Steglitz fragt bei Sonya Winterberg nach (Teil 2)

„Während man den Shitstorm in kaum einem anderen Land der Erde kennt, hat er in Deutschland eine Popularität erreicht, die mich fassungslos macht.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Sonya Winterberg für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wie sie sich als Autorin und Journalistin im Social Web einbringt. Im ersten Teil unseres Gespräches berichtete sie über ihre Erfahrungen mit Publikumsverlagen, wie sie die Entwicklung in Richtung Self Publishing einschätzt und was sie von den aktuellen Diskussionen über die Zukunft des Buches hält.

Was hältst du von der Entwicklung, dass Autoren immer mehr für ihr Buchmarketing selbst tun (müssen)?

Ich finde das wirklich bedauerlich. Eigentlich sollte jeder Verlag ja auch ein Interesse an der Vermarktung eines Buches haben und gemeinsam mit dem Autoren überlegen, wie er es am besten verkauft. Stattdessen muss man schon froh sein, wenn der Verlag Geld für eine Buchpremiere in die Hand nimmt und eine Pressemitteilung in Umlauf bringt. Ich kann verstehen, dass Etats für Werbung und Marketing immer geringer werden. Zugleich glaube ich, dass es für jedes Buch auch individuelle Wege gibt, ihm kostengünstig zu Aufmerksamkeit zu verhelfen. Doch das geht eben nicht mit dem Gießkannenprinzip, mit ein paar Plakaten hier und einer Anzeige dort. Ich würde zu gerne einmal ein halbes Jahr einem Verlag Ideen liefern, wie er sein Programm individuell und ohne erhebliche Mehrkosten besser platziert bekommt.

Trifft das auch auf dich als Autorin eines renommierten Publikumsverlages zu?

Leider mehr als die meisten vermuten. Es ist inzwischen gang und gäbe, dass der Verlag schon bei Vertragsabschluss deutlich macht, dass man sich dort über die Buchpremiere und den Versand von Rezensionsexemplaren hinaus nicht in der Lage sieht, das Buch zu vermarkten. „Da sind Sie dann auf sich gestellt“, sagte mir neulich die Programmleiterin eines etablierten Verlagshauses. Ich bin in solchen Situationen oft sprachlos. Beide Seiten, Autor und Verlag, haben doch ein Interesse an guten Verkaufszahlen.

Was unternimmst du für dein Buchmarketing selbst?

Momentan bin ich auf der Suche nach buch- bzw. projektunabhängiger Unterstützung, also jemandem, den man in den USA „Publicist“ nennen würde. Quasi ein Vermarkter, der Lesereisen organisiert und geeignete Wege beschreitet, die Themen zu denen ich arbeite, bekannt zu machen. Ich glaube, dass das auch viel mit dem Aufbau von längerfristigen Beziehungen zu tun hat – zu Redaktionen, Veranstaltern, Sendern usw. Alleine schaffe ich das kaum, da ich ja auch noch meine Arbeit mit Zeitzeugen, in den Archiven und Recherchereisen im In- und Ausland organisieren muss.

Und speziell für dein aktuelles Buch „Wir sind die Wolfskinder“?

Für das Wolfskinderbuch habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin, der Fotografin Claudia Heinermann, eine Internetseite „Wir sind die Wolfskinder“ eingerichtet, die Material bereitstellt, die über das Buch hinausgehen.

Welche deiner Aktivitäten kamen besonders gut an, welche floppten?

Sonya Winterberg © Gina Gurgul

Grundsätzlich ist die Präsenz in den Medien das A und O. Interviews im Radio und Fernsehen sind ohne Frage hilfreich. Aber eben auch nicht um jeden Preis. Ich habe es zum Beispiel bereut, mit einer Zeitzeugin in einer Fernsehsendung gewesen zu sein, in der man, wie ich fand, ihrer Geschichte nicht wirklich gerecht wurde. Vielleicht auch gar nicht gerecht werden konnte. Traumatische Kriegserlebnisse zwischen zwei Promis in vierzehn Minuten erzählen und dann auch noch ein Happy Ending produzieren zu müssen, das mit seichtem Jazz auszuklingen hat, ist für mich befremdlich.

Unterstützt dich dein Verlag bei deinen Aktivitäten?

In der klassischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf Nachfrage ja. Aber weil die Wolfskinder zum Beispiel ein historisches Thema behandeln, wird automatisch auf ein älteres Publikum gezielt, das neue Medien vermeintlich nicht nutzt. Nicht einmal die Fernsehtermine wurden auf Twitter und Facebook bekannt gegeben. Ich käme mir da als Bittstellerin vor, wenn ich das jedes Mal einfordern würde. Wie gesagt, es liegt ja eigentlich auch im Interesse des Verlages, den Verkauf anzukurbeln. Beim Verkauf der Wolfskinder zum Beispiel ist der Verlag zufrieden, während ich denke, dass da noch einiges mehr möglich gewesen wäre.

Meinst du, dass Autoren heutzutage im Social Web präsent sein müssen?

Ich denke nicht, dass sie es müssen, aber es hilft, wenn man es schafft, seine eigene „Marke“ zu etablieren. Selbst bin ich da auch noch am Ausprobieren. Ich merke, dass ich Schwierigkeiten habe, meine beruflichen und privaten Kontakte strikt zu trennen. Denn nicht alles, was ich privat meinen Freunden auf Facebook mitteile, möchte ich auch öffentlich machen. Zum Beispiel, was meine Kinder angeht. Die haben ein Recht auf ein geschütztes Privatleben und wollen nicht das, was wir als Familie erleben, in die Öffentlichkeit getragen wissen, auch wenn es häufig mit meiner Arbeit zu tun hat.

Was hält dich persönlich davon ab, das Social Web stärker für dein Buchmarketing zu nutzen?

Im Wesentlichen ist es eine Zeitfrage. Beim Schreiben habe ich in der Vergangenheit die sozialen Netzwerke als virtuellen Pausenraum genutzt. Arbeit braucht, finde ich, Kollegen. Als Autorin habe ich die natürlich meistens nicht präsent und da ist es schön, bei einem Kaffee vor dem Bildschirm sich kurz mit Kollegen austauschen zu können. Neben der Arbeit, dem Recherchieren und Schreiben, das häufig mehr als vierzig Stunden die Woche ausmacht, eher sechzig, habe ich eine Familie und zwei Kinder. Der Tag hat 24 Stunden und ich kann bei weitem nicht alles machen, was ich gerne machen würde.

Warum bist du nicht auf Plattformen wie Facebook oder Google+ zu finden?

Privat bin ich auf Facebook. Google+ war mir eins zu viel. Ansonsten hatte ich mich bislang nicht für „wichtig“ genug gehalten, dass ich zum Beispiel ein Autorenprofil angelegt hätte. Erst als mir neulich der Verlag die Anfrage eines Wikipedia-Autoren weiterleitete, der einen Eintrag über mich schreiben wollte, dachte ich daran, dass es vielleicht wirklich an der Zeit ist. Ich fände es einfach peinlich, eine Seite zu haben, die dann vielleicht nur von zehn Leuten gut gefunden wird. Dann lieber keine, oder?

Beruflich findet man mich auf Xing und LinkedIn. Seit neuestem bin ich auch bei Klout angemeldet, einem elektronischen Dienst zur Messung der Online-Reputation.

Bei Twitter bist du allerdings bereits seit Dezember 2008 aktiv …

Anfangs war ich dort privat, sogar mit einem geschützten Account, angemeldet. Ich bin zu Beginn immer eher ein „Lurker“, eine Beobachterin und schaue mir zunächst einmal in Ruhe an, wie ein neues Medium, eine neue Plattform funktioniert und was sie bringt. Journalistisch schätze ich an Twitter die Unmittelbarkeit, Ereignisse schnell zu veröffentlichen. Gerade in Krisengebieten hat es sich als Medium der Wahl bewährt, um kurze, aktuelle Meldungen abzusetzen, die Agenturen häufig erst Stunden später auf dem Ticker haben. Ich lese also weit mehr als ich selbst twittere. Darüber hinaus schätze ich die ungefilterte Meinungs- und Kulturvielfalt, die Vielsprachigkeit, in der Twitter funktioniert.

Du hast kürzlich auch im Rahmen einer Rotation Curation für @wearedresden getwittert …

Ja, genau. Das Konzept eines offiziellen Accounts für eine Stadt oder ein Land, das in einem rotierenden Verfahren unterschiedliche Menschen zu Wort kommen lässt, ist für mich tatsächlich eine qualitative Weiterentwicklung sozialer Netzwerke mit dem ausdrücklichen Ziel, Vielfalt sichtbar zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Idee auch für den Buchmarkt oder ausgewählte Themen nutzen ließe.

Warum nutzt du für Twitter ein Pseudonym?

Anfangs war ich mit meinem vollen Namen angemeldet. Was dazu führte, dass bei Suchmaschinen nicht mehr unbedingt meine Arbeit im Ranking vorn lag, sondern Tweets, die eher widerspiegelten, was ich gerade las oder welche aktuellen Ereignisse mich beschäftigten. Das störte mich. Jetzt fahre ich ganz gut mit @experimentdays und dem dazugehörigen Profil.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation via Twitter besonders?

Twittern ist eine Kommunikationsform im öffentlichen Raum, das heißt, ich verhalte mich so, wie ich es sonst auch mache, wenn andere Menschen zuhören. Ich äußere also durchaus meine persönliche Meinung, werde aber nicht zu privat und reagiere nicht so impulsiv wie vielleicht im Freundeskreis.

Siehst du zukünftig vor, dich stärker noch im Social Web zu engagieren?

Ich denke, wir stehen da noch ganz am Anfang. Der Hype, bevor Facebook an die Börse ging, und der nachfolgende rapide Verfall der Aktie zeigt meines Erachtens, dass es wie einst mit der New Economy noch lange nicht sicher ist, was bleiben wird. Ich will auch künftig nicht zu viel Zeit auf die Form verwenden, sondern vor allem inhaltlich arbeiten. Von daher glaube ich nicht, dass ich mich unbedingt stärker einbringen werde, aber vielleicht gezielter.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen?

Da hat sicher jeder seine eigenen Prioritäten. Ich finde ja schon, dass man gelegentlich hitzig diskutieren oder auch provozieren darf. Leider führt das in Deutschland häufig zu ätzender Besserwisserei. Während man den Shitstorm in kaum einem anderen Land der Erde kennt, hat er in Deutschland eine Popularität erreicht, die mich fassungslos macht.

Wo verortest du Risiken?

Für Autoren, die zeitgeschichtlich oder politisch arbeiten, ist auch immer die Frage, wie öffentlich sie ihre Werte und politischen Ansichten machen, wenn sie weiterhin international reisen und arbeiten wollen. Mir selbst ist es bei der Einreise in die USA wiederholt so gegangen, dass ich diesbezüglich eingehend befragt wurde. Bei der Einreise nach Israel musste ich Beamten schon Zugang zu Google Mail und Facebook geben.

Vielleicht hat es mit den Themen zu tun, die mich beschäftigen, oder aber den historischen Erfahrungen meiner Familie. Die Informations- und Meinungsfreiheit, die uns das Internet bietet und die wir in Europa genießen, gilt es zu bewahren. Sie ist keineswegs selbstverständlich.

Danke, Sonya, für das interessante Gespräch mit einem gewichtigen Schlusswort.

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Wer mehr über Sonya Winterberg erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

http://sonyawinterberg.wordpress.com/

https://twitter.com/experimentdays

http://wolfskinder.fotoportfolios.com/

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi Rede und Antwort.

Steglitz fragt bei Petra van Cronenburg nach … (Teil 2)

„Zu Facebook wollte ich auch nie. Wie kam ich da nur hin?“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Petra van Cronenburg für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. Im ersten Teil unseres Gespräches berichtete die Autorin und Übersetzerin über ihre Erfahrungen mit Publikumsverlagen, warum sie unter die Self Publisher ging und was sie von den Diskussionen rund um die Zukunft des Buches hält.

Dem Buchmarketing in Eigenregie kommt immer größerer Stellenwert zu. Was unternimmst du in dieser Richtung?

Kommt aufs Projekt an. Ich habe schon inkognito Werbe- und Klappentexte für Publikumsverlage geschrieben, mit Verlagen gemeinsame PR-Aktionen geplant und benutze selbst aus Kostengründen vor allem Social Media, Auftritte und direkte Kommunikation.

Welche deiner Aktivitäten (außerhalb Social Web) kamen besonders gut an, welche floppten?

Mein größter Flop war eine Lesung während eines Deutschlandspiels der EM. Bücher kommen gegen Fußball nicht an.

Die schönsten Überraschungen erlebe ich bei Auftritten. Da signierte ich einmal einer netten älteren Dame ein Buch als Geschenk für ihren Sohn. Ein Jahr später lernte ich neue Freunde kennen, die mir irgendwann jene Dame als ihre Mutter vorstellten! Und die war so begeistert über den Zufall, dass sie mich zum Teetrinken mit einer Russin schleppte. Da gingen plötzlich die unwahrscheinlichsten Türen für mein Buch „Faszination Nijinsky“ auf. Und mein neues, touristisch-historisches Projekt über die russische Kultur in Baden-Baden wurde ebenfalls geboren.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz?

Zuerst einmal auf meiner Website, was ich wegen der Verfügungsgewalt über die eigenen Daten und als zentrale Anlaufstelle jedem Autoren dringend empfehle. Es gibt mein Hauptblog „cronenburg“ zu Autoren- und Branchenthemen, das wiederum wie ein Krake zu Facebook, Twitter, zum Büchershoppen und in ein paar kleinere Themenblogs führt. Und natürlich im Online-Buchhandel.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen gesammelt?

Ich habe dieses Werbeinstrument sogar auf Herz und Nieren geprüft und die Ergebnisse in einer Artikelserie festgehalten. Deshalb wundere ich mich über viele Statements von Autor/innen, sie würden sich nie und nimmer verschenken, ihr Bäcker täte das ja auch nicht, das sei schädlich bis irre. Die meisten Kritiker haben sich leider nicht wirklich damit befasst, worum es überhaupt geht. Zumindest mein Bäcker verteilt durchaus Appetithappen von neuen Brotsorten!

Ein absolutes Must ist für mich das „Verschenken“ von ausführlichen (!) Leseproben. Im Buchladen kann ich ja auch schmökern. Aber was ist, wenn das Buch dort nicht vorrätig ist? Dank Book2Look kann man diesen Leser-Service sogar mit Buchtrailern und Shops verknüpfen und mit echtem Papierfeeling bequem in Social Media einbauen.

Verschenkaktionen von ganzen E-Books dagegen sind zeitlich eng begrenzt und wegen der Buchpreisbindung nur in Händlerexklusivität möglich. Sie dienen dazu, Bücher in den Top 100 sichtbar zu machen, also sozusagen ins Schaufenster zu legen. Deshalb sollte man sie auch so gründlich wie eine Werbeaktion vorbereiten und vernetzen. Der Witz ist: Es ist gar nicht so einfach, kostenlose Bücher loszuwerden. Die User sind weniger gierig als man ihnen nachsagt! Auch wenn der Effekt nach einigen Monaten etwas nachlässt, konnte ich mit jeder Aktion die Abverkäufe vervielfachen. Es lohnt sich sichtbar im Geldbeutel.

 Im Bereich Social Web: Seit wann bist du hier aktiv? Warum?

Meine erste multimediale Plattform hatte ich bei „geocities“, als es entstand. Ich blogge, seit Blogs erfunden wurden. Weil ich als Journalistin schon immer von einer eigenen Zeitschrift träumte – und plötzlich war das ohne Investitionen möglich. Ich wollte nie twittern, weil ich es als Krampf betrachtete und wollte das durch Ausprobieren beweisen. Dabei hat’s mich dann gepackt, weil es durch die Kürze ein hervorragendes Instrument ist, auf den Punkt formulieren zu lernen und Infos oder Links an möglichst viele Leute zu verteilen. Ich habe dabei fantastische Leute kennen gelernt, mit denen ich inzwischen auch im realen Leben arbeite.

Zu Facebook wollte ich auch nie. Wie kam ich da nur hin? Die Plattform ist übel, weil sie meinem Kommunikationsverhalten verführerisch entgegen kommt. Warum ich das alles mache? Weil das die besten Instrumente sind, um mit meinen Leser/innen, alten und zukünftigen, direkt zu kommunizieren und dabei Spaß zu haben. Autor/innen und Leser/innen – die wichtigste Paarung beim Buch.

Welche Plattformen im Social Web bevorzugst du für dein Buchmarketing? Warum?

Als zentrale Anlaufstelle mein Blog, wegen der Tiefe und Intensität. Facebook als PR-Instrument und Kennenlern-Club und Twitter für alles Kurze, Schnelle. Und das untereinander vernetzt. Bei Google+ bin ich nicht, weil ich nicht noch mehr schaffe und bei Facebook eher meine Leser/innen vermute. Das kann sich ändern.

Bist du bei deinen ersten Schritten im Social Web planvoll vorgegangen? Setzt du (inzwischen) auf eine Social-Media-Strategie?

Mein Plan heißt immer und überall: „Schreibe in der Öffentlichkeit nichts, was du nicht am nächsten Tag ohne Erröten in der Zeitung lesen könntest.“ Und: „Verberge dein Privatleben, aber sei absolut authentisch.“ Zur Authentizität gehört, Rückgrat und eine eigene Meinung zu zeigen. Auch mal unbequem zu sein oder zu provozieren. Da muss man auch Haue vertragen. Nichts ist langweiliger als diese glattgebügelten, austauschbaren Personen mit dem „Kauf mich, ich bin auch ganz arg lieb“-Gehabe.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation im Social Web besonders?

Mich zu benehmen!? Tabu sind für mich religiöse oder bestimmte politische Diskussionen, das geht virtuell unter Fremden fast immer schief.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Ich floppe ständig, weil ich viel zu viel quatsche, statt brav zu werben. Bei den Verschenkaktionen kam am meisten heraus.

Bei Facebook pflegst du Buch- und Autoren-Seiten. Was kommt bei deinen Freunden und Fans besser an? Wo verzeichnest du mehr Traffic?

Das Problem ist, dass die meisten User noch nicht begriffen haben, dass laut Facebook ein Profil nur zur privaten Vernetzung da ist und eine Seite zum Sammeln von Fans und Posten von „Unternehmensnachrichten“. Also muss ich beides bieten. Wobei die Seiten ideal für die schüchternen und stillen Mitleser/innen sind. Traffic? Ich weiß nicht mal auswendig, wie viele Fans ich habe.

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Kann ich nicht sagen, weil ich das in Kaffeepausen erledige, oder um nach komplizierten Recherchen wieder runterzukommen. Weil ich Privates mit Beruflichem mische. Manchmal belohne ich mich mit Facebook für die Erledigung besonders langweiliger Arbeiten.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Meine Bücher entstehen an einem nicht internetfähigen Laptop. Ich besitze nur ein uraltes, dauerausgeschaltetes Handy für Notfälle und einen Anrufbeantworter. Und meine Türklingel ist gut versteckt. Da bin ich eisern.

 Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle? Welche Tools nutzt du? Warum?

Gibt es ein Tool, mit dem ich beweisen kann, dass Qualität wichtiger ist als Quantität? Was ist Erfolg? Für mich ist Erfolg, wenn ich Menschen mit meinen Texten berühre. Rauschender Erfolg ist, wenn sie sogar längerfristig etwas für sich mitnehmen oder nachdenken. Das erfahre ich manchmal im persönlichen Gespräch oder durch Mails.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Pampig auf Kritik zu reagieren. Autor/innen müssen lernen, damit zu leben, dass Bücher Geschmackssache sind. Auch die eigenen. Sich gegen negative Kritiken rechtfertigen zu wollen, ist unprofessionell. Man sollte sich außerdem vorher genau überlegen, was man an Privatleben preisgeben möchte. Denn einmal Gesagtes und Fotografiertes ist nicht wirklich aus dem Internet zu entfernen.

Dieses Gespräch auch nicht, Madame. Vielen Dank!.

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Wer mehr über Petra van Cronenburg erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

http://www.cronenburg.net

http://cronenburg.blogspot.com

http://vaslavnijinsky.blogspot.com/

http://baden-ru-kultur.blogspot.com/

http://www.facebook.com/petra.van.cronenburg

http://www.facebook.com/cronenburg

http://www.twitter.com/buchfieber

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier die Autorin Petra Röder Rede und Antwort.

Steglitz fragt bei Jando nach … (Teil 2)

„Ohne meine Fans wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Jando für sein Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo er im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. In unserem ersten Gespräch berichtete er mir u.a. über seine Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, in einem Publikumsverlag und warum sein neues Buch „Sternenreiter. Kleine Sterne leuchten ewig“ als körperliches Buch, Hörbuch und als E-Book erscheint.

Obwohl dein erstes Buch bei einem klassischen Publikumsverlag erschienen ist, lag die Vermarktung der „Windträume“ weitestgehend in deinen Händen. Wieso das?

Als ich merkte, dass der Verlag an seine Grenzen der Vermarktung angekommen war, bot ich ihm meine Unterstützung an. Zusammen haben wir eine Strategie entworfen und diese dann umgesetzt. Wenn man sich für einen Verlag entscheidet, der Autoren Freiräume und selbstbestimmte Entscheidungen einräumt, dann ist eine gewisse Mitarbeit zwingend notwendig.

Welche Möglichkeiten und Wege hast du für dein Buch-Marketing genutzt?

Da sind die Mittel begrenzt, vor allen Dingen, wenn man finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Ich habe die Netzwerke des Social Media genutzt, um auf meine Arbeiten aufmerksam zu machen. Um Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, gibt es für junge und unbekannte Autoren meiner Meinung nach keine besseren Plattformen als die des Social Web. Vor allem deshalb, weil man hier ehrliches Feedback zu seinem Schaffen erhält. Das beinhaltet auch Kritik, die sehr hilfreich und lehrreich ist, auch wenn es manchmal schmerzt. Der tägliche Austausch mit meinen Lesern ist eine tolle Sache, die ich sehr schätze. Wenn man erst einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, dann fällt vieles einfacher. Bei mir trudelten auf einmal Rezensionen, Presse- und Lesungsanfragen ein.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz? Welche Plattformen und Tools nutzt du?

Ich habe eine Autoren-Webseite nebst Blog und ein Profil bei Amazon. Ab 2009 legte ich meinen Fokus auf MySpace, da dieses Netzwerk damals noch das erste richtige Social Network gewesen ist, wo man als Autor und Künstler seine Arbeiten und Musik präsentieren konnte. Als dann Facebook den deutschen Markt eroberte, war ich einer der ersten, der auf diese Schiene aufgesprungen ist. Seitdem das dort angelaufen ist, besteht mein MySpace-Acount nur noch als Verknüpfung zu Facebook. Auch Twitter, wo ich seit Januar 2010 aktiv bin, und mein Autoren-Profil bei Amazon habe ich mit meinem Facebook-Account verknüpft. Wenn ich also etwas bei Facebook poste, dann erscheint es auch auf diesen Plattformen.

Meine Bücher sind durch die Verlage, bei denen ich publiziere, über Grossisten in allen Onlineplattformen gelistet. Und, was für mich ganz wichtig ist, auch bei allen deutschsprachigen Buchhandlungen!

Hast du bei deinen ersten Schritten im Social Web auf eine Strategie gesetzt?

Wichtig war mir von Anfang an, den Austausch beständig weiter voranzutreiben. Mal einen Monat gar nichts zu machen, kann schon fast bedeuten, wieder bei null anzufangen. Leser, User, die sich für einen interessieren, möchten gepflegt werden. Wie „echte Freunde“ eben. Wichtig ist: Keinen Stillstand aufkommen lassen. Immer wieder neue Ideen und Ansätze testen. Jeden Tag poste ich auf meinem Facebook-Profil und Fan-Seiten Texte und Aphorismen von mir. Einige stammen aus meinen Büchern, andere sind gerade verfasst worden. Ich beobachte, wie diese angenommen werden. Eine bessere, ehrlichere Kritik als die seitens meiner Leser kann ich gar nicht bekommen. Als Stilmittel setze ich auf inhaltlich passende Bilder und Illustrationen zu meinen Texten.

Was kommt bei Facebook besser an: Deine Autoren-Seite oder die Fanseiten zu deinen Büchern „Windträume“ und „Sternenreiter“?

Jando (c) Lisa Farkas

Das ist schwer zu sagen. Die Windträume-Seite existiert am längsten. Daher ist dort auch immer sehr viel los. Aber auch die Autorenseite erfreut sich inzwischen Beliebtheit. Da ich zudem ein persönliches Facebook-Profil pflege, das abonniert werden kann, gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit mir zu kommunizieren. Die Fanseite für mein neues Buch „Sternenreiter“ ist gerade einmal vier Wochen alt. Ich denke, sobald die ersten Leser das Buch in den Händen halten, wird auch dort einiges los sein.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Zum Valentinstag habe ich eine Postkarten-Aktion mit Zitaten von mir gestartet. Ich rief Fans und Freunde dazu auf, mir via E-Mail mitzuteilen, an welche Liebste/welchen Liebsten ich die Karte schicken soll. Entweder sagten sie mir, was ich schreiben sollte, oder ich ließ mir etwas einfallen. Eine so große Resonanz hatte ich allerdings nicht erwartet! Insgesamt habe ich 1.231 Postkarten verschickt und eine gute Woche dafür gebraucht, sie zu schreiben. Der Flop war: Die Umsetzung kostete mich 677,05 € Porto und 80,20 € an gedruckten Postkarten. So wurde aus meinem geplanten Urlaub ein Postkartenurlaub. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Doch als ich dann auf die Karten-Aktion ein unglaubliches schönes Feedback bekam, war alles wieder in Butter. Und: In Urlaub kann ich auch im nächsten Jahr fahren.

Die Idee war übrigens anscheinend so gut, dass Verlage diese kopierten und ähnliche Aktionen bei Facebook starteten. Nett fand ich, dass sie mich auch dazu eingeladen haben …

Siehst du zum Erscheinen von „Sternenreiter“ eine besondere Aktion im Social Web vor?

Ja, zusammen mit meinem Verlag haben wir uns zur Veröffentlichung etwas Besonderes ausgedacht. Alle, die am Erscheinungstag mein Buch „Sternenreiter“ kaufen bzw. bestellen, können ein Wochenende für zwei Personen in Neuharlingersiel an der Nordsee gewinnen. Dort habe ich mein neues Buch geschrieben. Abends werde ich die Gewinner besuchen und zu einem zünftigen norddeutschen Essen bei Meeresblick einladen. Alle, die bei der Aktion mitmachen, aber nicht den Hauptgewinn bekommen, schicke ich als „Danke schön“ eine handgeschriebene Sternenreiter-Postkarte mit einem Buchzitat. – Im Postkarten -Schreiben bin ich inzwischen ja gut geübt. Und: Diesmal auch viel besser darauf vorbereitet.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen im Netz gesammelt?

Nein! Habe ich nicht. Werde ich nicht! Oder denkst Du, dass ein Fischer, der einen besonders großen Hecht ans Land zieht, diesen kostenlos anbieten würde? Schreiben ist das Schönste der Welt und ich bin dankbar, dass ich es machen darf. Aber: Bisweilen ist es sehr harte Arbeit. Und für Arbeit sollte man entlohnt werden!

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Ja, das ist wohl wahr. Ich versuche mir am Tag mindestens eine Stunde Zeit dafür einzuräumen. Meistens wird es aber mehr. Da mir viele Personen auch persönliche Nachrichten schreiben, Fragen haben, Infos erfahren wollen, nehme ich mir die Zeit, die dafür gebraucht wird. Ohne meine Fans und Leser wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe. Es ist mir wichtig, ihnen einen Teil zurückzugeben.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Wenn ich mich ausgeloggt habe, dann bleibt das auch so. Ich nutze mein Smartphone nicht, um weiter online zu bleiben. Dann wende mich meiner eigentlichen Arbeit, dem Schreiben zu. Ich gehe zwischendurch ans Meer, laufe meine Kilometer, um den Kopf frei zu bekommen und den Körper in Bewegung zu bringen. Das bewirkt bei mir Wunder. Es passiert oft, dass mir dabei Ideen für neue Projekte durch den Kopf geistern. Die schreibe ich bei Heimkunft dann gleich nieder. – So wäre es ein perfekter Tag. Bloß: Wann ist ein Tag einmal perfekt?

Was sollte man als Autor im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Das Social Web ist so etwas wie eine große Spielwiese für Jung und Alt. Ich achte darauf, dass Persönliches auch persönlich bleibt. Ich möchte nicht, dass meine Freunde und Fans wissen, wann und wo ich mein Krabbenbrötchen mit einer Flasche Jever herunter spüle, oder wann und wo ich einen Kaffee trinke. Klar ist aber auch, dass man – bis zu einem gewissen Teil – seine Fans und Freunde an seinem Leben teilhaben lassen sollte. Das ist ein schmaler Grat. Das habe ich erst vor kurzem erfahren. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei mir ein Tumor unter der linken Axilla festgestellt, der nach innen gewachsen war und 15cm groß war. Er hatte sich vor dem Nervenstrang des linken Armes breit gemacht. Es bestand die Gefahr, dass der Arm gelähmt bleiben und sich der Tumor als bösartig herausstellen könnte. Am Ende ist glücklicherweise alles gut gegangen. Keine dieser düsteren Prognosen traten nach der Operation ein. Ich war lange hin- und hergerissen, ob ich darüber schreiben soll.

Ich entschloss mich schließlich, es zu machen. Mein Gefühl sagt mir, das ich Verantwortung gegenüber meinen Lesern und Fans habe. Ich wollte ihnen mitteilen, wie wichtig es ist, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, auch dann, wenn man sich körperlich topfit fühlt. Mein Arm, und vielleicht auch mein Leben, wurden dadurch gerettet. Das Feedback auf meine ehrliche Botschaft war enorm. Es hat mich bestätigt, dass meine Entscheidung die richtige gewesen ist!

Man muss lernen, abzuwägen, was will und kann ich im Social Web verbreiten bzw. unterlassen? Im Endeffekt muss ein jeder für sich selbst, sein Handeln und Tun gerade stehen. Auch im Social Web.

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle?

Das beantworte ich mit einem Zitat von mir: „Erfolg ist das, was wir fühlen, aber manchmal nicht sehen können.“ Punkt. Aus.

Ein schöner Schlusspunkt, Jando. Danke vielmals für deine offene Rede und Antwort.

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Wer mehr über den Geschichtenerzähler von der Nordsee erfahren möchte, findet Jando hier im Netz:

Jandos Homepage

Jandos Seite bei Amazon, Jando bei MySpace,  Jando bei twitter

Homepage des Debüts „Windträume“

Jando bei Facebook: „Jando Schriftsteller“ „Jando Autor“ „Windträume“ und

das neue Buch „Sternenreiter“, das am 24. Juli erscheint

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe „Steglitz fragt … bei Autoren nach“ auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht die Autorin, Übersetzerin und Bloggerin Petra van Cronenburg hier Rede und Antwort.