Ich bin weniger ein Programm-Verlag als mehr ein Projekt-Verlag.“ – SteglitzMind stellt Peter R. Hellinger mit „art&words“ vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Heute stellt sich ihnen Peter R. Hellinger, der vor sechs Jahren in Nürnberg art&words – verlag für kunst und literatur an den Start brachte. Den Vorschlag machte Michaela Stadelmann, die den Wunderwaldverlag betreibt.

Seit wann gibt es den Verlag?

Den Verlag gibt es seit Herbst 2008, die ersten Bücher wurden 2009 verlegt. Bis 2011 wurde der Verlag nebenher zum Hauptberuf betrieben, seit 2011 bin ich mit dem Verlag selbstständig.

Machst du alles alleine?

Peter R. Hellinger © privat

Peter R. Hellinger © privat

Ich bin gelernter Versorgungsingenieur, ein klassischer Quereinsteiger also. Bis heute bin ich der einzige „Angestellte“, habe aber mehrere freie Mitarbeiter, die mich im Vertrieb und Lektorat unterstützen.

Die Programmschwerpunkte…

Programmschwerpunkt ist zum einen der Bezug zur Region. Ich verlege bevorzugt Autoren aus der Metropolregion Nürnberg (fast ganz Nordbayern, von Thüringen bis zur Donau), wobei die literarische Bandbreite von Lyrik über Kurzgeschichten, Fantasy bis hin zum Regionalkrimi reicht. Fach- und Sachbücher mache ich dagegen nicht, also ein reiner Belletristik-Verlag. Kriterium ist immer die Qualität und Originalität der Texte, auch wenn sie manchmal nicht so ganz in die gängigen Schubladen des Buchhandles passen.

Lieferbare Titel?

Derzeit habe ich 12 lieferbare Titel, davon 9 sowohl als E-Book als auch als Print und eines nur als E-Book. Weitere zwei Titel sind in Vorbereitung und werden dieses Jahr noch erscheinen, darunter ein hochinteressanter Lyrikband eines jungen Autoren, der sicher noch von sich reden machen wird. Und für nächstes Jahr sind auch schon 3 bis 4 Projekte vorgemerkt.

Setzt du auf analog oder digital?

Die Frage „analog oder digital“ stellt sich für mich nicht: Seit 2011 erscheinen alle Titel sowohl als auch, denn der Leser soll sich an den Texten erfreuen und dabei ist es einfach eine Geschmacksfrage, ob man nun Print oder E-Book wählt. Es soll niemand an seinem bevorzugten Zugang gehindert werden.

Deine persönlichen Highlights im Bücherjahr?

© by art&words

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Da stehen natürlich die Verlags-Highlights im Mittelpunkt: Zum einen ein sensationeller Leseabend mit der vom Erlanger Poetenfest bekannten Schreibgruppe Wortwerk Erlangen (unter anderem mit Bestsellerautorin Natasha Dragnic), die ihr fünfjähriges Bestehen feierte und deren Anthologie „Zwischen den Regalen, ein Geheimnis“ bei mir im Verlag erschienen ist. Dazu ein wirklich toller Abend mit den fränkischen Autoren der Märchenanthologie „Wenn das die Grimms wüssten!“, die gerade vor einem Jahr den Deutschen Phantastikpreis als beste Anthologie 2013 gewonnen hat. Und nicht unerwähnt sollte der Überraschungshit „Haus der 13 Mörder“ bleiben, ein Experiment mit mehreren Autoren. Das Besondere dabei: Es gibt eine Rahmenhandlung, jeder der Autoren beschreibt einen der Hausbewohner bis hin zu dem Moment, an dem der Mord passiert und keiner der Autoren – bis auf einen, natürlich – wusste, wer der Mörder tatsächlich war. Dazu eine Auflösung in bester Agatha-Christie-Manier – was will man mehr? Dass die Leser sich auch auf so ein Spiel einlassen, freut den Verleger natürlich besonders.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Ich habe früher schon Artikel für Fachzeitschriften geschrieben und beruflich 20 Jahre lang sehr trockene Betriebshandbücher für Großkraftwerke verfasst. Irgendwann entdeckte ich die Lyrik für mich und begann – zugegeben schlechte – Gedichte zu schreiben. Dann besuchte ich Schreibwerkstätten für Kreatives Schreiben und lernte viele Menschen kennen, die tolle Geschichten erzählen konnten, die man aber nirgends in einem Buch kaufen konnte. Da reifte dann so langsam der Wunsch, etwas mit diesen Menschen und ihren Geschichten zu machen und irgendwann war dann klar, dass es ein Verlag sein musste.

Woher beziehst du trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten dein Engagement?

Schwierigkeiten bin ich aus über 30 Jahren Tätigkeit in der Bauplanung und Bauleitung von Großprojekten gewohnt. Schwierigkeiten sind Herausforderungen und Chancen. Und es gibt wahrlich wenige Momente, die schöner sind, als das Leuchten in den Augen eines Autors, wenn er zum ersten Mal sein eigenes Buch in der Hand hat. Ich habe immer Lust auf gute Texte, auf Experimente, auf Neues, auf Gewagtes, auf Überraschendes.

Hättest du dir auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Computer waren schon seit Anfang der achtziger Jahre meine hauptsächlichen Werkzeuge, sowohl beruflich als auch privat. Insofern ist die Digitalisierung nichts Überraschendes für mich, sondern eine konsequente Fortentwicklung und hat eigentlich bei der Frage „Verlag: Ja oder Nein?“ nie eine Rolle gespielt.

Was machst du anders als die anderen? – Wie positionierst du dich sich gegenüber der Konkurrenz?

Zunächst einmal konzentriere ich mich ganz auf die Region. Hier habe ich meine Kontakte zur lokalen Literaturszene und zum regionalen Buchhandel, hier kann ich etwas bewegen und habe mir im Laufe der Jahre einen Namen gemacht, der durchaus die eine oder andere Tür öffnen kann. Dann bin ich weniger ein Programm-Verlag als mehr ein Projekt-Verlag. Ich fühle mich nicht an ein bestimmtes Genre oder eine Buchsparte gebunden, ich suche eher die interessanten und ungewöhnlichen Projekte, Dinge, die die Literatur auch voranbringen. Bei allem Respekt vor dem Erfolg der Kollegen: Aber der drölfzehnte Regionalkrimi mit dem immer gleichen Personal und Handlungsrahmen lockt mich nicht – weder als Leser noch als Verleger. Ein spannendes Projekt, eine literarische Herausforderung, etwas frisches, durchaus auch abseits des Mainstreams, damit kann man mich reizen – auch in dem Bewusstsein, dass sich manches davon im Buchhandel schwer tun wird.

So du deinen Verlag neu aufstellen könntest, was würdest du heute anders angehen als in der Startphase?

© by art&words

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Viel früher ein zweites Standbein aufbauen. Neben der eigentlichen Verlagstätigkeit biete ich Verlagsdienstleistungen wie Design für Web, E-Book und Print, Korrektorat und Lektorat für Selfpublisher und andere Verlage an. Das hat sich zu einer der tragenden Stützen des gesamten Geschäfts entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass gerade in einer Zeit, in der sich Autoren zunehmend emanzipieren und professionalisieren, der Verlag vom Rundum-Sorglos-Paket bis zur spezialisierten Dienstleistung ein Angebot machen muss, wenn er im Markt bestehen will.

Wie gewinnst du Autoren?

Ganz einfach: Mit Ehrlichkeit, Aufgeschlossenheit und fairen Konditionen. So bezahle ich auch höhere Honorare als der Durchschnitt, weil ich der Meinung bin, dass das Veredeln eines Textes durch Satz, Layout und Lektorat nicht mehr Gewinn abwerfen sollte, als das Schreiben des Textes. Und natürlich habe ich mir inzwischen auch einen gewissen Ruf in der Region erarbeitet, so dass ich eher Probleme habe, alle interessanten Projekte annehmen zu können – letztlich ist das – neben der zeitlichen Begrenzung, die man als Einzelkämpfer nun mal hat – auch eine finanzielle Frage, denn so eine Druckauflage muss ja irgendwie vorfinanziert werden. Sicher könnte man mit offensiverer Investitionspolitik den Output an Titeln steigern. Bisher schaffe ich jedoch alles ohne bei der Bank groß Schulden anzuhäufen, das bewahrt auch mir wieder das Stückchen Freiheit, einen Titel zu produzieren, von dem sich vielleicht nur 100 Exemplare verkaufen, den ich aber wichtig und gut finde.

Wie organisierst du deinen Vertrieb?

Man findet meine Produktionen natürlich im VLB, und bei den einschlägigen Barsortimenten. Insofern ist damit jedes Buch auch in jeder Buchhandlung bestellbar und natürlich auch in den Online-Shops aller wichtigen Händler zu finden. Lager und Versand der Printausgaben übernimmt meine Hausdruckerei, die das zu wirklich günstigen Konditionen hervorragend handhabt. Die E-Books werden über einen Distributor in den Online-Shops platziert, und natürlich gibt es auch eine eigene Website des Verlags.

Was tust du, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind deine Erfahrungen mit dem Sortiment?

Kurz und schmerzlos: Klinken putzen. Es hilft nur der direkte persönliche Kontakt mit dem Buchhändler – etwas was in dieser Form nur Verlage mit Vertreternetz effektiv nutzen können. Als kleiner Verlag muss man sich da einfach auf die Region beschränken, alles andere ist jenseits der Möglichkeiten. Seit diesem Jahr habe ich allerdings eine freie Mitarbeiterin, die die Buchhandlungen der Region abklappert, die Bücher vorstellt und Bestellungen entgegen nimmt. Erfahrungen? In den Ketten wie Thalia dürfen die Mitarbeiter oft nicht so, wie sie gerne würden, während die kleinen unabhängigen Buchhändler schon auch mal ein Risiko eingehen, wenn die Konditionen stimmen. Und immer gibt es auch den Buchhändlersnob, für den alles Heftromanniveau hat, was nicht mit Hanser oder Suhrkamp auf dem Cover daherkommt.

Wie hältst du es mit Amazon?

Ohne Amazon gäbe es vermutlich keine Selfpublisher-Szene, wie wir sie heute kennen und das E-Book hätte nicht so einen rasanten Aufstieg hingelegt. Etwa die Hälfte meines E-Book-Umsatzes kommt von Amazon, das sagt da schon einiges, auch wenn dieses Jahr die Tolino-Allianz stark aufgeholt hat. Bei Amazon darf man halt eines nicht aus dem Auge verlieren: Niemand macht dort etwas der Literatur wegen, oder um die armen, bisher nicht veröffentlichten Autoren aus ihrem schrecklichem Schicksal zu befreien. Hier geht es um knallhartes Business und das Ausschalten der traditionellen Strukturen. Auf Print-Seite war Amazon noch nie der „Umsatzbringer“ für mich, was vermutlich an der speziellen regionalen Ausrichtung des Verlags liegt. Grundsätzlich kann man natürlich an den knapp 20% des Buchmarktes, den Amazon hierzulande repräsentiert, nicht einfach vorbei gehen.

Was tust du für dein Marketing?

© by art&words

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Natürlich schalte ich Werbeanzeigen in Online- und Printmedien und versorge die regionalen und überregionalen Zeitungen und Multiplikatoren mit Pressemitteilungen und veranstalte auch Lesungen mit den Autoren. Dabei versuche ich auch von der klassischen Wasserglas-Lesung wegzukommen, suche ungewöhnliche Orte für eine Lesung (z. B. ein Waschsalon, eine Galerie und sogar – für unseren bisher einzigen Erotik-Titel – ein Bordell). Gerne peppe ich so eine Lesung auf, das geht von Live-Musik bis zu schauspielerischen Darbietung. So hatte ich bei einer Lesung zu unserem Vampir-Thriller zwei Schauspielerinnen, die als sehr echt aussehende Vampire durchs Publikum schlichen und am Ende tatsächlich einen Besucher (mit dem das natürlich abgesprochen war) das Blut aussaugten. Oder bei der Buchpremiere zum „Haus der 13 Mörder“ mischte sich immer der im Buch Ermordete in Gestalt eine Schauspielers ein, um den ein oder anderen Kommentar abzugeben, was dem Publikum schnell klar machte, warum denn einer der 13 Hausbewohner zum Mörder geworden war. Den lokalen Buchhandel beliefern wir mit Leseexemplaren, stellen unsere Neuerscheinungen vor und versuchen uns auch mit Kooperationen: So sind Bücher aus dem Verlag – wie in den letzten Jahren auch schon – im Weihnachtskatalog der ältesten deutschen Buchhandlung Korn & Berg aus Nürnberg vertreten.

Wie hältst du es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Sagen wir es mal so: Ich begleite das wohlwollend. Nein im Ernst, für einen Klein- und Miniverleger wie mich sind die 500 Euro Mindestjahresbeitrag, die das hier in Bayern kostet, ein Haufen Geld: da kann man schon mal 200 Bücher für drucken lassen. So richtig vertreten sehe ich auch andere Kleinverlage nicht im Börsenverein; mal sehen wie das nach den strukturellen Änderungen aussieht, die in den nächsten Jahren anstehen. Und in Anlehnung an eine Schokoladenwerbung der 90er: Da stecken wir lieber jeden Euro in unsere Bücher.

Für wen machst du Bücher?

Die Zielgruppe ist der interessierte und aufgeschlossene Leser, der gerne auch mal abseits von Mainstream und Bestsellerliste Lust auf Literatur hat und sich auch einmal an unbekannte Autoren wagt, die in der Regel nicht weniger gut schreiben, als die Bekannten. Und die Marktnische ist eben der regionale Faktor: Viele Leser sind überrascht, dass es praktisch „um die Ecke“ auch tolle Autoren gibt.

Wo siehst du für deinen Verlag die größten Chancen?

Ganz klar die weitere Digitalisierung der gesamten Herstellprozesse sowohl im Print als auch im E-Book-Bereich. So nutze ich heute schon die Möglichkeiten des Digitaldrucks, um kleinere Startauflagen zu erstellen und so das finanzielle Risiko abzumildern, kann damit aber auch flexibel auf die Nachfrage reagieren, da meine Hausdruckerei schon am 20 Stück Nachdruck mir die gleichen Konditionen wie zur Erstauflage bietet.

Welche besonderen Risiken verortest du?

Besondere Risiken sehe ich eher nicht, mehr die allgemeinen; sich an einem Projekt finanziell zu verheben oder mal einen richtig krachenden Flopp zu produzieren. Bisher habe ich das aber ganz gut im Griff.

Was schätzt du an der Independent-Szene besonders?

Das „independent“ natürlich – was für eine Frage! Klar wäre es schön auf der finanziellen Seite einen starken Partner zu haben und zu wissen, dass mehr als nur die nächsten 6 Monate abgesichert sind. Nur haben starke Partner oft die Angewohnheit, sich auch in die künstlerischen Aspekte einzumischen und da liebe ich einfach meine Freiheit auch mal ein Buch zu produzieren, das provokant ist, das ungewöhnlich und sperrig ist und nicht glattgeschliffen von zu viel Vertretermeinung und Lektoratsduckmäuserei.

Was würdest du jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Gut überlegen! Ich bin mehr oder weniger blind mit einer laxen Bemerkung á la „Das kann ich besser!“ da rein gestolpert – eine Bekannte zeigte mir ein Angebot eines Druckkostenzuschussverlags – und bin Verleger geworden. Natürlich habe ich aus früheren Tätigkeiten schon viel Wissen mitgebracht, aber einiges – vor allem die Aspekte Marketing und kaufmännisches Handeln musste ich doch auf die „harte Tour“ lernen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfiehlst du? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Vielleicht die Kollegin Sonja Rüther von Briefgestöber?

Herzlichen Dank, Peter, für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

art&words im Netz:

Im Web:          http://art-and-words.de

Twitter:            https://twitter.com/art_and_words

Facebook:       https://www.facebook.com/artandwords

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„Unsere Risiken unterscheiden sich gar nicht von denen der großen Verlage.“ – SteglitzMind stellt Karsten Strack vom Lektora Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich, dass heute Karsten Strack vom Poetry-Slam-Verlag Lektora Rede und Antwort steht. Vorgeschlagen hat das Franziska Röchter vom chili verlag.

Eine Skizze vom Verlag…

Lektora Verlag, Standort Paderborn, seit 2003, aktuell 4 Mitarbeiter in Vollzeit plus mehrere freie Programmschwerpunkt Poetry Slam, aktuell ca. 70 lieferbare Titel, teilweise auch als E-Books.

Ihre persönlichen Highlights?

Karsten Strack in Aktion  © Hans Tichi

Karsten Strack in Aktion © Hans Tichi

Meine absoluten Highlight im Bücherjahr: Jan Philipp Zymny: Henry Frottey. Sein erster Fall, Teil 2: Ende der Trilogie; Sulaiman Masomi: Ein Kanake sieht rot; Sascha Thamm: Dynamitfischen in Venedig – diese Bücher aus unserem Verlag waren allesamt Wochentipp auf WDR 2.

Warum musste es unbedingt ein Verlag sein?

Ich liebe Bücher und Poetry Slam – da lag die Verbindung in Verlagsform nahe.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Ich werde immer Fan bleiben. Das treibt mich an und lässt mich Hindernisse ziemlich gelassen überwinden. Zudem ist die gesamte Poetry-Slam-Szene für mich so etwas wie ein emotionales Lebensglück. Ein guter Freund aus der Szene sagte einmal: Wenn du Poetry Slam machst, dann bekommst du keine Midlife Crisis.

Was hat sich infolge der Digitalisierung in Ihrer Arbeits-/Vorgehensweise verändert?

Lektora_Henry Frottey Sein erster FallWir sind schneller geworden – in allen Belangen. Unser Marketing ist direkter und effektiver – bei gleichem Zeitaufwand. Ich begrüße die Digitalisierung in all ihren Facetten und bin mir jedoch sicher, dass das gedruckte Buch aufgrund seines kulturellen Stellenwertes und der Haptik noch lange parallel geführt wird.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir setzen auf Herz und Verstand, sind in der Szene auch als Bühneakteure, Dozenten und Veranstalter unterwegs und haben vielleicht noch eine andere Leidenschaft als die Großindustrie. Zudem können wir unseren Autorinnen und Autoren schnelle Produktionszeiten anbieten. Wenn es sein muss, dann dauert es von der Anlieferung des Rohmanuskripts bis zur Veröffentlichung nicht länger als 3 Monate (und darin enthalten sind neben Druck und Layouttätigkeit mindestens zwei Lektoratsdurchläufe mit den dazugehörigen Autorengesprächen).

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Ich würde mich früher um professionelle Strukturen kümmern – sowohl im Hinblick auf Vertrieb als auch Marketing.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Zumeist durch vorherige Bekanntschaft, durch Szenezugehörigkeit, teilweise akquirieren wir selbst die Autoren, teilweise bieten uns die Autoren ihre Manuskripte ungefragt an. Das ist ganz unterschiedlich.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Wir vertreiben selbst mit Hilfe des Großhandels und verschiedener Aggregatoren.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wir arbeiten seit geraumer Zeit mit dem Barsortiment zusammen, haben dort überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Mit Vertretern arbeiten wir (noch) nicht zusammen, da unsere Verkaufszahlen sich erst in den letzten beiden Jahren so entwickelt haben, dass wir bei einigen Büchern nennenswerte Auflagen erreichen.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Lektora_Ein Kanacke sieht rotDa sind wir über den Großhandel vertreten.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir sind agil im Bereich Social Media Marketing, über den wir unsere zumeist junge Zielgruppe sehr direkt erreichen. Zudem veröffentlichen wir regelmäßig ein kleines Programmheft, schalten ab und an eine kleine Anzeige und freuen uns darüber, dass unsere Autoren häufig sehr gut durch Selbstmarketing mithelfen.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Wir sind nicht Mitglied im Börsenverein, aber im Buchhandel im Rahmen der Möglichkeiten präsent.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Unsere Zielgruppe sind hauptsächlich Menschen, die zu Poetry Slams gehen. Das ist unsere Marktnische. Wir treffen hier auf ein zumeist gut gebildetes, kritisches, aber begeisterungsfähiges junges Publikum. Es macht Spaß, für diese Zielgruppe Bücher zu machen.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Uns kommt sicherlich zugute, dass Poetry Slam an sich immer noch boomt. Zudem haben wir es mit einer digital-affinen Zielgruppe zu tun. Aktuell entwickeln wir Konzepte für eine Multimedialisierung der E-Books. Wichtig ist aber vor allem, dass wir mehr und mehr Autoren verlegen, die tatsächlich sehr gut schreiben können. Außerdem ist unsere Stärke sicherlich die Spezialisierung.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Unsere Risiken unterscheiden sich, glaube ich, gar nicht von denen der großen Verlage. Wir alle können nur in die Glaskugel schauen, wenn es darum geht, wie sich die gesamte Verlagslandschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die Autorinnen und Autoren werden in Zeiten der zunehmenden Self-Publishing-Möglichkeiten immer mehr fragen, welchen Mehrwert ihnen der Verlag eigentlich bietet. Und solche Fragen lassen sich sicherlich nicht nur durch die Höhe des Vorschusses beantworten. Denn: Machen wir uns nichts vor – in Sachen Sichtbarkeit von Autor und Werk ist ein Autor sicherlich besser beraten, die Nummer 1 – 5 in einem hoch engagierten kleinen Verlag mit direktem Zugang zum Szenepublikum zu sein als die Nummer 180 – 250 in einem Großverlag, der dann nach Bekanntgabe der Vorbestellungszahlen einfach aufhört, das Werk zu pushen. Bei uns ist das alles nachhaltiger.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Mir ist es grundsätzlich egal, ob ein Buch in einem Independent Verlag oder bei Random House und Co. erscheint. Wichtig ist vielmehr, dass es gut geschrieben und mit Hingabe produziert und vermarktet wird.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Lektora_Dynamitfischen in VenedigFreunde, macht das nicht, wenn ihr den schnellen EURO möchtet. Das wird wohl nichts. Habt ihr jedoch Leidenschaft für den Beruf und Geduld – und könnt ihr ein mögliches Scheitern ertragen, dann nur zu. Legt los!

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Den Berliner Satyr Verlag mit seinem Geschäftsführer Volker Surmann.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

 

Lektora im Netz:

Die Homepage: www.lektora.de

Bei Facebook: https://www.facebook.com/lektora

Independent Verlage auf dem Schirm – ein work in progress

Klein und oho – aber nicht auf dem Schirm? Wer und wo sind sie, die kleineren Verlage? Und wie kann man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick behalten? Diese Fragen habe ich Anfang September gestellt und Euch gebeten, mir Indie-Verlage zu empfehlen, die ich wiederum einlade, sich hier vorzustellen.

Inzwischen ist schon eine stattliche Anzahl beieinander. Ich sehe mich in der Chronistenpflicht und sage allen, die sich bislang eingebracht haben, herzlich danke!

Die Übersicht zur Gesprächsreihe „SteglitzMind stellt Independent-Verlage vor“ wird – nach bestem Wissen und Gewissen – fortlaufend aktualisiert (Stand: 20. Oktober 2015).

Rede und Antwort standen bislang (in chronologischer Folge):

Barbara Miklaw mit ihrem Mirabilis Verlag

Sebastian Kaufmann, der den Chaotic Revelry Verlag gemeinsam mit Dog Thor Dionysos gründete

Andreas Heidtmann vom poetenladen Verlag

Franziska Röchter, die den chiliverlag verantwortet

Steffen Ille vom Verlag Ille & Riemer

Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag

Michaela Stadelmann mit ihrem Wunderwaldverlag

Sandra Thoms vom Dryas Verlag

Bernhard Rusch mit dem den TTR-Verlag, wo die Zeitschrift applaudissement erscheint

Steffen Janssen vom Luzifer Verlag

Michael Fischer von der dahlemer verlagsgesellschaft

Karlheinz Schlögl, der gemeinsam mit Hannes Riffel den Golkonda-Verlag verantwortet

Jasper Nicolaisen vom Verlag das Beben

Karsten Strack vom Poetry-Slam-Verlag Lektora

Peter R. Hellinger mit art&words

Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag

Vanessa Wieser vom Milena Verlag in Wien

Sonja Rüther mit Briefgestöber

Helge Pfannenschmidt von der edition AZUR

Boris Koch, der Medusenblut – einen Verlag für dunkle Phantastik gründete

Karsten Möckel vom Liesmich Verlag

Claudia Gehrke mit dem Tübinger konkursbuch Verlag

Stefan Weidle vom Weidle Verlag

Volker Surmann vom Berliner Satyr Verlag

Zoë Beck und Jan Karsten mit CulturBooks

Ingo Držečnik vom Elfenbein Verlag

Dominik Bartels mit dem Blaulicht Verlag

Joachim Körber von der Edition Phantasia

Peter Trier mit Litradukt

Katharina Picandet von der Edition Nautilus

Daniel Beskos vom mairisch Verlag

Verena Minoggio-Weixlbaumer vom Wiener Goldegg Verlag

Sebastian Guggolz mit seinem Guggolz Verlag

Andreas Reiffer vom Verlag Andreas Reiffer

Michael Preissl mit Voodoo Press

Jürgen Schütz vom Septime Verlag in Wien

Uschi Zietsch vom Fabylon-Verlag

Sarah Legler und Jorghi Poll, die die Wiener Edition Atelier verantworten

Adrian Kasnitz von der parasitenpresse

Andreas Mergenthaler von Cross Cult

Günter Vallaster von der edition ch

Eckart Schott, der Salleck Publications verantwortet

Roman Pliske vom Mitteldeutschen Verlag

Daniel Ketteler und Christoph Wenzel vom [SIC]-Literaturverlag

Das Team vom Berliner Verlagshaus J. Frank

Mark O. Fischer vom Epsilon-Verlag

Eckhard Brauer, Mitverleger und Lektor im Derk Janßen Verlag

Bertram Reinecke vom Leipziger Verlag Reinecke & Voß

Jano Rohleder von dani books

Hartmut Abendschein mit seiner edition taberna kritika

Sonia Lauinger mit Der Kleine Buch Verlag

Ulf Stolterfoht von Brueterich Press

Matthias Burki mit Der gesunde Menschenversand

Beatrice Maritz und Andreas Grosz von der edition pudelundpinscher

Bernd Schuchter vom Limbus Verlag

Josef Felix Müller mit seinem Vexer Verlag

Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner von der Edition Haus am Gern

Ralph Klever mit seinem Klever Verlag

Wolfgang Gosch und Virgil Guggenberger von der Wiener Edition Krill

Olaf Spittel mit dem Verlag 28 Eichen

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Diese Verlage wurden bislang für Gespräche vorgeschlagen:

A

A1 Verlag

Achter Verlag

Ahead and Amazing Verlag

Alawi Verlag

Amrûn Verlag

Ankerherz

Arco Verlag

Argument Verlag + ariadne

ars vivendi

art & words

Artbook Verlag

Assoziation A

Atlantis Verlag

AvivA Verlag

B

BaltArtVerlag

Begedia Verlag

Berenberg Verlag

binooki

Blaulicht Verlag

Bohem

Braumüller

Brett und Stein Verlag

Briefgestöber

Brueterich Press

Buchvolk-Verlag

Büro für Problem

C

Ch. A. Bachmann Verlag

Chaotic Revelry Verlag

chiliverlag

Cividale Verlag

Copress Sport Verlag

Cross Cult

culturbooks

D

Daedalus Verlag

Dahlemer Verlagsanstalt

Dani Books

Das fröhliche Wohnzimmer

Das wilde Dutzend

Der kleine Buchverlag

Derk Janßen Verlag

diaphanes

Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung

Distillery

Divan Verlag

Dörlemann

Drachenmond Verlag

Draupadi Verlag

Dryas Verlag mit Goldfinch Verlag, edition Reiseratte

duotincta

E

edition 8

edition art science

Edition Atelier

Edition Azur

ed[ition]. cetera

edition ch

Edition diá

edition fünf

Edition Hamouda

Edition Howeg

edition keiper

Edition Korrespondenzen

Edition Krill

Edition Nautilus

Edition Phantasia

edition pudelpinscher

edition social

Edition Splitter

edition taberna kritika

Edition Tiamat

EireVerlag

Elfenbein Verlag

Elysion Books

Emons Verlag

Epsilon Verlag

F

Fabylon-Verlag

Feder und Schwert

Festa Verlag

Fixpoetry

Friedenauer Presse

G

Goldegg Verlag

Golkonda Verlag

gONZo Verlag

Grosskonzern – Der kleine Verlag

Guggolz Verlag

H

h.f. ullmann

Hablizel Verlag

Hanani

Hasenverlag

Haus am Gern

hochroth Verlag

Hörcompany

I/J

Jonas Verlag

JUHRVerlag

K

Katzengraben-Presse

Kindermund Verlag

kladde|buchverlag

Kleinheinrich

Klever Verlag

Klöpfer & Meyer

konkursbuch

KOOKbooks

Kulturmaschinen Verlag

L

Lehmstedt Verlag

Lektora – Poetry Slam Verlag

Libelle Verlag

lichtblau verlag

Liebel Litteraturförlag

Liebeskind

Liesmich Verlag

Lilienfeld Verlag

Limbus Verlag

LIT Verlag

litradukt Literatureditionen

Luftschacht Verlag

Luzifer Verlag

Lyrikedition 2000 im Allitera Verlag

M/N

mairisch Verlag

mandelbaum verlag

Mark Pezinger Verlag

MaroVerlag

Medusenblut

Metrolit Verlag

michason & may

Milena

Mirabilis Verlag

Mitteldeutscher Verlag

O

ocm – der Verlag

Oldigor Verlag

Onkel & Onkel

onomato verlag

open for books

Orange Press

P/Q

Papierverzierer Verlag

Parasitenpresse

Pendragon

persona verlag

Plem Plem Productions

Poetenladen-Verlag

Polar Verlag

Quiqueg Verlag

R

Reinecke & Voß

Reprodukt

Rotbuch Verlag

Rotpunktverlag

roughbooks

S

Salleck Publications

Satyr Verlag

Schwarzkopf & Schwarzkopf

Septime Verlag

Shayol Verlag

[SIC] Literaturverlag

silbende_kunst

Sonderzahl

speak low

Splitter Verlag

Stachelbart-Verlag

Stellwerck Verlag

Stroemfeld Verlag

Sujet Verlag

SuKuLTuR

supposé

T/U

Tilda Marleen Verlag

Transit Verlag

TRAUMAWIEN

TTR Verlag

Uhrwerk Verlag

Unsichtbar Verlag

V

Ventil Verlag

Verbrecher Verlag

Verlag André Thiele

Verlag Andreas Reiffer

Verlag Antje Kunstmann

Verlag das Beben

Verlag Das Wunderhorn

Verlag Der gesunde Menschenversand

Verlag der Kollaboratör

verlag die brotsuppe

Verlag Donata Kinzelbach

Verlag Ille & Riemer

Verlag Peter Engstler

Verlag Torsten Low

Verlagshaus J. Frank

Verlagshaus Jacoby & Stuart

Vexer Verlag

ViaTerra Verlag

Voland & Quist

VoodooPress

W

Waldgut Verlag

Weidle Verlag

Wölfchen Verlag

Wunderwaldverlag

Wurdack Verlag

X/Y/Z

Zagava

Zauberberg Verlag

„Verlagsein ist geil!“ – SteglitzMind stellt Jasper Nicolaisen vom Verlag das Beben vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Jasper Nicolaisen dabei ist. Er spricht für den Berliner Verlag das Beben, den ein Team betreibt. Vorgeschlagen hatte das Karlheinz Schlögl, der gemeinsam mit Hannes Riffel den Golkonda-Verlag verantwortet.

Für was steht das Beben?

das Logo © Verlag das Beben

das Logo © Verlag das Beben

Den Verlag das Beben gibt es seit Herbst 2013. Wir veröffentlichen Novellen zeitgenössischer deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, und zwar ausschließlich als kopierschutzfreie E-Books. Bei der Programmgestaltung gilt: erlaubt ist, was uns gefällt. Ob Genre oder Hochliteratur, ob ernst oder komisch, ob experimentierfreudig oder Seitenfresser, uns kommt alles in die Tüte – nur gut muss es sein. Und was gut ist, entscheidet unsere Redaktion aus Autorinnen, Buchhändlern, Übersetzern und anderen Buchgeschädigten nach dem Konsensprinzip. – Dabei herausgekommen ist bisher eine bunte Mischung aus etablierten Autoren und Autorinnen, absoluten Newcomern und streng genommen gar nicht existenten Leipziger Literaturschwerstarbeiterinnen, die von Sciencefiction über Gentrifizierungssatire und Collagenovelle bis hin zur Zivilisationsparabel alles abgeliefert haben.

Die Highlights im Bücherjahr…

Unsere Highlights der letzten Monate sind „Lügenvögel“ von Karla Schmidt, ein Buch über Angst vor dem Weltuntergang und die Hilfe der Kunst, „H-Null. Ein Deutschlandmärchen“ von Marcus Hammerschmitt, ein Buch über das wahnsinnige Vorhaben, das eh schon ziemlich wahnsinnige Deutschland in ganz klein noch mal nachzubauen, und „Ein Totes im See´bolo“ von Gecko Neumcke, ein Buch über die Welt nach der anarchistischen Revolution und einen Kriminalfall unter alten Revolutionären.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass die Welt alles andere dringender braucht als noch einen Verlag. Trotzdem waren wir alle unzufrieden mit der Bücherwelt. Wir kannten so viele tolle Bücher, die in den Schubladen vergammeln mussten, nur weil sie in keine Marktnische passten. Wir mussten zu oft hören, dass ein Buch, das sich nicht 10 000 mal verkauft, sich einfach nicht lohnt. Wir fanden die Spitzentitel der Spitzenverlage oft gar nicht so spitze, und die zweite Reihe hauptsächlich ordentlich eingereiht. Also haben wir halt einen Verlag gegründet, der antritt, alles schöner und besser zu machen. Der typische idealistische Quatsch eben. Da wir aber alle nicht mehr total frisch aus dem Sekretärinnenseminar waren, wussten wir wenigstens von vornherein, dass wir uns keine Reichtümer erträumen durften. Also, erträumen schon, aber halt nicht bekommen. Außerdem wollten wir was Interessantes mit E-Books machen. Und kürzere Bücher, die man gut auf einer Zugfahrt durchbekommt, aber hinterher gerne noch mal lesen möchte. Elektronovellen eben.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Jasper Nicolaisen  © Verlag das Beben

Jasper Nicolaisen © Verlag das Beben

Aus dem schönen Gefühl, die tollsten Autorinnen und Autoren zu verlegen, von denen noch nie jemand was gehört hat. Oder die Werke bekannter Schriftsteller, die bei Verlagen, die zur Kalkulation gezwungen sind, nicht unterkommen. Karla Schmidt darf bei uns schreiben wie der junge David Bowie, Marcus Hammerschmitt sich über Deutschland lustig machen, und die anderen alles noch besser machen. Wenn wir mal keine Lust mehr haben, denken wir uns: „Wir wären aber schön blöd, so ein Programm nicht weiter zu machen.“ Und wer will schon blöd sein? Wir jedenfalls nicht.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Ohne die was infolge der was? Wir haben uns eigentlich überhaupt keine Verlagsgründung zugetraut. Wir wussten, man muss irgendwohin und irgendwas eintragen lassen. Die Notarin hat schon komisch geguckt. Das sollte irgendwie 700 Euro kosten. Wir sind dann woanders hin gegangen, da ging es plötzlich. Einer von uns macht zum Glück gerne Steuererklärungen, die anderen haben andere Spleens. Mit Digitalisierung hat das hoffentlich nichts zu tun.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir machen ausschließlich gute Bücher. Klingt flapsig, aber die Betonung liegt auf „machen“. Wir streiten sehr ausgiebig über unser Programm und arbeiten mit vielen der Autoren und Autorinnen noch ziemlich an den Texten. Nicht im Sinne von: Das muss jetzt mehr gestreamlined werden, sondern: das kann noch mehr der Text sein, der er sein will. Wir nehmen uns recht viel Zeit pro Buch. Oder machen die anderen das auch alle? Uns kam das besonders vor.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Wir würden uns, glaube ich, deutlicher darüber verständigen, was die Erfolgsbedingungen für jede und jeden von uns sind. Als wir die ersten Zahlen hatten, hat sich doch herausgestellt, dass nicht alle die gleiche Definition von „einem sehr bescheidenen Erfolg“ als Ziel des Verlages hatten. Von „hatte ich mir genau so vorgestellt“ über „Wahnsinn! Ich dachte, das kaufen eh nur zehn Leute“ bis hin zu „ein paar Tausend hätten es schon sein dürfen“ war alles dabei. Zweitens: wenn wir alles noch mal machen könnten, würden wir warten, bis E-Books und Literatur selbstverständlicher zusammen gehen und auch die Vertriebsstrukturen und PR-Kanäle klarer sind. Wir sind da in eine große Aufbruchsbewegung geraten, die uns etwas überfordert hat.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Da wir alle berufliche Vorerfahrungen rund um die Bücherwelt hatten (und immer noch richtige Berufe in dieser Welt außer dem Beben haben), kennen wir viele Leute, die man fragen kann oder von denen wir wissen, dass sie gerne mal in der kürzeren Form ohne allzu große Vorgaben schreiben würden. Daneben erreichen uns auch erstaunlich viele Einsendungen hoffnungsvoller Jung- oder AltautorInnen. Das ist wunderbar, aber auch etwas problematisch, weil die meisten davon nichts taugen, und die, die was taugen, bei unserer Zusage oft schon einen anderen Verlag gefunden haben. Die sind ja auch nicht blöd und schreiben nur ans Beben.

Das Dilemma mit den Unverlangten…

das Beben Gecko Neumcke Ein TotesAm interessantesten von den Unverlangten, die im Mailfach gelandet sind, waren für uns die Manuskripte, über die wir ins Streiten gekommen sind. Wir hatten zwei, drei Fälle, deren Qualität unbestreitbar war, die aber aufgrund irgendwelcher Geschmacksfragen bei mindestens einem aus der Redaktion auf erbitterten Widerstand gestoßen sind. Ich möchte hier an dieser Stelle noch mal dazu aufrufen, dass vor allem männliche, junge Autoren mit großer literarischer Begabung bitte mal von dem Gedanken wegkommen mögen, der Weg zum Erfolg führe über irgendwie abgefuckte Tarantino-Berlin-Hipster-Sexquatsch-Novellen. Jedenfalls nicht bei uns. Es war schon traurig, dass in mehreren Fällen eigentlich gute Bücher durch so eine tatorthafte Möchtegernhärte ruiniert wurden.

Ein hervorragendes Manuskript hatte ein bisschen so das umgekehrte Problem und war bei aller schreiberischer Könnerschaft zu nahe dran an Bridget Jones. Auf unsere flehentliche Bitte (wir wollten es echt gern bringen), doch wenigstens Gossip Girl draus zu machen, schallte Not-Amused-Sein zurück. Wild, das Verlegerdasein!

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Die meisten Bücher verkaufen wir über unseren eigenen Webshop. Die zweitmeisten über Amazon. Minimore.de ist ein sympathischer Kleinvertrieb für Indie-E-Books, der uns auch führt. Alles andere läuft unter ferner liefen

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Wenn wir im Buchhandel mit unseren E-books ankommen, gucken die uns im besten Fall an, als wollten wir denen ein Mondgrundstück verkaufen. „Buch? Buch? Ich seh´ kein Buch! Das riecht ja gar nicht nach Druckerschwärze und ich kann es auch nicht in meine repräsentative Billy-Bücherwand einreihen, wenn mal Freunde aus der Kulturszene zu Besuch kommen, um über Herbert Grönemeyer zu parlieren.“ So ungefähr. Wir hatten mal Geschenkkarten mit Gutscheincodes, die haben manche genommen. Aber ich habe auf Twitter gelesen, die Zukunft des digitalen Buchmarktes liege ganz bestimmt nicht in Kärtchen mit Downloadcodes für Buchhandlungen. Da habe ich mich etwas geschämt.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Marcus Hammerschmidt_ Ho_Wir verkaufen am zweitmeisten Bücher über Amazon. Ehrlich gesagt hat man in punkto Amazon nur eine Wahl, wenn man E-Books verkaufen will. Man kann sie bei Amazon anbieten oder gar nicht. Weil sich E-Books halt de fakto nur über Amazon verkaufen.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir bespielen ganz fleißig diese sozialen Netzwerke und alles, wo wir schon ganz viele Follower haben… Im Ernst, das muss man natürlich machen als E-Book-Verlag. Aber wirkliche Spitzen in den Verkäufen beobachten wir, wenn wir in ganz verschnarchten, traditionellen Printmedien landen. Oder im Radio. Einmal war was auf Deutschlandfunk, da ist das Buch für unsere Verhältnisse gleich durch die Decke gegangen. Dass man über irgendwelches Crowdfunding und Viral Marketing und Social Network-Gerödel ganz groß rauskommt, ist ungefähr genauso wahrscheinlich, wie als Band mit einem YouTube-Video und einer MySpace-Seite zu Weltruhm zu gelangen. Was auch was bringt, sind Lesungen. Wir machen also elektronische Bücher mit ganz analogen Werbemaßnahmen.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Ich glaube, die haben ihrer Zeitung mal nett über uns geschrieben, weiß es aber nicht mehr genau. Sorry.

Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Wir machen Bücher für Leute, die ungewöhnliche Sachen lesen möchten, aber trotzdem gut unterhalten werden wollen. Also tendenziell für Vielleser und Auskennerinnen, die sich aber trotzdem keine elitäre Attitüde zugelegt haben. Leute, die sich nicht zu fein sind, sich zu gruseln, eine Träne zu vergießen oder die Bahnstation zu verpassen, wenn sie in einem unserer Bücher festhängen. Die aber zugleich neugierig auf Bücher sind, bei denen man merkt, dass man liest, weil der Text nicht mit allen Mitteln versucht, sich unsichtbar zu machen, weil man am liebsten denken soll: „Huch, das ist ja Kino oder alle anderen Bücher, die ich schon kenne!“

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

das Beben Karla Schmidt LügenvögelIn der Normalisierung von E-Books, vor allem bei Medienleuten. Wenn eines Tages Rezensionen und Berichte nur noch im Kleingedruckten erwähnen, ob das jetzt ein E-Book ist, von einem Printverlag oder im Self-Publishing, dann haben wir es leichter.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Das größte Risiko für uns ist eigentlich, dass wir eines Tages sagen, so schön diese Texte auch sind, aber die Arbeit wird uns zu viel. So lange wir Lust drauf haben, können wir ewig weitermachen. Segen und Fluch des digitalen Publizierens.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

Ich kenne eigentlich keine Independent-Szene. Ich lese manchmal im Internet so Debatten über E-Books und wie die alles durcheinander bringen und ob jetzt E-Book-Verlage gewissermaßen von unten an den lieben, alten Printverlagen nagen, die von oben schon von Amazon mit der Bohrmaschine bearbeitet werden, aber ich habe das Gefühl, das ist eine Diskussion, die, um es mal im Merkel-Duktus zu sagen, nicht unsere Diskussion ist. Wir wollen Bücher machen, die uns gefallen. Dass das E-Books sind, ist mehr oder weniger Zufall. Independent ist halt auch nur ein anderes Wort für mittellos. Doch! Einen Independet-Verlag kenne ich. Golkonda aus Berlin. Dort gibt es immer sehr schöne Gartenpartys.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Bloß bleiben lassen! Ganz ohne Ironie, mir fällt kein vernünftiger Grund ein, warum man das machen sollte. Aber das werden den hoffnungsvollen Verlagsgründern eh schon alle sagen. Und wenn sie´s wirklich machen wollen, werden sie nicht drauf hören. Insofern: Daumen hoch, Jungs und Mädels, hört nicht auf die! Verlagsein ist geil! Seht bloß zu, ernst gemeinter Ratschlag, dass ihr da keine nennenswerten Summen investiert. Sich ruinieren für den Spaß ist es nicht wert.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Ich empfehle Golkonda, den Karlheinz Schlögl hier ja bereits vorgestellt hat, Verbrecher Verlag (obwohl, die sind nicht so klein, oder?), den Wiener Milena Verlag, Medusenblut. Ja, der sollte hier auch zu Wort kommen.

Danke vielmals, Jasper Nicolaisen, es war mir ein Vergnügen.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

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Die Verlagsseite mit Programm, Blog, ausführlichen Leseproben, Autorenporträts und Laden: http://verlagdasbeben.de/

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„Schwierigkeiten ist das falsche Wort, als Unternehmer und Verleger kennt man nur Herausforderungen.“ – SteglitzMind stellt Karlheinz Schlögl vom Golkonda-Verlag vor

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass heute Karlheinz Schlögl Rede und Antwort steht, der gemeinsam mit Hannes Riffel den Golkonda-Verlag verantwortet. Vorgeschlagen hatte das Steffen Janssen vom Luzifer Verlag.

Seit wann existiert Ihr Verlag?

Den Golkonda-Verlag in Berlin gibt es seit 2010, der Verlagsname ist dem Atomvulkan Golkonda von Arkadi & Boris Strugatzki geschuldet, deren Werkausgabe zum zentralen Programm bei Golkonda gehört. Ursprünglich als GbR von Hannes Riffel gegründet, der hauptberuflich als freier Lektor und Übersetzer tätig ist, erfolgte 2012 mit meinem Einstieg als Co-Gesellschafter die Umwandlung in eine GmbH.

Machen Sie und Hannes Riffel alles alleine?

Karlheinz Schlögl © Golkonda-Verlag

Karlheinz Schlögl © Golkonda-Verlag

Von Anfang an mit dabei waren auch unsere Gestalterin Susanne Beneš und Setzer und SF-Spezialist Hardy Kettlitz. Darüber hinaus unterstützen uns zahlreiche freie Mitarbeiter und Verlagsfreunde dabei, schwerpunktmäßig, aber nicht nur, internationale Phantastik und Krimis sowie seit 2014 auch klassische Literatur und Sachbücher zu veröffentlichen, und zwar sowohl als aufwendig gestaltete Printausgaben wie auch als eBooks.

In Summe sind nun schon an die sechzig Bücher bei Golkonda erschienen, wir waren also mehr als fleißig in den letzten vier Jahren, und freuen uns, dass unser Schaffen auch schon viermal mit dem Kurd Laßwitz Preis gewürdigt wurde, zweimal für Bestes ausländisches SF-Werk mit deutscher Erstausgabe und zweimal für Beste Übersetzung zur SF ins Deutsche mit Erstausgabe.

Ihre persönlichen Highlights?

Bei so vielen bereits erschienenen Büchern kann jede Aufzählung von Highlights immer nur zur Unterschlagung anderer wichtiger Bücher führen, aber wenn schon, dann sind es für mich die deutschen Erstveröffentlichungen, und hier vor allem die Storybände aus dem angloamerikanischen Raum von David Marusek, Paolo Bacigalupi, Ted Chiang, Geoff Ryman und Kij Johnson sowie, mein persönliches Steckenpferd, die Ausgabe der Gesammelten Werke von Samuel R. Delany, für deren Herausgeberschaft ich mich auch verantwortlich zeichne.

Warum musste es in diesen Zeiten unbedingt ein Verlag sein?

Delany-Bewegung_150Ich denke, die Zeit ist immer passend für einen neuen Verlag … Für mich war es entscheidend, damit auch die Möglichkeit zu haben, die eigenen Lieblingsautoren und meinen Literaturgeschmack sichtbar zu machen. Und eigentlich sehe ich in diesen Zeiten für kleine Verlage dank Amazon und E-Books ganz neue Möglichkeiten und Chancen, sich neben den Großen zu behaupten, eben ohne eigenes Vertriebsnetz zu den Buchhandlungen.

Woher beziehen Sie trotz sattsam bekannter Schwierigkeiten Ihr Engagement?

Schwierigkeiten ist das falsche Wort, als Unternehmer und Verleger kennt man nur Herausforderungen. Unser Engagement beruht auf der Freude und dem Stolz, schöne Bücher zu schaffen, die unseren Qualitätsvorstellungen entsprechen und die wir selbst gerne in unsern eigenen Bücherregalen stehen haben möchten.

Hätten Sie sich auch ohne die Innovationen infolge der Digitalisierung eine Verlagsgründung zugetraut?

Die Digitalisierung erleichtert uns selbstverständlich die Erstellung der Bücher, Datenaustausch und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten wird dadurch einfacher möglich. Der Ausgangspunkt jeglicher erfolgreichen Verlegertätigkeit ist jedoch die Auswahl der »richtigen« Bücher für das Verlagsprogramm, und hier muss man Vertrauen in den eigenen Geschmack und Riecher haben, keine Digitalisierung und Innovation kann einem das abnehmen.

Was machen Sie anders als die anderen? – Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Halbengel_150Ich denke, jeder Verlag ist einzigartig durch die im jeweiligen Verlag engagierten Personen. Entsprechend spiegelt auch der Golkonda-Verlag das Geschmacksspektrum des Golkonda-Teams wieder und führt dadurch zu seinem eigenen unverwechselbaren Verlagsprogramm.

So Sie Ihren Verlag neu aufstellen könnten, was würden Sie heute anders angehen als in der Startphase?

Man lernt natürlich einiges dazu, aber viele der späteren Einsichten sind zu Beginn gar nicht umsetzbar. Um beispielsweise Medienpräsenz und Besprechungen zu bekommen oder Kooperationen mit anderen Verlagen eingehen zu können, ist es vorab einmal notwendig, sich selbst mit seinem Programm zu positionieren.

Wie gewinnen Sie Autoren?

Lesen, lesen und nochmals lesen, um vergleichen zu können und eine gute Auswahl zu treffen. Die Kontaktierung von Autoren, die man veröffentlichen möchte, erfolgt zumeist über deren Agenten. Aber sobald man mit dem eigenen Programm wahrgenommen wird, passiert es auch, dass einem von den Agenten Manuskripte ungefragt angeboten werden oder Autoren sich bei einem melden, weil sie auch Teil des Verlagsprogrammes werden wollen.

Wie organisieren Sie Ihren Vertrieb?

Neben einigen ausgewählten, für uns wichtigen Buchhandlungen, die direkt beim Verlag bestellen, wie beispielsweise das Otherland in Berlin, mit dem wir auch persönlich stark verbunden sind, erfolgt im Printbereich die Auslieferung vor allem über die großen Zwischenhändler wie KNV und Libri. Damit dort wiederum die gewünschten Bestellungen eintreffen, muss unser Marketing das Verlagsprogramm entsprechend bekannt machen, wobei für uns dann vor allem die Rezensionen im Fernsehen, im Radio, in den Internetblogs und auf den Literaturhomepages sehr, sehr hilfreich sind.

Was tun Sie, um im Buchhandel Fuß zu fassen? – Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sortiment?

Atomvulkan_150Da wir kein eigenes Vertriebsnetz unterhalten, ist der direkte Kontakt zu den Buchhandlungen nur punktuell möglich. Umso mehr freut es uns dann, wenn es von Seiten der Buchhandlungen immer wieder auch Angebote gibt, einen Golkonda-Schwerpunkt zu präsentieren, wie beispielsweise letzten Sommer bei Dussmann in Berlin, bei Leykam in Graz, bei Decius in Hannover und vor allem über das ganze Jahr mit eigenem Golkonda-Regal in der Otherland Buchhandlung in Berlin.

Letztendlich verdanken wir jeden Erfolg den Autoren unserer Bücher. So kann es durchaus passieren, das auch große Ketten wie Hugendubel schon mal vorab einen spürbaren Teil einer Auflage vorbestellen, wenn sie erfahren, dass beispielsweise George R. R. Martins Armageddon Rock von Golkonda neu aufgelegt wird.

Wie halten Sie es mit Amazon?

Als Kleinverlag stellt Amazon einen echten Mehrwert da, das ganze Verlagsprogramm wird für alle zugänglich, ohne in jeder Buchhandlung präsent sein zu müssen. Gleichzeitig braucht man nicht zu befürchten, mit Amazon Margen neu aushandeln zu müssen oder erpressbar zu werden, da man von den Umsatzgrößen her einfach viel zu klein ist.

Was tun Sie für Ihr Marketing?

Wir bemühen uns mit Newsletter, Blog auf der Verlags Homepage und viralem Marketing über den Golkonda Insider auf Facebook Aufmerksamkeit auf unser Verlagsprogramm zu lenken. Wichtig für uns sind alle Buchbesprechungen, entsprechend verfügen wir über einen stetig wachsenden Presseverteiler, über den wir vorab unsere Informationen und Leseexemplare diesen Meinungsmachern zukommen lassen.

Johnson-Pinselstriche_150Des Weiteren schalten wir regelmäßig Bannerwerbungen im Internet, platzieren Anzeigen in den passenden Magazinen, unterstützen Online-Aktionen im E-Book-Segment bei den entsprechenden Portalen und freuen uns über jede zusätzliche Gelegenheit, wie beispielsweise dieses Interview, um den Golkonda-Verlag einer noch breiteren Leserschaft bekannt zu machen. – Für all diese Themen und noch einige mehr ist bei uns Heide Franck zuständig, die gerne weitere Anfragen per E-Mail an presse@golkonda-verlag.de beantwortet.

Wie halten Sie es mit dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel?

Nächste Frage bitte.

Nun denn: Für wen machen Sie Bücher: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe, wo sehen Sie Ihre spezielle Marktnische?

Marusek-Glueck_150In erster Linie wohl für uns selbst, in der Hoffnung und Erwartung, dass auch andere unseren Geschmack teilen. Der Golkonda-Verlag ist sehr breit aufgestellt, entsprechend bedienen wir, oder versuchen es zumindest, sehr viele Zielgruppen. Phantastik-Liebhabern bieten wir, neben Kurzgeschichtensammlungen und Romanen, auch Sekundärliteratur zum Thema an, den Krimi-Fans bieten wir Crossovers zur Phantastik und den Liebhabern der Klassikliteratur wiederum eine eigene Klassikerreihe, wobei auch hier Brückenschläge zurück zur Phantastik zu finden sind, wie beispielsweise Der lachende Mann von Victor Hugo. Und Bücher wie Dunkle Reflexionen von Samuel R. Delany, HalbEngel von Tobias O. Meissner oder Bloß weg hier! von Frank Böhmert zeigen dem interessierten Leser, welches Spektrum diese Autoren, die in erster Linie mit dem Genre Literatur assoziiert werden, zu bieten haben. Das Durchbrechen dieser Genregrenzen, der ganzheitliche Ansatz zur Literatur, ist auch eine erklärte Zielsetzung des Golkonda-Verlages.

Wo sehen Sie für Ihren Verlag die größten Chancen?

Dass wir uns bei der Leserschaft als klare Marke etablieren, sodass diese im Vertrauen auf das bereits geschaffene Verlagsprogramm bereit ist, sich von uns zu neuen Büchern hinführen zu lassen. Dass wir quasi mit unserem Programm eine Art Garantie abgeben können, dass die Erwartungshaltung unserer Leser erneut erfüllt wird, auch wenn die neuen Autoren noch nicht im deutschsprachigen Raum etabliert sind.

Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?

Mit unserer Breite im Verlagsprogramm zu verschrecken, einer Beliebigkeit anheimzufallen, dem Leser keine Identifikation zu bieten und entsprechend nicht die Resonanz zu finden, die wir eigentlich anstreben.

Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?

das Logo © Golkonda-Verlag

das Logo © Golkonda-Verlag

Die Freiheit zu haben, seine eigenen Vorstellungen, welche Inhalte der Verlag publizieren soll, ohne allzu große Kompromisse umsetzen zu können. Und vor allem Mitstreiter zu finden, die diese Ziele mittragen und ebenfalls ihr Engagement einbringen, ohne dass alles nur unter kommerziellen Aspekten beurteilt wird. Die Glückshormone, die dabei bei allen Beteiligten ausgeschüttet werden, sind wohl außerhalb der Independent-Szene kaum zu bekommen.

Was würden Sie jenen raten, die mit dem Gedanken spielen, einen Verlag an den Start zu bringen?

Auf sich selbst zu vertrauen und nicht auf diejenigen zu hören, die immer vermeintlich wissen, was alles nicht funktioniert. Aber dieser Rat gilt wohl grundsätzlich für alle, die etwas Neues schaffen wollen.

Welche kleinen, unabhängigen Verlage empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Spontan fällt mir der Verlag Das Beben ein, ganz neu und E-Books only, oder der Septime Verlag in Wien mit der wunderbaren James-Tiptree-Ausgabe.

Herzlichen Dank für diesen Einblick.

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Ich würde mich freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützt, kleinere Verlage zu entdecken. Etwa indem Ihr Vorschläge macht, wer hier möglichst Rede und Antwort stehen sollte. Und bitte vergesst nicht auf die entsprechenden Verlage zu verlinken. – Danke sehr! Mehr zur Intention der losen Gesprächsreihe mit Verlegerinnen und Verlegern erfahrt Ihr hier. Zu einer Übersicht über die Empfehlungen, die bislang zusammengekommen sind, geht es hier

Der Golkonda-Verlag im Netz:

Die Homepage: http://golkonda-verlag.de/

Die Präsenz bei Facebook: https://www.facebook.com/Golkonda.Insider