Steglitz stellt Miss TT mit „Tainted Talents“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Tainted Talents ist ein Blog unter jenen Zehn, die im bisherigen Verlauf der Gesprächsreihe zwar mehrfach Lob auf sich vereinen konnten, aber noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich vorzustellen. Anlässlich der 50. Folge von „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ habe ich diese Bloggerinnen und Blogger eingeladen, hier mitzutun. – Ich freue mich sehr, dass sich Miss TT heute vorstellt und sage für ihren Beitrag nebst Zeichnungen: danke sehr, danke vielmals …

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Miss TT ist konziliant, bequemlichkeitsheischend und offen vergrübelt. Sie zeichnet oft kleine Tiere und Pikantes, meistens in Tusche, und nur, wenn etwas weder Tier noch pikant ist, verwendet sie Buchstaben. Deswegen gibt es Tage, an denen kein Text entsteht, weil, in diese beiden Kategorien lässt sich doch sehr vieles fassen.

Sie lehrt auch. Ihre Schreibworkshops sind berüchtigt, werden aber dennoch (oder gerade deswegen) seit Jahren immer wieder von Sinnstiftungen gebucht, vermutlich, um welchen zu.

Im Übrigen schätzt sie Klammern, den Einzelgang und Tainted Talents, ihr virtuelles Ateliertagebuch. Auftritte nur, wenn sie dafür bezahlt wird. Hat gehörig Respekt vor Verausgabung, meidet Live-Acts mit Kommunikationsjunkies, liebt Botenstofftrips, lebt dünnhäutig, verschwenderisch, stemmt Hanteln, umgibt sich mit Menschen, die gute Geräusche erfinden, schreibt auf Zettel. Am liebsten allein, manchmal mit Spezialisten. Gute Menschenkenntnis, von der niemand etwas hat, weil sie sich am liebsten vergräbt.

Wird nie unterschätzt, außer von sich selbst, von Selbst dafür aber ständig.

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Sie „bloggt“ nicht.

Stattdessen führt sie dieses Ateliertagebuch, irgendwer muss es ja tun, denn, man erfährt selten etwas von Künstler:innen, außer dem, was diese für blickdicht und imagefördernd halten. Solcherlei Masquerade läge Miss TT (natürlich) völlig fern, zumal sie fest glaubt, dass Schöpferische der Kür verpflichtet sind, sich mit der Welt zu vermischen. Da sie selbst starke Marktallergien pflegt, liegt es nur nah, diese Vermischung im Netz herbeizuführen: sie ist nicht vor Ort, sondern selbst einer. Auf TT versucht sie sich in durchaus zärtlich bebilderten Ablenkungsmanövern, geschnitzten Deckelchen für die Wucht des Tatsächlichen.

Tatsache ist, eine Weile geht so etwas gut. Doch irgendwann wird diese fehlende Übereinstimmung zwischen Selbstwahrnehmung und Außendarstellung zur Relativierungsfalle. Fällt sie in eine solche, wird sie mitunter, ohne Vorwarnung, verdammt deutlich.

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

 „ – Themen?“

Kunstschaffen, Körper, Tiere. Hürden. Aufladungen. Trainingseinheiten, phy- und psychisch. Schreiben als Sprechersatz. Der weibliche Blick. Initiationsprozesse: ge- und misslingende. Anfänge. Settings. Handlungsanweisungen. Poetisierungen. Selbstbilder und Rollenspiele mit Einladungscharakter. Exzentrik und Akzente. (Wann kam eigentlich das Wort „freischaffend“ aus der Mode?)

Ihre eigenen Romane „Fat Mountain Scenes“ und „Fettberg“ gehören, obwohl ordentlich verlegt, weder Szenen noch Betrieben an. (Stattdessen ist, zum Beispiel, „Fettberg“ seit 2013 Schullektüre an einer hessischen Oberstufe. Ha! Ansonsten sind ihr Szenen schnuppe.)

Miss TT bevorzugt szeneunabhängige Minds und findet diese mehr auf benachbarten Netzrepräsentanzen als auf der Straße. Ist troy, lässt sich aber häufig verführen, vorzugsweise von Hochbegabten, Spinnern und Exzentrikern beiderlei Geschlechts. Um bei den weiblichen zu bleiben: Sie mag die spleenige >>> Sabine Scho, die merkwürdig assoziierende >>> Aimee Bender und den wütend präzisen Blick der >>> Melusine B. Sie mag n i c h t: Lagerbildung. Den Disput um die vermeintliche Nichtqualität von Netzliteratur, der meistens nur davon zeugt, wie stark die Kamele inzwischen überhand genommen haben, die durch kein Öhr mehr wollen.

© Tainted Talents

„auf das Scheiß Öhr“ © Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Sie lässt regelmäßig von sich hören und sehen, würdigt Kommentare, spricht darüber, gerne auch mit ihren Seminarteilnehmer:innen, um diese locker zu machen. Ansonsten läuft es ähnlich wie im Offline: regelmäßig kommentierende Stammgäste (die mit der Zeit nicht selten zu Komplizen werden), dazu die Mehrheit schweigender Mitleser:innen, die nur das Wort ergreifen, wenn sie sich thematisch angesprochen fühlen. Blogroll? Keine. Miss TT stellt sich immer vor, wie enttäuschend es für diejenigen sein muss, die ihren Blog dort nicht wiederfinden. Tainted Talents hat sich über gezielte Erwähnungen von Mitblogger:innen verbreitet; einen höheren Bekanntheitsgrad würden weder Miss TT noch ihre übrigen Persönlichkeitsfacetten sonderlich gut aushalten.

© Tainted Talents

„Die guten Stimmen kommen immer nur aus dem Off“ © Tainted Talents / Phyllis Kiehl

„- Tabus?“

Nichts sollte er sein lassen, der Blogger, und die Bloggerin schon gar nicht! Wer, wenn nicht unsereins, ist denn noch einigermaßen unchained? Miss TT plädiert für Aufladungen. (Ohne das selbst konstant gewährleisten zu können.)

© Tainted Talents

„solange sich das Ei nicht vom Arschloch löst, hilft alles Brüten nicht“ © Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Es gibt keine Hürden beim Bloggen, die nicht alle anderen Selbstdenker:innen auch nehmen müssten: eigenwillige Formen finden, Kontinuität, individuelles Stehvermögen entwickeln, nichts allzu persönlich nehmen, was an Reaktionen zurückkommt. Vieles ist Projektion; auch die ausgewiesen authentischen Blogs werden von Gästen immer (und mit Recht!) zugunsten eigener Prozesse, Sehnsüchte und Befindlichkeiten instrumentalisiert – mitsamt der Person, die dahinter steht. Wer das weiß und gerade um seiner seltsamen, oft sehr positiven Energieübertragungen willen schätzt, kann sich der Öffentlichkeit getrost stellen. Nebenwirkungen, wie überall, nicht ausgeschlossen.

Das Schönste sind die schnellen Reaktionen der Anderen. Gleich gültig, ob positiv oder ablehnend: die Unmittelbarkeit. Ihre großartige Unvollständigkeit, das Fiebrige daran. Mit so vielen Variablen immer wieder neue Situationen zu bauen, Initiatorin zu sein.

Rezensionsexemplare bietet bislang niemand an, weil ich nicht rezensiere, das können andere besser. (Glaubt Miss TT. Ich selbst würde mir das durchaus zutrauen, habe aber, anders als sie, ein Unschärfeproblem. Das gilt ebenso für Titel, die mir von Self-Publishern angeboten würden.)

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

Meine Mutter liebt E-Books, weil ihr Haus von Papierbüchern bereits überquillt und sie auf ihrem Reader die Schrift groß stellen kann; das reicht mir zunächst als E-xistenzberechtigung. Schade nur, dass das voyeuristische Element dabei verloren geht: Miss TT und ich gucken immer zuerst ins Bücherregal, wenn wir eine fremde Wohnung betreten.

Einige Empfehlungen zum Schluss: Viele unserer Inspirationsblogs haben wir bereits bei SteglitzMind erwähnt gefunden. Der Neugier, die bibliophile Grenzen überschreitet, seien folgende weitere ans Herz gelegt: Norbert W. Schlinkert mit seinen Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen. (Der meines Erachtens auch als weiterer Gesprächspartner geeignet wäre, weil er so gut schwadronieren kann.) Außerdem: Die zarte Iris mit ihren Blütenblättern, der Dichter Helmut Schulze mit Parallalie, die unverwechselbare Sophia Mandelbaum mit  Ze Zurrealism itzelf und der Insulaner Rittiner Gomez mit seinem Logbuch Isla Volante.

So. Habe fertig.

© Tainted Talents

© Tainted Talents / Phyllis Kiehl

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Zuletzt stellte sich Bianka Boyke mit jungesbuch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerinnen waren Evelyn mit Dreaming till Midnight und Filo mit Filos Bücheruniversum. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz fragt bei Jost Renner nach

„Ich bin Autor und will es in diesem Teilbereich meines Lebens auch ausschließlich sein“

Viele Worte brauche ich über ihn wohl nicht zu verlieren. Die Bibliophilen unter uns dürften ihn als Blogger, von Twitter (derzeit unter Amfortas) her kennen oder LiebesEnden und seinem Profil bei Facebook folgen: Jost Renner: belesen, emphatisch sympathisch … In diesen Tagen erschien beim Mirabilis Verlag sein Gedichtband „LiebesEnden“. Anlass genug, wie ich meine, Jost dazu und zu anderem zu befragen.

Gratuliere, Jost! Dein erstes gedrucktes Buch und noch dazu bei einem „richtigen“ Verlag. Wie fühlt sich das an?

Ich danke Dir. Es fühlt sich gut an, sehr gut, als ob ein Ziel im Leben nun erreicht sei, eine Wegmarke, an der sich möglicherweise weitere Türen öffnen und neue Wege finden.

Leichtes Spiel haben jene ja nicht, die einen Verlag suchen. Und noch dazu für Lyrik! Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

© Jost Renner

© Jost Renner

Ich selbst habe niemals aktiv nach einem Verlag gesucht, zunächst nicht einmal daran gedacht, dass meine Texte überhaupt – über das bescheidene Medium des Blogs hinaus – veröffentlichungswürdig seien. Die Hinweise kamen nach und nach von anderen, Schreibenden, einer Lektorin, also Leuten, die beruflich oder doch aktiv nebenberuflich mit der Materie befasst waren. Ernstnehmen konnte ich das zunächst nicht, denn ich bin einigermaßen belesen und neige gerade daher zu Vergleichen. Meine Selbstzweifel tun ein Übriges. Ein Freund machte einen Verlag auf mich aufmerksam und drängte mich, den Kontakt dann auch zu suchen. Was ich tat. Der Verleger, ein sehr freundlicher und engagierter Mann, selbst Lyriker, schien zunächst recht angetan, seine Lektoratsvorschläge waren allerdings derart tiefgreifend, dass ich meinte, er wolle meine Gedichte selbst und anders schreiben. Der Kontakt brach ab, zwangsläufig, weil solcherart Eingriffe, die auch Inhalte und den Sinn verändert hätten, für mich nicht akzeptabel waren. Damit beurteile ich nicht die eventuelle Berechtigung und die damit für mich einhergehende Bewertung meiner Texte durch den Verleger.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Mirabilis Verlag?

Meine Verlegerin war über die ganze Zeit – und ist es noch – meine Blognachbarin, sodass wir unsere Blogs gegenseitig regelmäßig lasen und kommentierten. Zu Beginn meines Gedichtblogs LiebesEnden war sie allerdings noch nicht Verlegerin. Und ich erfuhr zudem erst nach Abschluss des Vertrages, dass wir uns über Jahre kannten. Ein persönlicherer Kontakt entstand zunächst über Facebook, wo sie wohl auch über die Reaktionen meiner Freunde / Leser mehr erfuhr, ebenso wie um meinen Umgang mit dem Selbstmarketing. Ein Verlag, wie klein er auch sei, ist ein Wirtschaftsunternehmen, oft eines mit Herzblut aufgebautes, das sich aber dennoch finanzieren muss. Ich gehe davon aus, dass der Zuspruch für meine Texte neben der Qualität und dem persönlichen Gefallen den Ausschlag gab, das Risiko einzugehen.

Für deine Publikation konntest du aus dem Vollen schöpfen. Schließlich veröffentlichst du auf deinem Lyrik-Blog LiebesEnden seit nahezu drei Jahren regelmäßig Gedichte. Ist dir die Auswahl schwer gefallen? Welche Kriterien spielten dabei eine Rolle?

Es waren zum Zeitpunkt der Auswahl etwa 300 Texte vorhanden. Es war meine Rolle, zunächst 30 Gedichte vorzuschlagen, von denen ursprünglich nur 10 oder 12 hätten veröffentlicht werden sollen. Ich habe mich bemüht, in der Auswahl einen kleinen Ausschnitt meiner Themen (Himmel, Liebe, Melancholie) zu berücksichtigen, und mich des Weiteren eher an Qualität, Klang orientiert. Nur wenig Frühes ist dadurch eingeflossen, da die ersten Texte eher kommunikativ, therapeutisch und sicherlich selbstbemitleidend waren. Die aktuelleren Texte weisen meiner Meinung nach einen größeren Gestaltungswillen, ein Ringen um die Form und eine Tendenz zum Allgemeingültigeren auf, was allerdings nicht heißen soll, sie seien perfekt oder gar nobelpreisverdächtig.

Hat deine Verlegerin bei der Auswahl ein Wörtchen mitgeredet?

Natürlich hat meine Verlegerin Barbara Miklaw bei der Auswahl mitgeredet. Zum einen ist sie gleichzeitig meine Lektorin, zum anderen trägt eben sie auch das wirtschaftliche Risiko. Wir verstehen uns allerdings gut, und letztlich lehnte sie zwei meiner eher arg finsteren Texte ab, da sie mit ihnen nicht einverstanden sein konnte. Ich bedaure dies zwar, denn auch dies ist eine Seite meines Schaffens, die ihre Berechtigung hat. Andererseits konnte ich mich auch wiederum nicht beschweren, wurden dann doch alle 28 verbleibenden Texte – statt nur ursprünglich geplanter 10 – 12 – in das Büchlein aufgenommen.

Wie kam es zur Covergestaltung?

Sehr dankbar bin ich dafür Blog-Freundin, Autorin und Grafikerin Phyllis Kiehl, dass sie mir schon für mein Blog das Titelbild zeichnete und es auch für die Buchausgabe zur Verfügung stellte.

Was sollte ein Jung-Autor bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag besonders beachten?

Als jemand, der durch einen Gutteil Glück in einem Verlag gelandet ist, tu ich mich ein wenig schwer, da Ratschläge zu geben. Grundsätzlich gilt natürlich: Du unterschreibst einen Vertrag! Dann lies ihn Dir vor dem Unterzeichnen genau durch. Dies ist im Falle eines Vertragsverhältnisses mit einem Verlag ebenso wichtig wie in dem etwa mit Facebook, und ich hoffe, bei einem Verlagsvertrag wird diese Regel etwas stringenter befolgt. Ein Vertrag, der dem Muster etwa des VS entspricht oder sich nahe daran anlehnt, sollte in der Regel unproblematisch sein. Dinge, mit denen ich mich noch näher beschäftigen muss, hängen zudem daran: Autorenhonorare sind Einkommen, somit steuer(erklärungs) – und sozialabgabenpflichtig. Und das obliegt dem Autor. Selfpublisher dürfen sich vermutlich auch mit Gewerbe und Gewerbesteuern auseinandersetzen. Dies alles will erkundet werden.

Und auf zwischenmenschlicher Ebene?

Ich denke, es ist zunächst wichtig, sich menschlich zu beschnuppern und zu sondieren, ob man auf der menschlichen Ebene und mindestens auf neutral-sachlicher Ebene miteinander klarkommt und kommunizieren kann. Dass der Verleger oder Lektor ein grundsätzliches Interesse am Text bzw. der Arbeit des Autors hat, wäre schon hilfreich. Kommunikation ist immer alles, das heißt, reden, reden und nochmals reden. In der Regel sind Verleger und Lektoren nicht der Feind eines Autors, auch wenn ab und an eine Eitelkeit gekränkt oder gar Grenzen überschritten werden. Grenzen sollte es auch für Autoren geben, unbedingt, aber eben auch Verhandlungsbereitschaft, Auseinandersetzungsfähigkeit unter Verwendung guter Argumente.  Nicht jeder Kompromiss ist ein schlechter.

Was rätst du Nachwuchsautoren generell?

© GvP

das Debüt-Gedichtbändchen © GvP

Schon wieder das mit dem Radschlagen … Ich kann mich allenfalls – und das höchst subjektiv – auf den Bereich Lyrik beschränken, da von mir Prosawerke eher nicht zu erwarten sind. Daraus könnte man vielleicht ableiten: 1. teste und erkunde, welche Art der Literatur Dir liegt. Das tut man durch Schreiben. 2. Übe Dich in genau dem Dir passend erscheinenden Bereich; Aussagen und Inhalte werden auf Dauer vielleicht von selbst einen Formenwechsel nahelegen. Als „Dichterling“ glaube ich nicht wirklich an so etwas wie eine genialische Idee, denke aber, es gibt regelmäßig Themen, Worte, Zitate, Beobachtungen, Empfindungen, die einen quasi anspringen und auf eine Umsetzung durch Kunst, also das Schreiben warten. Eine emotionale Unbeteiligtheit eines Lyrikers kann ich mir nicht vorstellen, das mag allerdings an meiner eigenen Entwicklung liegen. Dennoch folgen hier weitere unverbindliche Gedanken:

1. Lies, lies so viel als möglich, bewege Dich in einem anspruchsvollen Niveau. 1.a. In der Literatur ist der Wortschatz ein wichtiges Gut. Er muss groß und korrekt angewendet sein, ähnliches gilt natürlich auch für Grammatik und Orthographie. 2. Lebe! Ohne Konfrontation mit einem Thema, einer Emotion, ohne Menschen – und Selbstbeobachtung, ohne lebendige Auseinandersetzung bleibt auch das Geschriebene blutleer. 3. Denke! Die Idee mag einer Emotion entsprungen sein, die Umsetzung aber ist (Gedanken-)Arbeit, denn die Aufgabe eines Gedichtes ist es nicht, das Empfinden wiederzugeben, nachzuerzählen, sondern es auf den Leser zu übertragen, bzw. für ihn nicht nur nachvollziehbar, sondern nacherlebbar zu machen. Dazu bedarf es tragender und stimmiger Bilder, es bedarf der Form, des Klangs, also der Sprache. 4. Schreibe! Finde Deine eigene Sprache, sei sie schlicht, symbolisch oder gar hermetisch. Sie muss Deine sein und wiedererkennbar. Ich empfinde es als eine Todsünde, Sätze wider alle Regeln hinzukneten, bis sie passen, um nur der allgemeinen Vorstellung eines Gedichtes nahezukommen. Und auch Sprache, Wörter sollten präzise gewählt sein, und mindestens dem Autor sollte klar sein, warum welches Wort im Text erscheint.

Auch dein Lyrik-Band wird sich vermutlich nicht von selbst verkaufen. Was unternimmt dein Verlag dafür?

Nicht? Ich bin enttäuscht. 😉 Mein Verlag wird auf der Buchmesse in Leipzig einen Stand haben. Es sind Lesungen in Planung. Meine Verlegerin hat Ansprechpartner im stationären Buchhandel und bewegt sich – wie ich selbst – in den sozialen Netzwerken. Zudem gibt es eine Verlags-Homepage, Kontakte zu Bloggern und anderen Autoren. Einzelheiten, selbst wenn sie mir bekannt wären oder sind, gäbe ich allerdings ungern preis.

Und was tust du für dein Buch-Marketing?

Wenn ich behauptete: nichts, wäre es eine Lüge. Ich habe kurz vor Erscheinen deutlich und auf allen mir zur Verfügung stehenden Kanälen auf die Veröffentlichung hingewiesen und dies bei Erscheinen wiederholt. Dies wurde im Facebook-Freundeskreis und bei den Fans meiner für das Blog eingerichteten Seite freudig begrüßt und freiwillig oft geteilt. Ähnlich lief es bei Twitter. Und beides macht mich sehr glücklich, denn es scheint, menschliches Miteinander, die Vertrautheit mit meinen Texten und das Gefallen daran, vielleicht auch eine objektive Qualität meiner Gedichte, erleichtern vieles. Inzwischen kommen die ersten Rückmeldungen von Bestellern herein, die wiederum selbst Aufmerksamkeit auf das Büchlein lenken.

Wie weiter?

Was folgt, werde ich sehen. Den ein oder anderen Hinweis werde ich schon einstreuen müssen, Wegmarken wie eine zweite Auflage (ach, Hoffnung!) oder das Überschreiten der Tausender- oder Zehntausender-Marke (oh, Illusion, Du Trügerische!) würde ich natürlich lauthals und ehrlich hocherfreut verkünden, Auflagenhöhe oder Verkaufszahlen gehen allenfalls die Verlegerin, mich und das Finanzamt was an. Lesungen gebe ich selbstverständlich bekannt. Ich denke, ich werde im Großen und Ganzen das tun, was ich auch bisher tat : eine interessante und menschliche Präsenz in den sozialen Netzwerken zeigen und dort kommunizieren – und zwar auf Augenhöhe mit meine Lesern – und als bestes Marketing überhaupt mich bemühen, weiterhin gute Texte zu schreiben und in mein Blog zu stellen.

Mir ist bekannt, dass du Publikationen von Selfpublishern recht kritisch, wenn nicht sogar skeptisch gegenüberstehst …

Erstens habe ich starke Vorbehalte gegen das Selfpublishing, weil für mich ganz grundsätzlich Kunst (jeder Art) nichts demokratisches ist, weder in der Schaffung noch in der Rezeption. Selfpublishing aber wird zu 90 Prozent zwangsläufig genau diese Tendenz verfolgen müssen. Jeder darf, also kann auch jeder. Daraus folgt zum einen eine Überflutung generell, eine mit Minderqualitäten im Speziellen, die dann auch noch die wirklich Guten, die es auch im Selfpublishing-Segment gibt, untergehen lässt. Und gut heißt eben nicht oder sogar nur selten bei Jungautoren gut verkäuflich. Im Gegenteil. Verlage, die Müll produzieren oder mir nicht Entsprechendes, kann ich komplett ausblenden. Beim Selfpublishing gibt es eine unregulierte Flut zum Teil unlektorierter oder unbedarft lektorierter Texte, die ich schlicht weder sichten kann, noch will. Also lasse ich die Finger davon.

Für dich persönlich ist Selfpublishing demnach keine Option?

Das korrespondiert mit meiner eigenen Eignung für das Selfpublishing: 1. bin ich Autor und will es in diesem Teilbereich meines Lebens auch ausschließlich sein. Wie jeder Jungautor könnte ich vom ersten, dem ersten Buch vermutlich nicht leben, den Weg aber eines Unternehmers mit letztendlich demselben Ergebnis will und kann ich nicht gehen. Wäre ich auf Einnahmen angewiesen, wie es ja die Regel ist, blieben Lesungen, journalistische Arbeiten und Stipendien oder Preise, die Mühen in der Ebene, halt. Zudem bin ich eher selbstzweiflerisch und habe Mühe, mir die Qualität meines Tuns bewusst zu machen. Es bedarf für mich dann schon einer Person, die mich bestärkt, an Schwächen im Text mit mir – kooperativ – arbeitet, was meine Verlegerin Barbara Miklaw ja bereitwillig und sehr angenehm tat.

Arbeit im Team ginge als Selfpublisher auch, aber gut … Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben werden. Wie schätzt du die weitere Entwicklung ein?

Das kann für die Verlage ein Problem werden, zumindest im jeweiligen nationalen Bereich. Das heißt, die USA werden die Verwerfungen im Verlagswesen vermutlich härter treffen als etwa Deutschland. Denn im anglo-amerikanischen Raum sind Übersetzungen deutlich weniger präsent als im deutschen, wobei ich auch in den USA eine Zunahme von übersetzten Titeln wahrzunehmen scheine. Das digitale Selfpublishing ist national gut machbar, verschiedene Übersetzungen zu arrangieren, zu bezahlen und auf die Länder zu verteilen wird umständlich. Vermutlich können da die Verlage punkten, vielleicht auch ein neues Geschäftsfeld entwickeln. Rein marktwirtschaftlich überlegt müsste es bedeuten, wandert die Nachfrage des Autoren nach einem Verlag ab, müssen die Verlage sehen, ihr Angebot zu verbessern und dem Autor wieder schmackhaft zu machen. Ob dies die großen Konzernverlage können und wollen, scheint mir fraglich, und hier vermute ich auch die Wurzel vieler unguter Entwicklungen.

Und der Buchhandel?

Den stationären Buchhandel wird es in jedem Falle härter treffen, denn er wird von vielen Seiten attackiert – von Amazon über E-books über Flächenmieten und steigender Abgabenlast bei stagnierenden oder zurückgehenden Reallöhnen der Kunden. Ich habe zudem bislang kein belastbares Konzept gefunden, wie etwa der stationäre Buchhandel – problemlos – am E-book-Geschäft partizipieren könnte oder der Übermacht bestimmter Versandriesen standhalten könnte oder wollte. Denn wirklich intelligente und zielführende Bemühungen sah ich bislang nicht. Und mich an die 55 Thesen zur Zukunft des Buchhandels erinnernd sehe ich auch vom Börsenverein wenig Unterstützung für das Sortiment. Da ich ja aus dem Buchhandel komme, bin ich darob traurig, aber schon der erste Testbericht zum tolino shine und die Qual mit adobe und anderen DRM – Spielchen bestätigen mich. Amazon kann es besser. Andernorts will man wohl einfach nicht.

Wie hältst du es persönlich mit dem E-Book?

Ich lese keine E-Books. Zum einen besitze ich eine gut sortierte Bibliothek mit über 10.000 Bänden, die ich längst nicht alle gelesen habe, zweitens bin ich mit nun gut 52 Jahren konservativ und bestehe darauf, mich mit Büchern zu umgeben, sie zu halten, aufzuschlagen und zu lesen, und kann mir nur schwer vorstellen ein Gleiches mit dem „Prinzip Buch“ zu tun, dieser Meisterleistung an buchhändlerischem PR-Schwachsinn.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ich vermute, ja. In Deutschland wird es lange dauern, bis die Herrschaften in den Verlagen, so sie noch existieren, es gemerkt haben werden und sich entsprechend verhalten, d.h., die Preise für E-Books auf das amerikanische und meines Erachtens einzig zu rechtfertigende Niveau absenken (das geht auch im Rahmen der Buchpreisbindung), einen kundenfreundlicheren Umgang mit DRM gefunden haben werden, das mit der sich abzeichnenden Tendenz zum E-Book-Leihen eh nicht kompatibel ist, und schlussendlich alle dann auch auf den Zug aufspringen. Dennoch bleibt auf Dauer ein Absinken des literarischen Niveaus zu befürchten, denn E-Books werden vermutlich auch den Hang zur übergroßen Verkäuflichkeit bestärken. Ich meine auch, dass ich in der Zukunft tot sein werde, wenn es soweit ist. Und das finde ich ausnahmsweise mal ganz gut so.

Was stößt dir bei den Diskussionen rund um die Zukunft des Buches besonders negativ auf?

Kurz gesagt: dummes Branchengejammer bei gleichzeitiger Unfähigkeit oder gleichzeitigem Unwillen, intelligent und vorausschauend zu handeln.

Danke vielmals, Jost. Und Glück auf mit deinem Erstling. Mögen deine Gedichte zu vielen Lesern und Leserinnen finden!

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, und der Selfpublisher Michael Meisheit. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

Steglitz stellt Jutta Piveckova aka Melusine Barby mit „Gleisbauarbeiten“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass wir Jutta S. Piveckova aka Melusine Barby mit Gleisbauarbeiten näher kennen sollten, hatte Dietmar Hillebrandt vom Buecherblogger vorgeschlagen. Jetzt geht nicht nur sein Wunsch in Erfüllung. Nein, mit Juttas Auskünften haben wir hier 25 Interviews mit literaturaffinen Bloggerinnen und Bloggern beisammen, womit die Gesprächsreihe, die im September 2012 an den Start ging, heute ein erstes, kleines Jubiläum feiern darf.

Dein Steckbrief in Stichworten …

1965 geboren, mittelalt, mittelschlau, mittelreich, liiert, studiert (Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft), verheiratet, Mutter zweier fast erwachsener Söhne, netzaffin und bücherstauballergisch, Anti-Kulturpessimistin

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Melusine Barby © Jutta S. Piveckova

Ich blogge seit dem 9.2.2010. Zunächst auf dem Blog. Ganz heimlich. Mein Versuch, das Schreiben wieder aufzunehmen nach beinahe 20 Jahren Schweigen. Die Struktur eines Blogs nutzen, um einen Roman in umgekehrter Chronologie zu erzählen, so dass der jüngste Post jeweils immer weiter zurückreicht in die Vergangenheit. Am Ende sollte dann eine klassische Romanerzählung stehen, die beim Lesen entsteht, wenn man die Posts von vorne nach hinten liest: Der letzte Eintrag als Anfang des Romans. (Ich arbeite weiter dran.)

Die Gleisbauarbeiten entstanden als Ableger dazu, weil das Bedürfnis wuchs, nachdem mein Blog von Alban Nikolai Herbst „entdeckt“ worden war, auch über andere Themen zu schreiben und mit Blogger_innen in Austausch zu treten. Auf die Plattform Blogger bin ich ganz zufällig geraten. Ich weiß gar nicht mehr wie.

Deine Themenschwerpunkte …

Eigene Prosatexte. Es entstehen vor allem Serien (z.B. über Unperfekte Paare; 4 Frauen, Sex und der Tod, die fast-autobiographischen Texte unter dem Label Auto. Logik.Lüge. Libido, Fabelwesen, Wildermuths Elbin, Als wir Pop-Poetinnen waren u.v.m). Die seriellen Texte und hybriden Formen experimentieren mit der Form des Blogs als einer literarisch neuen Gattung (Vernetzung statt Linearität). Ich nenne das „kryptofantastischen Realismus“. Dennoch ist mir beim Bloggen unter der Hand ein Roman entstanden, der es vielleicht auch zur „Druckreife“ schafft: PUNK PYGMALION.

Außerdem schreibe ich regelmäßig Buchempfehlungen (niemals Verrisse), Tagebucheinträge, kunsthistorische Beiträge, sowie Film- und Fernsehkritiken. Alles aus einer feministischen Perspektive, womit gemeint ist, dass ich mein Geschlecht beim Lesen, Schauen, Hören nicht verleugne, also die Normsetzung einer (weißen) männlichen Sicht auf die Welt als allgemein „menschliche“ nicht akzeptiere. Zunehmend versuche ich auch andere Normen zu hinterfragen: Heterosexualität, Weißsein, Mittelklasse-Werte. Dadurch ändert sich meine Lektüreauswahl erheblich. Denn die ungebrochene Dominanz von weißen männlichen Autoren auf meiner bisherigen Leseliste hat mich schockiert.

Jeden Dienstag veröffentliche ich außerdem einen Beitrag (eine Collage, das Foto einer Skulptur…) des Frankfurter Künstlers BenHuRum aka Thomas Hartmann. Gelegentlich schreibt auch Morel, mein Lebensgefährte, Beiträge, meist Buchempfehlungen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich lese wenig in den Feuilletons der „Qualitäts“-Tageszeitungen. Daher treibt mich wenig um, was „der Betrieb“ gerade so diskutiert. Ich bespreche auch selten Neuerscheinungen, die gerade gehypt werden. Da lasse ich mir lieber Zeit und warte ein Jahr. Ich bin optimistisch, dass sich durch die „Neuen Medien“ ganz neue Literaturformen entwickeln werden, ebenso wie neue Vertriebsformen und unmittelbarere Verbindungen von Autor_inn_en zu Leser_inne_n. Die bürgerliche Öffentlichkeit (mitsamt ihrer Trennung vom sogenannten „Privaten“) zerfällt. Ich sehe das ohne Sentimentalität, sondern mit großer Erwartungsfreude. Es wird spannend. Ich selbst lese jetzt schon lieber auf einem E-Reader als in einem gedruckten Buch. Dabei kaufe ich mehr literarische Werke als je zuvor, vor allem von kleineren Verlagen und unbekannteren Autor_inn_en. Die Empfehlungen befreundeter Blogger_innen spielen bei der Auswahl eine wesentliche Rolle. Auf das ganze kulturpessimistische Gejammer (oh, die endlose Wiederholungsschleife) über den Untergang der abendländischen Kultur durch elektronische Medien reagiere ich dagegen allergisch. Brr….

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Zunächst über Kommentare in anderen Blogs. Später wurde mein Blog bei litblogs.net aufgenommen. Außerdem verlinke ich meine Beiträge bei Twitter und bei Facebook.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Verrisse schreiben. Die meisten Blogger schreiben in der Freizeit. Da sollte man sich auf das konzentrieren, was sich lohnt. Wichtig finde ich auch, dass man „erkennbar“ ist, was nicht unbedingt heißen muss, den Klarnamen und die Adresse anzugeben. Aber da zum Bloggen der Kontakt mit anderen Menschen gehört, finde ich bewusste Täuschungen abstoßend und gemein. Sich eine „interessante“ Fake-Identität zuzulegen, bedeutet ja auch immer, den Menschen, die tatsächlich unter den hier bloß vorgetäuschten Bedingungen leben, das Wort zu entziehen. (Ein Beispiel hierfür ist der britische Blogger, der sich als lesbische Syrerin ausgab.) Ich selbst habe auch unangenehme Erfahrungen mit einem männlichen Blogger gemacht, der sich als junge Frau ausgibt und mir in dieser Rolle Mails über männliche Anmache geschrieben hat. Das habe ich als verletzend und übergriffig empfunden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich veröffentliche vieles zu schnell. Dann möchte ich manche Formulierung später wieder zurücknehmen oder ändern (Was ich auch ungeniert und ungekennzeichnet tue. Ich habe da keine Hemmungen). Die Schnelligkeit ist aber für mich auch wichtig. Wenn ich etwas zu lange „zurückhalte“, lasse ich es fallen: Ich vernachlässige es, ich vergesse es, ich beginne, es vor mir selbst niederzumachen. Mich schützt die tägliche Veröffentlichung somit vor der permanenten Vernichtung der eigenen Schreibprodukte, wie ich es früher dauernd getan habe: Alles in die Tonne geschmissen. Jetzt steht´s im Netz und verpflichtet mich, daran weiter zu arbeiten. Wenigsten manchmal.

Schwierig finde ich vor allem Beleidigungen unter Kommentatoren. Ich musste da einiges an Lehrgeld zahlen. Zum Beispiel lernen, dass es unsinnig ist, weiter mit Menschen zu kommunizieren, die nur kränken wollen. Ich glaube, dass ein Blogger genauso wie jemand im richtigen Leben auf Dauer seine Persönlichkeit nicht verstecken kann. Es kommt heraus, „wo jemand steht“ und welchen Habitus jemand hat. Ich kann besser mit inhaltlichen Differenzen umgehen als mit einem überheblichen, beleidigenden oder belehrenden Ton. Obwohl auch dabei natürlich irrationale Elemente hineinspielen: Jemandem, den man sympathisch findet, verzeiht man eher, als jemandem, der ohnehin nicht sehr anziehend wirkt. Das traurigste Erlebnis war die Kränkung einer Freundin durch einen befreundeten Blogger in einem Kommentarstrang. Sie fühlte sich von mir nicht hinreichend unterstützt und es kam zum Bruch. Das tut mir immer noch leid.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Menschen im „Real Life“ kennenzulernen, mit denen ich übers Bloggen bekannt wurde: z.B. Alban Nikolai HerbstPhyllis KiehlGuido Rohm, Iris, Antje Schrupp, Claudia Kilian, Hartmut Abendschein, Helmut Schulz, den Kommentator Dr. NO, der sich auf den litblogs.-net-Blogs häufig zu literarischen Themen äußert, und die Korrespondenz mit Bloggern wie Dietmar Hillebrandt, dem Bücherblogger, oder Markus Hediger in Brasilien, die ich beide auch sehr gerne einmal persönlich kennenlernen möchte.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich nehme das in der Regel nicht an, weil ich mich dann doch verpflichtet fühle, über das Buch zu schreiben. Da ich nur Empfehlungen schreiben möchte, könnte das ein Problem werden. Wenn ein Buch mich nicht überzeugt, will ich auch darüber schweigen können. Daher verzichte ich in der Regel auf Rezensionsexemplare.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich habe da keine Vorbehalte. Das ist auch schon vorgekommen. Es ist ähnlich wie oben. Ich kaufe lieber, weil ich mich dann in meiner Entscheidung freier fühle, ob ich darüber schreiben will.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Siehe oben. Ich habe einen Kindle. Und ich bin begeistert. Kein Staub und keine Schlepperei.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alban Nikolai Herbst Die Dschungel. Anderswelt, Phyllis Kiehls Tainted Talents, Iris Blütenblätter, Andreas Louis Seyerlein und Hartmut Abendscheins taberna kritika. Der Hartmut Abendschein sollte in dieser Gesprächs-Reihe auf jeden Fall zu Wort kommen. Denn er ist der Herausgeber (zusammen mit Christiane Zintzen) von litblogs.net und steht damit im Zentrum des literarischen Bloggens in deutscher Sprache  🙂

Danke sehr, Melusine. Auch für deine wunderbaren Empfehlungen und den tollen Vorschlag, Hartmut Abendschein hier zum Gespräch zu bitten.

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Zuletzt stellte sich Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki mit  Bücherwurmloch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Klappentexterin. Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier