Steglitz stellt Ruth Justen mit „Ruth liest“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Ruth Justen mit Ruth liest ein wenig näher kennen. Mit ihrem Porträt erfüllt sich – pünktlich so kurz vor Weihnachten – ein Wunsch der Bücherliebhaberin, die ihr glasperlenspiel13 pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – sagen Fotografen und Filmemacher. Mag sein. Dennoch liebe ich Worte, vor allem gedruckte Worte möglichst zwischen zwei Buchdeckeln. Von Kindheit an bin ich eine leidenschaftliche Leserin, die sich gerne im Freundeskreis über das Gelesene austauscht. Die Literatur gab mir auch in den anstrengenden Jahren als Vollzeit-PR-Managerin und Mutter den notwenigen Ausgleich für Hirn und Herz.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Im Frühjahr 2011 habe ich mich beruflich umorientiert. Nach 18 Jahren Festanstellung als Pressesprecherin wollte ich mich als freie Journalistin selbstständig machen. Zunächst nahm ich mir die Zeit, meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Ich las ein Buch nach dem anderen. Irgendwann entstand dann die Idee, das Lesen mit meiner zweiten Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Und so fing ich an zu recherchieren. Was gibt es an Literaturblogs? Welche Plattformen nutzen die Kollegen? Was würde ich anders machen, als mir bis dato bekannte Bücherblogs? Im April 2011 habe ich mich dann für WordPress entschieden. Es ist ein sehr einfach zu bedienendes System und daher weit verbreitet.

Deine Blogposts sind relativ kompakt …

Im Unterschied zu vielen anderen Blogs wollte ich unbedingt einen Blog mit kurzen Texten machen. Warum? Ich bin von Natur aus furchtbar ungeduldig, deshalb bevorzuge ich kurze Besprechungen und ausführliche Bücher. Außerdem veröffentliche ich nur Rezensionen zu Büchern, die mir zumindest gefallen. Ich kritisiere, verreiße aber nicht. Mein Blog soll ja anderen Lust auf das Lesen machen und sie nicht abschrecken. Zudem habe ich große Wertschätzung für Autoren und möchte niemanden verletzen. Bücher, die ich ganz und gar nicht empfehlen kann, verschweige ich einfach. Ich sehe mich auch nicht als Kritikerin. Diese Rolle füllt ein großartiger Denis Scheck aus.

Deine Themenschwerpunkte …

Ruth liest steckt voller Bücher über Tod und Terror. Romane, die Diktaturen oder Kriege und ihre Auswirkungen auf die Menschen schildern, interessieren mich vorrangig. Das können Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg sein, aber auch Erzählungen aus Ländern wie Argentinien oder China. Ein großer Schwerpunkt ist auch die jüdische Literatur, die oft mit den Themen Krieg und Diktatur verwoben ist. Bücher ohne historischen Bezug langweilen mich schnell, vermutlich habe ich deshalb vor Jahrzehnten Geschichte studiert.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ruth © Rainer Justen

Ruth © Rainer Justen

Derzeit denke ich ernsthaft über einen E-Reader nach. Bisher habe ich das vehement abgelehnt, um den stationären, kleinen Buchhandel nicht noch weiter zu schwächen. Aber die Verführung ist groß, immer einen Berg Literatur in der Tasche zu haben. Der Gedanke  innerhalb einer Minute ein neues Buch zu erwerben, ohne in die Stadt fahren oder gar langwierig ein Buch bestellen zu müssen, weil es mal wieder nicht im Ladenregal steht, ist sehr reizvoll. Zumal ich selten zu gängigen Titeln greife und so oft frustriert ein Geschäft verlasse. Gleichzeitig finde ich die Flut von E-Books bedenkenswert. Die Lektoren klassischer Verlage sorgen für eine hohe sprachliche Qualität.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Klassisch. Zunächst habe ich versucht, mich mit möglichst vielen anderen Bloggern zu verlinken. Dann streue ich Buchtipps bei Facebook, Google+ und Lovelybooks bzw. kommentiere dort die Buchtipps von Kollegen. Manchmal schreibe ich Buchbesprechungen auf den großen Portalen wie buecher.de oder amazon.de.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ein Blogger sollte immer Wertschätzung gegenüber Autoren, Lesern oder anderen Bloggern ausdrücken.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Hürde ist die Unfreiheit des Geistes. So schön Rezensionsexemplare oder viele Freunde in den Netzwerken sind, so sehr können damit Erwartungshaltungen verbunden sein. Von solchen Erwartungshaltungen muss man sich frei machen und unabhängig schreiben, was man denkt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Habe ich täglich mindestens ein Mal, wenn über das Bloggen ein Austausch mit anderen Lesern erfolgt. Manchmal bestätigen die anderen deine eigene Sichtweise, manchmal kritisieren sie dich. Immer empfinde ich die Anmerkungen als anregend und bin dankbar dafür.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Derartige Angebote nehme ich nur selten an. Eigentlich nur dann, wenn ich im Voraus weiß, dass das Buch für mich kein Flop sein wird. Außerdem lehne ich es ab, wenn Bedingungen daran geknüpft sind wie eine Zeilenanzahl und Termine, die mich in meiner Freiheit einschränken.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Self-Publisher unterscheiden sich für mich nicht von anderen Autoren. Ich entscheide nach Titel und Thema, ob ich das Werk lesen möchte.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Wie gesagt, ich bin gerade auf der Suche nach einem E-Reader, mit dem ich möglichst viele hochwertige Bücher lesen kann. Für Tipps und Erfahrungswerte bin ich sehr dankbar!

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Mara Giese und Petra Gust-Kazakos, die übrigens das gleiche WordPress-Theme hat wie ich, sind hier ja bereits zu Wort gekommen. Beiden Blogs konnte ich immer wieder wertvolle Lesetipps entnehmen. Ada mit Ada Mitsou liest … ist großartig, vielfältig und inspirierend. Sie betreibt ihr Blog bereits seit drei Jahren. Hut ab vor der Ausdauer. Anka Brüggemann macht unter dem Namen Blog für Anonyme Bookoholiker einen sehr schönen Blog mit Besprechungen zu meist außergewöhnlichen Titeln. Sehr praktisch: Es gibt immer eine inhaltliche Einführung, eine Leseprobe, eine Kritik und eine Empfehlung. Ich würde mich freuen, wenn du sie zu einem Interview überreden könntest.

Danke, Ruth, dann wollen wir mal schauen, ob meine Überredungskünste bei Anka fruchten …

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Zuletzt stellte sich Axel Hollmann mit seinem gleichnamigen Schreibblog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Richard Norden, der Writers Workshop betreibt. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Mareike Fallwickl mit „Bücherwurmloch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass heute die Österreicherin Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki zu Wort kommt, die  das Bücherwurmloch pflegt, hatte Selçuk Caydi vorgeschlagen. Er betreibt u.a. sein Blog Konstantiniye notlari (Notizen aus Konstantinopel) meist von Istanbul und Izmit aus. – Das Gespräch mit ihm kann man übrigens auch in Selçuks Muttersprache nachlesen.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Bücherwurm Mariki © Mareike Fallwickl

Was Bücher und die Leseleidenschaft betrifft, bin ich ein wandelndes Klischee: Als Kind hab ich ganz klassisch mit der Taschenlampe unter der Buchdecke gelesen, und die Begeisterung für Bücher hat mich nie mehr verlassen. So sehr war und ist sie in mir verankert, dass es nie Zweifel an meiner Berufswahl gab: Studium der Linguistik, Ausbildung im Lektorat und seit fünf Jahren freie Lektorin und Werbetexterin. Seit Kurzem bin ich auch veröffentlichte Autorin.

Ich blogge seit mehr als drei Jahren im Bücherwurmloch auf WordPress (weil es einfach und übersichtlich und auch für Laien durchschaubar ist). Ich lese unheimlich viel, etwa 100 Bücher im Jahr, habe aber niemanden, mit dem ich über meine Leseeindrücke sprechen kann – meine Freunde lesen allesamt entweder nicht oder das „Falsche“. Oft brannten mir die Gedanken zu einem Buch, das mich berührt hatte, auf der Seele – und ich konnte damit nirgends hin. Deshalb habe ich, wie so viele heutzutage, das alles ins Netz gestellt und war relativ schnell in einen illustren Bloggerkreis aufgenommen, was mich sehr gefreut hat, weil ich hier all das Vermisste gefunden habe: Meinungsaustausch, Empfehlungen, die gemeinsame Liebe zur Literatur.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich habe mich ausschließlich auf Rezensionen festgelegt und lese das, was man „gehobene Belletristik“ nennt, auch auf Englisch und (inzwischen aber seltener) auf Italienisch. Die Buchauswahl erfolgt sehr willkürlich nach rein subjektivem Interesse, wobei ich freilich immer auf der Suche nach dem besonderen Buch bin, das mich völlig überwältigt. Ich bewundere andere Blogger dafür, dass sie auch über Lesungen berichten, Autoren interviewen, allgemeine Gedanken zur Literaturwelt niederschreiben und Diskussionen führen – dazu fehlt mir tatsächlich die Zeit. Ich hinke schon mit meinen gelesenen unrezensierten Büchern immer wahnsinnig hinterher, momentan warten elf Bücher darauf, bebloggt zu werden.

 Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Die Frage, was werden wird. Ich weiß, dass es vielen Verlagen erschreckend schlecht geht, viel schlechter, als der Öffentlichkeit bekannt ist. Durch meine Lektoratskontakte bekomme ich viel mit – und frage mich immer öfter, wie es dem Literaturbetrieb ergehen wird, wie er aussehen wird in 20 oder 30 Jahren. Ob alles nur Panikmache ist oder ob das Buch, wie wir es kennen, nicht mehr existieren wird? Ich kann und will es mir nicht vorstellen. Aber als ich ein Kind war, konnte ich mir auch nicht ausmalen, dass ich dieses riesige Ding mit der Wählscheibe eines Tages auch im Auto benutzen würde, dass es winzig sein und mich gratis über Internet mit meiner Freundin in Paris verbinden würde …

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Viel zu wenig. Das ist ein Punkt, um den ich mich mehr kümmern sollte – aber das scheitert bei mir als berufstätiger Mama am Faktor Zeit. Ich bin bei Facebook mit einer eigenen Fanpage vertreten und liebe meine Büchergruppe dort mit unserem regen Austausch. Um mehr Kommentare zu bekommen, müsste ich selbst mehr kommentieren, da bin ich leider nachlässig. Und Twitter oder andere Portale habe ich bisher nie betreten. Trotzdem wünsche ich mir natürlich mehr Traffic auf meinem Blog … Ein Teufelskreis.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Sich verstellen. In jeder Hinsicht. Ich möchte nur Buchbesprechungen lesen, die ehrlich sind. Auch wenn der Blogger das Buch als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen hat. Falsche Lobeshymnen gibt es genug. Und ich finde nicht, dass wir als Hobbyrezensenten den gleichen hochliterarischen, verschrobenen Stil pflegen sollten wie die professionellen Kritiker. Unsere Daseinsberechtigung und unsere Einzigartigkeit als meinungsfreie Blogger bestehen darin, auch das Wörtchen „ich“ verwenden zu dürfen: Ich mag das Buch, weil. Mich hat das Buch beeindruckt, weil. Ganz egal, was der Rest der Literaturwelt darüber denkt. Ich schätze es an Bloggern, dass sie für das eigene Lesegefühl einstehen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Man muss sich natürlich auszudrücken wissen. Ohne ein gewisses Maß an Talent, die eigene Meinung lesenswert darzustellen, geht es nicht – dann verlieren die Leser das Interesse. Und man muss sich vernetzen können, sonst steht man ganz allein auf weiter Flur im riesigen Internet. Jeder Blogger sollte außerdem fähig sein, Kritik auszuhalten und die eigene Meinung zu verteidigen. Wir wissen ja, dass der Umgangston im Netz beizeiten rau ist, wobei das meiner Beobachtung nach für die Buchblogger eigentlich nicht gilt. Wir haben uns scheinbar alle ziemlich lieb …

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Im Jahr 2011 hat mich das Buch „Mein sanfter Zwilling“ von Nino Haratischwili über die Maßen berührt. Ich war regelrecht erschüttert. Auf meine Rezension hin hat die Autorin mir auf Facebook geschrieben, und das hat mich sehr gefreut. Ich habe schon öfter Nachrichten von Autoren bekommen – auch sehr unfreundliche –, aber in diesem Fall hat es mir noch mehr bedeutet als sonst. Schön ist natürlich auch, wenn man von den Verlagen wertgeschätzt und mit Rezensionsexemplaren versorgt wird und wenn interessante Mailwechsel mit den Pressemenschen entstehen. Zudem freue ich mich immer wieder über jeden einzelnen Kommentar meiner lieben Bloggerfreunde, von denen ich einige inzwischen auch persönlich getroffen habe.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich frage oft selbst um Leseexemplare an und habe jedes Mal dieses tolle Weihnachtsgefühl, wenn sie tatsächlich im Briefkasten landen: Das sind für mich die besten Geschenke der Welt. Natürlich muss ich auch was dafür tun – die Bücher rezensieren – aber das mache ich ja gern, und ich fühle mich geehrt, dass die Verlage meine Meinung als wichtig empfinden. Bekomme ich selbst ein Rezensionsexemplar angeboten, sage ich ehrlich meine Meinung und nehme es an oder lehne es ab. Fast immer geschieht Letzteres. Bisher gab es da nie ein Problem.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Das ist schon vorgekommen. Bisher hab ich die Angebote abgelehnt, weil es sich dabei um Krimis und eine Biografie handelte, die mein Interesse nicht wecken konnten. Mal sehen, wie ich handeln werde, wenn mir mal etwas gut Klingendes angeboten wird … Ob ich dann mein eigenes Vorurteil, beim Self Publishing könne ja nichts Gutes rauskommen, überwinden werde? Ich könnte es ja hiermit beschließen und der Sache eine Chance geben!

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich halte mich davon fern. Ich erkenne es als praktisch, modern und – immerhin lesen die Menschen! – gut an, sehe aber für mich keinen persönlichen Nutzen. Ich will Bücher. Ich will sie angreifen, riechen, durchblättern, zerknicken, benutzen, auffressen. Bücher, Bücher, Bücher!

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle meine Lieblingsblogs wurden hier schon genannt bzw. haben sich bei SteglitzMind bereits vorgestellt, darunter aus.gelesen, SchöneSeiten, Syn-ästhetisch, buzzaldringsblog, Lesewelle … Sehr gern mag ich auch: Blauraum, derschoeneblog, stefanmesch, Ruth liest und Pinkfisch. – Ich wünsche mir, dass die Klappentexterin hier zu Wort kommt, die ich für ihre wunderbar persönlichen Worte, die sie zu ihren Leseperlen findet, sehr bewundere.

Danke sehr, Mareike! Ich freue mich auch darüber, dass du die Staffel an die literaturverliebte und schreibverrückte Klappentexterin weiterreichst, deren Blog seit Start der Gesprächsreihe ja verschiedentlich als besondere Preziose empfohlen wurde.

Eine Zusammenfassung des Beitrags kann man auf Selçuk Caydis Blog Konstantiniye notlari auf türkisch nachlesen

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Zuletzt stellten sich Stefanie und Yvonne vor, die gemeinsam Leselink verantworten. Ihr Wunsch-Interview-Partner war Marcus Johanus. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Christian Köllerer mit „Dr. Christian Köllerers Notizen“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Christian Köllerer vor, der Dr. Christian Köllerers Notizen meist von Wien aus betreibt. Er greift den Vorschlag von Petra Gust-Kazakos auf, die hinter Philea’s Blog steht. Sie hatte sich in unserem Gespräch gewünscht, dass Christian hier ebenfalls zu Wort kommen sollte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Promovierter Literaturwissenschaftler & ”Philosoph”, Kulturpublizist, Skeptiker aus Wien / Reisender / Mobilfunk & Telekommunikation als Broterwerb.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Begonnen habe ich im April 2001 mit einer „normalen“ Webseite. Auf das Blogformat WordPress stieg ich erst im Januar 2009 um. Bis dahin war mein Selbstverständnis in erster Linie, ein Literaturprojekt im Internet zu betreiben. Viele Aspekte der Blogszene sind mir nach wie vor suspekt.

Deine Themenschwerpunkte …

Klassiker der Weltliteratur, Rezensionen aus dem Wiener Kulturleben, Reiseberichte.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Wie die meisten finde ich die Entwicklung in Richtung E-Books interessant. Obwohl ich eine ansehnliche Bibliothek mit 5500 Büchern zuhause habe, lese ich vor allem unterwegs zunehmend auf meinen Kindle.

Was mich ferner verblüfft, ist, wie billig Bücher inzwischen geworden sind. In unserer Gesellschaft ist ja Wert immer mit dem Preis verknüpft. Wenn die besten Bücher der Geistesgeschichte für ein paar Cent zu haben sind, ist das einerseits bildungspolitisch erfreulich, andererseits ein deutliches Signal, welchen geringen Wert die Gesellschaft diesen Werken heutzutage beimisst.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die Notizen gibt es seit mehr als 10 Jahren, weshalb ich viele regelmäßige Leser habe. Ansonsten schreibe ich auch für Zeitschriften, was ebenfalls den Bekanntheitsgrad fördert. Twitter, und in geringerem Maße Facebook sind ebenfalls wichtig.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Über Themen schreiben, von denen er nichts versteht.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich finde die technischen Hürden am lästigsten. Man muss entweder WordPress-Experte sein und braucht regelmäßig Unterstützung.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

…ist Anerkennung durch renommierte Medien, etwa wenn man von der NZZ lobend erwähnt wird, oder der ORF zum Interview bittet.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich ignoriere viele dieser Anfragen. Wenn mich Bücher interessieren, lasse ich mir Rezensionsexemplare schicken. Die meisten bespreche ich dann auch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du. Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Auch wenn ich mit ihm nicht immer übereinstimme: Einer der besten Literaturkenner im Netz ist zweifellos Marius Fränzel, der hinter Bonaventura steht.

Danke, Christian. Womöglich sollten wir noch kurz erläutern, warum dein Beitrag ohne Konterfei oder Illustration daherkommt …

Eine Illustration kann es schon deshalb nicht geben, weil mein Blog aus konzeptuellen Gründen völlig bildfrei ist.

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In der losen Interview-Reihe präsentierte sich zuletzt Mara Giese mit Buzzaldrins Bücher. Ihre Blog-Preziosen sind die Klappentexterin, Syn-ästhetisch, SchöneSeiten von Caterina, Ruth liest, Lesewelle von Buechermaniac und aus.gelesen von Flatter Satz, von dem sie sich wünscht, dass er hier in einem Interview zu Wort kommt.

Steglitz stellt Mara Giese mit „Buzzaldrins Bücher“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Mara Giese vor, deren Blog Buzzaldrins Bücher morgen einjähriges Jubiläum feiert. – Sie regt an, dass Flatter Satz, der das Blog aus.gelesen betreibt, hier à la longue zu Wort kommen sollte.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Literaturbegeistert war ich schon immer, so dass ich schließlich schon beinahe zwangsläufig Literatur- und Kulturwissenschaft studiert habe. Meinen Master habe ich vor zwei Jahren mit einer Arbeit über den Schriftsteller Uwe Tellkamp abgeschlossen. Lesen und Literatur prägen mein Leben, durch meinen Blog habe ich entdeckt, dass es mir dazu auch noch sehr viel Spaß macht, über Gelesenen zu schreiben.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit fast einem Jahr – am 9. September feiere ich mein Blogjubiläum. Schon vor meinem Blog war ich über mehrere Jahre in einem großen Buchforum aktiv, habe dann jedoch gemerkt, dass ich mehr Raum und Platz brauche, um über die Bücher zu schreiben, die ich lese. All dieses habe ich auf meinem Blog gefunden, der buzzaldrins.wordpress.com heißt. Ich habe mich schon immer Buzz Aldrin genannt, da ich vor ganz vielen Jahren mit großer Begeisterung das Buch „Buzz Aldrin, wo warst du in all dem Durcheinander“ von Johan Harstad gelesen habe. Seitdem verfolgt mich dieser Name.

Bei WordPress habe ich von Beginn an gebloggt. Warum kann ich leider gar nicht genau sagen. Es war der erste Anbieter, über den ich gestolpert bin, es ist kostenlos und leicht zu bedienen. Die Möglichkeiten, die man mit WordPress hat, haben mir sofort gefallen, so dass ich mich gar nicht mehr über Alternativen informiert habe.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Buzz Aldrin mit Hund und Buch © Mara Giese

Total! Natürlich schreibe ich auch für mich selbst und um das Gelesene reflektieren zu können. Doch freue ich mich immer sehr über Rückmeldungen, Nachfragen oder auch Lob auf meinem Blog. In den ersten Monaten meines Blogdaseins hatte ich drei Besucher und keine Kommentare. Mittlerweile habe ich nicht mehr das Gefühl, in einen luftleeren Raum hineinzuschreiben und freue mich immer wieder sehr über Kommentare der „üblichen Verdächtigen“.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Themenschwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Literatur mit Anspruch. Im Moment liegt mein Schwerpunkt besonders auch auf deutschsprachiger Literatur.

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Seit einiger Zeit habe ich auf meinem Blog die neue Kategorie „5 Fragen an …“, in der ich junge, deutschsprachige, zeitgenössische Autor/innen interviewe. Diese aufkommende junge Generation fasziniert mich sehr und ich freue mich, wenn ich einigen jungen neuen Stimmen Deutschlands mit meinem Blog eine Plattform bieten kann.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich bewerbe sie auf Twitter und seit einiger Zeit auch auf Facebook, nachdem ich dem Gruppenzwang gefolgt bin und mich auch dort angemeldet habe.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Diese Frage ist für mich nicht pauschal zu beantworten. Ich habe es nach relativ kurzer Zeit geschafft durch einige unvorsichtige Äußerungen eine Welle der Entrüstung loszutreten und habe mir das damals sehr zu Herzen genommen. Seitdem versuche ich noch bewusster darauf zu achten, was ich schreibe und wie ich etwas ausdrücke. Vermeiden möchte ich jedoch, dass diese Rücksichtnahme so weit geht, dass ich mich irgendwann selbst zensiere.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für mich war meine Anfangszeit auf jeden Fall eine große Hürde: keine Besucher, kein Interesse, kein Austausch. Da habe ich zwischenzeitlich schon überlegt, warum ich das eigentlich mache. Diese Unsicherheit bin ich auch jetzt immer noch nicht ganz losgeworden. Das Wichtigste für mich ist einfach, dass ich Spaß habe an dem, was ich tue.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die ersten Kommentare und positiven Rückmeldungen – darüber habe ich mich sehr gefreut.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

In diese Verlegenheit bin ich noch nicht häufig gekommen. Bücher, die mich nicht ansprechen oder interessieren, lehne ich höflichst ab. Vor einiger Zeit habe ich ein Rezensionsexemplar gelesen, was mir gar nicht gefallen hat. Da ist es mir dann in meiner Rezension doch schwer gefallen, Kritik zu formulieren.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe zwar einen E-Book-Reader geschenkt bekommen, bin mit diesem bisher aber noch nicht wirklich warm geworden. Ich muss Bücher anfassen, riechen und in meinem Regal stehen sehen, um sie wirklich genießen zu können. Diese Stofflichkeit ist etwas sehr wichtiges für mich.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich lese gerne und viel Buch- und Literaturblogs, so dass es mir schwer fällt, mich auf lediglich fünf zu beschränken. Die Klappentexterin wurde bereits empfohlen, sonst hätte ich dies auf jeden Fall getan. Daneben fallen mir noch die Blogs Syn-ästhetisch, SchöneSeiten von Caterina, Ruth liest, Lesewelle von Buechermaniac und die großartigen und ausführlichen Besprechungen bei aus.gelesen von Flatter Satz ein. Ich würde mir wünschen, dass Flatter Satz hier in einem Interview zu Wort kommt.

Danke sehr, Mara. Und da morgen dein einjähriges Blog-Jubiläum ansteht: Weiterhin viel Freude und Erfolg als bloggende Buzz Aldrin!

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Zu Wort gekommen in der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ sind bislang:

Petra Gust-Kazakos, die „Philea’s Blog“ seit September 2010 unterhält. Empfehlungen sprach sie u.a. für die Klappentexterin, Jüdische Lebenswelten, DruckSchrift, Strange Flowers, die Blogs von Petra van Cronenburg und den der Seitenspinnerinnen aus.

Sandra Matteotti mit ihren Blogs  Denkzeiten und Bücherwelten. Komplimente gingen von ihr an die Blogs Philosophisch leben, Zeitspiegel, Dr. Christian Köllerers Notizen und Buchkolumne.