„Ohne Autoren kein Verlag.“ SteglitzMind stellt Barbara Miklaw mit dem Mirabilis Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Barbara Miklaw, die den Mirabilis Verlag verantwortet,  heute Rede und Antwort steht.

Seit wann gibt es Ihren Verlag?

Den Mirabilis Verlag gibt es seit 2011, Verlagssitz ist Miltitz bei Meißen. Das erste Buch ist im August 2012 erschienen: „Unsere Sache“, Erzählungen von Rainer Rabowski. Pro Jahr soll es künftig etwa vier bis sechs Bücher geben, darunter je ein kleiner Gedichtband und ein Kinderbuch. Ansonsten liegt der Schwerpunkt bei literarischen Erzählungen. Die dürfen gern auch mal relativ kurz sein – und wenn es nur 90 Seiten sind, wesentlich ist für mich die Qualität. Die Bücher sollen inhaltlich und sprachlich anspruchsvoll sein und natürlich auch hinsichtlich der Gestaltung ansprechend.

Machen Sie alles alleine?

Struck_Der Geruch der FilmeIm Wesentlichen arbeite ich allein, unterstützt von befreundeten freiwilligen Mitstreitern, die gelegentlich Probeleser sind, Hinweise geben oder beim Versand helfen. Mit dem Satz hilft mir Wolfgang Schanz, Bruder und Kollege. Die PR-Agentur Johannes Keil in Köln versendet regelmäßig Meldungen an die Presse, was sich schon als sehr hilfreich erwiesen hat. Den Druck der Bücher übernimmt im Allgemeinen eine kleine Druckerei in Meißen. Dort kann ich auch schnell mal hinfahren, geeignetes Papier aussuchen, mich beraten lassen. Das ist nicht nur praktisch, sondern macht auch Spaß. Fürs jeweilige Cover suche ich gemeinsam mit den Autoren Fotografien oder Grafiken aus, frage auch gern bei Künstlern nach.

Wie stehen Sie zum E-Book?

Bisher sind zehn Bücher erschienen, noch keines allerdings als E-Book. Wir denken darüber nach, das eine oder andere Buch auch als E-Book erscheinen zu lassen („wir“ heißt: die Autoren und ich). Aber meiner Ansicht nach ist nicht jedes Buch auch dafür geeignet. Das gilt z. B. für Bücher, die Fotografien oder Dokumente enthalten, wie Lothar Strucks Essay „Der Geruch der Filme. Peter Handke und das Kino“ oder Dieter Sanders biografische Erzählung zu Fritz Picard. Die sind mir in gedruckter Form viel lieber, zum Anfassen, Anschauen …

Für wen machen Sie Bücher?

Als Leser wünsche ich mir kluge Menschen, die gern auch mal etwas Ungewöhnliches lesen, sich zum Denken anregen lassen wollen, offen für das Besondere sind – oder einfach interessiert am Thema.

Ihre Highlights im Bücherjahr …

Die Highlights dieses Jahres: die Leipziger Buchmesse im Frühjahr, dort werde ich auch im nächsten Jahr wieder einen Stand haben. Die Lesung von Dieter Sander in der Kammeroper Köln vor ca. 80 sehr interessierten Zuhörern, organisiert von der Kölner Buchhandlung Koehl. Die Lesung von Vazrik Bazil in der Buchhandlung Findus in Tharandt bei der sehr engagierten Frau Erler. Die 25-minütige Sendung des RBB im August zu Peter Handkes Kinofilmen, basierend auf dem Essay „Der Geruch der Filme. Peter Handke und das Kino“ von Lothar Struck. Die Verlagsvorstellung bei der Ulmer Literaturwoche durch Florian L. Arnold. Ansonsten: Jedes neu erscheinende Buch ist ein Highlight, jede Rezension – und gerade Lothar Strucks Essay hat bisher schon einige Aufmerksamkeit gefunden.

Lieferbare Titel?

Bei bisher erst zehn erschienenen Büchern darf ich vielleicht alle nennen …

  • Rainer Rabowski: „Unsere Sache“, Erzählungen, 2012
  • Rainer Rabowski: „Haltestellen“, Kurzprosa und Lyrik, 2013
  • Lothar Struck: „Der Geruch der Filme. Peter Handke und das Kino“, ein wissenschaftlicher Essay, 2013
  • Lothar Struck: „Grindelwald“, eine autofiktionale Erzählung, 2014
  • Ingo Schramm: „Der Irbis“, eine literarische Erzählung, 2014
  • Dieter Sander: „Fritz Picard. Ein Leben zwischen Hesse und Lenin“, eine biografische Erzählung, 2014
  • Jost Renner: „LiebesEnden“, „Das eigene Brot“, Gedichte, beide 2013 erschienen
  • Vazrik Bazil: „Auf kläglichen Straßen“, Gedichte, 2014
  • „Der Zeitstrudel“ – Erzählungen von Kindern; ein Projekt, an dem 16 Kinder beteiligt waren, 2013

der ZeitstrudelAußerdem gibt es noch zwei Postkartensets: Kunstpostkarten mit Motiven von Sebastian Rogler und ein Set mit alten Fotografien zum Thema Automobil und Straße, liebevoll in eine bedruckte Blechschachtel gebettet.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Die Frage nach den Zeiten habe ich mir bei der Entscheidung gar nicht gestellt. Ich hatte vor einigen Jahren im Netz das Blog eines exzellenten Schriftstellers gefunden – Rainer Rabowski. Die Texte waren so ungewöhnlich, so sprachlich elegant, dass sie mich nicht mehr losgelassen haben. Wir korrespondierten längere Zeit, und zu meiner Überraschung hatte er noch keinen Verlag, schrieb eigentlich nur für sich. Dann veröffentlichte er im onomato Verlag Düsseldorf, der damals noch fast ausschließlich Hörbuchverlag war, seine ersten beiden Erzählbände, die ich zum Teil lektorierte, schlug mir aber wiederholt die Gründung eines kleinen literarischen Verlags vor. Zwei Jahre lang habe ich das rundweg abgelehnt, bis mir plötzlich die Erkenntnis kam, dass das etwas wäre, was ich eigentlich sehr, sehr gern machen würde. Und dann machte ich es einfach, Zeiten hin oder her. Zum Glück auch mit etwas Unterstützung und Zuspruch durch Axel Grube vom onomato Verlag. Was mir übrigens sehr geholfen hat: Ich habe zuvor schon viele Jahre freiberuflich gearbeitet, so dass mir z. B. betriebswirtschaftliche Dinge nicht neu waren.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus der Freude an der Sache. Ein richtig gutes Buch auf den Weg zu bringen, mit allem was dazugehört, die Gestaltung, die Zusammenarbeit mit den Autoren, die kleinen Erfolgserlebnisse, wenn es gute Rezensionen gibt oder überhaupt ein gutes Echo, der Kontakt zu anderen Büchermenschen auch, das ist schon wirklich Freude. Die Freude wird auch den Büchern mitgegeben, bei der Gestaltung zum Beispiel, bei der Typografie, bei der Auswahl der Titelgrafik oder -fotografie. Oder in Dieter Sanders Buch zu Fritz Picard beispielsweise sind Ex-Libris-Etiketten eingeklebt, mit viel Liebe zum Detail ausgedacht. – Noch mehr Freude gibt es natürlich, wenn sich die Bücher auch gut verkaufen.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Schwer zu sagen. Wenn mit Digitalisierung auch die gesamte Text- und Bildbearbeitung gemeint ist, wahrscheinlich nicht. Und: Es lebe das Internet. Ohne das würde ich meine Autoren gar nicht kennen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Sander_Fritz PicardMeine Autoren haben ein großes Mitspracherecht, mir liegt sehr an einer guten Zusammenarbeit, an der gemeinsamen Herstellung eines guten Buches. Das betrifft auch Fragen der Gestaltung, die Auswahl des Titelbildes zum Beispiel. Das ist vielleicht nicht überall so. – Ansonsten gehe ich davon aus, dass auch andere kleine Verlage mit Enthusiasmus und einer gehörigen Prise Idealismus arbeiten. Eine Konkurrenz zu anderen kleinen Verlagen sehe ich nicht. Im Gegenteil, eine gelegentliche Zusammenarbeit oder der Austausch zu den sicher ähnlichen Fragen und Problemen kann sehr hilfreich sein. – Gemeinsam mit dem Kunstverein Zwickau organisiere ich für das nächste Frühjahr eine mehrtägige Vorstellung kleiner sächsischer Verlage mit Lesungen, Filmvorführungen usw. Das wird sicher sehr spannend – und ohne Konkurrenzgedanken.

Etwas wirklich Besonderes ist unsere komplett kostenlose App „Depeschen“, auf die kleine unabhängige Verlage Text- oder Hörproben, auch Filmsequenzen laden können – über einen Link wird der Nutzer dann direkt auf die jeweilige Verlagsseite geleitet (nähere Informationen unter depeschen.net). Eine schöne Werbemöglichkeit für Verlage, von der der Leser/Nutzer auch etwas hat. Wir freuen uns über weitere unabhängige Verlage, die mitmachen wollen, keine Kosten, kein Risiko

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Hm. Man tut in jedem Moment ja immer das, was man kann. Ganz wichtig ist m. E., dass man die Möglichkeiten der Vernetzung nutzt, sich einbringt, auch um Aufmerksamkeit zu finden und um Neues zu erfahren. Da muss ich mich auf jeden Fall noch besser organisieren. – Kürzlich hatte ich die Einreichfrist für die Hotlist der Indie-Verlage verpasst und mich mächtig darüber geärgert. Mist. So was passiert, wenn man weitgehend allein arbeitet und schon aus zeitlichen Gründen nicht auf alles achten kann. Und ich arbeite ja auch „nebenbei“ in meinem eigentlichen Beruf als Diplomingenieurin und Fachlektorin. Aber wichtig sind solche Dinge schon! Nächstes Jahr passiert mir das hoffentlich nicht noch mal. Also: prinzipiell mehr Präsenz zeigen, die Möglichkeiten des Netzes stärker nutzen. Immerhin bin ich seit ein paar Wochen bei den Bücherfrauen.de. Auch was Gutes, das mir eigentlich auch eher hätte einfallen können.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Renner_Das eigene Brot

Manchmal ergibt eins das andere. Lothar Struck, einen erstklassigen Literaturkritiker und Handke-Experten, Rainer Rabowski und Jost Renner kenne ich schon seit etlichen Jahren über ihre Blogs, wenn auch das persönliche Kennenlernen sehr viel später stattfand. Überhaupt gibt es unter den Bloggern noch einige, die ich gern als Autoren gewinnen würde. – Dr. Vazrik Bazil wurde mein Verlag von einer sehr guten Buchhandlung empfohlen. Er sprach mich an und ich war sehr angetan. – Dieter Sander ist der Fotograf des Titelbildes von Lothar Strucks Essay – ich habe ihn der Bildrechte wegen gesucht und gefunden (was schon wieder eine eigene Geschichte wäre). Dieter Sander hatte damals bei Handkes Filmaufnahmen zur „Chronik der laufenden Ereignisse“ fotografiert. Und er ist selbst ein sehr interessanter Mensch, der unglaublich viel zu erzählen hat, auf seinen Reisen bemerkenswerte Persönlichkeiten kennenlernte, als Fotograf und Filmproduzent tätig war und mehrere Jahre in Paris lebte und arbeitete (für den WDR im Studio von Peter Scholl-Latour). In Paris lernte er auch Fritz Picard kennen, der in der Berliner Kaffeehausszene der Zwanziger Jahre zu Hause und unter anderem mit Else Lasker-Schüler, Walter Mehring und Erich Mühsam befreundet war und nach dem Exil und dem Krieg dann das Antiquariat Calligrammes in Paris eröffnete. Moment mal – wie viel Platz habe ich hier eigentlich …?

Platz genug …

Ingo Schramm hat 1996 in Klagenfurt gelesen und hatte schon einen guten Namen als Autor, ich habe ihn über gemeinsame Freunde kennengelernt. Und einen neuen Autor, Florian L. Arnold, von dem im Frühjahr ein kleiner Roman erscheinen wird, lernte ich auf der letzten Buchmesse in Leipzig kennen. Ein großer Gewinn!

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die Verlagsbücher werden über die Homepage verkauft oder über die Barsortimenter Libri und Umbreit. Ich habe keine eigene Verlagsauslieferung. Leider, leider habe ich auch keine Verlagsvertretung! Das wäre sehr wichtig, aber ich habe noch niemanden gefunden, der sich für so einen kleinen Verlag engagieren möchte. Absage vom Indiebook-Büro, Absage von der Berliner Verlagsvertretung usw. Wobei die Absagen noch die freundliche Form sind – die meisten Angefragten antworten gar nicht erst. Großes Problem!

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Bazil_Auf kläglichen StraßenMangels Verlagsvertretung reise ich ab und an selbst durchs Land und bitte ausgewählte Buchhandlungen um die Möglichkeit, die Verlagsbücher vorstellen und ggf. einige Exemplare auf Kommissionsbasis dalassen zu dürfen. Das ist mühselig und manchmal frustrierend, aber ich habe dadurch auch schon sehr gute Buchhandlungen und sehr engagierte, sympathische Buchhändler kennengelernt: Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung in Berlin z. B., Klaus Kowalke von Lessing und Kompanie in Chemnitz, Annaluise Erler von der Buchhandlung in Tharandt, Margarete Haimberger von der Schröerschen Buchhandlung in Berlin (sie habe ich übrigens angesprochen, weil mir ihr Beitrag zu den unabhängigen Buchhandlungen hier bei SteglitzMind so gut gefallen hatte!). Diese Erfahrungen und Bekanntschaften möchte ich keinesfalls missen, aber – siehe oben – ohne Verlagsvertretung ist es verdammt schwierig. Abgesehen davon: Ich würde mir wünschen, dass mehr Buchhändler offen und ansprechbereit für kleine Verlage sind, auch was Lesungen angeht (ich bin auch gern bereit, mich am Aufwand zu beteiligen).

Wie halten Sie es mit Amazon?

Ich verkaufe Bücher auch über Amazon. Die geforderten Rabatte sind unverschämt hoch, aber Amazon ist auch clever und kundenfreundlich. Alle Titel, die beim VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) gelistet sind, werden auch bei Amazon gelistet, Kunden können dort also jedes Buch finden, übrigens auch ganz ohne Zutun des Verlags. Wenn Leser meine Bücher bei Amazon kaufen und meine Autoren möchten, dass ihre Bücher auch über Amazon verkauft werden (ich frage sie), sehe ich mich nicht in der Position, darauf zu verzichten oder gar Leser in ihren Kaufgewohnheiten zu „erziehen“. Ich würde sicher lieber mehr Bücher in kleinen Buchhandlungen verkaufen, aber leider … (siehe oben). Es fehlt meiner Ansicht nach an einer konkurrenzfähigen, für den Kunden gleichwertigen Plattform, von der auch kleine Buchhandlungen und Verlage profitieren könnten. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf indiebook.de und möchte den Verlag dort gern auch einbringen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Rabowski_Haltestellen

Pressemitteilungen versenden (Johannes Keil macht das), Neuigkeiten auf der Homepage und der Facebook-Verlagsseite einstellen, Verlagsprospekte verteilen, Rezensionsexemplare versenden und Rezensenten werben, Lesungen und Verlagsvorstellungen organisieren (siehe auch die geplante Veranstaltung im nächsten Frühjahr in Zwickau) – und ich leiste mir zur Leipziger Buchmesse einen eigenen kleinen Stand. Das hat mir übrigens schon zu sehr guten Kontakten und Erfahrungen verholfen. Und nicht zuletzt leisten die Autoren selbst einen nicht unbeträchtlichen Beitrag: Jost Renner zum Beispiel ist sehr aktiv bei Facebook und Twitter und hat eine große Fangemeinde; er findet auch für sein Blog viel Anerkennung. Lothar Struck und Rainer Rabowski betreiben sehr gute Blogs. Dieter Sander und Vazrik Bazil bringen ihre guten Kontakte ein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie stehen Sie zum Börsenverein des deutschen Buchhandels?

Ich bin Mitglied im Börsenverein und schätze sehr das Engagement des Landesverbandes. Auch der Download-Bereich ist sehr hilfreich mit Musterverträgen usw. Ein großes Aber: Die Mitgliedsbeiträge sind für ganz kleine Verlage nahezu unerträglich hoch. Hier würde ich mir eine differenziertere Staffelung wünschen.

Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Eine ganz spezielle Marktnische, also wie etwa ein Verlag, der nur Literatur zu einem ganz bestimmten Thema veröffentlicht, habe ich gar nicht. Ich möchte inhaltlich und sprachlich anspruchsvolle Bücher veröffentlichen, die dem Leser lange in Erinnerung bleiben. Bücher, die auf den ersten Blick vielleicht auch einmal ungewöhnlich oder sogar sperrig erscheinen, dem Leser, der sich darauf einlässt, dann aber zu einem besonderen und nachhaltigen Gewinn werden.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ich wünsche mir, dass mein Verlag längerfristig als kleiner und feiner Verlag mit besonderen und guten Büchern bekannt wird. Das wäre auch die größte Chance für ein erfolgreiches Weitermachen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Der Vertrieb muss unbedingt besser funktionieren (liebe Verlagsvertreter …!). Zu wenig Bücher zu verkaufen, ist natürlich immer ein Risiko für einen Verlag. Ich hätte schon gern, dass der Verlag sich irgendwann selbst trägt.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Barbara Miklaw (c) Wolfgang Schanz

Barbara Miklaw © Wolfgang Schanz

Die guten Bücher, die Frische, die guten Ideen – wie zum Beispiel der Indiebookday oder die Hotlist der Independent-Verlage -, das Engagement – und überhaupt die gemeinsamen Themen. Zur Buchmesse ist mein Eindruck immer, dass gerade im Umfeld der Independent-Verlage das meiste los ist, die lebendigste und ansprechendste Stimmung herrscht. Hier zeigen sich der Enthusiasmus und die Liebe zur Literatur, zur „Arbeit am Buch“.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Eine Verlagsgründung ist nichts für Feiglinge! Überlegt vorher gut, ob Ihr den langen Atem mitbringt und auch finanzielles Durchhaltevermögen. Ob Ihr genug Zeit und Kraft aufbringen könnt, gerade wenn Ihr vielleicht noch in einem anderen Beruf arbeitet. Ob Ihr den nötigen Rückhalt in der Familie und bei Freunden habt und zur Not auch auf Mitstreiter zurückgreifen könnt (ganz wichtig!). Und natürlich solltet Ihr gründlich überlegen, was Euch wichtig ist, welches Konzept Ihr mit dem Verlag verfolgen wollt, was Ihr selbst an Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen könnt und ob das ausreicht. Scheut Euch nicht, Leute zu fragen, die das schon länger machen. – Und wenn Euch das alles keine Angst macht und Ihr sicher seid, dass es genau das ist, was Ihr machen wollt: dann nur zu – und viel Glück!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da fallen mir etliche Verlage ein. Meine Empfehlung für Gespräche: Axel Grube mit dem onomato Verlag in Düsseldorf, Andreas Heidtmann mit dem Poetenladen-Verlag in Leipzig, Helge Pfannenschmidt mit der Edition Azur in Dresden, Steffen Ille mit dem Verlag Ille & Riemer in Leipzig.

Ganz herzlichen Dank, Barbara Miklaw, für diesen Einblick.

Ich bedanke mich herzlich für die Möglichkeit, den Mirabilis Verlag hier vorstellen zu können. Und: Ich danke sehr meinen hervorragenden Autoren! Ohne Autoren kein Verlag. Lasst uns weiter gute Bücher machen …

____________________________________________________________________________________________________

Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

schriftzug mirabilis_

Verlagsseite: http://www.mirabilis-verlag.de/ (wird demnächst etwas klarer und moderner, ist schon in Arbeit), zu den jeweiligen Büchern finden sich auch Leseproben sowie Links zu Rezensionen

Der Verlag bei Facebook: https://www.facebook.com/MirabilisVerlag?ref=hl

Autorenblogs:

Rainer Rabowski: www.rainerrabowski.wordpress.com

Lothar Struck: www.begleitschreiben.net

Jost Renner: www.liebesenden.twoday.net

Info zu Dr. Vazrik Bazil: http://de.wikipedia.org/wiki/Vazrik_Bazil

Info zu Ingo Schramm: http://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Schramm

Info zu Dieter Sander

Homepage von Sebastian Rogler: http://www.sebastian-rogler.de/

 

Advertisements

Steglitz stellt Benjamin Stein mit „Turmsegler“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute präsentiert sich der Autor Benjamin Stein, der das Weblog Turmsegler seit 2006 pflegt. Vorgeschlagen hatte ihn Marius Fränzel, der sein Blog Bonaventura 2005 ins Leben rief.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren 1970 in der DDR. Ich bin selbständiger IT-Unternehmensberater und Autor. Begonnen habe ich als Teenager mit Lyrik und Kurzprosa. Der erste veröffentlichte Roman, „Das Alphabet des Juda Liva“, erschien 1995. Nach einer langen Schreibpause folgten 2008 „Ein anderes Blau. Prosa für 7 Stimmen“ (übrigens im Turmsegler in einer Blog-Version in parallelen RSS-Feeds vorveröffentlicht), 2010 der Roman „Die Leinwand“ und 2012 der Roman „Replay“, beide erschienen bei C.H.Beck. „Die Leinwand“ wurde unterdessen in mehrere Sprachen übersetzt. Die US-Ausgabe ist in diesen Tagen unter dem Titel „The Canvas“ erschienen. Für 2013 ist eine überarbeitete Neuausgabe des „Alphabet des Juda Liva“ als eBook bei C.H.Beck geplant.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Den Turmsegler gibt es seit November 2006. Unterdessen sind 1.350 Artikel dort veröffentlicht. Das Blog lief von Anfang an auf meinem eigenen Server unter WordPress, da es mir wichtig war, dass die Inhalte erhalten bleiben. Ich wollte mich nicht von einer Blog-Plattform abhängig machen, die irgendwann möglicherweise den Betrieb einstellt. Begonnen habe ich mit dem Bloggen nach einer über zehnjährigen Schreibpause, um mit täglichen Artikeln (das war die Maßgabe) wieder in eine Schreibroutine zu kommen. Die braucht es, um neben einem Hauptberuf auch wieder Bücher schreiben zu können. Das hat funktioniert.

Deine Themenschwerpunkte …

Benjamin Stein © Chris Janik / Bildquelle: Wikipedia

Es ging zunächst konsequent um die Kunst anderer, vornehmlich Literatur, aber auch Musik, Malerei und Fotografie. Der Turmsegler war eine öffentliche Erinnerungshilfe: Was hat meine künstlerische Sozialisation bestimmt, welche Autoren und andere Künstler waren bestimmend? Als ich dann 2008 mit der Arbeit an dem Roman „Die Leinwand“ begann, wurde der Turmsegler auch Werkstatt-Weblog. Ich habe von den Recherchereisen berichtet, Textauszüge veröffentlicht und die Leser am Prozess der Buchentstehung teilhaben lassen: Lektorat, Gestaltung, Korrekturen, Buchpremiere, Lesungen, Preisverleihungen. Den täglichen Rhythmus habe ich viele Jahre durchgehalten. Erst 2010, nachdem „Die Leinwand“ erschienen war, musste ich kürzer treten. Neben dem Hauptberuf, den Veranstaltungen und der Arbeit am nächsten Roman „Replay“ war immer weniger Zeit. Heute schreibe ich nur noch im Turmsegler, wenn mich ein Thema wirklich umtreibt oder es etwas Neues zu annoncieren gibt.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wenig. Ich verfolge die aktuellen Neuerscheinungen kaum. Gelegentlich reizt mich eine aktuelle Debatte zur Einmischung. Aber es waren und bleiben Entdeckungen aus allen Epochen und Ländern, die mich künstlerisch interessieren. Der Turmsegler ist keine Tageszeitung. Das Motto »Erinnern und Entdecken« gilt nach wie vor.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Unterdessen habe ich eine recht stabile Stammleserschaft. Man kann den Turmsegler per RSS und Mail abonnieren. Es gibt Hinweise auf neue Beiträge in Facebook und auf Twitter. Außerdem kann man die Beiträge auf litblogs.net lesen, einer Site, die Beiträge aus vielen interessanten Litblogs zusammenführt.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Sich über das Weblog zu definieren, also Identität daraus schöpfen zu wollen. Meine ich. Es geht nicht um Leserzahlen und Klick-Quoten, sondern allein um den Inhalt. Man kann sich fragen: Möchte ich diesen Beitrag irgendwann später nochmals lesen, wird er mir später noch wichtig sein? Dann lohnt es, ihn zu schreiben und ins Blog zu setzen. Und dann finden sich auch Leser. Wie viele das am Ende sind, ist unwichtig.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Hürden? Es zwingt uns doch niemand zum Bloggen. Man kann jederzeit aufhören. Dank der freien Blog-Plattformen ist der Einstieg kinderleicht. Dann kommt es nur noch darauf an, was das Blog eventuellen Lesern und einem selbst zu geben vermag. Ich habe allerdings auch nie mit dem Bloggen Geld verdienen wollen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Eine zeitlang hatte ich Gastkolumnen von befreundeten Schriftstellern. Sie haben über ihre prägenden Lektüreerlebnisse berichtet oder auch längere Strecken mit sehr spannenden eigenen Werken bestritten. Es gab im Blog regen Austausch über Kommentare oder auch Beiträge, die aufeinander Bezug nahmen. Das fand ich ungemein bereichernd und würde ich jederzeit wieder machen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich schreibe im Turmsegler prinzipiell nicht auf Wunsch. Wenn mich ein angebotenes Werk interessiert, will ich selbst entscheiden, wann ich es lese und ob ich dann darüber schreibe.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Seit etwa einem Jahr lese ich auf dem iPad und dem iPhone auch eBooks. „Krieg und Frieden“ beispielsweise hätte ich in Papierform wohl nie gelesen, weil ich solche Ziegelsteine nicht ständig mit mir herumtragen möchte. Allerdings ärgere ich mich permanent über die DRM-Praktiken bei eBooks. Wenn ich ein eBook kaufe, will ich es auch vollumfänglich nutzen dürfen – egal auf welchem meiner Geräte und in welchem Format. Es ist absurd, ein eBook zu besitzen, daraus aber nicht kopieren zu dürfen, sondern den Text abtippen zu müssen, wenn man etwas zitieren oder sich merken möchte.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

In all den Jahren habe ich Alban Nikolai Herbsts Die Dschungel. Anderswelt als das schwergewichtigste unter den deutschsprachigen Weblogs empfunden. Für ihn ist das Weblog zu einem integralen Bestandteil seines Werkes und seiner Poetik geworden. Man mag Herbst kaum noch ohne sein Weblog denken. Das Begleitschreiben von Lothar Struck hat sich zu einer sehr wichtigen, vom Mainstream-Feuilleton unabhängigen Plattform für fundierte Literaturkritik entwickelt. Damit dürfte er sich nicht nur Freunde gemacht haben, und seinen Erfahrungen würden mich in dieser Rubrik hier besonders interessieren.

Darüber hinaus muss man unbedingt auf litblogs.net hinweisen. Die Herausgeber dieses Zusammenschluss engagierter Litblogs, nämlich Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein, haben viel geleistet für das deutschsprachige Litblog, praktisch, theoretisch und poetologisch.

Eine feine Idee, meine ich auch, Lothar Struck alias Gregor Keuschnig zum Gespräch zu bitten. Danke sehr, Benjamin, dass du den Ball von Marius aufgegriffen hast, um uns von deinen Bloggererfahrungen wissen zu lassen.

________________________________________________________________________________________________________________________

Zuletzt präsentierte sich in der Gesprächsreihe Flatter Satz mit aus.gelesen. Als Gesprächspartnerin für SteglitzMind schlug er die Betreiberin von Atalantes Historien vor.