„Meine Fangemeinde ist ein ganz wichtiger Teil meines Autorendaseins!“ – SteglitzMind fragt bei Jando nach (Teil 2)

Jando, mit dem ich vor gut drei Jahren ein längeres Gespräch für SteglitzMind führen konnte, stand mir abermals Rede und Antwort. Im ersten Teil haben wir über seine künstlerische Entwicklung gesprochen; heute geht es vorrangig um seine Präsenz und Erfahrungen im Netz.

Inzwischen ist es gang und gäbe, dass Autoren in den sozialen Netzwerken, und allen voran bei Facebook, Präsenz zeigen. Du bist quasi ein Pionier, da schon seit 2007 dabei. Wie passt das zusammen – das laute, marktschreierische Netz und deine eher leisen Geschichten und besinnlichen Botschaften?

Jando beim Schreiben © Mandy Vollmer

Jando beim Schreiben © Mandy Vollmer

Ich habe mich von Anfang an als Autor so präsentiert, wie ich bin. Und da ich moderne Märchen mit zeitlosen Botschaften schreibe, stelle ich diese auch so ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Fans einfach auf meine Autorenseite gehen, um mal etwas anderes als die lauten, marktschreierischen Postings zu lesen.

Bei deinem Einstieg 2007 hatte Facebook gerade einmal eine Million deutsche Nutzer. Mittlerweile sind es rund 28 Millionen, weltweit knapp 1,4 Milliarden. Hast du mit dieser rasanten Entwicklung gerechnet?

Ja. Nachdem sich Netzwerke wie Schüler VZ, MySpace etc. vom Markt verabschiedeten, war abzusehen, dass Facebook weiter wachsen würde.

War es früher einfacher oder womöglich sogar schwieriger Fans anzusprechen?

Das kann ich schwer beantworten, weil ich meinen Fans nicht anders gegenübertrete als anfangs. Seitdem ich bei Facebook unterwegs bin, versuche ich täglich etwas zu posten. Was ich aber bemerke ist, dass die Fan-Seiten stärker frequentiert werden als das Autoren-Profil. Ich höre zwar immer von einigen selbst ernannten „PR-Profis“ oder „Social-Media-Beratern“, dass es schwierig geworden sein soll, Fans anzusprechen, aber diesen Behauptungen konnte ich noch nie so richtig folgen. Fans kommen zu einem, wenn sie die Person mögen oder die Bücher, die Inhalte der Aussagen etc. Sie entscheiden – niemand anders.

Hast du den Eindruck, dass sich die Kommunikation in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Jahren verändert hat?

Klaro. Je mehr Nutzer, desto unterschiedlicher die Menschen und natürlich auch die Kommunikation. Was natürlich auch vielen Randgruppen eine Möglichkeit gibt, ihre Meinung kundzutun. Leider oft sehr sinnfrei.

Du konntest dir eine riesige Fangemeinde aufbauen. Welchen Anteil misst du ihr an deinem Erfolg bei?

Einen großen Anteil! Ohne meine Fans, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Sie haben es mir ermöglicht, meinen Traum vom Schreiben zu leben und geben mir positives wie negatives Feedback. Lesen meine Bücher und empfehlen sie weiter. Meine Fangemeinde ist ein ganz wichtiger Teil meines Autorendaseins!

Inwieweit nimmst du bei deinen Projekten auf das Feedback deiner Fans Rücksicht?

Soweit wie möglich. Zum Beispiel bin ich der Bitte einiger Fans nachgekommen, in meinem neuen Buch „Traumflieger“ die Briefe von Lena an Gott aufzunehmen. Diesen Part im Buch habe ich ihnen gewidmet. Ursprünglich waren die Briefe lediglich für mein Blog gedacht.

Wie kommen die Abenteuer von Lena und Lasse, die du in deiner Neuerscheinung „Traumflieger“ erzählst, bei deinen Lesern an?

Gut. Wobei ich sagen muss, dass ich mir mit dem Untertitel „Lena schreibt Briefe an Gott“ nicht unbedingt einen Gefallen getan habe. Manche Leser schrecken bei dem Untertitel zurück, weil sie meinen, sie bekommen ein religiöse Buch vorgesetzt. Zwar wird das Thema durch Lenas Briefe angerissen, aber die eigentliche Geschichte handelt von zwei Kindern und ihren Freunden, die gemeinsam Abenteuer bestehen, um die Welt ein wenig besser zu machen. Sie vor Unheil zu retten…

Stichwort Kollaboration. Für die Hörbuchproduktion des „Traumfliegers“, die Ende September erschienen ist, hast du die Community gebeten, sich mit Songideen einzubringen. Was ist dabei herausgekommen?

Jando, Isgaard mit dem Produzenten Jens Lueck im Studio © Oriana Lai

Jando, Isgaard mit dem Produzenten Jens Lueck im Studio © Oriana Lai

Super Songs wurden eingereicht. Eigentlich hätte man alle Beiträge einspielen müssen. Das ging leider nicht. Ich hatte eine Jury, die aus der Echo- Preisträgerin Isgaard und dem Produzenten Jens Lueck bestand. Da ich kein Musikfachmann bin, lag es auf der Hand, dass sie die Entscheidung treffen. Ihre Wahl fiel auf die zwölfjährige Annika Schröder von den Musical Kids Hamburg, Alaska Shining und Synrix Call. Als ich das fertige Hörbuch hören konnte, war ich begeistert. Auch vom Schauspieler Christopher Groß, der die Geschichte liest. Die Traumflieger sind großartiges Kino für die Ohren geworden.

Die Erkenntnis, dass Bücherblogger wichtige Multiplikatoren sein können, verfestigte sich erst in jüngerer Zeit allgemein. Warum hast du von Anfang an auch auf diese Kanäle gesetzt?

Weil ich meine, dass ein jeder, der Bücher liest, auch die Möglichkeit bekommen sollte, öffentlich darüber zu sprechen und zu schreiben. Jeder hat eine Meinung und warum diese nicht vertreten? Das muss nicht zwingend der studierte Literaturwissenschaftler sein, die „Literaturpäpstin“, der „Literaturpapst“ oder das Feuilleton. Durch Klüngelei werden hier schon genügend Titel hin- und hergeschoben, um ihnen eine noch breitere Aufmerksamkeit zu verschaffen. – Ähnlich verhält es sich auch bei den Preisverleihungen; wobei sich die Buchbranche diesbezüglich nicht von der Musik- und Filmbranche unterscheidet. Es gibt viele Schätze, die keine Chance haben, bekannt zu werden. Buchblogger sind für solche Bücher offener.

Kannst du bestätigen, dass Rezensionen auf Buchblogs den Verkauf befördern. Oder würdest du sagen, dass sie eher dem Bekanntheitsgrad zutragen?

Schwierig zu beantworten, weil ich kein Selfpublisher bin und daher nicht zeitnah auf die Verkaufszahlen zurückgreifen kann. Aber meine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren reflektierend, würde ich meinen, dass Buchblogs eher den Bekanntheitsgrad fördern und Rezensionen in den klassischen Medien eher die Verkaufszahlen ansteigen lassen.

Und natürlich die obligatorische Schlussfrage: Hast du neue Buchprojekte in Arbeit?

Japp. Ich habe mich jüngst wieder für einige Zeit auf eine ostfriesische Insel zurückgezogen, um an meinem neuen Buchprojekt zu arbeiten. Verraten möchte ich noch nicht viel. Nur das: es wird wieder ein typisches Jando-Buch sein. Ein modernes Märchen, indem alles möglich ist…

Danke, dass ich nachfragen durfte. Ich melde mich bestimmt einmal wieder bei dir.

„Der Erfolg des Sternenreiters hat mein Leben ein wenig verändert.“ SteglitzMind fragt bei Jando nach

Es ist eine Weile her, dass ich mit Jando ein längeres Gespräch für SteglitzMind führen konnte. Inzwischen hat er sich als Autor etabliert. Anlass genug, ihm abermals einige Fragen zu stellen. Heute unterhalten wir uns über seine künstlerische Entwicklung; der zweite Teil des Gespräches wird sich vorrangig um seine Präsenz und Erfahrungen im Netz drehen.

Als wir vor drei Jahren erstmals miteinander gesprochen haben, hattest du dir gerade die ersten Meriten als Jung-Autor verdient. Wie ist es dir seither persönlich ergangen?

Jando © Mandy Vollmer

Jando © Mandy Vollmer

Danach ist einiges passiert. Privat wie auch beruflich. Der Erfolg des Sternenreiters hat mein Leben ein wenig verändert. Ich habe nun eine gewisse Freiheit, mich neuen, anderen Projekten zu widmen, die vorher nicht möglich gewesen sind. Auch hat sich die Aufmerksamkeit erhöht. Man wird von Lesern, Verlagen, auch der Presse anders wahrgenommen als dies noch vor drei Jahren der Fall war. Im positiven wie auch im negativen Sinn.

Der „Sternenreiter“ war ein Überraschungserfolg; mit inzwischen über 30.000 verkauften Exemplaren ein Bestseller. Kannst du dir erklären, warum das Buch solche Resonanz findet?

Die Frage wird mir oft gestellt und bisher habe ich immer noch keine passende Antwort darauf gefunden. Sicherlich ist es der Protagonist, nämlich der “kleine Junge“ ohne Namen, der dem Erwachsenen Mats die Augen öffnet und ihm aus der Sichtweise eines Kindes zeigt, wie wundervoll das Leben sein kann. Jüngere Leser finden Gefallen an dem manchmal doch naseweisen, aber tiefsinnigen Kind. Die Erwachsenen entdecken sich in Mats wieder. Es ist also vermutlich die Mischung, die das Buch für jede Altersgruppe interessant macht.

Die Geschichte über einen sonderbaren Jungen wurde ja nicht nur ins Koreanische übersetzt, sondern wird auch verfilmt. Wie kam es dazu?

Mein Verlag arbeitet mit der Agentur „Wittmann Agency“ zusammen, die sich um die Lizenzen meiner Bücher kümmert. Daher habe ich als Autor wenig damit zu tun. In Korea erscheint der Sternenreiter mit neuen Illustrationen, die für den asiatischen Markt gezeichnet werden.

Für die Verfilmung lagen mir einige Anfragen vor, doch ich haderte lange damit, die Filmrechte abzugeben. Ich kenne einige Buchverfilmungen, die mit dem Inhalt des Buches fast nichts mehr gemein haben. Mir ist es wichtig, dass die Botschaft des Sternenreiters auch auf die Leinwand projiziert wird und ich mich bei den Charakteren miteinbringen kann. Bei vielen Anfragen war es so, dass ich die Rechte abgebe und dann mit den Film nichts weiterzutun hätte. Das war nicht in meinem Sinn. Als dann die Anfrage von der TV- Produktionsfirma puzzle pictures kam, dass ich am Drehbuch mitschreiben könne, wenn sie die Rechte bekommen, führten wir intensive Gespräche, die mich überzeugt haben.

Du hast das Drehbuch zum Film erarbeitet, der Ende nächsten Jahres in die Kinos kommt. Welche besonderen Herausforderungen stellten sich dir beim Schreiben?

An einem Drehbuch zu schreiben, ist eine ganz andere Form von Schreiben. Da meine Erzählungen den Charakter von modernen Märchen haben, arbeite ich die Figuren nicht immer komplett aus. Beim Drehbuch hatte ich nun die Möglichkeit, die Protagonisten noch weiter auszuschmücken. Die Dialoge sind das „A und O“ beim Drehbuch. Aber auch die jeweiligen Szenen auszuarbeiten, macht unglaublich viel Freude. Mir hat das Drehbuchschreiben richtig viel Spaß gemacht. Vor allen Dingen, weil es sich um das eigene Buch handelte. Ich kann mir aber ebenso gut vorstellen, zeitnah ein neues Drehbuch zu schreiben und daraus ein Buch zu entwickeln.

Dein Erstling „Windträume“ ist 2009 bei einem Kleinverlag erschienen. Die folgenden Titel hast du bei einem Indie-Verlag publiziert, dem du bis heute treu geblieben bist. Warum wechseltest du damals die Fronten?

Sagen wir es mal so: Im Laufe der Zeit hatte ich andere Auffassungen gewonnen, was die Zusammenarbeit betrifft. Ich habe mir angewöhnt, nicht zurückzublicken, sondern möglichst nur nach vorne. Der Blick in den Rückspiegel ist beim Autofahren notwendig, etwa beim Überholen. Ich befinde mich allerdings gerade auf der linken Spur und denke nicht daran, zurückzublicken. Das würde einer Vollbremsung gleichkommen. Erfahrungen sind gut, aus ihnen lerne ich. So war es schon immer und scheint ein Teil meiner Persönlichkeit zu sein. Fronten geklärt.

Mit deinem Erstling hast du Klinken bei vielen Verlagen geputzt. Aufgrund deines Erfolges dürfte sich das Blatt inzwischen gewendet haben und dir Verlage Avancen machen …

Illustration © Antjeca

Illustration © Antjeca

Ja, es ist tatsächlich so, dass Verlage mich mit meinen Büchern gerne in ihrem Programm sähen. Doch ist die Ausgangslage zurzeit eine andere. Meine Titel laufen gut, es gibt weitere Lizenzanfragen aus dem Ausland, sodass ich entspannt die Anfragen und Angebote prüfen kann. Es bestätigt sich nur das, was ich auch schon während meiner Zeit beim Fernsehen beobachten konnte. Aller Anfang ist schwer, doch wenn sich ein kleiner Erfolg einstellt, gibt es viele Interessenten und auch Schulterklopfer. Besonders diejenigen, die am Anfang so derbe lästerten, sind auf einmal „gute Freunde“. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört: „ Toll, wie du deinen Weg verfolgt hast. Ich habe gewusst, du wirst es schaffen.“ Drei Jahre zuvor meinten diese Personen: „ Was für ein Träumer. Der sollte mal im Leben etwas Anständiges machen. Schreiben – brotlose Kunst!“

Ich habe gelernt, dass Leben so zu nehmen, wie es kommt. Mit allen seinen Höhen und Tiefen. Mal schauen, was noch so alles passiert…

Aus welchen Beweggründen würdest du zu einem Publikumsverlag wechseln?

Einzig und alleine, um mich mehr um auf mein Schreiben konzentrieren zu können. Es ist einfach so, dass Publikumsverlage breiter aufgestellt sind als kleinere Verlage. Sprich, sie können dem Autor Arbeit abnehmen, die man teilweise bei einem kleinen Verlag selbst übernehmen muss. Auch die Vernetzung kann von Vorteil sein.

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Zum zweiten Teil des Gespräches geht es hier

Steglitz fragt bei Jando nach … (Teil 2)

„Ohne meine Fans wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Jando für sein Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo er im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. In unserem ersten Gespräch berichtete er mir u.a. über seine Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, in einem Publikumsverlag und warum sein neues Buch „Sternenreiter. Kleine Sterne leuchten ewig“ als körperliches Buch, Hörbuch und als E-Book erscheint.

Obwohl dein erstes Buch bei einem klassischen Publikumsverlag erschienen ist, lag die Vermarktung der „Windträume“ weitestgehend in deinen Händen. Wieso das?

Als ich merkte, dass der Verlag an seine Grenzen der Vermarktung angekommen war, bot ich ihm meine Unterstützung an. Zusammen haben wir eine Strategie entworfen und diese dann umgesetzt. Wenn man sich für einen Verlag entscheidet, der Autoren Freiräume und selbstbestimmte Entscheidungen einräumt, dann ist eine gewisse Mitarbeit zwingend notwendig.

Welche Möglichkeiten und Wege hast du für dein Buch-Marketing genutzt?

Da sind die Mittel begrenzt, vor allen Dingen, wenn man finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Ich habe die Netzwerke des Social Media genutzt, um auf meine Arbeiten aufmerksam zu machen. Um Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, gibt es für junge und unbekannte Autoren meiner Meinung nach keine besseren Plattformen als die des Social Web. Vor allem deshalb, weil man hier ehrliches Feedback zu seinem Schaffen erhält. Das beinhaltet auch Kritik, die sehr hilfreich und lehrreich ist, auch wenn es manchmal schmerzt. Der tägliche Austausch mit meinen Lesern ist eine tolle Sache, die ich sehr schätze. Wenn man erst einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, dann fällt vieles einfacher. Bei mir trudelten auf einmal Rezensionen, Presse- und Lesungsanfragen ein.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz? Welche Plattformen und Tools nutzt du?

Ich habe eine Autoren-Webseite nebst Blog und ein Profil bei Amazon. Ab 2009 legte ich meinen Fokus auf MySpace, da dieses Netzwerk damals noch das erste richtige Social Network gewesen ist, wo man als Autor und Künstler seine Arbeiten und Musik präsentieren konnte. Als dann Facebook den deutschen Markt eroberte, war ich einer der ersten, der auf diese Schiene aufgesprungen ist. Seitdem das dort angelaufen ist, besteht mein MySpace-Acount nur noch als Verknüpfung zu Facebook. Auch Twitter, wo ich seit Januar 2010 aktiv bin, und mein Autoren-Profil bei Amazon habe ich mit meinem Facebook-Account verknüpft. Wenn ich also etwas bei Facebook poste, dann erscheint es auch auf diesen Plattformen.

Meine Bücher sind durch die Verlage, bei denen ich publiziere, über Grossisten in allen Onlineplattformen gelistet. Und, was für mich ganz wichtig ist, auch bei allen deutschsprachigen Buchhandlungen!

Hast du bei deinen ersten Schritten im Social Web auf eine Strategie gesetzt?

Wichtig war mir von Anfang an, den Austausch beständig weiter voranzutreiben. Mal einen Monat gar nichts zu machen, kann schon fast bedeuten, wieder bei null anzufangen. Leser, User, die sich für einen interessieren, möchten gepflegt werden. Wie „echte Freunde“ eben. Wichtig ist: Keinen Stillstand aufkommen lassen. Immer wieder neue Ideen und Ansätze testen. Jeden Tag poste ich auf meinem Facebook-Profil und Fan-Seiten Texte und Aphorismen von mir. Einige stammen aus meinen Büchern, andere sind gerade verfasst worden. Ich beobachte, wie diese angenommen werden. Eine bessere, ehrlichere Kritik als die seitens meiner Leser kann ich gar nicht bekommen. Als Stilmittel setze ich auf inhaltlich passende Bilder und Illustrationen zu meinen Texten.

Was kommt bei Facebook besser an: Deine Autoren-Seite oder die Fanseiten zu deinen Büchern „Windträume“ und „Sternenreiter“?

Jando (c) Lisa Farkas

Das ist schwer zu sagen. Die Windträume-Seite existiert am längsten. Daher ist dort auch immer sehr viel los. Aber auch die Autorenseite erfreut sich inzwischen Beliebtheit. Da ich zudem ein persönliches Facebook-Profil pflege, das abonniert werden kann, gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit mir zu kommunizieren. Die Fanseite für mein neues Buch „Sternenreiter“ ist gerade einmal vier Wochen alt. Ich denke, sobald die ersten Leser das Buch in den Händen halten, wird auch dort einiges los sein.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Zum Valentinstag habe ich eine Postkarten-Aktion mit Zitaten von mir gestartet. Ich rief Fans und Freunde dazu auf, mir via E-Mail mitzuteilen, an welche Liebste/welchen Liebsten ich die Karte schicken soll. Entweder sagten sie mir, was ich schreiben sollte, oder ich ließ mir etwas einfallen. Eine so große Resonanz hatte ich allerdings nicht erwartet! Insgesamt habe ich 1.231 Postkarten verschickt und eine gute Woche dafür gebraucht, sie zu schreiben. Der Flop war: Die Umsetzung kostete mich 677,05 € Porto und 80,20 € an gedruckten Postkarten. So wurde aus meinem geplanten Urlaub ein Postkartenurlaub. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Doch als ich dann auf die Karten-Aktion ein unglaubliches schönes Feedback bekam, war alles wieder in Butter. Und: In Urlaub kann ich auch im nächsten Jahr fahren.

Die Idee war übrigens anscheinend so gut, dass Verlage diese kopierten und ähnliche Aktionen bei Facebook starteten. Nett fand ich, dass sie mich auch dazu eingeladen haben …

Siehst du zum Erscheinen von „Sternenreiter“ eine besondere Aktion im Social Web vor?

Ja, zusammen mit meinem Verlag haben wir uns zur Veröffentlichung etwas Besonderes ausgedacht. Alle, die am Erscheinungstag mein Buch „Sternenreiter“ kaufen bzw. bestellen, können ein Wochenende für zwei Personen in Neuharlingersiel an der Nordsee gewinnen. Dort habe ich mein neues Buch geschrieben. Abends werde ich die Gewinner besuchen und zu einem zünftigen norddeutschen Essen bei Meeresblick einladen. Alle, die bei der Aktion mitmachen, aber nicht den Hauptgewinn bekommen, schicke ich als „Danke schön“ eine handgeschriebene Sternenreiter-Postkarte mit einem Buchzitat. – Im Postkarten -Schreiben bin ich inzwischen ja gut geübt. Und: Diesmal auch viel besser darauf vorbereitet.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen im Netz gesammelt?

Nein! Habe ich nicht. Werde ich nicht! Oder denkst Du, dass ein Fischer, der einen besonders großen Hecht ans Land zieht, diesen kostenlos anbieten würde? Schreiben ist das Schönste der Welt und ich bin dankbar, dass ich es machen darf. Aber: Bisweilen ist es sehr harte Arbeit. Und für Arbeit sollte man entlohnt werden!

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Ja, das ist wohl wahr. Ich versuche mir am Tag mindestens eine Stunde Zeit dafür einzuräumen. Meistens wird es aber mehr. Da mir viele Personen auch persönliche Nachrichten schreiben, Fragen haben, Infos erfahren wollen, nehme ich mir die Zeit, die dafür gebraucht wird. Ohne meine Fans und Leser wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe. Es ist mir wichtig, ihnen einen Teil zurückzugeben.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Wenn ich mich ausgeloggt habe, dann bleibt das auch so. Ich nutze mein Smartphone nicht, um weiter online zu bleiben. Dann wende mich meiner eigentlichen Arbeit, dem Schreiben zu. Ich gehe zwischendurch ans Meer, laufe meine Kilometer, um den Kopf frei zu bekommen und den Körper in Bewegung zu bringen. Das bewirkt bei mir Wunder. Es passiert oft, dass mir dabei Ideen für neue Projekte durch den Kopf geistern. Die schreibe ich bei Heimkunft dann gleich nieder. – So wäre es ein perfekter Tag. Bloß: Wann ist ein Tag einmal perfekt?

Was sollte man als Autor im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Das Social Web ist so etwas wie eine große Spielwiese für Jung und Alt. Ich achte darauf, dass Persönliches auch persönlich bleibt. Ich möchte nicht, dass meine Freunde und Fans wissen, wann und wo ich mein Krabbenbrötchen mit einer Flasche Jever herunter spüle, oder wann und wo ich einen Kaffee trinke. Klar ist aber auch, dass man – bis zu einem gewissen Teil – seine Fans und Freunde an seinem Leben teilhaben lassen sollte. Das ist ein schmaler Grat. Das habe ich erst vor kurzem erfahren. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei mir ein Tumor unter der linken Axilla festgestellt, der nach innen gewachsen war und 15cm groß war. Er hatte sich vor dem Nervenstrang des linken Armes breit gemacht. Es bestand die Gefahr, dass der Arm gelähmt bleiben und sich der Tumor als bösartig herausstellen könnte. Am Ende ist glücklicherweise alles gut gegangen. Keine dieser düsteren Prognosen traten nach der Operation ein. Ich war lange hin- und hergerissen, ob ich darüber schreiben soll.

Ich entschloss mich schließlich, es zu machen. Mein Gefühl sagt mir, das ich Verantwortung gegenüber meinen Lesern und Fans habe. Ich wollte ihnen mitteilen, wie wichtig es ist, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, auch dann, wenn man sich körperlich topfit fühlt. Mein Arm, und vielleicht auch mein Leben, wurden dadurch gerettet. Das Feedback auf meine ehrliche Botschaft war enorm. Es hat mich bestätigt, dass meine Entscheidung die richtige gewesen ist!

Man muss lernen, abzuwägen, was will und kann ich im Social Web verbreiten bzw. unterlassen? Im Endeffekt muss ein jeder für sich selbst, sein Handeln und Tun gerade stehen. Auch im Social Web.

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle?

Das beantworte ich mit einem Zitat von mir: „Erfolg ist das, was wir fühlen, aber manchmal nicht sehen können.“ Punkt. Aus.

Ein schöner Schlusspunkt, Jando. Danke vielmals für deine offene Rede und Antwort.

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Wer mehr über den Geschichtenerzähler von der Nordsee erfahren möchte, findet Jando hier im Netz:

Jandos Homepage

Jandos Seite bei Amazon, Jando bei MySpace,  Jando bei twitter

Homepage des Debüts „Windträume“

Jando bei Facebook: „Jando Schriftsteller“ „Jando Autor“ „Windträume“ und

das neue Buch „Sternenreiter“, das am 24. Juli erscheint

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe „Steglitz fragt … bei Autoren nach“ auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht die Autorin, Übersetzerin und Bloggerin Petra van Cronenburg hier Rede und Antwort.

Steglitz fragt bei Jando nach …

„Ich bin und bleibe Buchromantiker!“

Der Autor Jando ist mir im Social Web aufgefallen, weil er seit langem bei Facebook aktiv ist. Auf seinen Fan- und Freunde-Seiten vereint er inzwischen nahezu 10.000 Anhänger.

Jando bezeichnet sich als „Buchromantiker“ und verfolgt eine eher klassische Linie. Nach Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, erschien sein literarisches Debüt in einem kleinen Publikumsverlag. Für sein neues Buch „Sternenreiter. Kleine Sterne leuchten ewig“,  das am 24. Juli erscheint, hat er sich für einen Indie-Verlag entschieden.

Wie kam es zu deiner ersten Veröffentlichung?

Jando (c) Lisa Farkas

Jando (c) Lisa Farkas

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Das ist eine längere Geschichte. Windträume hatte ich 2002 geschrieben und bei einem „Book On Demand“-Verlag veröffentlicht. Leider wurden keine Absprachen eingehalten, sondern es entstanden immer weitere Kosten, die ich tragen musste. Es kam nachher soweit, dass man sich vor Gericht auf einen Vergleich einigte. Das war dann meine Erfahrung mit Büchern in BOD-Verlagen. Gleichzeitig nahm mir diese Erfahrung aber auch die Freude am Schreiben. So beschäftigte ich mich in den folgenden Jahren mit neuen beruflichen Möglichkeiten. Doch, ich denke, jeder der gerne schreibt, vermisst dieses nach einer gewissen Zeit. So fing ich wieder an zu texten. Schrieb Aphorismen und sammelte Ideen für neue Projekte.

Dann hast du nach einem klassischen Verlag Ausschau gehalten …

Irgendwann hatte ich wieder die „Windträume“ in der Hand. Ich überarbeitete die Texte und schickte das Manuskript an Verlage. Wie zu erwarten, kamen von den Big Playern Absagen. „Windträume“ passe nicht in das Programm, war eine solche standardtypische Absage. Mit den kleinen, aber feinen Verlagen lief es schon viel besser. Diese sind in den meisten Fällen mutiger und die Zusammenarbeit mit Autor und Verlag kann sehr harmonisch verlaufen. Nach einem längeren Austausch mit einem Verleger, entschied ich mich, „Windträume“ bei ihm 2009 neu zu verlegen. Ich hatte komplettes Mitspracherecht bei der Entstehung des Buches, konnte meine Ideen einfließen lassen und mit dem Lektorat hervorragend zusammenarbeiten.

Welche Vorteile siehst du in der Zusammenarbeit mit klassischen Verlagen?

Durch die Vertriebsstrukturen, die ein klassischer Verlag besitzt, war das Buch in allen Buchhandlungen sowie Internetstores erhältlich. Wer aber nun denkt, das Buch verkauft sich von alleine, dem möchte ich gleich den „Zahn ziehen“. Ich dachte auch: Prima, nun liege ich mit den Windträumen in den Buchhandlungen aus und es verkauft  sich von ganz alleine. Schnell stellte ich fest, dass zu einem klassischen Buchverlag auch eine gute PR-Abteilung dazu gehört. Ein Buch kann noch so schön und interessant sein; es verkauft sich nicht, wenn es keiner kennt! Da verhält es sich bei den großen und kleinen Publikumsverlagen gleich.

Was muss man bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag beachten?

Von der Hoffnung, dass das eigene Werk durch den Abschluss eines Autorenvertrages ein Bestseller wird, sollte man sich ganz schnell verabschieden. Zum Tagesgeschäft eines Autors gehört heute eine eigene gute PR-Strategie, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit zwingend dazu. Sich nur auf sein Schreiben zu konzentrieren, funktioniert in der heutigen Zeit nicht.

Dein zweites Buch verlegst du bei einem Indie-Verlag. – Warum kehrst du traditionellen Publikumsverlagen den Rücken?

Das war ein langer Überlegungsprozess. Ich hatte das Manuskript und Exposé „Sternenreiter“ mehreren Publikumsverlagen persönlich und über eine Literaturagentur angeboten. Teilweise warte ich noch bis heute auf Antworten! Den Münchner Pendo-Verlag möchte ich hier als Statthalter für meine Entscheidung anführen, warum ich mein Buch in einem Indie-Verlag publiziere. Freundlich wurde mir mitgeteilt, dass sich die Programmleiterin nicht habe gänzlich überzeugen lassen können, dem Titel einen Programmplatz einzuräumen, da das Buch zu sehr zwischen dem Genre Kinder-/Erwachsenenbuch stünde. Aber genau da sehe ich den Sternenreiter: Es ist ein Buch für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Abgesehen davon, dass „All Age“-Bücher seit Harry Potter voll im Trend liegen … Wenn ich an ein Buch glaube, dann kann auch ein neues Genre entstehen. Entscheidend ist der Leser, wie er es wahrnimmt. Und so entschied ich mich für einen Indie-Verlag.

Welche Vorteile versprichst du dir von der Zusammenarbeit mit einem Indie-Verlag?

Ich halte alle Rechte an meinem Buch, sämtliche Illustrationen fanden ihren Platz und in der Zusammenarbeit mit dem Lektorat wurde die Botschaft des Buches unverfälscht beibehalten.

Wo würdest du dich eher verorten: Als klassischer Autor, als Self-Publisher oder als Indie-Autor?

Das ist eine schwierige Frage. Ich würde mich dann doch eher als klassischen Autor bezeichnen, mit Einflüssen eines Indie-Autors. Zum Self-Publisher habe ich eher ein ambivalentes Verhältnis. Nicht Fisch, nicht Fleisch!

„Sternenreiter“ erscheint als körperliches Buch, als Hörbuch und als E-Book. Warum hast du dich für drei Formate entschieden?

Die Entscheidung haben der Verlag und ich getroffen. Da es sich beim „Sternenreiter“ um eine illustrierte Erzählung handelt, und es hochwertig hergestellt werden sollte, war es naheliegend das Buch als eine gebundene Geschenkausgabe auf den Markt zu bringen. Was das Hörbuch anbetrifft, diesen Weg bin schon bei den „Windträumen“ gegangen. Für mich muss ein Hörbuch ein kleines Kunstwerk sein. Wenn ein tolles Buch oder ein wunderbar bebilderter Film Genuss für die Augen und den Geist darstellen, dann muss ein Hörbuch ein Hochgenuss für die Ohren sein. Wenn es dabei die Gehirnakrobatik anstrengt bzw. entlasten kann – dann ist das umso schöner! Das hat meiner Meinung nach bei den „Windträumen“ wunderbar geklappt.

Für die anstehende Hörbuchproduktion des Sternenreiters konnte mein Verlag mit Isgaard wieder die gleiche Künstlerin gewinnen. Sie wird inhaltlich zum Sternenreiter neue Songs einsingen. Mit dem Vollblutproduzenten Jens Lück wurde ein Profi gewonnen, der auch schon die Hörspielmusik der „Drei ???“ produziert hat. Ich freue mich riesig auf diese Produktion, zumal ich den „Sternenreiter“ diesmal selber einlese.

Das E-Book wiederum ist für mich Neuland. Ganz ehrlich: Ich hoffe, dass es sich nicht durchsetzen wird …

Du glaubst also nicht, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ein Buch ist für mich ein Buch, wenn ich es in der Hand halten kann, Seiten blättern und im schlimmsten Fall auch mal einen Kaffeefleck darauf entfernen muss. Allerdings muss man mit der Zeit gehen. Beim Stellenwert, den das World Wide Web heute hat, wäre es fatal, den Zug zu verpassen und nicht auf diese Vertriebsschiene mit aufzuspringen. Für mich ist das E-Book reine Werbung, eine Ergänzung zu meinem körperlichen Buch. Schauen wir mal, wo der Weg der E-Books hinführt …

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Als ich Kind war, wollte ich immer Pirat werden. Ein Freibeuter, Seeräuber. Es den reichen Menschen wegnehmen und an die Armen verteilen. Mich regt die Diskussion seitens der Piratenparte in punkto Urheberecht mächtig auf. Ich kann sie überhaupt nicht nachvollziehen! Wie viele Künstler/innen, Schauspieler/innen, Sänger/innen und Autoren/innen können von ihren Gagen, Honoraren und Verkäufen leben? Nur einige haben es nach ganz oben geschafft, können sich elegant und ohne Sorgen zurücklegen. Ich finde es extrem wichtig, dass es ein Urheberecht gibt und dieses auch rigoros umgesetzt wird. Daher ist ein Kopierschutz zwingend notwendig!

Die Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book; wie stehst du dazu?

Einen gebundenen Ladenpreis für E-Book halte ich durchaus für sinnvoll. Es kann doch nicht im Interesse von Autoren sein, die geleistete Arbeit zu Dumpingpreisen auf den Markt zu schmeißen? Man sollte zum Wert seiner Arbeit stehen. Schreiben ist Arbeit!

Und damit komme ich zu einem Punkt, der in der ganzen Diskussion über Kopierschutz, Urheberrecht etc. viel zu selten beachtet wird: Was passiert mit den ganzen Menschen, die bei einer Erstellung eines Buches mitwirken? Wenn ein jeder seine Werke kostenfrei zur Nutzung in das Internet stellt – wer gibt dann noch Geld für Bücher aus? Was würde aus den Lektoren, Illustratoren, Verlagsmitarbeitern, den Menschen bei den Druckereien und vor allen Dingen aus den Buchhandlungen werden? Viele Menschen würden arbeitslos werden. Selbst einem Piraten dürfte das nicht in den Kram passen. Die großen Publikumsverlage dürften die Folgen einer solchen Entwicklung wohl erst später als die kleinen Player auf dem Buchmarkt spüren, aber auch für sie wird das dann sehr schmerzhaft sein. Aber: Vielleicht bin und bleibe ich auch nur ein Buchromantiker.

Der zweite Teil meines Gespräches mit Jando dreht sich darum, was der Geschichtenerzähler für sein Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo er im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.