„In den Niederlagen des Alltagsgeschäftes erinnere ich mich an die Erfolge.“ – SteglitzMind stellt Eckhard Brauer vom Derk Janßen Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag.

Vorgeschlagen hatte das Jörg Braunsdorf von der Tucholsky-Buchhandlung. Jörg ist übrigens Mitveranstalter von READ!BERLIN, einem Literaturfestival, das der Digitalisierung der Gesellschaft, des Literaturgeschäfts und neuen Erzählformen Rechnung tragen will. Es findet vom 24. bis 30. April 2015 vornehmlich rund um die Berliner Torstraße statt.

Eine Skizze vom Verlag …

Der Verlag wurde 2005 in Freiburg im Breisgau von Derk Janßen mit Buchideen zum amerikanischen Transzendentalismus gegründet. 2011 trat Eckhard Brauer als Partner in den Verlag ein und der Verlag erweiterte sein Programm um die Herausgabe von zeitgenössischer Lyrik, 2013 kam zeitgenössische Prosa hinzu. 2014 erhielt der Verlag für sein literarisches Gesamtprogramm den Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage des Landes Baden-Württemberg.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Das habe ich meinen Cousin vor zehn Jahren auch gefragt und er hat gemeint, es müsse sein. Im Ernst: Der Verlagsgründer Derk Janßen hat sich innerhalb seiner juristischen Doktorarbeit von der Juristerei immer weiter entfernt und der Literatur genähert, wobei er in seiner Arbeit ausgegangen ist von Herrmann Broch, der wohl auch eher als Literat bekannt ist als Jurist. So gelang er irgendwann in die Tiefen der Amerikanischen Transzendentalisten des 19. Jahrhunderts, stieß auf Walt Whitman und Ralph Waldo Emerson und hatte die Idee, diese großen amerikanischen Denker des 19. Jahrhunderts auch den deutschen Lesern (wieder) nahe zu bringen und gründete mit dem Verlag irgendwie auch wieder einen Club der toten Dichter, der zunehmend auch prominente Anhänger fand und findet.

derk_flugblätterNach einer Zäsur kam 2010 der Lyriker S.F. Ahrens auf uns zu, mit der Idee, Gedichte als „Flugblätter“ in einer Reihe Flugblätter Lyrik zu verlegen, eine Loseblattsammlung, gedruckt auf edlem Papier, eingelegt in kleinen Umschlagkartons im Jackettaschenformat. Und korrespondierend zu diesem Format stellte uns Ahrens die Idee seiner geplanten Trilogie „Worte im Gehen“ vor. Unter diesem Titel stellten wir auch seinen ersten Band 2011 vor. Seitdem bin auch ich aktiv im Verlag, habe das Lektorat übernommen, organisiere und betreue Lesereisen der Autoren im Norden der Republik. Der Verlagssitz ist in Freiburg im Breisgau, ich selbst lebe in Kiel.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

In erster Linie aus den persönlichen Begegnungen mit den Autoren und in der Auseinandersetzung mit ihrer Sprache. In den Niederlagen des Alltagsgeschäftes erinnere ich mich an die Erfolge. Zuletzt an den Förderpreis für literarisch ambitionierte Kleinverlage des Landes Baden Württemberg, der uns angesichts unseres sehr überschaubaren Sortiments eher unverhofft erreichte.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir machen (noch) keine elektronischen Bücher. Die Kommunikationsmöglichkeiten sind gerade für mich, 860 Kilometer vom Verlagsstandort entfernt, unverzichtbar.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Das kann ich so nicht sagen. Gestalterisch und inhaltlich mögen sich Dritte (gern positiv) dazu äußern. Andere unabhängige Verlage nehmen wir sehr viel eher als Kollegen denn als Konkurrenten wahr.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde gern auf die teuersten Fehler verzichten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Bislang auf persönliche Empfehlungen hin.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

(Noch) direkt selbst.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Grundsätzlich immer zu wenig. Wir suchen nach Buchhandlungen, zu deren Sortiment unsere Formate passen könnten. Zuletzt in der Tucholsky-Buchhandlung in Berlin, dessen Inhaber unsern Verlag für Ihren Blog vorgeschlagen hat. Auf einen Barsortimenter haben wir zeitweise ganz verzichtet.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Persönlich beiße ich mir jetzt auf die Zunge. Als Mitverleger kann ich sagen, sind unsere Berührungspunkte bislang eher klein. Ansonsten gilt -wie bei den Anderen auch – zu besorgen, dass unsere Rezensionsexemplare, die wir an die „Großkopferten“ schicken, von denen direkt auf die Rampe gen Amazonschlund landen. Dann ist es irgendwie bedrückend und gleichermaßen drollig, wenn Kulturredakteure in ihren Medien den Verlust der Art(en)vielfalt durch Amazon und Co beweinen, während in den Katakomben der Sendeanstalten und Redaktionen unsere Bücher über die Rampen rauschen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Grundsätzlich zu wenig; Lesungen, Flyer, Klinkenputzen, all das, was die Anderen auch mit wenig Geld machen können. Aber an dieser Stelle nenne ich mal mein Highlight der Bücherjahre 2013 bis 2015: Die Erzählung, „Im Schutzgebiet“ von Hans Hoischen und konterkariere damit den Aktualitätswahn gleichermaßen wie den Jugendwahn in der Branche.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind kein Mitglied. Der mögliche Nutzen rechtfertigt zu diesem Zeitpunkt nicht die aufzuwendenden Kosten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

derk_cover whitmanZielgruppe sind bestenfalls bibliophile Leser mit großer Freude an unserer anspruchsvollen Muttersprache. Das ist zumindest unser Anspruch. Was die Marktnische angeht, klingt es vielleicht ketzerisch, wenn ich sage, eine solche Melange an Formaten ist so marktfremd, dass sie hoffentlich schon wieder auffällt. Jedenfalls ist das Programm in seiner Abfolge schon etwas außergewöhnlich: Da wird als erstes mit Walt Whitman der vielleicht größte amerikanische Lyriker nicht als solcher (neu) verlegt, sondern wird für viele doch überraschend als politischer Essayist vorgestellt. Wenn man aber in seinen „demokratischen Ausblicken“ liest und er über die Spekulanten als „Vulgärlinge“ herzieht, dann hat man den Eindruck, den Börsenboom unserer Tage vor Augen, das Buch sei gestern geschrieben worden. Dann folgt zeitgenössische Lyrik, die jedenfalls monetären Segen so gut wie nie verspricht und erst dann zuletzt öffnet sich der Verlag mit der ersten Erzählung der zeitgenössischen Prosa.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Durch die marktfremde Melange aufzufallen. So könnte ich die nächste Frage gleich mit beantworten mit dem Risiko, nicht aufzufallen. Aber ohne Lakonie, besteht die Chance darin, Bücher ganz grundsätzlich so zu gestalten, dass sie sich von der Masse abheben und nicht nur uns gefallen. Der Buchhändler sollte bestenfalls das Buch in den Händen halten und sagen: Na, das ist doch mal was anderes, das verkaufe ich gern und diese Freude am Buch an den Leser weiterreichen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Die Schwierigkeit liegt darin, dass schon der Herstellungsprozess zeitaufwändig ist und dann oft die Mittel fehlen, die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen. Vermarktung und Vertrieb sind besonders für uns Kleinverleger die Achillesferse. Das Buch muss erst mal in die Hände des Buchhändlers gelangen, oder für uns natürlich noch besser gleich in die Hände des Lesers.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ihre wortwörtliche Unabhängigkeit und Freiheit und die dort dementsprechend sich engagierenden Menschen mit ihrem Idealismus.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

derk_logo_groß-f472931eIch halte mich hier nicht für einen geeigneten Ratgeber, habe aber den Eindruck, jetzt gerade auch auf der Leipziger Messe, gewonnen, dass bei den technischen Möglichkeiten heute das finanzielle Risiko sich doch auch sehr in Grenzen halten kann. Vermutlich war es noch nie so günstig, einen Verlagsballon mal steigen zu lassen. Für einen nachhaltig wirtschaftlich funktionierenden Verlag, sollten an dieser Stelle Verleger zu Wort kommen, die aus ihrer Passion auch einen Brotberuf machen konnten.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Eine Reihe von Verlagen, die ich empfehlen könnte, sind bei Ihnen schon zu Wort gekommen. Reinicke & Voss – der Verlag ist noch nicht dabei, den ich hier gern vorschlagen möchte. Das Lyrikprogramm dieses Leipziger Verlags ist sehr beachtlich. Auch den Achter Verlag von Wolfgang Orians, den wir in Leipzig auf der Messe kennengelernt haben, möchte ich empfehlen. Die Art der Buchgestaltung wie auch besonders die Präsentation hat uns sehr beeindruckt. Unsere Gespräche drehten sich – nicht wirklich überraschend – um die Fragen, die hier im Blog gestellt werden.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Derk Janßen Verlag im Netz:

Die Homepage: www.derk-janssen-verlag.de

Die Internetpräsenz von S.F. Ahrens: www.alles-dreht.de

„Unabhängigkeit spricht eigentlich für sich selbst.“ SteglitzMind stellt Mark Fischer vom Epsilon-Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Mark Fischer vom Epsilon-Verlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet.

Eine Skizze vom Verlag …

Mark O. Fischer © Epsilon-Verlag

Mark O. Fischer © Epsilon-Verlag

Gegründet 1997, sesshaft in Schleswig-Holstein, Ein-Mann-Betrieb, spezialisiert auf gezeichnete Geschichten, bis jetzt 166 lieferbare Titel, davon 19 auch digital.

Ihre persönlichen Highlights?

Ein Highlight ist eigentlich jeder Titel und aktuell immer das, woran man gerade arbeitet. Spannend sind nicht nur die Comics selbst, sondern auch die Entstehung derselben, wie sie in Gesamtausgaben dokumentiert werden wie aktuell in der von Rubine.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Seit dem Sammeln des alten ZACK war das immer mein Ziel, ich habe dann Verlagsherstellung studiert und danach den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Es gibt eigentlich nichts Besseres als sein Hobby zum Beruf zu machen, auch wenn einem dafür nicht gerade der rote Teppich ausgelegt wird. Zudem ist jede Veröffentlichung einer neuen Geschichte auch ein kreativer schöpferischer Akt, auch wenn ich nicht selbst der Autor bin.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Nicht mehr mit Filmen, sondern mit Daten zu arbeiten, erleichtert vieles, nicht nur beim Herstellen, sondern auch beim Korrigieren. Auch die digitale Übertragung der Daten erspart viel Zeit und Kurierkosten.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

In der Ruhe liegt die Kraft. Ich lasse mich nicht mehr hetzen, um alles gestern zu produzieren, was erst übermorgen gekauft wird, sondern mache heute das, was geht, damit es mich übermorgen auch noch gibt. Und ich bewerbe lieber Titel, die man kaufen kann, als solche, die man erst dann kaufen kann, wenn die Werbung schon Schnee von gestern ist. Zudem bilde ich mir ein, die übersichtlichste und interessanteste Homepage von allen zu haben.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Reich sein. Denn es bewahrheitet sich leider immer wieder, dass man nur dann ein kleines Vermögen machen kann, wenn man ein großes investiert.

Wie gewinnen Sie Autoren?

epsilon_coverLizenzen suche ich mir aus und die deutschen Künstler kommen von selbst.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

PPM für den Fachhandel, Barsortimente und Privatkunden beliefere ich selber.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich habe es mal mit einem Vertreter versucht, mit der Erkenntnis, dass die Buchhändler das Angebot gerne auf Nachfrage bestellen. Insofern führt kein Weg an der Nachfrage vorbei. Je größer die Nachfrage, desto mehr wird bestellt und desto eher landet auch was im Sortiment.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Theoretisch bräuchte ich das nicht. Die Kunden könnten ja auch direkt auf meiner Homepage bestellen. Aber die Erfahrung zeigt, dass Kunden lieber da kaufen, wo sie alles kriegen, was aber ein Trugschluss ist. Denn letztlich ist Amazon nur eine moderne Form von Kaufhaus, die von allem etwas haben. Es sind dort längst nicht mehr alle Titel direkt lieferbar. Amazon ist aber auch offen für Fremdanbieter. So kann man auch als Verlag seine Titel dort direkt anbieten, allerdings nur mit einem Aufschlag 3 € Porto pro Titel. Dann werden sie von mir direkt beliefert und wenn sie dann feststellen, dass sie die von mir direkt portofrei bekommen hätten, landen sie beim nächsten Mal doch lieber auf meiner Homepage.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Von Facebook bis Messe handhabe ich das flexibel, je nachdem was das Werbebudget gerade hergibt.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Nun, ISBN und VLB sind doch ganz sinnvoll.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mein Programm ist eigentlich für alle offen, die keine Scheu davor haben, dass eine interessante Geschichte gezeichnet ist. Das kann spannend, lustig oder auch tiefsinnig sein. Bei mir kann jeder etwas Interessantes finden. Ich arbeite dabei nicht mit Genre-Schubladen, sondern lasse die Leser die Vielfalt selbst entdecken.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Ich sähe die größten Chancen eigentlich im Zeitschriftenhandel, weil der Nachfrage-Markt im Buch- und Fachhandel doch sehr zäh ist. Ich sehe aber bislang keinen bezahlbaren Weg dorthin. Solange das so ist, bleiben auf dem Weg der kleinen Schritte immer Möglichkeiten Qualität, Quantität und Marketing zu verbessern.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko ist immer auch mit hervorragenden Titeln in der Masse der Konkurrenz unterzugehen, zumal gezeichnete Geschichten im Vergleich zu anderen Medien immer noch ein Schattendasein führen und Investitionen in eine nachwachsende Leserschaft über Jahrzehnte vernachlässigt wurden.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo © Epsilon-Verlag

das Logo © Epsilon-Verlag

Unabhängigkeit spricht eigentlich für sich selbst. Man kann machen, was man will, ohne sich vor anderen rechtfertigen zu müssen. Wenn das, was man macht, gut ankommt, hat man Glück, wenn nicht so, hat man trotzdem etwas Schönes geschaffen, zu dem man stehen kann.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Je größer das Startkapital, desto größer sind die Chancen, im Markt Fuß zu fassen. Als Hobby geht natürlich alles, aber wenn man davon leben will, sollte man das vorher gut und realistisch durchkalkulieren.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da gibt es schon noch ein paar mehr gute kleine Comic-Verlage. Für seine offenen Antworten schätze ich sehr den noch sehr jungen Verlag dani books.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Epsilon-Verlag im Netz:

Die Homepage: www.epsilongrafix.de

„Ohne die Digitalisierung wäre unser Arbeiten undenkbar!“ – SteglitzMind stellt das Team vom Verlagshaus J. Frank vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über  Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller vom Berliner Verlagshaus J. Frank. Vorgeschlagen hatten das Helge Pfannenschmidt von der edition azur sowie Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag.

Eine Skizze vom Verlag …

Wir sind ein Berliner Independent-Verlag und haben uns der Lyrik verschrieben.

Die Programmschwerpunkte?

Wir veröffentlichen ausnahmslos Texte, die eine eigene Relevanz und Dringlichkeit beanspruchen. Jenseits von Klischees wollen unsere Texte verändern und Bleibendes schaffen. Leser_innen und Autor_innen werden zu Verbündeten. In unseren Publikationen treten Illustrationen und Typografie als eigenständige Ausdrucksformen in einen Dialog mit dem Text. So entstehen einzigartige Gesamtkompositionen, Kostbarkeiten, die unsere Leidenschaft für Bücher widerspiegeln.

Unsere Bücher erscheinen in fünf Reihen:

  • »Edition Belletristik« – das Herz des Verlages schlägt für Lyrik der Gegenwart
  • »Edition ReVers « – verlorene, vergessene, verborgene Gedichte neu erkundet.
  • »Edition Polyphon« – die internationale Reihe für das globale Gedicht.
  • »Edition Poeticon« – die Essay-Reihe zur Theorie hinter der Lyrik.
  • »Edition Panopticon« – Graphic Novels und Illustrierte Bücher stehen hier im Vordergrund.

Bisher sind über 80 Bücher im Verlagshaus erschienen

Machen Sie alles alleine?

das Team  © Verlagshaus Frank

das Team © Verlagshaus Frank

Seit 2005 wird das Verlagshaus von Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller geführt: Überzeugungstätern, Literatur- und Illustrationsverrückten.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Die Entwicklung des Verlages war gar nicht unbedingt abzusehen, daher muss die Frage vermutlich so beantwortet werden: Zunächst war das Verlagshaus ein Zeitschriftenverlag, der ausschließlich die „Belletristik. Magazin für Literatur und Illustration“ veröffentlichte. Das Magazin blieb auch in den ersten Jahren des Verlages sein Rückgrat. Wir hatten gerade gelernt, wie ein Zeitschriftenverlag funktionieren kann, da haben wir Anfang 2010 den Verlag neu erfunden und zu einem Buchverlag weiterentwickelt. Das als Antwort auf struktureller Ebene. Aber der Reiz daran, einen Verlag zu führen, ist nicht in der Struktur zu finden. Ideen Öffentlichkeit zu geben, Poetiken, politische Ansätze und Gedanken, Diskurse mitzuprägen, Autor_innen über Jahre zu begleiten und gemeinsam an der Lyrik in all ihrer Vielfalt zu arbeiten – das ist der Reiz des Verlegens. Aber natürlich auch, für Leser_innen Zugänge zu Lyrik zu schaffen und diese Form der Literatur einem noch größeren Publikum zu öffnen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Engagement, oder vielmehr die Kraft, ziehen wir in allererster Linie aus der Literatur, die wir veröffentlichen – aus der Begeisterung für diese Universen auf kleinstem Raum, die Gedichte sind.

Die Zusammenarbeit mit unseren Autor_innen ist dazu immer wieder eine Quelle, aus der wir Kraft schöpfen können: Wir begreifen unseren Autor_innenstamm nicht nur als eine Versammlung von Solitären, sondern auch als eine Gruppe, die gemeinsam für etwas eintritt, für bestimmte Vorstellungen von Lyrik und bestimmten Zielen, die aus diesen Konzeptionen erwachsen. Glücklicherweise können wir auch sagen, dass das Engagement auf immer mehr Resonanz trifft – innerhalb der Literaturlandschaft, aber auch in Form von Buchverkäufen, hohen Zuhörer_innenzahlen bei unseren Veranstaltungen oder eine stetig wachsende Präsenz im Feuilleton.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ohne die Digitalisierung wäre unser Arbeiten undenkbar! Hier geht es einerseits um die Kommunikation innerhalb des Teams – in den ersten Jahren unserer Arbeit haben wir von unterschiedlichen Standorten aus zusammengearbeitet, von Besprechungen bis hin zum Setzen unserer Publikationen, da war der ganze Verlag auf digitale Strukturen angewiesen, um arbeitsfähig zu sein. Das hat sich in den letzten Jahren nur insofern geändert, als dass 90% unserer Kommunikation mit unseren Partner_innen und besonders unseren internationalen Autor_innen digital verläuft.

Eine ganz andere Ebene ist die der Digitalisierung unserer Inhalte. Und hier sehen wir die Digitalisierung als Chance! Allerdings sind die Formate gerade für einen Lyrikverlag bisher limitiert in ihren Möglichkeiten: Ein E-Book ist allein schon technisch gesehen nicht das richtige Format für die Lyrik, wenn man E-Books als digitale Abbilder von Büchern versteht. Dies führte bei uns zu einer einfachen Frage: Wenn wir uns bei der Buchproduktion hoher Qualität, distinguierbarem Design und künstlerischem Anspruch verschreiben – wie können wir die limitierten gestalterischen Möglichkeiten bei E-Books uns und unseren Leser_innen gegenüber rechtfertigen? Wir glauben, eine Lösung gefunden zu haben, aber hierzu verraten wir noch nichts!

Es ist zumindest nach unserer Überzeugung wichtig, den digitalen Raum auch für das Lesen von Lyrik zu öffnen – wir können den E-Book-Markt nicht der Genre-Literatur überlassen!

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Konkurrenz ist in unserem Bereich ein Begriff, mit dem wir relativ wenig anfangen können: Es gibt vielleicht drei oder vier andere Verlage, die vergleichsweise viel Lyrik verlegen, die begreifen wir aber nicht als Konkurrenten.

Das, was uns sicher gegenüber den anderen Verlagen auszeichnet, ist die Konzentration auf das Verlegen von Lyrik. Und diese Konzentration, diese Fokussierung, werden wir in Zukunft noch stärker in den Vordergrund rücken. Schon unser Slogan, poetisiert euch! ist auch als Positionierung zu verstehen – diesen konsequent in unserer Arbeit zu vertreten und durch unsere Publikationen zu verkörpern, das ist das, was uns auszeichnet.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Natürlich haben wir in der Anfangsphase Fehler gemacht, aber wir haben beständig dazu gelernt. Was wir rückblickend anders machen würden, wäre von Anfang an die Zusammenarbeit mit starken Partner_innen zu suchen – sowohl in der Presse-Arbeit, also auch im Vertrieb, in der Verlagsvertretung oder auch der Zusammenarbeit mit der richtigen Druckerei.

In diesem Jahr, in dem wir unser zehnjähriges Bestehen feiern, werden wir tatsächlich den Verlag noch einmal anders aufstellen. Solche Jubiläen bieten u. a. die Chance einer stärkeren Fokussierung auf Programmgestaltung und Verlagskommunikation.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Unsere Autorinnen und Autoren kommen über unterschiedliche Wege zu uns. Wenn wir jemanden wahrnehmen, der mit seiner oder ihrer Literatur gut in das Verlagshaus passen würde, sprechen wir ihn oder sie gezielt an. Für unsere internationale Reihe, die Edition Polyphon, besonders aber unsere Reihe, in der wir vergessene Dichter_innen oder bisher nicht ins Deutsche übertragene Texte von bekannteren Autor_innen veröffentlichen, in der Edition ReVers lassen wir uns auch Autor_innen empfehlen Die Internationalität wird für unseren Verlag immer wichtiger, und wir sehen in der internationalen Lyrikvermittlung – besonders von internationaler Lyrik in Deutschland – einen wichtigen Weg für unsere zukünftige Arbeit.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Unser Vertrieb ruht auf zwei Säulen: Eine wichtige Rolle spielt unser Direktvertrieb, also der Verkauf von Büchern über unsere Internetseite und bei unseren Lesungen bzw. denen unserer Autor_innen. Gerade unsere Internetseite ist besonders wichtig für uns, diese wird in diesem Jahr einem Relaunch unterzogen! Die zweite Säule ist die des „klassischen“ Buchvertriebs: Wir arbeiten mit Grossisten und der Gemeinsamen Verlagsauslieferung Göttingen zusammen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

das Logo  © Verlagshaus Frank

das Logo © Verlagshaus Frank

Wir arbeiten mit den Vertreterinnen von Indiebook zusammen, die uns im wahrsten Sinne des Wortes gegenüber dem Buchhandel vertreten. Mit ihrem Engagement für unsere Bücher sind sie ein ganz wichtiger Baustein für unsere gegenwärtige Position und auch für die Zukunft des Verlages. Für uns wird der Buchhandel immer wichtiger, im Buchhandel sehen wir auch weiterhin die Zukunft für den Verkauf von Lyrik. Es ist für uns schon ein großer Erfolg, dass unsere Bücher in über 120 Buchhandlungen zu finden sind. Wir haben dazu enge Verbindungen zu individuellen Buchhändler_innen, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie in der Auffassung ihrer Arbeit unserer Arbeit entsprechen – das sind ganz wunderbare Beziehungen, die so entstehen. Wir lernen auch viel von diesen Buchhändler_innen, die tatsächlich auch Spezialist_innen mit einem unheimlich reichem Erfahrungs- und vor allem Leseschatz sind.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir arbeiten nicht mehr direkt mit Amazon zusammen. Das hat einerseits ganz einfache wirtschaftliche Gründe: Beim so genannten „Partnerprogramm“ von Amazon mussten wir nicht nur 55% des Coverpreises eines jeden Buches Amazon lassen, sondern zusätzlich Versandkosten bezahlen, und am Schluss noch dafür, dass wir ihnen eine Rechnung stellten. So haben wir mit jedem Buch, das über Amazon verkauft wurde, einen Verlust gemacht. Das und dazu auch die Frage, mit welcher Art von Partner_innen wir unseren verlegerischen Weg beschreiten möchten, hat zu der Entscheidung geführt, nicht mehr mit Amazon zusammenzuarbeiten. Amazon ist jetzt für uns wie jede andere Buchhandlung: Sie beziehen unsere Bücher über die Grossisten. Auf Amazon ganz zu verzichten, wäre nicht im Sinne unserer Autor_innen, und das ist ein großes Problem dieser Quasi-Monopolstellung im digitalen Buchhandel: Gibt es das Buch nicht bei Amazon, gibt es das Buch nicht.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ganz wichtig für uns sind die Möglichkeiten sozialer Netzwerke – aber wir sehen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram nicht in erster Linie als Marketing-Tools, sondern als Möglichkeiten, über unsere Arbeit zu berichten und mit unseren Leser_innen in Kontakt zu treten sowie uns auch selbst zu informieren. Die konstante Markenführung mit hohem Wiedererkennungseffekt spielt hier auch eine große Rolle – von der Gestaltung unserer Präsenzen im Internet über unsere Werbemittel bis hin zu Messe-Auftritten oder unseren Büchern selbst. Wir stellen fest, dass unser Slogan, poetisiert euch, ein Leben jenseits des Verlages führt: Unsere poetisiert euch-Aufkleber werden mittlerweile überall auf der Welt geklebt. Unter dem Hashtag #poetisierteuch kann man das mitverfolgen. Natürlich ist auch die Zusammenarbeit mit unserer Presse-Agentur PR Kirchner sehr wichtig für unser Marketing. All diese Bausteine tragen dazu bei, die nötige Aufmerksamkeit auf den Verlag zu lenken. Presseartikel führen ja leider nicht direkt zu Buchverkäufen, aber sie informieren, sie sind wichtig für die Darstellung und Dokumentation unserer Arbeit. Lesungen könnte man ähnlich betrachten, obwohl sie in allererster Linie eine andere Funktion erfüllen – die der Verbreitung der Literatur, die in unserem Verlag erscheint.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind zahlende Mitglieder. Für den Buchhandel ist die Funktion sicher eine andere als für uns. Für Verlage ist die Notwendigkeit einer Mitgliedschaft nicht unbedingt nachzuvollziehen. Allerdings ist der Berliner Zweig für uns im Veranstaltungsbereich interessant: Sowohl beim Format „24 Stunden Buch“ und auch „Stadt, Land, Buch“ gab es bisher gute Zusammenarbeiten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir machen unsere Bücher für alle, die sich von Lyrik begeistern lassen können. Eine Zielgruppenanalyse lässt immer nur eine Betrachtung der Gegenwart zu – aber die Potentialanalyse ist für uns spannend: Es können neue Räume für die Lyrik eröffnet werden. Und daran arbeiten wir!

Lyrik erlebt gerade einen regelrechten Boom. Das ist das Ergebnis der Arbeit vieler unabhängiger Verlage, von Veranstaltungsreihen, Festivals, Netzwerken, Autor_innen – der Leser_innenkreis wächst, und wir mit ihm!

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Die Chancen für einen Verlag entstehen zwangsläufig aus der Programmgestaltung. An dieser arbeiten wir täglich und freuen uns schon riesig auf die nächsten Jahre Literatur aus dem Verlagshaus!

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das Risiko für einen Lyrikverlag ist immer dasselbe: dass niemand unsere Bücher liest.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Wir schätzen die Möglichkeit der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit in der Programmgestaltung.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Es einfach zu tun – zu wissen, welche Art von Literatur man verlegen möchte und im besten Fall, warum. Keine Angst zu haben, das Scheitern in Kauf zu nehmen und mutige Entscheidungen zu treffen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Mit hochroth verbindet uns eine besondere Verlagsfreundschaft und wir schätzen den Einsatz, verlegerisches Handeln neu zu denken.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Das Verlagshaus J. Frank im Netz:

poetisiert-euch.de Website (Neue Website + Neue URL im Laufe des Jahres)

www.facebook.com/verlagshaus

https://twitter.com/_Verlagshaus

instagram.com/verlagshaus (Hashtag #poetisierteuch)

http://issuu.com/verlagshaus (Leseproben unserer Publikationen)

 

„Wir setzen eher auf Konstanz als auf kostspielige Knalleffekte.“ – SteglitzMind stellt Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute stehen Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kassnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Den [SIC] – Literaturverlag gibt es seit 2010; er ist hervorgegangen aus der Literaturzeitschrift [SIC], die 2005 das erste Mal erschien und die bislang in fünf Ausgaben vorliegt. Gegründet haben Zeitschrift und Verlag die beiden Autoren Daniel Ketteler und Christoph Wenzel. Der Verlagssitz ist in Aachen, eine kleine Zweigstelle gibt es in Berlin.

Die Programmschwerpunkte?

Daniel Ketteler © Hans Präfke

Daniel Ketteler © Hans Präfke

Unser Motto: Wir legen Risikokapital langfristig in gute Literatur an. Der [SIC] – Literaturverlag präsentiert sich in zwei Reihen mit jeweils einheitlichem, anspruchsvollem Buchdesign: Die Reihe „Fettecke“ bietet Raum für einen erweiterten Literaturbegriff, für auch experimentell-provokative Arbeiten. Die „Edition [SIC]“ als zweiter Reihenarm ist der Ort leiserer Literaturen: Schnell Übersehenes erhält hier eine verdiente Bühne – sozusagen die Singer-Songwriter-Ecke von [SIC]. Ergänzt wird das Programm durch das Magazin [SIC] – Zeitschrift für Literatur, ein Medium mit Mut zu qualitativer Vielfalt, ein Forum und Spielraum für insbesondere auch jüngere Autorinnen und Autoren.

Machen Sie beide alles alleine?

Unser Team besteht aus den beiden Verlegern Ketteler und Wenzel, unserem Buchgestalter Felix Beckheuer, der Zeitschriftengestalterin Viola Binacchi sowie einem Netzwerk aus z.T. auch wechselnden Redakteur_innen, Gastmitherausgeber_innen und aus Begeisterung im Hintergrund mithelfenden Überzeugungstäter_innen.

Wohin geht die Reise?

Wir arbeiten im Vergleich wohl recht langsam, d.h. ein Buch ist fertig, wenn alle Beteiligten soweit sind und auch die Finanzierung abgesichert ist. Zuletzt erschien bei uns in Kooperation mit der parasitenpresse die Lyrikanthologie Westfalen, sonst nichts? Derzeit arbeiten wir u.a. an einer zweisprachigen Anthologie, die die junge niederländischsprachige (d.h. flämische und niederländische) Lyrik vorstellt.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Christoph Wenzel © Sonja Wenzel

Christoph Wenzel © Sonja Wenzel

Wie sonst kann man Literatur, die man selbst veröffentlicht sehen will, die aber woanders keine oder kaum eine Chance hat, ans Licht der Welt hieven?

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Wir sind ja mit Zeitschrift und Verlag nicht im analogen Zeitalter gestartet, so dass wir schon von Beginn an von den Vorzügen der Digitalisierung profitieren – das sind vor allem die neuen, schnellen Möglichkeiten zur Vernetzung und Sichtbarmachung, sowie auch die digitalen Druckverfahren. Manches drucken wir zum Teil und bewusst aber auch ganz klassisch Offset.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sehen insbesondere bei den Independents keine Konkurrenz, sondern vielmehr Gleichgesinnte. Mit den großen und mittleren Verlagshäusern konkurrieren wir ohnehin nicht, darum geht es uns nicht.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

sic_zeitschrift fuer literaturWeniger zaudern, mehr machen!

Wie gewinnen Sie Autoren?

Es gibt ohnehin derzeit mehr gute Autorinnen und Autoren als es ihnen angemessene Möglichkeiten zur Publikation gibt.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Unser Vertrieb ist in der Hauptsache Selbstvertrieb. Wir kooperieren mit den Barsortimentern libri und KNV; so sind unsere Titel über jede Buchhandlung kurzfristig lieferbar. Den größten Teil wickeln wir aber über Bestellungen via unsere Homepage ab und versenden selbst.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Wir haben aus guten Gründen keinen direkten Vertrag mit Amazon geschlossen, aber über die genannten Barsortimenter sind unsere Bücher auch dort bestellbar. Kostengünstiger, da portfrei, ist für den Leser aber die Direktbestellung über unsere Verlagshomepage.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir machen alles selbst, verschicken Rezensionsexemplare und machen bei Veröffentlichungen und Veranstaltungen vor allem durch das Internet, Facebook und Blogs auf uns aufmerksam. Wir setzen hier eher auf Konstanz als auf kostspielige Knalleffekte.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

sic_cover_unterwegs seinEine gute Sache. Aber wir fühlen uns noch zu klein für die Börse ;)

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir verfolgen keinen Masterplan. Ziel ist, das zu machen, was uns interessiert. Der Verlag ist eine Spielwiese und soll uns selbst Spaß machen. Ergibt sich ein Bestseller, sagen wir sicher nicht nein.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Eine Chance besteht darin, dass wir finanziell kein wesentliches Risiko eingehen, allein das macht unabhängig.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Keine Risiken. Solange die Demokratie hält.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

sic_cover_flugschauEine möglichst breite und vielfältige Szene von Literaturzeitschriften und anspruchsvollen Independents ist die Voraussetzung dafür, dass auch vordergründig nicht marktgängige Titel, insbesondere zeitgenössische Lyrik, weiterhin publiziert und in der gegenwärtigen Literaturlandschaft sichtbar werden und bleiben. Genau dafür sind längst die Independents ein Garant.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Ob wir die richtigen sind, Ratschläge zu geben? Was man bei einer Verlagsgründung raten kann, hängt ja vor allem auch davon ab, mit welcher Motivation und welchen Zielen jemand einen Verlag gründen will. Der Ratschlag könnte also lauten, sich bei einer Verlagsgründung genau darüber sehr bewusst zu sein. Man sollte aber auch nicht alles zergrübeln. Zudem sollte man wohl acht geben, dass man sich nicht vollkommen ruiniert – finanziell sowie kräftemäßig.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Verlagshaus J. Frank, Lilienfeld VerlagEdition Korrespondenzen, Kleinheinrich und Lyrikedition 2000.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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Der [SIC]-Literaturverlag im Netz:

Die Homepage: http://www.siconline.de

Bei Facebook: https://www.facebook.com/siconline.de

 

„Insgesamt ist mir auch der Buchmarkt zu unübersichtlich geworden.“ – SteglitzMind stellt Matthias Mehner von der Buchhandlung “Buchfinger“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte beleuchtet seit Juli 2013 die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor”, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Heute lernen wir Matthias Mehner von der Berliner Buchhandlung „Buchfinger“ etwas näher kennen. – Wie es zur Gründung der Buchhandlung im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick kam, darüber hat der “Freitag” im April 2004 berichtet.

Eine Skizze vom Laden …

Matthias Mehner © Mario Zschocke

Matthias Mehner © Mario Zschocke

Seit mehr als 50 Jahren befindet sich an der Plesser- /Ecke Kiefholzstraße ein Buchladen. Seine Eröffnung fiel zeitnah mit der renommierten Einrichtung auf der damaligen Stalinallee, nämlich der Karl-Marx-Buchhandlung, zusammen. Genau wie die Verkaufsräume im heutigen Berlin-Mitte wurde auch das Interieur in Treptow vom Ladenbau Zwickau gestaltet und behielt bis heute sein unverwechselbare Aussehen, das durch seine funktionale Raumgestaltung, Material und Farbe beeindruckt. Bis zum Mauerfall wurde der Laden vom Volksbuchhandel betrieben, danach – bis Ende der 1990er Jahre – trug die Buchhandlung den Namen des damaligen Inhabers Michael Herbst. Ab 2003 führt Matthias Mehner, ein ehemaliger Mitarbeiter der bereits erwähnten Karl-Marx-Buchhandlung, das Geschäft in alleiniger Regie mit dem extravaganten Beititel „Buchfinger“ weiter – eine Hommage an den bis zu seinem Tod im Kiez lebenden Grafiker und Cartoonisten Manfred Bofinger (1941 – 2006). Die seit zwei Jahren geplante Übergabe an einen neuen Betreiber scheiterte zuletzt, sodass dieser demnächst an einem anderen Ort im Alt-Treptower Kiez eine neue Buchhandlung eröffnen wird.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Nein, rückblickend betrachtet war es ein Fehler seinerzeit den Schritt vom Angestellten in die Selbständigkeit gemacht zu haben. Da habe ich mich eher von Kunden treiben lassen, die auf “ihre“ geliebte Buchhandlung nicht verzichten wollten, in eine Rolle begeben, die ich nie ausfüllen konnte. Seit mehr als zehn Jahren war kein Urlaub mehr drin. Ich stehe im Laden von Montag bis Samstag. Und stehe ich dann am Bankschalter und vor mir zahlt der vietnamesische Blumenhändler seine Einnahmen ein, dann frage ich mich, für was ich mir das eigentlich alles antue.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Eigentlich nicht viel. Die meisten Kunden kommen seit jeher mit konkreten Bestellwünschen in den Laden, die ich zumeist bis zum nächsten Tag über den Schnelldienst erfüllen kann. Umsatzrückgänge oder -einbrüche konnte ich so nicht verzeichnen, aber auch keinen Zugewinn. In den letzten Jahren hat sich die Anwohnerstruktur verändert, das merkt man natürlich im Laden. Da sind viele junge Leute hierher gezogen, die eine ganz andere Erwartungshaltung haben, Autoren nachfragen, von denen ich noch nie gehört habe. Insgesamt ist mir auch der Buchmarkt zu unübersichtlich geworden.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Ich persönlich nichts. In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche von Kunden, eine Internetpräsenz aufzubauen aber das verlief sich dann stets, weil man die ja auch betreuen muss und dafür fehlt mir die Bereitschaft und das Verständnis. Aktuell gibt es eine Seite unter dem Namen “Buchhandlung Treptow“ die nicht identisch mit dem “Buchfinger“ ist, obwohl sie auf das Ladengeschäft in der Plesser Straße verweist. Alle dort vorgestellten Bücher können natürlich über den Schnelldienst, soweit vorrätig, geordert werden.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Zuvorderst im Steigen der Ladenmiete, wenn das passiert, dann müsste ich sofort aufhören. Natürlich auch in der Konkurrenz von Online-Händlern aber auch durch andere Buchhandlungen. Viele von den neuen Anwohnern ziehen wohl “modernere“ Buchhandlungen in Kreuzberg und Neukölln der meinigen vor, oder sie lesen E-Books.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Ich persönlich habe keins, ich bin kein Technikmensch. Vom Hörensagen bekomme ich aber schon mit, dass das wohl ein Thema ist. Mein Vertrieb KNV meint aber, dass sich die nächsten zwei Jahre der stationäre Buchhandel darüber keine Gedanken machen braucht. Und wer weiß, ob ich in zwei Jahren noch am “Buchfingern“ bin.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Ja, aber ob das meine Kunden annehmen würden…?

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Mit Freundlichkeit. Ich habe das Glück, dass hier über Jahrzehnte ein fester, verschworener Kundenstamm gewachsen ist, der trotz aller Verlockungen dem Laden treu blieb. Für Besonderes ist hier kein Platz, ich sehe das Geschäft eher als Bestellportal für die Anwohner. Viele meiner festen Kunden, und auch das Gros von Gelegenheitskäufern, wissen ja sehr genau, was sie wollen. Darüber hinaus bediene ich mit dem KNV – Warenabo auch die Nachfrage nach aktuellen Verkaufsschlagern. Ein ständig durch Schenkungen von Kunden aufgefrischter antiquarischer Bereich bietet Lesbares für kleines Geld. Der “Buchfinger“ ist eine Kiezbuchhandlung und bietet nicht nur Bücherfreunden einen Platz, sondern auch Plaudertaschen zu einem kleinen Schwatz. Bedingt durch die Nähe zur Bekenntniskirche bietet der Verkaufsraum in den Wintermonaten auch sozial Schwachen und Ausgegrenzten einen Haltepunkt, um im Warmen zu verschnaufen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

Weniger ist manchmal mehr. Eine strengere Qualitätskontrolle und an die Adresse der (West-)Verlage, die sich mit Veröffentlichung zum Thema tragen, die Bitte, sich weniger einseitig mit unserer DDR-Geschichte auseinanderzusetzen.

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Mehr Öffentlichkeit erzeugen für die Situation der kleinen Buchhandlungen.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Mit Szenen hatte ich nie etwas zu tun.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Damit die Ladenkultur nicht ausstirbt.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Da fällt mir leider keine ein, weil es mir aus zeitlichen Gründen unmöglich ist, Kollegen über die Schulter zu schauen.

Danke sehr. Wünschen wir uns, dass der „Buchfinger“ unter Ihrer Regie in der Plesser Straße 1 noch lange existiert.

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Eine Übersicht über die Empfehlungen, die im Rahmen der Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen seit Juli 2013 zusammengekommen sind, findet sich hier

Was sich die befragten Buchhändler/innen von Verlagen wünschen, das kann man hier nachlesen

Wie sie zum Börsenverein des deutschen Buchhandels stehen, darum geht es in diesem Summary zur Gesprächsreihe

Wer wissen will, wie sich Buchhändler/innen heute positionieren, wird hier fündig

Einige Antworten der intervieweten Buchhändler/innen auf die Frage, warum Kunden in Buchhandlungen gehen sollten, gibt es hier

Und dieses Summary zur Gesprächsreihe mit Sortimenter geht der Frage nach: Einmal Buchhändler. Immer Buchhändler?

„Auf ein neues Buch fällt man immer wieder neu rein.“ – SteglitzMind stellt Roman Pliske vom Mitteldeutscher Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr über Roman Pliske, der den Mitteldeutscher Verlag verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag.

Eine Skizze vom Verlag …

das Team © Mitteldeutscher Verlag

das Team © Mitteldeutscher Verlag

Geboren 1946 in Halle (Saale), Wiedergeburt 1997. Heute stemmen 12 feste und 4 freie Mitarbeiter die Programmsäulen Kunst, Reise, Literatur und Sachbuch. In der Backlist 500 Titel, jährlich 80 Neuerscheinungen, analog und Textausgaben auch stets digital.

Die Highlights im Bücherjahr?

2015 feiern wir mit dem Fotografen Sven Marquardt die Nacht, unsere Reihe LOST PLACES spürt vergangener Architekturpracht nach und eine Biografie von Wolfgang Schnur zeigt ein zerrissenes Leben in der DDR-Diktatur.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Weil man selten im Arbeitsleben ein Projekt von der Zeugung (im Gespräch), der Geburt mit allen Wehen (Manuskriptabgabe), ersten Laufversuchen bis Rauswachsen begleiten kann. Die komplette Betreuung einer Idee bis zum Buch ist ein unglaublicher Spaß.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Auf ein neues Buch fällt man immer wieder neu rein. Alle Enttäuschung ist vergessen, alle Zweifel weggeräumt, man sieht nur Chancen und dass man weitermachen muss!

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

mitteldeutscher_cover_wild verschossenDigitale Versionen erstellen wir parallel, kein Problem. Zusatzerlöse stehen kleinere Auflagen gegenüber. Analoge Bücher werden noch schöner, die Typografie noch ausgefeilter, die kleinen Schmankerl der Buchgestaltung wichtiger.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sind stark in unserer Region, auch mit Themen von hier. Wir sind meistens vorsichtig, dann und wann aber wieder mutig. Wir arbeiten mit festen Mitarbeitern, das spart Zeit und festigt Qualität. Wir sind zuverlässig und unser Wort gilt. Gute Arbeit spricht sich herum, da unterscheidet sich unsre Branche nicht von anderen. Konkurrenz? Wir haben großartige Kollegen, mit denen wir in Stiftungen und Arbeitsgruppen für gute Bücher und Verlage arbeiten. Da hat jeder seinen Platz.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde auf keinen Fehler verzichten wollen.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Meistens durch Empfehlung und Ansprache. Selten über den Briefkasten.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Klassisch: Zwei Powerfrauen im Verlag, vier Vertreter im Land, viel Telefon, Lächeln und gezielte Ansprache, die keine Zeitverschwendung für beide Seiten ist.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

????????????????????????Man muss halt Bücher anbieten, die sie verkaufen können. Ein Perspektivwechsel ist manchmal ganz hilfreich ;-)

Wie halten Sie es mit Amazon?

Für die Backlist unverzichtbar.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Noch zu wenig, kann aber auch überschätzt werden.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Dabei.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Die Zielgruppen sind völlig unterschiedlich, wir überlegen abteilungsübergreifend oft, wen wir wie ansprechen wollen. Insgesamt machen wir Bücher, die nicht unnötig sein sollten.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In der Zuverlässigkeit, in der Liebe zum Buch und in der Professionalität.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

?????????????????Dass gute Ideen schnell kopiert werden …

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Das ehrliche Wort, die brennende Leidenschaft.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sei nicht zu optimistisch.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Alle Kollegen aus der Kurt-Wolff-Stiftung und der Regionalbuch AG. Peter Gerlach und Moritz Götze vom Hasen-Verlag würde ich hier gerne lesen.

Danke vielmals für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Mitteldeutsche Verlag im Netz:

Die Homepage: www.mitteldeutscherverlag.de

Morio-Verlag, ein Imprint: www.morio-verlag.de

 

„Comics von einem Fan für die Fans.“ SteglitzMind stellt Eckart Schott von Salleck Publications vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Die Antworten kommen heute von Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Andreas Mergenthaler von Cross Cult.

Eine Skizze vom Verlag …

Eckart Schott © privat

Eckart Schott © privat

Im Jahr 1990 habe ich meinen Verlag als Comic-Fan gegründet. Das erste Projekt ging mächtig in die Hose, das zweite war Der alte Blaue von Francois Walthéry und Raoul Cauvin, ein lustiger Comic über Brieftaubenzüchter. Der erste größere Erfolg war Das Blaue Tagebuch von André Juillard.

Ich arbeite nur mit freien Mitarbeitern. Programmschwerpunkte sind klassische Comics, aber auch Kindercomics wie Yakari und Technik-Comics wie Margots Reportagen (Oldtimer) oder Buck Danny und Der Große Uhu (Fliegerei). Also ein vielseitiges Programm, zu dem ich stehen kann.

Ihre persönlichen Highlights im Bücherjahr?

Mein Highlight für 2015 wird der zweite Band von Waldi Wichtig und die Naseweise: Die Schmetterlingsjagd und der Abschlussband des ersten Zyklus von Esteban.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Vom Comic-Leser zum Comic-Sammler zum Comic-Verleger war es eigentlich ein konsequenter Weg. Der Comic-Leser bekam als Kind keine Serie voll, der Comic-Sammler hätte gern einige französische Comics auf Deutsch gehabt und hat diese dann verlegt.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Das Motto „Comics von einem Fan für die Fans“ gilt eigentlich immer noch nach 25 Jahren. Großen Wert habe ich auch immer auf die persönlichen Kontakte zu „meinen“ Zeichnern gelegt, und viele von ihnen auch nach Deutschland geholt.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Die Arbeit wurde einfacher, was Übersetzen, Korrigieren und Drucken angeht.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich bin im Jahr auf ca. 15 Messen, Comic-Börsen und Oldtimer-Messen präsent und freue mich über den direkten Kundenkontakt. Und habe oft auch Comic-Zeichner dabei.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich habe mich holterdiepolter ziemlich blauäugig und naiv in das Abenteuer gestürzt. Aber damals war ich eben auch noch 25 Jahre jünger …

Wie gewinnen Sie Autoren?

Am Anfang bin ich auf Comic-Festivals in Frankreich und Belgien gefahren, habe die Künstler angesprochen. Diese zum Teil Freundschaften bestehen seit 25 Jahren. Einige Zeichner sind inzwischen leider auch verstorben. Ich bin auch in der Szene, auch im Ausland bekannt, auch dafür, dass wir – ich und mein Team – uns große Mühe geben, mit allem, was wir tun. Übersetzung, Extras, Einladungen auf Veranstaltungen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Privatkunden beliefere ich selbst, alles andere läuft über meine Auslieferung PPM Peter Poluda Medienvertrieb.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Ich selbst wenig. Das ist Aufgabe meines Vertriebs. Dazu fehlt mir die Zeit.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Amazon ist sicher eine Chance für Verlage, solange die Buchpreisbindung in Deutschland Bestand hat. Wenn diese fällt, wäre Amazon als Marktführer eine Gefahr für viele Buchhändler.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Ich schalte relativ viel Werbung in Comic-Magazinen und bin auch viel unterwegs auf Messen usw.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Er ist wichtig. Wichtig, dass die Buchpreisbindung nicht fällt.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Für Comic-Sammler, für Kinder, für Oldtimer- und Flugzeugfans, für anspruchsvolle Leser. Also sehr vielseitig.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

In meiner Vielseitigkeit und in meinem Engagement.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Dass ich zu viele Titel aus dem Bauch heraus mache, die dann eventuell nicht gut genug laufen.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kenne sie nicht gut genug. Aber ich denke, sie ist die Chance für junge Talente, einen Verlag zu finden, sozusagen einen Einstieg ins Leben eines Comic-Schaffenden.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Sich das gut zu überlegen. Und vielleicht auf regionale Themen zu setzen. Siehe Karl, der Spätlesereiter, oder aktueller die Comic-Serie um Karl den Großen, die in Aachen verlegt wird.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich kenne die kleinen Verlage zu wenig. Aber als nächsten Interview-Partner empfehle ich Mark O. Fischer von Epsilon.

Danke sehr für diesen Einblick!

BTW: Am Sonntag, den 26. April findet in Berlin im Ellington Hotel (Nürnberger Straße 50-55, Ecke Augsburger) zwischen 10 und 16 Uhr die Berliner Comicmesse statt. Neben vielen anderen ist Eckart Schott von Salleck Publications dabei.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Salleck Publications im Netz:

Die Homepage: www.salleckpublications.de

„Die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.“ SteglitzMind stellt Günter Vallaster von der edition ch vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute steht Günter Vallaster von der edition ch Rede und Antwort. Vorgeschlagen hatte das Adrian Kasnitz von der parasitenpresse.

Eine Skizze vom Verlag …

Günter Vallaster © edition ch

Günter Vallaster © edition ch

Die edition ch wurde 1990 in Wien von der Autorin Christine Huber als AutorInnenedition für visuelle Poesie und Lyrik gegründet. Der Verlagsname leitet sich somit von den Initialen ihres Namens ab. Christine Huber gab die Edition an Franz Obel weiter, dieser an Lisa Spalt, schließlich landete sie 2004 bei mir. Die edition ch wurde somit zu einer Wanderedition, die es auf diese Weise auf ein mittlerweile 25-jähriges Bestehen gebracht hat, und nach wie vor besteht sie nur aus der Herausgeberin oder dem Herausgeber, weitere MitarbeiterInnen gibt es nicht. Bei Einzeltiteln können sich die jeweiligen AutorInnen in unterschiedlichem Umfang auch als MitarbeiterInnen einbringen, indem sie Satz, Layout und Cover ihres Buches auch selbst gestalten. Bei den Anthologien der Reihe “Raum für Notizen” layoute ich.

Die Programmschwerpunkte?

Und nach wie vor widmet sich die Edition der sprachreflexiven Literatur im transmedialen Spannungsfeld von Text, Bild und Klang, dann und wann kann auch mal Prosa erscheinen. Jedes ch-Buch ist ein Highlight, zuletzt erschienen die Anthologie “Räume für Notizen” mit visuell-poetischen und essayistischen Beiträgen aus aller Welt, “Herzbau” von Andrea Zámbori mit wunderbaren, hochpräzisen Zeichnungen, soeben aus der Druckerei gekommen ist “Und wieder vergisst der Tag dann die Nacht”, der neunte Band des autobiografischen und biografiereflektierenden Verwicklungsromans von Ilse Kilic und Fritz Widhalm aka “Das fröhliche Wohnzimmer”, in den Startlöchern steht gerade “für die fisch” von jopa jotakin, “frische fischlyrik ohne hand und fuß, aber mit schuppen und flossen”, wie er selbst zu seinem Band meint, mit Zeichnungen von Andrea Knabl und Kala Haisee.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Musste es gar nicht. Wenn mich Lisa Spalt damals nicht gefragt hätte, wäre ich möglicherweise nie editionärisch tätig geworden – wenn mich dieser Bereich grundsätzlich immer auch interessiert hat, zum Beispiel hatte ich vor längerer Zeit mal ein Praktikum in einem Verlag gemacht.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

© Andrea Zámbori

© Andrea Zámbori

Ich verstehe mich vor allem selbst als Autor und habe auch ein wissenschaftliches Interesse an Sprache und Literatur. Dies prägt auch meine herausgeberische Tätigkeit, bei der sich drei Linien festmachen lassen: Zunächst einmal die Anthologien der Reihe “Raum für Notizen“, die keine bloßen Text-Bild-Sammlungen darstellen, sondern immer von konzeptuellen Überlegungen getragen sind. So habe ich beispielsweise mal Autorinnen und Autoren dazu eingeladen, einen Buchstaben nach Wahl visuell-poetisch umzusetzen (“Ein Alphabet der visuellen Poesie”, 2010) oder die Form des Paragramms auszuloten (“Paragramme – Ein Sammelband”, 2011) oder gemeinsam mit Jörg Piringer eine Zusammenstellung visueller und digitaler Poesie aus mehreren Ländern rund um den Globus herausgegeben (“A Global Visuage”, 2012). Eine weitere Linie repräsentiert der biennal erscheinende Verwicklungsroman von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, von dem bei meiner Vorgängerin Lisa Spalt schon die ersten drei Bände erschienen waren.

Schließlich gibt es auch die Einzelpublikationen, die in der edition ch auch möglich sind, wobei Einzeltitel an und für sich in größeren Verlagen besser aufgehoben sind. Als Autor kann ich nicht in dem erforderlichen Umfang andere Autorinnen und Autoren betreuen, aber zumindest mal eine erste Publikation mit Präsentationen ermöglichen. Der Grund, weshalb ich die edition ch übernommen hatte, war also die Möglichkeit, Projekte zu realisieren und ihnen eine Öffentlichkeit zu geben. Ich verstehe die Edition vor allem als Plattform für Texte und Bilder, die neue Wege wagen und daher auf dem konventionellen Markt oft schwerer auf Akzeptanz stoßen. Auch der interkulturelle Austausch war stets eine große Motivation: Die Reihe “Raum für Notizen” startete 2006 mit “Grenzüberschneidungen. Peresečenija granic. Poesie Visuell Interkulturell”, worin herausgegeben von Juliana V. Kaminskaja und mir russische und deutschsprachige visuelle Poesie u.a. von Dmitrij Avaliani, Alexandr Gornon, Boris Konstriktor, Lenore Llinza, Brigitta Falkner, elffriede.aufzeichnensysteme, Heinz Gappmayr, Werner Herbst, Christine Huber, Erika Kronabitter, Gerhard Rühm und Liesl Ujvary versammelt wurde.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

© jopa jatakin

© jopa jotakin

Ich sitze inzwischen tatsächlich öfter am Computer als über Büchern und nutze das Internet, um die edition ch zu präsentieren, indem ich das Blog mit möglichst vielen Informationen ausstatte. Dazu gehören auch einige pdf-Files mit Leseproben, also Ansätze zum E-Book sind schon vorhanden.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Ich kenne keine Konkurrenz, ich bin für Vielfalt. Meinetwegen soll es in der Literatur alles Mögliche geben und die edition ch gibt es, damit es Bestimmtes eben auch gibt.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Als ich anfing, hatte ich keine Wohnungseinrichtung, aber eine Edition und fünf Projekte. Um editionärisch tätig zu sein, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Indem ich sie zu meinen Anthologieprojekten einlade. Bei Einzeltiteln muss eine ästhetische Wellenlänge mit mir als Autor gegeben sein.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Eigenauslieferung.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Für ein Fußfassen im Buchhandel sind die Mittel und Auflagenhöhen zu gering. Es gibt aber schon Nischenbuchhandlungen, die immer wieder mal an Publikationen der Edition interessiert sind und bestellbar sind die Bücher grundsätzlich ja immer und von jeder Buchhandlung.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Auf der Amazon-Homepage war ich schon lange nicht mehr. Ich empfehle, die Bücher im Buchhandel oder direkt bei der Edition zu bestellen. Das geht auch viel schneller als über Amazon.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

© Ilse Kilic / Fritz Widhalm

Veranstaltungen (Lesungen, Ausstellungen, Performances), Rezensionen, Workshops und so weiter – also verschiedene Formen der öffentlichen Präsentation, selbst organisiert, mitorganisiert oder indem ich anbiete. Sehr schön war zuletzt beispielweise die mit der Reihe “Raum für Notizen” zusammenhängende Ausstellung “räume für notizen | rooms for notes” in der Wiener Galerie wechselstrom von Renate Pittroff und Christoph Theiler, bei der 77 AutorInnen und bildende KünstlerInnen ausgestellt haben, über 90 Exponate waren es, und einige internationale Gäste zusammen mit VertreterInnen aus Österreich mit Lesung, Vortrag und Performance in der Alten Schmiede und in der Galerie aufgetreten sind. Das ist Vernetzung, wie ich sie mir vorstelle.

Wie halten Sie es mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels?

Die edition ch ist zu klein für den Hauptverband.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Mir geht es eigentlich nicht um Marktnischen, sondern mehr um so etwas wie Kulturauftrag.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Für diese Gesprächsreihe vorschlagen möchte ich “Das fröhliche Wohnzimmer” von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, das schon seit 30 Jahren editionärisch und als Rundum-Kunst-Projekt in Wien sehr aktiv ist. Beide sind auch seit langem schriftstellerisch und eigentlich in allen Kunstformen tätig, Ilse Kilic ist derzeit auch Generalsekretärin der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, des größten AutorInnenverbandes in Österreich. Und aus dem digitalen und Hybrid-Buchbereich TRAUMAWIEN und die edition taberna kritika. – Eine der Verantwortlichen der edition, nämlich Hartmut Abendschein, Betreiber des literarischen Weblogs taberna kritika und Mitbegründer von litblogs.net, kam hier meines Wissens bereits in einem anderen Zusammenhang zu Wort. Und nicht vergessen, die edition keiper, u.a. mit einem feinen, von Helwig Brunner betreuten Lyrikprogramm und den Klever Verlag von Ralph Klever, der sich sehr um die avancierte Literatur kümmert. U.a. erlesene visuelle Poesie und Anthologien zu Fragestellungen der Zeit in bibliophilen Ausgaben verlegt Batya Horn in ihrer Edition Splitter, Kerstin Lichtblau startete mit dem lichtblau verlag ein spannendes Label für Bild, Sound und Poesie. In der edition art science, u.a. mit der engagierten, von Erika Kronabitter herausgegebenen Reihe “Lyrik der Gegenwart”, ist zuletzt mit “hab den der die das” eine umfangreiche Würdigung von Friederike Mayröcker erschienen, mit Beiträgen von 165 DichterInnen

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

das Logo © edition ch

das Logo © edition ch

Die edition ch im Netz:

Die Homepage/das Blog: http://editionch.at/

Und bei Facebook: https://www.facebook.com/pages/Edition-ch/583087415150799?fref=ts

„Dass man dann und wann mit Verkaufshits belohnt wird, ist das berühmte Sahnehäubchen.“ – SteglitzMind stellt Andreas Mergenthaler von Cross Cult vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir etwas mehr von über Andreas Mergenthaler von Cross Cult. Vorgeschlagen hatte das Michael Preissl von Voodoo Press.

Eine Skizze vom Verlag …

Andreas Mergenthaler © Cross Cult

Andreas Mergenthaler © Cross Cult

Cross Cult ist die Verlagssparte des Grafik-Studios Amigo Grafik, das ich zusammen mit meinem alten Schulfreund Hardy Hellstern gegründet habe. Da wir damals viel für den Dino-Verlag (später übernommen von Panini) gearbeitet haben, lag es nahe, auch selbst mal etwas mit Comics zu versuchen. Also haben wir 2001 unseren ersten Comicband veröffentlicht: Hellboy. Nachdem das vor allem wegen des kurz danach startenden ersten Hellboy Kinofilms ganz gut funktioniert hat, haben wir unser Programm nach und nach ausgebaut. Sin City war der erste große finanzielle Erfolg. 2007 kamen schließlich noch Romane hinzu und ab und zu auch Sachbücher und Artbooks. Die meisten Titel mit Bezug zu Kino- und TV-Themen oder Games. Um die Romane und Sachbücher kümmert sich Markus Rohde – unser externer Cheflektor. Die Comics und die Pressearbeit machen wir größtenteils „in-house“.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Irgendwann war die reine Layoutarbeit zu anstrengend. Allerdings sind wir damals ohne große Erwartungen an die Sache rangegangen. Rückblickend war auch viel Glück dabei, dass es mit Cross Cult so gut funktioniert hat. Jetzt arbeiten ich und fünf bis sechs interne Mitarbeiter Vollzeit an unseren Verlagstiteln – plus viele Freelancer.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Es macht einfach Spaß, dass die Verlagsarbeit so vielfältig ist und dass man dann und wann mit Verkaufshits belohnt wird, ist das berühmte Sahnehäubchen. Ich selbst kümmere mich um die Auswahl der Comictitel, um manche der Lizenzdeals, die Arbeit mit Coverillustratoren und Comiczeichnern, habe einen Blick auf Marketing und Vertriebsarbeit, ich layoute die Umschläge, die redaktionellen Seiten der Comics und die Anzeigen, Kataloge und andere Werbemittel. Und zig andere Kleinigkeiten … Zudem macht es großen Spaß, mit Themen zu arbeiten, die man schon als Kind oder Jugendlicher geliebt hat: Die Peanuts, Star Trek, James Bond uvm.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Ich kenne es eigentlich nur so. Zum Glück ist ja mittlerweile auch das Fax so gut wie ausgestorben.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Bei Verlagsgründung hatten wir den Ansatz, es anders wie andere machen zu wollen, und deshalb haben wir unseren ersten Comic ganz untypisch von Farbe auf Schwarzweiß „umgebaut“ und auch noch mit Hardcover und kleinerem Format buchhandelstauglich gemacht. Das hat sich dann spätestens bei Sin City ausgezahlt, denn unser Format hat ideal dazu gepasst: Keine schlapprigen, dünnen Softcover, sondern dicke, stabile, wertige Hardcover. Dafür etwas teurer als üblich. Das kam bei Fans und dem Handel gut an. So wurde unser Format sogar für die US-Ausgabe von Sin City genommen. Mittlerweile hat sich dieses „Alleinstellungsmerkmal“ etwas aufgeweicht, weil wir auch Kiosktitel im Angebot haben, die eben Softcover und einen günstigen Preis brauchen. Und bei den Romanen verkaufen sich die Taschenbücher nun mal auch besser als edle Hardcover. Bei den meisten Comics sind wir unserem Hardcoverformat mit Lederimitatfolienkaschierung aber treu geblieben.

Zudem ist unsere Spezialität Comics, Romane oder Artbooks zu Filmen und TV-Serien zu veröffentlichen. Manchmal, wie im Fall von Planet der Affen, auch alles zugleich. Die deshalb möglichen Kooperationen mit Medienpartnern (Filmverleihern, Game-Publishern, TV-Sendern, Zeitschriftenredaktionen etc.) erleichtern die Vermarktung der Titel ungemein. Da es bei aktuellen Kinofilmen meist um schnelles Handeln geht, ist dies auch ein Vorteil für uns. Größere Verlage müssen einen Filmroman viele Monate vor Erscheinen einplanen – wir sind da flexibler.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Die vorsichtige Startphase war schon richtig so. Aber nach dem Erfolg der sieben Sin City-Bände hatten wir den Bogen etwas überspannt und zu viele zu schlecht laufende Titel veröffentlicht. Das wirft einen dann zurück. Aber man lernt ja auch aus solchen Fehlern. Auch wenn sie schmerzhaft und teuer sind.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Wir kaufen vor allem fix-und-fertige Lizenzen aus dem Ausland ein. In letzter Zeit haben wir aber angefangen, auch eigene Stoffe zu entwickeln und auch mit deutschen Autoren und Zeichnern zusammenzuarbeiten. Das ist aber noch relativ am Anfang. Vor ein paar Jahren kam ein Comicmacher auf uns zu, weil er an der Ludwigsburger Filmakademie als Abschlussarbeit einen Comic gemacht hatte, für den er einen Verlag gesucht hat. Das haben wir dann „ausnahmsweise“ gemacht, weil der Mann, Felix Mertikat, wirklich sehr gut in seinem Job ist. Und prompt wurden Felix und sein Texter damals auf der Frankfurter Buchmesse für den Band Jakob als beste Comic-Newcomer ausgezeichnet. Ein oder zwei Jahre später gab es dann für Steam Noir, vom selben Team, auch noch den Preis als „Bester Comic national“. Mit unseren ersten deutschen Comics gleich so gut angenommen zu werden, das war schon außergewöhnlich.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Anfangs haben wir zwar einen Comicfachhandelsvertrieb gehabt, aber die Barsortimente haben wir noch selbst beliefert. Wenn also ein LKW von der Druckerei kam, hieß es „Kette bilden und die Bücher in den Keller schaffen“. Spätestens mit Sin City war das dann wegen der Mengen aber nicht mehr möglich. Unser Fachhandelsvertrieb PPM hat sich dann also (wohl oder übel) auch auf die Belieferung des Buchhandels eingespielt. Dort sind die Margen ja nicht so gut wie im Fachhandel. Mittlerweile kümmert sich also PPM um den Vertrieb in den Buchhandel, Zwischenbuchhandel, Amazon & Co., eine andere Auslieferung kümmert sich um Bahnhofs-und Flughafenbuchhandel und Grosso – aber nur bei ausgewählten Titeln – und Bookwire kümmert sich sehr rührig um die digitalen Buchhandelsausgaben. Daneben gibt es noch einen kleineren Vertrieb für digitale Comics als App. Manche Messen und Conventions sind bei den Themen, die wir veröffentlichen, auch gute Absatzmöglichkeiten. Dort tummeln sich die Geeks und Fanboys und -girls, die unsere Bücher lesen.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

das Logo © Cross Cult

das Logo © Cross Cult

Sagen wir mal: Das ist noch sehr ausbaufähig. Natürlich hat der stationäre Buchhandel schlichtweg Platz-und Zeitprobleme und er kann nicht jedes Buch kleinerer Verlage anbieten. Sogar die Top 20 der Verlage bekommen ihre Programm ja nur bei größeren Buchhandlungen komplett in die Regale. Kleinere Verlage sind dann erst recht nicht im Fokus der Händler. Was für uns und den Handel natürlich schade ist, den einige unserer Titel sind absolute Topseller auf Amazon – z.B. die Comicserien The Walking Dead oder Avatar oder die Romanreihe zur TV-Serie Castle – der Handel verliert also gute Umsätze und wir verlieren „Sichtbarkeit“, weil wir nicht die Kunde erreichen, die gerne in Buchhandlungen stöbern.

Leider springt der Handel auch nicht darauf an, wenn man rechtzeitig zu informieren versucht. Z.B. gingen uns gute Umsätze verloren, als vorletztes Jahr der James Bond Film Skyfall ein riesiger Erfolg in den deutschen Kinos war – 8 Millionen Zuschauer – aber fast keine Buchhandlung wollte im Vorfeld unsere Neu-Edition der James Bond Romane von Ian Fleming haben. Die eigentlich ein ideales Begleitprodukt zum Film gewesen wären.

Ganz aktuell haben wir zusammen mit einem befreundeten Comicverlag einen Key-Accounter engagiert, der uns bzw. unsere Titel beim Buchhandel, insbesondere bei den großen und mittleren Ketten und größeren Einzelbuchhandlungen, voranbringen soll. Für die kleinen Buchhandlungen sind viele unserer Titel wirklich zu „speziell“.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Eine Art Hassliebe. Ohne Amazon würde uns ein guter Teil des Umsatzes fehlen. Andererseits macht Amazon durch die reine Marktmacht ja viele Buchhandlungen „um die Ecke“ kaputt oder zumindest das Leben schwer. Immerhin gibt es noch die Buchpreisbindung – Gott sei Dank. Sonst würde sich der Prozess noch beschleunigen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wie gesagt: Viel geht über Marketingkooperationen mit Medienpartnern, gelegentlich schalten wir Handelsanzeigen in den üblichen Fachblättern, manchmal auch Anzeigen in auflagenstarken Blättern wie McDonalds Kino-News oder dem King Magazin oder Saturns Piranha-Magazin oder in Genremagazinen. Eine Art Marketingaktion ist auch, dass wir die Comicserie „The Walking Dead“ derzeit mit Hilfe eines Vertriebspartners bei Media-Markt und Saturn anbieten. Und ansonsten das Übliche: Website, Google Ads, gesponserte Facebook Beiträge etc. Für unsere Comics für eine jüngere Zielgruppe erstellen wir gerade eine spezielle Website nach deren Bedürfnissen: Crocu.de.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind nicht Mitglied – nutzen also die meisten Services des Börsenvereins nicht. Aber auf den Buchmessen Leipzig und Frankfurt sind wir aber mit Ständen vertreten.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Um es kurz zu sagen: Fans. Insbesondere der Genres Science-Fiction, Horror, Crime und Fantasy. Menschen, die gerne TV-Serien und aktuelle Kinofilme anschauen und die sich Lesestoff dazu besorgen wollen. Manche unserer Titel sind aber natürlich auch ohne Medienbezug einfach nur so gute Comics oder Romane.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wir besetzen meist Nischen, die andere Verlage vernachlässigen. Das war damals bei Verlagsgründung so, als nicht viele Verlage US-amerikanische-Comics veröffentlicht haben. Das Thema Science-Fiction wird derzeit arg vernachlässigt, das Thema James Bond lag auch lange brach – da sehe ich unsere Chancen, noch zu wachsen. Denn die großen Verlage sind oft sehr weit weg von der „Fanbase“. Überspitzt gesagt: Sie veröffentlichen nur Krimis aus Schweden für die Quotenfrau oder Vampir-Romance für Mädchen. Ihnen dämmert erst langsam, dass Mädchen heutzutage auch gerne mal so etwas wie einen Zombiecomic lesen wollen oder dass auch Männer manchmal Bücher lesen.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das Risiko ist immer: Auf zu viele falsche Pferde setzen. Aber dieses Risiko kann man minimieren. Wir achten vor allem darauf, nicht nur ein Standbein zu haben. Wir haben einige: Das Grafikstudio, die Comics, die Romane, die Sachbücher, in Zukunft auch mehr Eigenproduktionen und vielleicht auch mal Merchandising.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Der familiäre Umgang miteinander ist natürlich schön. Man ist näher an den Fans, den Lesern, man ist auch als Verleger oft auf Messen und spricht mit den Leuten, die die Bücher kaufen, man muss nicht irgendwelche Vorgaben internationaler Konzerne befolgen, man kann sein Ding durchziehen, man muss selbst für Fehler gerade stehen, man kann aber auch Erfolge selbst genießen. Gerade in letzter Zeit gab es auch schöne Kooperationen mit anderen Verlagen. Das wäre so bei Großverlagen sicher nicht möglich, da dort der Konkurrenzgedanke vorherrscht.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Lass die Hände davon. ;) Wir hatten wirklich verdammt viel Glück – davon kann man nicht immer ausgehen. Die Regel ist wohl, dass man eine Bruchlandung hinlegt, weil man zu viel gewagt hat, oder dass man auf kleinstem Niveau vor sich hin arbeitet, weil man Risiken vermeidet. Beides ist nicht befriedigend. Erfolg in diesem Geschäft kann man nicht erzwingen oder berechnen. Aber wenn man es spannend und arbeitsreich mag: Einfach mal ausprobieren. Viel Glück!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Zum Beispiel Steffen Janssen vom Luzifer Verlag, Karlheinz Schlögel und Hannes Riffel, die den Golkanda-Verlag verantworten, oder Joachim Körber mit der Edition Phantasia. Wobei sich ja alle hier bereits vorgestellt haben. Oder, wenn es auch mal ein Comicverlag sein darf: Eckart Schott/Salleck Publications und Dirk Schulz/Splitter Verlag.

Danke sehr für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Cross Cult im Netz:

Die Verlagswebsite: www.cross-cult.de

Eine Infoseite zu unseren Star-Trek-Romanen: http://www.startrekromane.de

Der Blog unserer James-Bond-Übersetzerinnen: http://translating007.tumblr.com

Ab März 2015 – unsere Kids-Website: www.crocu.de

Das Verlagsforum: http://www.comicforum.de/forumdisplay.php?48-Cross-Cult

Auf Facebook:

https://www.facebook.com/crosscult

https://www.facebook.com/startrekromane

https://www.facebook.com/doctorwhoromane

„Ich sehe keine Schwierigkeiten. Der Verlag hat vieles erst möglich gemacht.“ – SteglitzMind stellt Adrian Kasnitz von der parasitenpresse vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute erfahren wir mehr von Adrian Kasnitz von der parasitenpresse. Vorgeschlagen hatte das Helge Pfannenschmidt von der edition AZUR.

Eine Skizze vom Verlag …

Adrian Kasnitz  © privat

Adrian Kasnitz © privat

Die parasitenpresse ist ein kleiner, auf Lyrik spezialisierter Verlag aus Köln. Gegründet im Jahr 2000 gibt es uns nun schon seit 15 Jahren, was ein kleines Wunder ist, denn zu Beginn war diese lange Verlagsreise nicht abzusehen. Anfangs haben wir Lyrikhefte aus wiederverwerteten Materialien hergestellt, also eigentlich alles in Handarbeit geschafft, vom Papiersammeln bis zum Heften. Startkapital waren null Mark. Die aktuelle Version der Lyrikhefte zitiert diese Produktionsweise, ist aber deutlich weniger arbeitsintensiv.

Die Programmschwerpunkte?

Der Fokus liegt bei uns auf jüngeren deutschsprachigen Autor/innen. Neben der Reihe mit Lyrikheften, in der in diesem Frühling Band 31 und 32 folgen werden, verlegen wir auch Lyrik-Taschenbücher, Gedichte aus den Benelux-Ländern und Lateinamerika, Kurztexte.

Ihr Highlight im Bücherjahr?

Das Highlight des letzten Jahres war, dass wir es geschafft haben, durch Crowdfunding unsere Taschenbuch-Reihe anzuschieben. Mit dem Band „Fremdbestäubung“ von Dominik Dombrowski ist dann im Herbst das erste Früchtchen vom neuen Baum gefallen.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Wir wollten einen Verlag gründen, der so funktioniert wie ein Musiklabel, wo der Verleger und viele Helfer selber Autor/innen sind. Für mich als junger Dichter war es auch Selbstzweck, um die eigenen Texte veröffentlicht zu sehen. Aber nach dem überraschenden Erfolg der ersten zwei Büchlein war klar, dass es weitergehen kann, dass das Netzwerk aus jungen Schriftstellern, das damals schon recht groß und von Köln nach Berlin, München und Wien reichte, für einen Spezialverlag taugen würde.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich sehe keine Schwierigkeiten. Der Verlag hat vieles erst möglich gemacht.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Auch wenn wir viele Dinge in Handarbeit geleistet haben und auch heute noch leisten, haben wie auch schon vor 15 Jahren unseren Verlag aus dem Laptop heraus geführt, unser Lager passte lange Zeit in einen Schuhkarton.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir wissen, dass wir ein sehr ausgefeiltes Produkt für einen sehr kleinen Interessentenkreis herstellen. Die Möglichkeiten sind beschränkt. Alles was unnütz für uns ist, lassen wir einfach weg. Unsere Taschenbücher heißen Die nummernlosen Bücher. Sie besitzen keine ISBN-Nummern. Sie kommen da gut an, wo man ihren Autor/innen begegnen kann, auf Lesungen, Festivals, bei Veranstaltungen.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Schwer zu sagen. Vielleicht noch netzwerkartiger arbeiten.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Das entwickelt sich wie eine Schneeballschlacht. Früher oder später trifft man die Richtigen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Parasitenpresse_ Cover DombrowskiDer Vertrieb ist eigentlich die schwerste Aufgabe. Wir vertreiben viel direkt – bei Veranstaltungen oder über unseren eigenen Internet-Shop. Dann pflegen wir den Kontakt zu ausgewählten Buchhandlungen, Machen wir uns aber nichts vor, da gibt es nicht allzu viele, die sich für uns begeistern.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir sprechen Buchhandlungen an, wo wir denken, dass wir gut dorthin passen. Oder andersrum: dass es den Buchhandlungen gut tun würde, uns zu führen. Manche Buchhändler/innen können sich zunächst nicht so viel unter den Lyrikheften vorstellen, da ist es gut, so etwas einmal in die Hand zu nehmen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Ich habe nichts gegen Amazon. Für ländliche und städtische Gebiete ohne gute Buchhandlung war Amazon und andere Online-Plattformen eine ganz wichtige Sache, um den literarischen Anschluss nicht zu verlieren. Amazon & Co. brauchen aber die parasitenpresse und die parasitenpresse braucht Amazon & Co. nicht.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Im Grunde genommen nichts.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind gegen Vereine ;-)

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Unsere Bücher machen wir für die Guten: Lyrik-Verrückte und Poesie-Nerds.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Wir kümmern uns um den Nachwuchs. Da stecken viele Chancen drin. Irgendwann bekommt einer von denen den Nobelpreis oder Ähnliches und dann freuen wir uns mit.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko ist der Tag, an dem sich niemand mehr für Poesie interessiert, weil alles durchkalkuliert und geregelt ist.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo  © parasitenpresse

das Logo © parasitenpresse

Ich mag das Kollegiale, die Freundschaften, die daraus entstehen können. Die kurzen Wege, auch wenn man in verschiedenen Städten oder Ländern einen ähnlichen Begriff von Literatur und dem Büchermachen hat. Was ich ätzend finde, ist die Hackerei, wenn es um die vermeintlichen Geldtöpfe geht.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Nur Mut! Nur zu!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ein paar sehr gute Lyrikverlage sind hier schon genannt worden, auch wenn mir gerade der gesamte Überblick fehlt und ich vielleicht jemanden vergesse. Ich empfehle den Verlag Peter Engstler aus der Rhön, den [SIC] – Literaturverlag aus Aachen, hochroth Verlag und die edition ch aus Wien.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Die Parasitenpresse im Netz:

Die Homepage: https://parasitenpresse.wordpress.com/