Steglitz stellt Ada Blitzkrieg mit „text krieg“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Ada Textkrieg aka @bangpowwww on Twitter kennen, die text krieg pflegt. Dass sie hier zu Wort kommt, hat sich der Kopf gewünscht, der den Zeitspiegel macht.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Kreuzberg. Texthaudegen. Motiviert. Jung. Journalistin. Autorin. Bloggerin. Textkrieg. Popkultur. Dinge mit Tieren am Laufen haben. INTRO Magazin. In Bewegung.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Textkrieg ist in der Tat mein erstes eigenes Blog. Jahre davor, in einem Alter von etwa 16 Jahren, habe ich mich auch bei neon.de, jetzt.de und im lokalen Forum meines damaligen Wohnortes herumgetrieben und tiefnachdenkliche Texte oder Gedichte publiziert, die in erster Linie dazu dienten, Jungs klarzumachen oder umsonst in die Disko zu kommen. Irgendwann hat sich das geändert. Inzwischen publiziere ich unter Textkrieg und über Twitter meine Gedanken und nutze diese Plattformen nicht mehr zum Generieren von Geschlechtsverkehr oder Anerkennung, sondern als Megafon für meine Energien und Philosophien. Das Projekt Textkrieg dürfte jetzt zwei Jahre alt sein und ich bin immer noch verliebt wie am ersten Tag.

Deine Themenschwerpunkte …

DAS Thema des Blogs © Ada Blitzkrieg

Ich selbst bin der Themenschwerpunkt meines Blogs. Ich intensiviere und verschriftliche alle Gedanken, die einem jungen Menschen in einer Großstadt so überfallen. Dabei sind die Themen oft unterhaltsam (Kurzgeschichten), politisch (Barbara Scheel und der Rassismus), kulinarisch (Rezepte) oder einfach nur aus meinem Leben (Reisen, Konzerte, Pop, Literatur). Derzeit experimentiere ich viel mit SoundCloud und versuche, einige meiner Texte auch als Audiofassung anzubieten, um damit auch einer Lesergruppe Zugang zu den Inhalten meiner Texten zu verschaffen, denen das Lesen langer Texte nicht vertraut ist oder eben für blinde Menschen. Das Echo ist bisher sehr gut ausgefallen.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich habe schon oft versucht für mich selber zu erkennen und zu verstehen, warum ich ein Buch bedingungslos liebe oder es bereits nach den ersten Seiten wieder beiseitelege. Ich bin nicht themengebunden. Die Art und die Leidenschaft der Erzählung ist es, die mich bindet.

Ich liebe Christian Kracht – auch nach Jahren. „Imperium“. Wow! Gut, er ist etwas ausgelutscht durch das Feuilleton und er wirkt menschlich unglaublich kalt, aber die Leidenschaft in seinen Büchern ist der Motor meiner Aufmerksamkeit. Sybille Berg legt eine ähnliche Leidenschaft ans Tageslicht und ihr neuer Roman „Vielen Dank für das Leben“ wirkt ehrlich und bewegt mich sehr. Ich kann schwer sagen was mich besonders im Literaturbetrieb rumtreibt. Viele meiner Freunde sind Autoren und veröffentlichen derzeit Stoff und ich liebe ihre Bücher. Linus Volkmann schrieb kürzlich „Kein Schlaf bis Langenselbold“ und hat mir damit ein paar schöne Stunden geschenkt.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verweise über Twitter und Facebook auf den neuen Beitrag.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das kommt ganz darauf an was man mit seinen Inhalten überhaupt möchte. Wer ist man? Was möchte man? Wen möchte man erreichen? Wie möchte man sich darstellen? Ich scheine recht intuitiv die richtigen Themen und die richtigen Worte zu finden. Ich würde es als sehr schlimm empfinden mich eines Tages wegen „Was sollten Blogger sein lassen“-Regularien entfremdet von meinem eigenen Blog zu erkennen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Je größer die Reichweite des Blogs, desto mehr Menschen glauben zu spüren, dass sie ein Anrecht auf die Inhalte haben. Es wird Lob und Kritik verübt, die den Urheber dann auf den unterschiedlichsten Kanälen erreicht. Das ist schön und eine große Chance solange die Kritik sachlich und beitragsspezifisch stattfindet und nicht persönlich und verletzend daherkommt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Wenn ich den Computer abends ausschalte und mich trotzdem auf den nächsten Tag freuen kann.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

So was würden Verlage machen?

Wie hältst du es mit dem eBook?

Meine Hände haben genau die richtige Größe für mein Kindle. Ich reise viel und bin viel in der Stadt unterwegs. eBooks und ich funktionieren gut zusammen.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Unbedingt das Blog von Mischa-Sarim Vérollet anschauen. Cartoons und allerlei hübscher Tand aus dem Leben eines sympathischen Autors. Herms Farm passt für mich in keine Kategorie und bekommt daher eine eigene Zuordnung: In der Kategorie Hermsfarm empfehle ich also das Blog von Herms Farm. Ich mag classless Kulla und über Horst, Hund und Brodt hängen Rauchschwaden.

Außerdem möchte ich uneingeschränkt GIRLS CAN BLOG von Annina Luzie Schmid über Frauen im Netz empfehlen. Im Interview würde ich mir gerne eine inspirierende Frau wünschen: @Anousch mit ihrem Blog Anousch.

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Zuletzt stellte sich Lothar Struck alias  Gregor Keuschnig mit Begleitschreiben vor. Sein Wunsch-Interviewpartner war der Der Buecherblogger. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand, findet sich hier

Steglitz stellt Selçuk Caydi mit „Konstantiniye notlari“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute stellt sich Selçuk Caydi vor, der sein Blog Konstantiniye notlari (Notizen aus Konstantinopel) meist von Istanbul und Izmit aus betreibt. Gemeinsam mit Petra Gust-Kazakos und der Schweizerin Sandra Matteotti hatte ich ihn eingeladen, die lose Gesprächsreihe zu eröffnen. – Selçuk, der mir bei Twitter aufgefallen ist, weil er eine sehr eigne, bildhafte Sprache pflegt, blogt auf Türkisch. Und ich, die ich kein Türkisch spreche, dachte mir, dass sich mit den Interviews eine gute Gelegenheit bietet, mehr über ihn und sein Bloggen zu erfahren und darüber hinaus ein wenig Einblick in eine mir weitestgehend verschlossene, buchaffine Bloggerszene zu erhalten … – Das Gespräch kann man in Selçuks Muttersprache hier nachlesen.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Schreiber und Leser. Karikaturist. Neugieriger Wandergeist der Istanbuler (früher Berliner) Buchläden. Interessiert an allem Geschriebenen unter dem Himmel in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In Deutschland aufgewachsen. Arbeitet für diverse deutsche Medien in Istanbul.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Als ich merkte, dass ich mich in keine Form mehr zwingen lassen kann, fing ich vor vier Jahren an zu bloggen. Davor schrieb ich politische und wirtschaftliche Analysen in Zeitungen, am liebsten aber politisches Feuilleton für Zeitschriften, die ich später als Buch herausgebracht habe. Meine Blogbeiträge hängen quasi wie Trauben am selben Stiel, nämlich am Blog Konstantiniye notlari  (Notizen aus Konstantinopel). Blogger war von Anfang an mein Liebling. Dann kam allerdings der alltägliche Irrsinn der Türkei daher und die Plattform wurde mit Haut und Haar verboten. Unter Schock bloggte ich bei WordPress weiter. Das Bloggerverbot wurde zwar nach paar Wochen wieder aufgehoben, aber mein Zwillingblog auf WordPress lebte noch lange weiter.

Deine Themenschwerpunkte …

Mein Blog hat einen Untertitel, der für mich anfangs jedoch lediglich „Schnörkselwert“ hatte: „Istanbuler Blick in die Welt und in die Zukunft.“ Um all die Themen, für die ich mich interessiere, unter einem Hut zu bekommen, wollte ich ein Motto haben, das Raum und Zeit überschreitet. Es sollte die unterschiedlichen Themenbereiche, über die ich schreibe, signalisieren: Gesellschaftskritik – besonders an Islamismus und Kapitalismus – Geschichte, Kulturgeschichte, Kunst, Filmkritik, Mystik und Literatur. Das verästelt sich auch in andere Blogs, die ich betreibe bzw. bis 2010 gepflegt habe. So zum Beispiel Serujuku, das einzige Feuilletonblog über Japan auf Türkisch, oder mikROMANya, was das einzige türkische Blog mit Mikrogeschichten ist. Hierfür habe ich Geschichten selbst geschrieben und andere übersetzt. Für meinen kleinen Kulturblog Konstantiniye mikronotlari schreibe ich zurzeit Alltagsgeschichten, Istanbuler Dialoge.

Die Namen klingen allesamt sehr wohlgefällig …

Konstantiniye mikronotlari bedeutet Mikronotizen aus Konstantinopel, Mikromanya ist ein Kunstwort, es soll für Mikro-Roman stehen, und Serujuku, so spricht man meinen Vornamen Selçuk auf Japanisch aus. Ich mag die japanische Kultur und die Schrift sehr und spreche einige Worte.

Puh, was dich alles umtreibt …

Wo Istanbul endet, liegt Selçuks Kladde © Selçuk Caydi

Keine Bange. Das scheinbare Chaos hat einen gemeinsamen Nenner, der mir allerdings so richtig erst bewusst wurde, als ich über deine Fragen nachgedacht habe. Und zwar sind das Bücher aus Deutschland, weil ich meist nur auf Deutsch lese. Ob Sachbücher zum Weltretten oder Literatur zum Drachenfliegen. In allen meinen Artikeln, auch in meinen Geschichten spielen Bücher eine wichtige Rolle. Ob in der Titelrolle, Nebenrolle oder im Hintergrund, kurzaufblickend wie bei Hitchcock. Bücher sind in meinen Blogs stets präsent. Die Gesamtrichtung des Blogs geht in Richtung Literatur. So finden sich dort zum Beispiel auch Leseproben von fünf Novellen, die nicht abgeschlossen sind, eine mystische Kurzgeschichtenreihe und ein übersetztes E-Book von Pessoa.

Beschäftigt dich auch der Literaturbetrieb?

Ich habe lange Jahre in Deutschland gelebt. Als Student Buchdeckel gestaltet, auf der Frankfurter Buchmesse gearbeitet. Irgendwie war ich immer im und am Zirkel der Literaturszene. Auch in Istanbul interessieren mich vor allem die Kreativen, die Schreiber und Künstler. Meine Neugier hat immer das letzte Wort.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Meine Beiträge mache ich über Twitter bekannt. Darüber hinaus zitieren und verbreiten mich andere Blogs.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ein Blogger sollte nicht Agentur spielen und keine neuen Versionen der Nachrichtenwebsites verbreiten. Nicht dasselbe mit anderen Worten umschreiben. Ich achte darauf, in meinem Blog solche Themen zu behandeln, die in der Türkei selten bearbeitet oder gar nicht beachtet werden. Der Blogger sollte originell sein, Monotonie vermeiden und keine Angst vor Fehlern haben.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Es gibt eigentlich keine Hürden. Die einzige für mich wäre tägliches Schreiben. Dafür fehlt meist doch leider die Zeit.

Bloggen kann sehr aufwändig sein …

Ja. Ich möchte mehr über Literatur und weniger über Sachthemen schreiben. Als ich paar Mal radikal aufhörte über politische Themen zu schreiben, habe ich viele Leser verloren. Ich wurde mehrmals darum gebeten, meine gesellschaftskritischen Artikel fortzusetzen. Aber aus zeitlichen Gründen muss ich wohl eine Entscheidung treffen.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Mein schönstes Erlebnis hat sich sogar einige Male wiederholt. Man hat mich nämlich nahezu flehentlich gebeten, weiter zu schreiben, als ich plötzlich aufhörte. Die Worte, die meine Freunde und Leser dafür wählten, berührten mein Herz jedes Mal tief. Auch diesen habe ich meine große Liebe für das Schreiben zu danken.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Bezüglich politischer Bücher hat mich noch kein Verlag angesprochen. Meine Haltung ist klar, meine Sprache kann bissig sein. Ich glaube, bisher wagte es keiner mir ein politisches Buch zur Rezension vorzuschlagen. Aber Literaturkritik wurde mir schon angeboten und ich habe die Bücher ziemlich „kritisch“ angefasst. Ich möchte selbst entscheiden, was ich schreibe. Freiheit ist mein höchstes Gut als Blogger.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Als Autor und Graphiker halte ich es für eine tolle Alternative, E-Books selbst produzieren zu können. Meine Verlegerin allerdings konnte sich mit E-Book bislang nicht anfreunden.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Sehr gut gefällt mir Umblätterer von Frank Fischer, eine Entdeckung, die ich durch deine Blogger-Gesprächsreihe gemacht habe. Sehr gerne lese die auch die Blogs von Petra van Cronenburg und Bücherwurmloch der Österreicherin Mareike Fallwickl aka Mariki. Ich würde es gerne sehen, dass sie sich hier vorstellt.

Und natürlich darf ich die türkischen Blogs nicht vergessen. Fil Uçuşu (Elefantenflug) wird vom preisgekrönten Kurzgeschichtenautor Yekta Kopan betrieben. Kediler ve Kitaplar (Katzen und Bücher) ist ein umfangreicher Buchblog von Umut und Çavlan.

Danke, Selçuk. Wirklich bedauerlich, dass ich deine Blogs nicht lesen kann. Warum blogst du gelegentlich nicht auch auf Deutsch? Oder ein deutsch-türkisches Gemeinschaftsblog? Ich weiß: die Zeit …

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In der losen Gesprächsreihe stellte sich zuletzt Zeitspiegel vor. Als Gesprächspartnerin für SteglitzMind schlug er die Betreiberin von text krieg vor (aka @bangpowwww on Twitter).

Steglitz stellt „Zeitspiegel“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute präsentiert sich Zeitspiegel. Der Vorschlag kommt von Sandra Matteotti, die hier ihre Blogs Denkzeiten und Bücherwelten bereits vorstellte und sich für ein Gespräch mit dem Betreiber ausgesprochen hatte.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Eine naive Träumerei und die Liebe haben mich beruflich den Weg der Medizin einschlagen lassen. Von Anlage und elterlicher Prägung bin ich Geisteswissenschaftlicher. Die Reflexion des Handelns hat mich seit Jugend fasziniert. Die philosophischen Grundlagen und die Spiegelung in der Literatur haben mich zeitlebens beschäftigt. Die Interaktion mit anderen war und ist mir hierbei besonders wichtig.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Leider erst seit zwei Jahren. Hätte der Boom des Bloggens früher eingesetzt, wäre ich vermutlich schon viel länger dabei. Antrieb ist, alternative Sichten auf das Zeitgeschehen anzubieten, die nicht immer dem main stream entsprechen und nach Möglichkeit in Interaktion zu treten. Debatten sind meist für zwei unterschiedliche Standpunkte konstruktiv. Ich habe WordPress gewählt, da mir das Layout zusagt und Interaktion leicht möglich ist. Schlecht sind meiner Ansicht nach leider – zumindest auf der deutschen Plattform – die Möglichkeiten, Artikel zu bestimmten Themen zu recherchieren oder angesagte oder positiv bewertete Blogs zu aktuellen Themen aufzufinden.

Deine Themenschwerpunkte …

Primär Reflexion des Zeitgeschehens, frei von Machtinteressen und Ideologien. Grundlage ist der Humanismus, sowieso ein fragiles Gut. Ansonsten Literatur, Film sowie Philosophie und Neurobiologie im Diskurs. Und, ich gestehe, ab und zu Ferndiagnosen eines verhinderten Fußballkommentators.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Aha! Das steht hinter Zeitspiegel © Zeitspiegel

Der Schwerpunkt meines Blogs ist das Zeitgeschehen, weniger Literatur. Ich bin bei Büchern sehr wählerisch. Sie müssen mir Standpunkte nahebringen und mich möglichst auch stilistisch ansprechen. Der Dualismus Frau/Mann ist für mich zumindest in Romanen fast unverzichtbar. Kundera kann ich in Endlosschleife lesen, Jonathan Franzen verehre ich und Philip Roth habe ich zumindest in jüngeren Jahren verschlungen (die Bücher sind etwas repetitiv). Almudena Grandes wird meiner Meinung nach nicht ausreichend gewürdigt und Frans de Waal ist meine neurobiologische Referenz. Auch zeitgenössischen, stilistisch eher trivialen Werken, wie Charlotte Roches Schoßgebeten, kann ich etwas abgewinnen, wenn sie mit Tabus brechen, oder im speziellen Fall Roche, bewundernswert die Verarbeitung eines schweren Traumas aufzeigen.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Tja, wer hätte nicht gerne eine große Leserschaft!? Aber das professionell anzugehen: Wer die Geister ruft. Ich pushe meine Artikel über Twitter, im Freundeskreis über Facebook und bei aktuellen Themen gerne auch mal in Leserforen, z.B. Spiegel online, was meist sogar am besten funktioniert.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Das, was allgemein für Schreibende bzw. Publizierende gilt. Nicht polemisieren, nicht beleidigen. Immer auch den Standpunkt anderer respektieren oder zumindest tolerieren. Bei aggressiven Verschwörungstheoretikern, leider recht zahlreich im Netz, stehen mir immer die Haare zu Berge. Wo ist da Interaktion möglich? Das ist für mich wie Hirschröhren im Wald. Andererseits lassen einen natürlich auch vollkommen kritikfreie Lobeshymnen auf Bücher, Filme o.a. kalt. „Do something new, individual or different“ sollte das Credo sein.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Zwar schreibe ich nicht mit absoluter Notwendigkeit für andere, aber man möchte doch gerne gelesen werden. Hier in der Vielzahl von Angeboten/Blogs wahrgenommen zu werden oder selbst filtern zu können, ist schwierig. Und mit sogenanntem „shitstorm“, grenzwertigen oder destruktiven Kommentaren umzugehen, ist nicht einfach.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Im Alltäglichen die Interaktion, im Besonderen die Interaktion mit denjenigen, mit denen man fast alltäglich interagiert. Ein schönes Erlebnis war auch, als eine Guttenberg-Satire über 1000 Leser hatte. Tja, die Humor-Rubrik liegt ja öfters vorne im Vergleich zu den gesellschaftspolitischen Themen, die einem eigentlich am Herzen liegen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Wunschdenken …

Wie hältst du es mit E-Book?

Da mein Blog ja eher journalistisch ausgerichtet ist, für mich noch kein wesentliches Thema. Objektiv eine nette praktische Option, aber mehr auch nicht. Die absehbare Flut an Veröffentlichungen bringt für den Einzelnen keinen großen Vorteil. Qualität ist das Kriterium und der Zufall, was hochgespült wird.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es gibt erstaunlich viel Lesenswertes, insbesondere stilistisch im Netz bzw. in Blogs. Oft aber auch gerade von jungen Menschen, auf der Suche nach der eigenen Identität, die man nicht allgemeingültig empfehlen kann. Auch eine mehr oder weniger persönliche Empfehlung, aber vorbehaltlos, ist der Blog Denkzeiten „Life of philosophy – philosophy of life“ von Sandra Matteotti, die sich hier ja bereits vorgestellt hat. Wer sich für die Grundfragen der Philosophie „Was ist der Mensch?“, „Wer bin ich?“, „Wer soll, wer möchte ich sein?“ interessiert und in Interaktion treten will, sollte hier mal hineinlesen.

Und empfehlen möchte ich noch text krieg, das Blog von Ada Blitzkrieg aka @bangpowwww on Twitter. Klingt martialisch, ist aber das, was man sich idealerweise unter einem jungen Menschen vorstellt, der auszog, die Welt zu entdecken und zu verändern. Nicht immer ausgereift, aber stets in Bewegung, kreativ, neugierig, unvoreingenommen, schlagfertig. Ein Interview mit ihr hat meist smartere Antworten als Fragen zur Folge. Try it!

Schau’n mer mal zu … Und danke sehr, Zeitspiegel, für das interessante Porträt!

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In der losen Gesprächsreihe stellte sich zuletzt Klausbernd Vollmar vor, der kbvollmarblog meist von Norfolk aus betreibt. Auf Wunsch von Mila von den Seitenspinnerinnen empfahl er auch englischsprachige Blogs. Als Gesprächspartner für SteglitzMind schlug er den Betreiber von Jargs Blog und Dieter Wunderlich vor, der über Buch und Film bloggt.

Steglitz stellt Sandra Matteotti mit „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“ vor

Das Netz-Buch-Dickicht etwas lüften will die Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“. Gedacht ist das so: Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber ich wiederum einlade, die acht Fragen zu beantworten. –  Langfristig, könnte so ein bibliophiles Blog-Brevier entstehen, das von allgemeinerem Interesse ist. Und darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Blogger für unsere eigenen Wege im Netz … (Wer es noch genauer wissen will, was die lose Gesprächsreihe soll, kann das hier nachlesen.)

Den Fragen stellt sich heute die Schweizerin Sandra Matteoti, die seit einigen Jahren bloggt. Ihre beiden Hauptblogs sind „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“. Als Interviewgäste empfiehlt sie die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Ich habe als Kind die ganze Ortsbibliothek verschlungen und die Liebe zu Büchern, zur Literatur führte mich dann geradewegs ins Studium. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, mit einer Arbeit über Thomas Mann, der mich als Schriftsteller und Mensch fasziniert, abgeschlossen. Danach promovierte ich in Philosophie, mit literarischem Exkurs. Dabei ging es mir weniger um den Titel als mehr ums Schreiben, die Vertiefung in ein Thema. Danach schrieb ich in den unterschiedlichsten Bereichen und zu unterschiedlichen Themen weiter. Sei es freischaffend als Journalistin, als Texterin im Bereich Kommunikation und PR oder als Autorin in eigenen Projekten. – Schreiben ist mein Leben, bestimmt es maßgeblich.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Den genauen Anfang weiß ich nicht mal mehr, der erste Blog existiert auch nicht mehr. Früher war es Tagebuch, waren es Texte für die eigenen Notizbücher und die Nachttischschublade, heute geschieht das meiste Schreiben am Computer. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich muss schreiben, sonst fehlt mir etwas. Ich drücke mich in Buchstaben und Texten aus, lebe mich aus, finde auch immer wieder ganz neue Dinge über mich heraus, indem ich schreibe, Texte fließen lassen. Oft haben die Texte wie auch die Gedichte eine eigene Dynamik. Ich beginne irgendwo und am Schluss hat mich mein Schreiben geleitet. Das geht natürlich nicht in allen Bereichen. In mir gibt es zwei Seiten, die sehr strukturierte und die kreativ-intuitive. Ich habe gelernt, dass ich beiden ihren Raum geben muss.

Sandra Matteotti © Sandra Matteotti

Ich habe zwei Hauptblogs. Einer enthält meine Gedanken, meine Gedichte. Er befasst sich mit dem Leben, der Welt, mit dem, was mir gerade durch den Kopf geht, mich beschäftigt, mir zufliegt. Er heiß Denkzeiten. Hier lebe ich meine philosophische Ader aus. Der andere heißt Bücherwelten. Hier findet man hauptsächlich Rezensionen, aber auch Artikel und Gedanken zur Literatur. Den zweiten Blog habe ich relativ neu gestartet. Ich habe früher schon Rezensionen verfasst und natürlich rund um die Literatur geschrieben, allerdings in anderen Formaten und zu anderen Zwecken.

Ich bloggte zuerst auf Blogger, wechselte dann zu WordPress. Das hatte nicht einmal wirkliche Gründe. Zuerst hatte ich meine Blogs auf beide Portale verteilt, dann entschloss ich mich, dass es einfacher wäre, nur bei einem zu sein. Bei WordPress habe ich mehr Vernetzung, da die meisten Blogs, die mir gefallen, bei WordPress sind. Dazu kommt, dass mir die Plattform irgendwie sympathisch ist. Bauchgefühl.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Ja, ich schätze es, wenn ich Menschen kennen lerne, die mit ähnlichen Interessen und Themen beschäftigt sind, ich finde einen Austausch da schön. Das ist mir insofern auch wichtig, als ich doch meistens alleine zu Hause an meinem Tisch sitze und vor mich hin schreibe. Vom universitären Bereich bin ich jedoch vielleicht ein wenig vorbelastet, als ich da sehr viel Neid und Intrigen kennenlernte. Das hat mich sicher ein Stück weit zurückhaltend und vorsichtig gemacht. Bislang kann ich mich aber nicht beklagen. Alle werden sich nie mögen, in keinem Bereich …

Deine Themenschwerpunkte …

Die Schwerpunkte sind – wie bereits erwähnt – Literatur und Philosophie. Ich bin lange Zeit immer hin und her geschwankt, dachte, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es hat beides Platz, manchmal überwiegt das eine, manchmal das andere …

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Eigentlich nicht viel. Ich befasse mich wenig mit der Szene.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verbreite sie momentan hauptsächlich über Twitter und Facebook. Die Rezensionen findet man auch auf anderen Bücherseiten wie LovelyBooks und Amazon.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, das muss jeder für sich selber wissen. Wichtig ist, dass man sich immer bewusst ist, dass das, was man schreibt, danach öffentlich sichtbar ist, wenn man es nicht schützt. Man muss sich also immer überlegen, was man preisgeben will, wie offen man sein will. Es kommen Reaktionen und die Menschen neigen dazu, das, was steht, eins zu eins auf dich anzuwenden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ab und an kommt die Sinnfrage auf: Wozu machst du das eigentlich? Das liest doch eh niemand, das braucht die Welt doch nicht, niemand wartet auf deine Texte. Das zweite Problem ist die Isolation teilweise. Kein berufliches Umfeld da ist beim Schreiben, wie ich es tue. Auf der anderen Seite ist es ja genau das Leben, das ich leben will. Die Zweifel gehören wohl einfach zu mir dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön sind Feedbacks, die mir sagen, sie hätten sich wiedererkannt in meinen Texten, die Texte hätten ihnen etwas gegeben. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist schön, jemandem etwas mit auf den Weg geben zu können. Und wenn es nur ein Lächeln ist oder eine kleine Hilfe, etwas zu sehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Grundsätzlich freue ich mich darüber. Schwierig wird es ab und an, wenn ich das Buch wirklich schlimm finde. Schönreden werde ich nie ein Buch, dann verzichte ich eher auf eine Rezension. Einen Verriss schreiben möchte ich eher nicht, Kritikpunkte anmerken aber immer!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe ein iPad und sowohl darauf wie auch auf dem Computer die Kindle-App. Ich war schon einmal froh darum, im Store Bücher zu finden, die nicht mehr publiziert werden und vergriffen sind. Sie waren sogar gratis! In schlaflosen Nächten nutzte ich den Kindle auch deshalb, weil man dann kein Licht anmachen muss. Ich mag es allerdings nicht wirklich, so zu lesen. Ich bin sehr technisch interessiert, kenne mich mit Technik auch recht gut aus, aber etwas wird dadurch nie zur Seite geschoben: Papier und vor allem Bücher. Dass ich auch meine Papieragenda liebe, gehört hier wohl nicht her. Ist aber auch so.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

SteglitzMind darf ich nicht empfehlen, lese ich aber sehr gerne. Daneben lese ich eigentlich wenig Bücher- oder Literaturblogs. Ich klicke mich ab und an durch die Blogs durch, finde einzelne Artikel gelungen. Einige möchte ich aber doch nennen, die mir als Ganzes positiv aufgefallen sind: Gunnar Kaisers Philosophieblog Philosophisch leben – eine Reise durch verschiedene Themen des Alltags, philosophische Themen, die zum Nachdenken anregen. Zeitspiegel – vielfältige Themen wie Politik, Kultur, Leben, Wissen. Schön geschrieben, mit viel Hintergrund und Tiefe. Christian Köllerers Blog „Dr. Christian Köllerers Notizen“ – ich mag seinen Zugang zur Literatur und seine Auswahl der Werke. Und Karla Pauls Buchkolumne –  ein Blog direkt aus dem Leben. Ihre Texte gefallen mir durch ihre Natürlichkeit. Zudem spricht eine große Liebe zur Literatur aus ihren Zeilen. Ich kenne sie nicht persönlich, aber irgendwie habe ich sie ins Herz geschlossen. – Für ein Gespräch würde ich gerne die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“ empfehlen. Da möchte ich mich nicht festlegen.

Danke sehr, Sandra. Vielleicht unterstützt du mich dabei, Karla Paul und den Betreiber von Zeitspiegel dazu zu bewegen, die Fragen ebenfalls zu beantworten?

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Den acht Fragen stellte sich zuletzt hier Petra Gust-Kazakos, die „Philea’s Blog“ seit September 2010 unterhält. Empfehlungen sprach sie u.a. für die Klappentexterin, Jüdische Lebenswelten, DruckSchrift, Strange Flowers, die Blogs von Petra van Cronenburg und den der Seitenspinnerinnen aus. Ein Gespräch würde sie sich mit Dr. Christian Köllerer wünschen, der das Blog Dr. Christians Köllerers Notizen unterhält, das uns Sandra ebenfalls empfiehlt.