Steglitz fragt bei Petra van Cronenburg nach … (Teil 2)

„Zu Facebook wollte ich auch nie. Wie kam ich da nur hin?“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Petra van Cronenburg für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. Im ersten Teil unseres Gespräches berichtete die Autorin und Übersetzerin über ihre Erfahrungen mit Publikumsverlagen, warum sie unter die Self Publisher ging und was sie von den Diskussionen rund um die Zukunft des Buches hält.

Dem Buchmarketing in Eigenregie kommt immer größerer Stellenwert zu. Was unternimmst du in dieser Richtung?

Kommt aufs Projekt an. Ich habe schon inkognito Werbe- und Klappentexte für Publikumsverlage geschrieben, mit Verlagen gemeinsame PR-Aktionen geplant und benutze selbst aus Kostengründen vor allem Social Media, Auftritte und direkte Kommunikation.

Welche deiner Aktivitäten (außerhalb Social Web) kamen besonders gut an, welche floppten?

Mein größter Flop war eine Lesung während eines Deutschlandspiels der EM. Bücher kommen gegen Fußball nicht an.

Die schönsten Überraschungen erlebe ich bei Auftritten. Da signierte ich einmal einer netten älteren Dame ein Buch als Geschenk für ihren Sohn. Ein Jahr später lernte ich neue Freunde kennen, die mir irgendwann jene Dame als ihre Mutter vorstellten! Und die war so begeistert über den Zufall, dass sie mich zum Teetrinken mit einer Russin schleppte. Da gingen plötzlich die unwahrscheinlichsten Türen für mein Buch „Faszination Nijinsky“ auf. Und mein neues, touristisch-historisches Projekt über die russische Kultur in Baden-Baden wurde ebenfalls geboren.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz?

Zuerst einmal auf meiner Website, was ich wegen der Verfügungsgewalt über die eigenen Daten und als zentrale Anlaufstelle jedem Autoren dringend empfehle. Es gibt mein Hauptblog „cronenburg“ zu Autoren- und Branchenthemen, das wiederum wie ein Krake zu Facebook, Twitter, zum Büchershoppen und in ein paar kleinere Themenblogs führt. Und natürlich im Online-Buchhandel.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen gesammelt?

Ich habe dieses Werbeinstrument sogar auf Herz und Nieren geprüft und die Ergebnisse in einer Artikelserie festgehalten. Deshalb wundere ich mich über viele Statements von Autor/innen, sie würden sich nie und nimmer verschenken, ihr Bäcker täte das ja auch nicht, das sei schädlich bis irre. Die meisten Kritiker haben sich leider nicht wirklich damit befasst, worum es überhaupt geht. Zumindest mein Bäcker verteilt durchaus Appetithappen von neuen Brotsorten!

Ein absolutes Must ist für mich das „Verschenken“ von ausführlichen (!) Leseproben. Im Buchladen kann ich ja auch schmökern. Aber was ist, wenn das Buch dort nicht vorrätig ist? Dank Book2Look kann man diesen Leser-Service sogar mit Buchtrailern und Shops verknüpfen und mit echtem Papierfeeling bequem in Social Media einbauen.

Verschenkaktionen von ganzen E-Books dagegen sind zeitlich eng begrenzt und wegen der Buchpreisbindung nur in Händlerexklusivität möglich. Sie dienen dazu, Bücher in den Top 100 sichtbar zu machen, also sozusagen ins Schaufenster zu legen. Deshalb sollte man sie auch so gründlich wie eine Werbeaktion vorbereiten und vernetzen. Der Witz ist: Es ist gar nicht so einfach, kostenlose Bücher loszuwerden. Die User sind weniger gierig als man ihnen nachsagt! Auch wenn der Effekt nach einigen Monaten etwas nachlässt, konnte ich mit jeder Aktion die Abverkäufe vervielfachen. Es lohnt sich sichtbar im Geldbeutel.

 Im Bereich Social Web: Seit wann bist du hier aktiv? Warum?

Meine erste multimediale Plattform hatte ich bei „geocities“, als es entstand. Ich blogge, seit Blogs erfunden wurden. Weil ich als Journalistin schon immer von einer eigenen Zeitschrift träumte – und plötzlich war das ohne Investitionen möglich. Ich wollte nie twittern, weil ich es als Krampf betrachtete und wollte das durch Ausprobieren beweisen. Dabei hat’s mich dann gepackt, weil es durch die Kürze ein hervorragendes Instrument ist, auf den Punkt formulieren zu lernen und Infos oder Links an möglichst viele Leute zu verteilen. Ich habe dabei fantastische Leute kennen gelernt, mit denen ich inzwischen auch im realen Leben arbeite.

Zu Facebook wollte ich auch nie. Wie kam ich da nur hin? Die Plattform ist übel, weil sie meinem Kommunikationsverhalten verführerisch entgegen kommt. Warum ich das alles mache? Weil das die besten Instrumente sind, um mit meinen Leser/innen, alten und zukünftigen, direkt zu kommunizieren und dabei Spaß zu haben. Autor/innen und Leser/innen – die wichtigste Paarung beim Buch.

Welche Plattformen im Social Web bevorzugst du für dein Buchmarketing? Warum?

Als zentrale Anlaufstelle mein Blog, wegen der Tiefe und Intensität. Facebook als PR-Instrument und Kennenlern-Club und Twitter für alles Kurze, Schnelle. Und das untereinander vernetzt. Bei Google+ bin ich nicht, weil ich nicht noch mehr schaffe und bei Facebook eher meine Leser/innen vermute. Das kann sich ändern.

Bist du bei deinen ersten Schritten im Social Web planvoll vorgegangen? Setzt du (inzwischen) auf eine Social-Media-Strategie?

Mein Plan heißt immer und überall: „Schreibe in der Öffentlichkeit nichts, was du nicht am nächsten Tag ohne Erröten in der Zeitung lesen könntest.“ Und: „Verberge dein Privatleben, aber sei absolut authentisch.“ Zur Authentizität gehört, Rückgrat und eine eigene Meinung zu zeigen. Auch mal unbequem zu sein oder zu provozieren. Da muss man auch Haue vertragen. Nichts ist langweiliger als diese glattgebügelten, austauschbaren Personen mit dem „Kauf mich, ich bin auch ganz arg lieb“-Gehabe.

Worauf achtest du bei deiner Kommunikation im Social Web besonders?

Mich zu benehmen!? Tabu sind für mich religiöse oder bestimmte politische Diskussionen, das geht virtuell unter Fremden fast immer schief.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Ich floppe ständig, weil ich viel zu viel quatsche, statt brav zu werben. Bei den Verschenkaktionen kam am meisten heraus.

Bei Facebook pflegst du Buch- und Autoren-Seiten. Was kommt bei deinen Freunden und Fans besser an? Wo verzeichnest du mehr Traffic?

Das Problem ist, dass die meisten User noch nicht begriffen haben, dass laut Facebook ein Profil nur zur privaten Vernetzung da ist und eine Seite zum Sammeln von Fans und Posten von „Unternehmensnachrichten“. Also muss ich beides bieten. Wobei die Seiten ideal für die schüchternen und stillen Mitleser/innen sind. Traffic? Ich weiß nicht mal auswendig, wie viele Fans ich habe.

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Kann ich nicht sagen, weil ich das in Kaffeepausen erledige, oder um nach komplizierten Recherchen wieder runterzukommen. Weil ich Privates mit Beruflichem mische. Manchmal belohne ich mich mit Facebook für die Erledigung besonders langweiliger Arbeiten.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Meine Bücher entstehen an einem nicht internetfähigen Laptop. Ich besitze nur ein uraltes, dauerausgeschaltetes Handy für Notfälle und einen Anrufbeantworter. Und meine Türklingel ist gut versteckt. Da bin ich eisern.

 Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle? Welche Tools nutzt du? Warum?

Gibt es ein Tool, mit dem ich beweisen kann, dass Qualität wichtiger ist als Quantität? Was ist Erfolg? Für mich ist Erfolg, wenn ich Menschen mit meinen Texten berühre. Rauschender Erfolg ist, wenn sie sogar längerfristig etwas für sich mitnehmen oder nachdenken. Das erfahre ich manchmal im persönlichen Gespräch oder durch Mails.

Was sollte man als Autor/in im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Pampig auf Kritik zu reagieren. Autor/innen müssen lernen, damit zu leben, dass Bücher Geschmackssache sind. Auch die eigenen. Sich gegen negative Kritiken rechtfertigen zu wollen, ist unprofessionell. Man sollte sich außerdem vorher genau überlegen, was man an Privatleben preisgeben möchte. Denn einmal Gesagtes und Fotografiertes ist nicht wirklich aus dem Internet zu entfernen.

Dieses Gespräch auch nicht, Madame. Vielen Dank!.

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Wer mehr über Petra van Cronenburg erfahren möchte, findet die Autorin hier im Netz:

http://www.cronenburg.net

http://cronenburg.blogspot.com

http://vaslavnijinsky.blogspot.com/

http://baden-ru-kultur.blogspot.com/

http://www.facebook.com/petra.van.cronenburg

http://www.facebook.com/cronenburg

http://www.twitter.com/buchfieber

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht hier die Autorin Petra Röder Rede und Antwort.

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Steglitz fragt bei Petra van Cronenburg nach …

„Verlage brauchen Autoren, aber Autoren brauchen nicht mehr zwingend Verlage.“

Mit Petra van Cronenburg (von mir im Social Web respektvoll bisweilen Madame genannt) verbindet mich auch Persönliches. Wir legten beide bei Twitter im Sommer 2009 los. Da uns ähnliche Interessen verbinden und das deutschsprachige Twitter seinerzeit noch relativ überschaubar war, liefen wir uns in der Timeline alsbald über den Weg. Es kam zu einem persönlichen Treffen, bei dem wir uns die Köpfe auch über Social Media heiß redeten. Der Ratschlag, sich bei Facebook ein Profil zu schaffen, stieß bei Petra damals noch auf Widerstand. – Seit Mai 2011 ist sie auch hier aktiv.

Die Autorin und Übersetzerin Petra van Cronenburg lebt in Frankreich. Sie hat vielfältige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Publikumsverlagen. 2011 brachte sie das Künstlerporträt „Faszination Nijinsky. Annäherung an einen Mythos“ in Eigenregie heraus.

Wie kam es zu deiner ersten Publikation?

Ich stieß als Journalistin auf eine Legende über einen touristischen Ort, die völlig unlogisch war und einen saftigen Kirchenskandal beinhaltete. Das reizte mich als studierte Theologin und ich recherchierte, bis Freunde meinten, die Haufen auf meinem Schreibtisch ergäben wohl eher ein Buch als einen Artikel. Als mein Wunschverlag bei der dritten Bewerbung dann meinte, die Seiten reichten eher für drei Bücher, dampfte ich das knapp 700seitige Manuskript auf die 198 Druckseiten von „Geheimnis Odilienberg“ ein, das 1998 als Sachbuch erschien.

Du hast vielfältige Erfahrungen mit Publikumsverlagen. Welche Vorteile machst du in der Zusammenarbeit mit klassischen Verlagen aus?

Zuerst einmal bezahlt ein Verlag seine Autoren und nicht umgekehrt. Im Idealfall, heute leider immer seltener, bekomme ich vorab ein Garantiehonorar. Wenn das „abgearbeitet“ ist, fließen die Tantiemen. Der Verlag finanziert außerdem auf eigenes Risiko alle Bucharbeiten wie Lektorat, Korrektorat, Grafik, Werbung, PR, Vertrieb. Außerdem verschafft er im Idealfall Lizenzen und organisiert Auftritte. Wenn man so will, kreieren zwei professionelle Partner gemeinsam ein Buch. Wobei keiner ohne die Arbeit des anderen existieren kann. So war das jedenfalls bisher …

 Welche Nachteile siehst du in der Zusammenarbeit?

Eine grundsätzlich negative Entwicklung ist die, dass immer mehr Verlage ihre Kernkompetenzen nicht mehr ausfüllen. Je mehr von der klassischen Verlagsarbeit die Autoren selbst erledigen müssen, desto überflüssiger machen sich Verlage. Verlage brauchen Autoren, aber Autoren brauchen nicht mehr zwingend Verlage.

Ich meine damit nicht die selbstverständliche gemeinsame Arbeit, weil sich etwa Autoren in kleineren Verlagen auch in der Werbung engagieren müssen, sondern echte Missstände. Ich kenne Kollegen, die ihre eigenen Lektoren mitbringen müssen, damit die Qualität stimmt, Verlage, die ein Lektorat verweigern, weil der auch in den Augen des Autors noch unmögliche Text „schon durchgehe“. Es gibt Verlage, die ihr Zielpublikum gar nicht mehr kennen …

Ich persönlich hatte extremes Pech mit der Monopolisierung in der Buchbranche, war Fusionen, Verlagsverkäufen und Personalwechseln auf entscheidenden Posten hilflos ausgeliefert. Mein Erstlingsverlag landete nach etwa vier Besitzerwechseln als Imprint bei Random House, von denen ich dann endlich nach über zehn Jahren meine Rechte zurückbekam. Eins meiner wichtigsten Bücher fand sich kurz nach Erscheinen plötzlich in der Liquidationsmasse einer Abwicklungsgesellschaft. Und kurz vor Produktion des letzten Buchs ging dessen Verlag Pleite. Diese Gefahr besteht heute mehr denn je.

Was sollte man bei der Zusammenarbeit mit Verlagen besonders beachten?

Vor allen Honorardiskussionen und Vertragsklauseln, für die man besser eine Literaturagentur bemüht, sollte die Chemie stimmen und Kommunikation auf Augenhöhe unter gleichwertigen Partnern möglich sein. Nach meinen Erfahrungen würde ich zuerst zu einem Verlag greifen, der Bücher und Autoren auch pflegt und langfristige Karrieremöglichkeiten in Aussicht stellt. Ersteres sieht man an der Größe der Backlist und der durchschnittlichen Verramschungszeit ganz gut. Es kursiert unter Autoren auch der stehende Witz, dass nur Verlage, die persönliche Weihnachtskarten verschicken, auch gut zu ihren Autoren seien.

Anfänger sollten vor der Vertragsunterzeichnung recherchieren, ob der Verlag seriös ist und was für einen Ruf er hat. Es gibt da etliche schwarze Schafe. Während manche Verlagsnamen viele Türen öffnen können. Außerdem hilfreich: Nein sagen zu können, anstatt auf Teufel komm raus veröffentlichen zu wollen.

Du veröffentlichst deine Bücher inzwischen auch in Eigenregie. Was hat dich dazu bewogen?

Ursprünglich die Pleite eines Verlags. Ich hatte das Manuskript zu „Faszination Nijinsky“ fertig und zwei Jahre hart an dem Buch über die Ballets Russes gearbeitet. Ein anderer feiner Verlag sagte mir dann mündlich einen Vertrag zu. Als ich nach Monaten nichts hörte und nachfragte (leider üblich), bekam ich die mir bis heute unverständliche Antwort, die Vertreter hätten abgelehnt, weil das Victoria & Albert Museum in London einen englischen (!) Ausstellungskatalog zu den Ballets Russes herausbringe: „Das mache den deutschen Markt für mein Buch dicht“. Da kam mir die heilsame Wut hoch – Wut macht mich kreativ.

Zur gleichen Zeit hatte ich zufällig beruflich mit einem Musikfestival zu tun. Zwei amerikanische Opernmäzene, die schon alle möglichen Größen in deren Anfangszeiten betreut haben, wuschen mir gehörig den Kopf: „Warum müsst ihr Deutschen immer ein ‚Aber’ im Kopf haben? Warum liefert ihr euch bremsenden Dritten völlig aus, anstatt an eure Kunst zu glauben und einfach Kunst zu machen?“ Musiker aus Sankt Petersburg redeten mir zudem ins Gewissen, wie wichtig dieses Buch sei.
Das nahm ich mir zu Herzen und wurde größenwahnsinnig: Ich holte einen Choreografen und einen Museumskurator mit Interviews mit ins Buch. Unter anderen las der große, nun leider verstorbene Ballettkritiker Horst Koegler noch Korrektur. – Und so produzierte ich selbst, schneller und flexibler, als es ein Verlag je gekonnt hätte.

Welche Vorteile versprichst du dir vom Self Publishing?

Es kommt auf das Projekt an. Zunächst bin ich in allem unabhängig, habe alles selbst in der Hand und scheitere folglich nur selbst. Als Einzelperson kann ich also bedeutend wagemutiger und unkonventioneller sein, kann mehr experimentieren. Ich selbst kenne mein Zielpublikum am besten und kann dank moderner Technik direkt mit ihm kommunizieren. PR mache ich ganz gezielt, nicht mit der Gießkanne – und ich bin schneller als eine Großstruktur mit Hunderten von Titeln. Mitarbeiter muss ich zwar selbst bezahlen, kann sie mir aber auch umso kritischer aussuchen. Beste Voraussetzungen für das, was bei der heutigen Marktkonzentration zunehmend untergeht.

Self Publishing eignet sich meines Erachtens besonders für typische Nischentitel, für künstlerische Inhalte, für Spartenbücher mit einem fest umrissenen Zielpublikum. Es ist für aktuelle Texte, so z.B. im journalistischen Bereich praktisch, weil die Bewerbungs- und Wartezeiten wegfallen. Mit E-Books lassen sich auch literarische Formen, die wie Kurzgeschichten rar geworden sind, wieder bedienen. Und weil viele Verlage zu zögerlich sind, erreicht man im Eigenbau mehr. Unter anderem natürlich viel höhere Tantiemen.

Wo machst du in diesem Kontext besondere Risiken aus?

Da man im Prinzip wie ein Verlag funktioniert, kann man mit einem Titel natürlich genauso scheitern oder Geld in den Sand setzen. Und Self Publishing bringt nur dann wirklich etwas ein, wenn man absolut professionell arbeitet. Solche Bücher brauchen genauso gute Cover, ein gutes Lektorat und im Print ein ordentliches Layout wie Verlagsbücher. Ich habe zum Glück beruflich Layouten, PR etc. gelernt, kann E-Books konvertieren und arbeite, was wohl tut, einmal nur für mich selbst. Aber nicht jeder kann und will eine eierlegende Wollmilchsau sein. Dann wird die Produktion entweder aufwändig oder teuer.

Ein Problem vornehmlich in Deutschland – in anderen Ländern kaum existent – ist das brancheninterne Schmuddelimage, gegen das man sich wehren muss. Leser haben diese Vorbehalte weniger. Doch es verschließt Self Publishern vor allem den stationären Buchhandel und zwingt sie zu Firmen wie Amazon, Apple, Google etc., die sie mit offenen Armen aufnehmen. Nicht im Buchhandel präsent zu sein, bedeutet zumindest im Print Verluste. Allerdings sind viele feine Verlage dort auch längst nicht mehr präsent.

Mit dem Boom im Selbstverlegen von E-Books kommt ein neues Problem auf uns zu. Da die technischen und finanziellen Hürden beim Produzieren von E-Books niedrig sind, werden wir uns zukünftig auch damit beschäftigen müssen, wie man ein professionell gestaltetes Buch gegen völlig unkorrigierte Spaß-an-der-Freud-Bücher überhaupt sichtbar macht.

Was rätst du jenen, die Schritte in Richtung Self Publishing / Independent Publishing planen? Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Dass sie zusätzlich zur Arbeit des Schreibens die Arbeit und die Risiken eines Verlegers übernehmen. Schon von daher verstehe ich die Verlegerschelte nicht, die in manchen Self-Publishing-Kreisen üblich ist. Wenn sie dann wirklich alles selbst machen wollen, ist das eine ungeheure Belastung. Viele unterschätzen, wie viel Arbeit allein in den Produktionsprozessen liegt. Und die meisten lügen sich einen „Erfolg“ schön, weil sie nicht ehrlich budgetieren. Man sollte auch möglichst früh lernen, dass es wahre Unabhängigkeit nicht gibt. Self Publisher, die professionelle Ware liefern wollen, sind auf Netzwerke, freie Mitarbeiter, womöglich auf Tauschhandel – und vor allem auf ihre Leser angewiesen. Das Faszinierendste ist gleichzeitig das Schwierigste: Unsere Leser und die Kommunikation mit ihnen stehen an erster Stelle. Du weißt aus der PR, wie lange es dauert, sich Fankreise aufzubauen, wie zeitintensiv das ist. Das unterschätzen viele.

Du veröffentlichst deine Bücher auch als E-Books. Was versprichst du dir davon?

Reichtum und Ruhm. Spaß beiseite … Ein Kunde kauft seinen Weichspüler lieber in der haptischen Plastikflasche mit dem Kuschelbabybild, der andere möchte den Nachfüllpack im Ökodesign. Eine Firma wäre doch arrogant, eine von beiden Möglichkeiten grundsätzlich nicht anzubieten. Warum soll ich mir Teile meiner Leserschaft verprellen, zumal ich selbst ohne meinen Reader gar nicht mehr sein möchte?

Russlandfan Petra van Cronenburg_1 (c) privat

Wenn ich meine E-Rechte behalte, bekomme ich in einem bestimmten Preissegment  derzeit 70% Tantiemen vom Nettoladenpreis. Ich verdiene am E-Book also weit mehr als am gedruckten Buch. So ist die eigene Backlist Gold wert, während früher vergriffene oder verramschte Bücher dem Autor nur schadeten. Ich werde nächstes Jahr auch das E-Book zu einem Titel fertigen, das als Print bei Suhrkamp-Insel erscheint.

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Meine E-Books haben aus Prinzip kein DRM. Erstens zwingt uns DRM in geschlossene Systeme. Ohne DRM kann ich Kindle-Books auf Epub-Reader konvertieren oder Epubs auf den Kindle. Kann also einkaufen, wo ich will, sogar mit Kindle beim stationären Buchhändler, falls der denn E-Books verkauft. Das zum Gerücht, die „bösen“ Onlinehändler würden Kunden nicht rauslassen. Es sind die Verlage, die hier entscheiden. Und zweitens knackt jeder Technikdepp DRM mit einem Klick. Google verrät, wie es geht. Außerdem bin ich der Meinung: Je verfügbarer, je leichter ein Buch zu kaufen, zu migrieren und zu nutzen ist, desto kleiner ist die Gefahr, dass es piratisiert wird.

Was hältst du von den Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book?

Schwierige Sache, weil sich da noch so viel entwickelt und verlässliche Studien fehlen. Verlage, die meinen, ein E-Book müsse fast so teuer sein wie eine Printausgabe oder gar noch teurer (auch das gibt es), unterschätzen die Sicht ihrer Kunden. Ein Grund, warum der E-Book-Markt hier nicht anlaufen will. Es gibt Schmerzgrenzen bei einer virtuellen Ware, die ich womöglich nicht verleihen, verschenken oder wirklich besitzen kann. Nachdem ich moniert hatte, ein bestimmtes E-Book koste so viel wie das gedruckte Buch, gab es kürzlich eine kleine Diskussion bei Facebook. Der Verlag kündigte daraufhin an, seine E-Book-Preise auf 30% unter Printpreis zu senken. Die waren sich dessen gar nicht bewusst, wie Kunden E-Books einschätzen!

Allerdings halte ich auch nichts von Selbstverramschung, wie sie manche Self Publisher betreiben. Die 99 Cent für ein umfänglicheres Buch mausern sich allmählich zum Synonym für Ramsch. Für eine Kurzgeschichte oder kleine Formen können sie allerdings durchaus ihre Berechtigung haben.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ich persönlich glaube an die Rückkehr einer Kombination aus limitierter Luxusausgabe in Print plus billiger Volksausgabe (als E-Book), wie wir es Anfang des 20. Jahrhundert bereits hatten. Auch ähnliche Subskriptionssysteme sind denkbar. Darüber hinaus werden mit fortschreitender Technik neue Formen von Büchern und Inhalten entstehen, was wir jetzt schon bei den Apps beobachten können. Ich denke auch, dass so mancher Stapeltitel, der schnell gepuscht und nach einem Jahr in der Altpapierpresse verramscht wird, nicht unbedingt Bäume kosten sollte.

Selbst kaufe ich bereits so ein: Schmökerware am liebsten als E-Book und wegen der deutschen Preise immer häufiger im Original. Das gesparte Geld stecke ich in anspruchsvoll und liebevoll gemachte Printbücher. Seit ich einen Reader habe, verdienen an mir also vorwiegend Indie-Verlage sowie literarische Verlage und Leute mit künstlerisch und typografisch feinen Büchern. Verlierer sind die Taschenbücher mit schlampigem Lektorat und billigem Leim. Seit ich einen Reader habe, gebe ich insgesamt mehr Geld für Bücher aus, weil der Einkauf um Mitternacht, wenn die Bettlektüre ausgeht, so verführerisch einfach ist.

Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf traditionelle Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben (werden). Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Wir erleben einen der größten Umbrüche in der Buchwelt, vielleicht seit dem 19. Jahrhundert, allerdings mit vielen erstaunlichen Parallelen zur damaligen Entwicklung in der Massen- und Trivialkultur. Gewinner werden die Flexiblen und Offenen sein und diejenigen, die die nötigen Finanzen haben, den Umbruch zu überleben. Diesmal strafen die Leser ab, wenn sich jemand nicht bewegt. Ich glaube, am meisten wird der Buchhandel leiden. Konzernverlage müssen umdenken, haben aber genug Geld und investieren ja jetzt schon ins Self Publishing. Für Autoren stehen die Zeichen so gut wie nie zuvor. Auch für kleine Verlage. Denn die könnten ebenso von neuen Techniken oder Crowdfunding profitieren.

Was stößt dir bei den aktuellen (brancheninternen) Diskussionen rund um die Zukunft des Buches besonders negativ auf?

Das ewige Gejammere und „ja, aber“. Ist das branchentypisch? Die Kassandrarufe, die den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören, weil Leser plötzlich eine eigene Meinung entwickeln und Bücher sowie literarische Formen aus den engen Klassifikationen ausbrechen. Die panische Angst vor Veränderungen wie in den Urheberechtsdebatten. Das Gerede von den ach so bösen amerikanischen Giganten, die einfach nur deshalb so viel Erfolg haben, weil sie begriffen haben, wie man kundenorientiert arbeitet und die Zeichen der Zeit nutzt.

Es ist höchste Zeit für positive Ansätze, Querdenkerei und sprühende Kreativität. Aber dazu muss man begreifen, dass Leben Wandel ist. Im Moment erleben wir in der Branche eher das, was man bei Bäumen Angstblüte nennt …

Glaubst du, dass Independent Publikationen à la longue den klassischen Verlagen den Rang ablaufen können?

Ist das eine Frage, die wir uns überhaupt stellen müssen? Ich glaube an Vielfalt. Ein System, das Vielfalt nicht mehr zulässt und sich nur noch auf das verlässt, was immer schon funktioniert hat, erstickt unweigerlich an sich selbst. Es kann also eines Tages allen an den Kragen gehen: den Indies, die veröffentlichungsgeil jeden Mist auf den Markt schütten, genauso wie Verlagen, die nur Ware um des Profits willen hin kippen, oder den Monopolisten, die sich schnell zu sehr aufgebläht haben. Insofern schätze ich auch hier die Autoren als die größeren Überlebenskünstler ein. Sie hatten historisch gesehen noch nie viel zu verlieren und wissen darum, wie man nach einem Scheitern wieder aufsteht und aus dem Scheitern frech ein gutes Buch macht.

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Der zweite Teil meines Gespräches mit Petra van Cronenburg dreht sich darum, was sie für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.

Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

„Statt Schriftsteller ist man ‚Schreib-Maschine‘.“ Zwei Autoren berichten

Die beiden Kommentare zweier Autoren, die anonym bleiben möchten, erfolgten gestern auf meinen Blogbeitrag „Warum kratzt man an der Aura Buch nicht?“. Weil die Erfahrungsberichte von allgemeinerem Interesse sind und ich ihnen zu mehr Öffentlichkeit verhelfen möchte, habe ich mich entschieden, diese hier als eigenen Beitrag publik zu machen. – Ich danke beiden Autorinnen für ihre Offenheit!

Eine Belletristik-Autorin schrieb am 19. Juli um 15.18 Uhr folgendes:

Hier eine B-Autorin aus der „Belletristik-Branche“, die gern anonym bleiben möchte. Denn im Verhältnis zum Verlag soll Friede und Freude herrschen. Vor allem nach außen hin. Aber auch nach innen macht man sich schnell unbeliebt, gilt schnell als unbequeme, fordernde Autorin. Die vielleicht schon von einem anderen Verlag ausgestoßen wurde, weil sie so unbequem ist resp. sich nicht gut genug verkauft hat. Als Autor merkt man selbst, welchen Stellenwert man innerhalb eines Verlagsprogramms zugewiesen bekommt. Man weiß schon, wenn man nicht Spitzentitel ist und kein Geld in die Werbung in einer Feuilletonzeitung gesteckt wird, dass das Ganze nichts werden kann. Man muss dann seine Zuversicht zusammenkratzen, sich moralisch aufrichten. An seine Fans denken.

Ich habe alles in mein Buch gesteckt, ich habe das Beste gegeben, was mir zu diesem Zeitpunkt möglich war. Ich habe immer wieder gedacht, ich kann nicht mehr und dann immer weiter gemacht, Hürden überwunden, geheult, gejubelt, gefeilt. Jahrelang. Es muss ja am Ende nicht das große Geld rauskommen; eigentlich wollte ich ja Leserherzen erreichen. Ich möchte etwas geben. Das werde ich aber nicht so können, wie ich es möchte. Und das Geld, das ich verdiene, wird nicht reichen, um halbwegs in Ruhe ein neues Buch zu schreiben.

Was war das für ein Glücksgefühl, endlich den passenden Verlag gefunden zu haben! Die ersten Dissonanzen bei Vertragsformulierungen. Das Gefühl, von einem Megakonzern etwas übergestülpt zu bekommen. Dann wurden der Arbeitstitel und alle Alternativen mit beiläufiger Geste vom Tisch gefegt und mir in einer Mischung aus Manipulation und Herausschieben ein für mich unangemessener und kitschiger Titel übergeholfen. Jeder Autor unter Ihnen kann sich die schlaflosen Nächte vorstellen, wenn sich auf diese Weise der Verdacht verfestigt, für ein paar lausige Euro seine Seele verkauft zu haben. Und jeder Leser und Kritiker denkt, der Autor hätte den Titel so gewählt. Wie es im Interview heißt, der Verlag hält Apfelessig gerade für den großen Renner, so wurde mein Buch auf das Thema Apfelessig zurechtgestutzt. Das Foto unter diesem Aspekt ausgewählt, das Cover, die Klappentexte. Nur dass ich keine Apfelessig-Autorin bin. Das ich viel mehr zu geben hätte.

Leider war auch das Lektorat dementsprechend. Es kann sich niemand vorstellen, wie in einem Verlag mit einem scheinbar hochwertigen Programm unter Zeitdruck an einem Manuskript von jemand, der womöglich wenig Erfahrung hat, herum gepfuscht wird, sogar in den Stil eingegriffen (um dem Apfelessig-Leser entgegen zu kommen). Wie wenig Achtung der Leistung eines Autors entgegengebracht wird, der ja dem Verlag noch keinen Erfolg gebracht hat. Und dem er auf diese Weise keinen bringen wird. Denn Leser fühlen sich auch manipuliert und unwohl, wenn die Verpackung nicht zum Inhalt passt.

Inzwischen denke ich, ich hätte besser ein E-Book selbst herausgeben oder hätte bei einem kleinen armen, aber gewogenen Verlag veröffentlicht. Dann würde ich mich nicht gegen Deformierungen behaupten müssen. Solche Vorgänge richten womöglich dauerhaft Schaden an: In der Art wie ich als Autorin wahrgenommen werde und an meinem künstlerischen Selbstbewusstsein.

Um 03.04 Uhr antwortete darauf X-Autor:

Liebe B-Autorin, normalerweise schreibe ich keine anonymen Kommentare, aber nachdem ich Deinen Brief gelesen habe, MUSS ich einfach antworten. Und weil ich einige Dinge benennen will, es mir aber überhaupt nicht darauf ankommt, in eine Diskussion „um mich selbst“ einzusteigen, möchte ich es – ausnahmsweise – anonym machen.

Vorab: Ich schreibe schon viele, viele Jahre lang, und ich kann sagen, dass ich nicht nur den C-Autoren-Status kenne, sondern sozusagen von (fast-)A bis X alles durchhabe. Als ich anfing, professionell zu schreiben, also etwa vor dreißig Jahren, tat ich es aus dem Impuls heraus, Geschichten erzählen zu MÜSSEN, aber mit dem Anspruch, es auch richtig zu tun, also das Handwerk zu erlernen. Das war damals noch schwer, es gab kaum Möglichkeiten, ich wählte eine Fernausbildung. Danach schlossen sich vielerlei kleinere Projekte an, auch journalistisch war ich tätig, aber meine Passion blieb das Fiktionale. Ich bin von Kindesbeinen an begeisterter Leser, und was ich an „meinen“ Lese-Büchern schätzte, wollte ich dann auch „meinen“ Lesern geben: Die Reise in eine – wörtlich gemeinte – fantastische Welt. Ich LIEBTE Bücher, und ich wollte diese Liebe auch im Schreiben ausdrücken, ohne jedoch in das Fach der „Schnulzen“ oder auch der „hohen Literatur“ zu geraten. Unterhalten wollte ich, aber mit einem Anspruch an Sprache und erzählter Geschichte.

Zehn Jahre sollte es dauern, bis ich einen Agenten und kurz darauf über ihn einen Verlag fand. Und dann geschah genau das, was Du, liebe B-Autorin, beschreibst. Am Vertrag hatte ich nichts zu mäkeln, der war richtig gut, aber was das Buch anging, lief es von Anfang an nicht rund. Kurz vor Erscheinen teilte man mir mit, dass man den Titel geändert habe. Ich war entsetzt, denn dieser neue Titel konterkarierte alles, was ich mit meinem Buch verband. Einen Tag lang ließ man mich glauben, ich hätte es in der Hand, einen anderen Titel zu finden, dann erfuhr ich, dass die Vorschauen längst gedruckt waren. Das Cover bekam ich ebenfalls erst zu sehen, als es nichts mehr zu diskutieren gab. Dann erschien das Buch – es war trotz allem ein Freudentag, den ich nie vergessen werde: Der erste Roman in einem großen Verlag, im Hardcover!

Die Ernüchterung kam pronto. Dabei war mir durchaus bewusst, dass ich weder Spitzentitel noch sonst was war, will heißen: Ich hatte keine großen Erwartungen. Aber was dann geschah, war für mich unvorstellbar: Ich organisierte Lesungen und Pressetermine selbst (ich hatte durch meine „kleinen Projekte“ Kontakte und Erfahrung), und es gab ein sehr nachhaltiges (zunächst lokales) mediales Interesse an dem Buch. Immer mehr Lesungsanfragen kamen, aber man war im Verlag nicht mal bereit, mir Plakate zur Verfügung zu stellen. Weil ich die Veranstalter nicht enttäuschen wollte, habe ich schließlich selbst ein Plakat entworfen und im Copy-Shop drucken lassen (damals kostete ein Exemplar eines solchen Farbdrucks 5 DM!). Es kamen Beschwerden von Lesern, die mein Buch angeblich nicht kaufen konnten – ich schob es auf die Dummheit der Leute, bis mir eine Buchhändlerin bei einer Lesung sagte, dass mein Roman überhaupt nicht im Verzeichnis Lieferbarer Bücher eingetragen sei. Das habe man vergessen, sagte der Verlag.

Drei Monate nach Erscheinen des Buches zeichnete sich ab, dass die erste Auflage bald abverkauft sein würde (ich fragte regelmäßig nach), aber eine zweite Auflage wollte man nicht drucken. So saß ich in Lesungen ohne Bücher. Mehr Presseanfragen kamen, mehr Leute wollten das Buch. Schließlich druckte man nach. Bei der nächsten Auflage das gleiche. Inzwischen war das Herbstprogramm draußen, mein Buch nicht mehr interessant. Für den Verlag. Für mich schon. Für die Leser offenbar auch. Ich könnte ein ganzes Buch schreiben, was ich alles unternommen habe, um den Verlag zu überzeugen, dass dieses Buch von Lesern gern gelesen würde, wenn sie es denn weiterhin druckten. Als es dann ins Taschenbuch kam, funktionierte es leidlich. Ich schrieb ein zweites und dachte wirklich, es würde besser. Es kam noch schlimmer.

Es geschah genau das, was Du auch beschreibst. Leute, die keine Ahnung hatten von dem Buch (denn es war noch gar nicht fertig), entschieden darüber. Wieder die Diskussion um den Titel. Ich setzte mich durch, aber ich war nicht glücklich. Nicht etwa: Aus sachlichen Gründen müsse was geändert werden, nein, es seien einfach zu viele Seiten. Man strich Passagen, die andere Passagen plötzlich absurd werden ließen. Ich war noch mitten am Schreiben in einer Phase, in der man mit den Figuren lebt, in denen man die Freude am Schreiben am intensivsten spürt, aber ich war müde, konnte die Diskussionen nicht mehr ertragen, die nicht um die Sache gingen (da hätte ich mich gern überzeugen lassen), sondern nur um diesen angeblichen Leser, der das Buch so und so und so haben wollte. Ich fing an, diesen angeblichen Leser zu hassen, ich wurde traurig und krank davon. Ich setzte mich schließlich durch, mit allem, aber wie viele schlaflose Nächte, wie viele Diskussionen kostete mich das, wie viele Tage, an denen ich nicht schreiben konnte!

Der Roman erschien, die Auflagen beider Romane überschritten die Hundertausend-, die Zweihunderttausend-Grenze, ich schrieb einen dritten. In der Hoffnung, dass man nun doch sehen müsse, dass die Geschichten, wie ich sie erzählte, vom Leser auch genauso geschätzt würden. Beim vierten war es dann soweit: Dieses Mal, so der Verlag, solle ich einen richtigen Spitzenplatz bekommen, man werde alles tun für dieses neue Buch. Das Schlimme: Die meinten das wirklich so. Vorher schon hatte ich auf Anraten meines Agenten einen neuen Vertrag unterschrieben, der finanziell nicht zu toppen war. Was soll ich sagen? Schon während des Schreibens versuchte man wieder, Einfluss zu nehmen. Der Titel passe dem und dem Verkaufsleiter bei dem und dem Filialisten nicht, er müsse geändert werden. Im Übrigen sollte ich mich bitte auf höchstens soundsoviele Seiten beschränken.

Du bringst es auf den Punkt, liebe B-Autorin: Man hatte das Gefühl, man hätte seine Seele verkauft. Heute weiß ich: Es war nicht nur das Gefühl, es WAR so. Nichts von meinen Träumen war geblieben, nichts machte mir mehr Freude an dieser Art zu erzählen. Ich war auf dem Sprung zur A-Autorin, und ich warf die Flinte ins Korn.

Fast fünf Jahre ist das her, und ich glaube, man hat im Verlag bis heute nicht begriffen, warum ich das tat. Ich mache auch niemandem einen Vorwurf, denn ich kenne natürlich auch die Zwänge, die in den Verlagen herrschen. Ich wollte weder Lektor noch sonstjemand in dieser Maschinerie der Beliebigkeiten sein. Ich hatte für drei Romane fast ein gutes Dutzend Lektoren, darunter einige Outgesourcte, die ums Überleben kämpften und alles taten, was die Verlagsleitung wollte. Zuständigkeiten in den Sparten Presse und Veranstaltungen wechselten damals im Vierteljahresrhythmus. Das zumindest hat sich inzwischen geändert, aber die Misere, dass Leute, die Bücher NICHT lieben, die reine Marktstrategen und sonst gar nichts sind, zu wissen glaubten, was die Leute lesen wollen – und wie ich das zu schreiben hätte, was sie lesen wollten! – das konnte ich nicht mehr ertragen. Selbst wenn sie recht hätten. Und vielleicht sogar in dem einen oder anderen Fall recht haben. Ich wollte nur noch frei sein, wieder das schreiben, was ich gern schreiben möchte.

Mit der Trennung vom Verlag trennte ich mich auch von meinem Agenten. Es war keine schöne Zeit, und das Paradoxe daran war, dass man mir es deshalb so schwer machte, weil der Erfolg nun da war. Als C-Autorin wäre man wohl froh gewesen, mich los zu sein. Würde ich das wieder tun? Alles hinschmeißen und freiwillig in die X-Liga zurückgehen? ICH würde es tun. Aber ich kann anderen nicht dazu raten, denn für Autoren, die vom Schreiben irgendwie leben müssen, wäre es Harakiri. Mir geht es heute gut, ich schreibe wieder gern, aber bei den „Etablierten“ wurde ich persona non grata. Ich hatte ja durchaus einen guten Namen, aber wie sich Verkaufserfolge rumsprechen, sprechen sich auch Vertragsauflösungen herum. Ich dachte damals, ich müsse nur den Verlag wechseln, um mein „Schreibglück“ wiederzufinden. Erlebte dann aber mehrfach, wie sich anfängliches Interesse sowohl von Verlagen als auch von Agenten plötzlich verflüchtigte. Ich sah es als Zufall, bis mir ein wohlgesonnener Mensch offenbarte, dass man sich sehr wohl in der Branche unterhalte. So ist das eben. Wahrscheinlich nicht nur in dieser Branche.

Aber ich kann wirklich verstehen, warum immer mehr Autoren desillusioniert sind. Man arbeitet als Kreativer und bekommt Vorgaben wie eine billige Schreibkraft. Statt Schrift-Steller ist man „Schreib-Maschine“. Ich bekomme eMails von Leidensgenossen, denen ich leider auch nicht mehr raten kann, als zu versuchen, für sich selbst einen Weg zu finden. Aber andererseits: Wenn man es schafft, dieses Verlangen nach „seriöser“ Anerkennung abzulegen UND noch an genügend Leser zu kommen, dann, finde ich, tun sich für kreative und „altmodische“ Autoren, die noch schreiben, weil sie Geschichten erzählen wollen, in der digitalen Welt womöglich neue Wege auf. Es dauert eben noch ein Weilchen.

Also: Kopf hoch, liebe B-Autorin. Zeit ist ja das, was wir wieder haben möchten in dieser so schnelllebigen Welt. Ich jedenfalls bin frohen Mutes.

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Seit seinem Erscheinen treibt dieser Beitrag um. Immer wieder erreichen mich dazu Kommentare, Stellungnahmen und Erfahrungsberichte. So etwa von Barbara, ACR und eine Autorin, die ungenannt bleiben möchte.

Steglitz fragt bei Jando nach … (Teil 2)

„Ohne meine Fans wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe.“

In diesem Beitrag erfahren wir, was Jando für sein Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo er im Social Web Chancen und Risiken ausmacht. In unserem ersten Gespräch berichtete er mir u.a. über seine Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, in einem Publikumsverlag und warum sein neues Buch „Sternenreiter. Kleine Sterne leuchten ewig“ als körperliches Buch, Hörbuch und als E-Book erscheint.

Obwohl dein erstes Buch bei einem klassischen Publikumsverlag erschienen ist, lag die Vermarktung der „Windträume“ weitestgehend in deinen Händen. Wieso das?

Als ich merkte, dass der Verlag an seine Grenzen der Vermarktung angekommen war, bot ich ihm meine Unterstützung an. Zusammen haben wir eine Strategie entworfen und diese dann umgesetzt. Wenn man sich für einen Verlag entscheidet, der Autoren Freiräume und selbstbestimmte Entscheidungen einräumt, dann ist eine gewisse Mitarbeit zwingend notwendig.

Welche Möglichkeiten und Wege hast du für dein Buch-Marketing genutzt?

Da sind die Mittel begrenzt, vor allen Dingen, wenn man finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Ich habe die Netzwerke des Social Media genutzt, um auf meine Arbeiten aufmerksam zu machen. Um Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, gibt es für junge und unbekannte Autoren meiner Meinung nach keine besseren Plattformen als die des Social Web. Vor allem deshalb, weil man hier ehrliches Feedback zu seinem Schaffen erhält. Das beinhaltet auch Kritik, die sehr hilfreich und lehrreich ist, auch wenn es manchmal schmerzt. Der tägliche Austausch mit meinen Lesern ist eine tolle Sache, die ich sehr schätze. Wenn man erst einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, dann fällt vieles einfacher. Bei mir trudelten auf einmal Rezensionen, Presse- und Lesungsanfragen ein.

Wo findet man dich und deine Bücher im Netz? Welche Plattformen und Tools nutzt du?

Ich habe eine Autoren-Webseite nebst Blog und ein Profil bei Amazon. Ab 2009 legte ich meinen Fokus auf MySpace, da dieses Netzwerk damals noch das erste richtige Social Network gewesen ist, wo man als Autor und Künstler seine Arbeiten und Musik präsentieren konnte. Als dann Facebook den deutschen Markt eroberte, war ich einer der ersten, der auf diese Schiene aufgesprungen ist. Seitdem das dort angelaufen ist, besteht mein MySpace-Acount nur noch als Verknüpfung zu Facebook. Auch Twitter, wo ich seit Januar 2010 aktiv bin, und mein Autoren-Profil bei Amazon habe ich mit meinem Facebook-Account verknüpft. Wenn ich also etwas bei Facebook poste, dann erscheint es auch auf diesen Plattformen.

Meine Bücher sind durch die Verlage, bei denen ich publiziere, über Grossisten in allen Onlineplattformen gelistet. Und, was für mich ganz wichtig ist, auch bei allen deutschsprachigen Buchhandlungen!

Hast du bei deinen ersten Schritten im Social Web auf eine Strategie gesetzt?

Wichtig war mir von Anfang an, den Austausch beständig weiter voranzutreiben. Mal einen Monat gar nichts zu machen, kann schon fast bedeuten, wieder bei null anzufangen. Leser, User, die sich für einen interessieren, möchten gepflegt werden. Wie „echte Freunde“ eben. Wichtig ist: Keinen Stillstand aufkommen lassen. Immer wieder neue Ideen und Ansätze testen. Jeden Tag poste ich auf meinem Facebook-Profil und Fan-Seiten Texte und Aphorismen von mir. Einige stammen aus meinen Büchern, andere sind gerade verfasst worden. Ich beobachte, wie diese angenommen werden. Eine bessere, ehrlichere Kritik als die seitens meiner Leser kann ich gar nicht bekommen. Als Stilmittel setze ich auf inhaltlich passende Bilder und Illustrationen zu meinen Texten.

Was kommt bei Facebook besser an: Deine Autoren-Seite oder die Fanseiten zu deinen Büchern „Windträume“ und „Sternenreiter“?

Jando (c) Lisa Farkas

Das ist schwer zu sagen. Die Windträume-Seite existiert am längsten. Daher ist dort auch immer sehr viel los. Aber auch die Autorenseite erfreut sich inzwischen Beliebtheit. Da ich zudem ein persönliches Facebook-Profil pflege, das abonniert werden kann, gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit mir zu kommunizieren. Die Fanseite für mein neues Buch „Sternenreiter“ ist gerade einmal vier Wochen alt. Ich denke, sobald die ersten Leser das Buch in den Händen halten, wird auch dort einiges los sein.

Welche deiner Aktivitäten im Social Web kamen besonders gut an, welche floppten?

Zum Valentinstag habe ich eine Postkarten-Aktion mit Zitaten von mir gestartet. Ich rief Fans und Freunde dazu auf, mir via E-Mail mitzuteilen, an welche Liebste/welchen Liebsten ich die Karte schicken soll. Entweder sagten sie mir, was ich schreiben sollte, oder ich ließ mir etwas einfallen. Eine so große Resonanz hatte ich allerdings nicht erwartet! Insgesamt habe ich 1.231 Postkarten verschickt und eine gute Woche dafür gebraucht, sie zu schreiben. Der Flop war: Die Umsetzung kostete mich 677,05 € Porto und 80,20 € an gedruckten Postkarten. So wurde aus meinem geplanten Urlaub ein Postkartenurlaub. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Doch als ich dann auf die Karten-Aktion ein unglaubliches schönes Feedback bekam, war alles wieder in Butter. Und: In Urlaub kann ich auch im nächsten Jahr fahren.

Die Idee war übrigens anscheinend so gut, dass Verlage diese kopierten und ähnliche Aktionen bei Facebook starteten. Nett fand ich, dass sie mich auch dazu eingeladen haben …

Siehst du zum Erscheinen von „Sternenreiter“ eine besondere Aktion im Social Web vor?

Ja, zusammen mit meinem Verlag haben wir uns zur Veröffentlichung etwas Besonderes ausgedacht. Alle, die am Erscheinungstag mein Buch „Sternenreiter“ kaufen bzw. bestellen, können ein Wochenende für zwei Personen in Neuharlingersiel an der Nordsee gewinnen. Dort habe ich mein neues Buch geschrieben. Abends werde ich die Gewinner besuchen und zu einem zünftigen norddeutschen Essen bei Meeresblick einladen. Alle, die bei der Aktion mitmachen, aber nicht den Hauptgewinn bekommen, schicke ich als „Danke schön“ eine handgeschriebene Sternenreiter-Postkarte mit einem Buchzitat. – Im Postkarten -Schreiben bin ich inzwischen ja gut geübt. Und: Diesmal auch viel besser darauf vorbereitet.

Hast du Erfahrungen mit Kostenlos-Aktionen im Netz gesammelt?

Nein! Habe ich nicht. Werde ich nicht! Oder denkst Du, dass ein Fischer, der einen besonders großen Hecht ans Land zieht, diesen kostenlos anbieten würde? Schreiben ist das Schönste der Welt und ich bin dankbar, dass ich es machen darf. Aber: Bisweilen ist es sehr harte Arbeit. Und für Arbeit sollte man entlohnt werden!

Social Media ist sehr zeitaufwändig. Wie sieht dein Pensum aus?

Ja, das ist wohl wahr. Ich versuche mir am Tag mindestens eine Stunde Zeit dafür einzuräumen. Meistens wird es aber mehr. Da mir viele Personen auch persönliche Nachrichten schreiben, Fragen haben, Infos erfahren wollen, nehme ich mir die Zeit, die dafür gebraucht wird. Ohne meine Fans und Leser wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe. Es ist mir wichtig, ihnen einen Teil zurückzugeben.

Kannst du dich ruhigen Gewissens ausloggen oder treibt es dich dann doch wieder zum Rechner bzw. dem Smartphone?

Wenn ich mich ausgeloggt habe, dann bleibt das auch so. Ich nutze mein Smartphone nicht, um weiter online zu bleiben. Dann wende mich meiner eigentlichen Arbeit, dem Schreiben zu. Ich gehe zwischendurch ans Meer, laufe meine Kilometer, um den Kopf frei zu bekommen und den Körper in Bewegung zu bringen. Das bewirkt bei mir Wunder. Es passiert oft, dass mir dabei Ideen für neue Projekte durch den Kopf geistern. Die schreibe ich bei Heimkunft dann gleich nieder. – So wäre es ein perfekter Tag. Bloß: Wann ist ein Tag einmal perfekt?

Was sollte man als Autor im Social Web unterlassen? Wo verortest du Risiken?

Das Social Web ist so etwas wie eine große Spielwiese für Jung und Alt. Ich achte darauf, dass Persönliches auch persönlich bleibt. Ich möchte nicht, dass meine Freunde und Fans wissen, wann und wo ich mein Krabbenbrötchen mit einer Flasche Jever herunter spüle, oder wann und wo ich einen Kaffee trinke. Klar ist aber auch, dass man – bis zu einem gewissen Teil – seine Fans und Freunde an seinem Leben teilhaben lassen sollte. Das ist ein schmaler Grat. Das habe ich erst vor kurzem erfahren. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei mir ein Tumor unter der linken Axilla festgestellt, der nach innen gewachsen war und 15cm groß war. Er hatte sich vor dem Nervenstrang des linken Armes breit gemacht. Es bestand die Gefahr, dass der Arm gelähmt bleiben und sich der Tumor als bösartig herausstellen könnte. Am Ende ist glücklicherweise alles gut gegangen. Keine dieser düsteren Prognosen traten nach der Operation ein. Ich war lange hin- und hergerissen, ob ich darüber schreiben soll.

Ich entschloss mich schließlich, es zu machen. Mein Gefühl sagt mir, das ich Verantwortung gegenüber meinen Lesern und Fans habe. Ich wollte ihnen mitteilen, wie wichtig es ist, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, auch dann, wenn man sich körperlich topfit fühlt. Mein Arm, und vielleicht auch mein Leben, wurden dadurch gerettet. Das Feedback auf meine ehrliche Botschaft war enorm. Es hat mich bestätigt, dass meine Entscheidung die richtige gewesen ist!

Man muss lernen, abzuwägen, was will und kann ich im Social Web verbreiten bzw. unterlassen? Im Endeffekt muss ein jeder für sich selbst, sein Handeln und Tun gerade stehen. Auch im Social Web.

Wie regelst du Fragen der Erfolgskontrolle?

Das beantworte ich mit einem Zitat von mir: „Erfolg ist das, was wir fühlen, aber manchmal nicht sehen können.“ Punkt. Aus.

Ein schöner Schlusspunkt, Jando. Danke vielmals für deine offene Rede und Antwort.

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Wer mehr über den Geschichtenerzähler von der Nordsee erfahren möchte, findet Jando hier im Netz:

Jandos Homepage

Jandos Seite bei Amazon, Jando bei MySpace,  Jando bei twitter

Homepage des Debüts „Windträume“

Jando bei Facebook: „Jando Schriftsteller“ „Jando Autor“ „Windträume“ und

das neue Buch „Sternenreiter“, das am 24. Juli erscheint

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe „Steglitz fragt … bei Autoren nach“ auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken?

Demnächst steht die Autorin, Übersetzerin und Bloggerin Petra van Cronenburg hier Rede und Antwort.

Steglitz fragt bei Jando nach …

„Ich bin und bleibe Buchromantiker!“

Der Autor Jando ist mir im Social Web aufgefallen, weil er seit langem bei Facebook aktiv ist. Auf seinen Fan- und Freunde-Seiten vereint er inzwischen nahezu 10.000 Anhänger.

Jando bezeichnet sich als „Buchromantiker“ und verfolgt eine eher klassische Linie. Nach Erfahrungen mit einem BOD-Verlag, erschien sein literarisches Debüt in einem kleinen Publikumsverlag. Für sein neues Buch „Sternenreiter. Kleine Sterne leuchten ewig“,  das am 24. Juli erscheint, hat er sich für einen Indie-Verlag entschieden.

Wie kam es zu deiner ersten Veröffentlichung?

Jando (c) Lisa Farkas

Jando (c) Lisa Farkas

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Das ist eine längere Geschichte. Windträume hatte ich 2002 geschrieben und bei einem „Book On Demand“-Verlag veröffentlicht. Leider wurden keine Absprachen eingehalten, sondern es entstanden immer weitere Kosten, die ich tragen musste. Es kam nachher soweit, dass man sich vor Gericht auf einen Vergleich einigte. Das war dann meine Erfahrung mit Büchern in BOD-Verlagen. Gleichzeitig nahm mir diese Erfahrung aber auch die Freude am Schreiben. So beschäftigte ich mich in den folgenden Jahren mit neuen beruflichen Möglichkeiten. Doch, ich denke, jeder der gerne schreibt, vermisst dieses nach einer gewissen Zeit. So fing ich wieder an zu texten. Schrieb Aphorismen und sammelte Ideen für neue Projekte.

Dann hast du nach einem klassischen Verlag Ausschau gehalten …

Irgendwann hatte ich wieder die „Windträume“ in der Hand. Ich überarbeitete die Texte und schickte das Manuskript an Verlage. Wie zu erwarten, kamen von den Big Playern Absagen. „Windträume“ passe nicht in das Programm, war eine solche standardtypische Absage. Mit den kleinen, aber feinen Verlagen lief es schon viel besser. Diese sind in den meisten Fällen mutiger und die Zusammenarbeit mit Autor und Verlag kann sehr harmonisch verlaufen. Nach einem längeren Austausch mit einem Verleger, entschied ich mich, „Windträume“ bei ihm 2009 neu zu verlegen. Ich hatte komplettes Mitspracherecht bei der Entstehung des Buches, konnte meine Ideen einfließen lassen und mit dem Lektorat hervorragend zusammenarbeiten.

Welche Vorteile siehst du in der Zusammenarbeit mit klassischen Verlagen?

Durch die Vertriebsstrukturen, die ein klassischer Verlag besitzt, war das Buch in allen Buchhandlungen sowie Internetstores erhältlich. Wer aber nun denkt, das Buch verkauft sich von alleine, dem möchte ich gleich den „Zahn ziehen“. Ich dachte auch: Prima, nun liege ich mit den Windträumen in den Buchhandlungen aus und es verkauft  sich von ganz alleine. Schnell stellte ich fest, dass zu einem klassischen Buchverlag auch eine gute PR-Abteilung dazu gehört. Ein Buch kann noch so schön und interessant sein; es verkauft sich nicht, wenn es keiner kennt! Da verhält es sich bei den großen und kleinen Publikumsverlagen gleich.

Was muss man bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag beachten?

Von der Hoffnung, dass das eigene Werk durch den Abschluss eines Autorenvertrages ein Bestseller wird, sollte man sich ganz schnell verabschieden. Zum Tagesgeschäft eines Autors gehört heute eine eigene gute PR-Strategie, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit zwingend dazu. Sich nur auf sein Schreiben zu konzentrieren, funktioniert in der heutigen Zeit nicht.

Dein zweites Buch verlegst du bei einem Indie-Verlag. – Warum kehrst du traditionellen Publikumsverlagen den Rücken?

Das war ein langer Überlegungsprozess. Ich hatte das Manuskript und Exposé „Sternenreiter“ mehreren Publikumsverlagen persönlich und über eine Literaturagentur angeboten. Teilweise warte ich noch bis heute auf Antworten! Den Münchner Pendo-Verlag möchte ich hier als Statthalter für meine Entscheidung anführen, warum ich mein Buch in einem Indie-Verlag publiziere. Freundlich wurde mir mitgeteilt, dass sich die Programmleiterin nicht habe gänzlich überzeugen lassen können, dem Titel einen Programmplatz einzuräumen, da das Buch zu sehr zwischen dem Genre Kinder-/Erwachsenenbuch stünde. Aber genau da sehe ich den Sternenreiter: Es ist ein Buch für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Abgesehen davon, dass „All Age“-Bücher seit Harry Potter voll im Trend liegen … Wenn ich an ein Buch glaube, dann kann auch ein neues Genre entstehen. Entscheidend ist der Leser, wie er es wahrnimmt. Und so entschied ich mich für einen Indie-Verlag.

Welche Vorteile versprichst du dir von der Zusammenarbeit mit einem Indie-Verlag?

Ich halte alle Rechte an meinem Buch, sämtliche Illustrationen fanden ihren Platz und in der Zusammenarbeit mit dem Lektorat wurde die Botschaft des Buches unverfälscht beibehalten.

Wo würdest du dich eher verorten: Als klassischer Autor, als Self-Publisher oder als Indie-Autor?

Das ist eine schwierige Frage. Ich würde mich dann doch eher als klassischen Autor bezeichnen, mit Einflüssen eines Indie-Autors. Zum Self-Publisher habe ich eher ein ambivalentes Verhältnis. Nicht Fisch, nicht Fleisch!

„Sternenreiter“ erscheint als körperliches Buch, als Hörbuch und als E-Book. Warum hast du dich für drei Formate entschieden?

Die Entscheidung haben der Verlag und ich getroffen. Da es sich beim „Sternenreiter“ um eine illustrierte Erzählung handelt, und es hochwertig hergestellt werden sollte, war es naheliegend das Buch als eine gebundene Geschenkausgabe auf den Markt zu bringen. Was das Hörbuch anbetrifft, diesen Weg bin schon bei den „Windträumen“ gegangen. Für mich muss ein Hörbuch ein kleines Kunstwerk sein. Wenn ein tolles Buch oder ein wunderbar bebilderter Film Genuss für die Augen und den Geist darstellen, dann muss ein Hörbuch ein Hochgenuss für die Ohren sein. Wenn es dabei die Gehirnakrobatik anstrengt bzw. entlasten kann – dann ist das umso schöner! Das hat meiner Meinung nach bei den „Windträumen“ wunderbar geklappt.

Für die anstehende Hörbuchproduktion des Sternenreiters konnte mein Verlag mit Isgaard wieder die gleiche Künstlerin gewinnen. Sie wird inhaltlich zum Sternenreiter neue Songs einsingen. Mit dem Vollblutproduzenten Jens Lück wurde ein Profi gewonnen, der auch schon die Hörspielmusik der „Drei ???“ produziert hat. Ich freue mich riesig auf diese Produktion, zumal ich den „Sternenreiter“ diesmal selber einlese.

Das E-Book wiederum ist für mich Neuland. Ganz ehrlich: Ich hoffe, dass es sich nicht durchsetzen wird …

Du glaubst also nicht, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Ein Buch ist für mich ein Buch, wenn ich es in der Hand halten kann, Seiten blättern und im schlimmsten Fall auch mal einen Kaffeefleck darauf entfernen muss. Allerdings muss man mit der Zeit gehen. Beim Stellenwert, den das World Wide Web heute hat, wäre es fatal, den Zug zu verpassen und nicht auf diese Vertriebsschiene mit aufzuspringen. Für mich ist das E-Book reine Werbung, eine Ergänzung zu meinem körperlichen Buch. Schauen wir mal, wo der Weg der E-Books hinführt …

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Als ich Kind war, wollte ich immer Pirat werden. Ein Freibeuter, Seeräuber. Es den reichen Menschen wegnehmen und an die Armen verteilen. Mich regt die Diskussion seitens der Piratenparte in punkto Urheberecht mächtig auf. Ich kann sie überhaupt nicht nachvollziehen! Wie viele Künstler/innen, Schauspieler/innen, Sänger/innen und Autoren/innen können von ihren Gagen, Honoraren und Verkäufen leben? Nur einige haben es nach ganz oben geschafft, können sich elegant und ohne Sorgen zurücklegen. Ich finde es extrem wichtig, dass es ein Urheberecht gibt und dieses auch rigoros umgesetzt wird. Daher ist ein Kopierschutz zwingend notwendig!

Die Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book; wie stehst du dazu?

Einen gebundenen Ladenpreis für E-Book halte ich durchaus für sinnvoll. Es kann doch nicht im Interesse von Autoren sein, die geleistete Arbeit zu Dumpingpreisen auf den Markt zu schmeißen? Man sollte zum Wert seiner Arbeit stehen. Schreiben ist Arbeit!

Und damit komme ich zu einem Punkt, der in der ganzen Diskussion über Kopierschutz, Urheberrecht etc. viel zu selten beachtet wird: Was passiert mit den ganzen Menschen, die bei einer Erstellung eines Buches mitwirken? Wenn ein jeder seine Werke kostenfrei zur Nutzung in das Internet stellt – wer gibt dann noch Geld für Bücher aus? Was würde aus den Lektoren, Illustratoren, Verlagsmitarbeitern, den Menschen bei den Druckereien und vor allen Dingen aus den Buchhandlungen werden? Viele Menschen würden arbeitslos werden. Selbst einem Piraten dürfte das nicht in den Kram passen. Die großen Publikumsverlage dürften die Folgen einer solchen Entwicklung wohl erst später als die kleinen Player auf dem Buchmarkt spüren, aber auch für sie wird das dann sehr schmerzhaft sein. Aber: Vielleicht bin und bleibe ich auch nur ein Buchromantiker.

Der zweite Teil meines Gespräches mit Jando dreht sich darum, was der Geschichtenerzähler für sein Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo er im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.

Steglitz fragt … bei Autoren nach

Seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, hier Autorinnen und Autoren zu Wort kommen zu lassen, die mir im Social Web aufgefallen sind.

Die lose Interview-Reihe, die morgen an den Start geht, wird sich stets mit den gleichen Fragestellungen beschäftigen. Es geht darum, wie die befragten Autoren die Entwicklungen infolge der Digitalisierung einschätzen. Mich interessiert, welche neuen Wege sie nutzen und wo sie Chancen und Risiken sehen.

Einerseits erhalten die Autoren eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung und -reflexion. Andererseits erhoffe ich mir, dass wir von ihren Ideen und Erfahrungen

  • wie sie publizieren
  • wo sie publizieren und
  • was sie für ihr Buchmarketing tun

lernen können und Anstöße für unsere eigenen Wege im Social Web und den Umgang mit den neuen Distributions- und Kommunikationskanälen erhalten. Dass unter den befragten Autoren auch solche sein werden, die ich auf beruflichem Wege kennen gelernt habe, liegt auf der Hand.

Ich freue mich auf anregende Gespräche und zudem auf Vorschläge, welche Autoren hier auch zu Wort kommen könnten. – Rede und Antwort standen bereits Jando, Petra van Cronenburg, Petra Röder, Nicole Sowade aka Miss Januar, Jan-Uwe Fitz aka Vergraemer, die Sachbuch-Autorin Sonya Winterberg der Berner Shooting-Star Patric Marino, Wilhelm Ruprecht Frieling, im Social Web als Prinz Rupi bekannt, der Selfpublisher und Lindenstraßen-Autor Michael Meisheit, Jost Renner, der mit dem Gedichtband „LiebesEnden“ debüttierte, und Gabriele Schmid, die einen Eigenverlag an den Start brachte.