmals …

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Miss TT ist konziliant, bequemlichkeitsheischend und offen vergrübelt. Sie zeichnet oft kleine Tiere und Pikantes, meistens in Tusche, und nur, wenn etwas weder Tier noch pikant ist, verwendet sie Buchstaben. Deswegen gibt es Tage, an denen kein Text entsteht, weil, in diese beiden Kategorien lässt sich doch sehr vieles fassen.

Sie lehrt auch. Ihre Schreibworkshops sind berüchtigt, werden aber dennoch (oder gerade deswegen) seit Jahren immer wieder von Sinnstiftungen gebucht, vermutlich, um welchen zu.

Im Übrigen schätzt sie Klammern, den Einzelgang und Tainted Talents, ihr virtuelles Ateliertagebuch. Auftritte nur, wenn sie dafür bezahlt wird. Hat gehörig Respekt vor Verausgabung, meidet Live-Acts mit Kommunikationsjunkies, liebt Botenstofftrips, lebt dünnhäutig, verschwenderisch, stemmt Hanteln, umgibt sich mit Menschen, die gute Geräusche erfinden, schreibt auf Zettel. Am liebsten allein, manchmal mit Spezialisten. Gute Menschenkenntnis, von der niemand etwas hat, weil sie sich am liebsten vergräbt.

Wird nie unterschätzt, außer von sich selbst, von Selbst dafür aber ständig.

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Sie „bloggt“ nicht.

Stattdessen führt sie dieses Ateliertagebuch, irgendwer muss es ja tun, denn, man erfährt selten etwas von Künstler:innen, außer dem, was diese für blickdicht und imagefördernd halten. Solcherlei Masquerade läge Miss TT (natürlich) völlig fern, zumal sie fest glaubt, dass Schöpferische der Kür verpflichtet sind, sich mit der Welt zu vermischen. Da sie selbst starke Marktallergien pflegt, liegt es nur nah, diese Vermischung im Netz herbeizuführen: sie ist nicht vor Ort, sondern selbst einer. Auf TT versucht sie sich in durchaus zärtlich bebilderten Ablenkungsmanövern, geschnitzten Deckelchen für die Wucht des Tatsächlichen.

Tatsache ist, eine Weile geht so etwas gut. Doch irgendwann wird diese fehlende Übereinstimmung zwischen Selbstwahrnehmung und Außendarstellung zur Relativierungsfalle. Fällt sie in eine solche, wird sie mitunter, ohne Vorwarnung, verdammt deutlich.

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

 „ – Themen?“

Kunstschaffen, Körper, Tiere. Hürden. Aufladungen. Trainingseinheiten, phy- und psychisch. Schreiben als Sprechersatz. Der weibliche Blick. Initiationsprozesse: ge- und misslingende. Anfänge. Settings. Handlungsanweisungen. Poetisierungen. Selbstbilder und Rollenspiele mit Einladungscharakter. Exzentrik und Akzente. (Wann kam eigentlich das Wort „freischaffend“ aus der Mode?)

Ihre eigenen Romane „Fat Mountain Scenes“ und „Fettberg“ gehören, obwohl ordentlich verlegt, weder Szenen noch Betrieben an. (Stattdessen ist, zum Beispiel, „Fettberg“ seit 2013 Schullektüre an einer hessischen Oberstufe. Ha! Ansonsten sind ihr Szenen schnuppe.)

Miss TT bevorzugt szeneunabhängige Minds und findet diese mehr auf benachbarten Netzrepräsentanzen als auf der Straße. Ist troy, lässt sich aber häufig verführen, vorzugsweise von Hochbegabten, Spinnern und Exzentrikern beiderlei Geschlechts. Um bei den weiblichen zu bleiben: Sie mag die spleenige >>> Sabine Scho, die merkwürdig assoziierende >>> Aimee Bender und den wütend präzisen Blick der >>> Melusine B. Sie mag n i c h t: Lagerbildung. Den Disput um die vermeintliche Nichtqualität von Netzliteratur, der meistens nur davon zeugt, wie stark die Kamele inzwischen überhand genommen haben, die durch kein Öhr mehr wollen.

© Tainted Talents

„auf das Scheiß Öhr“ © Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Sie lässt regelmäßig von sich hören und sehen, würdigt Kommentare, spricht darüber, gerne auch mit ihren Seminarteilnehmer:innen, um diese locker zu machen. Ansonsten läuft es ähnlich wie im Offline: regelmäßig kommentierende Stammgäste (die mit der Zeit nicht selten zu Komplizen werden), dazu die Mehrheit schweigender Mitleser:innen, die nur das Wort ergreifen, wenn sie sich thematisch angesprochen fühlen. Blogroll? Keine. Miss TT stellt sich immer vor, wie enttäuschend es für diejenigen sein muss, die ihren Blog dort nicht wiederfinden. Tainted Talents hat sich über gezielte Erwähnungen von Mitblogger:innen verbreitet; einen höheren Bekanntheitsgrad würden weder Miss TT noch ihre übrigen Persönlichkeitsfacetten sonderlich gut aushalten.

© Tainted Talents

„Die guten Stimmen kommen immer nur aus dem Off“ © Tainted Talents / Phyllis Kiehl

„- Tabus?“

Nichts sollte er sein lassen, der Blogger, und die Bloggerin schon gar nicht! Wer, wenn nicht unsereins, ist denn noch einigermaßen unchained? Miss TT plädiert für Aufladungen. (Ohne das selbst konstant gewährleisten zu können.)

© Tainted Talents

„solange sich das Ei nicht vom Arschloch löst, hilft alles Brüten nicht“ © Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Es gibt keine Hürden beim Bloggen, die nicht alle anderen Selbstdenker:innen auch nehmen müssten: eigenwillige Formen finden, Kontinuität, individuelles Stehvermögen entwickeln, nichts allzu persönlich nehmen, was an Reaktionen zurückkommt. Vieles ist Projektion; auch die ausgewiesen authentischen Blogs werden von Gästen immer (und mit Recht!) zugunsten eigener Prozesse, Sehnsüchte und Befindlichkeiten instrumentalisiert – mitsamt der Person, die dahinter steht. Wer das weiß und gerade um seiner seltsamen, oft sehr positiven Energieübertragungen willen schätzt, kann sich der Öffentlichkeit getrost stellen. Nebenwirkungen, wie überall, nicht ausgeschlossen.

Das Schönste sind die schnellen Reaktionen der Anderen. Gleich gültig, ob positiv oder ablehnend: die Unmittelbarkeit. Ihre großartige Unvollständigkeit, das Fiebrige daran. Mit so vielen Variablen immer wieder neue Situationen zu bauen, Initiatorin zu sein.

Rezensionsexemplare bietet bislang niemand an, weil ich nicht rezensiere, das können andere besser. (Glaubt Miss TT. Ich selbst würde mir das durchaus zutrauen, habe aber, anders als sie, ein Unschärfeproblem. Das gilt ebenso für Titel, die mir von Self-Publishern angeboten würden.)

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Meine Mutter liebt E-Books, weil ihr Haus von Papierbüchern bereits überquillt und sie auf ihrem Reader die Schrift groß stellen kann; das reicht mir zunächst als E-xistenzberechtigung. Schade nur, dass das voyeuristische Element dabei verloren geht: Miss TT und ich gucken immer zuerst ins Bücherregal, wenn wir eine fremde Wohnung betreten.

Einige Empfehlungen zum Schluss: Viele unserer Inspirationsblogs haben wir bereits bei SteglitzMind erwähnt gefunden. Der Neugier, die bibliophile Grenzen überschreitet, seien folgende weitere ans Herz gelegt: Norbert W. Schlinkert mit seinen Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen. (Der meines Erachtens auch als weiterer Gesprächspartner geeignet wäre, weil er so gut schwadronieren kann.) Außerdem: Die zarte Iris mit ihren Blütenblättern, der Dichter Helmut Schulze mit Parallalie, die unverwechselbare Sophia Mandelbaum mit  Ze Zurrealism itzelf und der Insulaner Rittiner Gomez mit seinem Logbuch Isla Volante.

So. Habe fertig.

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

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Zuletzt stellte sich Bianka Boyke mit jungesbuch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerinnen waren Evelyn mit Dreaming till Midnight und Filo mit Filos Bücheruniversum. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Stefan Mesch dreht eine Extrarunde: Sind bibliophile Blogger Nostalgiker?

Stefan Mesch war mir ein unbeschriebenes Blatt. Bis zu jenem Tag im November 2012 jedenfalls, an dem er in einem Gespräch mit Johannes Schneider vom Berliner Tagesspiegel einen Stein ins Rollen brachte, der die ‚bibliophile‘ Szene im Netz vor den Kopf stieß.

Abermals auffällig wurde mir der bloggende Autor/Kritiker vor einigen Tagen, und zwar als auf SteglitzMind verlinkender Rekordhalter. Hier beziehe ich mich auf diesen Artikel in Stefans Blog.

Dass ich ihn nun eingeladen habe, sich ebenfalls zur Frage zu äußern, ob bibliophile Blogger Nostalgiker sind, hat ebenfalls einen speziellen Hintergrund. Nämlich diesen: Gestern hatten zu der besagten Frage von LiteraturFutur hier einige Bloggerinnen und Blogger Stellung bezogen. Statements, die Stefan für wischi waschi hielt, wie er baldigst in einem sozialen Netzwerk kundtat. – Jetzt, sagte ich mir, jetzt ist er dran! Und zu meiner Überraschung ließ er sich nicht lange bitten …

Nun freue mich, dass er prompt angebissen hat, und bin auf unsere persönliche Begegnung bei LiteraturFutur – neue Formen der Literaturvermittlung – in Hildesheim am 24./25. Mai doch sehr gespannt …

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Für Streber wie mich waren Bücher „wertvoll“, „richtig“, „gut“ – mein Leben lang:

Kindergärtnerinnen, Lehrer freuten sich, wie viel ich las.

Verkäufer, Schreibwarenhändler ließen mich für Stunden blättern, stöbern.

© Stefan Mesch

© Stefan Mesch

Meine Großeltern bezahlten Comics, Magazine.

Meine Mutter entschuldigte / erlaubte / ermöglichte jeden Tag, den ich mich hinter Büchern und Geschichten vergrub.

Sogar mein Vater hatte einen gewissen… Respekt: Er las in 50 Jahren keinen einzigen Roman. „Für sowas habe ich keine Zeit.“ Doch dass ich MEINE Zeit, so lange ich denken kann, mit Büchern „verschwende“, machte er mir nie zum Vorwurf.

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„Sind bibliophile Blogger Nostalgiker?“, fragt das Team der Hildesheimer Literatur- / Medien-Konferenz lit.futur Gesine von Prittwitz. Gestern leitete Gesine die Frage weiter, an eine größere Runde Blogger. Doch viele Statements erschienen mir mau, nichtssagend, unfertig:

Wären die Antworten weniger defensiv ausgefallen, wenn…

…stattdessen jeder Blogger persönlich gefragt worden wäre: „Bist DU Nostalgiker?“

…die Frage gedreht, gewendet worden wäre: „Bloggst du darüber, wie sich Lesen und Literatur verändern? Kuckst du nach vorne? Mit welchem Gefühl?“

Ich bin 30 Jahre alt. Ich las knapp 1.200 Romane, 700 Comics.

Ich schreibe über Bücher für ZEIT Online und den Tagesspiegel, bin auf Seite 300 meines ersten eigenen Romans, „Zimmer voller Freunde„, und durfte mir mein ganzes Leben lang sicher sein, dass jemand anerkennend nickt, sobald ich sage: „Gestern habe ich fünf, sechs Stunden lang gelesen.“

Lesen, sagte meine Welt fast 30 Jahre lang, ist wertvoll. Geschichten sind wichtig. Kultur stiftet Sinn. Literatur ist gut. Bücher sind ein Weg, die Welt zu verstehen. Lektüre „installiert neue Software in unserem Gehirn“:

Wenn ich viel Zeit damit verbringe, zu lesen, werde ich zu einer klugen, weisen, reifen, gebildeten, entfalteten, tugendhaften Person: Bücher bringen uns weiter. Bücher tun uns gut.

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Doch aller Kitsch, alle Streber-Arroganz beiseite: Bücher brauchen absurd viel Zeit – und Menschen, die ihr Leben so einrichten (können), dass sie Romane lesen können statt kurzer Artikel, Sachbücher (oder einfach nur pragmatisch, kurz die Radio- und TV-Nachrichten verfolgen), haben – keine Frage! – eigene Prioritäten. Ein besonderes… Gemüt.

Wenn ich schnelle FAKTEN will, sauberen Überblick, spröde ‚Wahrheit‘ oder Nutzen, Service, sind Dutzende anderer Medien / Formate schneller, dichter und effizienter.

John Updike, glaube ich, nannte Romane mal „Empathy Machines“: Sie saugen uns ein. Und muten uns zu, auch mal 400 Seiten Gedanken oder Figuren zu folgen, die nicht sofort Funken sprühen, Spaß machen, knallen und gefallen. Als Leser / Buchliebhaber braucht man eine Grund-Geduld, Toleranz und Offenheit.

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Ich glaube, das selbe Gemüt, die selben Tugenden (Grund-Geduld, Toleranz und Offenheit) helfen auch beim Bloggen: Wozu die eigenen Texte, Standpunkte völlig FREMDEN Menschen antragen? Wozu sich diskutieren lassen? Kritik aussetzen?

Für mich sind das das „nostalgische“ Werte:

Offenheit, sich auf Texte, Menschen, Standpunkte einlassen. Nicht-zielgerichtetes Denken. So weit verstehe ich die Frage: Sind bibliophile Blogger Nostalgiker? Sehr viele, bestimmt.

Denn Leser lesen „nostalgisch“. Und Literatur-Blogger bloggen „nostalgisch“.

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Die meisten „Nostalgiker“ aber, die ich kenne, sind anders: Sie wünschen sich Struktur, Netze, Sicherheit. Einen gleichförmigen Rhythmus. Und das bieten andere Formate VIEL stärker als Literatur (und Blogs):

Bei „Nostalgikern“ denke ich an starre Genre-Formate und Immer-das-selbe-Muster-Zeug wie „Monk“. An Sitcoms. An simple, feste Spiele. An Gartenbau. An Puzzles. An einen starken, verlässlichen, ordentlichen Rahmen, der vor Veränderungen und Zumutungen schützt.

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„Nostalgiker“ ist ein Reizwort. Und die Debatte ist für mich so wichtig / spannend, weil viele Blogger – in meinem Alter oder älter – in einer Welt aufwuchsen, die Bücher ähnlich lobte, feierte, fetischierte wie meine Lehrer und Eltern:

Bücher bringen Aufstieg, bessere Chancen. Bücher bringen Klassenmobilität.

Bücher bringen uns voran.

Ich bin nicht der einzige Roman-Streber, der über sein Bücherregal, seine Lese-Listen, seine Goodreads-Seite und seinen Terminkalender blickt und denkt: „Sehr gut. Ich habe Stunden mit etwas Sinn- und Wertvollem, Wichtigen verbracht.“

Ich bin nur nicht mehr sicher, ob das stimmt.

Ich bin nicht sicher, ob ich als Leser noch lange „punkten“ kann.

Romane fressen Zeit. Bücher fressen Platz. Leser sind Eigenbrötler, Träumer und Egoisten. Blogger sind selbstverliebt, in ihre Stimme und ihre beschränkte, eigene Perspektive.

Meine jüngeren, pragmatischeren, aggressiveren Freunde schauen auf mein Bücherregal und sehen: ein Grab für Zeit, Geld, Produktivität. Ich hätte die Welt bereisen können. Häuser bauen. Oder Geld verdienen, um mir den Bau von Häusern zu finanzieren.

Was habe ich in der Hand? Ein paar Lese-Erfahrungen. Erinnerungen an Bücher, vor 15 Jahren gelesen, deren Details schon längst wieder zerfallen.

Romane sind ein subjektives, sperriges, störrisches Medium. Eine umständliche Weise, meist „nutzlose“, schwammige Gefühle und Stimmungen zu vermitteln. Wer einen Partner sucht, um eine Familie zu gründen, freut sich über (Hobby-)Gärtner, Bastler, Köche.

Aber Leser… sind Schluffis. Waschlappen. Opfer. Trödler. Spinner. Egoisten.

Nostalgiker – die vielleicht gerade erst verstehen, dass etwas, für das Oma, Papa und der Kindergärtner großen Respekt, Bewunderung aufbrachten…

…immer weniger Achtung, Platz, Respekt findet. Heute.

Ich bin nicht sicher, ob – heute – Kinder gelobt werden, wenn sie sich 100, 200 Seiten lang in einem Buch versenken. Vielleicht verdienen sie mehr Lob, wenn sie abbrechen. Klug suchen. Effizient entscheiden. Sich zielgerichtet informieren.

Geschickt googeln:

Das mit den „Empathie-Maschinen“, merke ich gerade, hat John Updike nie gesagt. Es war Roger Ebert, der Filmkritiker (danke, Suchmaschine!). Und er sprach nicht über Romane. Sondern übers Kino. Ein Massenmedium, das heute noch Massen begeistert.

Bücher, Leser, bibliophile Blogger dagegen sind am Rand.

Beklatschen, loben, bewundern… tun wir uns nur noch selbst.

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BTW: Womöglich war Stefan mit seinem Urteil etwas voreilig? Wie angekündigt, erscheinen in den kommenden Tagen hier weitere Statements von Bloggerinnen und Bloggern zur Frage „Sind bibliophile Blogger Nostalgiker?“

Sind bibliophile Blogger Nostalgiker?

Am 24./25. Mai findet LiteraturFutur in Hildesheim statt – und auch ich bin dabei. Konzipiert wurde das Format von Studenten der dortigen Universität, die sich mit Kreativem Schreiben, Kulturjournalismus und Kulturwissenschaften beschäftigen. Diskutiert wird über die Zukunft der Literatur und neue Formen der Literaturvermittlung unter digitalen Bedingungen. Gemeinsam mit eingeladenen Autorinnen und Autoren, Literaturvermittlern, Experten aus Verlagen und Agenturen wollen sie während der Veranstaltung versuchen, einige vorläufige Antworten zu finden.

© Litfutur Hildesheim 24./25 Mai 2013

© Litfutur Hildesheim 24./25 Mai 2013

Im Vorfeld der Hildesheimer Zusammenkunft führte Lew Weisz ein Interview mit mir – ein Schnipsel aus meiner langen Rede findet sich hier.

Unter anderem wollte die sympathische Studentin von mir wissen, ob bibliophile Blogger Nostalgiker sind. Da ich das selber gerne wissen möchte, habe ich nicht lange gefackelt und jene um ein Statement dazu gebeten, die bei der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ dabei sind.

Danke, dass Ihr mir mit Euren Antworten auf eine wahrlich elementare Frage einmal wieder auf die Sprünge geholfen habt! Eure Darlegungen sind so vielfältig wie die ‚bibliophile‘ Szene im Netz, was genau genommen nicht wirklich überrascht. Im Vorfeld von LiteraturFutur stelle ich sie (nebst den teilweise kritischen Anmerkungen zu der Frage selbst) hier in Fortsetzungen vor:

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Ich meine, die Frage ergibt keinen Sinn. Sind bibliophile Blogger Atheisten? (Ich kenne welche.) Sind veganische Blogger bibliophil? (Ich kenne welche.) Sind katholische Priester Blogger? (Es wird welche geben, ich kenne keine.) Nur katholische Priester, die bibliophil sind, möchte ich mir nicht vorstellen … sandhofer, der mit gemeinsam mit Herrn scheichsbeutel litteratur.ch betreut

Wie immer bei solchen Fragen lässt sich das nicht generalisieren. Es sind schließlich sehr viele bibliophile Blogger ganz vorne mit dabei, wenn es um Diskussionen zum E-Book geht, um die Veränderung der Verlagslandschaft, Self-Publishing (und die Vorzüge davon) und so weiter. Das scheint mir wenig nostalgisch, eher realistisch-pragmatisch und vorwärts gewandt. Und schließlich sind es Blogger – als richtige Nostalgiker würden sie wohl Leserbriefe schreiben oder sich allein in einer Literatur-Diskussions-Runde jeden Montag bei Kerzenschein treffen, um über Bücher zu reden.

Was mich persönlich betrifft: ich bin in Bezug auf bestimmte Bücher schon etwas nostalgisch. Das ist so wie die frühen Erinnerungen an den Geschmack von bestimmten Süßigkeiten – so gab es auch gewisse Bücher, Bilderbücher o.ä., die eine unwiederbringliche zauberhafte Stimmung mit sich brachten. Zum Teil bin ich immer noch auf der Suche nach diesen Büchern – und zugleich will man sie ja gar nicht wiederfinden, weil es zweifellos eine Enttäuschung sein würde, die Bilder wieder zu sehen, die Story zu lesen und festzustellen – oh nein, das ist oberflächlicher Mist.

Die Liebe zum Medium Buch grundsätzlich nostalgisch einzuordnen, halte ich für Quatsch. Klar wird sich viel im Umgang mit Büchern, in der Herstellung etc. verändern – aber die Liebe gilt ja (zumindest bei mir) mehr den Geschichten, dem Prozess des Eintauchens in eine andere Welt – und klar gehört bislang für mich auch ein Buch mit papiernen Seiten dazu. Tatsächlich liebe ich aber mehr den Inhalt als das Außenrum, bin weniger an speziellem Einband und Sonderausgaben in Leder interessiert – und Geschichten und Gedanken, die bleiben, auch wenn die Form sich ändert. Friederike Kenneweg von frintze

Leider glaube ich inzwischen schon, dass bibliophile „Blogger“ Nostalgiker sind, sonst wären sie wohl auch mehr anerkannt und selbst großes Engagement wäre nicht immer nur ein Ehrenamt … Aber Nostalgie ist ja sehr beliebt und auch immer wieder im Kommen 🙂 Bianca Bianka Boyke von jungesbuch

NEIN! 😉 Christian Köllerer von Dr. Christian Köllerers Notizen

Wenn Blogger sich mit den Werken von Schriftstellern beschäftigen, können sie diese auf Papier oder als E-Book lesen. Bei den Postings macht das keinen Unterschied. Ob analoge Bücher bereits nostalgisch sind? Das ist Ansichtssache. Ich glaube es nicht, auch wenn es praktisch ist, auf Reisen nur einen Reader statt fünf Bücher mitnehmen zu müssen. (Übrigens habe ich die Zeitung als iPad-App abonniert, nicht zuletzt, weil damit eine Menge Papier gespart wird.) Die Blogger, die Bücher vorstellen, beschreiben gewöhnlich nicht Papierqualität, Einband, Vorsatz, Lesebändchen, sondern Inhalt und Form eines Romans. Ob sie schön gebundene Bücher lieben, spielt dabei kaum eine Rolle. Also ist auch die Frage nach der Nostalgie in diesem Zusammenhang irrelevant.

Oder ist hier mit Bibliophilie die Liebe zur Literatur gemeint? Eine Lehrerin erzählte mir, dass die Jungs in ihrer Realschule darauf achten, beim Betreten oder Verlassen der Schulbibliothek nicht gesehen zu werden, weil sie Lesen für uncool hielten. Sind die Schüler, die dennoch Bücher ausleihen, Nostalgiker? Vielleicht hat die Literatur in einer von Fernsehen (auch schon totgesagt), elektronischen Medien und Computerspielen geprägten Zeit nicht mehr das Ansehen wie vor 200 Jahren, aber ich bin überzeugt, dass es auch weiterhin Romane und Erzählungen geben wird. (Ob die dann auf Papier oder auf einem Bildschirm gelesen werden, ist unwichtig.) Es tauchen ja auch immer wieder Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf, denen inhaltlich und/oder formal etwas Neues einfällt. Die Möglichkeiten der Literatur sind offenbar noch nicht ausgeschöpft. Elektronische Medien eröffnen sogar noch weitere, zum Beispiel können verschiedene Wendungen einer Romanhandlung angeboten werden. In meinen Augen sind Blogger, die sich mit Literatur beschäftigen, keine Nostalgiker, sondern Vermittler einer faszinierenden Kulturwelt. Dieter Wunderlich von Dieter Wunderlich: Buchtipps und Filmtipps

Interessante Frage. Heißt das, dass alle Bücherleser Nostalgiker sind? Oder sind bibliophile Blogger nicht genau das Gegenteil? Nämlich Avantgarde, die über das altertümliche Lesen im modernsten Kommunikationsmedium unterwegs sind? Brigitte Glaser, eine von den vier Autorinnen, die gemeinsam Die Seitenspinnerinnen betreuen

Als ‚bibliophiler Blogger‘ kann ich die Frage natürlich nur aus meiner ureigenen Perspektive beantworten, die sich mit Sicherheit nicht verallgemeinern lässt. Bin ich ein Nostalgiker?

Nein. Ich fühle kein „Heimweh“ nach einer „besseren Vergangenheit“. Ich fühle mich durchaus wohl in der Gegenwart, in der ich mit beiden Beinen fest verwurzelt stehe, und traure nicht vergangenen Zeiten nach.

Natürlich beschäftige ich mich aus Interesse heraus mit der Vergangenheit, und das bestimmt auch aus dem Grund, um meine so geliebte Literatur besser verstehen zu können.

Daher weiß ich natürlich, dass die Aussage „früher war alles viel besser“ stets mit Vorsicht zu genießen ist. Die Vergangenheit wird viel zu oft verklärt, insbesondere von denen, die sich nur an deren positive Seiten erinnern möchten – was ja durchaus in der Natur des Menschen liegt. Die Vergangenheit, die sich die „Nostalgiker“ wünschen, ist aber eher eine Art kuscheliges „Wohlfühl-Disneyland“ und hat nicht mit der Realität zu tun, sondern vielmehr mit einer Art Weltflucht, da man sich von der Moderne gehetzt, getrieben, verschreckt oder gar entmündigt sieht.

Die Liebe zu den Büchern entspringt keiner Nostalgie, sondern ist vielmehr einer ausgeprägten Neugier und der Befriedigung eines Bedürfnisses nach intellektueller Anregung und Unterhaltung geschuldet. Dass diese aber bei manchem zu einer „Weltflucht“ gerät, die auch in einer Nostalgie ausarten kann, ist durchaus möglich. Harald Sack mit Biblionomicon

Die Frage ist schwer, denn – Was kann eine sagen über „bibliophile Blogger“ im Allgemeinen. Ich zumindest traue mich nicht für oder über alle anderen Aussagen zu treffen. Deine Serie zeigt doch wunderbar, dass es den Typus des „bibliophilen Bloggers“ gar nicht gibt (zum Glück).

Für mich kann ich sagen: Ich bin nicht nostalgisch. Aber neige zur Sentimentalität. Zum Unterschied zwischen beiden habe ich mal was geschrieben.

Aber das ist natürlich nur meine Sicht auf diese beiden Worte und ihre Bedeutungsfelder. Ich neige nicht zum Fetischismus, d.h. mir bedeuten „Dinge“, die man anfassen kann, selten viel. Daher hänge ich auch nicht am gedruckten Buch. Aber ich lese gern und meistens ältere Literatur (18., 19., 20. Jahrhundert) und eher seltener Gegenwartsliteratur. Ist das ein Widerspruch? Ich weiß nicht. Aus meiner Perspektive verwirklichen sich durch das Internet (durchaus auch in Form eines Albtraums) Ideen und Utopien der Aufklärung (die „Republik der Gelehrten“, die „totale“ Kommunikation) und der modernen Avantgarden (die Abkehr vom Werkcharakter, serielle Produktionen, die „Löschung“ und „Überschreibung“). Ich schaue zurück in der Hoffnung, nach vorne springen zu können, über die Enttäuschungen hinweg, die Rückschritte und Ausfälle. Ohne Rückkehr aber zu einem Glauben an einen Sinn der Geschichte, noch allerdings auch an das Ende der Geschichte.

Manche Bibliophilen sind sicher nostalgisch. Sie selbst allerdings, glaube ich, begreifen sich eher als Melancholiker.

Ich teile weder die eine noch die andere Haltung.

Bibliophil bedeutet für mich heutzutage nicht mehr: die Liebe zum Buch, sondern: die Liebe zum geschriebenen Wort. Für das sehe ich eine große und vielfältige Zukunft. Für das gedruckte Buch jedoch nur eine Nischenexistenz. Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten

Klar doch sind wir bibliophilen Blogger Nostalgiker, und wir sind stolz darauf! Keine Kultur ohne Nostalgie. Immerhin steckt im Wort Nostalgie die Bedeutung von Rückkehr und Heimkehr. Für mich besitzt dieser Begriff gar keine pejorative Bedeutung sondern eher ein Lob. Aber du weißt ja, die Briten sind wohltuend traditionsbewusst. Klausbernd Vollmar mit kbvollmarblog

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Weitere Überlegungen, ob bibliophile Blogger Nostalgiker sind, könnt Ihr hier nach Pfingsten lesen. – Das Nachdenken über die Frage zog Kreise: So reflektieren KAINe Kolumne darüber, den Krimi-Depeschen war die Frage eine Extra-Nostalgie-Ausgabe wert und Stefan Mesch gab SteglitzMind die Ehre mit einem Essay dazu

Steglitz stellt Bianka Boyke mit „jungesbuch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Von Anne-Kathrin und Jessica, die lesErLeben verantworten, kam der Vorschlag, dass wir mehr über Bianka Boyke erfahren sollten, die jungesbuch pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Bianka Boyke (30), selbständige Journalistin und Kinderbuchliebhaberin seit … immer. Studierte Kulturjournalismus, Rechtswissenschaften und Sozialethik in Bern und Marburg. Volontariat beim Medienhaus Lensing. Selbständig seit 2010, u.a. als Gerichtsberichterstatterin, Reporterin für sozialkritische Straßenmagazine und Rezensentin für das Fachmagazin Eselsohr. Kopf ist immer voll mit neuen Projekt-Ideen, die meist nachts zu Papier gebracht und weitergedacht werden, wenn meine beiden Töchter schlafen …

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Mit jungesbuch.de bin ich 2010 online gegangen, um dort vor allem Kinderbücher zu rezensieren. Ich habe immer gehofft, daraus irgendwann ein Online-Magazin für alle Kinder- und Jugendbuchbegeisterten machen zu können und probiere noch immer fleißig herum. Recht neu habe ich zum Beispiel eine Jugendredaktion ins Leben gerufen, die Novitäten aus den Bereichen Dystopie, Romantasy, Fantasy, … bespricht. Ein „Ehrenamt“ sollte es allerdings nie werden, weshalb ich meinen Arbeitsenthusiasmus nahezu täglich bremsen muss. Ich nutze WordPress, weil mir das vorgeschlagene Layout gefiel.

Deine Themenschwerpunkte …

der Kopf dahinter © René Boyke

der Kopf dahinter © René Boyke

… sind derzeit durch die noch recht neue Jugendredaktion vor allem Jugendromane. Ich selbst widme mich seit rund einem halben Jahr vor allem Illustratoren und präsentiere die dann mit Galerien und individuellen Portraits. Es liegt wohl am Alter meiner Töchter, dass ich mich derzeit vor allem sehr für Bilderbücher interessiere. Und die Steckbriefe vieler Autoren und Illustratoren fand‘ ich schon immer recht langweilig, versuche da durch individuelle Fragen auch die Persönlichkeit der einzelnen Illustratoren – bzw. sind es bisher hauptsächlich Illustratorinnen – einzufangen und den Lesern Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Wenn ich genügend Zeit habe, gelingt mir das ganz gut. Zudem gibt es immer ein Thema des Monats, weil ich mir zu verschiedenen Themen gerne einen Überblick verschaffe. Das kann ernst sein, wie etwa Depressionen im Bilder- und Kinderbuch, ein Messebericht oder auch einfach nur ein Blick auf die Novitäten unter einem Oberthema, etwa: Tierische Weihnachten, Detektive im Kinderbuch oder Serienheldinnen, die ich vergleiche. Solche Sammler veröffentliche ich dann immer auch im Eselsohr. Aktuell habe ich mich mit Magersucht und Bulimie im Jugendbuch bzw. in Büchern, die für Jugendliche geeignet sind, beschäftigt. Dazu gibt es in diesem Monat ein Interview auf jungesbuch.de.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Das wenige bzw. ungerecht „verteilte“ Geld auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt. Wie schon gesagt, wollte ich aus jungesbuch.de mal ein Magazin machen und zusätzlich versuchen, mich in verschiedenen Projekten für Leseförderung starkzumachen. Zahlen schwirren mir ständig durch den Kopf. 500 bis 1000 Euro für den Illustrator eines ganzen Bilderbuchs, mehr als 95 Prozent der Branche sind kinderlos, vor allem unter den Lektorinnen und den Illustratorinnen, deren Arbeitspensum sich nur Selbständige vorstellen können. 2000 Euro „Gewinn“ am Jahresende für einen 40-Wochenstunden-Job, den Frau als eine Art „Hobby“ betreibt, weil der Ehemann ja Geld nach Hause bringt … Und immer wieder der Satz von verschiedenen Köpfen: „Kinderbücher machen hat nichts mit Kindern haben zu tun.“ Warum eigentlich nicht?! Vielleicht, weil es finanziell nicht möglich ist?

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Erst recht neu auf Facebook und – für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe – in meiner Kinderbuchkolumne in der Tageszeitung Ruhr Nachrichten. Zu meinem Buchtipps gibt es immer auch den Hinweis auf meine Seite.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Zu viel Privates preiszugeben. Ein Mal im Netz, immer im Netz. Vor allem Fotos der Kinder, die jetzt oder später jeder dank digitaler Gesichtserkennung suchen kann, gehören nicht der ganzen Welt präsentiert.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Vor allem die rechtlichen Hürden sind hoch und für (junge) Blogger undurchsichtig und auch riskant – wenn etwa Produkte abgebildet oder Zitate übernommen werden, …

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es zwei ganz Aktuelle: Als ich vor wenigen Monaten auf der Suche nach einer Jugendredaktion war, um auf jungesbuch.de mehr Jugendbücher besprechen zu lassen, habe ich 5 Bloggerinnen angeschrieben und alle 5 haben sich sofort zurückgemeldet, weil Ihnen jungesbuch.de gefiel. Und dann freut es mich, dass die Illustratoren für „Meine Galerie“ auf jungesbuch.de mir immerhin pdfs ihrer Werke zukommen lassen und damit Vertrauen schenken und meine Arbeit anerkennen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe bereits als Studentin als Rezensentin gearbeitet, damals – passend zum Studium – ging es um neuere deutsche Literatur, etwa für das Internetmagazin literaturkritik.de. Später rezensierte ich für Tageszeitungen und inzwischen auch schon seit mehreren Jahren für das Fachmagazin Eselsohr. Darum ist es für mich nichts besonders – auch wenn das jetzt blöd klingt – jedes Jahr hunderte von Büchern geschickt zu bekommen. Zugegeben: ganz am Anfang hat mich das schon beeinflusst, jedes Paket war wie ein kleines Weihnachtsfest. Inzwischen trudelt aber täglich mindestens ein Buch ein und selbst meine 2-Jährige sagt: „Mama, Bucha“, wenn der Postbote klingelt. Verrisse schreibe ich selten, Bücher, die mir nicht gefallen, werden von mir schlichtweg nicht besprochen. Kritik gibt es hingegen oft, nichts ist perfekt, aber auch das kann ein gutes Buch ausmachen. Natürlich treffe ich nach der Durchsicht der Vorschauen selbst eine Vorauswahl. Was ich dann bestelle, oder zu welchen Themen ich Sammler schreibe, entscheide ich immer selbst.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Aufmachung anschauen, Inhaltsangabe und Leseprobe lesen, und mich dann für eine Zu- oder Absage entscheiden. Im Grunde wie bei jeder Mail aus dem Verteiler eines großen Verlages. Ein Buchtipps eines Selfpublishers oder eines ganz kleinen Verlages wäre an dieser Stelle doch ganz nett 😉

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Vielleicht werde ich mein erstes E-Book lesen, wenn ich mehr reise. Wenn ich meinen Kindern oder auch im Kindergarten vorlese, wollen die Kids anfassen, am Buch zerren, umblättern und dabei auch mal klebrige Obst- oder Kekshände haben können.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da empfehle ich – natürlich – die Blogs meiner Mädels, „meiner“ Jugendredaktion. Weil es allerdings sechs sind, MUSS ich alle nennen. Den Stab nur an eine weiterzugeben, ist ohnehin schwer genug. Das wären also: Lea (13) mit Meine Bücherwelt, Noelle (16) mit maybeweforgot, Elisa (16) mit mybookbubble, Filo (16) mit Filos Bücheruniversum, Evelyn (19) mit Dreaming till Midnight und Jessica (19) mit Jessis Bücherkiste.

Falls einer minderjährigen Gesprächsteilnehmerin nichts entgegensteht, entscheide ich mich für Filo, weil sie mir schlichtweg bei meiner Suche nach Rezensentinnen für die Jugendredaktion von jungesbuch.de zuerst aufgefallen ist – wegen ihr hübschen Seite und ihrer Rezensionen. – Zweite Wunschkandidatin ist Evelyn, die ihren Blog gemeinsam mit ihrer Schwester betreibt. Evelyn rezensiert alles, was ihr in die Finger kommt, ihre Schwester zeichnet bekannte Autoren.

Danke sehr Bianka. Und da du bereits über das zulässige Maß hinausgegangen bist, indem du 6 statt 5 Empfehlungen nennst, wollen wir auch bei den Interviewpartnerinnen ein Auge zudrücken und beide zum Gespräch bitten. Ausnahmen im Sinne der Blogger-Nachwuchsförderung sozusagen… Und womöglich zeichnet Evelyns‘ Schwester Miriam gelegentlich etwas für SteglitzMind 😉

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Zuletzt stellte sich Peter Hetzler mit seiner Comickunst vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war Myriel mit ihrer Bücherzeit. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier