Steglitz stellt Dorota Federer mit „Bibliophilin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Am heutigen 2. Weihnachtsfeiertag stellt sich Dorota Federer vor, die ihr Blog Bibliophilin betreibt. Dass wir sie näher kennenlernen sollten, hatte sich Svenja gewünscht, die Syn-ästhetisch pflegt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Buchhändlerin im Mutterschaftsurlaub, leidenschaftliche Leserin, Bloggerin, Lehrerin, Polin, die sich vor ein paar Jahren in die deutschsprachige und ins Deutsche übersetzte Literaturlandschaft gewagt hat und seither ihre Suche nach literarischen Perlen mit anderen Buchliebhabern teilt.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit September 2009. In diesem Jahr schloss ich meine Ausbildung zur Buchhändlerin ab. Ich verkaufte Bücher, las sehr viel und wollte zuerst nur ein Lesetagebuch führen. Das kann man an meinen frühen Beiträgen erkennen. Das waren nur kurze Notizen, die ich eher für mich selbst verfasste. Mit der Zeit lernte ich die Bloggosphäre besser kennen und auch meine Beiträge wurden ausführlicher. Spätestens als ich merkte, dass mein Blog gelesen wurde und dass ich nicht mehr nur für mich selbst bloggte, nahm ich mir mehr Zeit für Bibliophilin. Außerdem machte ich immer wieder die Kunden des Geschäfts, in dem ich arbeitete, auf meinen Blog aufmerksam, für den Fall, dass sie auf der Suche nach Buchempfehlungen sein sollten.

Ich blogge mit WordPress und fühle mich damit wohl, wahrscheinlich weil diese Plattform recht einfach in der Handhabung ist. Andere Plattformen habe ich nie ausprobiert und auch kein Interesse an einem Wechsel.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich lese verschiedene Genres. Früher las ich gerne Krimis und Thriller oder historische Romane. Es gab auch eine Phase, in der ich Fantasyromane mochte. Mittlerweile lese ich ab und zu auch Kinder- und Jugendbücher. Am liebsten ist mir jedoch zeitgenössische Literatur. In diesem Bereich finde ich die meisten literarischen Perlen.

Auch Gastrezensionen haben auf meinem Buchblog ihren festen Platz. Auf diese Weise ist stets für neue Buchempfehlungen gesorgt. Manchmal sind das Bücher, die nicht meinen eigenen Interessen entsprechen, aber zum literarischen Mainstream gehören und deshalb auch einen Beitrag wert sind.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

die Perlensucherin © Dorota Federer

die Perlensucherin © Dorota Federer

Mit Interesse beobachte ich, wie immer mehr Autoren ihre Bücher selbst publizieren, sie vermarkten und verkaufen, wie der stationäre Buchhandel sich gegenüber dem Onlinehandel behaupten muss. Außerdem finde ich die Eroberung des Marktes durch E-Books sehr spannend, denn auch ich lese inzwischen gerne E-Books.

Was mich in letzter Zeit immer häufiger beschäftigt, ist, dass ich regelmäßig die Vorschauen der Verlage studiere und wenige Bücher finde, die auf den ersten Blick aus der Masse der Neuerscheinungen hervorstechen. Die Themen sind oft ähnlich, die Ideen zwar gut, es bleibt jedoch das Gefühl, Ähnliches schon öfter gelesen zu haben. Dann frage ich mich, warum die Verlage oft so ähnliche Bücher verlegen. Mir ist natürlich klar, dass sie ihr Geld verdienen müssen und deswegen lieber auf profitable Bücher setzen. Ich bedauere jedoch die wirklich guten Autoren, die Schwierigkeiten haben, für ihre Bücher einen Verlag zu finden.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich habe eine Facebook-Fanseite, die ich regelmäßig mit kleinen Notizen, Zitaten, Fotos, Buchtipps fülle. Bevor meine Tochter auf die Welt kam, begab ich mich regelmäßig auf Blogtour. Das war fester Bestandteil meines Tagesablaufs. Ich kommentierte Beiträge meiner BlogkollegInnen, vernetzte mich. Heute klappt das leider zeitlich nicht mehr. Meine Tochter füllt meine Tage aus und da bleibt keine Zeit mehr für ausgiebige Blogtouren. Ich bin froh, dass ich durch Facebook mit meinen Lesern in Kontakt bleiben kann.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Fremde Rezensionen oder auch nur Ausschnitte daraus als die eigenen auszugeben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zeit ist oft ein großes Problem. Ich lese ein Buch auf jeden Fall schneller als ich es schaffe, einen Beitrag darüber zu verfassen. Hinzu kommt, dass ich nicht in meiner Muttersprache blogge und es dadurch länger dauert, bis ich einen meiner Meinung nach fehlerfreienBeitrag verfasst habe. Manchmal denke ich in Polnisch und dann ist es schwierig, diese Gedanken auf Deutsch umzuschreiben.

Außerdem muss man immer darauf gefasst sein, sich mit unzufriedenen Autoren oder Verlagsmenschen herum zu plagen, wenn man eine negative Kritik veröffentlicht. Es gibt auch durchaus Leser, Blogbesucher, die einem das Leben schwer machen. Man muss jedoch versuchen, darüber zu stehen. Ich verstehe mich als freie Bloggerin. Das Bloggen ist mein Hobby und ich verdiene damit kein Geld. Es ist schade, dass manche das nicht akzeptieren.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

In meiner Zeit als Bloggerin habe ich viele tolle Menschen kennen lernen dürfen. Es sind literarische Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte. Ich habe wunderbare Verlagsmenschen kennen gelernt, die meine Suche nach literarischen Perlen unterstützen und die stets gewillt sind, mir ein Rezensionsexemplar zu schicken und die sich freuen, wenn ich einen Blogbeitrag zu einem Buch veröffentliche.

Glücklich machen mich auch die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die in den vergangenen drei Jahren in meinem Briefkasten gelandet sind.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Noch vor einiger Zeit war ich mächtig stolz darauf, wenn mir ein Rezensionsexemplar angeboten wurde. Ich habe mich geehrt gefühlt, dass es jemanden interessiert, was ich von einem Buch halte. Ich habe diese Bücher auch gerne angenommen. Seitdem ich jedoch merke, dass viele Blogger die selben E-Mails bekommen, in denen nur die Anrede ausgetauscht wird, überlege ich doch ein bisschen länger, ob ich ein Rezensionsexemplar annehmen soll. Ehrlich gesagt finde ich es besser, selbst ein Rezensionsexemplar bestellen zu dürfen und freue mich jedes Mal sehr, wenn ich ein entsprechendes Päckchen aus dem Briefkasten herausfische.

Manche Verlage bieten schöne Rezensionsexemplare an, verlangen aber auch, dass man einen Beitrag bis zu einem bestimmten Termin veröffentlicht. Ich möchte mich aber nicht unter Druck setzen lassen. Außerdem veröffentliche ich nur noch positive Buchbesprechungen (außer es sind Gastrezensionen), weil mir die Zeit fehlt, mich mit abgebrochenen Romanen zu plagen. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, möchte ich nicht lange darüber nachdenken – ich habe es dann eh schon weggelegt.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Wie bereits erwähnt, nehme ich ein Angebot an, wenn es mich anspricht. Wobei ich gestehen muss, dass das selten der Fall ist.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin waren die E-Books gerade im Kommen. Ich fand das Thema sehr spannend und schrieb sogar eine Arbeit darüber. Ich bin froh, dass es E-Books gibt, denn im Moment lese ich sehr oft auf meinem Handy, das ich immer dabei habe. Seit ich ein kleines Kind habe, ist es manchmal einfach nicht möglich, dass ich ein Buch in den Händen halten kann. Mein Smartphone ist im Gegensatz dazu leicht, handlich und das Umblättern der Seiten macht keine Geräusche, die meine Tochter aufwecken könnten. 😉 Allerdings hoffe ich, dass Bücher nie komplett durch E-Books ersetzt werden. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, leere Bücherregale und dafür meine gesamte Bibliothek nur auf einem Gerät zu haben.

 Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Neben Ada Mitsou liest… und Klappentexterin, Bücherwurmloch, Buzzaldrins Bücher, Syn-ästhetisch, SchöneSeiten und aus.gelesen, die sich hier ja bereits vorgestellt haben, möchte ich die Bücherphilosophin nennen, die ich mir auch als Gesprächspartnerin wünsche.

Danke, Dorota für deinen Beitrag zum 2. Weihnachtsfeiertag. – Im Übrigen haben sich mit dir in der Gesprächsreihe seit September inzwischen 35 buchaffine Bloggerinnen und Blogger vorgestellt. Und die Frauen liegen mit dir derzeit abermals auch vorne …

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Zuletzt stellte sich Ruth Justen mit Ruth liest  vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin des Blogs Anonyme Bookoholiker. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Simone Finkenwirth mit „Klappentexterin“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Der heutige Nikolaus hat einen Beitrag von Simone bzw. der Klappentexterin im Gepäck, womit 30 Interviews innerhalb dieser Gesprächsreihe beisammen sind! Und noch eine Bemerkung mag ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Das Genderverhältnis, das lange zuungunsten der Bloggerinnen ausgefallen war, verkehrt sich mit Simones Porträt: Mit 16:14 liegen die Frauen hier ab sofort vorne. – Ob es dabei bleibt?

Dass wir Simone und ihr Blog Klappentexterin etwas näher kennenlernen sollten, hatte Mareike Fallwickl aka Bücherwurm Mariki angeregt, die Bücherwurmloch betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich liebe das gedruckte Wort, ob selbst geschrieben oder mit den Augen aufgelesen. Mein Herz ist groß, mein Verstand hellwach und meine Beine sehr flink.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

mit Lesebrille © Klappentexterin

mit Lesebrille © Klappentexterin

Ich blogge schon längere Zeit. Durch jetzt.de fing ich seinerzeit an, eigene Gedanken niederzuschreiben, manchmal kletterten auch Geschichten aus meinem Kopf, für die ich bei jetzt.de keinen Platz fand. Also füllte ich einen gemischten Blog mit Bildern und Texten, doch irgendwann wollte ich eine gerade Linie, einen starken Baum, an dem ich hochklettern kann. Im April 2010 küsste mich die Muse und legte mir die Klappentexterin auf die Tasten. Dieses Geschenk nahm ich lächelnd an. Lange schon wollte ich einen Ort, an dem ich besondere Bücher vorstellen konnte. Besondere Bücher, an die sich die Menschen seltener heranwagen, weil über sie weniger gesprochen wird und sie nicht unbedingt dem Massengeschmack treffen. Besondere Bücher, die kaum oder nie etwas vom großen Marketingbudget abbekommen. Besondere Bücher, die zu leise für die Bestsellerliste sind und deren kleine Stapel mein Herz schneller schlagen lassen. Ich arbeite mit WordPress, weil mich das Design am meisten überzeugte und das Arbeiten damit sehr einfach ist.

Deine Themenschwerpunkte …

Ich lese am liebsten zeitgenössische Literatur, druckfrische Bücher genauso gern wie ältere Werke. Anfangs griff ich auch öfter zum Klassiker, doch das hat zuletzt leider etwas nachgelassen, weil die Neuheiten einfach immer mehr werden, so dass mir für die Klassiker oft die Zeit fehlt. Obendrein interessiere ich mich sehr für jüngere Literatur. Dazu habe ich vor eineinhalb Jahr die Rubrik Junge Literatur ins Leben gerufen und mit eigenem Logo versehen. Ich schreibe aber nicht nur über Bücher, sondern auch über andere Themen, die sich mit der Welt der Literatur beschäftigen. Besonders gern entdecke ich Berliner Buchhandlungen, besuche Veranstaltungen oder lasse meiner Kreativität freien Lauf. Bücher setzen in mir viel in Bewegung, ja, sie inspirieren mich im hohen Maße. Warum soll ich all das für mich behalten, wenn ich andere Menschen dort draußen damit glücklich machen kann?

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Dunkle Wolken ziehen auf – momentan ist vieles unsicher und im Wandel. Keiner weiß so genau, wohin die Reise gehen wird. Diese Unsicherheit beschäftigt mich, obwohl ich daran glaube, dass es den Buchhandel weiterhin geben wird, nur anders. Betrübt bin ich darüber, dass immer mehr Menschen aus dem öffentlichen Leben Bücher schreiben und dadurch unbekannten Autoren und Autorinnen den Platz wegnehmen. Außerdem vermisse ich eine Beständigkeit auf dem Literaturmarkt. Wie schnell ist ein Buch heute gefragt und morgen längst vergessen! Das war früher anders. Gut, die Zeiten ändern sich, nur heutzutage ist einfach zu vieles medienausgerichtet. Da braucht nur ein Autor oder Moderator ein Buch in der Talkshow hochzuhalten, und schon wollen alle nur das eine. Und zwar sofort! In zwei Wochen ist dann wieder Sense, es sei denn, der Autor wiederholt das Spiel. Meist handelt es sich um bekannte Menschen, die so etwas veranstalten. Da wird die potentielle Kaufkraft von möglichen anderen Titeln weggezogen. Das macht mich ein bisschen traurig, denn es gibt so viele wunderbare Bücher, die in dem Marketinglärm oft untergehen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Auf meiner Facebook-Fanpage lade ich jeden Beitrag hoch, ebenso bei Twitter. Darüber hinaus bewege ich mich in der vernetzten Blogsphäre. Anfangs war das ein Instrument, um auf mich aufmerksam zu machen. Denn ein Blog ist wie eine Pflanze, die man pflegen muss. Dazu gehört auch Networking, ohne das bleibt man ein unbekanntes Licht im großen Internetuniversum. Jetzt gehören meine Blogspaziergänge einfach dazu. Sie sind das Gewürz in meiner Blogsuppe, ohne die ich mir mein Blogleben nicht mehr vorstellen kann. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen es gibt, die mit mir die Liebe für die Literatur teilen und die so unwahrscheinlich herzlich sind. Wir kennen uns in der Regel nicht persönlich, nur durch unsere Texte, und sind uns doch sehr vertraut. Das sind die Wunder der heutigen Zeit, die mich immer wieder staunen lassen und glücklich machen.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nicht authentisch zu sein. Der eigene Blog ist das Herzstück der Persönlichkeit sowie die Spielwiese für eigene Ideen und Reflexionen. Kürzlich las ich davon, dass es dort draußen Menschen geben soll, die Rezensionen abschreiben und bei sich veröffentlichen. So etwas macht mich wütend und fassungslos.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zeit ist eine der größten Hürden. Zeit, Texte zu schreiben. Zeit, sich im Internet zu bewegen und Zeit, seine Kontakte zu pflegen. Das fällt mir gerade jetzt auf, in der eine ereignisreiche Phase in die nächste fällt. Ich möchte so sehr und kann oft nicht. Die Zeit legt mir ihre Ketten an. Ich habe nicht nur meinen Blog, ich habe auch einen Vollzeitjob, Freunde und einen Partner. Bei 24 Stunden am Tag kann das schon sehr eng werden, ein straffes Korsett, das sich um das Leben spannt. Dennoch habe ich es aufgegeben, schon allein durch Selbstschutz, immer und jeden Tag online aktiv zu sein. Da passiert am Ende nämlich genau das Gegenteil – statt Lust kommt der Frust in großen Schuhen angeschlürft. Abschalten gehört zum Bloggen genauso dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Oh! Da gibt es viele, so viele, dass ich fliegen könnte. Stell dir einen großen Garten mit leuchtend farbigen Blumen und leckeren Früchten vor. Wie soll ich da nur ein Erlebnis herauspflücken? Großartig und an dieser Stelle unbedingt erwähnenswert sind die Kontakte zu Autoren und Autorinnen. Die sind wertvoll und bereichernd, sie sind meist zufällig durch eine Begegnung im wirklichen Leben entstanden. Genauso schätze ich den Austausch mit meinen Lesern und meinen lieben Freunden aus der Bloggerszene. Ohne meine KollegInnen wäre das Bloggerleben nur halb so schön. – Halt. Doch eine Sache hat mir fast den Atem geraubt. Als ich im vergangenen Jahr nach einem warmen Sommertag abends erfuhr, dass ich zur Online Autorin des Jahres 2011 gekürt worden war!

der Pokal © Klappentexterin

der Pokal © Klappentexterin

Oh, gratuliere! Wie kam es dazu?

Das Autorennetzwerk Suite 101 hat 2011 den 29. Juni als „Tag des Schreibens“ initiiert. Zu diesem Anlass wurde der Online Autor des Jahres 2011 gesucht, für den man vorgeschlagen werden konnte. Plötzlich fand ich mich auf der Liste wieder. Danach folgte eine Abstimmungsphase, in der für die Nominierten gestimmt werden konnte. Ich habe dazu auf meinem Blog sowie auf der Fanpage aufgerufen. Die Kandidaten mit den meisten Stimmen kamen in die Endrunde, in der die Jury selbst entscheiden wollte, wer den Preis verdient hat. Meine Fans und Leser haben mir so viel Unterstützung gegeben, dass ich es ins Finale geschafft habe und die Jury überzeugen konnte. Sie schrieb über mich folgende wertschätzenden Worte: “Klappentexterin Simone Finkenwirth vereint gekonntes, elegantes, schönes Schreiben mit Herzblut für ihre Themen, mit kritisch-liebevoller Distanz, Meinungsstärke und Sachkenntnis – sie hat sich unserer Meinung nach diese erstmals vergebene Auszeichnung redlich erschrieben.” Als Preis gab es einen hübschen Blumenstrauß und einen schönen Pokal.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich habe meinen Blog gegründet, um unabhängig über die Bücher zu schreiben, die mir am Herzen liegen und die ich mir aussuche. Selbstbestimmtheit ist mir wichtig und so wähle ich meine Lektüre aus. Mein Zeitplan ist straff, weshalb ich Anfragen genau unter die Lupe nehme und nur solche Bücher auswähle, die mich wirklich interessieren. Mein Blog soll mir Spaß bereiten, doch wenn ich mich selbst durch zu viele Bücher in die Enge treiben würde, würde aus der bunten Spielwiese sprödes Heu werden.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Wie bereits erwähnt, wähle ich mir meine Bücher selbst aus. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit Freiheit. Das zu lesen, was ich möchte – und die Zeit, in der ich das machen kann, ist eng begrenzt. So habe ich nur maximal zwei Stunden dafür am Tag Zeit dafür – außer an den Wochenenden oder im Urlaub. Ich möchte mich nur ungern von meiner Lesefreiheit trennen. Auf der anderen Seite sehe ich, wie schwieriger es für Schreibende wird, ihre Werke bei Verlagen unterzubringen.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Für mich ist ein eBook der Kühlschrank unter den Büchern. Die elektronischen Bücher sind praktisch, aber kalt, kein sinnliches Erlebnis. Wenn ich lese, brauche ich den Papiergeruch (jedes Buch riecht anders) und das wunderschöne, knisternde Rascheln der Seiten. Ich möchte sehen, wie viele Seiten ich noch vor mir habe. Ein Buch in der Hand zu halten, hat auch etwas Heimisches und Vertrautes für mich. Es ist ein Schwert, das stressige Zeiten abwehrt und mir das Gefühl von Geborgenheit schenkt. An einem Buch kann ich mich festhalten, mit einem eBook wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Nein, vorerst bleibe ich lieber beim klassischen Buch. Wenngleich mir klar ist, dass eBooks ein Thema für die Zukunft sein werden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier sind schon einige mir wohl vertraute und hochgeschätzte Blogs zu Wort gekommen oder wurden bereits erwähnt wie die liebe Mareike, die mir den Staffelstab in die Hand gedrückt hat. Außerdem Bibliophilin, buzzaldrins Bücher, SchöneSeiten, Syn-ästhetisch, die Seitenspinnerinnen sowie Herr Flatter Satz, deshalb seien auch folgende genannt: writeaboutsomething, Japanliteratur.net, Literaturen, das Experiment 1001 Bücher, Ein Buch muss die Axt sein und … ach, ich darf ja nur fünf nennen. Schade!

Aber ein Blog liegt mir persönlich sehr am Herzen. So wünsche ich mir Ada Mitsou liest… als nächste Stimme in dieser Runde, eine sehr geschätzte Bloggerkollegin von mir, die ein besonderes Gespür für feine Kinderbücher und für das kleine großartige PapierBücherGlück hat.

Danke sehr Simone für deine Auskünfte und besondere Nikolauspräsente in Form von Blogpreziosen.

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Zuletzt stellte sich Marcus Johanus mit seinem gleichnamigen Blog vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war Axel Hollmann. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt Svenja mit „Syn-ästhetisch“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute steht Svenja Rede und Antwort, die Syn-ästhetisch pflegt. Gewünscht hatte sich das Caterina von SchöneSeiten.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Geboren 1985 in Berlin, dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, studiert (Germanistik und Anglistik), inzwischen freiberuflich als Korrektorin/Lektorin unterwegs und gerade in der Babypause.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Seit Juni 2010 bei WordPress. Warum? Gefiel mir einfach am besten.

Deine Themenschwerpunkte …

Svenja © Syn-ästhetisch

Literatur und Fotografie (daher der Blog-Name Syn-ästhetisch). Hauptsächlich finden sich bei mir Rezensionen zur Gegenwartsliteratur Europas und des Nahen Ostens, ich lese rasend gerne israelische Autoren und „Problembücher“ – egal wo sie spielen. Also nichts mit lachenden, über Blumenwiesen springenden Menschen, sondern eher (zwischen-) menschliche Abgründe, das Wechselspiel von Geschichte und individuellen Schicksalen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Derzeit lebe ich babybedingt in einer Fläschchen- und Windelblase und bekomme weniger mit als sonst. Generell bin ich ein Mensch, der sich weniger von Trends mitreißen lässt und auf das Stöbern im Buchladen und die Empfehlungen anderer Lesebegeisterter vertraut. Natürlich frage auch ich mich, ob uns irgendwann der Abschied vom gedruckten Buch, von Bibliotheken und Lesezimmern, vom Seitenrascheln und Zuklappen droht und nur noch digital gelesen wird und ob mein Sohn als alter Mann noch jemals etwas von Hand schreiben wird.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich bin auf Facebook, anderen Blogs und auf Twitter unterwegs. Allerdings treibt mich der Austausch mit Gleichgesinnten an und weniger der Ansporn, besonders bekannt zu werden. Auf meiner Facebook-Seite poste ich, was ich gerade lese oder eben ausgelesen habe; sammle Fundstücke aus dem Netz oder weise auf andere interessante Rezensionen/Interviews und Co. hin. Im Grunde ist die Seite eine Art virtuelle Pinnwand dessen, was mich selbst interessiert und von dem ich glaube, dass andere auch Gefallen daran finden könnten.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Die Grundregel lautet, fair und sachlich bleiben, auch wenn eine Diskussion mal hitziger wird. In meinen Augen ist es am Wichtigsten, authentisch und man selbst zu bleiben; also eine eigene, unverwechselbare Stimme zu behalten, an der man erkannt wird und sich nicht anderen Bloggern anzupassen, nur weil sie vielleicht erfolgreicher sind als man selbst. Wenn ich literaturtheoretische Analysen lesen will, gehe ich in ein Germanistik-Seminar. Im Internet interessieren mich ungestelzte Leseeindrücke, frei vom Herzen weg und ohne sprachliche Zensur – schreiberisches Talent sollte aber ebenso nicht fehlen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich habe mit dem Bloggen nie ein konkretes Ziel verknüpft oder Erwartungen verbunden, ehrlich gesagt war meine Motivation sogar ziemlich egoistisch: Ich wollte meine Gedanken und Gefühle über das, was ich gelesen habe, irgendwie loswerden und gleichzeitig die Möglichkeit haben, meine Eindrücke zu Büchern unkompliziert sortieren und schnell abrufen zu können. Das geht mit einem Blog deutlich besser als anhand einer Zettelwirtschaft. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb haben sich mit der Zeit und durch Kommentare auf anderen Blogs die ersten Besucher zu mir verlaufen. Viele von ihnen sind geblieben und ein richtiges Netzwerk aus Buchliebhabern ist entstanden. Ich freue mich sehr, ein kleiner Teil davon sein zu dürfen.

Bloggen bedeutet natürlich auch, Freizeit aufzuwenden und Durststrecken (keine oder kaum Leser/Kommentare) überwinden zu müssen. Man lernt, sich und seine Ressourcen gut einzuschätzen und regelmäßig neue Beiträge online zu stellen, ist eigentlich ein guter Weg zur Selbstdisziplin.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die Vernetzung mit anderen Buchliebhabern. In meinem Umfeld gibt es eher wenig Leser und durchaus einige Leute, die bei meinem Buchkonsum eher sorgenvoll den Kopf schütteln. Ich empfinde den virtuellen und inzwischen auch persönlichen Kontakt zu Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen, als großes Geschenk und als Bereicherung in meinem Leben.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Das kommt nicht häufig vor, so bekannt ist mein Blog dann auch wieder nicht. Meist sind es Verlage, deren Bücher ich schon einmal besprochen habe oder ich bekomme das aktuelle Verlagsprogramm zugesendet. Ich wähle sehr bedacht aus und greife meist nur bei mir bekannten Autoren zu oder auch bei einem Verlag, deren Programm sehr viele Übereinstimmungen mit meinem Lesegeschmack hat. Rezensionsexemplare bedeuten immer die Verpflichtung, zeitnah eine entsprechend ausführliche Rezension zum Gelesenen online zu stellen – die möchte ich gerne erfüllen und mich zugleich nicht beim Lesen und Schreiben hetzen, weil sich Rezensionsexemplare bereits bei mir stapeln. Aus diesem Grund, und auch weil mir manche Titel nicht zugesagt haben, habe ich Rezensionsexemplare durchaus schon dankend abgelehnt. Zudem kommentiere ich im Gegensatz zu vielen anderen Bloggern auch nicht vorwiegend Neuerscheinungen.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Vermutlich ebenso wie ich es im Fall von Verlagen und Autoren tun würde.

Wie hältst du es mit dem eBook?

Ich besitze einen Kindle-Reader, den ich selten benutze. Generell geht es mir wohl wie den meisten bibliophilen Menschen: Ich möchte das Papier spüren, die Seiten riechen und das Gewicht des Buches in der Hand spüren. Ein E-Reader ist praktisch, ein „echtes“ Buch einfach nur schön.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5).Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Hier kann ich wahrscheinlich nicht mehr viel Neues beitragen, ich lese am liebsten die Klappentexterin, Ada Mitsou liest … vom Mareike vom Bücherwurmloch und Caterina von SchöneSeiten (und nicht nur, weil ich mit ihr gemeinsam das Blog-Projekt „Jüdische Lebenswelten“ betreue) – Mareike und Caterina haben sich hier je bereits vorgestellt – sowie die Bibliophilin, die ich mir als nächste Interviewpartnerin wünsche.

Danke sehr! Auch dafür, dass du dir zwischen Wickeln, Windeln und Fläschchengeben Zeit für deinen Beitrag genommen hast.

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Zuletzt stellte sich die Bücherliebhaberin mit glasperlenspiel13 vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war Ruth mit Ruth liest. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Steglitz stellt die Durchleserin mit „Durchleser’s Blog“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich die frankophile Durchleserin vor, die Durchleser’s Blog seit drei Jahren pflegt. Dass wir sie näher kennenlernen sollten, schlug Jarg vor, der Jargs Blog betreibt.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Der Durchleser ist weiblich: (geborene) Bayerin, Bloggerin, Buchhändlerin, Journalistin, Leserin, Marketingmanagerin, (gefühlte) Pariserin, Proustliebhaberin, Texterin – biblioman, designverrückt, frankophil und kunstbegeistert.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Seit über sieben Jahren blogge bzw. empfehle ich Literatur in verschiedenen Buch- und Literaturgruppen auf einer Internet-Business-Networking-Plattform. Vor fast drei Jahren entstand – durch den Wunsch einer gewissen Empfehlungsunabhängigkeit heraus – Durchleser’s Blog, der mit WordPress läuft. WordPress wurde mir von einem befreundeten und erfahrenen Mediendesigner empfohlen und ich habe es bis heute nicht bereut!

Deine Themenschwerpunkte …

Durchleser’s Themenschwerpunkte setzen sich aus den vier Kategorien „Durchgelesen“, „Durchgeblättert“, „Zitat“ und Gedicht“ zusammen. Die beiden Letzteren – man könnte sie auch als Nebenkategorien bezeichnen – bedürfen eigentlich keiner weiteren Erläuterung, wohl handelt es sich bei den ausgesuchten und somit gebloggten Zitaten bzw. Gedichten um einen rein persönlichen, subjektiven Geschmack.

Die zwei Hauptkategorien „Durchgelesen“ und „Durchgeblättert“ bieten eine Plattform für Bücher, die mich mehr als nur faszinieren, die mich zum leidenschaftlichen Lesen verführt haben und die andere Leser meiner Meinung nach unbedingt entdecken sollten. Das bedeutet, dass ich nur Bücher empfehle, die mich absolut überzeugen, somit keine Verrisse veröffentliche, sondern den Leser auf ein bibliophiles bzw. literarisches „Bijou“ aufmerksam machen möchte. Unter „Durchgelesen“ findet man hauptsächlich Romane deutsch- und französischsprachiger Autoren. Die Kategorie „Durchgeblättert“ bietet Bild-, Foto- und Kunstbände, Bücher über Bibliotheken und Buchhandlungen, Essaysammlungen und Graphic Novels.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

ein durchgelesenes Buch © Durchleserin

Es ist bemerkenswert und sehr spannend wie unterschiedlich doch der Literaturbetrieb bzw. die Buchbranche innerhalb Europas in verschiedenen Ländern funktioniert. Deshalb genieße ich es sehr, diese Unterschiede an den Beispielen von Deutschland und Frankreich immer wieder neu zu entdecken, zu bewerten und zu vergleichen. Gehe ich zum Bespiel in München in eine Buchhandlung und mein gewünschtes Buch ist nicht vorrätig, kann es in der Regel (bis auf wenige Ausnahmen) innerhalb von 24 Stunden bei einem Großhändler bestellt werden. Ich darf das Buch am nächsten Tag abholen. Diesen Service gibt es in Frankreich nicht, da das deutsche System Barsortiment in dieser Form dort nicht existiert.

Natürlich kann man auch in einer Pariser Buchhandlung ein Buch bestellen, das kann allerdings je nach Verlag zwischen vier und vierzehn Tagen dauern. Dadurch ist der Buchhändler hier in Frankreich stärker darauf bedacht, die wichtigsten Titel vorrätig zu haben. Eine Folge daraus ist, dass dem Leser in vielen französischen Buchhandlungen, auch wenn sie sehr klein sind, neben den aktuellen Neuerscheinungen eine Vielzahl von Backlisttiteln und Klassikern geboten wird, was wir so in Deutschland heute nur noch selten vorfinden. In Frankreich ist die Buchhandlung somit mehr Buchhandlung. Man wird dort nur in den seltensten Fällen von sogenannten Nonbooks abgelenkt. Und: Man trinkt seinen Espresso oder die Tasse Tee nicht zwischen Bücherregalen, sondern fast immer im Café nebenan.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Die Beiträge werden auf folgenden Internet-Plattformen „beworben“: Facebook, Google plus, paperblog, Twitter und Xing.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Nur dem Mainstream zu folgen und sich zu sehr von anderen Bloggern beeinflussen zu lassen. Grundsätzlich sollte man von jeglicher Art von Werbung absehen (vor allem die unermüdlich Blinkende innerhalb von Artikeln) und insbesondere für eine amerikanische Internetbuchhandlung. – Ernähren kann man sich davon trotzdem noch lange nicht! Dann doch lieber einen örtlichen Buchhändler durch Verlinkung seiner Website unterstützen!

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Es gibt keine wirklichen Hürden als Blogger. Man muss nur den Zeitmangel in punkto Lesen und Schreiben irgendwie mit den vielen anderen Lebensaufgaben in Einklang bringen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die schönsten Erlebnisse sind direkte Autorenreaktionen auf eine Buchempfehlung, die dann sogar zu einem sehr bereichernden persönlichen Kontakt entwickeln können, und die Verlinkung des Blogs bei Verlagen und natürlich auch bei anderen Bloggern, aber besonders bei Autoren, auf deren persönlichen Websites und Wikipedia-Profilen, bei denen man dann beispielsweise in der Reihe zwischen L’Express, Le Point und Der Spiegel als einziger Blogger erwähnt wird.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wer dem „Durchleser“ per Mail oder auch per Post ungewollt ein Leseexemplar anbietet, wird dieses Buch zu hundert Prozent sofort in der Ablage P wie Papierkorb wiederfinden. Viele empfohlene Bücher habe ich selbst gekauft oder sie befanden sich bereits vor der Empfehlung in meiner Privatbibliothek, wo noch Tausende andere schlummern. Hin und wieder bestelle ich ein sogenanntes Rezensionsexemplar, nehme mir aber trotzdem die Freiheit, dass ich darüber nichts schreibe, wenn mich das Buch nicht total begeistert und überzeugt.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Da ich sehr an technischem Schnickschnack interessiert bin und eine gewisse Apfelsorte besonders mag, ist für mich auch – natürlich neben dem ECHTBUCH – das E-Book eine grandiose Erfindung. Ich glaube, eine gewisse Offenheit gegenüber dem E-Book sollte heutzutage jeder Leser mitbringen. Es ist fantastisch und äußerst bequem sich eine Leseprobe direkt auf sein iPad, iPhone oder auf seinen E-Reader zu laden. Man kann etwas anlesen, ohne sich sofort für einen Kauf entscheiden zu müssen. Allerdings ziehe ich bei Gefallen letztendlich dann doch das ECHTBUCH vor, das ich vorzugsweise in einer realen Buchhandlung erwerbe. Ich halte vor Beginn der Lektüre erstmal meine Nase in das Papier, nehme einen tiefen Zug und tauche dann langsam in das neue Werk ein.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5)? Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächsreihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele der hier bereits im Interview vorgestellten Blogger gehören auch zu meinen Favoriten. Ich liebe unter anderem auch Blogs über Bücherregale, wie zum Beispiel Bookshelf Porn. Darüber hinaus verfolge ich natürlich auch sehr gerne Literatur- bzw. Buchblogs aus Frankreich wie Le Blog des Livres und La République des livres, das Blog von Pierre Assouline. Und bei den deutschsprachigen Blogs bin ich begeistert von Syn-ästhetisch und Der Umblätterer. Als Interview-Partner für diese grandiose Reihe würde ich sehr gerne den Betreiber des äußerst beeindruckenden Literaturblogs Biblionomicon vorschlagen.

Ganz herzlichen Dank, liebe Durchleserin. Auch für deine vergleichenden Betrachtungen zum deutsch-französischen Buchmarkt …

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Zuletzt stellte sich Kerstin Pistorius mit Atalantes Historien vor. Ihre Wunsch-Interviewpartnerin war die Betreiberin von SchöneSeiten. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier.

Steglitz stellt Mara Giese mit „Buzzaldrins Bücher“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Mara Giese vor, deren Blog Buzzaldrins Bücher morgen einjähriges Jubiläum feiert. – Sie regt an, dass Flatter Satz, der das Blog aus.gelesen betreibt, hier à la longue zu Wort kommen sollte.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Literaturbegeistert war ich schon immer, so dass ich schließlich schon beinahe zwangsläufig Literatur- und Kulturwissenschaft studiert habe. Meinen Master habe ich vor zwei Jahren mit einer Arbeit über den Schriftsteller Uwe Tellkamp abgeschlossen. Lesen und Literatur prägen mein Leben, durch meinen Blog habe ich entdeckt, dass es mir dazu auch noch sehr viel Spaß macht, über Gelesenen zu schreiben.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit fast einem Jahr – am 9. September feiere ich mein Blogjubiläum. Schon vor meinem Blog war ich über mehrere Jahre in einem großen Buchforum aktiv, habe dann jedoch gemerkt, dass ich mehr Raum und Platz brauche, um über die Bücher zu schreiben, die ich lese. All dieses habe ich auf meinem Blog gefunden, der buzzaldrins.wordpress.com heißt. Ich habe mich schon immer Buzz Aldrin genannt, da ich vor ganz vielen Jahren mit großer Begeisterung das Buch „Buzz Aldrin, wo warst du in all dem Durcheinander“ von Johan Harstad gelesen habe. Seitdem verfolgt mich dieser Name.

Bei WordPress habe ich von Beginn an gebloggt. Warum kann ich leider gar nicht genau sagen. Es war der erste Anbieter, über den ich gestolpert bin, es ist kostenlos und leicht zu bedienen. Die Möglichkeiten, die man mit WordPress hat, haben mir sofort gefallen, so dass ich mich gar nicht mehr über Alternativen informiert habe.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Buzz Aldrin mit Hund und Buch © Mara Giese

Total! Natürlich schreibe ich auch für mich selbst und um das Gelesene reflektieren zu können. Doch freue ich mich immer sehr über Rückmeldungen, Nachfragen oder auch Lob auf meinem Blog. In den ersten Monaten meines Blogdaseins hatte ich drei Besucher und keine Kommentare. Mittlerweile habe ich nicht mehr das Gefühl, in einen luftleeren Raum hineinzuschreiben und freue mich immer wieder sehr über Kommentare der „üblichen Verdächtigen“.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Themenschwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Literatur mit Anspruch. Im Moment liegt mein Schwerpunkt besonders auch auf deutschsprachiger Literatur.

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Seit einiger Zeit habe ich auf meinem Blog die neue Kategorie „5 Fragen an …“, in der ich junge, deutschsprachige, zeitgenössische Autor/innen interviewe. Diese aufkommende junge Generation fasziniert mich sehr und ich freue mich, wenn ich einigen jungen neuen Stimmen Deutschlands mit meinem Blog eine Plattform bieten kann.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich bewerbe sie auf Twitter und seit einiger Zeit auch auf Facebook, nachdem ich dem Gruppenzwang gefolgt bin und mich auch dort angemeldet habe.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Diese Frage ist für mich nicht pauschal zu beantworten. Ich habe es nach relativ kurzer Zeit geschafft durch einige unvorsichtige Äußerungen eine Welle der Entrüstung loszutreten und habe mir das damals sehr zu Herzen genommen. Seitdem versuche ich noch bewusster darauf zu achten, was ich schreibe und wie ich etwas ausdrücke. Vermeiden möchte ich jedoch, dass diese Rücksichtnahme so weit geht, dass ich mich irgendwann selbst zensiere.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Für mich war meine Anfangszeit auf jeden Fall eine große Hürde: keine Besucher, kein Interesse, kein Austausch. Da habe ich zwischenzeitlich schon überlegt, warum ich das eigentlich mache. Diese Unsicherheit bin ich auch jetzt immer noch nicht ganz losgeworden. Das Wichtigste für mich ist einfach, dass ich Spaß habe an dem, was ich tue.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Die ersten Kommentare und positiven Rückmeldungen – darüber habe ich mich sehr gefreut.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

In diese Verlegenheit bin ich noch nicht häufig gekommen. Bücher, die mich nicht ansprechen oder interessieren, lehne ich höflichst ab. Vor einiger Zeit habe ich ein Rezensionsexemplar gelesen, was mir gar nicht gefallen hat. Da ist es mir dann in meiner Rezension doch schwer gefallen, Kritik zu formulieren.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe zwar einen E-Book-Reader geschenkt bekommen, bin mit diesem bisher aber noch nicht wirklich warm geworden. Ich muss Bücher anfassen, riechen und in meinem Regal stehen sehen, um sie wirklich genießen zu können. Diese Stofflichkeit ist etwas sehr wichtiges für mich.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich lese gerne und viel Buch- und Literaturblogs, so dass es mir schwer fällt, mich auf lediglich fünf zu beschränken. Die Klappentexterin wurde bereits empfohlen, sonst hätte ich dies auf jeden Fall getan. Daneben fallen mir noch die Blogs Syn-ästhetisch, SchöneSeiten von Caterina, Ruth liest, Lesewelle von Buechermaniac und die großartigen und ausführlichen Besprechungen bei aus.gelesen von Flatter Satz ein. Ich würde mir wünschen, dass Flatter Satz hier in einem Interview zu Wort kommt.

Danke sehr, Mara. Und da morgen dein einjähriges Blog-Jubiläum ansteht: Weiterhin viel Freude und Erfolg als bloggende Buzz Aldrin!

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Zu Wort gekommen in der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ sind bislang:

Petra Gust-Kazakos, die „Philea’s Blog“ seit September 2010 unterhält. Empfehlungen sprach sie u.a. für die Klappentexterin, Jüdische Lebenswelten, DruckSchrift, Strange Flowers, die Blogs von Petra van Cronenburg und den der Seitenspinnerinnen aus.

Sandra Matteotti mit ihren Blogs  Denkzeiten und Bücherwelten. Komplimente gingen von ihr an die Blogs Philosophisch leben, Zeitspiegel, Dr. Christian Köllerers Notizen und Buchkolumne.