Steglitz stellt Elke Engelhardt mit „muetzenfalterin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der Vorschlag, etwas mehr über Elke Engelhardt aka die Mützenfalterin zu erfahren, unterbreitete Andreas Wolf, der Sichten und Ordnen pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Wenn ich keine Mützen falte, oder Besprechungen für Fixpoetry schreibe, laufe ich neuerdings gerne mit meiner Kamera durch die Gegend, um mich überraschen zu lassen, wie viel Schönheit selbst der hässlichste Ort noch bergen kann.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Fenster mit Aussicht ©  isla volante

Fenster mit Aussicht © isla volante

Ich blogge vermutlich seit der Schulzeit, nur dass es damals noch kein Internet gab, und das Bloggen auf kleinen Zetteln, die durch die Schulreihen wanderten, vor sich ging. Im Internet war Twoday meine erste Heimat, „Es war einmal“ der erste Blog, den ich betrieben habe, das war 2008 und 2010 bin ich dann in das „Zeitnetz“ umgezogen, um dort meine Miniaturen zu spinnen. Beide Blogs hatten relativ klare Konzepte, einmal die Lyrik, das andere Mal Miniaturen, die einen ganz bestimmten Ton hatten, auf die Dauer, und da streife ich die Schwierigkeiten, Hürden und Fehler, die mir beim Bloggen widerfahren sind, hat mich das eingeengt und mehr Stress als Lust verursacht. Darum habe ich 2011 die Plattform gewechselt, und bin mit dem Mützenfalterin Blog zu WordPress gezogen. WordPress hat für mich zwei klare Vorteile, die Anwendung ist übersichtlich und einfach, und die Speicherkapazität um einiges größer als bei Twoday.

Deine Themenschwerpunkte …

Der Mützenfalterin Blog war von Anfang an so angelegt, dass alles, was mich beschäftigt, was mir mitteilenswert erschien, seinen Platz haben sollte, Kunst, Literatur, Fotos, Bilder, eigene Texte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Je näher ich den „Literaturbetrieb“ kennen lerne, desto mehr habe ich das Gefühl, dass Literatur, wie ich sie verstehe und liebe, etwas grundsätzlich anderes ist, als die Dinge, die dort verhandelt werden. Das fängt an bei durch die Bank euphorischen Besprechungen von zutiefst mittelmäßigen Büchern in den großen Feuilletons und setzt sich fort in den Bachmann Tagen, die mit Ausnahme des letzten Jahres, als die großartige Olga Martynova dabei gewesen ist, seit Jahren in Mittelmäßigkeit versumpfen, während mutige kleine Verlage, die auf Qualität setzen, kaum wahrgenommen werden.

Wahrnehmung ist überhaupt so eine Sache, ich mache meine Beiträge nur sehr sporadisch auf Facebook bekannt, weil es mir im Grunde genommen (auch das war ein langer Lernprozess) weniger um die Quantität der Zugriffe geht, als vielmehr darum, zum Beispiel so einen schönen Satz wie den von Andreas Wolf zu lesen, als er die Staffel hier an mich weitergereicht hat.

Dein schönstes Erlebnis beim Bloggen…

Bloggen verändert das Schreiben, verändert auch die Wahrnehmung des eigenen Schreibens, wobei mir die Lobhudelei manchmal nicht gut tut, aber es sollte jetzt um das schönste Erlebnis gehen. DAS schönste Erlebnis kann ich nicht benennen, aber einige sehr schöne. Zum Beispiel die wunderbare Zusammenarbeit mit den Bildermachern der isla volante, die seit Ende letzten Jahres, Woche für Woche ihre Fortsetzung findet, und kürzlich vom Inselpreis gekrönt wurde, aber auch die Tatsache, dass ich den einen oder die andere Bloggerin mittlerweile persönlich kennen lernen durfte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Mir ist es tatsächlich erst zweimal passiert, dass Autoren mir Rezensionsexemplare angeboten haben, das war eine nicht angenehme, aber meinen Horizont erweiternde,  Erfahrung. Ich bespreche ja nicht nur Bücher, sondern schreibe auch selbst, so dass ich mit meinen Texten bei Literaturzeitschriften oder Verlagen schon so manches Mal in der Lage des Anbieters gewesen bin, mit den Angeboten hatte ich auf einmal die Seiten gewechselt und konnte selbst erfahren, was für ein ambivalentes Gefühl es ist, das Werk von jemanden, der seine Energie und sein Herzblut hinein gesteckt hat, abzulehnen. Da ich das große Glück habe für Fixpoetry rezensieren zu dürfen, nehme ich generell keine persönlich an mich herangetragenen Angebote an, wenn mich ein Buch neugierig macht, bestelle ich es lieber auf dem neutralen Weg über Julietta Fix, zu viel Nähe zum Autor würde mein Urteilsvermögen über die ohnehin gegebene subjektive Beschränkung hinaus, beeinflussen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Self Publishing ist nichts was für mich in Frage kommt. Auch wenn der Literaturbetrieb sicher nicht so funktioniert, wie ich mir das wünschen würde, denke ich doch, dass eine professionelle Vorauswahl notwendig und gut ist, damit der Markt nicht vollends überschwemmt wird. Bestimmt bleibt dabei die eine oder andere literarische Perle unentdeckt, aber ich habe weder die Zeit noch die Kraft, mich auf die Suche nach solchen Perlen zu machen.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Was das E-Book angeht, bin ich bekennende Nostalgikerin, ich mag es, wenn meine Tasche schwer ist, weil gewichtige Bücher darin liegen, ich mag meine überfüllten Regale und die Bücherstapel auf dem Boden und ich lese die großen unhandlichen Zeitungen nach wie vor auf Papier.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele sehr lesenswerte Blogs sind bereits vorgestellt worden, um so mehr freue ich mich, doch noch den einen oder anderen bisher unerwähnten Blog hinzufügen zu können. Als da wären: das zehn zeilen-Projekt der Piratin Sudabeh Mohafez, Ralph Pordziks „unmoralisches Angebot“, Pagophilas Cool Pains, die nicht müde wird, den Lesern immer wieder etwas Schönes zu zeigen, Jan Kuhlbrodts Postkultur und die Frau, von der ich gerne demnächst ein Kurz Interview in dieser Reihe lesen würde, die unvergleichliche Réka Kinces mit ihrem Blog Hausdrachen.

Danke, Elke, ich freue mich sehr, dass du dabei bist. – BTW: Das 65. Gespräch innerhalb dieser Reihe…

Danke für die Einladung, es hat mir großen Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten und noch mehr, die Staffel weiterzureichen. Das Foto mag ich übrigens sehr, weil darauf mein Fenster endlich die ersehnte Aussicht bereithält… Zusammengestellt haben es die Bildermacher von der isla volante.

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Zuletzt stellte sich Andreas Wolf mit Sichten und Ordnen vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin war – eben Elke Engelhardt aka die Mützenfalterin. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt den „Buecherblogger“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Die Empfehlung, dass wir den Buecherblogger hier etwas näher kennen lernen sollten, stammt von Gregor Keuschnig, der für das Begleitschreiben verantwortlich ist.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Schon seit Jugendjahren beschäftige ich mich intensiv mit Literatur. Als Brotberuf war ich 30 Jahre lang Bibliothekssekretär. Ein Studium der Germanistik und Anglistik habe ich damals aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

man zeigt Bein … © Der Buecherblogger

Ich blogge seit September 2009, zuerst auf „Windows Live Spaces“ und nachdem Microsoft diese Plattform eingestellt hatte, habe ich meinen Blog ab Mitte 2010 nach WordPress.com transferiert, wo es mir ganz gut gefällt.
Warum? Ebenfalls ein gesundheitlicher Grund, eine überstandene Lebertransplantation hat mich daran erinnert, mein Lesen und Schreiben einerseits als Verarbeitung und andererseits unter dem Aspekt des Teilens und der Kommunikation seitdem in der Form eines Literaturblogs zu betreiben.
Es ist mir wichtig, nicht nur andere Bücher zu rezensieren, sondern auch kurze eigene Erzählungen und Gedichte zu veröffentlichen, die etwas von meiner Befindlichkeit durchblicken lassen. Meine bisherige Prosa ist stark autobiographisch geprägt.

Deine Themenschwerpunkte …

Eindeutig belletristische Literatur mit dem Schwerpunkt Romane, aber auch vereinzelt Beiträge zu Musik und Spielfilmen oder auch zu Kunstausstellungen und Gemälden.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Szene und Betrieb sind für mich keine positiv besetzten Begriffe. Abgesehen vom ganzen literarischen Universum interessiert mich eigentlich ganz egozentrisch nur das, was ich gerade lese und mein Interesse zu wecken versteht.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich tauche in den Blogrolls anderer Literaturblogs auf, also in erster Linie durch eine Art virtuellen Flurfunk. Auf Facebook landen Verweise zu meinen Beiträgen, was aber kaum von Belang ist. Ansonsten wird man ja im Netz am besten durch Skandale oder das, was man dafür hält, bekannt.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Seine Identität komplett fingieren. Pseudonyme und Nicknames sind ok, Alter und Geschlecht nur vortäuschen nicht. Das Recht auf Anonymität kann auch zum Fluch werden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Man muss lernen, gegen das Gefühl der Vergeblichkeit anzuschreiben und sich nicht abhängig von der Zahl der Zugriffe oder dem Zwang zur laufenden Veröffentlichung zu machen. Von der Gier nach Anerkennung sollte man sich zugunsten der eigenen Souveränität befreien.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Meine Erfahrungen beim Bloggen sind zwiespältig. Intensiver engagiert und mit Gewinn was Besprechungen und Kommentare betrifft, habe ich mich in der Vergangenheit bei zwei Literaturblogs: www.wilde-leser.de, der sich mit Roberto Bolaños Werk beschäftigte und dem Literaturblog Aleatorik. Bei beiden fallen Licht und Schatten zusammen. Mit den wilden Lesern habe ich mich am Schluss sehr gestritten, auch persönlich verletzend, die Zusammenarbeit insgesamt war aber eine gute Erfahrung.

Mit der „Autorin“ des zweiten Blogs glaubte ich eine freundschaftliche Beziehung zu unterhalten, bis sich herausstellte, dass das komplette Weblog lediglich von einer Art weiblicher Kunstfigur betrieben wird, mit dem Ziel, letztlich das Buch eines männlichen Autors zu promoten. Für ein Buch lasse ich den poststrukturalistischen Ansatz vom Tod des Autors und der Text spräche nur für sich noch gelten, nicht aber für ein Weblog und dessen Betreiber, mit dem man direkt kommuniziert. Das Buch ist eine Sache, das Weblog mit seinen Kommentaren empfand ich als grobe Täuschung.

Das schönste Erlebnis allerdings sind die immer wieder auftauchenden, ermunternden Kommentare gewesen, vor allem zu meiner Reihe „Literarische Begegnungen“, sowie einige andere virtuelle Bekanntschaften.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das kam bisher eher selten vor und wenn ergab es sich aus Beziehungen zu anderen Bloggern und Reaktionen auf meine Besprechungen. Einige Rezensionsexemplare bekam ich von dem kulturmaschinen-Verlag, von Guido Rohm, dem Du-Magazin und kürzlich vom dtv-Verlag Janet Frame´s: Dem nächsten Sommer entgegen. Üblicherweise suche ich mir selbst aus, was ich lese und zu welchem Buch ich etwas schreibe. Mein Blog ist nicht kommerziell und meine Meinung nicht käuflich.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

In der Regel stehe ich Selbstverlegtem, egal ob Print oder E-paper, was die Qualität betrifft, ziemlich skeptisch gegenüber. Das beträfe auch ein eigenes Werk. Allerdings ist der überwiegende Teil des Verlegten oft auch nicht besser und bloß marktgerecht herausgeputzt. Ich würde mich also nur damit befassen, wenn es mich vom Sprachniveau her anspricht und keinen allzu esoterischen Charakter hat. Sonst reagiere ich einfach nicht und eine dementsprechende Email landet als Werbung im elektronischen Papierkorb.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich wünsche mir, dass das elektronische Publizieren und der herkömmliche Buchdruck sich gegenseitig befruchten und nicht ausschließen. Ein Medium ändert zwar auch die Kommunikationsformen, ist aber dennoch immer nur Transportmittel, eine Oberfläche, unter der es Gedanken und Träume zu entdecken gibt. Ich benutze bisher nur „Kindle für PC“. Generell steckt in Oberflächen leider auch viel Markt und Konsum.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wegen des Ungleichgewichts, das du in deinem ersten Resümee zur Gesprächsreihe konstatiertest, nur Frauen: Nämlich Gleisbauarbeiten…wi[e]der[W]orte…in|ad|ae|qu|atmuetzenfalterin und Tainted Talents. – Hier auch „zu Wort kommen“ sollte die auf immer hohem Niveau bloggende „Gleisbauarbeiterin“.

Danke sehr! Auch dafür, dass ein Blogger hier Bein zeigt …

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Zuletzt stelle sich Caterina mit SchöneSeiten vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Urheberin von Syn-aesthetisch. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier