Steglitz fragt bei Sonya Winterberg nach (Teil 2)

„Während man den Shitstorm in kaum einem anderen Land der Erde kennt, hat er in Deutschland eine Popularität erreicht, die mich fassungslos macht.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Sonya Winterberg für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wie sie sich als Autorin und Journalistin im Social Web einbringt. Im ersten Teil unseres Gespräches berichtete sie über ihre Erfahrungen mit Publikumsverlagen, wie sie die Entwicklung in Richtung Self Publishing einschätzt und was sie von den aktuellen Diskussionen über die Zukunft des Buches hält.

Was hältst du von der Entwicklung, dass Autoren immer mehr für ihr Buchmarketing selbst tun (müssen)?

Ich finde das wirklich bedauerlich. Eigentlich sollte jeder Verlag ja auch ein Interesse an der Vermarktung eines Buches haben und gemeinsam mit dem Autoren überlegen, wie er es am besten verkauft. Stattdessen muss man schon froh sein, wenn der Verlag Geld für eine Buchpremiere in die Hand nimmt und eine Pressemitteilung in Umlauf bringt. Ich kann verstehen, dass Etats für Werbung und Marketing immer geringer werden. Zugleich glaube ich, dass es für jedes Buch auch individuelle Wege gibt, ihm kostengünstig zu Aufmerksamkeit zu verhelfen. Doch das geht eben nicht mit dem Gießkannenprinzip, mit ein paar Plakaten hier und einer Anzeige dort. Ich würde zu gerne einmal ein halbes Jahr einem Verlag Ideen liefern, wie er sein Programm individuell und ohne erhebliche Mehrkosten besser platziert bekommt.

Trifft das auch auf dich als Autorin eines renommierten Publikumsverlages zu?

Leider mehr als die meisten vermuten. Es ist inzwischen gang und gäbe, dass der Verlag schon bei Vertragsabschluss deutlich macht, dass man sich dort über die Buchpremiere und den Versand von Rezensionsexemplaren hinaus nicht in der Lage sieht, das Buch zu vermarkten. „Da sind Sie dann auf sich gestellt“, sagte mir neulich die Programmleiterin eines etablierten Verlagshauses. Ich bin in solchen Situationen oft sprachlos. Beide Seiten, Autor und Verlag, haben doch ein Interesse an guten Verkaufszahlen.

Was unternimmst du für dein Buchmarketing selbst?

Momentan bin ich auf der Suche nach buch- bzw. projektunabhängiger Unterstützung, also jemandem, den man in den USA „Publicist“ nennen würde. Quasi ein Vermarkter, der Lesereisen organisiert und geeignete Wege beschreitet, die Themen zu denen ich arbeite, bekannt zu machen. Ich glaube, dass das auch viel mit dem Aufbau von längerfristigen Beziehungen zu tun hat – zu Redaktionen, Veranstaltern, Sendern usw. Alleine schaffe ich das kaum, da ich ja auch noch meine Arbeit mit Zeitzeugen, in den Archiven und Recherchereisen im In- und Ausland organisieren muss.

Und speziell für dein aktuelles Buch „Wir sind die Wolfskinder“?

Für das Wolfskinderbuch habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin, der Fotografin Claudia Heinermann, eine Internetseite „Wir sind die Wolfskinder“ eingerichtet, die Material bereitstellt, die über das Buch hinausgehen.

Welche deiner Aktivitäten kamen besonders gut an, welche floppten?

Sonya Winterberg © Gina Gurgul

Grundsätzlich ist die Präsenz in den Medien das A und O. Interviews im Radio und Fernsehen sind ohne Frage hilfreich. Aber eben auch nicht um jeden Preis. Ich habe es zum Beispiel bereut, mit einer Zeitzeugin in einer Fernsehsendung gewesen zu sein, in der man, wie ich fand, ihrer Geschichte nicht wirklich gerecht wurde. Vielleicht auch gar nicht gerecht werden konnte. Traumatische Kriegserlebnisse zwischen zwei Promis in vierzehn Minuten erzählen und dann auch noch ein Happy Ending produzieren zu müssen, das mit seichtem Jazz auszuklingen hat, ist für mich befremdlich.

Unterstützt dich dein Verlag bei deinen Aktivitäten?

In der klassischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf Nachfrage ja. Aber weil die Wolfskinder zum Beispiel ein historisches Thema behandeln, wird automatisch auf ein älteres Publikum gezielt, das neue Medien vermeintlich nicht nutzt. Nicht einmal die Fernsehtermine wurden auf Twitter und Facebook bekannt gegeben. Ich käme mir da als Bittstellerin vor, wenn ich das jedes Mal einfordern würde. Wie gesagt, es liegt ja eigentlich auch im Interesse des Verlages, den Verkauf anzukurbeln. Beim Verkauf der Wolfskinder zum Beispiel ist der Verlag zufrieden, während ich denke, dass da noch einiges mehr möglich gewesen wäre.

Meinst du, dass Autoren heutzutage im Social Web präsent sein müssen?

Ich denke nicht, dass sie es müssen, aber es hilft, wenn man es schafft, seine eigene „Marke“ zu etablieren. Selbst bin ich da auch noch am Ausprobieren. Ich merke, dass ich Schwierigkeiten habe, meine beruflichen und privaten Kontakte strikt zu trennen. Denn nicht alles, was ich privat meinen Freunden auf Facebook mitteile, möchte ich auch öffentlich machen. Zum Beispiel, was meine Kinder angeht. Die haben ein Recht auf ein geschütztes Privatleben und wollen nicht das, was wir als Familie erleben, in die Öffentlichkeit getragen wissen, auch wenn es häufig mit meiner Arbeit zu tun hat.

Was hält dich persönlich davon ab, das Social Web stärker für dein Buchmarketing zu nutzen?

Im Wesentlichen ist es eine Zeitfrage. Beim Schreiben habe ich in der Vergangenheit die sozialen Netzwerke als virtuellen Pausenraum genutzt. Arbeit braucht, finde ich, Kollegen. Als Autorin habe ich die natürlich meistens nicht präsent und da ist es schön, bei einem Kaffee vor dem Bildschirm sich kurz mit Kollegen austauschen zu können. Neben der Arbeit, dem Recherchieren und Schreiben, das häufig mehr als vierzig Stunden die Woche ausmacht, eher sechzig, habe ich eine Familie und zwei Kinder. Der Tag hat 24 Stunden und ich kann bei weitem nicht alles machen, was ich gerne machen würde.

Warum bist du nicht auf Plattformen wie Facebook oder Google+ zu finden?

Privat bin ich auf Facebook. Google+ war mir eins zu viel. Ansonsten hatte ich mich bislang nicht für „wichtig“ genug gehalten, dass ich zum Beispiel ein Autorenprofil angelegt hätte. Erst als mir neulich der Verlag die Anfrage eines Wikipedia-Autoren weiterleitete, der einen Eintrag über mich schreiben wollte, dachte ich daran, dass es vielleicht wirklich an der Zeit ist. Ich fände es einfach peinlich, eine Seite zu haben, die dann vielleicht nur von zehn Leuten gut gefunden wird. Dann lieber keine, oder?

Beruflich findet man mich auf Xing und LinkedIn. Seit neuestem bin ich auch bei Klout angemeldet, einem elektronischen Dienst zur Messung der Online-Reputation.

Bei Twitter bist du allerdings bereits seit Dezember 2008 aktiv …

Anfangs war ich dort privat, sogar mit einem geschützten Account, angemeldet. Ich bin zu Beginn immer eher ein „Lurker“, eine Beobachterin und schaue mir zunächst einmal in Ruhe an, wie ein neues Medium, eine neue Plattform funktioniert und was sie bringt. Journalistisch schätze ich an Twitter die Unmittelbarkeit, Ereignisse schnell zu veröffentlichen. Gerade in Krisengebieten hat es sich als Medium der Wahl bewährt, um kurze, aktuelle Meldungen abzusetzen, die Agenturen häufig erst Stunden später auf dem Ticker haben. Ich lese also weit mehr als ich selbst twittere. Darüber hinaus schätze ich die ungefilterte Meinungs- und Kulturvielfalt, die Vielsprachigkeit, in der Twitter funktioniert.

Du hast kürzlich auch im Rahmen einer Rotation Curation für @wearedresden getwittert …

Ja, genau. Das Konzept eines offiziellen Accounts für eine Stadt oder ein Land, das in einem rotierenden Verfahren unterschiedliche Menschen zu Wort kommen lässt, ist für mich tatsächlich eine qualitative Weiterentwicklung sozialer Netzwerke mit dem ausdrücklichen Ziel, Vielfalt sichtbar zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Idee auch für den Buchmarkt oder ausgewählte Themen nutzen ließe.

Warum nutzt du für Twitter ein Pseudonym?

Anfangs war ich mit meinem vollen Namen angemeldet. Was dazu führte, dass bei Suchmaschinen nicht mehr unbedingt meine Arbeit im Ranking vorn lag, sondern Tweets, die eher widerspiegelten, was ich gerade las oder welche aktuellen Ereignisse mich beschäftigten. Das störte mich. Jetzt fahre ich ganz gut mit @experimentdays und dem dazugehörigen Profil.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation via Twitter besonders?

Twittern ist eine Kommunikationsform im öffentlichen Raum, das heißt, ich verhalte mich so, wie ich es sonst auch mache, wenn andere Menschen zuhören. Ich äußere also durchaus meine persönliche Meinung, werde aber nicht zu privat und reagiere nicht so impulsiv wie vielleicht im Freundeskreis.

Siehst du zukünftig vor, dich stärker noch im Social Web zu engagieren?

Ich denke, wir stehen da noch ganz am Anfang. Der Hype, bevor Facebook an die Börse ging, und der nachfolgende rapide Verfall der Aktie zeigt meines Erachtens, dass es wie einst mit der New Economy noch lange nicht sicher ist, was bleiben wird. Ich will auch künftig nicht zu viel Zeit auf die Form verwenden, sondern vor allem inhaltlich arbeiten. Von daher glaube ich nicht, dass ich mich unbedingt stärker einbringen werde, aber vielleicht gezielter.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen?

Da hat sicher jeder seine eigenen Prioritäten. Ich finde ja schon, dass man gelegentlich hitzig diskutieren oder auch provozieren darf. Leider führt das in Deutschland häufig zu ätzender Besserwisserei. Während man den Shitstorm in kaum einem anderen Land der Erde kennt, hat er in Deutschland eine Popularität erreicht, die mich fassungslos macht.

Wo verortest du Risiken?

Für Autoren, die zeitgeschichtlich oder politisch arbeiten, ist auch immer die Frage, wie öffentlich sie ihre Werte und politischen Ansichten machen, wenn sie weiterhin international reisen und arbeiten wollen. Mir selbst ist es bei der Einreise in die USA wiederholt so gegangen, dass ich diesbezüglich eingehend befragt wurde. Bei der Einreise nach Israel musste ich Beamten schon Zugang zu Google Mail und Facebook geben.

Vielleicht hat es mit den Themen zu tun, die mich beschäftigen, oder aber den historischen Erfahrungen meiner Familie. Die Informations- und Meinungsfreiheit, die uns das Internet bietet und die wir in Europa genießen, gilt es zu bewahren. Sie ist keineswegs selbstverständlich.

Danke, Sonya, für das interessante Gespräch mit einem gewichtigen Schlusswort.

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Wer mehr über Sonya Winterberg erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

http://sonyawinterberg.wordpress.com/

https://twitter.com/experimentdays

http://wolfskinder.fotoportfolios.com/

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi Rede und Antwort.

Steglitz fragt bei Nicole Sowade nach (Teil 2)

„Wer sich – vor allem als E-Book- Autor – dem Social Web verschließt, der riskiert, vom Großteil seines Publikums ignoriert zu werden.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Nicole Sowade für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken verortet. In unserem ersten Gespräch berichtete sie, weshalb sie sich für ihr literarisches Debüt „Miss Januar“ für ein E-Book entschieden hat, welche Vor- und Nachteile sie beim Self Publishing ausmacht und was ihr an den Diskussionen über die Zukunft des Buches aufstößt.

Dem Buchmarketing in Eigenregie kommt immer größerer Stellenwert zu. Was unternimmst du in dieser Richtung?

Auf jeden Fall erfinde ich nicht das Rad neu. Einige Dos and Don‘ts haben sich generell im Marketing und auch im Marketing für Bücher etabliert, die ich natürlich wie etliche andere auch nutze und nutzen muss. Das heißt, wir sprechen von einer Website und von Social Media-Accounts. Dazu kommen Autorenseiten auf Verkaufsplattformen, in meinem Fall Amazon und epubli, und z.B. das Engagement in Foren, wie beispielsweise die von Xing. Prinzipiell gilt, jede Gelegenheit zu nutzen, um über das E-Book zu sprechen. Denn niemand liest dir von den Augen ab, dass du ein Buch geschrieben hast. Zumindest nicht im wahren Leben. Man sollte außerdem so oft es geht nach links, rechts und zu anderen Autoren schauen und notfalls auch ein Buch zur Hand nehmen. Es ist nie einfach bei Null anzufangen. Aber: Das spricht nicht dagegen, wenigstens zu beginnen.

Du spendest für jedes verkaufte “Miss Januar”-E-Book 50 Cent an die gemeinnützige Organisation Save the Children Deutschland e.V. …

… und alle wirken immer so überrascht darüber. Für mich ist die Spendenaktion Teil von dem, was ich verkaufe. Im Roman geht es doch nicht nur um Mr. Right und Unterhaltung, sondern auch um ein gutes Gefühl und eine bessere Welt. Und für die kann jeder seinen Teil beitragen. Gar nichts zu unternehmen, das ist eine Bequemlichkeit, die wir uns alle nicht mehr leisten können. Genau das lebt meine Heldin vor und vielleicht finden sich ja Nachahmer. So schwer ist das schließlich nicht.

Meine Spendenaktion für Save the Children hat einen ganz einfachen Grund. Ich persönlich finde es viel wichtiger, Menschen dazu zu befähigen, zu lernen und vielleicht letztlich etwas Gutes zu bewirken, als beispielsweise einen Baum zu pflanzen. Keine Frage, ich pflanze gerne Bäume. Aber irgendwie muss man ja Prioritäten setzen. Und dann bringe ich lieber vielleicht zehn Leute dazu, irgendwann einen ganzen Wald aufzubauen.

Welche deiner Aktivitäten außerhalb Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Das lässt sich auf eine einfache Formel reduzieren: Auftritte top, PR flop. Pressearbeit funktioniert irgendwie nicht so, wie ich sie aus dem klassischen Buchmarketing kenne. Immer wieder ist das E-Book selbst die Hürde. Ohne Print-Pendant wollen es viele Medien nicht besprechen. Selbst Verlosungsaktionen bringen wenig – wahrscheinlich, weil E-Books an allen Ecken und Enden gratis verteilt werden. Hier lerne ich tagtäglich dazu, was möglich ist und was nicht. Und immer wieder heißt es, hartnäckig bleiben und dort nach Rezensenten Ausschau halten, wo sich die Zielgruppe tummelt.

Dein Erscheinen als Miss …

Top: „Miss Januar“ auf der Leipziger Buchmesse 2012 Foto (c) privat

Das war ganz klar top. Auf der Leipziger Buchmesse bin ich als Miss Januar mit Krönchen und Schärpe erschienen. Die Idee war so einfach wie gut. Die Schärpe konnte ich online im besten Schärpen-Shop aller Zeiten bestellen. Das Krönchen lieferte Amazon zuverlässig wie eh und je. Und dann kam dankbarerweise ein sehr sonniger, warmer Tag X, an dem ich in das kleine Schwarze geschlüpft bin und mich in die Messe-Massen gestürzt habe. Ich konnte mir Vorträge anhören, die Konkurrenz beäugen, erste Kontakte knüpfen und vor allem etwas Aufmerksamkeit erhaschen. Etwa, wenn jemand aufgeregt seinem Nachbarn zuraunte: „Guck mal, ne Miss! Ne Miss!“ Das Outfit wirkte als toller Eisbrecher. Ich glaube, das lag aber auch daran, dass vor mir noch kein Autor als Reinkarnation des eigenen Titels auf der Messe herumgelaufen ist. Das bietet sich ja auch nicht bei jedem Buch an. Eine „Göttin in Gummistiefeln“ kann ich mir gut vorstellen, die „Schnäppchenjägerin“ dagegen wäre zwischen all‘ den Messebesuchern mit ihren Tüten und Taschen sicher sang- und klanglos untergegangen …

Und dann dein Auftritt bei der re:publica im Mai, wo du mir aufgefallen bist …

Stimmt. Nach dem Auftritt in Leipzig setzte ein Pingpong-Effekt ein: Ich wurde eingeladen, am Self-Publishing Panel auf der re:publica in Berlin teilzunehmen. Wow, nun ging es vor ein hochinteressiertes Publikum! Dafür hab ich mir gerne einen Urlaubstag genommen und bin erneut in meine Kostümierung geschlüpft. So hast du mich entdeckt. Und so geht es weiter. Und das alles, weil eine relativ einfache, aber unkonventionelle Idee am Anfang stand. Not macht eben erfinderisch.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz?

Wie? Soll ich jetzt alles aufzählen? Google weiß über mein Autorenleben bestimmt ausführlicher Bescheid als ich. Natürlich findet man mich und Miss Januar im klassischen Social Web, also bei Facebook und twitter, neuerdings auch bei google+. Meine Website hält sich wacker. Und wer „the new anti-hipster princess“, wie ich mal genannt wurde, live bestaunen will, der kann sich ein Video der re:publica anschauen. Vielleicht ist nicht jede Kameraeinstellung zu meinem Vorteil, aber was soll‘s … Wir alle haben ja unsere schöneren und weniger schönen Tage. Und solange ich nicht wie meine Heldin ein „Berliner Nipplegate“ nach dem anderen provoziere, bin ich entspannt und nehme mich selbst nicht wichtiger als ich bin.

Und dein E-Book „Miss Januar“?

Mein E-Book: Das finden Interessierte momentan ausschließlich bei Amazon, iTunes und googleBooks, sowie im epubli-Shop, sprich für Kindle und im ePub-Format. Also: Loslesen leicht gemacht!

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen gesammelt?

Ja und nein. Zum Launch im Februar habe ich unter dem tollen Namen „Share & Read“ die sensationellste, meist-nicht-beachtetste Kostenlos-Aktion initiiert, seit es E-Books gibt! Dahinter steckte ein „Pay per Tweet or Facebook-Button“. Jeder, der für etwas virale Werbung sorgte, konnte sich den Roman als geschütztes PDF herunterladen. Was ich völlig unterschätzt habe, war, dass es einer gewissen Schwungmasse bedarf, bevor man das Wort Viralität überhaupt in den Mund nehmen sollte. Insofern könnte man durchaus sagen, dass sich meine Aktion in Quarantäne befand. Ein Traum für jeden Arzt, ein Horror für einen Produktlaunch, wie du dir sicherlich vorstellen kannst …

Das war’s dann mit Kostenlos …

Ja, meine  Erfahrung damit hält sich in Grenzen. Ursprünglich hatte ich eine Gratisaktion bei Amazon geplant. Ich habe sie deshalb nicht durchgeführt, weil die Bedingung dafür ist, exklusiv auf der Plattform zu verkaufen. Das klappte aufgrund meines Timings nicht mehr. Ich nehme gerade beim Neuen Buchpreis teil und arbeite mit epubli zusammen. Das Thema Kostenlos ist damit aber längst nicht vom Tisch. Und wer weiß, vielleicht kommen bei der nächsten Buchparty genug Gäste, um sich mit dem Miss Januar-Virus anzustecken.

Im Bereich Social Web: Seit wann und warum bist du hier aktiv?

An den Tag X kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Beruflich nutze ich bereits seit einigen Jahren Xing und bin ganz froh, mich dort vernetzen zu können und über Gruppenbeiträge den neuesten eBook-Gossip zu erfahren. Der erste Schnitt kam vor etwa zwei Jahren. Damals fing ich beziehungsweise meine Heldin an, unter dem Namen @Mizz_Energy zu twittern. Zu der Zeit arbeitete ich intensiv an der Story und hatte immer wieder spannende Infos über neueste Trends aus der Öko-Ecke. Die passten nicht immer ins Buch und noch weniger zu dem, was ich sonst so von mir gebe. Dennoch wollte ich die Links nicht verlieren – oder in meinem Bookmark-Account verbuddeln. Also hat meine Heldin Elizabeth alles, was spannend und teilenswert war, mehr oder weniger gewitzt in 140 Zeichen gepackt. Sie wurde dadurch – quasi  von heute auf morgen und völlig unprätentiös – zu einer Microbloggerin und damit auch für mich als literarische Figur noch lebendiger. Mittlerweile ist der Account auch mit Facebook verknüpft.

Seit wann bist du bei Facebook?

Dort bin ich seit dem Romanlaunch im Februar aktiv. Es gibt Seiten zu mir als Autorin und zum Roman selbst. Der Schritt zu Facebook bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung. Dort findet sich eine unglaublich offene Community und die Plattform setzt alles daran, dass der Austausch untereinander gelingt. Ich kann News aus der „Miss Januar“-Welt verbreiten und mir persönlich und meinem Roman ein Gesicht geben. Egal, welchen Weg man einschlägt: Wer sich – vor allem als eBook-Autor – dem Social Web verschließt, der riskiert, vom Großteil seines Publikums ignoriert zu werden.

Bist du bei deinen ersten Schritten im Social Web planvoll vorgegangen?

Erwischt! Nein. Mein einziger Gedanke im Februar war: Verdammt nochmal, wie erstellt man attraktive E-Books? Als die Veröffentlichung dann anstand, war es das Einfachste mal eben bei Facebook auf den Knopf zu drücken, um eine Seite zu erstellen und im Social Web mit meinem frisch gelaunchten Roman präsent zu sein. Was ich damals damit wollte? Man hatte das eben so. Alle Autoren, die ich kannte, hatten eine Seite und ich dann eben auch. Schließlich wollte ich doch ganz groß mitmischen. Was ich dort sagen würde? Dinge eben … Keine Ahnung. Mittlerweile bin ich zum Glück einen gewaltigen Schritt weiter. Man könnte sagen, auch Miss Januar wird erwachsen.

Und welche Strategie verfolgt die erwachsene „Miss Januar“ im Social Web?

Die hat endlich ihre Hausaufgaben gemacht und setzt inzwischen auf Inhalte. Als nur E-Book-Autor hast du nicht so wahnsinnig viele Events, über die du berichten kannst. Du kannst über deinen Roman, dein Autorenleben oder ganz einfach über dich schreiben. Und je nachdem, was du willst, solltest du deine Storys ergänzend zur eigentlichen Romanstory zudem gut erzählen. Schließlich willst du, dass deine Posts gelikt und kommentiert, idealerweise sogar geteilt werden. Bei mir ist zum Beispiel jeden Montag Zitat-Tag. Mein Roman hat ca. 400 Seiten und bietet damit mehr als genug Futter, um mit einem Best-Of die Leute zu unterhalten. Andere Inhalte ergeben sich eher zufällig, wie zum Beispiel dieses Interview, über das ich posten werde. Und vielleicht stolpere ich gleich morgen auf dem Weg zur Arbeit über irgendeine Kuriosität, die zwar mir persönlich passiert, aber nicht zu privat ist. Warum dann nicht die Fans daran teilhaben lassen?

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation im Social Web besonders?

Um ehrlich zu sein: ganz besonders auf gar nichts, zumindest nicht auf mehr oder weniger, als wenn wir uns auf der Straße treffen würden. Anfangs bin ich höflich-sympathisch, vielleicht sogar eine Spur zurückhaltend. Dann lernen wir uns immer besser kennen und ich werde offener. Vielleicht geht dann auch mal ein Satz daneben, aber das gehört dazu und sorgt für Authentizität. Social Media Guidelines oder Netiquette-Regeln aufzustellen wäre in meiner Situation doch etwas schizophren. Schließlich kenne ich mich selbst mehr als gut genug und muss nicht jeden Tag auf meinen Mantra-Zettel schauen, um mich daran zu erinnern, wer ich bin. Sinnvoll wäre das nur, wenn ein Heer von Ghost-Postern für mich schreiben würde. Allerdings würde ich mich höchstwahrscheinlich schwer tun mit einem „Du musst so und so schreiben“-Regelwerk. Wer mag es schon, sich an Regeln zu halten, selbst wenn es die eigenen sind? Wo bleiben dabei der Spaß und die Freiräume für Spontaneität? Und mal ehrlich, wir besteigen ja hier nicht den Mount Everest, sondern reden lediglich von Facebook.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Vielleicht sollte ich das Metier wechseln. Immer beliebter werden meine Zitat-Scribbles, die getreu dem Motto „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ für gute Stimmung unter meinen Fans sorgen. Mit dem Charme einer Sechsjährigen bebildere ich den Text. Dabei zählt: je reduzierter und tollpatschiger, desto besser. Schönmalen können die richtigen Künstler. Und Perfektion ist langweilig!

Der Megaflop – Foto (c) Nicole Sowade

Ein Mega-Flop dagegen war die Fußball-EM. Ein Grund für mich, auch bei den olympischen Spielen die Füße und Finger stillgehalten und keine Gold-Medaillen-Aktionen durchgeführt zu haben. Was hatte ich mir bei der EM auch erwartet? Dass der gemeine Leser von Liebesromanen die Aufstellung der Deutschen Elf kennt? Weder meine Heldin noch ich sind Profis auf dem Gebiet. Warum hätten es also meine Leser sein sollen? Aber wer weiß, vielleicht wäre die Resonanz ja bombastisch gewesen, wenn ich zu dem Zeitpunkt bereits mehr Fans auf meiner Seite gehabt hätte. Die ausgeklügelste Aktion bringt nichts, wenn niemand da ist, der sie weitersagt.

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Na ja, noch sind meine Fanmassen überschaubar. Entsprechend reichen morgens, mittags und abends jeweils einige Minuten bis zu einer halben Stunde. Summiert ist das allerdings auch nicht so wenig. Sobald ich beginne nach Kooperationsmöglichkeiten oder Ähnlichem im Web zu suchen, Rezensionsanfragen stelle oder selbst Postings verfasse – ich mich also plötzlich vom Social Media Virus gepackt von Klick zu Klick hangle – erhält das Zeitkonto rasend schnell Zuwachs. Aber das gehört dazu. Ich arbeite ja nicht nach Stechuhr, sondern für mein Buchbaby. Und wer zählt dann schon die Stunden? Ich nicht.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Nichts einfacher als das! Immer! Es ist sogar so, dass das Gewissen an mir nagt, wenn ich zu viele Stunden im Social Web verbracht habe und die Zeit zum Schreiben mal wieder knapp wird. Ich stelle mir dann immer meine Heldin vor, wie ich sie gerade per Tastatur in ein richtig schönes Unglück gestürzt habe, zum Beispiel eine Entführung. Dann gibt es einen Cut. Solange ich nicht weiter schreibe, so lange sitzt sie in diesem dunklen, kalten Raum in ihrem viel zu dünnen, kleinen Kleidchen, auf engstem Raum mit ihrer Oma, muss mal Pipi und friert. Tage- und wochenlang nach meiner Zeitrechnung. Auweia, Zeit, sie da wieder rauszuholen …

Schaffst du dir regelmäßig Offline-Phasen?

Ja, und zwar ganz bewusst, in denen Outlook schweigt, die Facebook-Timeline keine Aktualisierungen anzeigt und mein Telefon zwar fröhlich Anrufe entgegen nimmt, ich sie jedoch nicht höre, weil es lautlos gestellt ist. Die Versuchung, ständig hier zu reagieren, dort zu kucken und da zu klicken, verschwindet ganz schnell. Ich vertiefe mich in meine Story, vergesse Zeit und Raum und freue mich über jeden lustigen Dialog und jeden noch so kleinen Mini-Scherz wie eine Königin. Dann nimmt die Entführung meiner Heldin ein gutes Ende. Soviel sei verraten, meine Heldin lächelt debil und ich lächele ebenfalls etwas debil. Na ja. Dann tauche ich irgendwann wieder auf, stelle fest, dass ich einen Bärenhunger habe, weil ich vor lauter Schreiben vergaß, zu essen. Dann wird schnell etwas in der Küche zurechtgezaubert und während ich wenig später esse, checke ich online, was sich im Social Web getan hat.

Du bist mit „Miss Januar“ bei derneuebuchpreis.de dabei. – Was versprichst du dir davon über einen Sieg hinaus?

Ich würde die Frage eher anders stellen: Was verspreche ich mir noch vor dem Sieg? Und das ist Aufmerksamkeit. Meine Teilnahme hat geradezu olympische Züge: Dabei sein ist alles. Und dass ich mich seit dem Start der Votingphase in den Top 50 halte, finde ich schon mal supertoll. Noch besser wäre natürlich die Top 5 zu stürmen. Ob ich mit meiner Feel-Good-Literatur jedoch tatsächlich aufs Goldtreppchen steige, wird sich zeigen. Sollte ich jedenfalls gewinnen, dann winken mir lediglich Ruhm und Ehre. Das Preisgeld würde ich eins zu eins in den Spendentopf für Save the Children tun. Schließlich hätte ich den Sieg meiner sympathisch-netten Romanheldin zu verdanken und die wäre andernfalls zu recht ziemlich sauer auf mich.

Ohne Fangemeinde geht in der Abstimmungsphase bei derneuebuchpreis.de nichts. Welche Wege nutzt du, um dir die Unterstützung deiner Fans und Leser zu sichern?

Gute Frage … Offensichtlich tue ich noch nicht genug, denn die Spitze des Rankings habe ich noch lange nicht erobert. Momentan rühre ich vor allem auf Facebook die Werbetrommel. Ähnlich verhält es sich mit Xing. Und ansonsten verschicke ich Mailings an Freunde und Bekannte, die mir weiterhelfen könnten, sprich, die einen Facebook-Account zur Abstimmung haben. Je persönlicher, desto besser. Auch nicht ungenutzt lasse ich meine Mail-Signatur. Wir verschicken jeden Tag so oft Nachrichten, da wäre es doch schade, die wichtigste Info unausgesprochen zu lassen. Mal schauen, wie weit ich damit komme. Erschwerend ist, dass mich manche mit ihrer Stimme zwar unterstützen wollen, aber auf die Schnelle die falsche Schaltfläche zum Voten gedrückt haben. Der „Abstimmen“-Button braucht leider sehr lange, um sich zu laden und es reicht nicht, auf „gefällt mir“ zu klicken. Aber vielleicht wird am Ende alles gut. Die Votingphase läuft ja noch etwa vier Wochen und es wäre zu schön, wenn beim Neuen Buchpreis ein Nur-E-Book vorne mitspielt.

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle? Welche Tools nutzt du?

Die Online-Welt macht es einem traumhaft einfach, Zahlen zu horten. Ich beobachte mein Amazon-Ranking und steigende Besucherzahlen auf meiner Website. Dass ich nicht mehr Miss Noname bin, sagt mir Google über Alerts regelmäßig. Und natürlich gibt es Facebook und twitter, deren steigende Fan- und Follower-Zahlen mich ebenfalls erfreuen. Mein Autorendasein wird transparent, messbar und vergleichbar. Und ich selbst kann auf Ausreißer nach oben und unten, also die Tops und Flops, reagieren und aus ihnen lernen.

Was ist schon Erfolg …

Eben. Zahlen als solche bedeuten mir recht wenig. Erfolg ist mehr als eine konstant hohe Klickrate. Wirklich gut fühlt sich tatsächlich nur das Feedback der Leser an, das mich regelmäßig gänzlich unvorbereitet erwischt. Leute fragen: „Wann kommt die Fortsetzung?“ Jemand gesteht plötzlich: „Ich bekomme Herzklopfen, wenn ich die Stellen mit Mr. Right und Lizzy lese.“ Oder der eine und andere freut sich bereits auf die Verfilmung. Und das ist schön zu hören, denn darauf freue ich mich auch! In solchen Momenten muss ich immer lächeln. Dann denke ich mir: Genau dafür hast du es gemacht, um Menschen beim Lesen eine schöne Zeit zu bereiten. Also: Machweiter so!

Was sollte man als Autorin im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Ist jetzt schon Zeit für das berühmte letzte Wort? Dazu fällt mir nur das ein: Verrate vieles, aber um Gottes Willen nicht alles! Weder über dich, noch deine Arbeit, noch deine Ideen. Wo bleibt denn sonst die Überraschung?

Mir hast du allerdings sehr viel Interessantes verraten. Danke, Nicole, für das tolle Gespräch und Glück auf beim neuen Buchpreis!

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Wer mehr über Nicole Sowade erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

www.nicolesowade.de

www.facebook.com/missjanuar

https://www.facebook.com/pages/Nicole-Sowade/376194652407771

http://twitter.com/mizz_energy

https://plus.google.com/105252781185163217785

http://www.amazon.de/Nicole-Sowade/e/B007FT489I

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier Jan-Uwe Fitz Rede und Antwort, der im Netz bestens als Taubenvergrämer bekannt ist.

Steglitz fragt bei Petra Röder nach (Teil 2)

„Einen echten Flopp habe ich noch nicht erlebt. Das darf gerne so bleiben.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Petra Röder für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken verortet. Im ersten Teil unseres Gesprächs berichtete die Autorin über ihre Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, welche Anforderungen für Selbstverleger gelten, weshalb sie unter die Self Publisher ging und warum sie daran glaubt, dass dem E-Book die Zukunft gehört.

Dem Buchmarketing in Eigenregie kommt immer größerer Stellenwert zu. Was unternimmst du in dieser Richtung?

Wenn ich ehrlich bin gar nicht so viel. Außer dass ich bei Twitter und Facebook meine Bücher promote, unternehme ich sehr wenig. Offline-Aktivitäten gibt es bislang keine. In dem Bereich gibt es noch deutliches Verbesserungspotential und es steht auf meiner Agenda, auch diesbezüglich aktiv zu werden.

Seit wann bist du im Social Web aktiv?

Seit etwa zwei Jahren. Anfangs habe ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, Twitter oder Facebook zu nutzen. Mittlerweile möchte ich das nicht mehr missen. Der direkte Kontakt zu meinen Lesern ist mir sehr wichtig. Ich erhalte darüber auch konstruktive Kritik, die ich sehr ernst nehme.

Bist du bei deinen ersten Schritten im Social Web planvoll vorgegangen? Setzt du (inzwischen) auf eine Social-Media-Strategie?

Natürlich nutze ich die Plattformen, um für meine Bücher zu werben, aber eine 100% durchorganisierte Strategie habe ich nicht. Vieles geschieht aus dem Bauch heraus. Ich glaube, das ist es auch, was meine Leser an mir schätzen. Ich bin spontan und habe null Plan (lacht). Naja, ganz so schlimm ist es nicht. Aber neben den Standards wie Vorankündigung und Verlosung bei Neuveröffentlichungen und – ganz wichtig – im Gespräch bleiben, kann es durchaus passieren, dass ich unter der Dusche eine Idee habe, die ich dann sofort umsetze. Wenn man es bereits als Strategie ansieht, regelmäßig Updates zu posten, dann habe ich wohl doch eine …

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz?

Petra Roeder (c) Michael Roeder

Die Bücher sind natürlich bei Amazon erhältlich, sowie in allen anderen großen Buchstores wie Libri, Thalia und Weltbild. Selbstverständlich kann man jedes Buch via ISBN-Nummer auch im Buchhandel bestellen.

Informationen über mich, meine Bücher und kommende Projekte gibt es auf meiner Webseite und bei Facebook. Bei Google+ findet man mich übrigens auch. Über meinen Twitter-Account gibt es zudem auch noch ein bisschen Smalltalk und Infos zum Restweltgeschehen. Zudem habe ich noch einen YouTube-Kanal, auf dem man die Trailer zu den einzelnen Büchern ansehen kann.

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Welche deiner Aktivitäten kamen besonders gut an, welche floppten?

Via Twitter, Facebook und über meine Homepage gibt es zu jeder Neuerscheinung ein Gewinnspiel, bei dem ich signierte Exemplare verlose. Die Resonanz darauf ist mittlerweile wirklich enorm. Beim letzten Mal musste ich, sehr zu meiner Freude, meine bisherige Lostrommel gegen ein größeres Gefäß austauschen.

Aktuell läuft bei Lovelybooks eine Leserunde zu Traumfänger. Für mich ist das eine Premiere, daher kann ich noch nichts dazu sagen. – Einen echten Flopp habe ich noch nicht erlebt. Das darf gerne so bleiben. Aber auch wenn so etwas irgendwann einmal eintritt, werde ich es wegstecken.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen gesammelt?

Nein, bisher nicht und ich denke das wird auch so bleiben. Hin und wieder gibt es Aktionen, bei denen ich eines meiner E-Books für einen bestimmten Zeitraum zu einem Sonderpreis anbiete. Dies wird von den Lesern sehr gerne angenommen. Ich habe damit durchweg positive Erfahrungen damit gemacht.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation im Social Web besonders?

Darauf, dass ich mich nicht verstelle, sondern so schreibe, wie ich bin. Ich denke dies schätzen meine Fans und Follower.

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Ich habe kein festgelegtes Pensum. Ich nutze es, wenn mir danach ist. Das schwankt irgendwo zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden am Tag.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. Smartphone?

Mich treibt es grundsätzlich wieder an den Computer, wenn ich einige Zeit offline war. Ein Strom- oder DSL-Ausfall ist für mich ein Worst Case (lacht).

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle? Welche Tools nutzt du?

Das macht mein Mann, der ein wahrer Statistik-Fanatiker ist. Der Hauptteil ist aber eine (Excel-)Tabelle, in der die täglichen Verkaufszahlen der einzelnen Kindle-Bücher eingetragen werden. Daran

kann man sehr schön erkennen, welche Aktion positive Auswirkungen hatte. Außerdem motiviert es ungeheuer, wenn man aktuelle Zahlen mit denen aus den Vormonaten vergleicht und feststellt, dass es deutlichen Zuwachs gegeben hat.

Bei den gedruckten Büchern bekomme ich vom Verlag die Verkaufszahlen. Allerdings wird da nicht täglich aktualisiert und somit ist eine direkte Verknüpfung mit Werbeaktionen nur bedingt möglich.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Eigentlich muss jeder selbst wissen, was er tut, oder wie weit er gehen kann. Ich trete im Social Web so auf, wie ich auch privat bin, und nutze die Plattformen nicht nur, um laufend für meine Bücher zu werben. Lieber unterhalte ich mich etwas länger mit meinen Followern und habe meinen Spaß dabei.

Ein absolutes No-Go ist allerdings, auf negative Kritik unsachlich zu reagieren. Und sei sie noch so unbegründet. Ein sachliches Statement dazu ist in Ordnung. Im Notfall sollte man besser gründlich schlucken, tief Luft holen und sich dann um etwas anderes kümmern. Es dauert eine ganze Zeit, bis man sich seine Social Media-Kontakte aufgebaut hat. Das Ganze durch ein unüberlegtes und unnötig emotionales Posting über den Haufen zu werfen und dadurch einen Shitstorm auszulösen, ist das Dümmste, was einem passieren kann. Als Paradebeispiel hierfür dient wohl ein gewisser John Asht, der Anfang des Jahres einer Bloggerin wegen einer schlechten Rezension drohte. Ich denke, jeder, der sich im Netz mit Büchern beschäftigt, wird sich noch an diese üble Geschichte erinnern …

Dünnhäutig sollte man in Netz wirklich nicht sein. Danke, Petra, für das Gespräch.

Wer mehr über Petra Röder erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

http://www.petra-roeder.com

Petra Röder bei Twitter

Petra Röder bei Facebook

Petra Röder bei Google+

Petra Röder bei YouTube

Petra Röder bei Amazon

Petra Röder bei Lovelybooks

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier Nicole Sowade Rede und Antwort, die mit ihrem Roman „Miss Januar“ bei derneuebuchpreis.de dabei ist.

Steglitz fragt bei Petra van Cronenburg nach … (Teil 2)

„Zu Facebook wollte ich auch nie. Wie kam ich da nur hin?“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Petra van Cronenburg für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. Im ersten Teil unseres Gespräches berichtete die Autorin und Übersetzerin über ihre Erfahrungen mit Publikumsverlagen, warum sie unter die Self Publisher ging und was sie von den Diskussionen rund um die Zukunft des Buches hält.

Dem Buchmarketing in Eigenregie kommt immer größerer Stellenwert zu. Was unternimmst du in dieser Richtung?

Kommt aufs Projekt an. Ich habe schon inkognito Werbe- und Klappentexte für Publikumsverlage geschrieben, mit Verlagen gemeinsame PR-Aktionen geplant und benutze selbst aus Kostengründen vor allem Social Media, Auftritte und direkte Kommunikation.

Welche deiner Aktivitäten (außerhalb Social Web) kamen besonders gut an, welche floppten?

Mein größter Flop war eine Lesung während eines Deutschlandspiels der EM. Bücher kommen gegen Fußball nicht an.

Die schönsten Überraschungen erlebe ich bei Auftritten. Da signierte ich einmal einer netten älteren Dame ein Buch als Geschenk für ihren Sohn. Ein Jahr später lernte ich neue Freunde kennen, die mir irgendwann jene Dame als ihre Mutter vorstellten! Und die war so begeistert über den Zufall, dass sie mich zum Teetrinken mit einer Russin schleppte. Da gingen plötzlich die unwahrscheinlichsten Türen für mein Buch „Faszination Nijinsky“ auf. Und mein neues, touristisch-historisches Projekt über die russische Kultur in Baden-Baden wurde ebenfalls geboren.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz?

Zuerst einmal auf meiner Website, was ich wegen der Verfügungsgewalt über die eigenen Daten und als zentrale Anlaufstelle jedem Autoren dringend empfehle. Es gibt mein Hauptblog „cronenburg“ zu Autoren- und Branchenthemen, das wiederum wie ein Krake zu Facebook, Twitter, zum Büchershoppen und in ein paar kleinere Themenblogs führt. Und natürlich im Online-Buchhandel.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen gesammelt?

Ich habe dieses Werbeinstrument sogar auf Herz und Nieren geprüft und die Ergebnisse in einer Artikelserie festgehalten. Deshalb wundere ich mich über viele Statements von Autor/innen, sie würden sich nie und nimmer verschenken, ihr Bäcker täte das ja auch nicht, das sei schädlich bis irre. Die meisten Kritiker haben sich leider nicht wirklich damit befasst, worum es überhaupt geht. Zumindest mein Bäcker verteilt durchaus Appetithappen von neuen Brotsorten!

Ein absolutes Must ist für mich das „Verschenken“ von ausführlichen (!) Leseproben. Im Buchladen kann ich ja auch schmökern. Aber was ist, wenn das Buch dort nicht vorrätig ist? Dank Book2Look kann man diesen Leser-Service sogar mit Buchtrailern und Shops verknüpfen und mit echtem Papierfeeling bequem in Social Media einbauen.

Verschenkaktionen von ganzen E-Books dagegen sind zeitlich eng begrenzt und wegen der Buchpreisbindung nur in Händlerexklusivität möglich. Sie dienen dazu, Bücher in den Top 100 sichtbar zu machen, also sozusagen ins Schaufenster zu legen. Deshalb sollte man sie auch so gründlich wie eine Werbeaktion vorbereiten und vernetzen. Der Witz ist: Es ist gar nicht so einfach, kostenlose Bücher loszuwerden. Die User sind weniger gierig als man ihnen nachsagt! Auch wenn der Effekt nach einigen Monaten etwas nachlässt, konnte ich mit jeder Aktion die Abverkäufe vervielfachen. Es lohnt sich sichtbar im Geldbeutel.

 Im Bereich Social Web: Seit wann bist du hier aktiv? Warum?

Meine erste multimediale Plattform hatte ich bei „geocities“, als es entstand. Ich blogge, seit Blogs erfunden wurden. Weil ich als Journalistin schon immer von einer eigenen Zeitschrift träumte – und plötzlich war das ohne Investitionen möglich. Ich wollte nie twittern, weil ich es als Krampf betrachtete und wollte das durch Ausprobieren beweisen. Dabei hat’s mich dann gepackt, weil es durch die Kürze ein hervorragendes Instrument ist, auf den Punkt formulieren zu lernen und Infos oder Links an möglichst viele Leute zu verteilen. Ich habe dabei fantastische Leute kennen gelernt, mit denen ich inzwischen auch im realen Leben arbeite.

Zu Facebook wollte ich auch nie. Wie kam ich da nur hin? Die Plattform ist übel, weil sie meinem Kommunikationsverhalten verführerisch entgegen kommt. Warum ich das alles mache? Weil das die besten Instrumente sind, um mit meinen Leser/innen, alten und zukünftigen, direkt zu kommunizieren und dabei Spaß zu haben. Autor/innen und Leser/innen – die wichtigste Paarung beim Buch.

Welche Plattformen im Social Web bevorzugst du für dein Buchmarketing? Warum?

Als zentrale Anlaufstelle mein Blog, wegen der Tiefe und Intensität. Facebook als PR-Instrument und Kennenlern-Club und Twitter für alles Kurze, Schnelle. Und das untereinander vernetzt. Bei Google+ bin ich nicht, weil ich nicht noch mehr schaffe und bei Facebook eher meine Leser/innen vermute. Das kann sich ändern.

Bist du bei deinen ersten Schritten im Social Web planvoll vorgegangen? Setzt du (inzwischen) auf eine Social-Media-Strategie?

Mein Plan heißt immer und überall: „Schreibe in der Öffentlichkeit nichts, was du nicht am nächsten Tag ohne Erröten in der Zeitung lesen könntest.“ Und: „Verberge dein Privatleben, aber sei absolut authentisch.“ Zur Authentizität gehört, Rückgrat und eine eigene Meinung zu zeigen. Auch mal unbequem zu sein oder zu provozieren. Da muss man auch Haue vertragen. Nichts ist langweiliger als diese glattgebügelten, austauschbaren Personen mit dem „Kauf mich, ich bin auch ganz arg lieb“-Gehabe.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation im Social Web besonders?

Mich zu benehmen!? Tabu sind für mich religiöse oder bestimmte politische Diskussionen, das geht virtuell unter Fremden fast immer schief.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Ich floppe ständig, weil ich viel zu viel quatsche, statt brav zu werben. Bei den Verschenkaktionen kam am meisten heraus.

Bei Facebook pflegst du Buch- und Autoren-Seiten. Was kommt bei deinen Freunden und Fans besser an? Wo verzeichnest du mehr Traffic?

Das Problem ist, dass die meisten User noch nicht begriffen haben, dass laut Facebook ein Profil nur zur privaten Vernetzung da ist und eine Seite zum Sammeln von Fans und Posten von „Unternehmensnachrichten“. Also muss ich beides bieten. Wobei die Seiten ideal für die schüchternen und stillen Mitleser/innen sind. Traffic? Ich weiß nicht mal auswendig, wie viele Fans ich habe.

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Kann ich nicht sagen, weil ich das in Kaffeepausen erledige, oder um nach komplizierten Recherchen wieder runterzukommen. Weil ich Privates mit Beruflichem mische. Manchmal belohne ich mich mit Facebook für die Erledigung besonders langweiliger Arbeiten.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Meine Bücher entstehen an einem nicht internetfähigen Laptop. Ich besitze nur ein uraltes, dauerausgeschaltetes Handy für Notfälle und einen Anrufbeantworter. Und meine Türklingel ist gut versteckt. Da bin ich eisern.

 Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle? Welche Tools nutzt du? Warum?

Gibt es ein Tool, mit dem ich beweisen kann, dass Qualität wichtiger ist als Quantität? Was ist Erfolg? Für mich ist Erfolg, wenn ich Menschen mit meinen Texten berühre. Rauschender Erfolg ist, wenn sie sogar längerfristig etwas für sich mitnehmen oder nachdenken. Das erfahre ich manchmal im persönlichen Gespräch oder durch Mails.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Pampig auf Kritik zu reagieren. Autor/innen müssen lernen, damit zu leben, dass Bücher Geschmackssache sind. Auch die eigenen. Sich gegen negative Kritiken rechtfertigen zu wollen, ist unprofessionell. Man sollte sich außerdem vorher genau überlegen, was man an Privatleben preisgeben möchte. Denn einmal Gesagtes und Fotografiertes ist nicht wirklich aus dem Internet zu entfernen.

Dieses Gespräch auch nicht, Madame. Vielen Dank!.

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Wer mehr über Petra van Cronenburg erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

http://www.cronenburg.net

http://cronenburg.blogspot.com

http://vaslavnijinsky.blogspot.com/

http://baden-ru-kultur.blogspot.com/

http://www.facebook.com/petra.van.cronenburg

http://www.facebook.com/cronenburg

http://www.twitter.com/buchfieber

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier die Autorin Petra Röder Rede und Antwort.