„Ich habe viele Fehler gemacht, die meine Leser jetzt nicht mehr machen müssen.“ – Boris Langendorf über „Null Zins? Nein danke!“

Obwohl ich Boris Langendorf seit langem persönlich kenne und schätze, überraschte mich diese Entscheidung: Seinen Ratgeber für Börseneinsteiger „Null Zins? Nein danke!“ publizierte er bei einem BOD-Verlag. Anlass genug, ihm einige Fragen zu stellen.

Auf Ihrer Autorenseite fällt der Satz „etiam si omnes – ego non“ ins Auge. Was verbinden Sie damit?

Das Prinzip, das eigene Denken zu bewahren und nicht einfach im Mainstream mitzuschwimmen.

Als Diplom-Kaufmann und Wirtschaftsjournalist haben Sie sich vier Jahrzehnte für den Buchmarkt stark gemacht. Warum wenden Sie sich mit Ihrem Ratgeber jetzt einer anderen Öffentlichkeit zu?

mit Langendorf im Gespräch © Sabine Münch

mit Langendorf im Gespräch © Sabine Münch

In einem zweiten Leben war und bin ich seit 1987 privater Kleinanleger, und nach dem Verkauf von „Langendorfs Dienst“ habe ich die große Chance gesehen, meine dabei gemachten Erfahrungen anderen zur Verfügung zu stellen. Ich habe viele Fehler gemacht, die meine Leser jetzt nicht mehr machen müssen, und dennoch eine Rendite erzielt, von der das Sparbuch nur träumen kann.

Auf Rendite scharf sein ist ja vielen verdächtig…

Vor dem Hintergrund der sich öffnenden Rentenlücke bei gleichzeitigen Nullzinsen ist die private Absicherung mit rentierlicher Geldanlage für jeden eine brennende Frage, die nicht mit Emotionen zu lösen ist.

Als langjähriger Beobachter und Begleiter der Buchbranche sollte es Ihnen eigentlich leicht gefallen sein, einen klassischen Verlag für Ihre Publikation zu gewinnen?

Nicht wirklich. Die Fachverlage haben alle einen Ratgeber für Börseneinsteiger und wollen ihre etablierten Autoren nicht verärgern (und dabei hatte ich immer gedacht, sie wollten Geld verdienen). Ich habe auch einige Publikumsverlage kontaktiert, aber denen war ein braves Einsteigerbuch, wenn sie sich schon für das Thema Börse hergeben, nicht reißerisch genug. Das Manuskript haben aber alle gelobt.

Was hat Sie schlussendlich bewogen, ein Selfpublisher zu werden?

Ein wesentlicher Vorteil ist die Schnelligkeit. Gerade Informationen zur Geldanlage sind, anders als etwa ein lustiger Roman, leicht verderbliche Ware, und wenn die Arbeit fertig ist, soll sie auch gleich raus und nicht erst bis zum Frühjahrsprogramm warten. Wichtig ist auch, dass ich die Publikation ganz unter der eigenen Kontrolle habe: je nachdem, wie schnell und gut Rückkopplungen aus dem Leserkreis kommen, kann ich jederzeit mit einer Neuauflage reagieren.

Gegen Indie-Autoren bestehen gewisse Vorbehalte. Wie stehen Sie dazu?

Die sind sicher in vielen Fällen berechtigt. In anderen eben nicht. Das ist wie im richtigen Leben.

Dienstleister fürs Selfpublishing gibt es inzwischen reichlich. Warum haben Sie sich für BoD entschieden?

BoD erschien mir vom gesamten Auftreten als seriöser und erfolgversprechender Partner. Dahinter steht Libri, ein vertriebsstarkes Unternehmen, das es bestimmt auch bei meinen nächsten Buchprojekten noch gibt. Und in Gesprächen mit Buchhändlerinnen habe ich festgestellt, dass BoD auch dort einen guten Ruf hat.

Andere Anbieter wie etwa Create Space von Amazon, epubli oder tredition waren für Sie nie eine Option?

Doch, ich habe sie mir auf der Frankfurter Buchmesse alle angesehen. Es gab keinen, den ich für mich ausgeschlossen hätte, aber dann muss man sich auch mal entscheiden.

Welche verlegerischen Dienstleistungen nimmt Ihnen BoD ab?

Produktion, ISBN, Pressemeldung mit Rezensionsversand, Auftritt auf der eigenen Seite. Vieles wie Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung ist zubuchbar.

Wie zufrieden sind Sie bisher mit der Zusammenarbeit?

Gut und fair.

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Null ZinsBis jetzt noch nirgends, aber das Buch ist ja erst dieser Tage erschienen. Die Frage kann ich ernsthaft erst beantworten, wenn das Projekt richtig etabliert ist.

Worauf sollte man bei der Zusammenarbeit mit Selfpublishing-Dienstleister besonders Acht geben?

Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und Vertriebsstärke.

Mit einem E-Book und einem gedruckten Buch fahren Sie zweigleisig. Warum das?

Weshalb sollte ich mit meiner Botschaft nicht alle Lesegewohnheiten und -vorlieben bedienen?

Bekanntlich tut sich der Buchhandel mit Publikationen von Selfpublishern eher schwer… „Langendorfs Dienst“, den Matthias Koeffler im vergangenen Jahr übernommen hat, haben Sie 2002 aus der Taufe gehoben, um den unabhängigen Buchhandel im Wettbewerb zu unterstützen. Dankt Ihnen der Buchhandel das jetzt, indem er „Null Zins? Nein danke!“ ins Sortiment aufnimmt?

Ich erwarte nicht, dass der Buchhandel dies aus Dankbarkeit oder gar aus Mitleid tut, sondern weil „Nullzins? Nein danke!“ ein Problem lösen hilft, das sehr vielen Buchhandelskunden bald unter den Nägeln brennen wird und vielleicht auch dem einen oder anderen Buchhändler selbst. Da erwarte ich aber nicht, dass das Sortiment von selbst darauf kommt, das muss ich kommunizieren.

Ihr Buch ist auch bei Amazon erhältlich…

So spielt das Leben. Das gilt im Übrigen meines Wissens für alle anderen Bücher auch. Ich habe das Buch geschrieben, um die Menschen vor den Zinsfalle zu bewahren und nicht als Aktion gegen Amazon.

Der Zwang zum Selbstmarketing gilt heute für nahezu alle Autoren. Was werden Sie tun, um Ihren Ratgeber für Börseneinsteiger bekannt zu machen?

Die Branchenöffentlichkeit suchen, so oft es geht, und auch die Endkunden. Die so genannten Sozialen Medien bieten dafür heute Möglichkeiten, von denen frühere Autorengenerationen nicht zu träumen wagten. Welche davon die effektivsten sind, das wäre vielleicht auch mal ein interessantes Buchthema.

Es heißt ja, dass der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben werden. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Diese Frage überzeichnet etwas. Schließlich ist BoD ja auch ein Verlag, dessen Dienste ich gern in Anspruch nehme und die ich keineswegs auch noch selbst leisten will.

Könnte es sein, dass Independent Publikationen den klassischen Gatekeepern à la longue den Rang ablaufen?

Niemals. Es wird sich ein Gleichgewicht einstellen zwischen der Produktion klassischer Verlage und der Produktion marktrelevanter (nur um die geht es) Selfpublisher. Mit sich steigernder Offenheit und Servicebereitschaft gegenüber Autoren können klassische Verlage ihren Marktanteil in diesem neuen Gleichgewichtszustand hoch halten.

Und nun – zur wichtigsten Frage: In Ihrem Ratgeber geben Sie Ihre in fast 30 Jahren gewachsene Erfahrung als Kleinanleger weiter. Gesetzt den Fall, ich hätte 1.000 Euro übrig. Zu welcher Anlage würden Sie mir aktuell raten?

Da kann ich nur raten zu warten, bis Sie die fünf- bis zehnfache Summe übrig haben und dann mit der Investition in drei schön langweilige Qualitätsaktien zu starten.

Danke, Boris Langendorf. Ich erlaube mir, gelegentlich nachzuhaken, wenn sich das Projekt dann etabliert hat.

„Ich schreibe meinen Autoren nichts vor, vor allem nicht, was oder wie sie zu schreiben haben.“ Ein Gespräch mit Lea Korte über Schreibschulen und Autoren-Coaching

Lea Korte veröffentlicht bei Droemer Knaur historische Romane, Liebesromane beim Aufbau Verlag und unter Pseudonym liegen bei Heyne und Bastei Lübbe Sachbücher und Liebesromane von ihr vor. Seit 2011 bietet die rührige Autorin, die seit Jahrzehnten im Süden lebt, zudem Online-Autorenkurse und ein Manuskriptcoaching an. Beides nahm Gabriele Schmid wahr, mit der ich Gespräche über ihren Weg als Autorin und Eigenverlegerin geführt habe. Darüber kam ich mit Lea Korte in Kontakt, die sich freundlicherweise bereit erklärte, mir im Zusammenhang mit Schreibschulen einige Fragen zu beantworten. – Ich sage Lea Korte herzlich danke, dass sie sich die Zeit genommen hat.

Dem Literaturinstitut in Leipzig und dem Studiengang Kreatives Schreiben in Hildesheim eilt der Ruf voraus, Türöffner für Verlage und den Literaturbetrieb zu sein. Werden Autoren ernster genommen, die spezielle Schulungen durchlaufen haben?

Ja, ich denke schon, dass dies der Fall ist. Wann immer ich mit Agenten oder Lektoren über die Autoren meiner Kurse und deren Werke rede, sehe ich ja auch, auf welch großes Interesse ich stoße. Der Agent oder der Verlagslektor weiß, dass die Projekte, die im Rahmen des Kurses entwickelt wurden, handwerklich einwandfrei und optimiert sind. In der Tat haben ja auch schon einige „meiner“ Autoren den Weg in Publikumsverlage geschafft beziehungsweise einen Agenturvertrag unterschreiben können.

Anfang des Jahres sorgte ein ZEIT-Kommentar von Florian Kessler für Aufregung, in dem auch die Literaturinstitute in Hildesheim und Leipzig ihr Fett abbekamen. Wie sehen Sie das: Besteht die Gefahr, dass Schreibschulen uniforme Literatur produzieren?

Lea Korte © Lea Korte

Lea Korte © Lea Korte

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht – und in meinem Kurs schon gar nicht. Ich schreibe meinen Autoren nichts vor, vor allem nicht, was oder wie sie zu schreiben haben. Das Autorenhandwerk, das ich im Kurs vermittele, ist einfach das Rüstzeug, das jeder Autor braucht, wenn er vorankommen will – und das bedeutet nicht, dass man ab da „nach „Regeln schreibt“. In der Tat habe ich derzeit sogar in jedem Kurs einige äußerst „regelwidrige“ Romane, denen ich aber größte Chancen auf dem Buchmarkt einräume, gerade weil sie anders, weil sie originell, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Ich helfe Autoren, das Optimum aus IHRER Romanidee zu machen und stelle vor allem Fragen, durch die der Autor selbst den richtigen Weg finden kann, und zwar einen, der dann auch zu ihm passt.

Reicht ein solides literarisches Handwerk tatsächlich aus, um als Autor unter heutigen Bedingungen zu reüssieren?

Nicht allein, denn mindestens ebenso wichtig ist die Romanidee, die Figuren… Beides muss Hand in Hand gehen, und deswegen arbeiten ich im Kurs ja auch auf mehreren Ebenen.

Das „wie erzähle ich?“ mag man lernen können. Aber doch nicht das „was erzähle ich?“. Oder?

Doch, auch das. Ideenfindung gehört zur Arbeit im Kurs. Nicht alle Autoren kommen schon mit einer Romanidee; die, die noch keine haben, finden sie im Kurs. Auch hierfür gibt es durchaus Techniken.

Sie haben selber Schreibkurse belegt; meines Wissens sogar bereits in Ihrer Schulzeit. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Ich habe schon in der Schule – was damals sicher der Zeit voraus war – Kurse in „creative writing“ besuchen können, auch später jede Schulungsmöglichkeit wahrgenommen, den ständigen Austausch mit guten Kollegen gesucht und viele, viele Romane analysiert, um zu sehen: Was geht, was nicht? Was zieht den Leser weiter, was wirft ihn raus? Wie baut welcher Autor die Figuren, die Spannung auf? Etc. Und ich habe bei alledem immens viel gelernt – und gebe dieses Wissen heute weiter.

Was hat Sie bewogen, Kurse für Autoren anzubieten?

Je bekannter ich geworden bin, desto öfter habe ich Mails von Autoren mit der Bitte bekommen, mir ihre Texte doch mal „kurz“ anzusehen und eine Einschätzung bzw. „ein paar Tipps“ zu geben. Damit aber ist es in 99% der Fälle nicht getan. Da fehlt Handwerk, die Figurenentwicklung ist nicht hinreichend durchdacht, die Spannungskurve flacht schon nach wenigen Seiten wieder ab, etc. Das alles aber kann man nicht „in drei Worten“ vermitteln. Und da ich, wenn, dann richtig helfen wollte, habe ich diesen Kurs entwickelt.

Sollte man ein gewisses Rüstzeug mitbringen, wenn man sich bei Ihnen fortbilden will?

entführt in phantastische Welten... © Lea Korte

entführt in phantastische Welten… © Lea Korte

Wichtig ist die Liebe zum Schreiben, Ausdauer und Kritikfähigkeit. Wer diese drei Dinge mitbringt, der hat in der Regel alles, was man braucht, um sich weiterentwickeln zu können. Ich sehe ja immer wieder, wie sehr sich die Projekte und Romanszenen der Autoren allein schon in nur drei Monaten weiterentwickeln!

Wie schätzen Sie die Entwicklung ein, dass mit dem Aufkommen des Selfpublishings auch Schreibschulen wie Pilze aus dem Boden wachsen?

Das Problem ist – wie immer -, dass der Autor am Ende vor der Schwierigkeit steht, den richtigen Mentor/Lehrer zu finden. Es gibt sehr gute Mentoren, Coacher, Schreiblehrer, etc. – aber es gibt auch weniger gute, die ihr Handwerk selbst nicht verstehen. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist für einen Autor, der ja zunächst nur einen Blick von außen auf das werfen kann, was da angeboten wird, sicher nicht einfach.

Worauf sollte man bei der Wahl einer Schreibschule besonders Acht geben?

Die Chemie zwischen dem Autor und seinem Mentor muss stimmen. Die Kursdauer sollte nicht zu kurz angelegt sein, denn Roman und Autor brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Es sollte nicht nur um das Handwerkszeug, das Schreiben an sich gehen, sondern man sollte auch Hilfe bei der Roman- und Figurenentwicklung, dem Plot, dem Exposé, der Leseprobe bekommen. Man sollte einen Probemonat machen können. Wichtig wäre mir als Autor auch der Austausch mit anderen Autoren. Wie ich dies zum Beispiel in meinem (nur für Kursteilnehmer offenstehenden) Autorenforum anbiete und das in sehr großem Umfang genutzt wird.

Sie sind eine eingeführte Autorin, die inzwischen sogar vom Schreiben leben kann. Was raten Sie dem Nachwuchs?

Wichtig ist, so langweilig sich das jetzt auch anhören mag, Disziplin, Ausdauer und Geduld. Ein Roman schreibt sich nicht „in drei Minuten“, der braucht Zeit – auch Zeit zum Atmen, sprich Zeit, in der man ihn mal liegenlässt, damit der Blick für ihn wieder frei wird, man Abstand zu seinem Werk bekommt. Und der andere wichtige Tipp hängt damit direkt zusammen: Ein gutes Buch ist das Ergebnis von vielen, vielen Überarbeitungsschritten. Nur die allerwenigsten Autoren können einen guten Text aus dem Ärmel schütteln. Der „normale“ Autor, und das sind sicher die meisten, braucht dafür viele Überarbeitungsschritte. Ein guter Roman wird seinen Weg gehen, aber bis er gut ist, muss man viel Zeit und Energie reinstecken. Und das Wissen, wie man beim Überarbeiten vorgeht, kann dabei nur nützlich sein.

„Mir imponiert sehr, wie freundlich die Community von LovelyBooks mit Neuautoren umgeht.“ SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Bei Gabriele Schmid habe ich nachgehakt, weil die Autorin eine erstaunliche Entwicklung nahm, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Der erste Teil unseres Gespräches drehte sich um Schreibschulen und Autoren-Coaching, dann ging es um ihre Erfahrungen als Newcomerin, die den Eigenverlag PCSbooks ins Leben gerufen hat. Heute will ich von ihr wissen, was sie dafür tut, um als Autorin Fuß zu fassen.

Der Zwang zum Selbst-Marketing gilt heute für alle Autoren. Was tun Sie, um Ihre Bücher bekannt zu machen?

Werbung (lacht). Spaß beiseite: Ich versuche regelmäßig jeden zweiten Tag bei Facebook zu posten, halte meine Homepage so aktuell wie möglich und habe seit neuestem einen Blog, der aber erst noch seine Anhänger finden muss. Ansonsten versuche ich bei Veranstaltungen in meiner Heimatgemeinde präsent zu sein. Zum Beispiel darf ich am kommenden Freitag, den 11. Juli, gemeinsam mit Joanne St. Lucas zum zweiten Mal im Froggy in Münchingen lesen. Eine weitere Lesung bei den Landfrauen in Münchingen ist bereits für Dezember geplant.

Welche Aktivitäten kamen besonders gut an?

Lesung im Froggy © Nicole Geck

Lesung im Froggy © OOOGrafik

Die Lesungen sind gut besucht. Wobei wir hier nur von kleinen Veranstaltungen sprechen, nicht von Sälen, die ich fülle. Aber die Resonanz ist toll.

Und was floppte?

Erfolglos waren meine Bemühungen, bei einer der regionalen Zeitungen einen Bericht über mich und meine Bücher unterzubringen. Da kam nicht einmal eine Rückmeldung.

Im Social Web setzen Sie auf Facebook. Sie pflegen eine Autorenseite, eine PCSbooks-Seite und für Ihre Publikationen Fanseiten. Was versprechen Sie sich von den unterschiedlichen Auftritten?

Anfangs schwebte mir vor, mit meiner Fanseite für „Gleichklang“ auch Menschen erreichen zu können, die mit Hämophilie irgendwie verbunden sind.

Der Bluterkrankheit ihres Sohnes, die im Roman ja auch eine Rolle spielt…

Ja. Leider ist mir das bisher nicht gelungen. Gleiches gilt für meine Kurzromane, die im fiktiven Örtchen Mittsingen spielen. Auch hierfür hätte ich gerne eine eigene kleine Fangemeinde gewonnen. Letztlich ist es aber so, dass immer dieselben Leute meine Seiten besuchen. Das meiste läuft wohl über meine eigene Chronik, die ich ursprünglich gar nicht pflegen wollte und anfangs dementsprechend vernachlässigt habe.

Was kommt bei Facebook besser an: Ihre Autorenpräsenz oder die Fanseiten?

Meine Autorenpräsenz, obwohl ich alle meine Seiten gezielt bespiele.

Worauf achten Sie bei Ihrer Kommunikation im Web besonders?

Das Privatleben bleibt außen vor. Fotos nur von mir, keine von meiner Familie. Das ist absolut tabu!

Wo verorten Sie im Social Web besondere Risiken?

Das „Ausgeliefert-Sein“ fürchte ich am meisten. Man hört ja immer wieder von verbalen Angriffen. Menschen, die einem nicht wohlgesonnen sind, oder Neider. Das lässt sich im Netz schon gar nicht steuern.

Marketing übers Pricing ist im Selfpublishing-Bereich eine gängige Methode, um Publikationen „an den Mann“ zu bringen. Anfang Mai lief eine Preisaktion für die E-Bookversion von „Gleichklang“, Mitte Juni gab es eine Mittsingen-Sonder-E-Book-Edition für 0,99 Cent. Rechnen sich solche Aktionen?

Auf jeden Fall! Die Verkaufszahlen sprechen für sich. Durch die vermehrten Verkäufe rutscht man im Ranking nach oben und man ist in den Bestenlisten präsenter.

Was halten Sie von Kostenlos-Aktionen?

Davon halte ich gar nichts. Es ist harte Arbeit, ein gutes Buch zu schreiben und herauszubringen. Das kann es nicht für umsonst geben.

Es hat sich inzwischen eingebürgert, Testleser ins Boot zu holen…

der Stadtplan  © PCSbooks

der Stadtplan © PCSbooks

Das halte ich ebenso. Sobald ein Manuskript erstmals lesereif ist, geht es an mindestens fünf Testleser, die nur lesen. Obwohl es keine Profis sind, kommen von ihnen wertvolle Rückmeldungen, die in meine Überarbeitungen einfließen. Und sie haben tolle Ideen. Als ich die Mittsingen-Reihe „Aus Träumen werden Geschichten“ entwickelte, machte eine Testleserin zum Beispiel den famosen Vorschlag, dass ich eine Karte von Mittsingen entwerfen sollte. Gesagt – getan. Mithilfe eines jungen Bekannten entstand der Stadtplan von Mittsingen, der von Band zu Band ergänzt wird.

Wie rekrutieren Sie Ihre Testleser?

Die Ersten habe ich direkt angesprochen. Inzwischen kommen Menschen auf mich zu, um sich als Testleser anzubieten.

Was hat ein Testleser davon, wenn er Ihre Manuskripte kritisch unter die Lupe nimmt?

Spaß (lacht). Nach Erscheinen erhält jeder ein handsigniertes Exemplar des entsprechenden Buches.

Leserunden bei der Holtzbrinck-Community LovelyBooks sind bei Autoren und Lesern ausgesprochen beliebt. Wie waren Ihre Erfahrungen, als Sie „Gleichklang“ und die Mittsingen-Kurzromane auf Deutschlands beliebtester Social-Reading-Plattform vorgestellt haben?

Zunächst war ich sehr überrascht, dass so viele meinen Debütroman lesen wollten. Es kam zu einer regelrechten Rangelei um die Freiexemplare von „Gleichklang“. Riesig gefreut habe ich mich über die durchweg positiven Rezensionen und schließlich auch darüber, dass die ersten beiden Bände meiner Mittsingen-Kurzromanreihe „Herbststürme“ und „Sternschnuppen-Regen“ ebenso gut aufgenommen wurden wie der Liebesroman „Gleichklang“. Mir imponiert sehr, wie freundlich die Community von LovelyBooks mit Neuautoren umgeht und vor allem wie ausgereift und detailliert die einzelnen Rezensionen sind. Man erkennt auf Anhieb, dass die Leser nicht nur eine starke Affinität zu Büchern, sondern auch Ahnung davon haben.

Es gibt aber sehr wohl auch schwarze Schafe…

Ja, leider gibt es die auch, die Bücher zwar kassieren, aber nie eine Rückmeldung oder Rezension posten. Ich achte inzwischen sehr sorgfältig darauf, ob die jeweiligen Interessenten auch Rezensionen anfertigen. Sollte dem nicht so sein, fällt die betreffende Person aus meinem Lostopf raus.

Haben Sie infolge der Leserunde auch Bücher verkauft?

Bezüglich „Gleichklang“ kann ich darauf leider keine Antwort geben, da ich die Verkaufszahlen bislang nicht kenne. Was meine Kurzromane anbetrifft, sind in diesem Zeitraum kaum mehr verkauft worden. Was die Verkaufszahlen generell anbetrifft, da beobachte ich ein Phänomen: Geht ein Buch weg, dann folgen in den nächsten Tagen viele nach. Geht ein paar Tage nichts, dann steigt der Verkauf prompt wieder an, wenn das Erste gekauft wurde. Die Verkaufszahlen, meine Mittsingen-Reihe betreffend, kann ich schmunzelnd als Wellenbewegungen bezeichnen. Aber, damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin hoch zufrieden!

 Vielfach wird ja behauptet, dass die Beschäftigung mit Büchern im Internet substanzlos ist. Bücher werden gelikt, gerankt oder allenfalls in stümperhaften Rezensionen wiedergegeben, die vielfach nicht mehr sind als der Klappentext. Wie sehen Sie das?

Meine Erfahrungen mit der Community von LovelyBooks bestätigen das nicht. Die Rezensionen zu meinen Büchern sind allesamt detailliert und urteilssicher. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass abgeschrieben wird. Auch nicht von einander. Zu meinen Leserunden, die durchweg gut besucht waren, wurden ebenfalls kompetente Beiträge beigesteuert.

Herzlichen Dank, dass Sie mir so ausführlich Rede und Antwort standen. Viel Erfolg mit PCSbooks und Glück auf bei den Projekten, die Sie derzeit gemeinsam mit Ulrike Dietmann und Lea Korte angehen.

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

„Als Selbstpublisher steht man unter scharfer Beobachtung.“ SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Bei Gabriele Schmid hakte ich nach, weil die Autorin eine erstaunliche Entwicklung nahm, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Der erste Teil unseres Gespräches drehte sich um Schreibschulen und Autoren-Coaching. Heute geht es um ihre Erfahrungen als Newcomerin und den Eigenverlag PCSbooks.

Ursprünglich hatten Sie geplant, ihre Romanserie rund um eine Freiburger Privatklinik an einen Verlag oder Agenten zu bringen. Wie waren Ihre diesbezüglichen Erfahrungen?

(lacht) Damals war ich überzeugt, den Bestseller schlechthin geschrieben zu haben. Sofern überhaupt eine Reaktion kam, hagelte es Absage über Absage. Tatsache war, die Freiburg-Reihe kam bei Verlagen nicht an. Keiner fragte nach einem kompletten Manuskript. Geurteilt wurde aufgrund des Exposés und der Leseprobe von 30 Seiten.

Dank dem mobilen Lesen sind Kurzromane und Serien stark im Kommen, Verlage verlieren ihre Berührungsängste vor kurzen Texten. Meinen Sie, Ihre Chancen stünden heute besser?

Das glaube ich eher nicht. Selbst gestandene DeLiA-Autorinnen…

DeLiA, die Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und Autorinnen, der Sie angehören…

Genau. Selbst Mitglieder aus diesem Kreis, die bei namhaften Verlagen unter Vertrag stehen, haben sich entschieden, ihre Kurzromane in Eigenregie herauszubringen. Sofern sie es nicht schon längst tun. Es gibt verschwindend wenig Romanliteratur in den Buchhandlungen, die unter 200 Seiten aufweisen. Aber: man soll nie „Nie“ sagen. Womöglich ändert sich das ja noch.

Wo kommt ihr Faible für Serien her?

Ohje, da muss ich weit ausholen. Ich bin weniger die architektonisch, planende Autorin als vielmehr eine, die aus dem Bauch heraus schreibt. Wenn ich die Geschichte einer Protagonistin beginne, dann lasse ich mich dabei auf ganz viele Überraschungen ein. Jede Figur hat ein Umfeld, das einfach da ist, mit ihr lebt. Mir offenbart sich das beim Schreiben erst nach und nach. (Lacht) Oft vermag ich es auch gar nicht zu ändern, aber immerhin darf ich zumindest Regie führen. Es passiert mir immer wieder, dass sich das Umfeld auf seine eigene Weise verselbständigt. Es drängt sich in den Vordergrund. Will seine eigene Geschichte erzählen, die aber so gar nicht in meinen geplanten Plot passt.

Mögen Sie das an einem Beispiel konkretisieren?

Das erging mit bereits bei meinem allerersten Roman um die Freiburger Klinik so. Als ich die Geschichte von Doktor Katja Thalbach niederschrieb, verselbstständigte sich deren beste Freundin. Sie wollte mir ihre Geschichte ebenfalls erzählen. Also machte ich mich an den zweiten Band, sprich an die Geschichte von Viktoria Karl. Wie aus dem Nichts tauchte beim Schreiben noch dazu eine komplette Familie auf, die mir ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf ging. Im Lauf der Zeit entwickelte sich aus meinem Freiburg-Roman eine Reihe mit sechs Bänden, die jeweils etwa 400 Manuskript-Seiten stark sind.

Wie kamen Sie auf die Idee, Kurzromane zu schreiben?

Band 1 der Kurzroman-Serie

Band 1 der Kurzroman-Serie „Aus Träumen werden Geschichten“

Ähnlich wie sich meine Serien ergeben, ist es mir auch mit den Kurzromanen ergangen. Den ersten beiden Bänden der Kurzroman-Reihe „Aus Träume werden Geschichten“ liegen zwei voneinander unabhängige Geschichten zugrunde, die für einen Schreibwettbewerb im Winter 2012 entstanden sind. Ich war nicht wirklich zufrieden damit. Pias Geschichte – auf 30 Seiten gepresst – wollte länger erzählt sein. Obwohl ich damals mit der Überarbeitung von „Gleichklang“ beschäftigt war, setzte ich mich hin und schrieb. Rund 140 Seiten. Dabei gewann Pia eine Freundin: Lexi. Hups, dachte ich mir – schon wieder eine Fortsetzung. Und dann begannen die Ideen nur so zu sprudeln. Inzwischen habe ich Fährten für etwa acht Bände gelegt.

Ihr Debüt „Gleichklang“ ist bei spiritbooks erschienen. Was hat Sie bewogen, Ihre Kurzroman-Serie „Aus Träumen werden Geschichten“ im Eigenverlag herauszubringen?

Nach den Erfahrungen mit der Freiburg-Reihe war mir klar, dass kein Verlag der Welt ein so „schmales Werk“ drucken würde. Und da ich von Haus aus sowieso der Typ „Selbst-ist-die-Frau“ bin, dachte ich mir, probiere es selbst. Ich bin gut darin, mich zu organisieren. Hier kommt mir höchstwahrscheinlich die logische Denke der Datenbank-Ingenieurin zugute, die mich ständig zwingt, alles Wichtige im Auge zu haben und dann sukzessive abzuarbeiten. Und: ich kann die Arme hochkrempeln und mich in eine neue Aufgabe stürzen. – Dadurch fällt auch Unbekanntes leichter und macht mehr Freude.

Wie ist Ihr Label “PCSbooks – Plots . Characters . Scripts” entstanden; was steckt dahinter?

Das waren zum einen rein pragmatische Gründe. Die Domain pcs-schmid.de existierte noch aus den Zeiten, als ich während meiner Elternzeit einen kleinen PC-Service betrieben habe. Ich wollte diese Domain nicht ändern und suchte nach einer Lösung. Die ließ sich dann recht schnell finden: Plots-Characters-Scripts. Da ich alles professionell aufziehen wollte, holte ich mir von einer Spezialistin Unterstützung. Die Web-Präsenz, das Logo und alle meine Cover stammen von  Corina Witte-Pflanz. Ich bin über die Zusammenarbeit mir ihr sehr glücklich. Wir verstehen uns nahezu ohne Worte.

Warum fahren Sie mit Print und E-Book zweigleisig?

Nichts kann jemals das Gefühl und den Geruch von Papier ersetzen. Alt oder neu, jedes gedruckte Buch ist ein Kunstwerk. Erfahrungsgemäß gehen die E-Books von Selfpublishern allerdings besser. Daher wollte ich beides anbieten.

Meinen Sie, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ich bin da sehr zweigespalten. Inzwischen nutze auch ich ein Lesegerät, allerdings eher im Urlaub oder für Bücher, bei denen ich ahne, dass ich sie nur ein einziges Mal lesen werde. Hat mich mein Bauchgefühl betrogen und mir das Buch trotzdem gefallen, dann kaufe ich auch die gebundene Ausgabe. Ich bin altmodisch.

Sie arbeiten mit tredition zusammen. Warum haben Sie sich für diesen Dienstleister entschieden?

Ich habe mich in der einschlägigen Fachpresse kundig gemacht und kannte die Druckqualität von den Büchern her, die Ulrike Dietmann für spiritbooks bei tredition verlegt hat. Außerdem habe ich auf der Frankfurter Buchmesse ausführliche Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Überzeugt hat mich Anna Fleck, die bei tredition u.a. für die Kundenbetreuung zuständig ist. Schlussendlich war aber die Qualität der Bücher entscheidend.

Waren andere Anbieter wie etwa Create Space von Amazon, BoD oder epubli für Sie nie eine Option?

Anfangs habe ich noch mit dem Gedanken gespielt, die E-Books in Eigenregie bei Amazon zu veröffentlichen. Davon bin ich aber wieder abgekommen, weil tredition alle Formate und den globalen Handel bedient.

Welche verlegerischen Dienstleistungen nimmt Ihnen tredition ab?

(lacht) Den Buchdruck. Außerdem geht von tredition eine Pressemitteilung an den kompletten deutschen Buchhandel und sie machen Werbung für meine Titel auf ihren Seiten. Und nicht zuletzt übernehmen sie die Umwandlung der E-Books in alle gängigen Formate.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit?

Sehr zufrieden! Fragen werden sofort, nahezu postwendend beantwortet. Ich habe einen direkten Ansprechpartner. Fehler, so sie denn passieren, werden sofort ausgemerzt. Und sie unterstützen mein Buch-Marketing; etwa dadurch, dass sie meine Aktionen auf ihrem Facebook-Profil teilen.

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

das Logo

das Logo

Für meine E-Books würde ich über tredition gerne kleinere, kurzfristige Marketingaktionen initiieren können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Absatz dadurch anzieht. Außerdem würde ich mir wünschen, den Buchpreis flexibler gestalten zu können. Die Fixkosten sind relativ hoch. So man mit seinen Büchern etwas verdienen möchte, wird man nie mit den Preisen mithalten können, die für ein „normales“ Taschenbuch in der Seitenstärke meiner Kurzromane verlangt werden. Für ein Buch mit 220 Seiten 12,99 Euro haben zu wollen, halte ich für grenzwertig. Das überlege ich mir doch drei Mal, ob ich so viel dafür ausgeben möchte. Im Selfpublisher-Bereich liegt die Hemmschwelle – kaufe ich, kaufe ich nicht? – meines Erachtens bei zehn Euro.

Viel hängen bleibt da wohl nicht?

(lacht) An „Herbststürme“ – Band 1 meiner Kurzroman-Reihe „Aus Träumen werden Geschichten“, der den Leser 8,99 Euro kostet – verdiene ich 25 Cent pro gedrucktes Buch. Da muss ich schon sehr viele Exemplare verkaufen, um davon leben zu können.

Rechnet sich die Zusammenarbeit mit tredition für Sie dennoch?

Bisher rechnet es sich tatsächlich. Nehme ich 50 Bücher ab, dann fallen für die Veröffentlichung keine Kosten an.

Worauf sollte man bei der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen besonders Acht geben?

Die Qualität der Bücher (Einband, Layout, Stärke des Papiers) muss stimmen. Die Software zum Einstellen der Bücher muss bedienerfreundlich sein. Der Autorenvertrag muss der Norm entsprechen.

Was würden Sie nach Ihren bisherigen Erfahrungen als Selfpublisherin heute anders machen?

Eigentlich nichts. Ich genieße es, für meine Cover und das Layout mitverantwortlich zu sein und scheue auch die viele zusätzliche Arbeit nicht, die neben dem Schreiben anfällt.

Wo sehen Sie für Selfpublisher die größten Herausforderungen?

Kontrolle muss sein! Als Selbstpublisher steht man unter scharfer Beobachtung. Fehler können einem gleich beim ersten Buch das Genick brechen. Schon von daher ist ein Lektorat meines Erachtens zwingend notwendig. Ein Blick zu viel, schadet nie. Es ist ein Haufen Arbeit, aber es macht unheimlich Spaß und Freude. Allemal, wenn man dann endlich – nach der vielen Plackerei – sein fertiges Werk in Händen hält.

Was sollte sich ein Selbstverleger abschminken?

Reich zu werden und einen Spiegel-Bestseller-Rang zu ergattern.

Im Buchhandel tun sich Publikationen von Selfpublishern bekanntlich schwer. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Sonderedition der Kurzroman-Reihe

Sonderedition der Kurzroman-Reihe

Ich kam mir schlichtweg vor, als würde ich saure Äpfel anbieten. Abgesehen von zwei Buchhandlungen zeigte im gesamten Umkreis meiner Heimatstadt keiner Interesse, meine Bücher auszulegen. Bei meinen Besuchen in den Buchläden musste ich vielfach abfällige Bemerkungen einstecken wie: „Scheiben kann heutzutage jeder.“ „Wir nehmen nur Spitzenautoren.“ Das habe ich genau acht Mal persönlich versucht, danach via E-Mail. Inzwischen denke ich mir meinen Teil. In meinem Heimatort liegen meine Titel bei Wunderkind & Naseweis aus. Die Buchhandlung One im Nachbarort Gerlingen unterstützt mich ebenfalls.

Wie sehen Sie das: Krempelt Selfpublishing den Buchmarkt um?

Vermutlich schon. Allerdings müssen wir erst einmal abwarten, was noch so alles kommt. Verlage setzen inzwischen auch auf das Pferd, Amazon steht im Kreuzfeuer der Kritik, der Buchmarkt unter Druck. Es bleibt spannend.

Gesetzt den Fall, dass Ihnen ein eingeführter Publikumsverlag ein Angebot unterbreitet. Würden Sie sich darauf einlassen?

Eine sehr schwierige Frage. Ich weiß es nicht. Ich fühle mich bei spiritbooks mit den großen Romanen und bei tredition in Eigenregie sehr gut aufgehoben. Würde ein Publikumsverlag bei mir anklopfen, dann müsste ich schwer mit mir kämpfen. Eigentlich eher nein! Beziehungsweise allenfalls dann, wenn ich ein Mitspracherecht beim Layout, der Covergestaltung und der Titelei hätte. – Das käme dann wohl einer Sensation, bestenfalls sogar einer kleinen Revolution gleich(lacht). Spaß beiseite: Mir ist sehr daran gelegen, dass Inhalt-Titel-Layout eine Einheit bilden. Dafür stehe ich als Autorin gerade, das ist mein Markenzeichen.

Was planen Sie in naher Zukunft?

Im Eigenverlag werden Fortsetzungen meiner Kurzroman-Reihe „Aus Träumen werden Geschichten“ erscheinen; Band 3 „Hitzeschlag“ spätestens Ende des Jahres. Gemeinsam mit Lea Korte feile ich derzeit an meiner Serie rund um die Kriminalkommissarin Sina Roth. Außerdem sieht Ulrike Dietmann vor, mit mir ein neues Projekt anzugehen.

Lassen Sie mich wissen, um was es geht?

Ich verrate sicher nicht zu viel, dass es sich um die Freiburger Reihe handelt, die wird wohl doch noch zum Buch. Insofern von Ulrike Dietmann irgendwann das GO kommt.

Danke für das Gespräch. Die Ideen gehen Ihnen jedenfalls nicht aus…

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Im abschließenden Teil unseres Gespräches möchte ich von Gabriele Schmid wissen, was es alles braucht, um als Autorin Fuß zu fassen.

In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

Der Traum vom eigenen Buch. SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Gabriele Schmid kontaktierte mich und wir führten diverse Gespräche. Sie schreibt seit ihrer Jugend. Serien, Liebesgeschichten, die allesamt im Süddeutschen spielen, wo sie sich verwurzelt fühlt. 2010 fasst sie den Entschluss, ihr Hobby zu professionalisieren. Sie steckt sich das ehrgeizige Ziel, den ersten Band einer lange gereiften Serie rund um eine Freiburger Privatklinik an einen Verlag bzw. einen Agenten zu bringen. Aber: Es hagelt Ablehnungen.

Gabriele Schmid lässt sich nicht entmutigen. Sie arbeitet an einem neuen Manuskript, absolviert Schreibschulen und lässt sich von erfahrenen Autorinnen coachen. Von Ulrike Dietmann, die an ihrer Pegasus-Schreibschule auch eine zertifizierte Ausbildung zur Roman-Autorin anbietet. Zum ordentlichen Abschluss gehört die Veröffentlichung eines Romans. Und von Lea Korte, die Online-Autorenkurse anbietet. Nun geht es Schlag auf Schlag.

Gabriele Schmid nimmt eine erstaunliche Entwicklung, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Für ihren Traum vom eigenen Buch hängt sie sogar ihren Job als Datenbank-Ingenieurin in einer renommierten Stuttgarter Anwaltskanzlei an den Nagel. Die Ausbildung an der Pegasus-Schreibschule endet im November 2013 mit ihrem Romandebüt Gleichklang – eine turbulente Liebesgeschichte, in die Gabriele Schmid ihre Alltagserfahrungen mit ihrem hämophilen Sohn einfließen ließ. Der Roman erscheint als E-Book und gedruckt bei spiritbooks. Und noch ein Wunsch erfüllt sich: Vom Erlös eines jeden verkauften Buches fließt jeweils ein Euro an die Deutsche Hämophiliegesellschaft.

Wenige Wochen nach Erscheinen ihres Erstlings legt Gabriele Schmid im Eigenverlag nach. Unter dem Label PCSbooks (Plots. Characters.Scripts) erscheinen in kurzen Abständen die ersten beiden Bände ihrer Kurzromanreihe Aus Träumen werden Geschichten, deren Plots in Mittsingen spielen, einem fiktiven Ort in Baden-Württemberg. In Vorbereitung ist Band 3 „Hitzeschlacht“. Außerdem feilt Gabriele Schmid derzeit gemeinsam mit Lea Korte an einer Serie rund um die Kriminalkommissarin Sina Roth.

Ich habe bei der umtriebigen Autorin nachgehakt. Im ersten Beitrag geht es heute um Schreibschulen, was sie bringen und worauf man bei der Wahl achten sollte. Unser zweites Gespräch dreht sich um den Selbstverlag PCSbooks und abschließend möchte ich von Gabriele Schmid erfahren, was es alles braucht, um als Autorin Fuß zu fassen.

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Reicht handwerkliches Können aus, um als Autorin zu reüssieren?

Leider nicht. Freilich geht ohne das richtige Rüstzeug gar nichts! Aber selbst wenn man alles tut, um voranzukommen, braucht man auch ein Quäntchen Glück. Auch das Vermögen, sich immer wieder neu zu motivieren, darf nicht fehlen. Und vor allem braucht es das nötige Selbstvertrauen und nicht zuletzt der Glaube an sich selbst.

Gabriele Schmid  © Nicole Geck

Gabriele Schmid © Nicole Geck

Warum haben Sie sich für die Pegasus-Schreibschule von Ulrike Dietmann entschieden?

Aus ganz pragmatischen Gründen: Aufgrund von Patricks Krankheit…

Ihr Sohn leidet unter Hämophilie A, einer angeborenen Bluterkrankheit. Selbst geringfügige Verletzungen können zu lang anhaltenden, starken Blutungen und später zu irreparablen Folgeschäden führen.

Genau. Erfahrungen, die ja auch in meinen Roman Gleichklang eingeflossen sind. Aufgrund seiner Erkrankung wollte ich nicht allzu weite Entfernungen in Kauf nehmen. So habe ich mich hauptsächlich nach Schulungsmöglichkeiten im Stuttgarter Raum umgesehen und bin – mehr durch Zufall – auf die Pegasus-Schreibschule gestoßen. Die Webpräsenz sprach mich sofort an. Super, dachte ich, gleich um die Ecke! Noch am selben Tag habe ich Kontakt mit Ulrike Dietmann aufgenommen, die sich dann auch sogleich mit mir in Verbindung setzte.

 Was bietet die Pegasus-Schreibschule?

Ulrike Dietmann bietet zweitägige Schulungen unter anderem in Zusammenarbeit mit Schreibfluss von Jurenka Jurk, die mehr in die spirituelle Richtung gehen, das notwenige Rüstzeug wie Heldenreise, Plottrainung usw. allerdings nie außer Acht lassen. Trotz der Tatsache, dass nur sechs Teilnehmer pro Kurs angenommen werden und auf jeden Einzelnen persönlich eingegangen wird, können zweitägige Schulungen natürlich nur an der Oberfläche der einzelnen Schreibvorhaben kratzen. Vertieft werden die Projekte dann in einer engeren Zusammenarbeit, dem Coaching. Hier wird die Theorie, die man sich in den Schulungen angeeignet hat, in der Praxis umgesetzt, das heißt konkret: an den jeweiligen Romanvorhaben.

Wie viele Schulungen muss man durchlaufen, um beim Coaching teilnehmen zu können. Und: Was kostet mich das?

Das läuft unabhängig von einander. Die Schulungen kosten jeweils 300 Euro, das Coaching wiederum wird nach einem Stundensatz abgerechnet. Man muss die Ausbildung nicht komplett absolvieren. Ich habe inzwischen einige Autoren kennengelernt, die gar nicht das Ziel verfolgen, einen Abschluss zu machen. Sie wollen sich lediglich inspirieren lassen.

Die Pegasus-Schreibschule bietet auch eine zertifizierte Ausbildung zum Romanautor an. Was zeichnet eine zertifizierte Romanautorin aus?

Das beschreibt Ulrike Dietmann so:

Eine zertifizierte Romanautorin kann

  • professionell lektorierte Prosa schreiben
  • weiß, wie Spannung in einer Geschichte und in einer einzelnen Szene entsteht
  • kann eine Vielfalt von Gefühlen authentisch ausdrücken
  • kann lebendige Figuren schreiben und mit Worten eine eigene Wirklichkeit entstehen lassen, die den Leser in ihren Bann zieht

Und schließlich gehört auch das dazu: Sie bringt ein Projekt zu Ende, und zwar bis hin zur Veröffentlichung.

Meinen Sie, dass ihr Debüt „Gleichklang“ ohne Schulungen und Schreibcoaching jemals Druckreife angenommen hätte?

Ich denke, irgendwann vermutlich schon – allerdings bestimmt nicht in dieser Qualität und schon gar nicht in dieser kurzen Zeit. Gemeinsam mit Ulrike Dietmann habe ich Teile gestrichen, die überflüssig waren und andere Teile dafür ausgebaut, die bisher brachlagen. Dies zu erkennen, dazu fehlte mir damals noch das Knowhow.

War der kasus knaxus etwa ein anderer Blick auf das Manuskript, den Ulrike Dietmann erst möglich machte?

das Debüt bei spiritbooks

das Debüt bei spiritbooks

Schwierige Frage. Eigentlich hat sie nur die Schwachstellen erkannt und mir diese aufgezeigt. Richtig kritisiert hat sie nie. Wir haben viel miteinander telefoniert. Ich habe danach umgeschrieben und wir haben die entsprechenden Passagen abermals besprochen. Manches habe ich danach wieder geändert.

Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich mir ihre Ideen nur angehört und diese dann reifen lassen. Quasi aus dem Bauch heraus entstanden dann Neue. Bei meinem ersten Buch war mir sehr wichtig, dass komplett alles aus mir herausgeflossen ist. Ulrike ließ mir freie Hand. Was auch zeigt, dass sie enormes Vertrauen in mich hatte. Dafür bin ich ihr sehr dankbar – sie wollte mich oder meine Ideen nie verbiegen. Das betraf auch den Titel „Gleichklang“, den ich unbedingt haben wollte. Sie war anfangs nicht glücklich damit, ließ mir aber meinen Willen.

Mit dem Aufkommen des Selfpublishings wachsen Schreibschulen für Jungautoren wie Pilze aus dem Boden; selbst Verlage satteln auf den Trend auf. Worauf sollte man bei der Auswahl besonders Acht geben?

Meines Erachtens ist bereits der erste Eindruck wichtig. Missfällt mir der Internetauftritt oder muss ich lange nach einer Information suchen, dann ist für mich dieses Angebot meist schon gestorben. Vor allem aber, muss man einen Draht zum Dozenten oder der Dozentin aufbauen können. Stimmt die Chemie nicht, wird man keinen Zugang finden.

Das Annehmen von Kritik fällt den meisten Menschen schwer. Wie ist es Ihnen ergangen, als Ihr Manuskript auf dem Prüfstand stand?

Das hat mich selbst überrascht! Ich konnte ganz nüchtern damit umgehen, denn nicht die Buchidee oder der Plot wurden kritisiert, sondern lediglich einzelne Teile daraus. Natürlich war ich von manchen Vorschlägen, die Ulrike gemacht hat, nicht unbedingt begeistert. Aber ich ließ sie mir zumindest durch den Kopf gehen.

Kritik bedeutet ja nicht unbedingt, dass etwas schlecht ist. Mich spornt Kritik an, etwas anschaulicher zu beschreiben oder eine Handlung stimmiger zu formen. Testleser oder etwa das Autoren-Forum, das Lea Korte anbietet, sind wertvolle Hilfen. Im Autoren-Forum kann ich Passagen, die mir besonders gut oder gar nicht gefallen, einstellen und von anderen kommentieren lassen. Dabei mache ich immer wieder die erstaunliche Erfahrung, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Situation interpretieren. Als Autorin hilft mir Kritik, besser zu werden – als Mensch kann ich eher weniger gut damit umgehen.

Es heißt ja, Austausch, Inspiration und Kritik – das geht nirgends so intensiv wie an Schreibschulen. Würden Sie dem zustimmen?

Unbedingt. Mit acht weiteren Autoren habe ich Mitte Mai eine Schreibwoche unter der Leitung von Lea Korte in Spanien besucht. So viel konstruktive und faire Kritik wie in diesen Gruppen habe ich in meinem bisherigen Berufsleben nicht erfahren. Neid war hier ein absolutes Fremdwort.

Im Rahmen Ihrer Danksagung an Ulrike Dietmann schreiben Sie: „Hier wusste jemand ganz genau, was es heißt, ständig mit Geschichten im Kopf unterwegs zu sein und nicht zu wissen, wie man sie los wird. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Man schreibt sie nieder, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Das Schwierigste dabei ist nicht, dies zu tun, sondern endlich den Mut dazu zu finden, auch darüber zu reden.“ Mögen Sie diese Aussage etwas konkretisieren?

Ich selbst habe nie darüber geredet, dass ich fortwährend Geschichten im Kopf habe oder Stoffe aus Filmen und Büchern weiterspinne. Für mich war es tatsächlich der schwerste Schritt, dafür gerade zu stehen und meiner Familie und meinen Bekannten zu eröffnen, dass ich Bücher schreiben möchte.

 Wie wurde auf Ihr Bekenntnis reagiert?

Überwiegend positiv, was mich immer noch überrascht. Ich hatte mit Erstaunen oder Zweifel gerechnet.

Ihren Erstling „Gleichklang“ publizierte Ihre Mentorin Ulrike Dietmann in ihrem eigenen Verlag spiritbooks. Wie kam es zu der Entscheidung?

Nach Abschluss der Manuskriptarbeiten kam von Ulrike Dietmann ein klares GO mit zwei Optionen: Entweder erarbeiten wir gemeinsam ein hieb- und stichfestes Exposé nebst Anschreiben für Verlage und Agenten. Oder eben das Angebot, in ihrem Verlag – mit weniger Vergünstigungen – zu veröffentlichen. Für mich fiel die Entscheidung innerhalb weniger Sekunden.

Was bedeutet: mit weniger Vergünstigungen?

Kein Vorschuss, lediglich eine Umsatzbeteiligung, kein breites Marketing. Dafür muss der Autor seinen Teil tun. Wobei: das ist inzwischen ja gängig, dass Autoren das in die eigene Hand nehmen müssen.

Sie haben außerdem Onlinekurse absolviert, die Lea Korte Autoren anbietet…

Spontane Kaffeeidee – ich las von den Online-Autorenkursen und dachte mir, das packe ich obendrauf, dann wird das rund.

 Inwiefern unterscheiden sich die Angebote von Dietmann und Korte?

Lea Korte steigt noch tiefer in die jeweiligen Schreibprojekte ihrer Teilnehmer ein. Die Skripte sind ausführlicher und mit vielen, vielen Beispielen unterlegt. Jeder Einzelne arbeitet gezielt an seinem Romanprojekt, das anfangs sowohl Lea Korte wie der Gruppe vorgestellt wird. Pro Monat sind zwei Lektionen zu bearbeiten und mehrere Szenen zu schreiben. Diese gehen an Lea und kommen von ihr kommentiert zurück. Dann geht es ans Überarbeiten. Erst danach wird der Text den anderen im Forum präsentiert und dort diskutiert. Erstaunlich, wie vielen Logikfehlern und anderen Unstimmigkeiten man bei den Diskussionen noch auf die Spur kommt. Abschließend kommentiert Lea jede Szene erneut.

Wie viele Teilnehmer hatte Ihr Kurs?

In meinem Kurs waren wir zeitweise bis zu 13 Teilnehmer. Allerdings haben nur acht davon konsequent bis zum Schluss durchgehalten. Die Onlinekurse von Lea Korte setzen schon einiges an Selbstdisziplin und Fleiß voraus. Das fiel auch mir nicht immer leicht, die Hausaufgaben neben Beruf, Familie und der Überarbeitung von „Gleichklang“ zu stemmen. Manches Mal war ich kurz davor, Sina Roth ins Eck zu werfen.

Neben Ulrike Dietmann lassen Sie sich inzwischen auch von Lea Korte coachen…

Das hat sich aufgrund des Online-Kurses einfach so ergeben. Nach dessen Abschluss kann ich mich bei Lea Korte nur noch über das Coaching und im geschlossenen Forum weiterbilden.

Heißt es nicht, viele Köche verderben den Brei?

Da ich sowieso beständig an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite, ist das für mich sogar eine Erleichterung, für meine verschiedenen Projekte unterschiedliche Ansprechpartner zu haben. Mir liegt das, mit unterschiedlichen Menschen-, Autoren- und Dozententypen zu arbeiten. Einerseits profitiere ich von Ulrikes ruhiger, überlegter Art, andererseits von Leas übersprudelnder, spontaner Arbeit. Das ist äußerst spannend. Ich möchte weder das eine, noch das andere missen. Im Gegenteil: Bei Ulrike Dietmann werde ich jährlich mindestens ein weiteres Training besuchen; bevorzugt das Schamanische Reisen. Das bringt mir pure Inspiration.

Der Ansatz der Pegasus-Schreibschule legt nahe, dass Sie Schreiben für einen spirituellen Prozess halten…

(lacht) Das kann meine Familie nur bestätigen. Wenn ich schreibe, bin ich definitiv in einer anderen Welt. So es rundläuft. Man beamt sich quasi zu seinen Protagonisten und lässt sie leiden, lieben … Es fließt aus einem heraus, ohne das man nachdenken, planen muss. Die Personen verselbständigen sich und die Handlungen passieren einfach – wie Magie! Manches Mal tauche ich ungerne aus dieser Welt wieder auf. Beim Überarbeiten kann ich oftmals nicht fassen, dass ich das geschrieben haben soll, was da auf dem Papier steht.

Mit Lea Korte arbeiten Sie an den Kriminalgeschichten rund um die 32-jährige Kommissarin Sina Roth. Band 1 soll zum Jahresende unter dem Pseudonym Lexi Frey erscheinen. Warum nicht unter Ihrem Namen?

Ein kleiner Gag, den ich mir erlauben will: Wer die Bände „Herbststürme“ und „Sternschnuppen-Regen“ aus meiner Kurzroman-Serie rund um den fiktiven Ort Mittsingen kennt, kennt auch Lexi Frey.

Die Buchhändlerin, die Krimis für die Schublade schreibt…

Exakt. Ich meine, ein anderes Genre zieht auch einen anderen Namen nach sich. Gabriele Schmid steht ja eher für Liebe.

Sehen Sie vor, auch weiterhin in Ihre Ausbildung als Romanautorin zu investieren?

Abgesehen von den bereits genannten Vorhaben bei Ulrike Dietmann möchte ich mich als Krimi-Autorin weiterbilden. Hierzu suche ich noch passende Schulungsmöglichkeiten. Derzeit allerdings besteht mein vorrangiges Ziel darin, meinen Platz als Autorin zu festigen.

Dazu kommen wir noch. Für heute: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, eine Menge Fragen rund um Autorenschulen zu beantworten.

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

Thorsten Nesch: Von Musterabsagen und Meisterabsagen (III)

Thorsten Nesch ist für Überraschungen gut. Das ging mir bei dessen Kabinettstückchen „Die Lokomotive“ durch den Kopf. Weil ich von ihm wissen wollte, warum sich dafür kein Verlag finden ließ, kamen wir ins Gespräch. Er berichtete mir von seinen Bemühungen und abschlägigen Bescheiden und ich unterbreitete ihm den Vorschlag, ob er nicht den Anfang für eine kleine Blütenlese in der Art „Best of: Verlagsabsagen“ machen wolle. Thorsten sagte spontan zu und war wiederum für eine Überraschung gut. Aus seinem Erfahrungsbericht, der auch Tipps für schreibende Kollegen im Umgang mit Verlagsabsagen enthält, ist ein unterhaltsamer Rückblick auf den eigenen schriftstellerischen Werdegang geworden, der hier in drei Fortsetzungen zu lesen ist. – Ich sage Thorsten dafür herzlich danke.

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Fazit: Ich nehme Absagen sportlich!

Die Quintessenz der meisten Verlagsabsagen mit Begründung lautet bei mir ungefähr so: „nicht eindeutig U- oder E-Literatur, zu filmisch und nicht in der Tradition der deutschen Literatur“. Das alles habe ich öfter gelesen und gehört. Von verschiedenen Lektoren aus verschiedenen Verlagen über verschiedene Romane – dann muss da etwas dran sein. Das ist ja okay. Das muss ich dann akzeptieren, meine Schlüsse daraus ziehen. Dann verändere ich aber nicht etwa meinen Stil oder meine Sprache. Dieses Jahr erscheinen meine ersten Romane auf Englisch. Im anglophonen Raum wird nämlich nicht in U- und E-Literatur unterschieden.

Thorsten Nesch 2010er Jahre © privat

Thorsten Nesch 2010er Jahre © privat

Ich bin mittlerweile verlegter Autor und habe auch einen Preis gewonnen, den Hans-im-Glück-Preis, aber es wird nur etwa jeder dritte Roman von mir veröffentlicht. Allerdings mache ich auch den Fehler, keine Exposees einzureichen und danach abzuwarten, ob ich dafür bezahlt werde, um die Geschichte zu schreiben. Ich schreibe immer DEN für mich wichtigsten und besten Roman zu dem jeweiligen Zeitpunkt. Den Roman, nachdem ich mich fühle. Das musste ich all die Jahre vorher, als ich dafür jobben musste, um mein Leben und die Zeit dafür zu finanzieren auch. Das mache ich jetzt nicht anders, das kann ich gar nicht anders.

Inzwischen habe ich den Absagepuffer durch eine Agentur auch nicht mehr. Dafür die ultimative Absage! Nach zwei Jahren Zusammenarbeit, in denen zwei Romane angeboten und abgelehnt wurden, hieß es von dort: „Alle Lektoren kennen dich jetzt. Wenn die deinen Namen lesen, schauen die gar nicht mehr rein. Du brauchst mindestens drei Jahre nichts mehr dahinschicken.“ Da wird es einem dann schon mulmig, während unten meine drei Kinder Krach machen … aber nach einer halben Stunde war das vorüber. Das Gefühl und der Krach. Was soll ich machen? Für drei Jahre aufhören, Erwachsenenromane zu schreiben? Kleiner Scherz, oder? Nur weil ich nicht damit reich werden kann? Wäre das mein Ziel gewesen, dann hätte ich gar nicht erst angefangen, Romane zu schreiben.

Lust auf ein paar Agenturabsagen? Ich hatte noch andere Kontakte mit diversen Agenturen. Im Prinzip lautete ihr Tenor (Achtung: Tipp für Autoren, die davon leben wollen): „Schreib für Frauen, die lesen zu 74%, schreib Romance Novels, lustige, Thorsten, das kannst du doch, lustig sein!“ Das kann ich. Wenn mir danach ist, und da, wo es passt. Bei mir passt aber immer nur die beste Idee, und wenn das nun mal keine lustige Romance Novel für Frauen ist, kann ich nix dafür. – Ausschließen kann ich das aber auch nicht. Vielleicht wollen wir doch mal ein Auto kaufen …

Fazit: Ich sehe Absagen sportlich. Ganz ehrlich, außer die, die mit Hoffnung und jahrelangem Zögern verbunden gewesen sind, haben mir keine wehgetan. Das gehört dazu. Richtig gut finde ich die Persönlichen. Und deswegen halte ich es inzwischen so, dass ich meine Geschichten nur jenen Lektorinnen vorschlage, die mir von unserem jahrelangen E-Mail-Absagen-Verkehr her bekannt sind. Die werden in der Regel dann auch relativ zügig gelesen. Ein Jahr oder länger dauert es inzwischen nicht mehr. Andere Verlage, ohne solch‘ persönlichen Kontakt, probiere ich gar nicht erst.

Als unbekannter Autor würde ich mich bei Agenturen bewerben und Verlagen etwas schicken, wenn sie dafür infrage kommen. Probieren, meine Kurzgeschichten in Magazinen unterzubringen und bei Preisausschreiben einreichen. Über Jahre kann sich dann mit etwas Glück zumindest Neugier seitens der Lektoren entwickeln und die kann man dann pflegen. Weder passt jeder Roman für jeden Verlag, noch passt jeder Roman für jeden Lektor. Zudem ist alles in der Welt von der Stimmung der Person abhängig und die kann bekanntlich schwanken. Einfach versuchen. Wenn man schreiben muss, hört man sowieso nicht auf. Ansonsten wäre es ein Hobby.

Schon vor Jahren ist mir eines klar geworden: Es gibt Berufe, die ich auf Dauer nicht ausüben könnte (und das ist jetzt kein Spaß): Polizist (die müssen immer dahin, wo Trouble ist), Finalpfleger (das würde ich mit nachhause nehmen) und Lektor (denn feststeht: die müssen allzu oft etwas lesen, was sie gar nicht richtig wollen, das glaube ich zumindest). Ich möchte nur Geschichten lesen, die ich gut finde. Aber ein Lektor ist vor allem eines: Einer der Ersten, der meine neuste Geschichte liest. Und wenn dann so etwas in einer Absage, einer Meisterabsage steht, dann macht mich das richtig glücklich: „Es ist mir wirklich sehr unangenehm, dass wir so lange Zeit gebraucht haben, um zu diesem Ergebnis zu kommen – aber es ist einfach ein wirklich gutes Buch.“ Und mehr will ich nicht: Ein wirklich gutes Buch schreiben.

© Thorsten Nesch

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Zu Teil 1 geht es hier. – Mehr über Thorsten Nesch erfahrt Ihr hier.

So Ihr ebenfalls zu der kleinen Blütenlese „Best of: Verlagsabsagen“ beitragen möchtet, nur zu. Dafür könnt Ihr die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine eMail mit Euren Erfahrungen senden, die dann wiederum in Gänze oder in Auszügen in weitere Beiträge zum Thema einfließen könnten.

„Passt nicht ins Programm“, „wir haben lange überlegt“, „haben in der Redaktionskonferenz über das Manuskript gesprochen“, „ist wirtschaftlich ein Wagnis“, „Ihr Manuskript konnte uns leider nicht überzeugen“, „wir sehen leider keine Möglichkeit für eine Veröffentlichung“ – so klingen Standardabsagen von Verlagen. Ich freue mich auf diesbezüglich einschlägige Erfahrungen von Euch ;-)

Thorsten Nesch: Von Musterabsagen und Meisterabsagen (II)

Von Thorsten Nesch wollte ich wissen, warum sich für sein Kabinettstückchen „Die Lokomotive“ kein Verlag finden ließ. Eine surreale Geschichte, die existenzielle und ethische Fragen aufwirft, und noch dazu auf so engem Raum spielt, dass das Atmen beim Lesen gelegentlich schwer wird. Er berichtete mir von jahrelangen Bemühungen darum, den Absagen seitens der Verlage und dem daraus resultierenden Entschluss, Titel, die Verlage abgelehnt haben, in Eigenregie bei epubli zu veröffentlichen. Aufhorchen ließen mich die Argumente der Verlage: Das, was mich für „Die Lokomotive“ besonders eingenommen hatte, hielt Verlage teilweise sogar von einer Publikation ab.

Da ich dem Phänomen der Verlagsabsagen näher auf die Spur kommen wollte, unterbreitete ich Thorsten den Vorschlag, ob er nicht den Anfang für eine kleine Blütenlese in der Art „Best of: Verlagsabsagen“ machen wolle. Er sagte spontan zu. Aus seinem Erfahrungsbericht, der auch Tipps für schreibende Kollegen im Umgang mit Verlagsabsagen enthält, ist ein unterhaltsamer Rückblick auf den eigenen schriftstellerischen Werdegang geworden, den SteglitzMind seit gestern in drei Fortsetzungen bringt. – Ich sage Thorsten dafür ganz herzlich danke.

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„Bei uns hätten Sie aber Hardcover bekommen können“ – Wenn Absagen hoffen oder auf sich warten lassen

Das nächste bewegende Ereignis war 2006 die Nominierung meines Romans „Untertauchen in Albanien“ (heute „Flirren“, bei epubli) für den Jubiläumspreis beim Eichborn Verlag. Obwohl er nicht gewann, schrieb man mir, könnte er für eine Veröffentlichung im Frühjahr 2008 infrage kommen. Schwindelgefühle, Bugs Bunny im Bauch, Hummeln in der Hose, das ganze Programm.

Und jetzt sind wir bei den schmerzhaften Absagen angelangt, jenen, die mit einer gewissen Vorfreude – wenn auch nur in Form einer in Aussicht gestellten Möglichkeit – verbunden sind. Mitte 2007 erhielt ich aufgrund der schwierigen Lage des Verlages und der damit einhergehenden Schrumpfung des belletristischen Programms das Nein. Das tut dann doch mal weh. Da konnte der Verantwortliche nichts für, so ist es. Weiterträumen. – Es gab noch weitere positive Reaktionen zu „Flirren“, die als Zitate in der Beschreibung bei epubli und Amazon nachgelesen werden können, aber letztendlich konnte sich kein Verlag zur Veröffentlichung entschließen. Dafür gab es einen deutlichen Schub guter Absagen mit der Bitte, den Kontakt zu halten.

2008, mit der Nominierung des Manuskriptes „Joyride Ost“ zum Besten Jugendbuchdebüt passierte etwas Neues: Verlage wandten sich an mich, als sie von der nominierten Geschichte erfuhren. (Daher ist es eine gute Idee, bei jedem Preis auch die Shortlist zu veröffentlichen). Ich wurde kontaktiert! Von Verlagen! Ich dachte, gleich latscht Moses durch die Tür.

Thorsten Nesch 2000er Jahre © privat

Thorsten Nesch 2000er Jahre © privat

Übrigens ist es auch nicht so gewesen, dass ich zuvor für „Joyride Ost gar keine Absagen kassiert hätte! Eine Absage kam so daher: „Wie können Sie glauben über Ausländer zu schreiben?“ Wie bitte? Erstmal sind Tarik und Jana in Wessenheim geboren, sprechen ein besseres Deutsch als ich. Und dann muss ich mich wundern: Ach so, aber über kleine grüne Marsmännchen, das können die sich vorstellen oder was? Nur nicht über Leute, die meine Nachbarn sind? Ein Knaller. In Kanada sorgt so ein Spruch auf der Arbeit mindestens für eine Abmahnung. – Bevor jetzt jemand sagt, typisch BRD … Nein, nein, es war kein deutscher Verlag.

Der einzige Verlag, der die Preisverleihung nicht abwartete, und mir direkt eine Veröffentlichung zusicherte, war der Rowohlt Verlag. Unnötig zu sagen: ich freute mich wahnsinnig über das große Vertrauen in meine Geschichte und mich als Autor. Natürlich sagte ich zu. Den Preis gewann ich nicht, mein Leben ist ja kein Hollywood-Film. Wie ich später erfuhr, war im Publikum bei der Lesung der Nominierten, wo in der Moderation auch erwähnt wurde, dass ich bei einem Verlag unterschrieben hätte, eine Vertreterin eines anderen interessierten Verlages anwesend, die ihrer Kollegin simste „Ich hoffe, er hat bei uns unterschrieben“. Hatte er nicht. Und er hatte per E-Mail vor der Reise nach Oldenburg zur Preisverleihung sogar alle interessierten Verlage darüber in Kenntnis gesetzt – so bin ich. Es soll sich ja keiner vergeblich lange Hoffnung machen. Ich weiß ja schließlich, wie das ist.

Und jetzt komme ich zur Kategorie: lahmste Verlagsreaktion. Da schrieb mir doch glatt in der darauffolgenden Woche jemand „Bei uns hätten Sie aber Hardcover bekommen können. Der Zug ist jetzt abgefahren“. Klasse Satz, oder? Für jemanden, ohne Hintern in der Hose, ohne Mut, Gespür, nennt es, wie Ihr wollt – das war Sandkastenniveau. Wollte die, dass ich mich doch noch darüber ärgern sollte, beim Rowohlt Verlag unterschrieben zu haben? Ja, stimmt, ich bin schon ein Idiot: nach 15 Jahren Absagen (in anderen Zusammenhängen spricht man dann von lebenslänglich) springe ich auf den erstbesten Verlag. Nur weil der nicht abwartet, ob ich gewinne oder nicht, sondern seinem Gefühl vertraut und vom Roman und von mir überzeugt ist, anstatt dass ich in aller Ruhe mit dem Rücken an der finanziellen Wand warte, bis ein wirbelloser Verlag sich nach dem Regen bequemt, aus der feuchten Erde zu kriechen, und mir einen Hardcover Vertrag anbietet? Natüüürlich. Kopfschütteln. Noch heute. Egal, weiter.

Wie, weiter? Du bist doch verlegter Autor! Da wird dann doch jeder Roman durchgewunken und veröffentlicht! Das Geräusch einer Diamantnadel, die über eine Schallplatte kratzt. Nein, dem ist nicht so. Ich gebe zu, das dachte ich auch, weil einem das über 15 Jahre jeder so sagt, und weil das ja manchmal, ehrlich gesagt, auch den Anschein hat. Wenn dem so war, dann war dem so, bis ich kam.

Im Gegensatz zu dem Jugendbuch ist zum Beispiel „Die Lokomotive“ ein Thriller für Erwachsene. Und weil ich nach anderthalb Jahrzehnten verstanden hatte, was Verlage meinen, wenn sie in der Absage regelmäßig schreiben „steht nicht in der Tradition der deutschen Literatur“, schickte ich den Roman nicht als solchen, sondern mit dem vertretbaren Zusatz ‚Novelle‘ in die Lektorate. Teufel, dachte ich, wenn ich damit nicht in der Tradition der deutschen Literatur stehe! Bis zum Gummizug meiner Schiesser Feinripp-Unterhose stehe ich da drin! Jain.

Was Thorsten nicht wusste … erfuhr ich, als ich mit dem Roman bei der ersten Agentur nachfragte. Ihr Urteil: Fantastisch, gefolgt von anderen Superlativen – aber: wir müssen ein Wort streichen! Genau. Aus der Novelle wurde ein Roman. Wohlgemerkt ich habe sogenannte Romane gesehen, die sind halb so dick wie „Die Lokomotive“. Achtung: Hinweis für AutorInnen! Novellen werden grundsätzlich nicht als Debüt-Erwachsenbuch veröffentlicht, wurde mir gesagt. Rumms. Damit hatte ich schon mal die Top 12 der Verlage zerschossen, da ich es dort unter Novelle in der Annahme eingereicht hatte, nun wirklich alles richtig gemacht zu haben.

Weiter ging es mit Absagen und halben Zusagen, während der Roman von der Agentur vertreten wurde – fast 2 Jahre lang. Letztendlich musste ich ihn selbst veröffentlichen, über epubli. Richtig verstanden hat das keiner, nicht aus der Branche und kein Leser. Tja. Auch hier können weitere Auszüge aus Verlagsabsagen bei epubli und Amazon nachgelesen werden.

Nicht anders erging es dem Jugendthriller „School-Shooter“, den ich aufgrund des Literaturstipendiums des Landes NRW schreiben konnte, und der auch von der Film und Medienstiftung NRW für ein Hörspielmanuskript gefördert wurde. Umgesetzt wurde das Hörspiel vom WDR, wo es 2012 in 1Live erstmalig ausgestrahlt wurde. Gründe für die Absage des Romans bei Verlagen? Einem war er „zu spannend“ – das hat in der Vergangenheit auch schon mal für eine Veröffentlichung gesprochen. Aber oft hatte man auch Amerikaner mit einem ähnlichen Thema eingekauft. Das ist dann einfach so.

© Thorsten Nesch

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Zu Teil 1 geht es hier; der 3. Teil erscheint morgen. – Mehr über Thorsten Nesch erfahrt Ihr hier.

So Ihr ebenfalls zu der kleinen Blütenlese „Best of: Verlagsabsagen“ beitragen möchtet, nur zu. Dafür könnt Ihr die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine eMail mit Euren Erfahrungen senden, die dann wiederum in Gänze oder in Auszügen in weitere Beiträge zum Thema einfließen könnten.

„Passt nicht ins Programm“, „wir haben lange überlegt“, „haben in der Redaktionskonferenz über das Manuskript gesprochen“, „ist wirtschaftlich ein Wagnis“, „Ihr Manuskript konnte uns leider nicht überzeugen“, „wir sehen leider keine Möglichkeit für eine Veröffentlichung“ – so klingen Standardabsagen von Verlagen. Ich freue mich auf diesbezüglich einschlägige Erfahrungen von Euch 😉

Thorsten Nesch: Von Musterabsagen und Meisterabsagen (I)

Thorsten Nesch ist für Überraschungen gut. Das ging mir bei dessen Kabinettstückchen „Die Lokomotive“ durch den Kopf, einem Lesestoff, den mir Max Franke von epubli empfohlen hatte. Nach der Lektüre kam ich mit Thorsten ins Gespräch, dessen Jugendromane „Joyride Ost“ und „Verkehrt!“ bei Rowohlt verlegt sind. Ich wollte wissen, warum sich für „Die Lokomotive“ kein Verlag finden ließ. Eine surreale Geschichte, die existenzielle und ethische Fragen aufwirft, und noch dazu auf so engem Raum spielt, dass das Atmen beim Lesen gelegentlich schwer wird.

Thorsten berichtete mir von jahrelangen Bemühungen darum, den Absagen seitens der Verlage und dem daraus resultierenden Entschluss, Titel, die Verlage abgelehnt haben, in Eigenregie bei epubli zu veröffentlichen. Aufhorchen ließen mich die Argumente der Verlage: Das, was mich für „Die Lokomotive“ besonders eingenommen hatte, hielt Verlage teilweise sogar von einer Publikation ab.

Aufhänger der packenden Story ist ein Zugunglück, das sich zwischen dem Festland und der Insel Sylt ereignet. Während die Flut steigt, erwacht der Broker Thomas Ochs aus einer Ohnmacht: Eingeklemmt unter Stahltrümmern, dem Puffer der Lokomotive gefährlich nahe, der sich nach und nach absenkt. Ochs stößt auf einen weiteres Opfer der Katastrophe, den Rentner und Alt-Gewerkschaftler Baehr. Sie kämpfen gemeinsam ums Überleben. Und auch gegen einander aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensstile und gegensätzlichen Weltanschauungen …

Da ich dem Phänomen der Verlagsabsagen näher auf die Spur kommen wollte, unterbreitete ich Thorsten den Vorschlag, ob er nicht den Anfang für eine kleine Blütenlese in der Art „Best of: Verlagsabsagen“ machen wolle. Er sagte spontan zu und war wiederum für eine Überraschung gut. Aus seinem Erfahrungsbericht, der auch Tipps für schreibende Kollegen im Umgang mit Verlagsabsagen enthält, ist ein unterhaltsamer Rückblick auf den eigenen schriftstellerischen Werdegang geworden, den SteglitzMind ab heute in drei Fortsetzungen bringt. – Ich sage Thorsten dafür ganz herzlich danke.

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„Die Probe lässt stilistisch wenig Wünsche offen.“ – Aus Absagen lernen

Meine erste Absage erhielt ich am 1. Oktober 1990. Ein denkwürdiger Tag. Nach Freunden und meinen ersten Lesungen hatte endlich jemand aus einem großen Verlag mein mit Schreibmaschine getipptes Manuskript gelesen. Die Lektorin wies mich sogar persönlich ausdrücklich darauf hin, „dass diese Ablehnung in erster Linie aus programmpolitischen Gründen erfolgt“. Ja!, dachte ich, ich bin auf dem richtigen Weg: Die Ablehnung hatte rein gar nichts mit der Qualität eines Textes zu tun! –Was Musterabsagen waren, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Thorsten Nesch 1990er Jahre © privat

Thorsten Nesch 1990er Jahre © privat

So ging das bis 1994. Dann kamen handschriftlich ergänzte Musterabsagen dazu, zum Beispiel mit einem Ausrufezeichen nach der Verabschiedung. Oder ein ganzer Nebensatz wurde der Absage hinzugefügt „da ihr Text eher ein jugendlich intellektuelles Publikum anspricht“. Ich schwor mir damals: Sobald ich eine Idee für ungebildete Alte hatte, würden die wieder von mir hören.

Eine Absage verlieh mir sogar ein Diplom der Mineralogie. Es war eine Absage für jemand anders. Irrtümlich unter meinem Namen an mich geschickt. Statistisch gesehen verständlich, eine Verwechslung muss es auch mal geben bei der Flut der Einsendungen. Es fühlte sich aber auch unbekannt gut an – jemand hatte mir wirklich einen Universitätsabschluss zugetraut.

Und dann gab es die schönen Absagen. Ja, die gibt es, denn sie zeigten, dass ich schriftstellerisch doch auf meinem Weg war. Eine Geschichte verschickte ich mit einer Postfachadresse unter einem Pseudonym mit einer erfundenen Vita – übrigens einer wirklich coolen – und wurde erwischt. Die Absage kam an meine Hausadresse mit meinem Namen: „Wusste ich es doch, dass mir Ihr Schreibstil bekannt vorkommt“. In meiner Verblendung habe ich das damals unreflektiert positiv interpretiert, wegen der Tatsache, dass man mich an meinem erstklassigen Schreibstil wiedererkennen würde. Man kann das ja aber auch anders lesen …

Jemand schrieb: „Die Probe lässt stilistisch wenig Wünsche offen.“ Das war schon ein echtes, zweifelloses Lob. Das fühlte sich richtig gut an. Ein anderes Mal wurde mir versehentlich die positiv empfehlende schriftliche Einschätzung einer Lektorin mitgeschickt: „…könnte das Werk einen Beitrag zur psychologischen Situation unserer Gesellschaft leisten“. Hallo, die empfahl eine Veröffentlichung! Recht hatte sie, aber in der Programmplanung hatte bereits ein anderes Buch zu einem ähnlichen Thema Platz gefunden. Daher Absage. Pech gehabt.

Diese Absagen haben mir wirklich etwas bedeutet. Ich wollte besser werden, und es klang, als wäre dem so. 1996 folgte für mich der literarische Ritterschlag. Persönlich hatte ich mein Ziel des glaubwürdigen Schreibens erreicht, als eine biografische Geschichte mit dem Zusatz abgelehnt wurde, ich solle doch „mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und weniger übertreiben“. (Was natürlich für die nicht näher erläuterbaren Geschehnisse der 90er Jahre spricht.) Und eine fiktive Story wurde abgelehnt: ich solle „etwas über das Realistische hinausgehende“ schreiben. – Für mich war klar: Ich konnte Fiktion als Realität verkaufen und umgekehrt. Ich war Schriftsteller. Qualitativ hatte ich mein Ziel erreicht. Ende 1996.

Apropos Absagen: Einigen Umschlägen mit Exposee, Vita und Leseprobe hatte ich eine Musterabsage zum Ausfüllen beigelegt. Ein selbst entworfenes Absageformular, mit der Bitte, mir einige Hinweise oder Tipps zum Schreiben zu geben. Ich setze mich eben gerne mit Literatur auseinander. Damals war Creative Writing weitgehend unbekannt, und es gab lediglich gefühlte fünf verklausulierte Sachbücher zum Thema. So bekam ich die Idee, die Quelle selbst anzuzapfen. Leider nutzte nur ein Lektor die Möglichkeit: „Wenn das Buch nur halb so witzig wäre wie die Musterabsage“. Ein bisschen mehr Sportsgeist hätte ich mir gewünscht. – Ich wollte doch nur lernen.

Aber es gab auch einen sehr von mir geschätzten Verlag, der mich in der eigens für mich komponierten Absage in Fettschrift gebeten hatte: „Bitte nichts mehr schicken!“ Sagen wir mal, ein kleiner Genickschlag. Ich schätze den Verlag immer noch – auch für seine Ehrlichkeit. So habe ich mir viel Geld erspart und wir uns beide Zeit.

1998 flatterte die ganz besondere Absage ins Haus, eine Meisterabsage, wie ich sie nenne, von KiWi: „Gut geschrieben, aber der letzte Kick fehlt mir noch. Halten Sie doch mal Kontakt zu meiner Kollegin“, gez. Martin Hielscher (nach Diktat verreist). Auch ich vereiste nach dem Diktat. Nach Kanada. Das war vorerst meine letzte Absage.

Das soll euch nicht auch so gehen, liebe Kollegen und Kolleginnen. Mir hat das vorher niemand gesagt. Deswegen tue ich das einfach mal hier, vielleicht ist ja noch jemand so stumpf wie ich, aber bei so einem Angebot MELDET MAN SICH DANN DA AUCH MAL! Ich glaube, ich bin deutlich geworden. Ich weiß nicht, warum mir das damals nicht klar war. Jedenfalls habe ich mich damals nicht bei seiner Kollegin gemeldet, sondern bin mit der Einstellung in den englischsprachigen Teil Kanadas gereist: Was Joseph Conrad kann, kann ich schon lange. Der wurde auch in seiner Zweitsprache verlegt, und zwar recht erfolgreich. Zum Thema Autorenhybris werde ich vielleicht auch mal etwas schreiben.

© Thorsten Nesch

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Zum 2. Teil geht es hier. – Mehr über Thorsten Nesch erfahrt Ihr hier.

So Ihr ebenfalls zu der kleinen Blütenlese „Best of: Verlagsabsagen“ beitragen möchtet, nur zu. Dafür könnt Ihr die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine eMail mit Euren Erfahrungen senden, die dann wiederum in Gänze oder in Auszügen in weitere Beiträge zum Thema einfließen könnten.

„Passt nicht ins Programm“, „wir haben lange überlegt“, „haben in der Redaktionskonferenz über das Manuskript gesprochen“, „ist wirtschaftlich ein Wagnis“, „Ihr Manuskript konnte uns leider nicht überzeugen“, „wir sehen leider keine Möglichkeit für eine Veröffentlichung“ – so klingen Standardabsagen von Verlagen. Ich freue mich auf einschlägige Erfahrungen von Euch 😉

Steglitz fragt bei Jost Renner nach

„Ich bin Autor und will es in diesem Teilbereich meines Lebens auch ausschließlich sein“

Viele Worte brauche ich über ihn wohl nicht zu verlieren. Die Bibliophilen unter uns dürften ihn als Blogger, von Twitter (derzeit unter Amfortas) her kennen oder LiebesEnden und seinem Profil bei Facebook folgen: Jost Renner: belesen, emphatisch sympathisch … In diesen Tagen erschien beim Mirabilis Verlag sein Gedichtband „LiebesEnden“. Anlass genug, wie ich meine, Jost dazu und zu anderem zu befragen.

Gratuliere, Jost! Dein erstes gedrucktes Buch und noch dazu bei einem „richtigen“ Verlag. Wie fühlt sich das an?

Ich danke Dir. Es fühlt sich gut an, sehr gut, als ob ein Ziel im Leben nun erreicht sei, eine Wegmarke, an der sich möglicherweise weitere Türen öffnen und neue Wege finden.

Leichtes Spiel haben jene ja nicht, die einen Verlag suchen. Und noch dazu für Lyrik! Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

© Jost Renner

© Jost Renner

Ich selbst habe niemals aktiv nach einem Verlag gesucht, zunächst nicht einmal daran gedacht, dass meine Texte überhaupt – über das bescheidene Medium des Blogs hinaus – veröffentlichungswürdig seien. Die Hinweise kamen nach und nach von anderen, Schreibenden, einer Lektorin, also Leuten, die beruflich oder doch aktiv nebenberuflich mit der Materie befasst waren. Ernstnehmen konnte ich das zunächst nicht, denn ich bin einigermaßen belesen und neige gerade daher zu Vergleichen. Meine Selbstzweifel tun ein Übriges. Ein Freund machte einen Verlag auf mich aufmerksam und drängte mich, den Kontakt dann auch zu suchen. Was ich tat. Der Verleger, ein sehr freundlicher und engagierter Mann, selbst Lyriker, schien zunächst recht angetan, seine Lektoratsvorschläge waren allerdings derart tiefgreifend, dass ich meinte, er wolle meine Gedichte selbst und anders schreiben. Der Kontakt brach ab, zwangsläufig, weil solcherart Eingriffe, die auch Inhalte und den Sinn verändert hätten, für mich nicht akzeptabel waren. Damit beurteile ich nicht die eventuelle Berechtigung und die damit für mich einhergehende Bewertung meiner Texte durch den Verleger.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Mirabilis Verlag?

Meine Verlegerin war über die ganze Zeit – und ist es noch – meine Blognachbarin, sodass wir unsere Blogs gegenseitig regelmäßig lasen und kommentierten. Zu Beginn meines Gedichtblogs LiebesEnden war sie allerdings noch nicht Verlegerin. Und ich erfuhr zudem erst nach Abschluss des Vertrages, dass wir uns über Jahre kannten. Ein persönlicherer Kontakt entstand zunächst über Facebook, wo sie wohl auch über die Reaktionen meiner Freunde / Leser mehr erfuhr, ebenso wie um meinen Umgang mit dem Selbstmarketing. Ein Verlag, wie klein er auch sei, ist ein Wirtschaftsunternehmen, oft eines mit Herzblut aufgebautes, das sich aber dennoch finanzieren muss. Ich gehe davon aus, dass der Zuspruch für meine Texte neben der Qualität und dem persönlichen Gefallen den Ausschlag gab, das Risiko einzugehen.

Für deine Publikation konntest du aus dem Vollen schöpfen. Schließlich veröffentlichst du auf deinem Lyrik-Blog LiebesEnden seit nahezu drei Jahren regelmäßig Gedichte. Ist dir die Auswahl schwer gefallen? Welche Kriterien spielten dabei eine Rolle?

Es waren zum Zeitpunkt der Auswahl etwa 300 Texte vorhanden. Es war meine Rolle, zunächst 30 Gedichte vorzuschlagen, von denen ursprünglich nur 10 oder 12 hätten veröffentlicht werden sollen. Ich habe mich bemüht, in der Auswahl einen kleinen Ausschnitt meiner Themen (Himmel, Liebe, Melancholie) zu berücksichtigen, und mich des Weiteren eher an Qualität, Klang orientiert. Nur wenig Frühes ist dadurch eingeflossen, da die ersten Texte eher kommunikativ, therapeutisch und sicherlich selbstbemitleidend waren. Die aktuelleren Texte weisen meiner Meinung nach einen größeren Gestaltungswillen, ein Ringen um die Form und eine Tendenz zum Allgemeingültigeren auf, was allerdings nicht heißen soll, sie seien perfekt oder gar nobelpreisverdächtig.

Hat deine Verlegerin bei der Auswahl ein Wörtchen mitgeredet?

Natürlich hat meine Verlegerin Barbara Miklaw bei der Auswahl mitgeredet. Zum einen ist sie gleichzeitig meine Lektorin, zum anderen trägt eben sie auch das wirtschaftliche Risiko. Wir verstehen uns allerdings gut, und letztlich lehnte sie zwei meiner eher arg finsteren Texte ab, da sie mit ihnen nicht einverstanden sein konnte. Ich bedaure dies zwar, denn auch dies ist eine Seite meines Schaffens, die ihre Berechtigung hat. Andererseits konnte ich mich auch wiederum nicht beschweren, wurden dann doch alle 28 verbleibenden Texte – statt nur ursprünglich geplanter 10 – 12 – in das Büchlein aufgenommen.

Wie kam es zur Covergestaltung?

Sehr dankbar bin ich dafür Blog-Freundin, Autorin und Grafikerin Phyllis Kiehl, dass sie mir schon für mein Blog das Titelbild zeichnete und es auch für die Buchausgabe zur Verfügung stellte.

Was sollte ein Jung-Autor bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag besonders beachten?

Als jemand, der durch einen Gutteil Glück in einem Verlag gelandet ist, tu ich mich ein wenig schwer, da Ratschläge zu geben. Grundsätzlich gilt natürlich: Du unterschreibst einen Vertrag! Dann lies ihn Dir vor dem Unterzeichnen genau durch. Dies ist im Falle eines Vertragsverhältnisses mit einem Verlag ebenso wichtig wie in dem etwa mit Facebook, und ich hoffe, bei einem Verlagsvertrag wird diese Regel etwas stringenter befolgt. Ein Vertrag, der dem Muster etwa des VS entspricht oder sich nahe daran anlehnt, sollte in der Regel unproblematisch sein. Dinge, mit denen ich mich noch näher beschäftigen muss, hängen zudem daran: Autorenhonorare sind Einkommen, somit steuer(erklärungs) – und sozialabgabenpflichtig. Und das obliegt dem Autor. Selfpublisher dürfen sich vermutlich auch mit Gewerbe und Gewerbesteuern auseinandersetzen. Dies alles will erkundet werden.

Und auf zwischenmenschlicher Ebene?

Ich denke, es ist zunächst wichtig, sich menschlich zu beschnuppern und zu sondieren, ob man auf der menschlichen Ebene und mindestens auf neutral-sachlicher Ebene miteinander klarkommt und kommunizieren kann. Dass der Verleger oder Lektor ein grundsätzliches Interesse am Text bzw. der Arbeit des Autors hat, wäre schon hilfreich. Kommunikation ist immer alles, das heißt, reden, reden und nochmals reden. In der Regel sind Verleger und Lektoren nicht der Feind eines Autors, auch wenn ab und an eine Eitelkeit gekränkt oder gar Grenzen überschritten werden. Grenzen sollte es auch für Autoren geben, unbedingt, aber eben auch Verhandlungsbereitschaft, Auseinandersetzungsfähigkeit unter Verwendung guter Argumente.  Nicht jeder Kompromiss ist ein schlechter.

Was rätst du Nachwuchsautoren generell?

© GvP

das Debüt-Gedichtbändchen © GvP

Schon wieder das mit dem Radschlagen … Ich kann mich allenfalls – und das höchst subjektiv – auf den Bereich Lyrik beschränken, da von mir Prosawerke eher nicht zu erwarten sind. Daraus könnte man vielleicht ableiten: 1. teste und erkunde, welche Art der Literatur Dir liegt. Das tut man durch Schreiben. 2. Übe Dich in genau dem Dir passend erscheinenden Bereich; Aussagen und Inhalte werden auf Dauer vielleicht von selbst einen Formenwechsel nahelegen. Als „Dichterling“ glaube ich nicht wirklich an so etwas wie eine genialische Idee, denke aber, es gibt regelmäßig Themen, Worte, Zitate, Beobachtungen, Empfindungen, die einen quasi anspringen und auf eine Umsetzung durch Kunst, also das Schreiben warten. Eine emotionale Unbeteiligtheit eines Lyrikers kann ich mir nicht vorstellen, das mag allerdings an meiner eigenen Entwicklung liegen. Dennoch folgen hier weitere unverbindliche Gedanken:

1. Lies, lies so viel als möglich, bewege Dich in einem anspruchsvollen Niveau. 1.a. In der Literatur ist der Wortschatz ein wichtiges Gut. Er muss groß und korrekt angewendet sein, ähnliches gilt natürlich auch für Grammatik und Orthographie. 2. Lebe! Ohne Konfrontation mit einem Thema, einer Emotion, ohne Menschen – und Selbstbeobachtung, ohne lebendige Auseinandersetzung bleibt auch das Geschriebene blutleer. 3. Denke! Die Idee mag einer Emotion entsprungen sein, die Umsetzung aber ist (Gedanken-)Arbeit, denn die Aufgabe eines Gedichtes ist es nicht, das Empfinden wiederzugeben, nachzuerzählen, sondern es auf den Leser zu übertragen, bzw. für ihn nicht nur nachvollziehbar, sondern nacherlebbar zu machen. Dazu bedarf es tragender und stimmiger Bilder, es bedarf der Form, des Klangs, also der Sprache. 4. Schreibe! Finde Deine eigene Sprache, sei sie schlicht, symbolisch oder gar hermetisch. Sie muss Deine sein und wiedererkennbar. Ich empfinde es als eine Todsünde, Sätze wider alle Regeln hinzukneten, bis sie passen, um nur der allgemeinen Vorstellung eines Gedichtes nahezukommen. Und auch Sprache, Wörter sollten präzise gewählt sein, und mindestens dem Autor sollte klar sein, warum welches Wort im Text erscheint.

Auch dein Lyrik-Band wird sich vermutlich nicht von selbst verkaufen. Was unternimmt dein Verlag dafür?

Nicht? Ich bin enttäuscht. 😉 Mein Verlag wird auf der Buchmesse in Leipzig einen Stand haben. Es sind Lesungen in Planung. Meine Verlegerin hat Ansprechpartner im stationären Buchhandel und bewegt sich – wie ich selbst – in den sozialen Netzwerken. Zudem gibt es eine Verlags-Homepage, Kontakte zu Bloggern und anderen Autoren. Einzelheiten, selbst wenn sie mir bekannt wären oder sind, gäbe ich allerdings ungern preis.

Und was tust du für dein Buch-Marketing?

Wenn ich behauptete: nichts, wäre es eine Lüge. Ich habe kurz vor Erscheinen deutlich und auf allen mir zur Verfügung stehenden Kanälen auf die Veröffentlichung hingewiesen und dies bei Erscheinen wiederholt. Dies wurde im Facebook-Freundeskreis und bei den Fans meiner für das Blog eingerichteten Seite freudig begrüßt und freiwillig oft geteilt. Ähnlich lief es bei Twitter. Und beides macht mich sehr glücklich, denn es scheint, menschliches Miteinander, die Vertrautheit mit meinen Texten und das Gefallen daran, vielleicht auch eine objektive Qualität meiner Gedichte, erleichtern vieles. Inzwischen kommen die ersten Rückmeldungen von Bestellern herein, die wiederum selbst Aufmerksamkeit auf das Büchlein lenken.

Wie weiter?

Was folgt, werde ich sehen. Den ein oder anderen Hinweis werde ich schon einstreuen müssen, Wegmarken wie eine zweite Auflage (ach, Hoffnung!) oder das Überschreiten der Tausender- oder Zehntausender-Marke (oh, Illusion, Du Trügerische!) würde ich natürlich lauthals und ehrlich hocherfreut verkünden, Auflagenhöhe oder Verkaufszahlen gehen allenfalls die Verlegerin, mich und das Finanzamt was an. Lesungen gebe ich selbstverständlich bekannt. Ich denke, ich werde im Großen und Ganzen das tun, was ich auch bisher tat : eine interessante und menschliche Präsenz in den sozialen Netzwerken zeigen und dort kommunizieren – und zwar auf Augenhöhe mit meine Lesern – und als bestes Marketing überhaupt mich bemühen, weiterhin gute Texte zu schreiben und in mein Blog zu stellen.

Mir ist bekannt, dass du Publikationen von Selfpublishern recht kritisch, wenn nicht sogar skeptisch gegenüberstehst …

Erstens habe ich starke Vorbehalte gegen das Selfpublishing, weil für mich ganz grundsätzlich Kunst (jeder Art) nichts demokratisches ist, weder in der Schaffung noch in der Rezeption. Selfpublishing aber wird zu 90 Prozent zwangsläufig genau diese Tendenz verfolgen müssen. Jeder darf, also kann auch jeder. Daraus folgt zum einen eine Überflutung generell, eine mit Minderqualitäten im Speziellen, die dann auch noch die wirklich Guten, die es auch im Selfpublishing-Segment gibt, untergehen lässt. Und gut heißt eben nicht oder sogar nur selten bei Jungautoren gut verkäuflich. Im Gegenteil. Verlage, die Müll produzieren oder mir nicht Entsprechendes, kann ich komplett ausblenden. Beim Selfpublishing gibt es eine unregulierte Flut zum Teil unlektorierter oder unbedarft lektorierter Texte, die ich schlicht weder sichten kann, noch will. Also lasse ich die Finger davon.

Für dich persönlich ist Selfpublishing demnach keine Option?

Das korrespondiert mit meiner eigenen Eignung für das Selfpublishing: 1. bin ich Autor und will es in diesem Teilbereich meines Lebens auch ausschließlich sein. Wie jeder Jungautor könnte ich vom ersten, dem ersten Buch vermutlich nicht leben, den Weg aber eines Unternehmers mit letztendlich demselben Ergebnis will und kann ich nicht gehen. Wäre ich auf Einnahmen angewiesen, wie es ja die Regel ist, blieben Lesungen, journalistische Arbeiten und Stipendien oder Preise, die Mühen in der Ebene, halt. Zudem bin ich eher selbstzweiflerisch und habe Mühe, mir die Qualität meines Tuns bewusst zu machen. Es bedarf für mich dann schon einer Person, die mich bestärkt, an Schwächen im Text mit mir – kooperativ – arbeitet, was meine Verlegerin Barbara Miklaw ja bereitwillig und sehr angenehm tat.

Arbeit im Team ginge als Selfpublisher auch, aber gut … Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben werden. Wie schätzt du die weitere Entwicklung ein?

Das kann für die Verlage ein Problem werden, zumindest im jeweiligen nationalen Bereich. Das heißt, die USA werden die Verwerfungen im Verlagswesen vermutlich härter treffen als etwa Deutschland. Denn im anglo-amerikanischen Raum sind Übersetzungen deutlich weniger präsent als im deutschen, wobei ich auch in den USA eine Zunahme von übersetzten Titeln wahrzunehmen scheine. Das digitale Selfpublishing ist national gut machbar, verschiedene Übersetzungen zu arrangieren, zu bezahlen und auf die Länder zu verteilen wird umständlich. Vermutlich können da die Verlage punkten, vielleicht auch ein neues Geschäftsfeld entwickeln. Rein marktwirtschaftlich überlegt müsste es bedeuten, wandert die Nachfrage des Autoren nach einem Verlag ab, müssen die Verlage sehen, ihr Angebot zu verbessern und dem Autor wieder schmackhaft zu machen. Ob dies die großen Konzernverlage können und wollen, scheint mir fraglich, und hier vermute ich auch die Wurzel vieler unguter Entwicklungen.

Und der Buchhandel?

Den stationären Buchhandel wird es in jedem Falle härter treffen, denn er wird von vielen Seiten attackiert – von Amazon über E-books über Flächenmieten und steigender Abgabenlast bei stagnierenden oder zurückgehenden Reallöhnen der Kunden. Ich habe zudem bislang kein belastbares Konzept gefunden, wie etwa der stationäre Buchhandel – problemlos – am E-book-Geschäft partizipieren könnte oder der Übermacht bestimmter Versandriesen standhalten könnte oder wollte. Denn wirklich intelligente und zielführende Bemühungen sah ich bislang nicht. Und mich an die 55 Thesen zur Zukunft des Buchhandels erinnernd sehe ich auch vom Börsenverein wenig Unterstützung für das Sortiment. Da ich ja aus dem Buchhandel komme, bin ich darob traurig, aber schon der erste Testbericht zum tolino shine und die Qual mit adobe und anderen DRM – Spielchen bestätigen mich. Amazon kann es besser. Andernorts will man wohl einfach nicht.

Wie hältst du es persönlich mit dem E-Book?

Ich lese keine E-Books. Zum einen besitze ich eine gut sortierte Bibliothek mit über 10.000 Bänden, die ich längst nicht alle gelesen habe, zweitens bin ich mit nun gut 52 Jahren konservativ und bestehe darauf, mich mit Büchern zu umgeben, sie zu halten, aufzuschlagen und zu lesen, und kann mir nur schwer vorstellen ein Gleiches mit dem „Prinzip Buch“ zu tun, dieser Meisterleistung an buchhändlerischem PR-Schwachsinn.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ich vermute, ja. In Deutschland wird es lange dauern, bis die Herrschaften in den Verlagen, so sie noch existieren, es gemerkt haben werden und sich entsprechend verhalten, d.h., die Preise für E-Books auf das amerikanische und meines Erachtens einzig zu rechtfertigende Niveau absenken (das geht auch im Rahmen der Buchpreisbindung), einen kundenfreundlicheren Umgang mit DRM gefunden haben werden, das mit der sich abzeichnenden Tendenz zum E-Book-Leihen eh nicht kompatibel ist, und schlussendlich alle dann auch auf den Zug aufspringen. Dennoch bleibt auf Dauer ein Absinken des literarischen Niveaus zu befürchten, denn E-Books werden vermutlich auch den Hang zur übergroßen Verkäuflichkeit bestärken. Ich meine auch, dass ich in der Zukunft tot sein werde, wenn es soweit ist. Und das finde ich ausnahmsweise mal ganz gut so.

Was stößt dir bei den Diskussionen rund um die Zukunft des Buches besonders negativ auf?

Kurz gesagt: dummes Branchengejammer bei gleichzeitiger Unfähigkeit oder gleichzeitigem Unwillen, intelligent und vorausschauend zu handeln.

Danke vielmals, Jost. Und Glück auf mit deinem Erstling. Mögen deine Gedichte zu vielen Lesern und Leserinnen finden!

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, und der Selfpublisher Michael Meisheit. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

„Dabei will ich nur Bücher schreiben.“ ACR über Schreiben, Selfpublishing und den Literaturbetrieb

Der Blogpost „Statt Schriftsteller ist man Schreibmaschine“, in dem zwei Autorinnen über haarsträubende Erfahrungen mit Verlagen berichteten, treibt seit seinem Erscheinen im Juli vergangenen Jahres um. Immer wieder erreichen mich dazu Kommentare, Stellungnahmen und Erfahrungsberichte. So von Angela Charlotte Reichel, deren Erfahrungen ich hier teilen möchte. – Ich danke Charlotte für ihre Offenheit.

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© ACR

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„Durch den Artikel „Ein Herz für Kinder!? Oder: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“ bin ich auf diesen Blog gekommen. Seitdem lese ich und finde viele Zusammenhänge – im Sinne von – es berührt, betrifft, geht (auch) mich etwas an. (Geht mich auch etwas an – trifft ebenso zu.)

Es ist – wie wenn ich die Wehrbrücke meiner Burg herunterlasse und erstmals ins Freie gehe … nach langer Zeit.

„Selbst schuld“, brummt meine innere Stimme, während ich kopfnickend: ‘Siehste!‘ denke und weiterlese und weiter lese. Da wird ausgesprochen/aufgeschrieben was ich schon lange vermute, denke, fühle und mich nicht traue, zu sagen.

Zwei Gründe für meine Zurückhaltung: Ich habe gedacht, ich bin zu unbekannt für eine Stimme und ganz nebenbei macht der „Markt der Etablierten“ (auf mich) pausenlos den Eindruck, unter ihm sei der Weisheit und des Erfolges Schatz bereits verteilt.

Nun finde ich hier zwar wieder zwei etablierte Schriftsteller(Innen), dass sie sich allerdings anonym halten, macht mir Mut.

Wenn also einen Namen haben, die „Stimme nimmt“, bin ich regelrecht beschenkt mit meiner Stimme „ohne Namen“.

Also sag‘ ich was!

Und damit beginnt es schwierig zu werden. Ich mag die „Verkaufsgeschichten“ nicht. Ich mag nicht diese Reißer: „Am eigenen Leib gespürt und nun der Welt mit auf den Weg gegeben!“

Und – weil ich sie nicht mag, scheue ich sie und prüfe in sensiblen Zeiten sogar jede meiner Zeilen, ob sich da irgendwo etwas hinter der Formulierung verbergen könnte, „was auszusehen schiene“ wie eine versteckte Werbemasche.

Dabei will ich nur Bücher schreiben.

Ganz stimmt das nicht. Ich will Romane schreiben.

Und auch das trifft es nicht, denn ich will immer besser werden. Ich will Literatur machen, anspruchsvoll und die Sprache als Instrument für: Leben beschreiben … Lebensbilder malen …

Wieso? Soweit ich zurückdenken kann… ich will schon immer Bücher schreiben … schon immer.

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Die dunkelsten Stunden meiner Kindheit habe ich auch deshalb überlebt, weil ich nachts unter der Bettdecke heimlich gelesen habe. Es gab nicht viele Kinderbücher, ich habe Erwachsenenbücher aus dem Regal meiner Eltern stibitzt und Hauptmann, Seghers, Mann und andere gelesen. Und mir kleinem Mädchen haben diese Bücher die Hoffnung mit ins Leben gegeben: „Manchmal ist es ganz schwer zu leben, aber es gibt auch gute Erwachsene; und es gibt sogar mutige Erwachsene; und es gibt zusätzlich auch gute und weise Erwachsene, und die, die das aufschreiben können, nützen der ganzen Welt.“

Und weil eben so ein kleines Kind nichts anderes hat als sich selbst, habe ich mir vorgenommen: „Wenn ich mal groß bin, schreibe ich auch solche Bücher.“ Ja, ich hatte schon als Kind eine recht erwachsene Sprache. Ich weiß nicht, ob es gut oder weniger gut ist, wenn ein Kind sich neue Worte selbst erklärt. Mir hat das nicht geschadet. Lesen prägt – es bildet nicht nur.

Nun wäre es ein Leichtes gewesen, Feder und Papier und losgelegt, sobald das Alter dafür erreicht gewesen ist.

Gehindert hat mich nicht nur meine Mutter, die in der Tatsache, mich zur Welt gebracht zu haben, das Recht an meinem Leben behauptete. Nein, intuitiv hatte ich wohl auch der Realität in der DDR zu leben, allerhand zugeordnet. Ich hätte es vielleicht zu einem anerkannten FDJ- Schreiber bringen können, aber was ich damals wollte und gekonnt hätte, kam im Sozialismus offiziell gar nicht vor. (Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – ich bin kein Freiheitsheld gewesen, ich wollte nur schreiben, wie ich will.)

Schreiben. Es ist wie atmen können, wie fliegen, wie weinen, schreien, wie leben, sterben, wachsen, schmelzen, auferstehen, wie … alles was mich ausmacht. Demnach habe ich viele Jahre nur für die Schublade geschrieben.

Anfänglich heimlich. Meine Mutter suchte nach meinen Machwerken, zerriss sie … und mich. Sie hatte nichts gegen Schreiben, sie wollte nur nicht, dass ich es kann. Beinahe meine ich, sogar das Talent von ihr geerbt zu haben. Die Kämpfe, etwas zu nutzen oder zu verbannen, was aus oder von ihr kommt, habe ich hinter mir.

In meinen besten Jahren, also in denen die allgemein so genannt werden, kam die Wende. Die Mauer fiel und ich hatte gedacht, nun kommt meine Zeit, ich werde beginnen zu schreiben, ernsthaft zu schreiben. Da kamen – fast über Nacht – die „Wendebücher“.

Diese: „Mir sind 40 Jahre meines Lebens gestohlen worden“ Geschichten habe ich nicht erzählen wollen, zumal es dafür ausreichend viele „35Jährige“ gegeben hat. Jedoch waren die Verlage zu dieser Zeit darauf geeicht, endlich die Ostdeutschen ins Bild zu bekommen. Das wollten damals alle lesen oder es sollten damals alle lesen. Was weiß ich, wie diese Politik gemacht wird. Egal. Wenn wir aus dem Osten was ganz gut können, ist es warten und improvisieren.

Also warten; ich wartete auf „meine Zeit“.

Mit Mitte 50, an einem Donnerstagmorgen gegen 3 Uhr habe ich den ersten Satz meines ersten Romans geschrieben. Ich konnte nicht mehr warten, in mir brannte alles was geschrieben werden musste, wollte, sollte, konnte, durfte …

Durfte? Hach! Ich bestimme was ich schreibe! Punkt!

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Den Fortgang dessen habe ich in meinem Blog unter: „Kommen Sie hierher! Kommen Sie ran! Hier bekommen Sie´s billiger als nebenan.“ (Teil 1 und Teil 2) angerissen. Dazu habe ich mich entschlossen, nachdem viele meiner Facebookfreunde mir zu meinem Gedichtband gratuliert und versichert hatten, sie laden es sich auf jeden Fall herunter, sobald ich eine Kostenlosaktion mache. Ich solle sie nur unbedingt ankündigen.

Gleichzeitig habe ich sofort so etwas wie schlechtes Gewissen entwickelt – was kümmert es die Welt, wie ich mich fühle, wenn fast jeder denkt, es gibt mich kostenlos? Bei der aktuellen Werbung im TV kann ich ja noch froh sein, nicht unter „schön billig“ eingestuft zu werden. Sollte ich nicht lieber in meiner „Burg“ bleiben und machen, was ich wirklich will – schreiben.

Und doch, immer mal wieder piekt es mich an. Es trifft mich, wenn wir Autoren – also viele von uns – wie Deppen in der Verlags- und Self Publishing Landschaft behandelt werden.

Erst vor ein paar Tagen hat mir in praxi der Administrator eines Forums erklärt, ich möge mich vom Acker machen und könne gerne wiederkommen, sofern mich ein namhafter Autorenverlag veröffentlicht, schließlich wäre dies allein die Garantie für Qualität.

Jene, auf enorm hohem Rosse reitende Dame (die gendertechnisch einwandfreie weibliche Bezeichnung für Admin kenne ich nicht und die, von der ich annehme, sie stimmt, klingt albern), hat das zwar konzilianter geschrieben, die Tonlage ist unverschämt hochtrabend gewesen.

Abgesehen davon, bin ich nur in diesem oben genannten Forum gelandet, weil mir Google eine Rezension angezeigt hat, die dort liegt und ich mich, ein bissel kindlich, gefreut habe und sie »in echt« sehen wollte.

Den Tenor der Allgemeinheit vertritt dieser Fachmann (oder nennt sich das Fachfrau?) jedoch ganz deutlich. Scharfer Wind, sogar aus den eigenen »selbst auch durchgeblasenen« Reihen, herrscht überall. Manches mutet wie der Versuch an, jeden vom Tellerrand zu jagen.

Diese Hatz lenkt mich von dem ab, was ich will und so zähle ich gern zu den Einzelgängern, die sich dem Becken der hohen Wellen nur selten nähern.

Meist bin ich stabil. Es ficht mich nicht an. Meinen Gewinn fahre ich durchs Schreiben ein. Das ist die Quelle meiner Lust am Leben. Zugegeben das Gelesenwerden ist das Salz in der Suppe, alles andere eher das im Kaffee.

© ACR

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Was mich wundert? Wieso sich diese Zuschussverlage noch halten.

Was bieten sie heute Unersetzbares? Was können oder könnten wirklich nur sie? Was machen sie nicht, wofür sie sich aber bezahlen lassen?

Was ist so unersetzlich bemerkenswert an einem sogenannten namhaften Verlag? Ich muss jetzt einfach mal aussprechen, wie sehr mich erschüttert, dass sich die Häupter des Suhrkamp öffentlich versuchen gegen selbst errichtete Mauern zu schlagen.

Und bitte sage mir doch mal jemand, welcher Lektor heutzutage noch das ist, was – von mir aus altmodisch und althergebracht – aber eben wirklich fruchtbar ist? Niemand kann sich mehr um einen Autor kümmern, damit dessen Muse sich nicht abwende. Wie auch, die Butter fürs Brötchen und sei es noch so klein, will bezahlt sein.

Ergo: Das Wesentliche muss ohnehin vom Autor geleistet werden. Auf sich aufpassen. Bewahren, was er wirklich will. Sich vervollkommnen. Bin ich weltfremd, wenn ich denke, es muss mir beim Schreiben gut gehen, damit – was ich schreibe – gut ist?

Bestimmt wirklich Geld was wie wann geschrieben wird?

Ich kenne die Antwort – aber bitte, ich will das nicht wissen!

Mit dem Wissen soll ich erfolgreich das machen, was mich von keinem Unternehmer abhebt, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung fürs eigene Produkt? Irgendwie kann ich das nicht.

Ich will es auch nicht, denn ich habe keine Chance. Und ich habe sie nicht, weil das Vorurteil der Unfähigkeit auf mir lastet, solange mich kein Verlag druckt.

Ist es nur Mundpropaganda oder nehmen Rezensenten tatsächlich Self Publisher „nicht in die Hand“? Ist es nur der Anflug eines arroganten Scheins oder lesen Journalisten wirklich keine entsprechenden Hinweise auf Neuveröffentlichungen von „namenlosen Alleinproduzenten“?

Ich bin nach meinem Ausflug in den Schein der Verlagswelt von ihr geheilt – oder abgestoßen, jedenfalls habe ich mich weder bei Rezensenten noch Journalisten in die Reihe geschummelt.

„Wer ohne mich lebt, lebt mit Verlust“, lache ich so manchem Tag ins Gesicht.

Es stellt sich (mir) an den restlichen Tagen die Frage, auf welche Weise unterscheiden wir uns – die, in einem renommierten Autorenverlag unter Vertrag stehenden Autoren, bei einem BoD, bei einem Fair, bei einem eBook, Self Publishing – generell?

Ich möchte wirklich nicht unbelehrbar gelten, deshalb behaupte ich nicht, sondern stelle anheim, es gibt keinen Unterschied. Unsere Werke müssen wir alle selber an die Leser bringen, ausgenommen jene, die sich in allerhand TV-Formaten tummeln oder einen solch‘  überzeugend leistungsstarken Namen haben, dass sie auf Vorbestellungslisten und in Werbekonsolen feste Plätze generieren.

Die Vermutung, renommierte Verlage schürften nun im Wildpark der Selbstverleger nach güldenem Einzelglanz, wird von Ereignissen, wie in der eBook Plagiatswelt erlebt, nicht unbedingt unterstützt.

Mir scheint eher, da stünden einige am Ufer und warteten auf nützliches Treibgut, welches nur noch herausgefischt und ins bereits vorhandene Boot gehoben werden muss.

Was also bitteschön, frage ich mich gelegentlich, macht die Überheblichkeit des Marktes aus, die den Autoren der renommierten Verlage mehr Können bescheinigen als so manchem Self Publisher?

Folgende Antworten kenne ich:

1. Finanzielle Sicherheit

2. Lektorat

3. Covererstellung

Diese Punkte sind für mich nicht relevant. Finanzielle Sicherheit haben die wenigsten Autoren durchs Schreiben, und ich bin nicht auf ein „Schreibeinkommen“ angewiesen. Einem Lektorat werde ich mein ganzes Leben lang nie wieder vertrauen und mein Cover mache ich sowieso immer selber.“

Mit freundlicher Genehmigung © Angela Charlotte Reichel, der ich an dieser Stelle – sie weiß, warum – auch gratulieren möchte