Steglitz stellt Stephan Waldscheidt mit „Schriftzeit“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Dass sich heute Stephan Waldscheidt mit seiner Schriftzeit vorstellt, hatte Richard Norden vorgeschlagen, der Writers Workshop betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Danke zunächst an Kollege Richard Norden, der mich für Ihr Blog vorgeschlagen hat.

  • Schriftsteller.
  • Geboren und aufgewachsen im Saarland.
  • Wohn- und lebhaft zwischen Schwarzwald und Elsass.
  • Studierter Konsumentenforscher.
  • Passionierter Kaffeetrinker, Kuchenbäcker, Wanderer.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Stephan Waldscheidt © Onuk www.onuk.de

Stephan Waldscheidt © Onuk http://www.onuk.de

Ich blogge seit … keine Ahnung. Mein aktuelles Blog »Schriftzeit – Wie Sie Romane schreiben und Ihre Leser verzaubern« betreibe ich seit Dezember 2010. Vorher hatte ich schon mal eins, mit anderen Inhalten.

Ich blogge, um Autoren Dinge über das Schreiben zu zeigen, die sie so noch nicht kennen. Ich blogge für mich, weil ich von meiner seit jeher intensiven Analyse von Romanen, die die Grundlage der Blog-Artikel bilden, selbst am meisten profitiere – genauer: meine Romane und ich.

Ich blogge da, wo ich blogge, weil in meinem Webpaket dieses Blog mit drin ist. Die Basis ist ein, allerdings stark eingeschränktes, WordPress-Blog. Was schlecht ist, weil es mir gestalterisch wenig Freiraum lässt. Und zugleich gut, weil es mir gestalterisch wenig Freiraum lässt. Es zwingt mich dazu, mich auf die Texte, auf die Inhalte zu konzentrieren.

Deine Themenschwerpunkte …

Das Schreiben und Erzählen im Allgemeinen und das Schreiben von Romanen im Besonderen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe zu viele eigene Projekte, um mich groß mit dem »Betrieb« auseinanderzusetzen, was immer das sein soll. Ich kenne Autoren, ich bin mit einigen befreundet, ich finde, die meisten Autoren sind verdammt nette Menschen. Aber ich sehe mich nicht als Teil der Literaturszene. Was immer genau das sein soll. Ich lebe nicht in Berlin. Vielleicht erklärt sich damit alles andere.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Im Blog selbst empfehle ich den Leuten ein Abo des Feeds. Als erstes und regelmäßig poste ich neue Beiträge auf meiner Facebook-Seite und bei twitter. Des Weiteren treibe ich mich auch fast täglich bei Facebook und Twitter herum.

Ich veröffentliche alle zwei, drei Monate einen Newsletter für Autoren, mit dem ich dann indirekt auch wieder an mein Blog erinnere. Ich veröffentliche Schreibratgeber, für die ich die Blog-Artikel überarbeite und erweitere und mit Schreibtricks oder Schreibanregungen versehe. Wer einen Ratgeber kauft, wird darin auch einen oder mehrere Links zu meinem Blog finden. Ich schreibe regelmäßig eine Glosse für die Autorenzeitschrift Federwelt. Dort wird auch auf mein Blog hingewiesen. Gelegentlich kommentiere ich auch mal was in einem anderen Blog, dazu komm ich aber leider zu selten.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Seine Leser zu langweilen. Gegen Propaganda und egozentrische Meinungsmache habe ich nichts. Es fehlt zu vielen Autoren in Deutschland an Leidenschaft und an eigenen Meinungen und dem Mut, sie zu vertreten. Wenn ich davon mehr bekomme, nehme ich auch die Agitatoren in Kauf.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die Hürden sind offenbar zu niedrig. Sonst würden nicht so viele bloggen. Die größte Schwierigkeit dürfte sein, Leser zu finden. Und wenn man die hat, mehr Leser zu finden.

Ansonsten hatte ich bei meinem ersten Blog das Problem, das Blog nicht selbst vom Netz nehmen zu können. Es dümpelte Jahre da herum, und ich konnte nichts dagegen machen, der Betreiber hat auf keinen einzigen Kontaktversuch reagiert. Grundsätzlich ist fehlende Kontrolle ein Problem. Wenn das Blog auf einem Webspace liegt, auf den man als Blogger keinen Einfluss hat. Ein Problem beim Bloggen: Es kostet Zeit. Die mir dann für die Arbeit an meinen anderen Projekten, vor allem an den Romanen, fehlt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Reaktionen zufriedener und bisweilen sogar enthusiastischer Leser.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ist noch nie vorgekommen. Ich schreibe ja auch keine Rezensionen, obwohl ich in meinen Artikeln gerne aktuelle Romane als Beispiele benutze. Die meisten Verlage schicken mir dann auf Anfrage ein Exemplar zu.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Immer her damit. Aber ich verspreche nicht, dass ich darüber schreibe. Und schon gar nicht verspreche ich eine positive Kritik. Keine Vorteile für niemanden, das bin ich meiner Glaubwürdigkeit schuldig. Vielleicht ist das noch eine Gefahr für Blogger: sich abhängig zu machen. Was besonders dann leicht vorkommen kann, wenn man Gefälligkeiten erwidern möchte.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

E-Books sind inzwischen für mich als Autor essenziell. Meine Schreibratgeber bringe ich alle zunächst als E-Book heraus. Dank meines erfolgreichen Blogs und der sonstigen Bemühungen und, wie ich hoffe, wegen der Inhalte, verkaufen sie sich hervorragend. Relativ zur Größe der Zielgruppe, wohlgemerkt. Wegen der erstklassigen Margen, die Amazon mit Kindle Direct Publishing bietet, und dem genau einzugrenzenden Kreis potenzieller Leser und Käufer ist das wahrscheinlich trotzdem lohnender, als über einen klassischen Verlag zu gehen.

Ein selbstpubliziertes E-Book ist das ideale Medium für Autoren, die ihre Zielgruppe kennen und sie auch ansprechen können. Was mein anderes Standbein, das Schreiben von Romanen, betrifft, bevorzuge ich nach wie vor den klassischen Verlag. Was sich aber ändern mag. Mal sehen, was kommt.

Als Leser bevorzuge ich das klassische Buch zum Anfassen, zum Sachen Anstreichen, lese aber regelmäßig auch auf meinem Kindle. Der ist ideal für unterwegs. Und neue Titel sind sofort da, wenn man sie haben will. Oder sogar haben muss.

Ein Nachteil des E-Books wird leicht übersehen: Ein E-Book vergisst man leicht. Wenn ich ein Taschenbuch auf dem Tisch liegen habe, denke ich daran, es zu lesen. Wenn es eins ist unter tausend auf meinem Reader, vergesse ich es schnell mal. So sammeln sich die Titel rascher an, als man sie liest.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hm, schwierig, da ich leider so gut wie nie zum Lesen von Blogs komme. Ich mag das Blog von Marcus Johanus, der sich hier ja bereits vorgestellt hat. Mir haben es vor allem seine Top-10-Listen angetan haben. Mehr als einen Blick wert ist auch der Gedankenzirkus von Oliver Koch.

Eines meiner wichtigsten englischsprachigen Stopps ist The Killzone, wo einige amerikanische Krimi- und Thriller-Autoren Anregendes und Lehrreiches von sich geben. Und, für jeden, der besser plotten lernen will, empfehle ich Storyfix von Thriller-Autor Larry Brooks. – Die Staffel gebe ich weiter an Oliver Koch.

Schön, dass du auch englischsprachige Blogs empfiehlst, das hatten wir seit  Klausbernd Vollmars Beitrag hier hier nicht mehr. Danke, Stephan, dass du in der Gesprächsreihe dabei bist.

Dank zurück, hat Spaß gemacht.

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Zuletzt stellte sich Katarina Liest mit Die Bücherphilosophin. vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von Literaturen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Richard Norden mit „Writers Workshop“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute kommt Richard Norden zu Wort, der der Writers Workshop betreibt. Gewünscht hatte sich das Axel Hollmann, der ein gleichnamiges Schreibblog unterhält.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren 1968. Abitur, Studium BWL und Wirtschaftsinformatik, heute Autor von Kurzgeschichten und Romanen aus den Bereichen Fantasy und Science-Fiction sowie Sachbüchern und Kursen rund ums kreative Schreiben. Außerdem gebe ich das WritersWorkshop E-Zine heraus, ein monatliches Magazin für Schriftsteller und Hobbyautoren.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

© Richard Norden

© Richard Norden

Ich habe 2007 auf Blogspot.com mein Autorenblog begonnen, um über die Arbeit an meinen Büchern zu berichten und Kontakte zu anderen Autoren aufzubauen. Das ursprüngliche Blog rückte 2009 mit der Gründung des WritersWorkshop E-Zines, in dem ich monatlich über diverse Themen rund ums kreative Schreiben berichte, etwas in den Hintergrund. Das Magazin (PDF-Format) kann man kostenlos über meine Webseite abonnieren. Fünf Ausgaben zum Reinschnuppern finden sich übrigens auch auf der aktuellen DVD-Beilage „KreativSuite 2013“ der CHIP 01/2013.

Mit meinem Autorenblog bin ich dieses Jahr auf ein selbstgehostetes WordPress-Blog umgestiegen. Blogspot war von den Features her lange Zeit für mich ausreichend, aber durch den Entschluss, meine Autorenhomepage und mein Autorenblog „unter einem Dach“ zu vereinen, führte kein Weg mehr an WordPress vorbei.

Aus heutiger Sicht hätte ich schon früher auf WordPress umsteigen sollen. Die Möglichkeiten hinsichtlich der Gestaltung und Administration des eigenen Blogs sind durch die zahlreichen nützlichen Plugins fast unbegrenzt. Gerade Erweiterungen wie der redaktionelle Kalender oder die automatische Twitter-Anbindung sind Gold wert.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich blogge über alles, was mit dem Schreiben und dem Veröffentlichen von Büchern zu tun hat – allerdings mit dem Schwerpunkt auf Planung, Organisation und Produktivität.

Das Gefühl für Sprache und Stil sowie die eigene ‚Autorenstimme‘ muss sich jeder Schriftsteller im Laufe der Zeit selbst erarbeiten, indem er viel und regelmäßig schreibt. Die handwerklichen Aspekte des Schreibens sind hingegen etwas, das man sehr gut über Bücher und Blogposts vermitteln kann.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Mich faszinieren der Vormarsch der eBooks und des Print-on-Demand-Sektors und die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Verlagswelt. Heutzutage ist es jedem Autor möglich, seine Werke auch ohne einen klassischen Verlag und ohne finanzielles Risiko in Eigenregie zu veröffentlichen.

Manch‘ einer sieht diese Entwicklung kritisch …

Die gern geführte Diskussion, ob das nun eher Fluch oder Segen ist, möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Natürlich wird auf diesem Wege oft auch unausgegorener, schlecht geschriebener Schund auf den Markt geworfen, für den sich niemals ein Verlag gefunden hätte – aber durch die Interaktivität des Internets (also Leserrezensionen bei Online-Buchhändlern wie Amazon) trennt sich hier recht schnell die Spreu vom Weizen.

Wenn man den Buchmarkt beobachtet merkt man, dass mittlerweile immer mehr kompetente und professionelle Autoren die Verlage umgehen und ihre Bücher erfolgreich in Eigenregie herausbringen und vermarkten. Selbstverleger können mit ihren Büchern schneller auf Trends und neue Entwicklungen reagieren als große Verlage. Das ist ein wenig wie mit den flinken, beweglichen Säugetieren, die vor Jahrmillionen die schwerfälligen Saurier ablösten.

Und wie schätzt du die Zukunft der klassischen Verlage ein?

Dieser Trend wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren zu einem Umdenken in der Verlagswelt führen müssen. Heute sind Verlage längst nicht mehr die allmächtigen Türsteher, die darüber entscheiden können, wer veröffentlicht wird und wer nicht – und immer mehr Lesern ist es egal, ob der Name eines großen Verlags auf dem Buchrücken steht.

Dennoch glaube ich nicht, dass klassische Verlage vom Aussterben bedroht sind, wie manche Schwarzseher orakeln. Um jedoch mit der Flexibilität und den vergleichsweise höheren Tantiemen konkurrieren zu können, die Autoren z.B. in Amazons KDP-Programm oder zu CreateSpace locken, müssen klassische Verlage sich eher als Dienstleister positionieren, die Autoren durch professionelles Lektorat, Coverdesign und Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Bücher ermöglichen, sich mehr auf ihre eigene Kernkompetenz – nämlich das Schreiben von Büchern – zu konzentrieren.

Ich glaube, dass in dieser Hinsicht die nächsten Jahre noch sehr interessant werden dürften.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich bin auf Twitter sehr aktiv und habe dort ein mittlerweile ein paar tausend Follower, die meine Schreibtipps lesen und teils ihrerseits retweeten. Was sich auch sehr bewährt ist, periodisch Links zu älteren, aber weiterhin aktuellen (Evergreen-)Blogposts zu twittern und diese Blogposts so erneut in den Fokus der Leser zu bringen.

Gelegentlich schreibe ich auch Gastposts für andere Autorenblogs, was ebenfalls zu Synergie-Effekten führt. Facebook ist für mich hingegen noch ziemliches Neuland, obwohl ich durchaus das Potential für Autoren und Blogger sehe. Aber das ist ein Thema, mit dem ich mich 2013 etwas intensiver beschäftigen möchte.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Als Blogger sollte man genau wissen, wer die Zielgruppe des eigenen Blogs ist und welche Themen diese Leser interessieren. Es ist gut, wenn man als Blogger vielseitig interessiert ist – aber im Blog selbst sollte man sich auf eine Zielgruppe und deren Interessen beschränken. Wer heute übers Schreiben, morgen über Nordic Walking und übermorgen über die neuesten Kinostarts bloggt, dürfte Probleme haben, sich eine feste Leserschaft aufzubauen.

Man sollte sich als Blogger auch sehr genau überlegen, ob bzw. wie weit man sein Privatleben in seine Blogposts einfließen lassen will. Solange die Anekdoten aus dem eigenen Privatleben etwas mit dem Thema des Blogs zu tun haben (oder man sie damit geschickt in Verbindung setzen kann), ist das schön und gut. Leser interessieren sich natürlich immer auch für die Person hinter dem Blog – aber wenn die Blogposts über private Dinge überhand nehmen und keinen Bezug mehr zum eigentlichen Thema des Blogs haben, verwässert man sein Blog und riskiert damit, seine Leser zu verlieren.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die größte Hürde ist der Balanceakt, einerseits regelmäßig zu bloggen und sich andererseits nicht zu wiederholen und damit langweilig zu werden. Wer zu selten neue Beiträge veröffentlicht, gerät rasch in Vergessenheit – aber wer 1-2 Blogposts pro Woche schreiben will, hat schon bald dasselbe Problem wie zahlreiche Zeitschriften – nämlich dass fast alle interessanten Themen schon einmal abgehandelt wurden. In diesem Falle bleibt nur, alte Themen aufzuwärmen, und dabei diesmal die Schwerpunkte anders zu setzen und das Thema von einer anderen Seite zu beleuchten.

Dieses Problem haben natürlich vor allem Blogger, die sich bemühen, überwiegend Evergreen-Posts zu schreiben, die auch in ein paar Monaten oder Jahren nicht viel von ihrer Aktualität verloren haben. Wer hingegen z.B. über Literatur-Neuerscheinungen berichtet, hat natürlich regelmäßig „frischen Stoff“, über den er berichten kann. Auf der anderen Seite kann man eine Buchrezension nicht so schnell aus dem Ärmel schütteln wie einen Blogpost über ein Thema, mit dem man sich ohnehin bereits intensiv beschäftigt hat. Bücher intensiv genug zu lesen, um sie angemessen rezensieren zu können, kostet nun mal Zeit.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Ich freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen zu meinen Blogposts und zu meinen Artikeln aus dem WritersWorkshop E-Zine. Auf diese Weise sind schon viele interessante Diskussionen und nette Freundschaften zustande gekommen.

Natürlich habe ich mich auch sehr gefreut, als die CHIP mein WritersWorkshop E-Zine auf ihrer DVD-Beilage „KreativSuite 2013“ gebracht hat. Sowas ist natürlich immer ein schönes Kompliment für die eigene Arbeit.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Der Fokus meines Blogs und des WritersWorkshop E-Zines liegen auf dem Schreiben von Büchern und Kurzgeschichten – daher stelle ich lediglich Schreibratgeber im weitesten Sinne vor – also alles, was sich ums Schreiben, Veröffentlichen und Vermarkten von Büchern dreht.

Rezensionsexemplare nehme ich durchaus an, behalte mir aber vor, ob ich letzten Endes tatsächlich eine Rezension in meinem Blog oder dem WritersWorkshop E-Zine veröffentliche. Wenn mir das Buch gefällt, schreibe ich gerne eine positive Rezension, aber ich lehne es ab, Verrisse zu schreiben. Wenn ich das Buch meinen Lesern nicht mit gutem Gewissen empfehlen kann, schreibe ich lieber gar nichts darüber. Das ist im Normalfall auch im Sinne des Autors bzw. Verlags.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ich mache keinerlei Unterschiede zwischen den Büchern von Verlagen und denen selbstverlegender Autoren. Für mich zählt die Qualität eines Buchs und nicht, ob es über einen bekannten Publikums-Verlag, einen Print-on-Demand-Anbieter oder als Kindle-eBook veröffentlicht wurde.

Auch hier gilt: Ich veröffentliche nur dann eine Rezension, wenn ich das Buch meinen Lesern guten Gewissens empfehlen kann. Einen Verriss würde ich nur dann schreiben, wenn der Autor partout auf der Rezension seines Werks besteht.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich bin ein großer eBook-Fan und besitze mittlerweile ein halbes Dutzend unterschiedlicher Reader (davon allein drei unterschiedliche Kindle-Modelle). Seit der Erfindung der modernen eReader mit E-Ink-Display lese ich deutlich mehr eBooks als gedruckte Bücher. Da ich sehr häufig unterwegs bin, finde ich es sehr praktisch, jederzeit eine ganze Bibliothek in der Jackentasche dabei zu haben.

Auch in der Summe ist mein Buchkonsum durch eBooks nochmal deutlich gestiegen. In meinen Bücherregalen tummeln sich weit über tausend gedruckte Bücher, aber die hat man nun mal nicht immer dabei. Mit meinem Kindle habe ich hingegen jederzeit mehr als genug Lesestoff dabei.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da wären natürlich zunächst mal die äußerst lesenswerten Blogs der beiden Berliner Autoren Marcus Johanus und Axel Hollmann, die in dieser Gesprächsreihe ja schon zu Wort gekommen sind. Empfehlenswert sind auch die Blogs von Matthias Czarnetzki und Kerstin Brömers Literaturjournal – und natürlich (last, not least) das sehr abwechslungsreiche und informative schriftzeit-Blog von Stephan Waldscheidt, den ich als nächsten Interviewpartner vorschlagen möchte.

Danke sehr für diesen tiefen Einblick weit über deine Blogger-Werkstatt hinaus, Richard.

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Zuletzt stellte sich Ada Mitsou mit Ada Mitsou liest… vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von vorgelesen. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Marcus Johanus vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Stefanie und Yvonne, die gemeinsam Leselink betreiben, haben Marcus Johanus vorgeschlagen, der sich und sein Blog heute vorstellt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

  • Berliner
  • zwei Examen in den Fächern Germanistik und Politologie
  • bisher veröffentlicht: Kurzgeschichten, Rezensionen und Texte für die Spielmagazine WunderWelten, Ringbote und Cthulhoide Welten und für das Rollenspiel H.P. Lovecrafts Cthulhu
  • schreibt Thriller für Erwachsene und Jugendliche
  • Blogger
  • Podcaster seit Frühjahr 2012 gemeinsam mit dem Krimi- und Thriller-Autoren Axel Hollmann: Die SchreibDilettanten. Der Podcast für Romanautoren.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit 2011 auf WordPress. Ich habe mich kurz mit anderen Plattformen und auch mit der Möglichkeit beschäftigt, meinen Blog selbst zu hosten. Entweder fand ich das zu aufwändig oder zu einschränkend. WordPress stellt einen guten Kompromiss dar.

Deine Themenschwerpunkte …

Kreatives und dramatisches Schreiben und alles, was zum Thema gehört, wie z.B. Motivation, Umgang mit dem inneren Kritiker und Rezensionen zu Büchern, Filmen, TV-Serien …

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Marcus Johanus © Marcus Johanus

Marcus Johanus © Marcus Johanus

Das kann ich so nicht sagen. Ich bemühe mich darum, beim Lesen in die Breite und nicht in die Tiefe zu gehen. Ich lese deswegen aus möglichst vielen Genres verschiedene Autoren, entdecke hier und da Klassiker, versuche aber auch neue Autoren und vor allem Bestseller zu lesen. Dabei bin ich immer auf der Suche nach dem guten Buch. Soll heißen: Ein Roman muss für mich mitreißend sein. Sobald ich an den Seiten kleben bleibe, ist er gut. Dabei ist mir gleich, ob es sich um einen Krimi, historischen oder einen SF-Roman, Fantasy, Jugendbuch oder um ein Sachbuch handelt.

In diesem Zusammenhang finde ich spannend, dass sich der deutsche Markt seit einigen Jahren immer mehr auch für deutsche Autoren öffnet, die eben diese Qualität auch besitzen. Das war vor zwanzig, dreißig Jahren noch nicht so. Ich hoffe, dass diese Entwicklung anhält.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich mag Twitter sehr gerne. Mit Facebook fremdele ich noch ein wenig, obwohl ich die Notwendigkeit, dort präsent zu sein, einsehe. Im Prinzip müsste man für seinen Blog auch und gerade offline werben, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Dafür fehlen mir jedoch noch zündende Ideen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Mich persönlich interessieren Blogs, die schnell auf den Punkt kommen, ohne oberflächlich zu sein. Die an vielen Stellen empfohlenen 500-Wörter-Artikel langweilen mich deswegen meistens. Allerdings mache ich auch einen Bogen um 2000-Wörter-Buchstabenwüsten. Einerseits finde ich die Nabelschau ebenfalls furchtbar uninteressant. Ein Blogger, der sich nur um sich selbst dreht, ohne einen Nutzen für den Leser zu bieten, langweilt mich. Andererseits muss ein Blog auch eine persönliche Note, einen unverwechselbaren Charakter haben.

Ich finde also, ein Blogger sollte die Extreme vermeiden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Regelmäßig zu posten. Ein Blog steht und fällt damit, häufig aktualisiert zu werden. Das kann in Stress ausarten. Hier muss man einen Weg finden, wie man das durchhält, ohne sich selbst auszubeuten. Hinzu kommt der lange Atem, denn in den ersten Monaten interessiert sich so gut wie niemand für deinen Blog.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn Kommentatoren meiner Artikel auf meinem Blog anfangen miteinander zu diskutieren. Ich freue mich riesig darüber, Gedanken anstoßen zu können und dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich nehme sie an, wenn sie zu meinem Blog passen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Ebenso.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich lese inzwischen privat fast nur noch eBooks. Die Vorteile zum gedruckten Buch überwiegen für mich.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Natürlich: Axel Hollmann und Die SchreibDilettanten; außerdem das Literaturjournal von Kerstin Brömer, Richard Norden, hier dreht sich alles rund ums Schreiben, und schriftzeit, das ‚Blog für Autorinnen und Autoren, die bessere Romane schreiben wollen‘. –  Den Stab weiterreichen möchte ich an Axel!

Dann schaun wir mal, ob Axel deinen Ball auch fängt. Danke, Marcus!

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Zuletzt stellte sich Svenja mit Syn-ästhetisch vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Bibliophilin. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier