„Die Wahrheit liegt – wie bei der ganzen DDR-Geschichte – irgendwo dazwischen.“ Gespräche mit ehemaligen Volksbuchhändlern

Meinen hier publizierten Versuch, die Entwicklung des DDR-Buchhandels und dessen Strukturwandel infolge der Privatisierung zu skizzieren, habe ich mit der Bitte verknüpft, dass sich Zeitzeugen mit ihren Erfahrungen einbringen mögen. Nachdem uns Heike Wenige und Holger Brandstädt einiges haben wissen lassen, teilt nun Maritta Tanzer ihre Erinnerungen. Sie kam 1961 als Lehrling zum volkseigenen Buchhandel und ist bis zu ihrem Renteneintritt im Jahr 2007 eine Buchhändlerin aus Leidenschaft geblieben.

Wie hat mein Versuch auf Sie gewirkt, die Geschichte des DDR-Buchhandels zu rekonstruieren?

Wie Sie richtig festgestellt haben, ist die Geschichte der DDR-Verlage wesentlich besser aufgearbeitet. Insofern ist das Vorhaben, die Geschichte des Buchhandels rekonstruieren zu wollen, lobenswert. Allerdings scheint mir, dass Sie die Entwicklungen zu theoretisch erfassen. Das heißt zu sehr aus dem Blickwinkel der Partei, respektive wie wir Buchhändler funktionieren sollten, nicht immer funktionieren wollten und schlussendlich doch funktioniert haben. Die Planerfüllung, die Einhaltung des vorgegebenen Warenbestandes, ein gutes Inventurergebnis lagen ja insofern in unserem Sinne, dass wir die Monatsprämien alle gut brauchen konnten. Also, die Wahrheit liegt – wie bei der ganzen DDR-Geschichte – irgendwo dazwischen. Mit pauschalen Urteilen kann ich mich nicht anfreunden.

Würden Sie meiner These zustimmen, dass die Buchhändler in der DDR mitunter recht eigensinnig gewesen sind?

Richtiger müsste es wohl heißen, dass die meistens Buchhändler nicht nur eigensinnig, sondern auch kreativ waren. Das waren sie, um die (ja, die restriktiven) Planaufgaben zu erfüllen. Aber nicht etwa, um dem Staat einen Gefallen zu tun, sondern um zur monatlichen Umsatzprämie zu kommen. Unsere Gehälter waren (und sind es auch nach der Wende noch) an der Untergrenze!

Mögen Sie das ein wenig ausführen?

Maritta Tanzer © privat

Maritta Tanzer © privat

Beispielsweise behaupten Sie in Ihrer Skizze, dass die Schaufensterauslagen der Buchhandlungen wegen fehlender Dekomaterialien zeitweilig leer geblieben seien. Gemüsegeschäfte und andere Läden, deren Fenster nicht gerade liebevoll gestaltet beziehungsweise leer waren, kenne ich aus der DDR. Im Buchhandel habe ich derartiges NIE erlebt. Um die Schaufenster aufzumöbeln, haben wir viele Deko-Elemente selbstgemacht. Aufgrund der vielen Mängel waren wir (wie jeder andere DDR-Bürger auch) im Beruf immer sehr einfallsreich und haben bei der Schaufenstergestaltung auch aus Nichts etwas gemacht. Das war übrigens bereits während der Lehrzeit ein Thema. Während meiner Lehre bei „Buch und Kunst“ in Dresden haben wir beispielsweise einmal eine größere Menge von „Klamanns Puppentheater“ erhalten, einem damals sehr begehrten und seinerzeit recht freizügigen Comic aus dem Eulenspiegel-Verlag. Wir haben das ganze Fenster von innen schwarz verklebt und nur ein Guckloch gelassen. Vor dem stauten sich die Passanten. Die Lehrlinge der Buchhandlung „Gutenberg“ haben sogar einmal im Schaufenster Theater gespielt …

In der Buchhandlung „Am Neumarkt“, die ich ab 1965 geleitet habe, gab es sechs kleine Schaufenster. Es fiel nicht immer leicht, die zu bestücken, aber Ideen waren immer da. Für das Kinderbuchfenster lieh ich vom Spielwarenladen nebenan Blickfänge aus und für das Messefenster in der „Hinrichs’schen“ Kunstgegenstände aus dem Grassi-Museum.

Meint das, dass man bei der Gestaltung der Schaufenster alle Freiheiten hatte?

Nicht ganz. Bei der Schaufenstergestaltung in Leipzig (besonders in der Innenstadt) und vorrangig zur Buchmesse war zu beachten, dass auch nur im Entferntesten politisch anstößige Bücher nicht ins Fenster kamen. Ich erinnere mich, dass 1968 am Morgen vor Eröffnung der Herbstmesse eine Kommission der Bezirksdirektion des Volksbuchhandels durch die Innenstadt lief, um die Auslagen in den Schaufenstern kritisch in Augenschein zu nehmen. Ich musste damals den Stadtplan Prag aus dem Fenster nehmen!!!

Heutzutage stellen Verlage den Buchhandlungen reichlich Dekomaterial zur Verfügung …

Von den DDR-Verlagen selbst kamen höchstens Plakate, die wir selbst aufgezogen haben. Was es von ihnen außerdem gab, waren nachbestellbare Schutzumschläge für die lieferbaren Titel. Dadurch sollte gewährleistet werden, dass die Bücher, die länger im Sortiment standen, nicht abgegriffen aussehen (Einschweißen war ja noch nicht üblich). Das ist ja heute nicht mehr nötig, weil die Hardcover höchstens solange im Sortiment stehen, bis das Taschenbuch erscheint. Ich frage mich manchmal, was aus den ganzen Remittenden wird!

Wo haben Sie Ihre buchhändlerische Lehre absolviert?

Die theoretische Ausbildung erfolgte an der „Deutschen Buchhändler-Lehranstalt“ in Leipzig. Wir waren dort internatsmäßig untergebracht und 4 x 4 Wochen im Jahr vor Ort. In der Schule existierten zu meiner Zeit übrigens noch getrennte Klassen für Volksbuchhändler und Privatbuchhändler. Die Dresdner Volksbuchhandlung „Buch und Kunst“, in der ich zwischen 1961 und 1964 gelernt habe, war mit über 20 Lehrlingen und je einem Lehrausbilder für jede Abteilung (Fachbuch, Belletristik, Bestellwesen, Werbung usw.) die Lehrbuchhandlung für den Bezirk Dresden. Alle vier Wochen wurde die Abteilung gewechselt und ab dem zweiten Lehrjahr erfolgte ebenfalls jeweils für vier Wochen eine Ausbildung in Spezialbuchhandlungen. Dazu gehörten das Antiquariat, das „Internationale Buch“, die zentrale Buchhaltung und für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich die Buchhandlung der Technischen Universität Dresden.

Stichwort „ES Schneider“ …

Genau. Leiter der Buchhandlung der TU Dresden war der damals schon legendäre Walther Schneider – genannt „ES-Schneider“. Sein Verdienst war die „Einheitliche Systematik“, die er Ende der 1950er entwickelt hat, um für alle Volksbuchhandlungen eine einheitliche Sortierung zu ermöglichen. Das war für die Fachbuchhandlungen besonders wichtig. Bei der von ihnen in der Skizze erwähnten „Dresdner Kartei“ handelt es sich übrigens nicht um die „Einheitliche Systematik“, sondern die Bestellkartei, die LKG früh eingeführt hat. Die Titelkarten waren hier nach Verlagen geordnet, jeder Verlag hatte eine eigene Nummer. Es gab die Kartei für die laufenden Bestellungen (manchmal jahrelang) und eine „tote“ Kartei für alle Titelkarten, bei denen keine Bestellung lief. Im ersten Lehrjahr durften wir nur diese sortieren, um Titel kennenzulernen.

Wie würden Sie Ihre Lehrzeit im Rückblick bewerten?

Unsere Ausbildung empfinde ich heute noch als sehr gut. Vieles davon habe ich während meiner Zeit in Leipzig und Freiberg als Lehrausbilderin übernommen. Zur Ausbildung gehörte beispielsweise, dass wir monatlich eine längere schriftliche Buchbesprechung und ein kürzeres schriftliches “Verkaufsargument“ (also, wie wir das Buch dem Kunden empfehlen würden) abzuliefern hatten. Keine schlechte Sache, oder? Betriebswirtschaft wurde im Gegensatz zu heute damals eher klein geschrieben. Das war wohl auch nicht nötig, da es kaum Anreize gab, es anders zu machen als vorgegeben. Partien, Rabatte und ähnliches kannten wir nicht und die Handelsspanne betrug überall 27,5%. Diese ohne Taschenrechner auszurechnen war in der Lehrausbildung eine beliebte Aufgabe. Ich glaube, das können heute nur noch wenige im Kopf ausrechnen.

Und der literarische Kanon, der vermittelt wurde?

Geschichte und Literatur bestimmter Epochen (z.B. die Antike) kamen extrem kurz weg, dafür wurde die “Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung” ausführlich gelehrt. Wie überall kam es aber auch hier auf den entsprechenden Lehrer an. An der Fachschule hatten wir zwei tolle Literaturlehrer, die sich um den Lehrplan nicht allzu sehr kümmerten. Einer davon war der 2006 verstorbene Rolf Recknagel, der sich u.a. um die Traven-Forschung verdient gemacht hat.

Welche Bedeutung hatten die „Ordnung für den Literaturbetrieb“ und das „Statut für den Volksbuchhändler“ in Ihrem buchhändlerischen Alltag?

Das „Statut“ und andere Arbeitsanweisungen, die Sie als Pflichtlektüre für die Buchhändler ausweisen, standen in der Handbibliothek. Wir haben sie nicht gelesen, höchstens mal reingeschaut, wenn es irgendwelche Differenzen zu klären gab. Ebenso wenig von Bedeutung war die Betriebszeitung „Der Volksbuchhändler“, die von der Zentralen Leitung des Volksbuchhandels bis 1965 herausgegeben wurde. Das Organ bot keine Hilfestellung bei der praktischen Arbeit. Die Redaktion war übrigens in einem Gebäude in Leipzig am Gerichtsweg untergebracht. Das „Börsenblatt“ vom Leipziger Börsenverein hatte schon allein deshalb einen größeren Wirkungskreis, weil sämtliche Betriebe, Bibliotheken, Institute und auch Privatpersonen den beiliegenden Vorankündigungsdienst (VD) beziehen wollten. Das zog nach sich, dass bereits eine Woche nach Erscheinen des VD Bücher hoffnungslos überzeichnet waren.

Die utopischen Bestellmengen, die der Buchhandel orderte, um überhaupt mit gängigen Titeln beliefert zu werden, muten aus heutiger Sicht kurios an …

In der “Hinrichs’schen Buchhandlung“ in Leipzig hatten wir deshalb einmal ein irres Problem. Die höchste Spalte in den Bestellformularen war eine dreistellige, sprich: die bestellbare Höchstmenge lag bei 999 Exemplare. Unsere Bestellzahl bei Titeln, von denen wir annahmen, dass sie stark gekürzt geliefert werden, (wie zum Beispiel bei Kalendern) bewegte sich in der Regel zwischen 600 und 700. Woraufhin 7, 10 oder 20 Exemplare geliefert wurden. In diesem Rahmen haben wir 1967 auch das wunderschöne tschechische Kinderbuch “Die kleine Ameise Ferdinand“ von Ondrej Sekora bei LKG geordert. Vermutlich hatten die Tschechen gerade genug Papier- und Druckkapazitäten, jedenfalls kam die Bestellung bei uns nahezu ungekürzt an. Der Buchhandlungsleiter wollte an andere Buchhandlungen umlagern. Wir wehrten uns dagegen, weil das Weihnachtsgeschäft vor der Tür stand und der restliche Kinderbuchbestand in der “Hinrichs’schen“ damals nicht eben üppig war. Ich glaube, es gab keinen Kunden, der “Die kleine Ameise Ferdinand“ nicht mitgenommen hat. Der hohe Bestand war nach Weihnachten jedenfalls komplett verkauft. Obwohl wir eine super Arbeit geleistet hatten, gab es keine Umsatzprämie für uns. Es wurde damit argumentiert, dass der Warenbestand überschritten war.

Können Sie die These bestätigen, dass Titel im Vorankündigungsdienst nicht mehr angekündigt wurden, um Überzeichnungen zu vermeiden?

Meines Wissens stimmt das so nicht. Ich glaube, wir hätten uns das manchmal sogar gewünscht. Der Vorankündigungsdienst weckte Begehrlichkeiten …

Woran fehlte es Ihrer Erinnerung nach hauptsächlich?

Also Klassiker, wie Sie in der „Skizze zum DDR-Buchhandel“ schreiben, die fehlten nicht. Wir – und jede andere Buchhandlung auch, die ich kenne – hatten immer ein Klassik-Regal. Die Bibliothek der deutschen Klassiker (BdK) war zwar nie vollständig da und die zehnbändige Goethe-Ausgabe immer Mangelware. Aber irgendetwas war immer da. Ich weiß, sehr viele Titel gab es nicht in genügender Stückzahl und viele nur unter dem Ladentisch. Man brauchte einen langen Atem und einen guten Draht zum Buchhändler, um die BdK vollständig zu bekommen.

An welchen Titel mangelte es darüber hinaus?

Mangel bestand beispielsweise bei Lizenzausgaben in Belletristik, auch linientreuer Autoren wie etwa Jorge Amado oder B. Traven, und beim Kinderbuch. Zu niedrig waren die Auflagen bei Kochbüchern, Kalendern, Blumenbüchern oder Naturführern (nicht nur aus dem Neumann-Verlag Radebeul), weil hochwertiges Kunstdruckpapier in der DDR rar war. Ich erinnere mich noch, dass der Verlag Kunst während meiner Lehrzeit bei „Buch und Kunst“ eine Nachauflage von Fritz Löfflers reich bebilderten Band „Das alte Dresden“ angekündigt hatte – ein Titel, der lange vergriffen gewesen war. Viele, viele Dresdner waren damals bedürftig, unsere Kartei von Bestellzetteln „hochschwanger“. Die starke Nachfrage wurde bei der Zuteilung insoweit bedacht, als Dresdner Buchhandlungen von LKG mehr Exemplare erhalten haben als die Buchhandlungen in den anderen Bezirken. Was glauben Sie, wie viele wir abbekommen haben? Etwa 20 Stück!

Danke für heute, liebe Frau Tanzer, wir setzen unser Gespräch fort.

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Maritta Tanzer (geb. 1944) absolvierte zwischen 1961 und 1964 ihre buchhändlerische Lehre in der Volksbuchhandlung „Buch und Kunst“ in Dresden. Bis heute wird ihr damaliger Chef, Hans Führer, von den Ehemaligen als Vaterfigur verehrt. 1964 wechselte sie nach Leipzig in die Volksbuchhandlung „Am Neumarkt“, die 1967 mit der „Hinrichs’sche Buchhandlung“ zusammengelegt wurde. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrausbilderin war sie dort für die Belletristik und das Kinderbuch zuständig.

Nach Differenzen mit der Bezirksdirektion des Leipziger Volksbuchhandels kam sie 1968 als Referentin bei der Abteilung Buchmarktforschung beim Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel (LKG) unter. 1969 schloss sie ein vierjähriges Fernstudium an der 1957 gegründeten „Fachschule für Buchhändler“ in Leipzig-Leutzsch ab, die seit 1960 berufsbegleitende Fernstudiengänge möglich machte. Die Schule war damals im selben Gebäude wie die „Fachschule für Bibliothekare Erich Weinert“ untergebracht war, die Lehrpläne und Dozenten waren jedoch andere. Die Fusion zur „Fachschule für Bibliothekare und Buchhändler Erich Weinert“ erfolgte 1985. Die Abschlüsse wurden erst weit nach der Wende vom Kultusministerium als Fachhochschulabschluss anerkannt.

1972 Umzug nach Freiberg, wo Maritta Tanzer zunächst in der Hochschulbibliothek der Bergakademie arbeitete. 1978 wechselte sie zur „Akademischen Buchhandlung für Montanwissenschaften“, bei der sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 für die Ausbildung der Lehrlinge, die Betreuung der Vertriebsmitarbeiter sowie für die Sortimente Belletristik und Kinderbuch verantwortlich war.

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SteglitzMind stellt Andrea Koßmann mit „Kossis Welt“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „SteglitzMind stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe. – Eine Übersicht, wer bereits Rede und Antwort stand, und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden findet Ihr hier.

Heute erfahren wir mehr über Andrea Koßmann, die das Blog Kossis Welt verantwortet. Vorgeschlagen hatte das der BookTuber („brivideo libro“) Andreas Dutter.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ich bin ein echtes Ruhrpottkind, geboren im schönen „Summer of 69“. Als ich in der 1. Schulklasse das Lesen erlernte, besuchte ich nachmittags oft meine ehemalige Kindergartenlehrerin und las dort den kleinen Kindern aus Büchern vor. Nach 12 Jahren Schule begann ich meine Ausbildung zur Bürokauffrau. 2009 erschien mein erster Gedichtband, ein Jahr später folgte mein erster Roman und irgendwann dann Postkartentexte und ganz aktuell habe ich eigene Notizbücher für Leseratten veröffentlicht.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Andrea Koßmann © privat

Andrea Koßmann © privat

Seit 2006 gibt es mich online mit meiner Homepage „Kossis Welt„, die mir damals ein guter Freund aufzwang, weil er meinte, dass ich so viel zu sagen hätte, dass das Internet sich darüber erfreuen würde. (Wahrscheinlich ging ihm mein Redezwang irgendwie auf den Keks ;-)) Ein guter Freund ist er heute immer noch und er übernimmt weiterhin den technischen Teil von Kossis Welt.

2007 kam der dazugehörige Blog dazu. Mir schrieben bereits im ersten Jahr so viele Menschen liebe Mails und ich wollte einen direkteren Kontakt, der dann eben durch Blogkommentare einfacher zu handeln war und ich konnte den Blog dynamischer führen, weil meine Internetseite doch eher statisch aufgebaut ist. Ich hatte eben in der Tat viel zu sagen und wollte dann auch immer recht aktuell sein.

2009 kam Youtube hinzu und somit war ich damals die erste deutsche „Buchyoutuberin“ (den Begriff gab es damals noch gar nicht). Auch das war mehr oder weniger Zufall, denn ich wollte meinen Bloglesern für ein tolles 2008 danken und einfach mal meine Lieblingsbücher aus dem Jahr vorstellen. Und das nicht nur schriftlich, sondern mit Bild und Ton. Bei dem einen Video (bzw. waren es damals drei Videos, da ich nur eine klitzekleine Speicherkarte an meiner Cam hatte) sollte es eigentlich bleiben. Da die Resonanz aber dann so überwältigend war, machte ich einfach weiter damit.

Deine Themenschwerpunkte …

Angefangen hatte „Kossis Welt“ mit meinen eigenen Gedichten und Kurzgeschichten, die ich dort veröffentlichte. Die Buchrezensionen kamen erst 2007 hinzu. Meine allererste Rezension war die zu „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek. Ein reiner Buchblog war „Kossis Welt“ aber nie. Ich habe schon immer gern andere Menschen an meinem Leben teilhaben lassen und veröffentlichte auch oft sehr persönliche Postings. Bis heute ist die Literatur aber ein sehr großer Teil meiner Welt. Im Laufe der Jahre kamen andere Themen hinzu und so gebe ich heute auch Tipps zu den Themen „Ernährung, Sport, Lifestyle, Kleidung“. Ich verblogge einfach gerne alles, was ich bereit bin, für’s Internet zu geben. Mein Motto: „Was du Arbeitskollegen erzählen kannst, kannst du auch im Internet posten! Ist oft ja eh so ähnlich!“ 🙂

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ehrlich gesagt treibe ich mich in dieser Szene gar nicht rum. Wenn ich online bin, bekomme ich zwar bei Facebook und Co einiges mit, aber im Grunde decke ich nur meinen eigenen Bereich ab und schaue nicht nach rechts und links.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verlinke natürlich (wie wohl jeder Blogger) in den Social Communities. Ich bin aktiv bei Facebook, Twitter und vor allem bei Instagram.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Alles, wofür er im Nachhinein nicht geradestehen kann. Mein Motto dahingehend ist: „Alles was ich schreibe oder auch in meinen Videos sage, muss mich nachts gut schlafen lassen!“ Und wenn man hinter dem steht, was man tut und dies vor allem mit Herzblut, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit macht, kann man auch nachts gut schlafen.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Da ich es nie auf Erfolg abgesehen habe (wovon ich denke, dass auch dies ein kleines Geheimnis des Erfolges ist), musste ich nie Hürden überwinden und ich hatte auch nie Schwierigkeiten beim Bloggen. Vielleicht ist das auch wiederum der Vorteil, wenn man, wie ich oben bereits schrieb, nicht nach rechts und links schaut, sich an die Regeln der Netikette hält und einfach das macht, worauf man Bock hat und nicht mit irgendeinem Strom schwimmt, der übermorgen vielleicht schon wieder in die andere Richtung fließt.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Da gibt es sicher so so viele, die mir jetzt alle gar nicht einfallen. Schön finde ich aber, dass ich mit meinen Ideen oft Vorreiter war. Zum Beispiel mit den Buchvideos und später dann bei den sogenannten „Wohnzimmerlesungen“ (die ich zusammen mit meinem ersten Gast Sebastian Fitzek ins Leben gerufen habe und die in meinem Fall „Meet & Read“ hießen). Es ist schön, zu sehen, dass aus den Buchvideos inzwischen eine riesige Community gewachsen ist und Wohnzimmerlesungen, bei denen der Autor zu den Lesern nach Hause kommt, gibt es mittlerweile ja auch zu genüge und werden teilweise sogar von den Verlagen angeboten, zB. in Form von Gewinnspielen.

Herausragend war auch meine „Lesen-verbindet-Aktion“, bei der ich ein Moleskine-Bookjournal auf die Reise schickte. Der Empfänger schrieb dann sein Lieblingsbuch hinein und schickte es weiter an die nächste Leseratte, die auf meiner Liste stand. Insgesamt war Mole vier Jahre und vier Monate unterwegs, bis es im Juni 2014 den Weg wieder zurück zu mir fand. Vollgepackt mit Buchtipps, lieben Worten und vor allem einer Riesenportion Bücherliebe, die eben … verbindet! Am Allerschönsten finde ich es aber immer, wenn ich das Feedback meiner Leser und Zuschauer sehe. All die lieben Mails, Kommentare, Briefe und Päckchen. Wenn ich sehe, dass ich jemanden mit meinen Tipps zu allen möglichen Dingen, ein stückweit in seinem eigenen Leben glücklich machen kann, so ist das für mich das schönste Gefühl, das mir „Kossis Welt“ geben kann.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Eine „Regel“, die ich intuitiv bereits von Anfang an einhalte ist die, dass ich grundsätzlich nur Bücher lese, die ich mir selber aussuche. Denn erstens möchte ich kein „Spielball“ für andere sein und zweitens möchte ich mich nicht unter Druck setzen lassen. Sobald das Lesen ein Druck wäre, würde ich die Lust verlieren. Ich bekomme fast täglich Anfragen dieser Art und komme leider nicht mal mehr dazu, sie alle abzulehnen, weil der Zeitaufwand zu groß wäre.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Siehe oben.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich bin da eher altmodisch. Erst einmal habe ich gar keinen eReader. Ich könnte zur Not aber eBooks auf meinem iPad lesen. Das habe ich auch schon ein paar Mal getan, als ich ein Buch vorab gelesen habe, um ein Quote dafür zu schreiben, und das auch nur, weil ich mich superdoll auf dieses Buch gefreut hatte. Im Normalfall ist diese elektronische Variante des Lesens (derzeit) aber noch nichts für mich. Ich muss ein Buch aus Papier in den Händen halten. Schon allein deshalb, weil ich bei jedem Buch meine Nase hineinstecke, um an den Seiten zu riechen. Lesen ist für mich eben auch „leben“.

Danke, Kossi, ich freue mich, dass du in der Gesprächsrunde mit bibliophilen Bloggern dabei bist.

„Meine Fangemeinde ist ein ganz wichtiger Teil meines Autorendaseins!“ – SteglitzMind fragt bei Jando nach (Teil 2)

Jando, mit dem ich vor gut drei Jahren ein längeres Gespräch für SteglitzMind führen konnte, stand mir abermals Rede und Antwort. Im ersten Teil haben wir über seine künstlerische Entwicklung gesprochen; heute geht es vorrangig um seine Präsenz und Erfahrungen im Netz.

Inzwischen ist es gang und gäbe, dass Autoren in den sozialen Netzwerken, und allen voran bei Facebook, Präsenz zeigen. Du bist quasi ein Pionier, da schon seit 2007 dabei. Wie passt das zusammen – das laute, marktschreierische Netz und deine eher leisen Geschichten und besinnlichen Botschaften?

Jando beim Schreiben © Mandy Vollmer

Jando beim Schreiben © Mandy Vollmer

Ich habe mich von Anfang an als Autor so präsentiert, wie ich bin. Und da ich moderne Märchen mit zeitlosen Botschaften schreibe, stelle ich diese auch so ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Fans einfach auf meine Autorenseite gehen, um mal etwas anderes als die lauten, marktschreierischen Postings zu lesen.

Bei deinem Einstieg 2007 hatte Facebook gerade einmal eine Million deutsche Nutzer. Mittlerweile sind es rund 28 Millionen, weltweit knapp 1,4 Milliarden. Hast du mit dieser rasanten Entwicklung gerechnet?

Ja. Nachdem sich Netzwerke wie Schüler VZ, MySpace etc. vom Markt verabschiedeten, war abzusehen, dass Facebook weiter wachsen würde.

War es früher einfacher oder womöglich sogar schwieriger Fans anzusprechen?

Das kann ich schwer beantworten, weil ich meinen Fans nicht anders gegenübertrete als anfangs. Seitdem ich bei Facebook unterwegs bin, versuche ich täglich etwas zu posten. Was ich aber bemerke ist, dass die Fan-Seiten stärker frequentiert werden als das Autoren-Profil. Ich höre zwar immer von einigen selbst ernannten „PR-Profis“ oder „Social-Media-Beratern“, dass es schwierig geworden sein soll, Fans anzusprechen, aber diesen Behauptungen konnte ich noch nie so richtig folgen. Fans kommen zu einem, wenn sie die Person mögen oder die Bücher, die Inhalte der Aussagen etc. Sie entscheiden – niemand anders.

Hast du den Eindruck, dass sich die Kommunikation in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Jahren verändert hat?

Klaro. Je mehr Nutzer, desto unterschiedlicher die Menschen und natürlich auch die Kommunikation. Was natürlich auch vielen Randgruppen eine Möglichkeit gibt, ihre Meinung kundzutun. Leider oft sehr sinnfrei.

Du konntest dir eine riesige Fangemeinde aufbauen. Welchen Anteil misst du ihr an deinem Erfolg bei?

Einen großen Anteil! Ohne meine Fans, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Sie haben es mir ermöglicht, meinen Traum vom Schreiben zu leben und geben mir positives wie negatives Feedback. Lesen meine Bücher und empfehlen sie weiter. Meine Fangemeinde ist ein ganz wichtiger Teil meines Autorendaseins!

Inwieweit nimmst du bei deinen Projekten auf das Feedback deiner Fans Rücksicht?

Soweit wie möglich. Zum Beispiel bin ich der Bitte einiger Fans nachgekommen, in meinem neuen Buch „Traumflieger“ die Briefe von Lena an Gott aufzunehmen. Diesen Part im Buch habe ich ihnen gewidmet. Ursprünglich waren die Briefe lediglich für mein Blog gedacht.

Wie kommen die Abenteuer von Lena und Lasse, die du in deiner Neuerscheinung „Traumflieger“ erzählst, bei deinen Lesern an?

Gut. Wobei ich sagen muss, dass ich mir mit dem Untertitel „Lena schreibt Briefe an Gott“ nicht unbedingt einen Gefallen getan habe. Manche Leser schrecken bei dem Untertitel zurück, weil sie meinen, sie bekommen ein religiöse Buch vorgesetzt. Zwar wird das Thema durch Lenas Briefe angerissen, aber die eigentliche Geschichte handelt von zwei Kindern und ihren Freunden, die gemeinsam Abenteuer bestehen, um die Welt ein wenig besser zu machen. Sie vor Unheil zu retten…

Stichwort Kollaboration. Für die Hörbuchproduktion des „Traumfliegers“, die Ende September erschienen ist, hast du die Community gebeten, sich mit Songideen einzubringen. Was ist dabei herausgekommen?

Jando, Isgaard mit dem Produzenten Jens Lueck im Studio © Oriana Lai

Jando, Isgaard mit dem Produzenten Jens Lueck im Studio © Oriana Lai

Super Songs wurden eingereicht. Eigentlich hätte man alle Beiträge einspielen müssen. Das ging leider nicht. Ich hatte eine Jury, die aus der Echo- Preisträgerin Isgaard und dem Produzenten Jens Lueck bestand. Da ich kein Musikfachmann bin, lag es auf der Hand, dass sie die Entscheidung treffen. Ihre Wahl fiel auf die zwölfjährige Annika Schröder von den Musical Kids Hamburg, Alaska Shining und Synrix Call. Als ich das fertige Hörbuch hören konnte, war ich begeistert. Auch vom Schauspieler Christopher Groß, der die Geschichte liest. Die Traumflieger sind großartiges Kino für die Ohren geworden.

Die Erkenntnis, dass Bücherblogger wichtige Multiplikatoren sein können, verfestigte sich erst in jüngerer Zeit allgemein. Warum hast du von Anfang an auch auf diese Kanäle gesetzt?

Weil ich meine, dass ein jeder, der Bücher liest, auch die Möglichkeit bekommen sollte, öffentlich darüber zu sprechen und zu schreiben. Jeder hat eine Meinung und warum diese nicht vertreten? Das muss nicht zwingend der studierte Literaturwissenschaftler sein, die „Literaturpäpstin“, der „Literaturpapst“ oder das Feuilleton. Durch Klüngelei werden hier schon genügend Titel hin- und hergeschoben, um ihnen eine noch breitere Aufmerksamkeit zu verschaffen. – Ähnlich verhält es sich auch bei den Preisverleihungen; wobei sich die Buchbranche diesbezüglich nicht von der Musik- und Filmbranche unterscheidet. Es gibt viele Schätze, die keine Chance haben, bekannt zu werden. Buchblogger sind für solche Bücher offener.

Kannst du bestätigen, dass Rezensionen auf Buchblogs den Verkauf befördern. Oder würdest du sagen, dass sie eher dem Bekanntheitsgrad zutragen?

Schwierig zu beantworten, weil ich kein Selfpublisher bin und daher nicht zeitnah auf die Verkaufszahlen zurückgreifen kann. Aber meine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren reflektierend, würde ich meinen, dass Buchblogs eher den Bekanntheitsgrad fördern und Rezensionen in den klassischen Medien eher die Verkaufszahlen ansteigen lassen.

Und natürlich die obligatorische Schlussfrage: Hast du neue Buchprojekte in Arbeit?

Japp. Ich habe mich jüngst wieder für einige Zeit auf eine ostfriesische Insel zurückgezogen, um an meinem neuen Buchprojekt zu arbeiten. Verraten möchte ich noch nicht viel. Nur das: es wird wieder ein typisches Jando-Buch sein. Ein modernes Märchen, indem alles möglich ist…

Danke, dass ich nachfragen durfte. Ich melde mich bestimmt einmal wieder bei dir.

„Der Erfolg des Sternenreiters hat mein Leben ein wenig verändert.“ SteglitzMind fragt bei Jando nach

Es ist eine Weile her, dass ich mit Jando ein längeres Gespräch für SteglitzMind führen konnte. Inzwischen hat er sich als Autor etabliert. Anlass genug, ihm abermals einige Fragen zu stellen. Heute unterhalten wir uns über seine künstlerische Entwicklung; der zweite Teil des Gespräches wird sich vorrangig um seine Präsenz und Erfahrungen im Netz drehen.

Als wir vor drei Jahren erstmals miteinander gesprochen haben, hattest du dir gerade die ersten Meriten als Jung-Autor verdient. Wie ist es dir seither persönlich ergangen?

Jando © Mandy Vollmer

Jando © Mandy Vollmer

Danach ist einiges passiert. Privat wie auch beruflich. Der Erfolg des Sternenreiters hat mein Leben ein wenig verändert. Ich habe nun eine gewisse Freiheit, mich neuen, anderen Projekten zu widmen, die vorher nicht möglich gewesen sind. Auch hat sich die Aufmerksamkeit erhöht. Man wird von Lesern, Verlagen, auch der Presse anders wahrgenommen als dies noch vor drei Jahren der Fall war. Im positiven wie auch im negativen Sinn.

Der „Sternenreiter“ war ein Überraschungserfolg; mit inzwischen über 30.000 verkauften Exemplaren ein Bestseller. Kannst du dir erklären, warum das Buch solche Resonanz findet?

Die Frage wird mir oft gestellt und bisher habe ich immer noch keine passende Antwort darauf gefunden. Sicherlich ist es der Protagonist, nämlich der “kleine Junge“ ohne Namen, der dem Erwachsenen Mats die Augen öffnet und ihm aus der Sichtweise eines Kindes zeigt, wie wundervoll das Leben sein kann. Jüngere Leser finden Gefallen an dem manchmal doch naseweisen, aber tiefsinnigen Kind. Die Erwachsenen entdecken sich in Mats wieder. Es ist also vermutlich die Mischung, die das Buch für jede Altersgruppe interessant macht.

Die Geschichte über einen sonderbaren Jungen wurde ja nicht nur ins Koreanische übersetzt, sondern wird auch verfilmt. Wie kam es dazu?

Mein Verlag arbeitet mit der Agentur „Wittmann Agency“ zusammen, die sich um die Lizenzen meiner Bücher kümmert. Daher habe ich als Autor wenig damit zu tun. In Korea erscheint der Sternenreiter mit neuen Illustrationen, die für den asiatischen Markt gezeichnet werden.

Für die Verfilmung lagen mir einige Anfragen vor, doch ich haderte lange damit, die Filmrechte abzugeben. Ich kenne einige Buchverfilmungen, die mit dem Inhalt des Buches fast nichts mehr gemein haben. Mir ist es wichtig, dass die Botschaft des Sternenreiters auch auf die Leinwand projiziert wird und ich mich bei den Charakteren miteinbringen kann. Bei vielen Anfragen war es so, dass ich die Rechte abgebe und dann mit den Film nichts weiterzutun hätte. Das war nicht in meinem Sinn. Als dann die Anfrage von der TV- Produktionsfirma puzzle pictures kam, dass ich am Drehbuch mitschreiben könne, wenn sie die Rechte bekommen, führten wir intensive Gespräche, die mich überzeugt haben.

Du hast das Drehbuch zum Film erarbeitet, der Ende nächsten Jahres in die Kinos kommt. Welche besonderen Herausforderungen stellten sich dir beim Schreiben?

An einem Drehbuch zu schreiben, ist eine ganz andere Form von Schreiben. Da meine Erzählungen den Charakter von modernen Märchen haben, arbeite ich die Figuren nicht immer komplett aus. Beim Drehbuch hatte ich nun die Möglichkeit, die Protagonisten noch weiter auszuschmücken. Die Dialoge sind das „A und O“ beim Drehbuch. Aber auch die jeweiligen Szenen auszuarbeiten, macht unglaublich viel Freude. Mir hat das Drehbuchschreiben richtig viel Spaß gemacht. Vor allen Dingen, weil es sich um das eigene Buch handelte. Ich kann mir aber ebenso gut vorstellen, zeitnah ein neues Drehbuch zu schreiben und daraus ein Buch zu entwickeln.

Dein Erstling „Windträume“ ist 2009 bei einem Kleinverlag erschienen. Die folgenden Titel hast du bei einem Indie-Verlag publiziert, dem du bis heute treu geblieben bist. Warum wechseltest du damals die Fronten?

Sagen wir es mal so: Im Laufe der Zeit hatte ich andere Auffassungen gewonnen, was die Zusammenarbeit betrifft. Ich habe mir angewöhnt, nicht zurückzublicken, sondern möglichst nur nach vorne. Der Blick in den Rückspiegel ist beim Autofahren notwendig, etwa beim Überholen. Ich befinde mich allerdings gerade auf der linken Spur und denke nicht daran, zurückzublicken. Das würde einer Vollbremsung gleichkommen. Erfahrungen sind gut, aus ihnen lerne ich. So war es schon immer und scheint ein Teil meiner Persönlichkeit zu sein. Fronten geklärt.

Mit deinem Erstling hast du Klinken bei vielen Verlagen geputzt. Aufgrund deines Erfolges dürfte sich das Blatt inzwischen gewendet haben und dir Verlage Avancen machen …

Illustration © Antjeca

Illustration © Antjeca

Ja, es ist tatsächlich so, dass Verlage mich mit meinen Büchern gerne in ihrem Programm sähen. Doch ist die Ausgangslage zurzeit eine andere. Meine Titel laufen gut, es gibt weitere Lizenzanfragen aus dem Ausland, sodass ich entspannt die Anfragen und Angebote prüfen kann. Es bestätigt sich nur das, was ich auch schon während meiner Zeit beim Fernsehen beobachten konnte. Aller Anfang ist schwer, doch wenn sich ein kleiner Erfolg einstellt, gibt es viele Interessenten und auch Schulterklopfer. Besonders diejenigen, die am Anfang so derbe lästerten, sind auf einmal „gute Freunde“. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört: „ Toll, wie du deinen Weg verfolgt hast. Ich habe gewusst, du wirst es schaffen.“ Drei Jahre zuvor meinten diese Personen: „ Was für ein Träumer. Der sollte mal im Leben etwas Anständiges machen. Schreiben – brotlose Kunst!“

Ich habe gelernt, dass Leben so zu nehmen, wie es kommt. Mit allen seinen Höhen und Tiefen. Mal schauen, was noch so alles passiert…

Aus welchen Beweggründen würdest du zu einem Publikumsverlag wechseln?

Einzig und alleine, um mich mehr um auf mein Schreiben konzentrieren zu können. Es ist einfach so, dass Publikumsverlage breiter aufgestellt sind als kleinere Verlage. Sprich, sie können dem Autor Arbeit abnehmen, die man teilweise bei einem kleinen Verlag selbst übernehmen muss. Auch die Vernetzung kann von Vorteil sein.

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Zum zweiten Teil des Gespräches geht es hier