Der Traum vom eigenen Buch. SteglitzMind fragt bei Gabriele Schmid nach

Gabriele Schmid kontaktierte mich und wir führten diverse Gespräche. Sie schreibt seit ihrer Jugend. Serien, Liebesgeschichten, die allesamt im Süddeutschen spielen, wo sie sich verwurzelt fühlt. 2010 fasst sie den Entschluss, ihr Hobby zu professionalisieren. Sie steckt sich das ehrgeizige Ziel, den ersten Band einer lange gereiften Serie rund um eine Freiburger Privatklinik an einen Verlag bzw. einen Agenten zu bringen. Aber: Es hagelt Ablehnungen.

Gabriele Schmid lässt sich nicht entmutigen. Sie arbeitet an einem neuen Manuskript, absolviert Schreibschulen und lässt sich von erfahrenen Autorinnen coachen. Von Ulrike Dietmann, die an ihrer Pegasus-Schreibschule auch eine zertifizierte Ausbildung zur Roman-Autorin anbietet. Zum ordentlichen Abschluss gehört die Veröffentlichung eines Romans. Und von Lea Korte, die Online-Autorenkurse anbietet. Nun geht es Schlag auf Schlag.

Gabriele Schmid nimmt eine erstaunliche Entwicklung, die ohne die Umwälzungen auf dem Buchmarkt so schwerlich möglich gewesen wäre. Für ihren Traum vom eigenen Buch hängt sie sogar ihren Job als Datenbank-Ingenieurin in einer renommierten Stuttgarter Anwaltskanzlei an den Nagel. Die Ausbildung an der Pegasus-Schreibschule endet im November 2013 mit ihrem Romandebüt Gleichklang – eine turbulente Liebesgeschichte, in die Gabriele Schmid ihre Alltagserfahrungen mit ihrem hämophilen Sohn einfließen ließ. Der Roman erscheint als E-Book und gedruckt bei spiritbooks. Und noch ein Wunsch erfüllt sich: Vom Erlös eines jeden verkauften Buches fließt jeweils ein Euro an die Deutsche Hämophiliegesellschaft.

Wenige Wochen nach Erscheinen ihres Erstlings legt Gabriele Schmid im Eigenverlag nach. Unter dem Label PCSbooks (Plots. Characters.Scripts) erscheinen in kurzen Abständen die ersten beiden Bände ihrer Kurzromanreihe Aus Träumen werden Geschichten, deren Plots in Mittsingen spielen, einem fiktiven Ort in Baden-Württemberg. In Vorbereitung ist Band 3 „Hitzeschlacht“. Außerdem feilt Gabriele Schmid derzeit gemeinsam mit Lea Korte an einer Serie rund um die Kriminalkommissarin Sina Roth.

Ich habe bei der umtriebigen Autorin nachgehakt. Im ersten Beitrag geht es heute um Schreibschulen, was sie bringen und worauf man bei der Wahl achten sollte. Unser zweites Gespräch dreht sich um den Selbstverlag PCSbooks und abschließend möchte ich von Gabriele Schmid erfahren, was es alles braucht, um als Autorin Fuß zu fassen.

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Reicht handwerkliches Können aus, um als Autorin zu reüssieren?

Leider nicht. Freilich geht ohne das richtige Rüstzeug gar nichts! Aber selbst wenn man alles tut, um voranzukommen, braucht man auch ein Quäntchen Glück. Auch das Vermögen, sich immer wieder neu zu motivieren, darf nicht fehlen. Und vor allem braucht es das nötige Selbstvertrauen und nicht zuletzt der Glaube an sich selbst.

Gabriele Schmid  © Nicole Geck

Gabriele Schmid © Nicole Geck

Warum haben Sie sich für die Pegasus-Schreibschule von Ulrike Dietmann entschieden?

Aus ganz pragmatischen Gründen: Aufgrund von Patricks Krankheit…

Ihr Sohn leidet unter Hämophilie A, einer angeborenen Bluterkrankheit. Selbst geringfügige Verletzungen können zu lang anhaltenden, starken Blutungen und später zu irreparablen Folgeschäden führen.

Genau. Erfahrungen, die ja auch in meinen Roman Gleichklang eingeflossen sind. Aufgrund seiner Erkrankung wollte ich nicht allzu weite Entfernungen in Kauf nehmen. So habe ich mich hauptsächlich nach Schulungsmöglichkeiten im Stuttgarter Raum umgesehen und bin – mehr durch Zufall – auf die Pegasus-Schreibschule gestoßen. Die Webpräsenz sprach mich sofort an. Super, dachte ich, gleich um die Ecke! Noch am selben Tag habe ich Kontakt mit Ulrike Dietmann aufgenommen, die sich dann auch sogleich mit mir in Verbindung setzte.

 Was bietet die Pegasus-Schreibschule?

Ulrike Dietmann bietet zweitägige Schulungen unter anderem in Zusammenarbeit mit Schreibfluss von Jurenka Jurk, die mehr in die spirituelle Richtung gehen, das notwenige Rüstzeug wie Heldenreise, Plottrainung usw. allerdings nie außer Acht lassen. Trotz der Tatsache, dass nur sechs Teilnehmer pro Kurs angenommen werden und auf jeden Einzelnen persönlich eingegangen wird, können zweitägige Schulungen natürlich nur an der Oberfläche der einzelnen Schreibvorhaben kratzen. Vertieft werden die Projekte dann in einer engeren Zusammenarbeit, dem Coaching. Hier wird die Theorie, die man sich in den Schulungen angeeignet hat, in der Praxis umgesetzt, das heißt konkret: an den jeweiligen Romanvorhaben.

Wie viele Schulungen muss man durchlaufen, um beim Coaching teilnehmen zu können. Und: Was kostet mich das?

Das läuft unabhängig von einander. Die Schulungen kosten jeweils 300 Euro, das Coaching wiederum wird nach einem Stundensatz abgerechnet. Man muss die Ausbildung nicht komplett absolvieren. Ich habe inzwischen einige Autoren kennengelernt, die gar nicht das Ziel verfolgen, einen Abschluss zu machen. Sie wollen sich lediglich inspirieren lassen.

Die Pegasus-Schreibschule bietet auch eine zertifizierte Ausbildung zum Romanautor an. Was zeichnet eine zertifizierte Romanautorin aus?

Das beschreibt Ulrike Dietmann so:

Eine zertifizierte Romanautorin kann

  • professionell lektorierte Prosa schreiben
  • weiß, wie Spannung in einer Geschichte und in einer einzelnen Szene entsteht
  • kann eine Vielfalt von Gefühlen authentisch ausdrücken
  • kann lebendige Figuren schreiben und mit Worten eine eigene Wirklichkeit entstehen lassen, die den Leser in ihren Bann zieht

Und schließlich gehört auch das dazu: Sie bringt ein Projekt zu Ende, und zwar bis hin zur Veröffentlichung.

Meinen Sie, dass ihr Debüt „Gleichklang“ ohne Schulungen und Schreibcoaching jemals Druckreife angenommen hätte?

Ich denke, irgendwann vermutlich schon – allerdings bestimmt nicht in dieser Qualität und schon gar nicht in dieser kurzen Zeit. Gemeinsam mit Ulrike Dietmann habe ich Teile gestrichen, die überflüssig waren und andere Teile dafür ausgebaut, die bisher brachlagen. Dies zu erkennen, dazu fehlte mir damals noch das Knowhow.

War der kasus knaxus etwa ein anderer Blick auf das Manuskript, den Ulrike Dietmann erst möglich machte?

das Debüt bei spiritbooks

das Debüt bei spiritbooks

Schwierige Frage. Eigentlich hat sie nur die Schwachstellen erkannt und mir diese aufgezeigt. Richtig kritisiert hat sie nie. Wir haben viel miteinander telefoniert. Ich habe danach umgeschrieben und wir haben die entsprechenden Passagen abermals besprochen. Manches habe ich danach wieder geändert.

Aber, wenn ich ehrlich bin, habe ich mir ihre Ideen nur angehört und diese dann reifen lassen. Quasi aus dem Bauch heraus entstanden dann Neue. Bei meinem ersten Buch war mir sehr wichtig, dass komplett alles aus mir herausgeflossen ist. Ulrike ließ mir freie Hand. Was auch zeigt, dass sie enormes Vertrauen in mich hatte. Dafür bin ich ihr sehr dankbar – sie wollte mich oder meine Ideen nie verbiegen. Das betraf auch den Titel „Gleichklang“, den ich unbedingt haben wollte. Sie war anfangs nicht glücklich damit, ließ mir aber meinen Willen.

Mit dem Aufkommen des Selfpublishings wachsen Schreibschulen für Jungautoren wie Pilze aus dem Boden; selbst Verlage satteln auf den Trend auf. Worauf sollte man bei der Auswahl besonders Acht geben?

Meines Erachtens ist bereits der erste Eindruck wichtig. Missfällt mir der Internetauftritt oder muss ich lange nach einer Information suchen, dann ist für mich dieses Angebot meist schon gestorben. Vor allem aber, muss man einen Draht zum Dozenten oder der Dozentin aufbauen können. Stimmt die Chemie nicht, wird man keinen Zugang finden.

Das Annehmen von Kritik fällt den meisten Menschen schwer. Wie ist es Ihnen ergangen, als Ihr Manuskript auf dem Prüfstand stand?

Das hat mich selbst überrascht! Ich konnte ganz nüchtern damit umgehen, denn nicht die Buchidee oder der Plot wurden kritisiert, sondern lediglich einzelne Teile daraus. Natürlich war ich von manchen Vorschlägen, die Ulrike gemacht hat, nicht unbedingt begeistert. Aber ich ließ sie mir zumindest durch den Kopf gehen.

Kritik bedeutet ja nicht unbedingt, dass etwas schlecht ist. Mich spornt Kritik an, etwas anschaulicher zu beschreiben oder eine Handlung stimmiger zu formen. Testleser oder etwa das Autoren-Forum, das Lea Korte anbietet, sind wertvolle Hilfen. Im Autoren-Forum kann ich Passagen, die mir besonders gut oder gar nicht gefallen, einstellen und von anderen kommentieren lassen. Dabei mache ich immer wieder die erstaunliche Erfahrung, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Situation interpretieren. Als Autorin hilft mir Kritik, besser zu werden – als Mensch kann ich eher weniger gut damit umgehen.

Es heißt ja, Austausch, Inspiration und Kritik – das geht nirgends so intensiv wie an Schreibschulen. Würden Sie dem zustimmen?

Unbedingt. Mit acht weiteren Autoren habe ich Mitte Mai eine Schreibwoche unter der Leitung von Lea Korte in Spanien besucht. So viel konstruktive und faire Kritik wie in diesen Gruppen habe ich in meinem bisherigen Berufsleben nicht erfahren. Neid war hier ein absolutes Fremdwort.

Im Rahmen Ihrer Danksagung an Ulrike Dietmann schreiben Sie: „Hier wusste jemand ganz genau, was es heißt, ständig mit Geschichten im Kopf unterwegs zu sein und nicht zu wissen, wie man sie los wird. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Man schreibt sie nieder, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Das Schwierigste dabei ist nicht, dies zu tun, sondern endlich den Mut dazu zu finden, auch darüber zu reden.“ Mögen Sie diese Aussage etwas konkretisieren?

Ich selbst habe nie darüber geredet, dass ich fortwährend Geschichten im Kopf habe oder Stoffe aus Filmen und Büchern weiterspinne. Für mich war es tatsächlich der schwerste Schritt, dafür gerade zu stehen und meiner Familie und meinen Bekannten zu eröffnen, dass ich Bücher schreiben möchte.

 Wie wurde auf Ihr Bekenntnis reagiert?

Überwiegend positiv, was mich immer noch überrascht. Ich hatte mit Erstaunen oder Zweifel gerechnet.

Ihren Erstling „Gleichklang“ publizierte Ihre Mentorin Ulrike Dietmann in ihrem eigenen Verlag spiritbooks. Wie kam es zu der Entscheidung?

Nach Abschluss der Manuskriptarbeiten kam von Ulrike Dietmann ein klares GO mit zwei Optionen: Entweder erarbeiten wir gemeinsam ein hieb- und stichfestes Exposé nebst Anschreiben für Verlage und Agenten. Oder eben das Angebot, in ihrem Verlag – mit weniger Vergünstigungen – zu veröffentlichen. Für mich fiel die Entscheidung innerhalb weniger Sekunden.

Was bedeutet: mit weniger Vergünstigungen?

Kein Vorschuss, lediglich eine Umsatzbeteiligung, kein breites Marketing. Dafür muss der Autor seinen Teil tun. Wobei: das ist inzwischen ja gängig, dass Autoren das in die eigene Hand nehmen müssen.

Sie haben außerdem Onlinekurse absolviert, die Lea Korte Autoren anbietet…

Spontane Kaffeeidee – ich las von den Online-Autorenkursen und dachte mir, das packe ich obendrauf, dann wird das rund.

 Inwiefern unterscheiden sich die Angebote von Dietmann und Korte?

Lea Korte steigt noch tiefer in die jeweiligen Schreibprojekte ihrer Teilnehmer ein. Die Skripte sind ausführlicher und mit vielen, vielen Beispielen unterlegt. Jeder Einzelne arbeitet gezielt an seinem Romanprojekt, das anfangs sowohl Lea Korte wie der Gruppe vorgestellt wird. Pro Monat sind zwei Lektionen zu bearbeiten und mehrere Szenen zu schreiben. Diese gehen an Lea und kommen von ihr kommentiert zurück. Dann geht es ans Überarbeiten. Erst danach wird der Text den anderen im Forum präsentiert und dort diskutiert. Erstaunlich, wie vielen Logikfehlern und anderen Unstimmigkeiten man bei den Diskussionen noch auf die Spur kommt. Abschließend kommentiert Lea jede Szene erneut.

Wie viele Teilnehmer hatte Ihr Kurs?

In meinem Kurs waren wir zeitweise bis zu 13 Teilnehmer. Allerdings haben nur acht davon konsequent bis zum Schluss durchgehalten. Die Onlinekurse von Lea Korte setzen schon einiges an Selbstdisziplin und Fleiß voraus. Das fiel auch mir nicht immer leicht, die Hausaufgaben neben Beruf, Familie und der Überarbeitung von „Gleichklang“ zu stemmen. Manches Mal war ich kurz davor, Sina Roth ins Eck zu werfen.

Neben Ulrike Dietmann lassen Sie sich inzwischen auch von Lea Korte coachen…

Das hat sich aufgrund des Online-Kurses einfach so ergeben. Nach dessen Abschluss kann ich mich bei Lea Korte nur noch über das Coaching und im geschlossenen Forum weiterbilden.

Heißt es nicht, viele Köche verderben den Brei?

Da ich sowieso beständig an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite, ist das für mich sogar eine Erleichterung, für meine verschiedenen Projekte unterschiedliche Ansprechpartner zu haben. Mir liegt das, mit unterschiedlichen Menschen-, Autoren- und Dozententypen zu arbeiten. Einerseits profitiere ich von Ulrikes ruhiger, überlegter Art, andererseits von Leas übersprudelnder, spontaner Arbeit. Das ist äußerst spannend. Ich möchte weder das eine, noch das andere missen. Im Gegenteil: Bei Ulrike Dietmann werde ich jährlich mindestens ein weiteres Training besuchen; bevorzugt das Schamanische Reisen. Das bringt mir pure Inspiration.

Der Ansatz der Pegasus-Schreibschule legt nahe, dass Sie Schreiben für einen spirituellen Prozess halten…

(lacht) Das kann meine Familie nur bestätigen. Wenn ich schreibe, bin ich definitiv in einer anderen Welt. So es rundläuft. Man beamt sich quasi zu seinen Protagonisten und lässt sie leiden, lieben … Es fließt aus einem heraus, ohne das man nachdenken, planen muss. Die Personen verselbständigen sich und die Handlungen passieren einfach – wie Magie! Manches Mal tauche ich ungerne aus dieser Welt wieder auf. Beim Überarbeiten kann ich oftmals nicht fassen, dass ich das geschrieben haben soll, was da auf dem Papier steht.

Mit Lea Korte arbeiten Sie an den Kriminalgeschichten rund um die 32-jährige Kommissarin Sina Roth. Band 1 soll zum Jahresende unter dem Pseudonym Lexi Frey erscheinen. Warum nicht unter Ihrem Namen?

Ein kleiner Gag, den ich mir erlauben will: Wer die Bände „Herbststürme“ und „Sternschnuppen-Regen“ aus meiner Kurzroman-Serie rund um den fiktiven Ort Mittsingen kennt, kennt auch Lexi Frey.

Die Buchhändlerin, die Krimis für die Schublade schreibt…

Exakt. Ich meine, ein anderes Genre zieht auch einen anderen Namen nach sich. Gabriele Schmid steht ja eher für Liebe.

Sehen Sie vor, auch weiterhin in Ihre Ausbildung als Romanautorin zu investieren?

Abgesehen von den bereits genannten Vorhaben bei Ulrike Dietmann möchte ich mich als Krimi-Autorin weiterbilden. Hierzu suche ich noch passende Schulungsmöglichkeiten. Derzeit allerdings besteht mein vorrangiges Ziel darin, meinen Platz als Autorin zu festigen.

Dazu kommen wir noch. Für heute: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, eine Menge Fragen rund um Autorenschulen zu beantworten.

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In der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” standen bereits Rede und Antwort:  Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg, der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher Michael Meisheit und der Lyriker Jost Renner. –  Stets geht es darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

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SteglitzMind stellt Anubis mit „Lake Hermanstadt“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Christoph aka Anubis mit dem Blog Lake Hermanstadt etwas näher kennen. Vorgeschlagen hatte das Frank Böhmert, der unter eben diesem Namen bloggt.

Dein Steckbrief in Stichworten…

Außerhalb des Internets heiße ich Christoph Jarosch. Seit ein paar Jahren wohne ich in Hamburg (davor war es Buenos Aires, davor verschiedene Städtchen in Hessen). Am Wochenende bin ich meist in Rostock zu finden, denn dort lebt der Mensch, mit dem ich Glückspilz verheiratet bin. Ich studiere Theologie, nachdem ich zuvor eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht habe. Und ich lese viel.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Vor fünf Jahren habe ich angefangen. Nach einer Weile kam Eosphoros dazu, der ebenfalls auf Lake Hermanstadt schreibt. Als ich Anfang 2009 auf die Idee kam, ein Blog anzulegen (und es nach dem imaginären Karpatengewässer zu benennen, an dessen Ufer sich laut Stokers Roman die Universität befand, an der Graf Dracula studierte), fiel die Wahl für Blogger als Plattform eher zufällig. Blogger erschien mir leicht zu bedienen. Heute würde ich mich – um unabhängiger zu sein und mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu haben – sicherlich anders entscheiden.

Christoph aka Anubis © privat

Christoph aka Anubis © privat

Ich schreibe über Literatur, weil es das Thema ist, über das ich mich am liebsten äußere. Da ich das nicht professionell, sondern zum Vergnügen mache, ist ein Blog das ideale Medium, denn es bringt vergleichsweise wenige Einschränkungen des Ausdrucks und der Themenwahl mit sich (neben denen, die ich mir selber setze). Über meine Lektürevorlieben zu bloggen, ist für mich das Äquivalent zu den persönlichen Bücherregalen, die man manchmal in lange bewohnten Zimmern findet: Man ist bei irgendjemandem zu Besuch und fragt sich, warum die Person einen Band über Gartenbaukunst zwischen Wolfgang Herrndorf und ein zerfleddertes Exemplar von Alice im Wunderland gestellt hat. Die Bücher sind – in ihrer Anordnung im Regal, ihrem Zustand und so weiter – dadurch vereint, dass sie durch die Hände einer bestimmten Person gegangen sind. Büchersammlungen können ein faszinierender Ausdruck von Idiosynkrasie sein. Und noch schöner ist, über sie zu bloggen und andere mit der eigenen Lektüre anzustecken.

Hinzu kommt bei mir noch etwas anderes: Ich bin eher schüchtern und versponnen. Beim Bloggen kann ich meiner polemischen Seite freien Lauf lassen, die ich sonst oft unterdrücke. Dabei heißt Polemik für mich vor allem Parteilichkeit. (Kritik ist eine moralische Sache, wie Walter Benjamin sagte.) Mit Verrissen um des Verreißens willen kann ich dagegen nichts anfangen.

Deine Themenschwerpunkte…

Es geht vor allem um phantastische Literatur, angefangen von der Gothic Romance und dem Kunstmärchen der Romantik bis zur heutigen Fantasy. Aufmerksam werde ich insbesondere dann, wenn Hochliteratur und Genre, Kinder- und Erwachsenenbücher aufeinandertreffen (beispielsweise im Werk von Autorinnen wie Jeanette Winterson und A.S. Byatt). Viele Interessen teile ich mit meinem Mitblogger Eosphoros, daneben haben wir aber auch jeweils eigene Schwerpunkte: Eosphoros rezensiert z.B. gern Hörbücher. Ich schreibe viel über politische Kontroversen innerhalb des Fantasy-Fandoms.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Es treibt mich nicht gerade um, aber: In Deutschland ist jede Literaturdebatte begrüßenswert, die sich nicht darum dreht, dass Walser oder Grass wieder einmal etwas unsagbar Blödes von sich gegeben haben. Oder darum, dass Heidenreich sich über die Bestsellerlisten ereifert. Die Debatte über Realismus und Diversität in der deutschsprachigen Literatur, die zu Beginn des Jahres geführt wurde, fanden viele überflüssig, aber ich habe sie mit Interesse verfolgt.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verlinke sie auf Twitter und Facebook. Updates im Blog werden auch auf den Seiten von HDRF.de angezeigt, einem Fan-Portal, das u.a. die freie Tolkien-Enzyklopädie Ardapedia betreibt. Beifall und Kritik kommen aber hauptsächlich von Leuten, die Lake Hermanstadt regelmäßig besuchen. Danke dafür.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Glauben, dass die Blogosphäre spätestens morgen die etablierte Presse ersetzt haben wird. Das erinnert mich immer an Leute, die meinen, durch individuelle Konsumentscheidungen das Verhalten von Konzernen ändern zu können.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ich finde es wichtig, sich in der Literaturblogszene zu solidarisieren, wenn es zu Mobbing oder verbalen Übergriffen kommt. Es gibt leider mehr als einen Autor, der auf mackerig-aggressive Weise seine Vanity-Press-Veröffentlichungen zu bewerben versucht und dabei ausfällig wird. Dahinter steht natürlich keine Schwierigkeit, die für das Bloggen spezifisch ist, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

In eine neue Stadt ziehen und gleich Leute treffen, die mich kennenlernen wollen, weil sie mein Blog lesen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Ich nehme das Angebot nur an, wenn mich das Buch ohnehin interessiert. Es würde mich schnell langweilen, meine Lektüre auf Neuerscheinungen zu beschränken – und mein Bloggen. Über Genregeschichte, Literaturdebatten und diesen oder jenen Klassiker zu schreiben, macht mir oft mehr Spaß. Trotzdem werden auf Lake Hermanstadt regelmäßig eklektisch ausgewählte Bücher rezensiert.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Die lehne ich ab. Nicht, weil ich selbstpublizierte Titel pauschal für schlecht hielte (ich weiß, dass es da lesenswerte Sachen gibt), sondern weil ich gar nicht allen Angeboten nachkommen könnte. Nur einige selbstpublizierte Titel zu besprechen und andere nicht, fände ich (nicht als Leser, aber als Kritiker) intransparent gegenüber einer Sparte, der vor allem eins fehlt: zuverlässige Kriterien, wann ein Text veröffentlichungswürdig ist und wann nicht. Insofern begrüße ich eine Initiative wie Qindie.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich hätte gerne schon als Kind einen Reader gehabt. Dann hätte ich nicht Nacht für Nacht mit der einen Hand ein Buch und mit der anderen eine funzelnde Taschenlampe umklammern müssen. Hierzu gibt es auch eine Nachricht von Eosphoros: Er liebt das E-Book an sich, wünscht sich aber, dass sie genauso sorgfältig und professionell hergestellt und gestaltet werden wie Printbücher. E-Books voll mit Fehlern sind ein Ärgernis, vor allem wenn man keine Reklamationsansprüche geltend machen kann.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Skalpell und Katzenklaue ist eine schier unerschöpfliche Fundgrube zu Weird Fiction, dem phantastischen Film und vielem mehr. Schade finde ich, dass Golem – Journeys Through the Other Space, ein Blog über Surrealismus und andere interessante Dinge, seit etwa einem Jahr nicht mehr gepflegt wird. Auf Jakobs Blog gibt es scharfsinnig analysierende, brillant geschriebene Rezensionen. Das noch recht neue Epi(b)log von Simone Heller kann ich mir schon jetzt kaum mehr wegdenken aus der deutschsprachigen Blogosphäre. An sie würde ich gerne den Stab weiterreichen. Simone steht auch hinter dem Rezensionsportal Bibliotheka Phantastika, mit einem ebenfalls empfehlenswerten Gemeinschaftsblog.

Danke sehr, schön dass du hier dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Frank Duwald mit dandelion | abseitige Literatur vor. Seine Wunsch-Interviewpartnerin kiyaliest. – Eine Übersicht über die 75 Blogger und Bloggerinnen, die bislang Rede und Antwort standen, und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

SteglitzMind stellt Frank Duwald mit „dandelion“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Frank Duwald mit dandelion | abseitige Literatur kennen. Vorgeschlagen hatte das Petra Gust-Kazakos, die Philea’s Blog pflegt.

 Dein Steckbrief in Stichworten…

Geboren 1965. Technische Ausbildung. In einem Beruf tätig, der nichts mit Literatur zu tun hat. Schreibe seit ca. dreißig Jahren Buchrezensionen und Artikel, zu prä-Internet-Zeiten erst in Fanzines, dann in eher semi-professionellen und auch kommerziellen Literatur-Magazinen.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit April 2013 mit dandelion. Ich nutze WordPress und habe es nie bereut, diese Wahl getroffen zu haben. WordPress ist sehr intuitiv zu bedienen, bietet viele nützliche Features, und die interne Vernetzung mit anderen Blogs ist einfach ausgezeichnet. War aber purer Zufall, dass ich WordPress genommen habe.

Deine Themenschwerpunkte?

Der alte Untertitel von dandelion – „phantastische Literatur“ – schien für die meisten Leser irreführend zu sein, da oft pure Fantasy etc. dahinter vermutet wurde. Tatsächlich stand für mich dieses Label aber eher für „außergewöhnliche Literatur“. Inzwischen habe ich den Titel in dandelion | abseitige Literatur geändert, womit ich mich sehr viel wohler fühle.

Frank Duwald @ Jana Duwald

Frank Duwald @ Jana Duwald

Mein übergeordneter Themenschwerpunkt ist zunächst: Alles, was ich gern lese. Ich rezensiere in dandelion nur Werke, die ich persönlich für gut erachte, egal, ob sie klassisch oder modern sind und auch egal, ob sie einem bestimmten Genre angehören oder nicht. Solche Kategorisierungen mögen für Verlage und Buchhändler wichtig sein – für mich sind sie es nicht. Für mich gibt es grob gesehen nur die Klassifizierung „gut“ oder „schlecht“. Ebenfalls keine Trennung mache ich in Bezug auf die Erscheinungsform des jeweiligen Textes. Ich rezensiere Romane genauso wie Kurzgeschichten, Erzählungen und Novellen, die in Anthologien, also nicht als eigenständige Publikation, erschienen sind. Für mich macht auch das keinen Unterschied. Die Texte unterscheiden sich erst einmal nur in ihrer Länge. Letztlich zählt auch hier für mich ausschließlich die Qualität.

Für Verrisse ist mir meine ohnehin knappe Freizeit einfach zu schade. Man könnte daher dandelion eher als einen persönlichen Literatur-Empfehlungsblog sehen. Hinter diesem Konzept haben sich natürlich durchaus einzelne Themenschwerpunkte herauskristallisiert. So habe ich ein Faible für viktorianische Literatur, insbesondere die klassische englische Geistergeschichte sowie die gothic novel. Ich liebe diese romantische Stimmung von efeuüberwachsenen Gemäuern. Außerdem ist es mir immer wieder ein großes Vergnügen, den unermesslichen sexuellen Subtext dieser von sexuellen Repressalien gepeinigten Generationen zu entkodieren.

Daneben halte ich verstärkt nach anspruchsvollen Liebesgeschichten Ausschau, was wohl auf das Konto des Romantikers in mir geht. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich die Klassiker den modernen Werken vorziehen. In einem Großteil der zeitgenössischen Literaur fehlt mir die Gemächlichkeit und der Detailreichtum, mit der zunächst einmal in aller Ruhe der Handlungsrahmen und die Charaktere entwickelt werden. Ganz pauschal gesagt sind die Klassiker oft zwar etwas zäher zu lesen als moderne Romane, dafür wirken sie im Kopf und im Herzen aber viel länger nach.

 Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Ich bin nicht sehr auf dem Laufenden, was das betrifft. Was aber immer wieder diskutiert wird, ist ja „Buchhandel vs. Amazon“. Ich finde die Idee einer mit Büchern vollgestopften Buchhandlung ja sehr erstrebenswert, und ich unterstütze das, wo ich nur kann. Aber, wenn ich (wie es mir leider schon oft passiert ist) einen wirklich allbekannten Klassiker kaufen möchte, dafür zehn Kilometer zur nächsten Buchhandlung fahren muss, letztendlich ich den Buchhändler berate, nur um zu erfahren, dass das Buch erst noch bestellt werden muss, dann bin ich schon manchmal in der Versuchung bei Amazon aufs Knöpfchen zu drücken und auf den Postboten zu warten…

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Hauptsächlich über die üblichen Kanäle. Facebook bringt mir bei jedem Posting eine konstant kleine Besucherzahl. Eine nachhaltige Wirkung hat für mich die Verlinkung mit anderen Blogs über WordPress. Eigentlich bin ich eher einer, der am liebsten im Hintergrund sein Ding macht, aber ich habe schnell festgestellt, dass man so nicht weiterkommt und es einfach auch keinen Spaß macht, wenn man sich nicht mit Gleichgesinnten austauscht. Ich denke, jeder, der behauptet, ihm sei es egal, wie viele Leser er hat, lügt. Letztlich sind wir in diesem Punkt alle eitel und wollen etwas Anerkennung. Da bietet WordPress ein großartiges Instrumentarium. Ich bin auch in diversen Genre-Foren unterwegs. Die Leser des Horror & Thriller Forums beispielsweise gehören zu meinen treuesten, anspruchsvollsten und tolerantesten Lesern, und dass, obwohl ich diese Genres nur sehr rudimentär streife. – Twitter und diese ganzen Blog-Verzeichnisse bringen dagegen in meinem Fall rein gar nichts.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich glaube, eine der Todsünden des Bloggers ist, zu viel und zu penetrante Werbung für den eigenen Blog zu machen. Wenn man jeden neuen Beitrag in Facebook in zehn Gruppen postet, hat man sehr gute Chancen, ziemlich kurzfristig im Junk-Ordner zu landen. Da ist schon etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Ich selbst habe mir rechtzeitig einiges bei den etablierten Blogs abgeschaut, sonst wäre ich wohl auch in diese Falle getappt.

Ebenfalls nicht empfehlenswert finde ich, sich selbst mit der Jagd auf möglichst viele Follower und Hits zu stressen. Steigende Tendenzen erreicht man sowieso nur durch kontinuierliches Kontaktknüpfen, und mir persönlich sind 20 Follower, von denen ich weiß, dass sie jede meiner Rezensionen wirklich lesen, viel lieber als 200 Follower, die ihre „Neuer Beitrag“-Mails nach einem kurzen Blick sofort löschen. Hier sollte man als Blogger meiner Meinung nach seine eigene Philosophie entwickeln, sonst sind Enttäuschungen vorprogrammiert.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Solange man sich nicht daneben benimmt, sehe ich eigentlich keine Hürden von außen. Hürden spielen sich eher im eigenen Kopf ab. So besteht die Gefahr, dass man sich von den Follower-Zahlen etablierter Blogs einschüchtern lässt. Das gleiche gilt für Kommentare auf Beiträge hin. Während es die bekannten Blogs locker auf durchaus vierzig Kommentare pro Beitrag bringen, muss man sich als Frischling darauf einstellen, dass die ersten Monate möglicherweise nicht ein einziger Kommentar kommt. Da ist einfach eine entspannte Einstellung zum eigenen Blog gefragt. Ich muss mich selbst aber auch immer mal wieder zurück pfeifen und daran erinnern, dass das ein Hobby ist und kein Job, der am Erfolg gemessen wird.

Schwierigkeiten hatte ich bisher nur einmal, als ich für meine Rezension von Dracula in einem Vampir-Forum etwas Werbung in Form eines Links angebracht hatte und plötzlich die gesamte Belegschaft mein Blut wollte. Die Vampire empörten sich öffentlich über mich und meine Dreistigkeit, meinen ersten Beitrag in ihrem Forum für Werbung zu missbrauchen. Interessanterweise gab es keine Möglichkeit, den Account zu löschen. Inzwischen wurde ich verurteilt und in Form einer Account-Sperrung bestraft. Mein Beitrag ist immer noch dort zu lesen – mit gelöschten Links. Auf so etwas kann man wirklich verzichten.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger…

Als mir der dandelion-Leser Jörg Wald schrieb: „Ich kenne wohl niemanden, der Bücher so liebt und dies so herzinnig begründet. Ich glaube, du könntest ein Telefonbuch verzaubernd und leseanregend besprechen…“ Wir sind inzwischen Freunde. So etwas können hundert anonyme Follower nicht toppen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Kam bisher nur durch Autoren vor. In diesem Fall schaue ich mir genauer an, ob das etwas für mich sein könnte und sage entweder „ja“ oder „nein“. Im Normalfall fordere ich selbst ganz gezielt Rezensionsexemplare beim Verlag an. Wenn ich das mache, fühle ich mich allerdings auch irgendwie moralisch verpflichtet, eine Rezension zu schreiben.

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Auch hier würde ich jeweils selbst entscheiden wollen, ob ich ein Rezensionsexemplar haben möchte oder nicht.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe bisher keinen E-Book-Reader. Für mich wird ein gebundenes Buch immer das Maß der Dinge bleiben. Das Gefühl, ein neues Buch zu öffnen, das Knistern zu hören und den typischen Buchgeruch zu riechen, ist durch keine Technik dieser Welt ersetzbar. Das ist ungefähr so, als würde man sich einen Kunststoff-Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen. Ich finde ein E-Book aber durchaus praktisch, wenn man viel auf Reisen ist oder mit schlechten Lichtverhältnissen zu kämpfen hat. Da ich aber sehr viele lange vergriffene Titel lese und bespreche, macht ein E-Book-Reader für mich einfach keinen Sinn.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Viele viele sehr gute Blogs wurden in anderen Beiträgen schon genannt. Deshalb empfehle ich hier ausschließlich Blogs, die noch nicht genannt wurden. Daher nenne ich: Hauptsache Bücher, Molochronik, Vnicornis, Frank Böhmert und Uwe Voehl – Lieben, leiden, sterben. In dieser Reihe zu Wort kommen sollte kiyaliest.

Danke sehr, Frank. Schön, dass du hier dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Frank Böhmert mit seinem gleichnamigen Blog vor. – Eine Übersicht über die 74 Blogger und Bloggerinnen, die bislang Rede und Antwort standen, und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

Herr Braunsdorf, was meinen Sie, was wäre zu tun, damit der Buchhandel zukunftsfähig bleibt?

Zoë Beck, Lorenz Borsche, Boris Langendorf und Stefan Weidle standen mir im Vorfeld der Diskussionsrunde „Wie groß ist die Zukunft des Buches?“ dankenswerterweise hier Rede und Antwort. Nun kann man sich fragen, warum ich nicht auch beim Initiator der Veranstaltung, Jörg Braunsdorf, nachgehakt habe?

Hab‘ ich! Der Beitrag ist gestern in der Rubrik Das Sonntagsgespräch bei Buchmarkt online erschienen.

Logo © Tucholsky-Buchhandlung

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Die Gesprächsrunde, von der Jörg Braunsdorf sich auch Signale an die Politik und den Börsenverein für den deutschen Buchhandel erhofft, findet am Dienstag, den 3. Juni 2014, um 19.00 Uhr in der Tucholskystr. 47 in Berlin/Mitte in der Tucholsky-Buchhandlung statt. Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung, entweder per E-Mail  [kurt(at)buchhandlung-tucholsky(dot)de] oder via Facebook, wird gebeten.

Gäste sind: Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Politikwissenschaftler, Redakteur der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ und Autor von „Amazon. Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung).