Steglitz stellt DocTotte mit „Tottes kleines Literaturlexikon“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, dass wir DocTotte, in dessen Händen u.a. Tottes kleines Literaturlexikon liegt, näher kennenlernen sollten, stammt von Friederike Kenneweg, die frintze pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

berühmt und berüchtigt - so kennen wir den Betreiber im Netz © DocTotte

berühmt und berüchtigt – so kennen wir den Betreiber im Netz © DocTotte

Seit 1972 Kind des Ruhrgebiets, wenn auch mit einer 10-jährigen Unterbrechung im hohen Norden. Ich habe Archäologie (lief damals noch unter Ur- und Frühgeschichte an den meisten Unis), Skandinavistik und Mittelaltergeschichte studiert und bin schließlich über die römische Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Holstein promoviert worden.

Während der Promotion litt ich dermaßen unter der meist miserabel geschriebenen wissenschaftlichen Lektüre, dass ich Belletristik nur so verschlang. Als dann im noch jungen Jahrtausend die Stellen in der Archäologie so weit gestrichen wurden, dass es mir einfach nicht gelang, dauerhaft Fuß zu fassen, erinnerte ich mich an andere Leidenschaften: Wörter und Texte. Ich nahm meine Erfahrung als Vielleser und Ein-bisschen-selbst-Herumschreiber, gewürzt mit ein paar kleinen Veröffentlichungen in der Frankfurter Rundschau sowie im Internet und geriet über ein Hamburger Werbelektorat schließlich als Texter in die Werbebranche. Heute dient mir die Literatur dazu, die Ballaststoffe der Werbewelt geistig zu verarbeiten, ohne irrsinnig zu werden.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich hab Mitte 2007 mit Bloggen angefangen. Mein erster Blog startete bei Blog.de, hauptsächlich weil das für meine damalige Vorstellung das ideale Feld war. Trotzdem habe ich mich schon früh auch auf anderen Plattformen umgeschaut. Selbst die Gründung des hiesigen WordPress-Blogs liegt schon lange zurück, er lag aber über Jahre brach. Mit der Zeit haben mich technische Unzulänglichkeiten und auch das Verschwinden einiger guter Autoren mehr und mehr von Blog.de entfremdet. Da ist irgendwann die Idee herangereift, die Blogs verstärkt thematisch zu trennen und bei WordPress die von mir gelesenen Bücher vorzustellen. Inzwischen überlege ich ernsthaft, die Filmreihe aus meinem anderen Blog zu WordPress zu portieren – sozusagen Tottes kleines Filmlexikon.

Deine Themenschwerpunkte …

… sind im WordPress-Blog eindeutig Bücher. Ganz anders als bei meinem ersten Blog, der von Literatur über Philosophie, Politik, Film und Musik bis hin zu lautem Klamauk und handfestem Nonsens alles umspannte, was mir so in den Sinn kam. Bei dem Literaturblog auf WordPress ist die Nähe des Namens zu Kindlers Literaturlexikon ist übrigens durchaus beabsichtigt. Mich amüsierten im Kindler ganz besonders die Kurzkritiken, die oft genug Zitate von Arno Schmidt enthielten und das Werk eines Autors in einem Satz beschrieben. Besonders gut erinnre ich mich in diesem Zusammenhang daran, wie Schmidt in einem Satz William Blakes Arbeiten als „zeitlose Gesänge eines Irren in erdachten Landschaften“ abkanzelt.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Lange war ich sehr in ältere Literatur vertieft, darunter auch, aber nicht nur Klassiker. Ich wollte einfach die Basis wenigstens ab dem 17. Jahrhundert kennen. Viele moderne Autoren fand ich schrecklich langweilig und wollte nicht lesen, was sie zu sagen haben. Es gab da wenige Ausnahmen wie Kertesz oder Eco. Parallel dazu las ich viel Arno Schmidt und auch manches seiner Empfehlungen, sofern es greifbar war. Heute hopst nur noch ab und an ältere Literatur dazwischen, mehrheitlich schaue ich mich bei aktuellen Schriftstellern um. Es sei mir allerdings die Bemerkung erlaubt, dass ich viele deutsche Autoren, insbesondere die Leipziger Schule eher für unfertige Adepten als für ausgewachsene Schriftsteller halte. Hier sehe ich noch viel Entwicklungsbedarf. Und dass Bücher heutzutage vielfach darüber verkauft werden, ob die Autoren durch Sender wie RTL oder Sat.1 bekannt geworden sind – ich denke, dazu braucht man nicht viel zu sagen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

In der Hauptsache auf zwei Wegen: Meine weiteren Blogs verlinken mehrheitlich auf diesen Literaturblog und jedes neue Posting dieses Blogs lasse ich automatisch per Twitter verbreiten. Manchmal weise ich auch Freunde und Bekannte, die bei mir nicht regelmäßig lesen, mündlich oder per E-Mail auf bestimmte Postings hin, von denen ich denke, dass sie interessant für sie seien.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das hängt vom Anspruch ab, den man hat. Wer seinen Blog nur für sich führt, kann praktisch machen, was er möchte – mal abgesehen von strafbewehrten Vergehen. Wer aber eine Gruppe von Lesern erreichen möchte, und sei sie noch so klein, für den gibt es eigentlich nur ein Vergehen: die Leser zu langweilen. Ich räume ein, dass es nicht immer zu vermeiden ist. Sicher langweile ich auch mit dem einen oder anderen Eintrag, aber ich hoffe, dass ich zumindest die Mehrheit der Leser unterhalte. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich in nahezu allen meinen Blogs eher kurze Einträge verfasse. Es gibt selbstverständlich Themen, die nur in einem längeren Postings angemessen behandelt werden können. Was aber kurz gesagt werden kann, dass sollte auch kurz gesagt werden. Deshalb weigere ich mich zudem, meine Rezensionen mit seitenlangen Inhaltsbeschreibungen aufzublähen. Es gibt wohl kaum ein publiziertes Buch auf der Welt, von dem nicht längst zig Nacherzählungen im Netz kursieren. Nein, ich möchte mit meiner eigenen Meinung als Wegweiser dienen. Ich möchte Lesern Empfehlungen geben oder sie warnen, wenn die Lektüre eines Buchs aus meiner Sicht verschenkte Lebenszeit darstellen sollte.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Da sehe ich mehrere. Zuerst die Themenfindung: Als ich meinen ersten Blog aufgemacht habe, lag er da. Und ich überlegte, was ich damit machen soll. Tagebuch? Publizierung von eigenen Texten? Letztlich bin ich dann bei einem Themen-Misch-Masch gelandet, der meinen ersten Blog lange Jahre auszeichnete und meine facettenreiche Person gut widerspiegelt. Das half dann vor der Aufsplittung der Themen bei der Überwindung der nächsten Hürde: dem Finden von Lesern. Gerade in meinem ersten Blog war das die ersten Monate ein echtes Rätsel für mich. Meinen Durchbruch verdanke ich dann schließlich der Tatsache, dass mich ein Darmstädter Poetry-Slammer namens Nesh Vonk „entdeckte“. Er selbst war mit seinem Blog damals sehr erfolgreich, und dadurch, dass er ab und an auf mein Wirken hinwies, kamen die Leser irgendwann wie von selbst. Manche verschwanden schnell wieder, andere sind mir dagegen seit Jahren treu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Es gibt mehrere Dinge rund um das Bloggen, die ich weniger als Erlebnis bezeichnen würde, die aber nachhaltigen Einfluss auf mein Leben hatten. Dazu gehört, dass ich durch meine Blogs in der ganzen Welt eine Reihe sehr toller Menschen kennenlernen durfte. Zu manchen ist der Kontakt eher locker, gerade wenn sie in Kalifornien oder Kanada leben. Zu anderen habe ich einen so engen Kontakt, dass ich sie ab und zu auch im wirklichen Leben treffe. Darunter sind Menschen, die mir so wichtig geworden sind, dass ich sie in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Sehr schön finde ich ferner die Tatsache, dass mir meine Blogs praktisch zu meinem aktuellen Job verholfen haben. Ich verdiene zwar mit ihnen selbst nichts – schon wegen der geringen Leserzahl –, aber sie haben mich dabei unterstützt, dass ich Arbeitgebern meinen Umgang mit Sprache präsentieren und sie von mir überzeugen konnte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist mir in der Form bisher noch nicht widerfahren. Lediglich den Wiener Autor Albert Knorr unterstütze ich in der Funktion als Lektor seit mehreren Jahren bei der Arbeit an seiner Sacer-Sanguis-Reihe. Das führte so weit, dass ich in dieser Reihe selbst als Co-Autor mitwirken durfte. Und auch wenn es noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist, darf ich hier ankündigen, dass es ganz danach aussieht, dass das Team aus Albert Knorr, Marlen Raab und mir nächstes Jahr erneut zusammen arbeiten wird.

Ansonsten freue ich mich sehr, wenn mich Autoren oder solche, die es werden wollen, um Rat fragen. Gerade in den letzten Jahren habe ich einige Gespräche über Ideen zu Plots und Geschichten geführt. Hier hilft mir das Hintergrundrauschen der gelesenen Bücher, um einer Idee den notwendigen Drall zu geben oder den Autor darauf hinzuweisen, wenn einer Geschichte elementare Grundlagen fehlen wie beispielsweise die Intention der Protagonisten.

Eine richtiggehende Rezension hinge allerdings stärker davon ab, um was für einen Verlag und Autor es sich handelt. Ich würde meine geringe Freizeit beispielsweise nicht mit der Lektüre von Esoterikbüchern oder allzu fantasievollen Arbeiten über historische Ereignisse verbrauchen. Dazu gibt es noch viel zu viele gute Bücher, die ich unbedingt lesen möchte.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Hier gilt genauso, dass das Thema mich wenigstens im Ansatz interessieren sollte. Grundsätzlich behandle ich Self-Publisher aber nicht anders als Verlage. Ein gutes Buch ist ein gutes Buch, egal wer es verlegt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich bin noch so altmodisch, dass ich lieber ein richtiges Buch in den Händen halte. Dabei habe ich mich immerhin schon mit Taschenbüchern arrangiert. Früher habe ich sogar großen Wert auf gebundene Bücher gelegt. Ich gebe aber zu, dass ich mein Tablet inzwischen nicht nur nutze, um Zeitungen und Nachrichten zu lesen, sondern auch um Textproben von Büchern zu lesen. Ich finde es wirklich toll, wenn Verlage ein paar Dutzend Seiten eines Buchs zur Verfügung stellen, damit man sich mal ein Bild von der Schreibe und vom Text machen kann. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob ich jemals das „House of Leaves“ von Mark Z. Danielewski gelesen hätte, wenn Klett-Cotta damals nicht die ersten 96 Seiten als PDF zum Download angeboten hätte.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)?

Bei Jargs Blog, dessen Betreiber sich hier ja bereits vorgestellt hat, gefällt mir der Mix aus Themen und Medien, die ich sonst wohl nicht serviert bekäme. Nicht immer ist etwas für mich dabei, aber es ist doch ein angenehmer Blick über den Tellerrand. Die nächsten beiden Blogs, in denen ich gern stöbere, ähneln meinem eigenen Blog: Read the World – das Hundert Bücher Projekt und 1001 Bücher – das Experiment. Im Prinzip unterlag mein Durchmarsch durch die Klassiker einem ähnlichen Ansatz, wenn auch weniger streng, weil ich über keine feste Liste verfügte. Zuletzt möchte ich den hier schon mehrfach genannten Blog Literaturen – Ein Streifzug durch die Welt der Literatur und Kultur empfehlen, für mich eine neuere Entdeckung. – Sophie ist mit ihren Literaturen hier ja ebenfalls bereits zu Wort gekommen.

Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Meines Erachtens hat es juneautumn von 1001 Bücher verdient, an dieser Stelle endlich zu Wort zu kommen.

Danke sehr, DocTotte. Und was Miriam aka juneautumn anbetrifft, stimme ich dir zu. Ihr Blog gehört nämlich auch zu jenen, die in den vergangenen Monaten zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Dass ich sie anlässlich der 50. Folge dieser Gesprächsreihe nicht gebeten habe, hier mitzutun, lag daran, dass mir damals bereits bekannt war, dass du die Staffel an sie weitergibst.

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Zuletzt stellte sich Ingrid mit DruckSchrift vor. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Peter Hetzler mit seiner Comickunst. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

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Steglitz stellt Ilja Regier mit „Muromez“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Mit Ilja, der Muromez ins Leben rief, kommt heute der Wunsch-Interviewpartner von Sophie zu Wort, die Literaturen pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Empathisch. Genießerisch, Kritisch. Kulturinteressiert (Literatur, Kinematographie, etc.).

Master-Student (irgendwas mit Medien). Kind der 80er.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Muromez ©  Ilja Regier

Muromez © Ilja Regier

Der Stein wurde im Sommer 2010 zum Rollen gebracht. Damals, anders als heute, widmete ich mich dem Thema Fußball und seiner Kultur. Hatte allerdings Perioden, in denen ich gar nichts aufs (digitale) Papier bringen wollte oder konnte. Füllte einen gewissen Druck, jede Woche etwas kommentieren zu müssen, Spiele zu sehen und nicht „up to date“ zu sein. Es gab Phasen von Monaten, als mir gar nichts gelang, ich zu viel verpasste, andersherum, die ich voller Elan anging. Da die gewünschte Resonanz ausblieb, ein Teufelskreis sich entwickelte, entschloss ich mich das Blog irgendwann einzustellen. Merkte auch, dass ich mit Medien, die sich professioneller damit beschäftigen, aus Zeit- und Kostengründen nicht mithalten konnte. Mir vielleicht die Kontakte fehlten. Nur über das „Runde ins Eckige“ zu schreiben, limitierte ebenso.

Von Fußball zur Literatur?

Da mich stets Literatur beschäftigte – meine Eltern besitzen eine kleine, private Bibliothek – versuchte ich mich etwas anderem zu widmen. Bisher bereue ich nichts. Im September 2012 wurde mein Literatur-Blog gegründet – bin quasi noch ein Frischling unter den Literatur-Bloggern. Neben dem Lesen ist das Schreiben ebenfalls eine große Passion, die sich eher in den Printmedien im Journalismus bestätigt füllt.

Plattform ist WordPress. Versuchte zwar schon alles auf eigenen Server zu legen, aber das Ganze war dann eher dank meiner Programmier-Fähigkeiten zum Mäuse melken. Ein von WordPress gehostetes Blog reicht derweil vollkommen für meine Aktivitäten aus.

Deine Themenschwerpunkte …

Rezensionen/Buchbesprechungen. Lese querbeet eigentlich alles, insofern es mich anspricht. Finde den Kontrast wichtig, nach schwerer Literatur, die man tapfer gemeistert hat, auch mal etwas Leichteres in die Hand zu nehmen. Bisweilen experimentiere ich ebenso rum. Schreibe „Gedankenströme“ auf, die mir irgendwann nach Geisterstunde plötzlich beim Rauchen auf dem Balkon kommen oder verarbeitete zum Beispiel eine Metamorphose Das Nichtbegreifen begreifen können, die ich beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz fühlte, als ich die Ehre hatte, mit Zeitzeugen zu sprechen, die die Völkermorde überlebten.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Naja, bemerke stetig, dass die Liebe zu Büchern im Literaturbetrieb abnimmt. Zahlen sind das Wichtigste, einerseits verständlich. Aber ehrliche Meinungen in einer Buchhandlung? Die bekommt man fast nie. Alles wird in den Himmel gelobt. Bestseller taugen, weil sie eben Bestseller sind. Manchmal aus Jux und Dollerei, ich weiß, ein wenig gemein, schnappe ich mir eine Händlerin („ich habe es bereits ANgelesen!“) und lasse sie mir irgendein Bestseller-Werk erklären, meist geschieht das in höchsten Tönen. Das Material konsumierte ich allerdings bereits, lache mir ins Fäustchen, was da gerade für ein Quatsch mit Soße erzählt wird, wie Tatsachen verdreht werden. Sicherlich, sind das subjektive Empfindungen, aber dennoch…

Ob Bücher in den Läden ausgestellt sind, die weniger sinnvoll oder gar kokolores sind? Das wird man von keinem Verkäufer, zu hören bekommen. Niemand bietet dir auch offensichtlich ein Auto an, das nach einem Monat mit einem Motorschaden zur Reparatur müsste. Die Realität sieht dennoch anders aus. Mit Griffen ins Klo verbunden. „Alles ganz toll und wunderbar!“ Dieses Heuchlerische nervt, Ideen wie man etwas ändern könnte? Schwierig! Mittlerweile habe ich allerdings ein kleines Lädchen gefunden, dem ich (meist) Vertrauen schenke. Ansonsten schaue ich mich bei unabhängigeren Betrachtern wie eben Bloggern nach Material um – was ja das Wunderbare daran ist –, die Mehrheit macht das allerdings sicherlich nicht.

Überhaupt finde ich es wichtig, dass solche kleinen Geschäfte in der komplizierten Zeit der Digitalisierung und Globalisierung überleben. Heißt für mich, dass ich meine Faulheit ständig besiegen muss. Statt auf die Amazon-Bestellung, die schon am nächsten Morgen da ist, zu warten, lieber eben bei kleinen Offline-Stores bestellen. Unvorstellbar, wenn diese irgendwann mal aussterben sollten!

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Facebook und Twitter. Ansonsten versuche ich auch, Bekannte davon zu erzählen, wenn sie mich fragen, was ich gerade gelesen habe und empfehlen kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ständig zu nehmen, statt zu geben. Vernetzungen treiben jeden Blogger voran. Sich nicht zu schade zu sein, mal bei anderen zu schauen, zu kommentieren. Weniger gut kommen ebenso längere Auszeiten an, die man manchmal leider nicht ändern kann, wenn die Hände gebunden sind. Ansonsten sicherlich der Blogger-Ehrenkodex (falls es so etwas tatsächlich gibt): C+P tunlichst vermeiden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Sah bei anderen Blogs, dass sie keine Verrisse mehr anfertigen, nur noch die Perlen präsentieren wollen. Kann ich einerseits verstehen. Ich meine, wer sind wir schon, innerhalb von vielleicht zwei Stunden, die Arbeit mehrerer Monate/Jahre infrage zu stellen, sie für Müll zu erklären? Der Regisseur Detlev Buck, kurz vor der Premiere seines Films „Die Vermessung der Welt“, meinte dazu, dass er sich wünsche, dass die Feuilletonschreiberlinge doch etwas rücksichtsvoller allgemein mit ihren Kritiken umgehen sollten. Zwischen den Zeilen lesend, fragte ich mich, ob sein Werk tatsächlich eklatante Schwächen aufweisen würde, wenn er schon so einen Aufruf startet.

Die Schwierigkeit bei solchen Verrissen ist, dass man schnell despektierlich werden kann. Wiederum denke ich mir, dass ich, sollte ich alles positiv bewerten, genau wie die beschriebenen Händler wäre. Alles voller Blumen und Sonnenschein wäre. Ist es allerdings bekanntlich nicht…

Ferner, so denke ich, behalte ich weiter meine Meinungsfreiheit bei. Manchmal kann es auch Spaß machen, irgendwas in Schnipsel auseinanderzunehmen und es für Dleck (wie die Asiaten sagen würden) zu erklären. Das klingt hart. Aber warum sollte ich etwas nicht kritisieren dürfen, wenn es mir ebenso mehrere Stunden oder Tage Zeit gekostet hat, ich dafür 20 Euronen auf den Tisch gelegt habe? Alles in allem ist das ein schmaler Grat. Eine gesunde Mischung ist die Lösung.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Mehrere kleine, die das Bloggen an sich zu einem großen Erlebnis machen. Am Ende auf „veröffentlichen“ drücken. Zu sehen, dass die Mühe nicht umsonst war. Dass irgendwer damit etwas anfangen kann. Dass irgendwer einen Kommentar abgibt. Das sind die schönen Momente und sicherlich auch die Ehre haben zu dürfen, hier mal neben renommierteren Kollegen als Grünschnabel zu Wort zu kommen.

Wie gesagt, ich bin ja noch relativ neu in diesem „Geschäft“, aber umgeben von wahnsinnig gemeinschaftlichen Bloggern. Bisher durfte ich noch nie so einem Kreis im Web 2.0 begegnen, weil viele eben mit einem Tunnelblick durchs Netz gehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Passiert jetzt nicht so regelmäßig. Aber es muss schon das Gesamtpaket stimmen, damit ich es annehme.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Noch nicht vorgefallen, bezweifle allerdings, dass ich mich damit beschäftigen würde. Jeder intensive Leser kennt sie, die unendliche Liste der noch zu lesenden Bücher – diese hat Vorrang!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Niente. Verteufle mp3s, wähle stattdessen lieber die alte Schallplatte oder CD. Verteufle E-Zeitungen und damit sich der Kreis schließt, verteufle ebenso E-Books. Oldschool!

Die Digitalisierung macht vieles einfacher, aber nicht unbedingt besser. Ich hasse es, abends auf einen lieblosen Bildschirm blicken zu müssen, nachdem ich schon vorher die ganze Zeit auf einen Rechner, mein Smartphone oder sonst was geblickt habe.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Regelmäßig unter anderem als Besucher unterwegs bei Literaturen, Buzzaldrins, aus.gelesen, Ada Mitsou und Philea’s Blog, die sich hier allesamt bereits vorgestellt haben. Und zu Wort kommen sollte hier mal: Frintze.

Danke sehr Ilja. Nicht allein dein realtiv junges Blog, auch deinen Bericht über deinen Aufenthalt in Auschwitz-Birkenau und die Begegnung mit Zeitzeugen möchte ich den Lesern unseres Gespräches ans Herz legen …

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Zuletzt stellte sich Bettina Schnerr-Laube mit Bleisatz. Ihr Wunsch-Interviewpartner war Ludger Menke, der u.a. den  Krimiblog betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Sophie mit „Literaturen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, dass wir etwas mehr über Sophie und ihr Blog Literaturen – ein Streifzug durch die Welt der Literatur und ein bisschen mehr – erfahren sollten, kam von Katarina Liest, die im literaturaffinen Netz als Die Bücherphilosophin bekannt ist.

Dein Steckbrief in Stichworten …

  • ziemlich chaotisch
  • Auszubildende im Buchhandel
  • leidenschaftliche Schreiberin/Zeichnerin
  • pathologischer Sherlock-Holmes-Fan
  • spiele sehr gern in (bisher) Mini-Rollen Theater
  • musikalisch in den 60ern hängengeblieben

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit Mai 2011, von Anfang an bei WordPress, weil die Bedienung auch für den Laien nahezu selbsterklärend ist. So ganz genau weiß ich gar nicht  mehr, wie das eigentlich begonnen hat und warum. Ich schätze, es lag daran, dass ich in meinem Umfeld wenige Menschen hatte, mit denen ich mich über Literatur austauschen konnte und ich hoffte einfach, dadurch mehr an literarischen Diskussionen teilhaben zu können. Das hat ja sogar geklappt. Außerdem wollte ich mir eine Möglichkeit schaffen, das Gelesene Revue passieren zu lassen, um es mir vielleicht auch ein paar Wochen später nochmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Deine Themenschwerpunkte …

Im Augenblick ist das vermutlich zeitgenössische Belletristik. Aufgrund meines Jobs muss ich mich einfach viel um das kümmern, was gerade neu auf dem Markt ist oder auf den Markt kommt. Klassiker verkaufen sich nicht mehr, hat man mir damals schon bei meinem Vorstellungsgespräch gesagt. Obwohl da durchaus meine Leidenschaft liegt. Außerdem bin ich ein großer Liebhaber von Graphic Novels und würde in diesem Bereich gern noch viel mehr schreiben, mich fasziniert einfach die Verschmelzung von Bild und Text, bei einigen Werken ist das wirklich enorm beeindruckend. Bei Will Eisner und Art Spiegelman, zum Beispiel.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Sophie © Literaturen

Sophie © Literaturen

Ich schätze, es ist das Gefühl, dass der Markt von so viel Belanglosigkeit überschwemmt wird. Ich will gar nicht behaupten, dass es keine guten Bücher mehr gibt, aber zwischen all dem Leichtverdaulichen finden sie oftmals gar keinen Platz mehr. Ich arbeite nun auch noch in einem Laden, der sehr auf die Bestsellerlisten ausgerichtet ist und so habe ich quasi jederzeit Zugang zu den neuen Zugpferden der Branche. Neulich erst habe ich gelesen, dass sich die Buchbranche immer mehr dahin entwickelt, dass ein Großteil des Umsatzes von ein paar wenigen Titeln gemacht wird, mit so etwas wie „Shades of Grey“ oder allem, was danach folgt und auf derselben Welle mitschwimmt. Wenn man sich wirklich für Literatur begeistert, tut es einem manchmal weh, was man da verkaufen muss. Und noch mehr tut es dann weh, zu sehen, wie gut es sich verkauft. Und da scheint es einem ein bisschen so als würde all das, was man selbst so an Literatur schätzt, zugunsten der literarischen Popcornunterhaltung im Meer der Neuerscheinungen über SMS von letzter Nacht verschwinden. Noch schlimmer ist es dann, wenn man feststellen muss, dass man es sich als Buchhandlung gar nicht leisten könnte, ein paar gehaltvolle Titel im Sortiment zu haben, wenn man nicht mit den anderen Sachen die Basis schafft. Ich bin nun seit 2010 – anfangs auf Praktikumsbasis – im Buchhandel beschäftigt und bisweilen kommt es schon jetzt vor, dass ich mich diesen Entwicklungen gegenüber sehr hilflos fühle.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Anfangs habe ich tatsächlich nur die Beiträge auf WordPress veröffentlicht, aber habe schnell bemerkt, dass das vermutlich nicht ausreicht, um Leben in die Bude zu bringen. Ich habe dann also eine Facebookseite für meinen Blog eingerichtet, nachdem ich sehr sehr lange mit mir gehadert habe. Es war mir irgendwie peinlich, so plakativ Werbung für etwas zu machen, was ich tue. Ich versuche, regelmäßig auf anderen Blogs präsent zu sein. Nebenbei schreibe ich eigene Texte, die ich gelegentlich auf blogexternen Seiten veröffentlichen kann. Neulich habe ich das erste Mal ein Video gedreht, ich probiere viel aus im Augenblick und strecke so ein bisschen meine Fühler aus.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Seinen Blog zu breit anzulegen (also nebenbei am besten noch Kochrezepte und Videos über Shoppingtouren veröffentlichen oder so, alles schon gesehen) und das Lesen als Tätigkeit zu dokumentieren, statt tatsächlich zu lesen. Ich finde es wichtig, dass man es irgendwie schafft, mit dem eigenen Blog etwas Individuelles auf die Beine zu stellen. Etwas, was andere wirklich animiert, wieder auf die Seite zu gehen und dort zu lesen. Wenn man sich mal durchs Internet klickt, finden sich zahllose Rezensionsblogs, sehr viele, die sich mit Fantasy und der sogenannten Chick-Lit beschäftigen. Zahllose Challenges werden da dokumentiert, SUBs und RUBs präsentiert und das Lesen, der Inhalt des Gelesenen, geraten völlig in den Hintergrund. Man sollte versuchen, sich ein Profil zu schaffen und gute Ideen einzubringen – warum mache ich das? Warum sollten die Leute lesen, was ich tue? Warum sollten sie wiederkommen? Dass man natürlich auch nicht bei anderen abschreibt, versteht sich von selbst.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für sich allein zu bloggen, kann schon deprimierend sein. Das wurde hier in dieser Interviewreihe ja auch schon mehrfach erwähnt. Es bedarf also eines gewissen Durchhaltevermögens, dennoch weiterhin Rezensionen zu posten, auch wenn darauf wochenlang keiner reagiert. So erging es mir ja auch am Anfang, so ging es wahrscheinlich jedem. Sicherlich kann auch das (notwendige) Engagement eine Hürde sein. Bloggen ist zeitintensiv, jedenfalls, wenn man es regelmäßig und auch für andere Menschen tun will. Man sollte auf anderen Seiten präsent sein und kommentieren, man muss die eigenen Artikel schreiben, eventuell social-media-lastige Werbung machen, je nachdem, was man anstrebt. Da bin ich schon hier und da an meine Grenzen gestoßen bei einem Vollzeitjob. Ich kam auch ab und an nicht einmal zum Lesen, dementsprechend gab’s auch nichts zu rezensieren. Aus dieser Not heraus habe ich dann so einige rezensions“fremde“ Kategorien eingeführt, um den Blog nicht womöglich wochenlang brachliegen zu lassen, bloß weil ich zu kaputt zum Lesen bin.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Oh, ich glaube, die Anfrage für dieses Interview steht schon ganz weit oben. Schön war auch eine Rückmeldung eines Verlages via E-Mail, ohne, dass ich so etwas überhaupt beabsichtigt hatte. Generell summiert sich das aber. Nette Kommentare, Komplimente, überhaupt das Besuchen meines Blogs. Man muss ja immer bedenken, dass ich das alles ganz laienhaft und privat mache. Da ist es schon jedes Mal eine Freude, wenn ich sehe, dass andere Gefallen daran finden. Und da ich so ein ganz extremer Selbstzweifler bin, tut mir diese Resonanz einfach, ganz abgesehen davon, dass es inhaltlich sehr erfüllend ist, an manchen Tagen nochmal doppelt so gut.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das ist bisher nicht vorgekommen. Nun bin ich als Buchhändler natürlich auch noch in der speziellen Situation, ohnehin ständig Zugang zu Leseexemplaren zu haben, da würde ich mir also schon genau überlegen, was ich noch zusätzlich dazu annehme und was nicht. Und es gibt auch Themen/Bücher, die auf meinem Blog vermutlich nicht stattfinden werden. Kein Fantasy, keine halbseidenen Liebesromane, keine Historienschnulzen, das interessiert mich einfach nicht, auch nicht, wenn es mir von einem Verlag angeboten würde.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich schätze, das käme auf den Titel an. Für mich ist Self-Publishing ein sehr zweischneidiges Schwert. Ich habe in der Buchhandlung schon öfter Self-Publisher erlebt, die ihre Exemplare zur Ansicht gebracht haben und wenn man da einen Blick hineingeworfen hat, stellten sich einem sämtliche Nackenhaare auf. Und man sah sofort, weshalb die bei keinem Verlag untergekommen sind. Andererseits veröffentlichen viele Verlage trotz des entsprechenden Fachpersonals so viel – pardon – Müll, dass ich nicht grundsätzlich sagen möchte, alles, was im Self-Publishing-Bereich veröffentlicht wird, ist per se qualitativ minderwertig, während die Absegnung von einem Verlag eine gewisse Qualität garantiert. Ich würde mir genau ansehen, was mir da angeboten wird und dann entscheiden. Aber auch das ist noch nicht vorgekommen.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Gar nicht. Ich habe keinen Reader und ich habe auch nicht vor, mir in naher Zukunft einen anzuschaffen. Ich sehe die Vorteile, kann sie auch nachvollziehen, aber für mich wäre es einfach unnötig. Ich schleppe mich lieber mit Büchern ab als bloß so einen kleinen Minilesecomputer mit mir herumzutragen. Ich will die Seiten anfassen, ich will dran riechen, ich will drin blättern. Bisher unternehme ich auch keine Langstreckenreisen oder irgendwas sonst, wo eine Menge Bücher zu transportieren total unpraktisch wäre. Nö. Nichts für mich.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Puh, schwierig jetzt, hier jemanden zu erwähnen, der noch nicht genannt wurde. Ich lese regelmäßig bei buzzaldrin, der Bücherphilosophin, der Klappentexterin, Ada Mitsou und SchöneSeiten. Ich denke, ich gebe den Staffelstab an Muromez weiter. Der bloggt – so wie ich das gesehen habe – noch nicht so lange, aber sehr ambitioniert und interessant! Soll ja auch ein bisschen darum gehen, die kleineren Blogs ein Stück von ihrem Schattendasein zu befreien.

Kleinere Blogs aus ihrem Schattendasein zu befreien – eine Intention, die ich als Initiatorin dieser Gesprächsreihe dick unterstreichen möchte. Auch dafür danke, Sophie!

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Zuletzt stellte Stephan Waldscheidt mit seiner Schriftzeit vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Oliver Koch, der den Gedankenzirkus hütet. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Katarina Liest mit „Die Bücherphilosophin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir heute etwas mehr über Katarina Liest aka Die Bücherphilosophin erfahren, hatte Dorota Federer vorgeschlagen, die ihr Blog Bibliophilin pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

  • Viel-, aber gleichzeitig auch Langsamleserin
  • Offen für schwierige Bücher (z.B. AM Homes, Das Ende von Alice; Joyce Carol Oates, Zombie)
  • Liverpool Expat, aber kein Beatles Fan 😉
  • Hörbuchliebhaberin
  • Studentin der Literatur und des literarischen Schreibens
  • 2fache Katzenersatzmama, aber das nur am Rande

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit zwei Jahren, wie die Zeit vergeht… Angefangen habe ich bei Blogger, wobei dort sehr viele Jugendbuch Blogger zu finden sind, eine Schublade in die ich einfach nicht passe und so nach einem halben Jahr der Wechsel zu WordPress, mit klassischem Layout und vielen Belletristik Bloggern und Blogs, die ich damals schon bewunderte – für mich die beste blogbezogene Entscheidung bisher.

Frauen, die lesen ... ©  Katarina Liest

Frauen, die lesen … © Katarina Liest

Zu Bloggen habe ich angefangen zu einer Zeit als ich zwar wusste, ich will schreiben, aber einen Zugang zu diesem Wunsch, bzw. die Mittel und Motivation um diesen in die Tat umzusetzen, hatte ich noch nicht. Also schien mir das Bloggen als Hobby eine Softcore Variante dessen, was ich später mal machen wollte, ein sanfter Einstieg darin regelmäßig formschöne Texte zu verfassen. Zum Literaturbloggen bin ich gekommen einfach aus der Freude am Lesen heraus und der Lust mich darüber auszutauschen. Denn, wie bei vielen meiner Bloggerkollegen, wird im Freundeskreis leider gar nicht, bzw. nur sehr wenig gelesen, was mich aber mittlerweile nicht mehr stört – habe ich doch eine Gruppe Gleichgesinnter gefunden, mit denen ich über Bücher schwätzen und schwärmen kann, auch mal stunden-, ach was tagelang.

Deine Themenschwerpunkte …

Das sind ganz klar Rezensionen, Rezensionen und nochmal Rezensionen, ganz klassisch also. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf Belletristik, gerne frisch vom Verlag, aber das ist natürlich nicht immer möglich. Ab und zu versuche ich auch etwas außerhalb der Regale zu stöbern, die von meinen Kollegen frequentiert werden. Dazu läuft meine Aktion „Lesen ist hardcore!“ bereits im zweiten Jahr.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Um ehrlich zu sein folge ich dem deutschen Literaturbetrieb nicht so wirklich, dafür lebe ich einfach zu weit weg und schreibe zudem noch hauptsächlich auf Englisch. Was ich interessant finde, ist der langsame Wechsel von der klassischen Autor/Lektor Beziehung hin zu der vermittelnden Funktion der Literaturagenturen. Ein System, das im englischen Raum bereits etabliert ist – hier schauen sich Verlage nur Manuskripte an, die über Agenten vermarktet werden. Das kostet den Schriftsteller natürlich Prozente, man hat aber, besonders als Anfänger, einen erfahrenen Verbündeten gegenüber dem Verlag, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht – auch nicht schlecht. Ich bin gespannt wie sich der deutsche Markt dahingehend entwickelt.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich betreibe den absoluten Mindestaufwand an Selbstmarketing, wäre mein Blog ein Unternehmen, wäre ich sicher schon längst in die Buchhaltung versetzt worden 😉

Wie viele andere Blogger habe ich eine Facebook-Fan-Seite, wo Beiträge verlinkt sind, und auch auf meinem Twitter Konto sind diese Links zu finden. Ansonsten ist es im www allerdings eher still um die Bücherphilosophin, ein Insider-Tipp quasi, dafür habe ich am Ende aber auch mehr Zeit zum Lesen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Texte und Bilder kopieren ohne vorher eine Erlaubnis einzuholen kann zu unangenehmen, eventuell sogar rechtlich prekären, Situationen führen – mit einem bloßen Link auf die Seite auf der man sich bedient hat, ist es im Regelfall nicht getan, es sei denn es ist ein liebevoller Hinweis auf einen geschätzten Bloggerkollegen. Davon würde ich also abraten, besonders in Zeiten übereifriger Abmahnungsanwälte, den Ärger braucht keiner, das vergnatzt am Ende nur die Lust am Bloggen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich denke die größte Hürde ist weiterzuschreiben in Zeiten, da die Rückmeldungen ausbleiben, besonders wenn es so scheint als wäre das auf den eigenen Blog beschränkt. Es ist keine Schwierigkeit per se, aber ein kleiner Dämpfer, den jeder mal einstecken muss. Es kommt dabei immer darauf an, was man draus macht, ob man das Handtuch wirft oder sich motiviert fühlt und mehr einbringt, auch als Leser auf anderen Blogs.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Ich denke diese Erlebnisse kommen fast täglich und sind für sich genommen zwar ganz bescheiden, hier ein Kommentar, dort ein Beitrags-Abo, in der Summe ist die Freude darüber dann aber ganz groß. Ein besonderes Kribbeln löst bei mir derzeit noch die Erwähnung durch rezensierte Autoren aus, zum Beispiel das „gefällt mir“ von Katrin Weßling (Drüberleben) auf meiner Facebook Seite, war ein solcher Moment.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Mir werden nur alle paar Schaltjahre Rezensionsexemplare angeboten, aber um ehrlich sein, auch wenn man sich geschmeichelt fühlt, suche ich mir am liebsten selbst etwas aus. Schön ist es für mich dabei festzustellen, wie immer mehr meiner Lesewünsche erfüllt werden – Rezensionsexemplare sind für mich arme Studentenmaus nämlich die einzigen finanzierbaren deutschen Neuerscheinungen. Dafür bin ich aber auch Schneekönigin durch und durch, wenn ich ein solches Paket öffne und anschließend lesen und rezensieren darf, was ich mir so sehnlichst gewünscht hatte.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das lehne ich ab, ohne Ausnahme. Ich bin da sehr konservativ, was nicht durch die redigierenden Mühlen eines Verlags gewandert ist, kommt bei mir nicht ins Regal. Dazu muss ich sagen, dass ich Bücher nicht nur als Unterhaltung, bzw. Zeitvertreib lese, sondern auch als Möglichkeit mein eigenes Schreiben zu verbessern – da muss es dann schon ein Roman sein, der es „geschafft“ hat und dabei mehrere Stadien, bzw. Entwürfe, durchlaufen hat.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Von E-Books bin ich ganz begeistert, bin ich mit dem Kindle in der Tasche doch um einiges mobiler, als mit einer ganzen Bibliothek Taschenbücher im Koffer. Was ich bedauere ist, dass deutschsprachige E-Books sich von ihren gedruckten Varianten preislich kaum unterscheiden – für uns Kleingeldbeutler kann das schon mal schwierig werden – ich würde so gerne zugreifen, mehr deutsche E-Books lesen, kann aber nicht.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wen kann ich denn empfehlen, der hier nicht schon zu  Wort gekommen ist?! Blogs, die ich selbst gerne und häufig lese sind u.a. Bibliophilin, Die Klappentexterin, SchöneSeiten und Buzzaldrins Bücher. Für das nächste Gespräch vorschlagen möchte ich gerne Literaturen. Ein Blog mit ganz wunderbaren Empfehlungen und noch dazu einer äußerst sympathischen Betreiberin.

Danke, Katarina, auch für die tolle Illustration: Frauen, die lesen … In diesem Zusammenhang mag ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass das Geschlechterverhältnis innerhalb der Gesprächsreihe inzwischen zuungunsten der Blogger ausfällt. Die Frauen liegen derzeit mit 21:18 vorne.

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Zuletzt stellte sich Christiane Nowak mit vorgelesen vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerinnen waren die Betreiberinnen von lesErLeben. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Simone Finkenwirth mit „Klappentexterin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der heutige Nikolaus hat einen Beitrag von Simone bzw. der Klappentexterin im Gepäck, womit 30 Interviews innerhalb dieser Gesprächsreihe beisammen sind! Und noch eine Bemerkung mag ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Das Genderverhältnis, das lange zuungunsten der Bloggerinnen ausgefallen war, verkehrt sich mit Simones Porträt: Mit 16:14 liegen die Frauen hier ab sofort vorne. – Ob es dabei bleibt?

Dass wir Simone und ihr Blog Klappentexterin etwas näher kennenlernen sollten, hatte Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki angeregt, die Bücherwurmloch betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe das gedruckte Wort, ob selbst geschrieben oder mit den Augen aufgelesen. Mein Herz ist groß, mein Verstand hellwach und meine Beine sehr flink.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

mit Lesebrille © Klappentexterin

mit Lesebrille © Klappentexterin

Ich blogge schon längere Zeit. Durch jetzt.de fing ich seinerzeit an, eigene Gedanken niederzuschreiben, manchmal kletterten auch Geschichten aus meinem Kopf, für die ich bei jetzt.de keinen Platz fand. Also füllte ich einen gemischten Blog mit Bildern und Texten, doch irgendwann wollte ich eine gerade Linie, einen starken Baum, an dem ich hochklettern kann. Im April 2010 küsste mich die Muse und legte mir die Klappentexterin auf die Tasten. Dieses Geschenk nahm ich lächelnd an. Lange schon wollte ich einen Ort, an dem ich besondere Bücher vorstellen konnte. Besondere Bücher, an die sich die Menschen seltener heranwagen, weil über sie weniger gesprochen wird und sie nicht unbedingt dem Massengeschmack treffen. Besondere Bücher, die kaum oder nie etwas vom großen Marketingbudget abbekommen. Besondere Bücher, die zu leise für die Bestsellerliste sind und deren kleine Stapel mein Herz schneller schlagen lassen. Ich arbeite mit WordPress, weil mich das Design am meisten überzeugte und das Arbeiten damit sehr einfach ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich lese am liebsten zeitgenössische Literatur, druckfrische Bücher genauso gern wie ältere Werke. Anfangs griff ich auch öfter zum Klassiker, doch das hat zuletzt leider etwas nachgelassen, weil die Neuheiten einfach immer mehr werden, so dass mir für die Klassiker oft die Zeit fehlt. Obendrein interessiere ich mich sehr für jüngere Literatur. Dazu habe ich vor eineinhalb Jahr die Rubrik Junge Literatur ins Leben gerufen und mit eigenem Logo versehen. Ich schreibe aber nicht nur über Bücher, sondern auch über andere Themen, die sich mit der Welt der Literatur beschäftigen. Besonders gern entdecke ich Berliner Buchhandlungen, besuche Veranstaltungen oder lasse meiner Kreativität freien Lauf. Bücher setzen in mir viel in Bewegung, ja, sie inspirieren mich im hohen Maße. Warum soll ich all das für mich behalten, wenn ich andere Menschen dort draußen damit glücklich machen kann?

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dunkle Wolken ziehen auf – momentan ist vieles unsicher und im Wandel. Keiner weiß so genau, wohin die Reise gehen wird. Diese Unsicherheit beschäftigt mich, obwohl ich daran glaube, dass es den Buchhandel weiterhin geben wird, nur anders. Betrübt bin ich darüber, dass immer mehr Menschen aus dem öffentlichen Leben Bücher schreiben und dadurch unbekannten Autoren und Autorinnen den Platz wegnehmen. Außerdem vermisse ich eine Beständigkeit auf dem Literaturmarkt. Wie schnell ist ein Buch heute gefragt und morgen längst vergessen! Das war früher anders. Gut, die Zeiten ändern sich, nur heutzutage ist einfach zu vieles medienausgerichtet. Da braucht nur ein Autor oder Moderator ein Buch in der Talkshow hochzuhalten, und schon wollen alle nur das eine. Und zwar sofort! In zwei Wochen ist dann wieder Sense, es sei denn, der Autor wiederholt das Spiel. Meist handelt es sich um bekannte Menschen, die so etwas veranstalten. Da wird die potentielle Kaufkraft von möglichen anderen Titeln weggezogen. Das macht mich ein bisschen traurig, denn es gibt so viele wunderbare Bücher, die in dem Marketinglärm oft untergehen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Auf meiner Facebook-Fanpage lade ich jeden Beitrag hoch, ebenso bei Twitter. Darüber hinaus bewege ich mich in der vernetzten Blogsphäre. Anfangs war das ein Instrument, um auf mich aufmerksam zu machen. Denn ein Blog ist wie eine Pflanze, die man pflegen muss. Dazu gehört auch Networking, ohne das bleibt man ein unbekanntes Licht im großen Internetuniversum. Jetzt gehören meine Blogspaziergänge einfach dazu. Sie sind das Gewürz in meiner Blogsuppe, ohne die ich mir mein Blogleben nicht mehr vorstellen kann. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen es gibt, die mit mir die Liebe für die Literatur teilen und die so unwahrscheinlich herzlich sind. Wir kennen uns in der Regel nicht persönlich, nur durch unsere Texte, und sind uns doch sehr vertraut. Das sind die Wunder der heutigen Zeit, die mich immer wieder staunen lassen und glücklich machen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nicht authentisch zu sein. Der eigene Blog ist das Herzstück der Persönlichkeit sowie die Spielwiese für eigene Ideen und Reflexionen. Kürzlich las ich davon, dass es dort draußen Menschen geben soll, die Rezensionen abschreiben und bei sich veröffentlichen. So etwas macht mich wütend und fassungslos.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zeit ist eine der größten Hürden. Zeit, Texte zu schreiben. Zeit, sich im Internet zu bewegen und Zeit, seine Kontakte zu pflegen. Das fällt mir gerade jetzt auf, in der eine ereignisreiche Phase in die nächste fällt. Ich möchte so sehr und kann oft nicht. Die Zeit legt mir ihre Ketten an. Ich habe nicht nur meinen Blog, ich habe auch einen Vollzeitjob, Freunde und einen Partner. Bei 24 Stunden am Tag kann das schon sehr eng werden, ein straffes Korsett, das sich um das Leben spannt. Dennoch habe ich es aufgegeben, schon allein durch Selbstschutz, immer und jeden Tag online aktiv zu sein. Da passiert am Ende nämlich genau das Gegenteil – statt Lust kommt der Frust in großen Schuhen angeschlürft. Abschalten gehört zum Bloggen genauso dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Oh! Da gibt es viele, so viele, dass ich fliegen könnte. Stell dir einen großen Garten mit leuchtend farbigen Blumen und leckeren Früchten vor. Wie soll ich da nur ein Erlebnis herauspflücken? Großartig und an dieser Stelle unbedingt erwähnenswert sind die Kontakte zu Autoren und Autorinnen. Die sind wertvoll und bereichernd, sie sind meist zufällig durch eine Begegnung im wirklichen Leben entstanden. Genauso schätze ich den Austausch mit meinen Lesern und meinen lieben Freunden aus der Bloggerszene. Ohne meine KollegInnen wäre das Bloggerleben nur halb so schön. – Halt. Doch eine Sache hat mir fast den Atem geraubt. Als ich im vergangenen Jahr nach einem warmen Sommertag abends erfuhr, dass ich zur Online Autorin des Jahres 2011 gekürt worden war!

der Pokal © Klappentexterin

der Pokal © Klappentexterin

Oh, gratuliere! Wie kam es dazu?

Das Autorennetzwerk Suite 101 hat 2011 den 29. Juni als „Tag des Schreibens“ initiiert. Zu diesem Anlass wurde der Online Autor des Jahres 2011 gesucht, für den man vorgeschlagen werden konnte. Plötzlich fand ich mich auf der Liste wieder. Danach folgte eine Abstimmungsphase, in der für die Nominierten gestimmt werden konnte. Ich habe dazu auf meinem Blog sowie auf der Fanpage aufgerufen. Die Kandidaten mit den meisten Stimmen kamen in die Endrunde, in der die Jury selbst entscheiden wollte, wer den Preis verdient hat. Meine Fans und Leser haben mir so viel Unterstützung gegeben, dass ich es ins Finale geschafft habe und die Jury überzeugen konnte. Sie schrieb über mich folgende wertschätzenden Worte: “Klappentexterin Simone Finkenwirth vereint gekonntes, elegantes, schönes Schreiben mit Herzblut für ihre Themen, mit kritisch-liebevoller Distanz, Meinungsstärke und Sachkenntnis – sie hat sich unserer Meinung nach diese erstmals vergebene Auszeichnung redlich erschrieben.” Als Preis gab es einen hübschen Blumenstrauß und einen schönen Pokal.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe meinen Blog gegründet, um unabhängig über die Bücher zu schreiben, die mir am Herzen liegen und die ich mir aussuche. Selbstbestimmtheit ist mir wichtig und so wähle ich meine Lektüre aus. Mein Zeitplan ist straff, weshalb ich Anfragen genau unter die Lupe nehme und nur solche Bücher auswähle, die mich wirklich interessieren. Mein Blog soll mir Spaß bereiten, doch wenn ich mich selbst durch zu viele Bücher in die Enge treiben würde, würde aus der bunten Spielwiese sprödes Heu werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Wie bereits erwähnt, wähle ich mir meine Bücher selbst aus. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit Freiheit. Das zu lesen, was ich möchte – und die Zeit, in der ich das machen kann, ist eng begrenzt. So habe ich nur maximal zwei Stunden dafür am Tag Zeit dafür – außer an den Wochenenden oder im Urlaub. Ich möchte mich nur ungern von meiner Lesefreiheit trennen. Auf der anderen Seite sehe ich, wie schwieriger es für Schreibende wird, ihre Werke bei Verlagen unterzubringen.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Für mich ist ein eBook der Kühlschrank unter den Büchern. Die elektronischen Bücher sind praktisch, aber kalt, kein sinnliches Erlebnis. Wenn ich lese, brauche ich den Papiergeruch (jedes Buch riecht anders) und das wunderschöne, knisternde Rascheln der Seiten. Ich möchte sehen, wie viele Seiten ich noch vor mir habe. Ein Buch in der Hand zu halten, hat auch etwas Heimisches und Vertrautes für mich. Es ist ein Schwert, das stressige Zeiten abwehrt und mir das Gefühl von Geborgenheit schenkt. An einem Buch kann ich mich festhalten, mit einem eBook wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Nein, vorerst bleibe ich lieber beim klassischen Buch. Wenngleich mir klar ist, dass eBooks ein Thema für die Zukunft sein werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon einige mir wohl vertraute und hochgeschätzte Blogs zu Wort gekommen oder wurden bereits erwähnt wie die liebe Mareike, die mir den Staffelstab in die Hand gedrückt hat. Außerdem Bibliophilin, buzzaldrins Bücher, SchöneSeiten, Syn-ästhetisch, die Seitenspinnerinnen sowie Herr Flatter Satz, deshalb seien auch folgende genannt: writeaboutsomething, Japanliteratur.net, Literaturen, das Experiment 1001 Bücher, Ein Buch muss die Axt sein und … ach, ich darf ja nur fünf nennen. Schade!

Aber ein Blog liegt mir persönlich sehr am Herzen. So wünsche ich mir Ada Mitsou liest… als nächste Stimme in dieser Runde, eine sehr geschätzte Bloggerkollegin von mir, die ein besonderes Gespür für feine Kinderbücher und für das kleine großartige PapierBücherGlück hat.

Danke sehr Simone für deine Auskünfte und besondere Nikolauspräsente in Form von Blogpreziosen.

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Zuletzt stellte sich Marcus Johanus mit seinem gleichnamigen Blog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Axel Hollmann. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier