„Wir setzen eher auf Konstanz als auf kostspielige Knalleffekte.“ – SteglitzMind stellt Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute stehen Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kassnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Den [SIC] – Literaturverlag gibt es seit 2010; er ist hervorgegangen aus der Literaturzeitschrift [SIC], die 2005 das erste Mal erschien und die bislang in fünf Ausgaben vorliegt. Gegründet haben Zeitschrift und Verlag die beiden Autoren Daniel Ketteler und Christoph Wenzel. Der Verlagssitz ist in Aachen, eine kleine Zweigstelle gibt es in Berlin.

Die Programmschwerpunkte?

Daniel Ketteler © Hans Präfke

Daniel Ketteler © Hans Präfke

Unser Motto: Wir legen Risikokapital langfristig in gute Literatur an. Der [SIC] – Literaturverlag präsentiert sich in zwei Reihen mit jeweils einheitlichem, anspruchsvollem Buchdesign: Die Reihe „Fettecke“ bietet Raum für einen erweiterten Literaturbegriff, für auch experimentell-provokative Arbeiten. Die „Edition [SIC]“ als zweiter Reihenarm ist der Ort leiserer Literaturen: Schnell Übersehenes erhält hier eine verdiente Bühne – sozusagen die Singer-Songwriter-Ecke von [SIC]. Ergänzt wird das Programm durch das Magazin [SIC] – Zeitschrift für Literatur, ein Medium mit Mut zu qualitativer Vielfalt, ein Forum und Spielraum für insbesondere auch jüngere Autorinnen und Autoren.

Machen Sie beide alles alleine?

Unser Team besteht aus den beiden Verlegern Ketteler und Wenzel, unserem Buchgestalter Felix Beckheuer, der Zeitschriftengestalterin Viola Binacchi sowie einem Netzwerk aus z.T. auch wechselnden Redakteur_innen, Gastmitherausgeber_innen und aus Begeisterung im Hintergrund mithelfenden Überzeugungstäter_innen.

Wohin geht die Reise?

Wir arbeiten im Vergleich wohl recht langsam, d.h. ein Buch ist fertig, wenn alle Beteiligten soweit sind und auch die Finanzierung abgesichert ist. Zuletzt erschien bei uns in Kooperation mit der parasitenpresse die Lyrikanthologie Westfalen, sonst nichts? Derzeit arbeiten wir u.a. an einer zweisprachigen Anthologie, die die junge niederländischsprachige (d.h. flämische und niederländische) Lyrik vorstellt.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Christoph Wenzel © Sonja Wenzel

Christoph Wenzel © Sonja Wenzel

Wie sonst kann man Literatur, die man selbst veröffentlicht sehen will, die aber woanders keine oder kaum eine Chance hat, ans Licht der Welt hieven?

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir sind ja mit Zeitschrift und Verlag nicht im analogen Zeitalter gestartet, so dass wir schon von Beginn an von den Vorzügen der Digitalisierung profitieren – das sind vor allem die neuen, schnellen Möglichkeiten zur Vernetzung und Sichtbarmachung, sowie auch die digitalen Druckverfahren. Manches drucken wir zum Teil und bewusst aber auch ganz klassisch Offset.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sehen insbesondere bei den Independents keine Konkurrenz, sondern vielmehr Gleichgesinnte. Mit den großen und mittleren Verlagshäusern konkurrieren wir ohnehin nicht, darum geht es uns nicht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

sic_zeitschrift fuer literaturWeniger zaudern, mehr machen!

Wie gewinnen Sie Autoren?

Es gibt ohnehin derzeit mehr gute Autorinnen und Autoren als es ihnen angemessene Möglichkeiten zur Publikation gibt.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Unser Vertrieb ist in der Hauptsache Selbstvertrieb. Wir kooperieren mit den Barsortimentern libri und KNV; so sind unsere Titel über jede Buchhandlung kurzfristig lieferbar. Den größten Teil wickeln wir aber über Bestellungen via unsere Homepage ab und versenden selbst.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir haben aus guten Gründen keinen direkten Vertrag mit Amazon geschlossen, aber über die genannten Barsortimenter sind unsere Bücher auch dort bestellbar. Kostengünstiger, da portfrei, ist für den Leser aber die Direktbestellung über unsere Verlagshomepage.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir machen alles selbst, verschicken Rezensionsexemplare und machen bei Veröffentlichungen und Veranstaltungen vor allem durch das Internet, Facebook und Blogs auf uns aufmerksam. Wir setzen hier eher auf Konstanz als auf kostspielige Knalleffekte.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

sic_cover_unterwegs seinEine gute Sache. Aber wir fühlen uns noch zu klein für die Börse ;)

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir verfolgen keinen Masterplan. Ziel ist, das zu machen, was uns interessiert. Der Verlag ist eine Spielwiese und soll uns selbst Spaß machen. Ergibt sich ein Bestseller, sagen wir sicher nicht nein.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Eine Chance besteht darin, dass wir finanziell kein wesentliches Risiko eingehen, allein das macht unabhängig.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Keine Risiken. Solange die Demokratie hält.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

sic_cover_flugschauEine möglichst breite und vielfältige Szene von Literaturzeitschriften und anspruchsvollen Independents ist die Voraussetzung dafür, dass auch vordergründig nicht marktgängige Titel, insbesondere zeitgenössische Lyrik, weiterhin publiziert und in der gegenwärtigen Literaturlandschaft sichtbar werden und bleiben. Genau dafür sind längst die Independents ein Garant.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ob wir die richtigen sind, Ratschläge zu geben? Was man bei einer Verlagsgründung raten kann, hängt ja vor allem auch davon ab, mit welcher Motivation und welchen Zielen jemand einen Verlag gründen will. Der Ratschlag könnte also lauten, sich bei einer Verlagsgründung genau darüber sehr bewusst zu sein. Man sollte aber auch nicht alles zergrübeln. Zudem sollte man wohl acht geben, dass man sich nicht vollkommen ruiniert – finanziell sowie kräftemäßig.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Verlagshaus J. Frank, Lilienfeld VerlagEdition Korrespondenzen, Kleinheinrich und Lyrikedition 2000.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

sic_logo

das Logo © [SIC]-Literaturverlag

Der [SIC]-Literaturverlag im Netz:

Die Homepage: http://www.siconline.de

Bei Facebook: https://www.facebook.com/siconline.de

 

„Insgesamt ist mir auch der Buchmarkt zu unübersichtlich geworden.“ – SteglitzMind stellt Matthias Mehner von der Buchhandlung “Buchfinger“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte beleuchtet seit Juli 2013 die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor”, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Heute lernen wir Matthias Mehner von der Berliner Buchhandlung „Buchfinger“ etwas näher kennen. – Wie es zur Gründung der Buchhandlung im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick kam, darüber hat der “Freitag” im April 2004 berichtet.

Eine Skizze vom Laden …

Matthias Mehner © Mario Zschocke

Matthias Mehner © Mario Zschocke

Seit mehr als 50 Jahren befindet sich an der Plesser- /Ecke Kiefholzstraße ein Buchladen. Seine Eröffnung fiel zeitnah mit der renommierten Einrichtung auf der damaligen Stalinallee, nämlich der Karl-Marx-Buchhandlung, zusammen. Genau wie die Verkaufsräume im heutigen Berlin-Mitte wurde auch das Interieur in Treptow vom Ladenbau Zwickau gestaltet und behielt bis heute sein unverwechselbare Aussehen, das durch seine funktionale Raumgestaltung, Material und Farbe beeindruckt. Bis zum Mauerfall wurde der Laden vom Volksbuchhandel betrieben, danach – bis Ende der 1990er Jahre – trug die Buchhandlung den Namen des damaligen Inhabers Michael Herbst. Ab 2003 führt Matthias Mehner, ein ehemaliger Mitarbeiter der bereits erwähnten Karl-Marx-Buchhandlung, das Geschäft in alleiniger Regie mit dem extravaganten Beititel „Buchfinger“ weiter – eine Hommage an den bis zu seinem Tod im Kiez lebenden Grafiker und Cartoonisten Manfred Bofinger (1941 – 2006). Die seit zwei Jahren geplante Übergabe an einen neuen Betreiber scheiterte zuletzt, sodass dieser demnächst an einem anderen Ort im Alt-Treptower Kiez eine neue Buchhandlung eröffnen wird.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Nein, rückblickend betrachtet war es ein Fehler seinerzeit den Schritt vom Angestellten in die Selbständigkeit gemacht zu haben. Da habe ich mich eher von Kunden treiben lassen, die auf “ihre“ geliebte Buchhandlung nicht verzichten wollten, in eine Rolle begeben, die ich nie ausfüllen konnte. Seit mehr als zehn Jahren war kein Urlaub mehr drin. Ich stehe im Laden von Montag bis Samstag. Und stehe ich dann am Bankschalter und vor mir zahlt der vietnamesische Blumenhändler seine Einnahmen ein, dann frage ich mich, für was ich mir das eigentlich alles antue.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Eigentlich nicht viel. Die meisten Kunden kommen seit jeher mit konkreten Bestellwünschen in den Laden, die ich zumeist bis zum nächsten Tag über den Schnelldienst erfüllen kann. Umsatzrückgänge oder -einbrüche konnte ich so nicht verzeichnen, aber auch keinen Zugewinn. In den letzten Jahren hat sich die Anwohnerstruktur verändert, das merkt man natürlich im Laden. Da sind viele junge Leute hierher gezogen, die eine ganz andere Erwartungshaltung haben, Autoren nachfragen, von denen ich noch nie gehört habe. Insgesamt ist mir auch der Buchmarkt zu unübersichtlich geworden.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Ich persönlich nichts. In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche von Kunden, eine Internetpräsenz aufzubauen aber das verlief sich dann stets, weil man die ja auch betreuen muss und dafür fehlt mir die Bereitschaft und das Verständnis. Aktuell gibt es eine Seite unter dem Namen “Buchhandlung Treptow“ die nicht identisch mit dem “Buchfinger“ ist, obwohl sie auf das Ladengeschäft in der Plesser Straße verweist. Alle dort vorgestellten Bücher können natürlich über den Schnelldienst, soweit vorrätig, geordert werden.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Zuvorderst im Steigen der Ladenmiete, wenn das passiert, dann müsste ich sofort aufhören. Natürlich auch in der Konkurrenz von Online-Händlern aber auch durch andere Buchhandlungen. Viele von den neuen Anwohnern ziehen wohl “modernere“ Buchhandlungen in Kreuzberg und Neukölln der meinigen vor, oder sie lesen E-Books.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich persönlich habe keins, ich bin kein Technikmensch. Vom Hörensagen bekomme ich aber schon mit, dass das wohl ein Thema ist. Mein Vertrieb KNV meint aber, dass sich die nächsten zwei Jahre der stationäre Buchhandel darüber keine Gedanken machen braucht. Und wer weiß, ob ich in zwei Jahren noch am “Buchfingern“ bin.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ja, aber ob das meine Kunden annehmen würden…?

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Mit Freundlichkeit. Ich habe das Glück, dass hier über Jahrzehnte ein fester, verschworener Kundenstamm gewachsen ist, der trotz aller Verlockungen dem Laden treu blieb. Für Besonderes ist hier kein Platz, ich sehe das Geschäft eher als Bestellportal für die Anwohner. Viele meiner festen Kunden, und auch das Gros von Gelegenheitskäufern, wissen ja sehr genau, was sie wollen. Darüber hinaus bediene ich mit dem KNV – Warenabo auch die Nachfrage nach aktuellen Verkaufsschlagern. Ein ständig durch Schenkungen von Kunden aufgefrischter antiquarischer Bereich bietet Lesbares für kleines Geld. Der “Buchfinger“ ist eine Kiezbuchhandlung und bietet nicht nur Bücherfreunden einen Platz, sondern auch Plaudertaschen zu einem kleinen Schwatz. Bedingt durch die Nähe zur Bekenntniskirche bietet der Verkaufsraum in den Wintermonaten auch sozial Schwachen und Ausgegrenzten einen Haltepunkt, um im Warmen zu verschnaufen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Weniger ist manchmal mehr. Eine strengere Qualitätskontrolle und an die Adresse der (West-)Verlage, die sich mit Veröffentlichung zum Thema tragen, die Bitte, sich weniger einseitig mit unserer DDR-Geschichte auseinanderzusetzen.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Mehr Öffentlichkeit erzeugen für die Situation der kleinen Buchhandlungen.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Mit Szenen hatte ich nie etwas zu tun.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Damit die Ladenkultur nicht ausstirbt.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da fällt mir leider keine ein, weil es mir aus zeitlichen Gründen unmöglich ist, Kollegen über die Schulter zu schauen.

Danke sehr. Wünschen wir uns, dass der „Buchfinger“ unter Ihrer Regie in der Plesser Straße 1 noch lange existiert.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Was sich die befragten Buchhändler/innen von Verlagen wünschen, das kann man hier nachlesen

Wie sie zum Börsenverein des deutschen Buchhandels stehen, darum geht es in diesem Summary zur Gesprächsreihe

Wer wissen will, wie sich Buchhändler/innen heute positionieren, wird hier fündig

Einige Antworten der intervieweten Buchhändler/innen auf die Frage, warum Kunden in Buchhandlungen gehen sollten, gibt es hier

Und dieses Summary zur Gesprächsreihe mit Sortimenter geht der Frage nach: Einmal Buchhändler. Immer Buchhändler?

„Auf ein neues Buch fällt man immer wieder neu rein.“ – SteglitzMind stellt Roman Pliske vom Mitteldeutscher Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Roman Pliske, der den Mitteldeutscher Verlag verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

das Team © Mitteldeutscher Verlag

das Team © Mitteldeutscher Verlag

Geboren 1946 in Halle (Saale), Wiedergeburt 1997. Heute stemmen 12 feste und 4 freie Mitarbeiter die Programmsäulen Kunst, Reise, Literatur und Sachbuch. In der Backlist 500 Titel, jährlich 80 Neuerscheinungen, analog und Textausgaben auch stets digital.

Die Highlights im Bücherjahr?

2015 feiern wir mit dem Fotografen Sven Marquardt die Nacht, unsere Reihe LOST PLACES spürt vergangener Architekturpracht nach und eine Biografie von Wolfgang Schnur zeigt ein zerrissenes Leben in der DDR-Diktatur.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Weil man selten im Arbeitsleben ein Projekt von der Zeugung (im Gespräch), der Geburt mit allen Wehen (Manuskriptabgabe), ersten Laufversuchen bis Rauswachsen begleiten kann. Die komplette Betreuung einer Idee bis zum Buch ist ein unglaublicher Spaß.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Auf ein neues Buch fällt man immer wieder neu rein. Alle Enttäuschung ist vergessen, alle Zweifel weggeräumt, man sieht nur Chancen und dass man weitermachen muss!

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

mitteldeutscher_cover_wild verschossenDigitale Versionen erstellen wir parallel, kein Problem. Zusatzerlöse stehen kleinere Auflagen gegenüber. Analoge Bücher werden noch schöner, die Typografie noch ausgefeilter, die kleinen Schmankerl der Buchgestaltung wichtiger.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sind stark in unserer Region, auch mit Themen von hier. Wir sind meistens vorsichtig, dann und wann aber wieder mutig. Wir arbeiten mit festen Mitarbeitern, das spart Zeit und festigt Qualität. Wir sind zuverlässig und unser Wort gilt. Gute Arbeit spricht sich herum, da unterscheidet sich unsre Branche nicht von anderen. Konkurrenz? Wir haben großartige Kollegen, mit denen wir in Stiftungen und Arbeitsgruppen für gute Bücher und Verlage arbeiten. Da hat jeder seinen Platz.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde auf keinen Fehler verzichten wollen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Meistens durch Empfehlung und Ansprache. Selten über den Briefkasten.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Klassisch: Zwei Powerfrauen im Verlag, vier Vertreter im Land, viel Telefon, Lächeln und gezielte Ansprache, die keine Zeitverschwendung für beide Seiten ist.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

????????????????????????Man muss halt Bücher anbieten, die sie verkaufen können. Ein Perspektivwechsel ist manchmal ganz hilfreich ;-)

Wie halten Sie es mit Amazon?

Für die Backlist unverzichtbar.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Noch zu wenig, kann aber auch überschätzt werden.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Dabei.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Zielgruppen sind völlig unterschiedlich, wir überlegen abteilungsübergreifend oft, wen wir wie ansprechen wollen. Insgesamt machen wir Bücher, die nicht unnötig sein sollten.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In der Zuverlässigkeit, in der Liebe zum Buch und in der Professionalität.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

?????????????????Dass gute Ideen schnell kopiert werden …

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das ehrliche Wort, die brennende Leidenschaft.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sei nicht zu optimistisch.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle Kollegen aus der Kurt-Wolff-Stiftung und der Regionalbuch AG. Peter Gerlach und Moritz Götze vom Hasen-Verlag würde ich hier gerne lesen.

Danke vielmals für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Mitteldeutsche Verlag im Netz:

Die Homepage: www.mitteldeutscherverlag.de

Morio-Verlag, ein Imprint: www.morio-verlag.de

 

„Comics von einem Fan für die Fans.“ SteglitzMind stellt Eckart Schott von Salleck Publications vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Die Antworten kommen heute von Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Andreas Mergenthaler von Cross Cult.

Eine Skizze vom Verlag …

Eckart Schott © privat

Eckart Schott © privat

Im Jahr 1990 habe ich meinen Verlag als Comic-Fan gegründet. Das erste Projekt ging mächtig in die Hose, das zweite war Der alte Blaue von Francois Walthéry und Raoul Cauvin, ein lustiger Comic über Brieftaubenzüchter. Der erste größere Erfolg war Das Blaue Tagebuch von André Juillard.

Ich arbeite nur mit freien Mitarbeitern. Programmschwerpunkte sind klassische Comics, aber auch Kindercomics wie Yakari und Technik-Comics wie Margots Reportagen (Oldtimer) oder Buck Danny und Der Große Uhu (Fliegerei). Also ein vielseitiges Programm, zu dem ich stehen kann.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Mein Highlight für 2015 wird der zweite Band von Waldi Wichtig und die Naseweise: Die Schmetterlingsjagd und der Abschlussband des ersten Zyklus von Esteban.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Vom Comic-Leser zum Comic-Sammler zum Comic-Verleger war es eigentlich ein konsequenter Weg. Der Comic-Leser bekam als Kind keine Serie voll, der Comic-Sammler hätte gern einige französische Comics auf Deutsch gehabt und hat diese dann verlegt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Motto „Comics von einem Fan für die Fans“ gilt eigentlich immer noch nach 25 Jahren. Großen Wert habe ich auch immer auf die persönlichen Kontakte zu „meinen“ Zeichnern gelegt, und viele von ihnen auch nach Deutschland geholt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Arbeit wurde einfacher, was Übersetzen, Korrigieren und Drucken angeht.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich bin im Jahr auf ca. 15 Messen, Comic-Börsen und Oldtimer-Messen präsent und freue mich über den direkten Kundenkontakt. Und habe oft auch Comic-Zeichner dabei.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich habe mich holterdiepolter ziemlich blauäugig und naiv in das Abenteuer gestürzt. Aber damals war ich eben auch noch 25 Jahre jünger …

Wie gewinnen Sie Autoren?

Am Anfang bin ich auf Comic-Festivals in Frankreich und Belgien gefahren, habe die Künstler angesprochen. Diese zum Teil Freundschaften bestehen seit 25 Jahren. Einige Zeichner sind inzwischen leider auch verstorben. Ich bin auch in der Szene, auch im Ausland bekannt, auch dafür, dass wir – ich und mein Team – uns große Mühe geben, mit allem, was wir tun. Übersetzung, Extras, Einladungen auf Veranstaltungen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Privatkunden beliefere ich selbst, alles andere läuft über meine Auslieferung PPM Peter Poluda Medienvertrieb.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich selbst wenig. Das ist Aufgabe meines Vertriebs. Dazu fehlt mir die Zeit.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon ist sicher eine Chance für Verlage, solange die Buchpreisbindung in Deutschland Bestand hat. Wenn diese fällt, wäre Amazon als Marktführer eine Gefahr für viele Buchhändler.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte relativ viel Werbung in Comic-Magazinen und bin auch viel unterwegs auf Messen usw.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Er ist wichtig. Wichtig, dass die Buchpreisbindung nicht fällt.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Für Comic-Sammler, für Kinder, für Oldtimer- und Flugzeugfans, für anspruchsvolle Leser. Also sehr vielseitig.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In meiner Vielseitigkeit und in meinem Engagement.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Dass ich zu viele Titel aus dem Bauch heraus mache, die dann eventuell nicht gut genug laufen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kenne sie nicht gut genug. Aber ich denke, sie ist die Chance für junge Talente, einen Verlag zu finden, sozusagen einen Einstieg ins Leben eines Comic-Schaffenden.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich das gut zu überlegen. Und vielleicht auf regionale Themen zu setzen. Siehe Karl, der Spätlesereiter, oder aktueller die Comic-Serie um Karl den Großen, die in Aachen verlegt wird.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich kenne die kleinen Verlage zu wenig. Aber als nächsten Interview-Partner empfehle ich Mark O. Fischer von Epsilon.

Danke sehr für diesen Einblick!

BTW: Am Sonntag, den 26. April findet in Berlin im Ellington Hotel (Nürnberger Straße 50-55, Ecke Augsburger) zwischen 10 und 16 Uhr die Berliner Comicmesse statt. Neben vielen anderen ist Eckart Schott von Salleck Publications dabei.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Salleck Publications im Netz:

Die Homepage: www.salleckpublications.de

„Die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.“ SteglitzMind stellt Günter Vallaster von der edition ch vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Günter Vallaster von der edition ch Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kasnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Günter Vallaster © edition ch

Günter Vallaster © edition ch

Die edition ch wurde 1990 in Wien von der Autorin Christine Huber als AutorInnenedition für visuelle Poesie und Lyrik gegründet. Der Verlagsname leitet sich somit von den Initialen ihres Namens ab. Christine Huber gab die Edition an Franz Obel weiter, dieser an Lisa Spalt, schließlich landete sie 2004 bei mir. Die edition ch wurde somit zu einer Wanderedition, die es auf diese Weise auf ein mittlerweile 25-jähriges Bestehen gebracht hat, und nach wie vor besteht sie nur aus der Herausgeberin oder dem Herausgeber, weitere MitarbeiterInnen gibt es nicht. Bei Einzeltiteln können sich die jeweiligen AutorInnen in unterschiedlichem Umfang auch als MitarbeiterInnen einbringen, indem sie Satz, Layout und Cover ihres Buches auch selbst gestalten. Bei den Anthologien der Reihe “Raum für Notizen” layoute ich.

Die Programmschwerpunkte?

Und nach wie vor widmet sich die Edition der sprachreflexiven Literatur im transmedialen Spannungsfeld von Text, Bild und Klang, dann und wann kann auch mal Prosa erscheinen. Jedes ch-Buch ist ein Highlight, zuletzt erschienen die Anthologie “Räume für Notizen” mit visuell-poetischen und essayistischen Beiträgen aus aller Welt, “Herzbau” von Andrea Zámbori mit wunderbaren, hochpräzisen Zeichnungen, soeben aus der Druckerei gekommen ist “Und wieder vergisst der Tag dann die Nacht”, der neunte Band des autobiografischen und biografiereflektierenden Verwicklungsromans von Ilse Kilic und Fritz Widhalm aka “Das fröhliche Wohnzimmer”, in den Startlöchern steht gerade “für die fisch” von jopa jotakin, “frische fischlyrik ohne hand und fuß, aber mit schuppen und flossen”, wie er selbst zu seinem Band meint, mit Zeichnungen von Andrea Knabl und Kala Haisee.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Musste es gar nicht. Wenn mich Lisa Spalt damals nicht gefragt hätte, wäre ich möglicherweise nie editionärisch tätig geworden – wenn mich dieser Bereich grundsätzlich immer auch interessiert hat, zum Beispiel hatte ich vor längerer Zeit mal ein Praktikum in einem Verlag gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

© Andrea Zámbori

© Andrea Zámbori

Ich verstehe mich vor allem selbst als Autor und habe auch ein wissenschaftliches Interesse an Sprache und Literatur. Dies prägt auch meine herausgeberische Tätigkeit, bei der sich drei Linien festmachen lassen: Zunächst einmal die Anthologien der Reihe “Raum für Notizen“, die keine bloßen Text-Bild-Sammlungen darstellen, sondern immer von konzeptuellen Überlegungen getragen sind. So habe ich beispielsweise mal Autorinnen und Autoren dazu eingeladen, einen Buchstaben nach Wahl visuell-poetisch umzusetzen (“Ein Alphabet der visuellen Poesie”, 2010) oder die Form des Paragramms auszuloten (“Paragramme – Ein Sammelband”, 2011) oder gemeinsam mit Jörg Piringer eine Zusammenstellung visueller und digitaler Poesie aus mehreren Ländern rund um den Globus herausgegeben (“A Global Visuage”, 2012). Eine weitere Linie repräsentiert der biennal erscheinende Verwicklungsroman von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, von dem bei meiner Vorgängerin Lisa Spalt schon die ersten drei Bände erschienen waren.

Schließlich gibt es auch die Einzelpublikationen, die in der edition ch auch möglich sind, wobei Einzeltitel an und für sich in größeren Verlagen besser aufgehoben sind. Als Autor kann ich nicht in dem erforderlichen Umfang andere Autorinnen und Autoren betreuen, aber zumindest mal eine erste Publikation mit Präsentationen ermöglichen. Der Grund, weshalb ich die edition ch übernommen hatte, war also die Möglichkeit, Projekte zu realisieren und ihnen eine Öffentlichkeit zu geben. Ich verstehe die Edition vor allem als Plattform für Texte und Bilder, die neue Wege wagen und daher auf dem konventionellen Markt oft schwerer auf Akzeptanz stoßen. Auch der interkulturelle Austausch war stets eine große Motivation: Die Reihe “Raum für Notizen” startete 2006 mit “Grenzüberschneidungen. Peresečenija granic. Poesie Visuell Interkulturell”, worin herausgegeben von Juliana V. Kaminskaja und mir russische und deutschsprachige visuelle Poesie u.a. von Dmitrij Avaliani, Alexandr Gornon, Boris Konstriktor, Lenore Llinza, Brigitta Falkner, elffriede.aufzeichnensysteme, Heinz Gappmayr, Werner Herbst, Christine Huber, Erika Kronabitter, Gerhard Rühm und Liesl Ujvary versammelt wurde.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

© jopa jatakin

© jopa jotakin

Ich sitze inzwischen tatsächlich öfter am Computer als über Büchern und nutze das Internet, um die edition ch zu präsentieren, indem ich das Blog mit möglichst vielen Informationen ausstatte. Dazu gehören auch einige pdf-Files mit Leseproben, also Ansätze zum E-Book sind schon vorhanden.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich kenne keine Konkurrenz, ich bin für Vielfalt. Meinetwegen soll es in der Literatur alles Mögliche geben und die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Als ich anfing, hatte ich keine Wohnungseinrichtung, aber eine Edition und fünf Projekte. Um editionärisch tätig zu sein, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Indem ich sie zu meinen Anthologieprojekten einlade. Bei Einzeltiteln muss eine ästhetische Wellenlänge mit mir als Autor gegeben sein.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Eigenauslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Für ein Fußfassen im Buchhandel sind die Mittel und Auflagenhöhen zu gering. Es gibt aber schon Nischenbuchhandlungen, die immer wieder mal an Publikationen der Edition interessiert sind und bestellbar sind die Bücher grundsätzlich ja immer und von jeder Buchhandlung.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Auf der Amazon-Homepage war ich schon lange nicht mehr. Ich empfehle, die Bücher im Buchhandel oder direkt bei der Edition zu bestellen. Das geht auch viel schneller als über Amazon.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

Veranstaltungen (Lesungen, Ausstellungen, Performances), Rezensionen, Workshops und so weiter – also verschiedene Formen der öffentlichen Präsentation, selbst organisiert, mitorganisiert oder indem ich anbiete. Sehr schön war zuletzt beispielweise die mit der Reihe “Raum für Notizen” zusammenhängende Ausstellung “räume für notizen | rooms for notes” in der Wiener Galerie wechselstrom von Renate Pittroff und Christoph Theiler, bei der 77 AutorInnen und bildende KünstlerInnen ausgestellt haben, über 90 Exponate waren es, und einige internationale Gäste zusammen mit VertreterInnen aus Österreich mit Lesung, Vortrag und Performance in der Alten Schmiede und in der Galerie aufgetreten sind. Das ist Vernetzung, wie ich sie mir vorstelle.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Die edition ch ist zu klein für den Hauptverband.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mir geht es eigentlich nicht um Marktnischen, sondern mehr um so etwas wie Kulturauftrag.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Für diese Gesprächsreihe vorschlagen möchte ich “Das fröhliche Wohnzimmer” von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, das schon seit 30 Jahren editionärisch und als Rundum-Kunst-Projekt in Wien sehr aktiv ist. Beide sind auch seit langem schriftstellerisch und eigentlich in allen Kunstformen tätig, Ilse Kilic ist derzeit auch Generalsekretärin der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, des größten AutorInnenverbandes in Österreich. Und aus dem digitalen und Hybrid-Buchbereich TRAUMAWIEN und die edition taberna kritika. – Eine der Verantwortlichen der edition, nämlich Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net, kam hier meines Wissens bereits in einem anderen Zusammenhang zu Wort. Und nicht vergessen, die edition keiper, u.a. mit einem feinen, von Helwig Brunner betreuten Lyrikprogramm und den Klever Verlag von Ralph Klever, der sich sehr um die avancierte Literatur kümmert. U.a. erlesene visuelle Poesie und Anthologien zu Fragestellungen der Zeit in bibliophilen Ausgaben verlegt Batya Horn in ihrer Edition Splitter, Kerstin Lichtblau startete mit dem lichtblau verlag ein spannendes Label für Bild, Sound und Poesie. In der edition art science, u.a. mit der engagierten, von Erika Kronabitter herausgegebenen Reihe “Lyrik der Gegenwart”, ist zuletzt mit “hab den der die das” eine umfangreiche Würdigung von Friederike Mayröcker erschienen, mit Beiträgen von 165 DichterInnen

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © edition ch

das Logo © edition ch

Die edition ch im Netz:

Die Homepage/das Blog: http://editionch.at/

Und bei Facebook: https://www.facebook.com/pages/Edition-ch/583087415150799?fref=ts

„Dass man dann und wann mit Verkaufshits belohnt wird, ist das berühmte Sahnehäubchen.“ – SteglitzMind stellt Andreas Mergenthaler von Cross Cult vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir etwas mehr von über Andreas Mergenthaler von Cross Cult. Vorgeschlagen hatte das Michael Preissl von Voodoo Press.

Eine Skizze vom Verlag …

Andreas Mergenthaler © Cross Cult

Andreas Mergenthaler © Cross Cult

Cross Cult ist die Verlagssparte des Grafik-Studios Amigo Grafik, das ich zusammen mit meinem alten Schulfreund Hardy Hellstern gegründet habe. Da wir damals viel für den Dino-Verlag (später übernommen von Panini) gearbeitet haben, lag es nahe, auch selbst mal etwas mit Comics zu versuchen. Also haben wir 2001 unseren ersten Comicband veröffentlicht: Hellboy. Nachdem das vor allem wegen des kurz danach startenden ersten Hellboy Kinofilms ganz gut funktioniert hat, haben wir unser Programm nach und nach ausgebaut. Sin City war der erste große finanzielle Erfolg. 2007 kamen schließlich noch Romane hinzu und ab und zu auch Sachbücher und Artbooks. Die meisten Titel mit Bezug zu Kino- und TV-Themen oder Games. Um die Romane und Sachbücher kümmert sich Markus Rohde – unser externer Cheflektor. Die Comics und die Pressearbeit machen wir größtenteils „in-house“.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Irgendwann war die reine Layoutarbeit zu anstrengend. Allerdings sind wir damals ohne große Erwartungen an die Sache rangegangen. Rückblickend war auch viel Glück dabei, dass es mit Cross Cult so gut funktioniert hat. Jetzt arbeiten ich und fünf bis sechs interne Mitarbeiter Vollzeit an unseren Verlagstiteln – plus viele Freelancer.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Es macht einfach Spaß, dass die Verlagsarbeit so vielfältig ist und dass man dann und wann mit Verkaufshits belohnt wird, ist das berühmte Sahnehäubchen. Ich selbst kümmere mich um die Auswahl der Comictitel, um manche der Lizenzdeals, die Arbeit mit Coverillustratoren und Comiczeichnern, habe einen Blick auf Marketing und Vertriebsarbeit, ich layoute die Umschläge, die redaktionellen Seiten der Comics und die Anzeigen, Kataloge und andere Werbemittel. Und zig andere Kleinigkeiten … Zudem macht es großen Spaß, mit Themen zu arbeiten, die man schon als Kind oder Jugendlicher geliebt hat: Die Peanuts, Star Trek, James Bond uvm.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ich kenne es eigentlich nur so. Zum Glück ist ja mittlerweile auch das Fax so gut wie ausgestorben.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Bei Verlagsgründung hatten wir den Ansatz, es anders wie andere machen zu wollen, und deshalb haben wir unseren ersten Comic ganz untypisch von Farbe auf Schwarzweiß „umgebaut“ und auch noch mit Hardcover und kleinerem Format buchhandelstauglich gemacht. Das hat sich dann spätestens bei Sin City ausgezahlt, denn unser Format hat ideal dazu gepasst: Keine schlapprigen, dünnen Softcover, sondern dicke, stabile, wertige Hardcover. Dafür etwas teurer als üblich. Das kam bei Fans und dem Handel gut an. So wurde unser Format sogar für die US-Ausgabe von Sin City genommen. Mittlerweile hat sich dieses „Alleinstellungsmerkmal“ etwas aufgeweicht, weil wir auch Kiosktitel im Angebot haben, die eben Softcover und einen günstigen Preis brauchen. Und bei den Romanen verkaufen sich die Taschenbücher nun mal auch besser als edle Hardcover. Bei den meisten Comics sind wir unserem Hardcoverformat mit Lederimitatfolienkaschierung aber treu geblieben.

Zudem ist unsere Spezialität Comics, Romane oder Artbooks zu Filmen und TV-Serien zu veröffentlichen. Manchmal, wie im Fall von Planet der Affen, auch alles zugleich. Die deshalb möglichen Kooperationen mit Medienpartnern (Filmverleihern, Game-Publishern, TV-Sendern, Zeitschriftenredaktionen etc.) erleichtern die Vermarktung der Titel ungemein. Da es bei aktuellen Kinofilmen meist um schnelles Handeln geht, ist dies auch ein Vorteil für uns. Größere Verlage müssen einen Filmroman viele Monate vor Erscheinen einplanen – wir sind da flexibler.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die vorsichtige Startphase war schon richtig so. Aber nach dem Erfolg der sieben Sin City-Bände hatten wir den Bogen etwas überspannt und zu viele zu schlecht laufende Titel veröffentlicht. Das wirft einen dann zurück. Aber man lernt ja auch aus solchen Fehlern. Auch wenn sie schmerzhaft und teuer sind.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kaufen vor allem fix-und-fertige Lizenzen aus dem Ausland ein. In letzter Zeit haben wir aber angefangen, auch eigene Stoffe zu entwickeln und auch mit deutschen Autoren und Zeichnern zusammenzuarbeiten. Das ist aber noch relativ am Anfang. Vor ein paar Jahren kam ein Comicmacher auf uns zu, weil er an der Ludwigsburger Filmakademie als Abschlussarbeit einen Comic gemacht hatte, für den er einen Verlag gesucht hat. Das haben wir dann „ausnahmsweise“ gemacht, weil der Mann, Felix Mertikat, wirklich sehr gut in seinem Job ist. Und prompt wurden Felix und sein Texter damals auf der Frankfurter Buchmesse für den Band Jakob als beste Comic-Newcomer ausgezeichnet. Ein oder zwei Jahre später gab es dann für Steam Noir, vom selben Team, auch noch den Preis als „Bester Comic national“. Mit unseren ersten deutschen Comics gleich so gut angenommen zu werden, das war schon außergewöhnlich.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Anfangs haben wir zwar einen Comicfachhandelsvertrieb gehabt, aber die Barsortimente haben wir noch selbst beliefert. Wenn also ein LKW von der Druckerei kam, hieß es „Kette bilden und die Bücher in den Keller schaffen“. Spätestens mit Sin City war das dann wegen der Mengen aber nicht mehr möglich. Unser Fachhandelsvertrieb PPM hat sich dann also (wohl oder übel) auch auf die Belieferung des Buchhandels eingespielt. Dort sind die Margen ja nicht so gut wie im Fachhandel. Mittlerweile kümmert sich also PPM um den Vertrieb in den Buchhandel, Zwischenbuchhandel, Amazon & Co., eine andere Auslieferung kümmert sich um Bahnhofs-und Flughafenbuchhandel und Grosso – aber nur bei ausgewählten Titeln – und Bookwire kümmert sich sehr rührig um die digitalen Buchhandelsausgaben. Daneben gibt es noch einen kleineren Vertrieb für digitale Comics als App. Manche Messen und Conventions sind bei den Themen, die wir veröffentlichen, auch gute Absatzmöglichkeiten. Dort tummeln sich die Geeks und Fanboys und -girls, die unsere Bücher lesen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

das Logo © Cross Cult

das Logo © Cross Cult

Sagen wir mal: Das ist noch sehr ausbaufähig. Natürlich hat der stationäre Buchhandel schlichtweg Platz-und Zeitprobleme und er kann nicht jedes Buch kleinerer Verlage anbieten. Sogar die Top 20 der Verlage bekommen ihre Programm ja nur bei größeren Buchhandlungen komplett in die Regale. Kleinere Verlage sind dann erst recht nicht im Fokus der Händler. Was für uns und den Handel natürlich schade ist, den einige unserer Titel sind absolute Topseller auf Amazon – z.B. die Comicserien The Walking Dead oder Avatar oder die Romanreihe zur TV-Serie Castle – der Handel verliert also gute Umsätze und wir verlieren „Sichtbarkeit“, weil wir nicht die Kunde erreichen, die gerne in Buchhandlungen stöbern.

Leider springt der Handel auch nicht darauf an, wenn man rechtzeitig zu informieren versucht. Z.B. gingen uns gute Umsätze verloren, als vorletztes Jahr der James Bond Film Skyfall ein riesiger Erfolg in den deutschen Kinos war – 8 Millionen Zuschauer – aber fast keine Buchhandlung wollte im Vorfeld unsere Neu-Edition der James Bond Romane von Ian Fleming haben. Die eigentlich ein ideales Begleitprodukt zum Film gewesen wären.

Ganz aktuell haben wir zusammen mit einem befreundeten Comicverlag einen Key-Accounter engagiert, der uns bzw. unsere Titel beim Buchhandel, insbesondere bei den großen und mittleren Ketten und größeren Einzelbuchhandlungen, voranbringen soll. Für die kleinen Buchhandlungen sind viele unserer Titel wirklich zu „speziell“.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Eine Art Hassliebe. Ohne Amazon würde uns ein guter Teil des Umsatzes fehlen. Andererseits macht Amazon durch die reine Marktmacht ja viele Buchhandlungen „um die Ecke“ kaputt oder zumindest das Leben schwer. Immerhin gibt es noch die Buchpreisbindung – Gott sei Dank. Sonst würde sich der Prozess noch beschleunigen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wie gesagt: Viel geht über Marketingkooperationen mit Medienpartnern, gelegentlich schalten wir Handelsanzeigen in den üblichen Fachblättern, manchmal auch Anzeigen in auflagenstarken Blättern wie McDonalds Kino-News oder dem King Magazin oder Saturns Piranha-Magazin oder in Genremagazinen. Eine Art Marketingaktion ist auch, dass wir die Comicserie „The Walking Dead“ derzeit mit Hilfe eines Vertriebspartners bei Media-Markt und Saturn anbieten. Und ansonsten das Übliche: Website, Google Ads, gesponserte Facebook Beiträge etc. Für unsere Comics für eine jüngere Zielgruppe erstellen wir gerade eine spezielle Website nach deren Bedürfnissen: Crocu.de.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind nicht Mitglied – nutzen also die meisten Services des Börsenvereins nicht. Aber auf den Buchmessen Leipzig und Frankfurt sind wir aber mit Ständen vertreten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Um es kurz zu sagen: Fans. Insbesondere der Genres Science-Fiction, Horror, Crime und Fantasy. Menschen, die gerne TV-Serien und aktuelle Kinofilme anschauen und die sich Lesestoff dazu besorgen wollen. Manche unserer Titel sind aber natürlich auch ohne Medienbezug einfach nur so gute Comics oder Romane.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wir besetzen meist Nischen, die andere Verlage vernachlässigen. Das war damals bei Verlagsgründung so, als nicht viele Verlage US-amerikanische-Comics veröffentlicht haben. Das Thema Science-Fiction wird derzeit arg vernachlässigt, das Thema James Bond lag auch lange brach – da sehe ich unsere Chancen, noch zu wachsen. Denn die großen Verlage sind oft sehr weit weg von der „Fanbase“. Überspitzt gesagt: Sie veröffentlichen nur Krimis aus Schweden für die Quotenfrau oder Vampir-Romance für Mädchen. Ihnen dämmert erst langsam, dass Mädchen heutzutage auch gerne mal so etwas wie einen Zombiecomic lesen wollen oder dass auch Männer manchmal Bücher lesen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das Risiko ist immer: Auf zu viele falsche Pferde setzen. Aber dieses Risiko kann man minimieren. Wir achten vor allem darauf, nicht nur ein Standbein zu haben. Wir haben einige: Das Grafikstudio, die Comics, die Romane, die Sachbücher, in Zukunft auch mehr Eigenproduktionen und vielleicht auch mal Merchandising.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Der familiäre Umgang miteinander ist natürlich schön. Man ist näher an den Fans, den Lesern, man ist auch als Verleger oft auf Messen und spricht mit den Leuten, die die Bücher kaufen, man muss nicht irgendwelche Vorgaben internationaler Konzerne befolgen, man kann sein Ding durchziehen, man muss selbst für Fehler gerade stehen, man kann aber auch Erfolge selbst genießen. Gerade in letzter Zeit gab es auch schöne Kooperationen mit anderen Verlagen. Das wäre so bei Großverlagen sicher nicht möglich, da dort der Konkurrenzgedanke vorherrscht.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Lass die Hände davon. ;) Wir hatten wirklich verdammt viel Glück – davon kann man nicht immer ausgehen. Die Regel ist wohl, dass man eine Bruchlandung hinlegt, weil man zu viel gewagt hat, oder dass man auf kleinstem Niveau vor sich hin arbeitet, weil man Risiken vermeidet. Beides ist nicht befriedigend. Erfolg in diesem Geschäft kann man nicht erzwingen oder berechnen. Aber wenn man es spannend und arbeitsreich mag: Einfach mal ausprobieren. Viel Glück!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zum Beispiel Steffen Janssen vom Luzifer Verlag, Karlheinz Schlögel und Hannes Riffel, die den Golkanda-Verlag verantworten, oder Joachim Körber mit der Edition Phantasia. Wobei sich ja alle hier bereits vorgestellt haben. Oder, wenn es auch mal ein Comicverlag sein darf: Eckart Schott/Salleck Publications und Dirk Schulz/Splitter Verlag.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Cross Cult im Netz:

Die Verlagswebsite: www.cross-cult.de

Eine Infoseite zu unseren Star-Trek-Romanen: http://www.startrekromane.de

Der Blog unserer James-Bond-Übersetzerinnen: http://translating007.tumblr.com

Ab März 2015 – unsere Kids-Website: www.crocu.de

Das Verlagsforum: http://www.comicforum.de/forumdisplay.php?48-Cross-Cult

Auf Facebook:

https://www.facebook.com/crosscult

https://www.facebook.com/startrekromane

https://www.facebook.com/doctorwhoromane

„Ich sehe keine Schwierigkeiten. Der Verlag hat vieles erst möglich gemacht.“ – SteglitzMind stellt Adrian Kasnitz von der parasitenpresse vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Adrian Kasnitz von der parasitenpresse. Vorgeschlagen hatte das Helge Pfannenschmidt von der edition AZUR.

Eine Skizze vom Verlag …

Adrian Kasnitz  © privat

Adrian Kasnitz © privat

Die parasitenpresse ist ein kleiner, auf Lyrik spezialisierter Verlag aus Köln. Gegründet im Jahr 2000 gibt es uns nun schon seit 15 Jahren, was ein kleines Wunder ist, denn zu Beginn war diese lange Verlagsreise nicht abzusehen. Anfangs haben wir Lyrikhefte aus wiederverwerteten Materialien hergestellt, also eigentlich alles in Handarbeit geschafft, vom Papiersammeln bis zum Heften. Startkapital waren null Mark. Die aktuelle Version der Lyrikhefte zitiert diese Produktionsweise, ist aber deutlich weniger arbeitsintensiv.

Die Programmschwerpunkte?

Der Fokus liegt bei uns auf jüngeren deutschsprachigen Autor/innen. Neben der Reihe mit Lyrikheften, in der in diesem Frühling Band 31 und 32 folgen werden, verlegen wir auch Lyrik-Taschenbücher, Gedichte aus den Benelux-Ländern und Lateinamerika, Kurztexte.

Ihr Highlight im Bücherjahr?

Das Highlight des letzten Jahres war, dass wir es geschafft haben, durch Crowdfunding unsere Taschenbuch-Reihe anzuschieben. Mit dem Band „Fremdbestäubung“ von Dominik Dombrowski ist dann im Herbst das erste Früchtchen vom neuen Baum gefallen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir wollten einen Verlag gründen, der so funktioniert wie ein Musiklabel, wo der Verleger und viele Helfer selber Autor/innen sind. Für mich als junger Dichter war es auch Selbstzweck, um die eigenen Texte veröffentlicht zu sehen. Aber nach dem überraschenden Erfolg der ersten zwei Büchlein war klar, dass es weitergehen kann, dass das Netzwerk aus jungen Schriftstellern, das damals schon recht groß und von Köln nach Berlin, München und Wien reichte, für einen Spezialverlag taugen würde.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich sehe keine Schwierigkeiten. Der Verlag hat vieles erst möglich gemacht.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Auch wenn wir viele Dinge in Handarbeit geleistet haben und auch heute noch leisten, haben wie auch schon vor 15 Jahren unseren Verlag aus dem Laptop heraus geführt, unser Lager passte lange Zeit in einen Schuhkarton.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir wissen, dass wir ein sehr ausgefeiltes Produkt für einen sehr kleinen Interessentenkreis herstellen. Die Möglichkeiten sind beschränkt. Alles was unnütz für uns ist, lassen wir einfach weg. Unsere Taschenbücher heißen Die nummernlosen Bücher. Sie besitzen keine ISBN-Nummern. Sie kommen da gut an, wo man ihren Autor/innen begegnen kann, auf Lesungen, Festivals, bei Veranstaltungen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Schwer zu sagen. Vielleicht noch netzwerkartiger arbeiten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Das entwickelt sich wie eine Schneeballschlacht. Früher oder später trifft man die Richtigen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Parasitenpresse_ Cover DombrowskiDer Vertrieb ist eigentlich die schwerste Aufgabe. Wir vertreiben viel direkt – bei Veranstaltungen oder über unseren eigenen Internet-Shop. Dann pflegen wir den Kontakt zu ausgewählten Buchhandlungen, Machen wir uns aber nichts vor, da gibt es nicht allzu viele, die sich für uns begeistern.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir sprechen Buchhandlungen an, wo wir denken, dass wir gut dorthin passen. Oder andersrum: dass es den Buchhandlungen gut tun würde, uns zu führen. Manche Buchhändler/innen können sich zunächst nicht so viel unter den Lyrikheften vorstellen, da ist es gut, so etwas einmal in die Hand zu nehmen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Ich habe nichts gegen Amazon. Für ländliche und städtische Gebiete ohne gute Buchhandlung war Amazon und andere Online-Plattformen eine ganz wichtige Sache, um den literarischen Anschluss nicht zu verlieren. Amazon & Co. brauchen aber die parasitenpresse und die parasitenpresse braucht Amazon & Co. nicht.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Im Grunde genommen nichts.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind gegen Vereine ;-)

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Unsere Bücher machen wir für die Guten: Lyrik-Verrückte und Poesie-Nerds.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wir kümmern uns um den Nachwuchs. Da stecken viele Chancen drin. Irgendwann bekommt einer von denen den Nobelpreis oder Ähnliches und dann freuen wir uns mit.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko ist der Tag, an dem sich niemand mehr für Poesie interessiert, weil alles durchkalkuliert und geregelt ist.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo  © parasitenpresse

das Logo © parasitenpresse

Ich mag das Kollegiale, die Freundschaften, die daraus entstehen können. Die kurzen Wege, auch wenn man in verschiedenen Städten oder Ländern einen ähnlichen Begriff von Literatur und dem Büchermachen hat. Was ich ätzend finde, ist die Hackerei, wenn es um die vermeintlichen Geldtöpfe geht.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Nur Mut! Nur zu!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ein paar sehr gute Lyrikverlage sind hier schon genannt worden, auch wenn mir gerade der gesamte Überblick fehlt und ich vielleicht jemanden vergesse. Ich empfehle den Verlag Peter Engstler aus der Rhön, den [SIC] – Literaturverlag aus Aachen, hochroth Verlag und die edition ch aus Wien.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Parasitenpresse im Netz:

Die Homepage: https://parasitenpresse.wordpress.com/

„Alleine, dass wir machen können, was wir wollen, hilft schon viel.“ – SteglitzMind stellt Sarah Legler und Jorghi Poll von der Edition Atelier vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von stellt Sarah Legler und Jorghi Poll, die die Wiener Edition Atelier verantworten. Vorgeschlagen hatte das Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Goldegg Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Die Edition Atelier wurde in den Achtzigerjahren von Jörg Mauthe gegründet und ist jetzt ganz zufällig in der Nähe des Jörg-Mauthe-Platzes im 9. Wiener Gemeindebezirk beheimatet. Seit 2012 ist der Verlag wieder selbstständig und wird von Sarah Legler und Jorghi Poll geleitet.

Machen Sie alles alleine?

das Team: Legler, Poll, Volkmann, Reiner © Edition Atelier

das Team: Legler, Poll, Volkmann, Reiner © Edition Atelier

Wir machen alles selbst, Lektorat, Grafik und Presse, ganz selten mal, dass wir etwas außer Haus geben. Wie vermutlich die meisten unserer KollegInnen schauen wir nicht unbedingt auf die Uhr und sind auch öfter am Wochenende im Büro. Zurzeit sind wir mit zwei geringfügigen MitarbeiterInnen, Sebastian Reiner und Jana Volkmann, zu viert im Team.

Die Programmschwerpunkte?

In dreißig Jahren des Bestehens hat sich die Programmlinie natürlich immer wieder mal verändert, mit unserer Übernahme haben wir den Schwerpunkt auf zeitgenössische Belletristik gelegt. Wir arbeiten sehr intensiv mit den Autorinnen und Autoren zusammen und legen Wert auf literarische Qualität. Neben den Romanen ist unsere Paperback-Reihe „Textlicht“ mit kürzeren Erzählungen und Prosatexten etwas, das sonst nur wenige andere Verlage machen. Die Reihe „Wiener Literaturen“ legt vergessene Bücher von Wiener Autorinnen und Autoren aus den 1920er- und 30er-Jahren neu auf. Darüber hinaus versuchen wir aber auch, die Backlist am Leben zu erhalten. Neben den Romanen von Jörg Mauthe haben wir zum Beispiel „Die Strategie des Tarockspiels“ vor kurzem nachgedruckt. Nicht zu fassen, wie viele TarockspielerInnen es gibt!

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Seit dem Sommer 2014 bieten wir die meisten Romane auch als E-Books an. Lange haben wir uns gewehrt, sehen E-Books aber mittlerweile als spannende Alternative. Außerdem ist es schön, dass manche Backlist-Titel hier noch mal mehr Aufmerksamkeit bekommen. Durch die E-Books tut sich noch mal was auf!

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Das ist ein bisschen so, wie wenn man eine Mutter nach ihrem Lieblingskind fragt. Aber im Ernst: 2015 sind bisher drei Bücher erschienen – die finden wir alle und ohne Einschränkungen großartig: In unserer Taschenbuchreihe „Textlicht“: Hanno Millesis Novelle „Venusatmosphäre“, der Roman „Die Verschwundenen“ von Wolfgang Popp und „Magda“, Meike Ziervogels Roman über Magda Goebbels, den Martin Thomas Pesl aus dem Englischen übersetzt hat.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir haben arbeiten beide schon länger in der Branche, dann bekam Jorghi das Angebot, den Verlag zu übernehmen, ein Jahr später ist Sarah dazu gestoßen. Vermutlich hätten wir aber früher oder später ohnehin gemeinsam etwas in die Richtung gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Alleine, dass wir machen können, was wir wollen, hilft schon viel. Die (kreative) Zusammenarbeit mit engagierten Menschen tut ebenfalls enorm viel dazu!

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

???????????????????????Es geht alles schneller.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Vermutlich machen wir nicht wirklich was anders. Wir versuchen, das, was wir tun, möglichst gut zu tun – also nicht mal darin unterscheiden wir uns von anderen VerlegerInnen. Im Ernst: Wir probieren viel aus – darin liegt vielleicht einer der Vorteile eines Indie-Verlages: die Möglichkeit, auszuprobieren. Über Gespräche mit Autorinnen und Autoren ergeben sich auch immer viele Ideen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die Startphase war schon auch wichtig für uns – weil wir viel gelernt haben.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kannten schon vor unserer Arbeit mit der Edition Atelier einige junge Autorinnen und Autoren, insofern hatten wir beide schon „Listen“ mit Leuten, mit denen wir gerne zusammenarbeiten wollten. Die allermeisten unserer Bücher ergeben sich durch persönliche Kontakte.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir überlegen immer wieder mal, ob wir einen Webshop einrichten sollen, aber im Prinzip haben wir ganz klassische Verkaufsabläufe: im Buchhandel, bei Veranstaltungen, online. Die E-Books werden über Bookwire vertrieben.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir versuchen, Lesungen in Buchhandlungen zu veranstalten und persönliche Kontakte aufzubauen; und dann reisen natürlich auch die VertreterInnen durch die Buchhandlungen. Wir haben schon das Gefühl, dass uns die BuchhändlerInnen immer mehr wahrnehmen – gleichzeitig ist die Situation im Buchhandel aber sehr schwierig, und das wirkt sich natürlich auch auf die kleinen Verlage aus.

Wie halten Sie es mit Amazon?

???????????????????????????????????????????Unsere Bücher sind über Amazon erhältlich, und wir wollen auch niemandem vorschreiben, wo er einkaufen soll. Natürlich verweisen wir aber gezielt auf die Buchhandlungen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Budget für Marketing ist bei uns keines vorhanden, das geht sich beim besten Willen nicht aus. Wir haben Accounts bei Facebook und Twitter, einen eigenen Verlagsblog, machen, so gut es geht, Pressearbeit, verschicken Newsletter. Wir versuchen, viel rauszugehen – was natürlich auch eine Zeitfrage ist. Dieses Jahr sind wir auch stärker beim Indiebookday präsent.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Geschäftlich – wir sind Mitglied.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Eigentlich für Leute wie uns: die gerne lesen und gerne Neues entdecken, das auch schon mal unkonventionell sein darf. Eine konkrete Zielgruppe gibt’s nicht wirklich – wir machen keine glatten Bücher, sprachlich und inhaltlich gibt’s sehr viele Unterschiede.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In unserer Zusammenarbeit und in den AutorInnen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Es ist eine Grundvoraussetzung selbstständiger Arbeit, dass man sich von den zahlreichen Risiken, die es dabei und in und um die Buch- und Verlagsbranche gibt, nicht verrückt machen darf.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

edition atelier Ziervogel_Magda_Cover2DDass sehr oft nicht dieses klassische Konkurrenzdenken da ist. Den Austausch und Zusammenhalt, was auch der Indiebookday zeigt, der zwar in Österreich leider noch nicht so bekannt ist, aber in Deutschland innerhalb weniger Jahre zu einem gemeinsamen Projekt geworden ist. Und dass viele gute Sachen entstehen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich von Beginn an gut zu strukturieren und sich was gutes Neues zu überlegen, das sich von den irrsinnigen Büchermassen, die jedes Jahr neu erscheinen, abhebt.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Es gibt viele tolle Indie-Verlage, die wir gut finden und deren Treiben wir mitverfolgen. Empfehlen wollen wir hier das Verlagshaus J. Frank, die machen vor allem Lyrik. Das passt schon deshalb gut zu uns, weil wir regelmäßig darüber streiten, ob wir Lyrik machen sollen oder nicht – und die tun das einfach, und das großartig!

Herzlichen Dank für diesen Einblick! Und zudem dafür, dass ich mir aus Ihrem Programm habe „Magda“ wünschen dürfen.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Edition Atelier im Netz:

Website, hier gibt’s neben Infos zu AutorInnen und Büchern auch Leseproben, Trailer, Hörproben: www.editionatelier.at

Verlagsblog: https://textlicht.wordpress.com/

Facebook: www.facebook.com/edition.atelier

Twitter: https://twitter.com/editionatelier

Vorschau & Verlagsmagazin

 

 

„Deshalb unternehmen wir nichts mehr in Bezug auf Buchhandlungen.“ SteglitzMind stellt Uschi Zietsch vom Fabylon Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Uschi Zietsch vom Fabylon-Verlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Joachim Körber von der Edition Phantasia.

Eine Skizze vom Verlag …

Fabylon wurde 1987 von mir, Uschi Zietsch, und Gerald Jambor in München gegründet und ist seit über 10 Jahren im bayerischen Unterallgäu beheimatet. Wir haben uns hauptsächlich dem phantastischen Genre mit Fantasy, Science Fiction und allen Facetten dazwischen verschrieben, seit neuestem sind auch noch Hörbücher und Kinderbücher dazu gekommen, wobei hier die Titelanzahl, dezent gesagt, noch gut überschaubar ist. Lieferbar sind derzeit analog und digital um die 80 Titel. (Ich habe ehrlich gesagt nicht nachgezählt).

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Verlegerehepaar aud der Leipziger Buchmesse 2014 © Fabylon Verlag

Verlegerehepaar auf der Leipziger Buchmesse 2014 © Fabylon Verlag

2015 freuen wir uns sehr auf die Premiere unseres zweiten Hörbuches auf der Messe in Leipzig im März, eine weitere Geschichte der „Chroniken von Waldsee“: Nauraka – Volk der Tiefe. Der Start unseres ersten Hörbuches im vergangenen Jahr, die ungekürzte Vertonung der Waldsee-Trilogie, war fulminant – bereits in den ersten 14 Tagen über 500 Downloads – und ging danach erst so richtig auf die Überholspur.

Im zweiten Halbjahr freue ich mich auf die nächsten Sherlock Holmes- und Steampunk-Titel, die allesamt sehr vielversprechend und recht originell in der Idee sind. Vor allem „Sherlock Holmes und der Höllenbischof“, so viel kann ich schon verraten, denn Barbara Büchner hat bereits in ihrem Vorgängerband einen Bösen erschaffen, der hier nun voll zum Zuge kommt, und den man so beschreiben kann: vergesst Moriarty!

Im September, und das ist mir eine Herzensangelegenheit, erscheinen zudem zwei Bände meines viel zu früh verstorbenen besten Freundes Ernst Vlcek, der jahrzehntelang hauptsächlich für Perry Rhodan gewirkt hat, aber auch in anderen schriftstellerischen Gefilden unterwegs war. Wir bringen seinen Erstling „Der Kosmische Vagabund“ in behutsamer Überarbeitung heraus, sowie die Storysammlung „Gib mir Menschen“ mit schlichtweg großartigen und ungewöhnlichen Kurzgeschichten und Novellen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Liebe zu Büchern wurde mir in die Wiege gelegt und von meinem Vater gründlich weiterentwickelt. Zum einen bin ich selbst Schriftstellerin und schon von daher gesehen Buchliebhaberin, zum anderen hatte auch mein Mann, der niemals ohne Bücher leben könnte, den Traum, Bücher zu produzieren, wie wir sie uns vorstellen, inhaltlich und gestalterisch. Der Anstoß kam damals nach meiner Erstveröffentlichung, denn durch Programmkürzung hätte es so schnell keine weitere Publikation gegeben, aber ich wollte nicht gleich wieder in der Versenkung verschwinden. Einen reinen Selbstverlag wollten wir aber auch nicht, sondern haben ein halbes Jahr lang intensiv darüber nachgedacht, was genau wir machen wollten und wie wir uns die Umsetzung vorstellten. Und das haben wir nie bereut oder je darüber nachgedacht, ein anderes Unternehmen zu starten.

Wir freuen uns heute noch wie beim ersten Mal, wenn die jeweilige Neuerscheinung bei uns eintrifft, der Karton wird aufgerissen, jeder schnappt sich ein Exemplar, schlägt das Buch auf und schnuppert hinein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ebooks sind da leider weniger aufregend, weil man nichts Haptisches in der Hand hat und es sowieso auf jedem Reader anders aussieht, man kann nicht damit herumlaufen und es strahlend mit den Worten „mein Schaaaaaaatsssss“ herzeigen. Aber auch hier freuen wir uns natürlich, wenn der digitale Markt an unseren schönen Geschichten teil hat und fleißig den Download-Knopf drückt. Am schönsten ist es natürlich, wenn wir Feedback in Form von Mails oder persönlichen Kontakten bekommen, vor allem wenn es vorher eher „Nicht-Leser“, sei es dieses Genres oder allgemein, waren, die wir sozusagen „bekehrt“ haben. Dann haben wir die Bestätigung, warum ein Verlag und nichts anderes.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Aus den oben genannten Gründen – Bücherlesen ist wichtig zur Erweiterung des Horizonts, aber auch der Empathie. Es gibt so viele wunderbare Geschichten, die erzählt sein wollen, und alle sollen sie erfahren. Die Menschen haben schon immer gern Geschichten gehört, in der Frühzeit am Feuer, und heute in verschiedenen Medien, in denen das Buch immer noch eine wichtige Rolle spielt. Dazu wollen wir beitragen.

Und was heißt schon Schwierigkeiten? Widerstand und Rückschläge hat man doch in jedem Metier. Jammern und klagen sollen andere. Man tut es, oder man tut es nicht, ohne „ja, aber …“

Na gut, bei einem Verlag ist man schon mit einer gewissen Portion Masochismus gesegnet. Wenn wir schnell (oder überhaupt) reich werden wollten, würden wir Aktien-, Drogen- oder Waffenhändler.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Es ist vieles erheblich kostengünstiger geworden, und es geht alles sehr viel einfacher, schneller und effizienter in der Produktion. Satz und Umschlag dauern keine Tage mehr, die Cover können umgehend geändert werden, man hat von Anfang bis Ende alles in der Hand und tauscht sich per Mausklick innerhalb weniger Stunden aus. Und die Druckereien sind ebenfalls erheblich günstiger geworden – vor allem, weil nun auch in Kleinstauflagen bzw. Print on Demand gedruckt werden kann, sogar Hardcover mit Farbillustrationen an gewünschter Stelle, ohne dass die Kosten explodieren oder der Buchpreis so hoch angesetzt werden muss, dass sich kein Käufer mehr dafür finden kann. Man kann jetzt sehr exakt kalkulieren, und sollte man sich in positivem Sinne mit der Auflage vertan haben, nämlich dass der Absatz sehr viel höher als erwartet ist, ist sehr schnell nachgedruckt und ausgeliefert. Das Risiko für Verlust und platzende Lagerbestände ist um ein Vielfaches gesunken.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich betrachte die Kleinverlage in unserem Genre nicht als Konkurrenz. Wir arbeiten zusammen, organisieren sogar gemeinsam Werbung oder Messestände, auch Lesungen, geben uns gegenseitig Tipps und vieles mehr. Ja, wir weinen uns auch manchmal beim anderen aus, das gehört ebenfalls dazu.

Jeder Verlag unseres Genres hat sein eigenes, spezielles Programm, der eine macht mehr Science Fiction, der andere mehr Fantasy Romance, der dritte hauptsächlich Übersetzungen … es gibt natürlich Überschneidungen, aber im Grunde hat jeder seine Linie und sein Zielpublikum. Und was die Überschneidungen betrifft, so nimmt keiner dem anderen etwas weg, weil genau diese Leser, denen das gefällt, die Vielfalt schätzen, davon profitieren alle Verlage. Diejenigen Leser, die sich ausschließlich auf eine Richtung „spezialisiert“ haben, würden wir nicht dazu gewinnen, indem es einen Verlag dieser Richtung weniger gäbe. Denn wir tanzen nicht auf allen Hochzeiten, auch wenn unser Programm breit gefächert ist. – Gerade im Bereich des Phantastischen erschafft man sich mit der Zeit aber auch einen „Lesezirkel“ mit treuen Kunden als Basis. Der „harte Kern“ kennt sich auch persönlich, manchmal über Jahre hinweg.

Wir gehen raus auf Messen, Conventions und Veranstaltungen, um direkt mit unseren (künftigen) Lesern zu kommunizieren und ihnen unser Programm zu präsentieren. Dabei hören wir auch sehr genau zu, was gern gelesen wird. Mit den Jahren hat man viele „Bekannte“ und lernt auch immer wieder neue Fans, Nerds und Geeks kennen.

Was wir anders machen als die anderen, weiß ich nicht, darauf achte ich nicht. Wir verfolgen wie seit Anbeginn unsere Strategie, vorwiegend Newcomer ins Rampenlicht zu bringen und darüber hinaus Titel auch von bekannten Autoren zu produzieren, an denen uns sehr viel liegt und von denen wir überzeugt sind. Wir beobachten den Markt und gehen Kompromisse ein bzw. nehmen Anpassungen an unsere Strategie vor, um unsere Ziele so gut wie möglich zu erreichen. Wir wollen es natürlich nicht allen recht machen, aber auch nicht am Markt vorbei produzieren. Wir wollen nicht nur die Leser zufriedenstellen, sondern auch unsere Autoren.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Sie meinen abgesehen davon, dass eine gute Erbschaft gerade recht käme? Nichts. Man muss alles ausprobieren, um festzustellen, was funktioniert. Unser einziger Fehler am Anfang war vielleicht eine zu hohe Auflage, andererseits konnten wir dadurch den Verkaufspreis so kalkulieren, dass er kaum über den Großverlagen lag, und erreichten dadurch zufriedenstellende Umsätze. Damals waren Klein(st)auflagen zudem noch nicht möglich, der Filmsatz war noch relativ jung, der Buchdruck immerhin schon Bogenoffset. Ansonsten haben wir uns vor der Gründung ausführliche Gedanken gemacht, haben uns professionell beraten lassen, und unsere bis dahin gesammelte Berufserfahrung im Vertrieb und Marketing war ebenfalls nützlich. Sicherlich würden wir Kleinigkeiten anders machen, aber im Großen und Ganzen würden wir unter denselben Voraussetzungen noch einmal so starten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Da wir hauptsächlich Newcomer, die wir für talentiert halten, publizieren, kommen die Autoren zumeist auf uns zu. Aber auch „gestandene“ Autoren kommen gern zu uns. Außerdem haben wir in unserem Programm einige spezielle Reihen von unserer Herausgeberin Alisha Bionda, die sich ausgezeichnet in der Branche auskennt und ein hervorragendes Gespür für Talente sowie beste Kontakte hat.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir vertreiben die Printbücher über das Barsortiment und die Ebooks über einen Vertriebsdienst. Direktbestellungen von Buchhändlern nehmen wir natürlich auch an, wenn sie nicht über Barsortiment ordern möchten. Und dazu haben wir noch einen eigenen Online-Shop für die Endkunden sowie den Direktverkauf auf Veranstaltungen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Augenblick, jetzt muss ich erst mal lachen. Entschuldigung …

Gut, ich habe wieder Luft geschnappt.

Räusper. Ähem. – Zur ersten Teilfrage kurz und bündig: Nichts. Nichts mehr.

Zur zweiten Teilfrage: Unsere Erfahrung hat uns zu Punkt 1 gebracht. Das dauert jetzt ein bisschen länger.

Als wir gestartet sind, waren wir beide uns darüber im Klaren, dass wir nicht persönlich alle Buchhandlungen abklappern können. Damals war Deutschland zwar noch ein ganzes Stück kleiner, aber trotzdem zu groß für zwei Personen, die zudem noch einen Brotverdienst hatten, denn dass der Verlag uns nicht sofort ernähren kann, insofern wir nicht ein wahnsinniges Glück mit einem riesigen Bestseller hätten, lag klar auf der Hand. Wir wollten ja kein finanzielles Desaster erleben, sondern Schritt für Schritt etwas aufbauen, das Bestand haben sollte, und mit unseren Brotjobs Verluste auffangen.

fabylon_Cover HörbuchDeshalb haben wir uns damals einen Vertrieb gesucht, und just zu der Zeit gab es einen jungen Vertrieb, der sich auf Kleinverlage spezialisiert hatte. Er beschäftigte Vertreter, die ganz Deutschland bedienten, sorgte für Prospektverteilung und dergleichen mehr. Damit sollten wir in die Buchhandlungen hineinkommen. Der Vertrieb war sehr engagiert, die Vertreter leider nicht so sehr, und der Buchhandel hatte überhaupt keine Lust. Kleinverlage waren damals Ende der 80er zudem noch etwas sehr Anrüchiges.

Hierzu unternahm mein Mann einst einen Test, ging in München in eine große, heute nicht mehr existierende Buchhandlung, und bestellte ein Buch unseres Verlages. Er bekam zunächst von verschiedenen Verkäufern (den Begriff „Buchhändler“ möchte ich hier ausdrücklich nicht verwenden) die Auskunft: „haben wir nicht – gibt es nicht – das ist doch ein *hüstelnd, naserümpf* Selbstverlag“. Der Herr Verleger Incognito ließ aber nicht locker und erhielt dann – immerhin! – vom Abteilungsleiter doch noch zur Antwort: „Ja, das kann ich bestellen, aber es dauert mindestens vierzehn Tage, bis so ein Verlag liefert.“ Dazu der „wollen Sie sich das wirklich antun?“- Blick.

Tja, was soll ich sagen? Exakt nach vierzehn Tagen traf die Bestellkarte bei uns ein! Aber sagen wir auch hier: immerhin! Andere weigerten und weigern sich ja heute noch strikt, zu bestellen. Manche mit Begründung wie „ach, den Verlag/das Buch gibt es ja schon lange nicht mehr“, oder: „nein, das machen wir grundsätzlich nicht.“ Und dabei waren wir seit Anbeginn bei den Barsortimentern vertreten!

Jedenfalls, nach einem oder zwei Jahren gab der Vertrieb auf, schmiss zuerst alle Vertreter und dann uns Kleinverlage raus. (Und ging ein weiteres Jahr später mit seinem eigenen Verlag pleite, doch das ist eine andere Geschichte.) Aber immerhin hatten wir in der Zeit fleißig Adressen gesammelt und schon einen kleinen Kreis um uns geschart. Außerdem haben wir es mit Massensendungen mit gekauften Adressen versucht – was man eben alles so unternimmt. Damit kamen wir so ganz gut durch, aber immer noch nicht in die Buchhandlungen rein.

Das Ergebnis war und ist: „Wir haben sooooooooooooooooo viiiiiiiiiiiiele Bücher, und Ihre können wir doch gar nicht los werden, wie sollen wir sie denn überhaupt anpreisen?“ Da ist schon was Wahres dran. Ich weiß, bei gut 10.000 Neuerscheinungen im Jahr ist nur wenig Platz vorhanden, ich habe Verständnis dafür, ebenso, dass auch ein Buchhändler ein Wirtschaftsunternehmen ist und deshalb auf umsatzträchtige Bestseller setzt.

Aber wenigstens bestellen könnten Buchhandlungen auf Kundennachfrage, sich zuvorkommend geben, und nicht abwimmeln! – Wobei ich zugeben muss, das passiert ja auch Großverlagen. Also dieser „Service am Kunden“ mit Auszeichnung „höchst mangelhaft“.

Ganz aktuell zu Weihnachten 2014 hat eine Bekannte von mir ihrem Ehemann eine Bücherliste gegeben mit Titeln, die sie sich zu Weihnachten wünschte. Er ging also frohgemut in die Buchhandlung. Nicht einer der Titel war da (wie gesagt, es waren keine Kleinverlagstitel und keine unbekannten Autoren), woraufhin die verkaufstüchtige Gemischtwarensonstwasbrühwursthändlerin dem verwirrten Ehemann („das ist doch hier eine Buchhandlung?!“) Bücher eines ganz anderen Genres von einer Stapeltisch-Autorin aufdrängte und ihn mit einer Tüte voll davon fortschickte. Zum Verständnis der kompetenten Fachkenntnis der Wasauchimmerverkäuferin nehmen wir folgendes Beispiel, das hierzu fiktiv ist, aber passt: Jemand wollte Henning Mankell und hat dafür Rosamunde Pilcher bekommen. (Aber dafür wahrscheinlich im Sonderangebot.)

Wir bekommen manchmal euphorische Meldungen unserer Autoren, was die Buchhandlung XYZ alles für die dort geplante Lesung tun will, vor allem die Bücher im Schaufenster auslegen, und Werbung, undund. Ich spiele nicht den Miesepeter, denn das Engagement der Autoren ist großartig, doch ich könnte voraussagen, wie es in mindestens 70% der Fälle ausgeht: Die Bücher liegen nicht aus, werden erst wenige Tage vor der Lesung natürlich bei uns, nicht im Barsortiment (wegen Remission und höherer Rabatte) bestellt, dass ich express liefern muss, und schon tags nach der Lesung geht der verbliebene Rest wieder an den Verlag zurück, ohne das Buch auch nur eine Sekunde auf irgendeinem Büchertisch präsentiert oder jemals angepriesen zu haben. Das ist natürlich nicht immer so, aber leider immer noch zu oft. Gerade weil hier ja der Bezug zu Autor und Lesung da ist, könnte man doch vorher und nachher ein bisschen mehr Anpreisung versuchen? Das Remissionsrecht geben wir ja deshalb für ein Jahr.

Wenn man seine Bücher unbedingt auf einem Büchertisch haben möchte, muss man selbigen kaufen. Oder pachten. Oder leasen. Wie immer Sie das nennen möchten, und bestimmt lautet der empörte Aufschrei der Fachleser dieser Zeilen „stimmt doch gar nicht!“ Stimmt aber doch. Viele, vor allem große und Ketten-Buchhandlungen lassen sich dafür bezahlen, dass sie die Titel schön augenfällig präsentieren. Und remittieren dann trotzdem; ein Thema, das ich als bei Großverlagen publizierende Autorin sattsam kenne.

Deshalb unternehmen wir nichts mehr in Bezug auf Buchhandlungen. Zumindest, was den allgemeinen Vertrieb betrifft. Es sind selbstverständlich nicht alle so, ein bisschen polemisch war ich jetzt schon. Es gibt noch eine Reihe kleiner Buchhandlungen, hauptsächlich in den Ostbundesländern, die sehr engagiert sind. Diese unterstützen wir gern mit Werbematerial und Sonderkonditionen. Nur leider finden gerade diese oft, bedingt durch die Lage in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit, wiederum nicht genug Kunden, die ihnen den ausreichenden Umsatz bescheren, sodass wir auch hier keine Win/Win-Situation erreichen können …

Wie halten Sie es mit Amazon?

Vorausgeschickt: Amazon ist garantiert nicht der gemeinste und schlechteste Arbeitgeber aller Zeiten. Ich habe persönlich schon ganz andere Verhältnisse erlebt. Sicher ist das trotzdem nicht gutzuheißen, aber Ausbeutung gibt es in nahezu allen Branchen, vor allem bei den Großfirmen. Sollte ich die alle boykottieren, müsste ich auf sehr vieles verzichten.

Amazon ist auch für uns bestimmt kein freundschaftlicher Geschäftspartner, und es gibt da einige vertragliche Bindungen, die keineswegs vorbildhaft gesetzeskonform sind. Gerade audible setzt da durch die fehlende Preisbindung bei Hörbüchern ganz harte Bandagen an. Dennoch werden wir nicht darauf verzichten, solange der Umsatz stimmt und diese Einschränkungen tragbar sind.

Amazon wird für uns vom Barsortiment im Printbereich bedient, und bei den Ebooks von unserem Dienstleister. Im Printbereich hält Amazon dabei kaum einen Anteil, da sind es vielleicht 20% gegenüber dem Buchhandel insgesamt, bei unseren Ebooks ist der Anteil erheblich höher, wobei er sich von anfänglich 80-90% inzwischen auf 50-60% Anteil gegenüber den Online-Shops insgesamt eingependelt hat. Das ist immer noch ordentlich und beschert uns bis dato gute und pünktliche Abrechnungen.

Es ist eine einfache Sache für den Kunden, zu denen übrigens auch ich gehöre, bei Amazon einzukaufen, und es wäre wirtschaftlich unvertretbar, wenn wir hier irgendwelche moralische Ansätze höher halten würden. Natürlich beliefern wir nicht zu jedem Preis, aber wir versuchen auch hier, den besten Kompromiss herauszufiltern und werden diese Linie verfolgen, solange sie funktioniert.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wie bereits weiter oben schon ausgeführt, schalten wir Anzeigen für Buchhändler (damit sie nicht sagen können, das Buch hätten sie noch nie gesehen *grins*) und Endkunden. Verteilen über Großverteiler Prospekte, betreiben einen Youtube-Kanal, sind auf Facebook, Google+ und mit eigenen Blogs online vertreten, wir versenden Neuerscheinungen für Rezensionen und gehen persönlich in die Öffentlichkeit auf Veranstaltungen (siehe Foto der Verleger) und zeigen uns dem Publikum. Außerdem wird regelmäßig Pressearbeit betrieben, und natürlich geben wir gern Interviews wie zum Beispiel Ihnen. ;-)

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Mit der Verlagsgründung wurden wir Mitglied, sind dann aber nach einigen Jahren ausgetreten, nachdem wir festgestellt hatten, dass es uns für den vergleichsweise hohen Beitrag nichts bringt. Wir können ja trotzdem einige Leistungen wie das VLB auch weiterhin in Anspruch nehmen, müssen lediglich mehr dafür bezahlen als Mitglieder, aber damit kommen wir wirtschaftlich besser zurecht.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir haben ein breit gefächertes Programm, da ist für jeden in jedem Alter etwas dabei. Sherlock Holmes, Steampunk, Erotik, Literarisches, Episches oder Urban Fantasy, Science Fiction. Unsere Markt“nische“ besteht in der Hartnäckigkeit, unbekannten Talenten eine Chance zu geben, aber wir sind nicht ausschließlich darauf festgelegt.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wäre schön, wenn ich unseren nächsten und übernächsten Bestseller vorhersagen könnte! Aber das Spannende dieser Branche ist, dass man es nie genau wissen kann, ob ein Titel einschlägt oder nicht. In jedem unserer Bereiche gibt es gut gehende und nicht so gut gehende Titel, manches als Print, anderes als Ebook. Fantasy, Urban Fantasy und Vampire laufen als Ebook sehr gut, Sherlock Holmes und Steampunk besser im Print, bei den anderen hält es sich ziemlich die Waage. Wir sind nach allen Richtungen offen und flexibel.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

das Logo  © Fabylon Verlag

das Logo © Fabylon Verlag

Wie sie bei jedem Unternehmen bestehen: Der künftige Markt hat womöglich im großen Jahr des Börsencrashs oder toller neuer Medien kein Interesse oder kein Geld mehr, sich mit unseren Publikationen zu befassen. Aber bedingt durch die gesunkenen Produktionskosten und indem wir die Nebenkosten möglichst gering halten und so viel wie möglich selbst machen, können wir auch schlechtere Zeiten überstehen und uns wieder hochrappeln. Wir können sofort von heute auf morgen das Programm herunter- oder wieder hinauffahren. Bei allem Enthusiasmus und Engagement schießen wir nach 28 Jahren nicht über die Grenzen unserer Möglichkeiten hinaus, sondern halten das Risiko möglichst so, einen Verlust so zu verkraften, dass weder Verlag noch wir daran zugrunde gehen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Dass so viel Engagement besteht, auch Enthusiasmus und Freude an dem, was man tut, und der Mut, etwas zu riskieren (ob nun inhaltlich mit einem „brisanten Titel“ oder finanziell). Es wird ja gerade nach dem Außergewöhnlichen, Originellen gesucht, und man steht hinter dem, was man publiziert. Damit wird die Vielfalt erhalten und der Einheitsbrei des Mainstream durchbrochen. Die Einstellung zum eigenen Unternehmen an sich ist auch ganz anders, da geht es nicht um Dienst nach Vorschrift und die pünktlichen Renteneinzahlungen. Es geht noch um die Kunst „Buch“ und nicht um Zahlen auf der Buchhaltungsliste. Und natürlich sind die Entscheidungswege kurz, es gibt keinen riesigen Verwaltungsapparat, der nur schwer in die Gänge kommt.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Auch hier wie bei jedem Unternehmen: Eine klare Linie, eine Strategie, das Ziel, was man überhaupt machen will, und natürlich die Kalkulation. Professionalität durch das Erscheinungsbild, die Auswahl der Texte und das Lektorat. Professionalität durch Information im Vorfeld und genügend Startkapital, um die ersten schwierigen Jahre durchzustehen. Man muss schon genau wissen, was man will, wie lange man Verluste finanziell tragen kann, und vor allem muss man sich darüber im klaren sein, dass der Tag dann nicht aus 8 Stunden besteht, sondern aus 12 Stunden und mehr. Auf den Lorbeeren ausruhen kann man sich in der Rente, vorher jedoch ist es ein zwar schöner, aber sehr anstrengender und nicht selten frustrierender Job, in dem man an allen Fronten kämpfen muss – Buchhaltung, Finanzen, Steuern, Gesetze, Verträge, Herstellung und Produktion, Vertrieb, Marketing, Künstler, und so weiter. Der finanzielle Dank ist oft nur sehr klein.

Wenn etwas schiefgehen kann, wird es auch schiefgehen, es ist eine ständige Gratwanderung. Man muss ständig auf alles gefasst sein. Und man muss flexibel sein, wenn die eine Sache nicht funktioniert, es auf anderem Wege zu versuchen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich glaube, die meisten wurden sowieso schon genannt, vor allem von Joachim Körber der Edition Phantasia, der netterweise mich in seinem Beitrag hier erwähnt hat (danke, Joachim!). Hat vielleicht schon mal jemand den Atlantis-Verlag von Guido Latz erwähnt? Der ist ja nun auch schon eine Weile überaus aktiv und kann interessante Antworten aus jahrelanger Erfahrung geben.

Ja, der Verlag wurde mir für ein Gespräch bereits empfohlen, aber leider hat der Verleger für so viele Fragen keine Zeit übrig.

Empfehlen würde ich sowieso alle Kolleginnen und Kollegen, denn jeder auf seine Weise ist sehr engagiert und hat seine eigene Strategie. Es gibt so viele – und das ist gut so!

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Fabylon-Verlag im Netz:

www.fabylon.de – hier findet sich der Shop samt Blog und alle Infos zu uns.

https://www.youtube.com/channel/UCuEpWORkDYtBFd0YDibicFg – Unser Youtube-Kanal

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http://blog.fabylon-verlag.de/ – Mein Blog mit Neuigkeiten zu Fabylon, meinen Publikationen und meiner Meinung zur Welt

„Diese Klasse wird sich durchsetzen.“ SteglitzMind stellt Jürgen Schütz vom Septime Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Antworten darauf kommen heute von Jürgen Schütz, der den Wiener Septime Verlag gegründet hat. Vorgeschlagen hatten das Karlheinz Schlögl vom Golkonda-Verlag, Joachim Körber von der Edition Phantasia, Michael Preissl von Voodoo Press und Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Goldegg Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Septime Verlag hat seinen Sitz in Wien. Seit 2009 gibt es Septime Bücher. Bis 2014 erschienen 6 – 8 Bücher im Jahr – 2015 sind es 7 im Frühjahrsprogramm und wahrscheinlich ebenso viele im Herbst. Preislich sind wir immer versucht, fair zu sein und die Bücher erschwinglich zu halten. Verglichen mit ähnlichen Programmen sind wir regelrecht „billig“.

Machen Sie alles alleine?

Jürgen Schütz @ Ulrike Rauch

Jürgen Schütz @ Ulrike Rauch

Neben mir sind seit 2012 Sabrina Gmeiner und seit 2014 Esther Forberger wichtige Mitglieder in diesem kleinen Team. Es wird alles gemeinsam beschlossen und alle stehen hinter dem, was wir gerade tun. Übersetzer, Lektoren sind immer extern – mal abgesehen davon, dass Sabrina Gmeiner seit dem aktuellen Programm auch als Übersetzerin in Erscheinung tritt. Bei den Externen wird aber meistens auf die selben Kolleginnen und Kollegen zurückgegriffen, da diese mit unserer, dadurch dass wir auch berufstätig sind, manchmal etwas anderen Vorgehensweise und Gangart vertraut sind.

Die Programmschwerpunkte?

Programmschwerpunkt ist: 65% internationale Literatur, derzeit aus Chile, Argentinien, Kuba, Mexiko, Guatemala, USA, Kanada, Japan, Portugal, Schweden, Norwegen. Und natürlich unsere AutorInnen aus Österreich, Deutschland und Südtirol. Fast alle der deutschsprachigen AutorInnen hatten ihr Debüt bei Septime. 2015 erscheint wieder eine Anthologie (diesmal als Hardcover) und setzt auch die Reihe der Erzählbände (PERSPEKTIVENWECHSEL) fort, die in den ersten vier Verlagsjahren erschienen.

Wohin geht die Reise: analog oder digital?

Noch vor der Leipziger Buchmesse werden die ersten e-books erscheinen, darunter sind fast alle deutschsprachigen Romane und ein erster Teil der internationalen Titel.

Ihre Highlights?

septime_BIO_160Unsere Highlights bislang waren in jedem Fall die James Tiptree Jr. Werkausgabe, die von der Kritik in TV, Radio, Print und Internet in höchsten Tönen gelobt wurde. Desweiteren Ryu Murakami – Das Casting, der Roman schaffte es 2013 auf die HotList bei der Frankfurter Buchmesse. Der Jahrmarkt von Juan José Arreola landete 2011 auf Platz 4 der Weltempfänger Bestenliste mitten unter namhaften Verlagen, wobei das grade mal das zweite Buch des Verlags war.

National gewannen bereits zwei unserer Autorinnen mit ihrem Debüt einen Landespreis für ihre Werke. Isabella Feimer – Der afghanische Koch und Gudrun Büchler – Unter dem Apfelbaum.

Aktuelle Entdeckung: José Luís Peixoto – Das Haus im Dunkel (erscheint im Februar) aus Portugal. Wir sind gespannt, wie sich dieses grandiose Buch entwickelt. Heuer ist sicher Coin Locker Bays von Ryu Murakami unser Toptitel im Frühjahr. Als Übersetzerin konnten wir Ursula Gräfe gewinnen, die man nicht extra vorstellen muss, übersetzt sie ja auch seinen Namensvetter Haruki.

Aber, unsere Bücher haben kein Ablaufdatum und wir arbeiten hart weiter für unsere Projekte – wir sind stolz auf unsere Backlist und bewerben diese auch regelmäßig.

Was hat Sie enttäuscht?

Was uns traurig macht: Dass ein Jahrhundert-Titel wie Jan Kjaerstad – Ich bin die Walker Brüder völlig von der Kritik übergangen wurde. Und, dass wir noch nicht stark genug sind, von uns entdeckte AutorInnen wie Nona Fernández, Mare Kandre oder Carlos Gamerro, die in ihrer Heimat Fixsterne am Himmel der Literatur sind, dort zu positionieren, wo ihr Platz wäre.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

septime_Casting_160Das ist eine wichtige Frage, in Zeiten, in denen man/frau einen Verlag lieber schließen würde als gründen. Aber durch meine Liebe zur Literatur wurde ein innerer Drang immer stärker, etwas in diese Richtung zu unternehmen. Das begann mit dem Schreiben von mehr oder weniger guten Kurzgeschichten, Rezensionen im Internet und endete letztendlich mit der Gründung des Septime Verlags und 2009 mit dem Erscheinen einer Anthologie zum Thema Lateinamerika.

Auch wenn ich es an manchen Tagen bereue – hätte ich es nicht gemacht, wäre dieser Drang heute nach wie vor unbefriedigt. Letztendlich war es kein Fehler.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Die Schwierigkeiten sind das Salz in der Suppe – Schwierigkeiten machen mein Team und mich stärker, nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ – das Engagement ist eigentlich Pflicht, denn da wir alle im Verlag auch berufstätig sind, ist Zeit für uns ein kostbares Gut – und etwas, das wir nicht mit Jammern vergeuden können. Wenn ein oder mehrere Projekte einmal laufen – von Vertragsverhandlung, betreuen der ÜbersetzerInnen bzw. AutorInnen, bestellen der Lektoren, Satz, Covergestaltung, Druck bis in den Buchhandel – dann vergeht keine Woche, in der nicht daran gearbeitet wird, irgendetwas ist immer zu tun.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ich kenne in dem Fall nichts anderes. Bin aber sicher, dass ich ohne die aktuellen Möglichkeiten keinen Verlag gegründet hätte. Mit ein paar guten Ideen, einem Notebook und einem Steuerberater konnte ich losstarten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

septime_Stallungen_160Septime zielt nicht gleich auf den Gewinn, sondern darauf, ob ein Buch eine Bereicherung für die Literaturlandschaft ist. Dann überlegen wir, wie wir uns das leisten können. Die James Tiptree Jr. Werkausgabe ist an Papier ein Wahnsinn – aber selbst wenn sich der Erfolg in den kommenden Jahren nicht einstellt, werde ich ein Leben lang auf diese Zeit zurückblicken können, in der diese wunderbare Serie entstand. Jan Kjaerstad, früher bei einem großen deutschen Verlag, mit weit über 600 Seiten aus dem Norwegischen vorzufinanzieren, ist der Geldbörse gegenüber rücksichtslos – aber dafür gibt es nun ein neues Meisterwerk des Norwegers für das deutschsprachige Publikum. – Das ist das, was wir auf unserer Website kompromisslos nennen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Einiges!

– Ich begann ohne Vertrieb, das war nicht leichtsinnig, sondern dumm. Unser erstes Buch verkauft sich heute noch träge und tröpfelt dahin, aber es gab nie eine sogenannte „Erstbestellung“ des Buchhandels.

– Ich würde keine Taschenbücher mehr machen. Die Wertigkeit des Inhalts wird leider viel zu oft am Umschlag gemessen. Übersetzungen waren sehr teuer, die Lizenzen für einige AutorInnen wie Julio Cortázar, Susan Sontag, Siri Hustvedt, Ian Fleming ebenfalls nicht umsonst und letztendlich wurde der Preis von fast 17,– € für ein Taschenbuch oft von BesucherInnen auf den Messen kritisiert – beim Hardcover um 22,– € hätte es weniger Kritik gegeben.

– Bessere Pressearbeit vom Start weg.

Ansonsten ein paar Kleinigkeiten, die ich nicht an die große Glocke hängen sollte – im Prinzip ging’s nicht so schlecht.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Internationale AutorInnen werden entweder von uns entdeckt oder wiederentdeckt, d. h. wir kennen schon das eine oder andere Werk von ihnen. Neue AutorInnen werden uns u. a. von ÜbersetzerInnen zugetragen und dann geprüft.

Deutschsprachige AutorInnen bewerben sich direkt beim Verlag mit Manuskripten oder sprechen uns auf Messen und Lesungen an, oder wir entdecken sie bei diversen Veranstaltungen usw. – recherchieren, ob sie schon einen Verlag haben und eröffnen dann das Gespräch.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

septime_HIMMEL_160Klassisch: Wir haben in Österreich, Deutschland und der Schweiz jeweils eine Auslieferung, in allen drei Fällen sehr nette und kompetente Partner und im Moment acht Vertreter, die die Buchhandlungen für uns bereisen und unser Programm vorstellen, eine in Österreich, einen in der Schweiz und in Deutschland sechs Herren.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir machen alles, was gewünscht wird. Wenn es heißt, macht Plakate, machen wir Plakate. Macht Leseproben – wir machen Leseproben. Macht die Bücher nicht so dunkel – nehmen wir hellere Motive (siehe aktuelles Programm). Die Barsortimente sind schon OK – speziell KNV betreut uns sehr gut, und wenn wir dort anrufen, wissen sie auch, mit wem sie sprechen. Unterm Strich ist es aber wahnsinnig, wie remittiert wird. Manchmal schicken alle drei (Umbreit, Libri und KNV) ein oder mehrere Bücher zurück an die Auslieferung, nur um die gleiche Menge desselben Titels wieder nachzubestellen. Ich nenne so etwas GELDVERNICHTUNG.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Tja – das ist eine gemeine Frage an den Inhaber eines kleinen Verlages. Natürlich hätte ich gerne, dass unsere Bücher nur über den Buchhandel an die LeserInnen gelangen – wir würden dann vielleicht wirklich auch einmal Geld verdienen – aber das klappt so nicht, denn die Tische und Schaufenster der Buchhandlungen sind schon für Vampire, Hexenjäger, schwedische und italienische Kommissare und die großen Verlage reserviert. Amazon, so traurig das nun klingen mag, ist die einzige Buchhandlung, die unsere Backlisttitel verfügbar hat. Trotzdem: Wir verlinken an keiner Stelle im Internet auf Amazon, sondern verweisen immer auf den Buchhandel, der zeitweise den KundInnen sagt, dass es ein Buch von uns nicht mehr gibt.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Mal abgesehen von der Website und Facebook, das wir sehr nutzen, gibt es eben die Plakate und Leseproben, Postkarten und die üblichen Leporellos in den Büchern.

Im Jahr wird ein gewisser 4-stelliger Betrag bereitgestellt und budgetiert, der für Internet- und Printwerbung verwendet wird. Es ist nicht viel Geld.

Die Besprechungen und Interviews, wie dieses, sind das, was uns nach oben tragen sollte.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

septime_Walker_160Septime Verlag ist Mitglied. Warum weiß ich nicht mehr – ich dachte damals, es ist richtig so, denke aber, dass nicht viele Verlage Mitglied sind. Die Leute, die dort arbeiten, sind allesamt sehr sehr liebe und gute Menschen und helfen, wenn sie können, wo es geht.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Bücher sind für Frau und Mann, die gute Literatur lesen wollen und nicht nur berieselt werden möchten. Unsere spezielle Marktnische, obwohl ich es als mehr als eine Nische betrachte, sind die internationalen AutorInnen – mit den Übersetzungen sind wir sicher die Nummer 1 in Österreich.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Eben bei der Auswahl der Autorinnen und Autoren. Diese Klasse wird sich durchsetzen.

Unsere Bücher, so sie über Marketing und Buchhandel bei den LeserInnen ankommen, werden gemocht, geschätzt und gelesen. – Wir versuchen aus Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

septime_ZEP_160Dass es finanziell eng wird, ehe der Erfolg sich einstellt. Aber wir und alle in unserem Umfeld, die den Verlag seit einigen Jahren beobachten, glauben an den Erfolg. Vielleicht kommt er ja schon dieses Jahr. Das Frühjahrsprogramm ist mit dem zweiten Ryu Murakami, dem Pulitzerpreisträger Steven Millhauser und José Luís Peixoto, den wir jüngst entdeckten, international gut bestückt, das 100-Jahre Jubiläum von James Tiptree Jr. steht in diesem Jahr ebenso an, und wir werden die Werkausgabe abschließen (was uns 2011 nicht viele zutrauten), Tobias Sommer, der im Vorjahr beim Ingeborg Bachmann Preis teilnahm, bringt seinen dritten Roman, Jürgen Bauer, der in der nationalen Presse schon 2012 ein anerkanntes Debüt feierte, bringt seinen zweiten Roman … – und im Herbst wartet noch etwas ganz Besonderes auf seine Veröffentlichung, aber das wollen wir noch nicht verraten – dass dieser Titel aber bei so einem kleinen Verlag landete, ist eine große Sache und wird im September für einiges Aufsehen sorgen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Dass es gute, ehrliche Menschen sind – bescheiden – denen man und frau die Liebe zum Buch anmerkt. Nicht das Geld und der Gewinn stehen an erster Stelle, sondern die Arbeit an sich – die Arbeit mit Literatur und den Menschen, AutorInnen, ÜbersetzerInnen, LektorInnen usw. Das ist schön.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Entweder: „Überleg dir das noch mal ganz genau!“ oder „Mach keine Kompromisse, gib dein Bestes und erfreu dich an allem, wie wenig es auch sein mag, was dir positiv widerfährt!“

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Limbus Verlag (Österreich), Rotpunktverlag (Schweiz) und Voodoo Press (Malta), den Michael Preissl hier bereits vorgestellt hat.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Septime Verlag im Netz:

Die Homepage: www.septime-verlag.at

Bei Facebook: www.facebook.com/septimeverlag

Standard.at berichtet regelmäßig über die Neuerscheinung von James Tiptree Jr. z. B. hier:

http://derstandard.at/2000006233554/Rundschau-Die-Wahrheit-ist-hier-drinnen?_slide=7

http://derstandard.at/2000010295935/Rundschau-Die-besten-SF-Buecher-des-Jahres?_slide=8

Auf sf-fan.de wird ebenfalls jede Neuerscheinung der Serie erwähnt: http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=44&t=8530

Oder diese wunderbare Rezension von Alban Nikolai Herbst – in dessen Blog über eines unserer Highlights: Jan Kjaerstad – Ich bin die Walker Brüder: http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/ideologen-aus-den-aufzeichnungen-eines-vierzehnjaehrigen-von-kjrstad-1/

Hier eine der vielen Besprechungen unseres Hot-List-Titels „Das Casting“ von Ryu Murakami bei den booknerds: http://www.booknerds.de/2014/01/ryu-murakami-das-casting-buch/

Oder diese Rezension von Erich Hackl zu Rodrigo Rey Rosa – Stallungen (2014) (mit onlineabo): https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2014/06-26/018.php

und hier im Literatur.blog: http://www.literatur-blog.at/2014/03/rodrigo-rey-rosa-stallungen/

Und selbstverständlich im Literaturhaus Wien, die regelmäßig unsere nationalen AutorInnen besprechen: hier Gudrun Büchler – Unter dem Apfelbaum: http://www.literaturhaus.at/index.php?id=10415&L=0%2Fadmin%2Ffile_man