SteglitzMind stellt Daniel Ludwig mit „Mein Lesesessel“ vor

Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber wiederum eingeladen werden, sich den Fragen zu stellen. Das ist Ziel der losen Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“, deren Intentionen ich anderenorts detaillierter erläutert habe.

Heute lernen wir Daniel Ludwig etwas näher kennen, der Mein Lesesessel pflegt. Vorgeschlagen hatte das Markus Kolbeck von der Leipziger Bücherlei.

Dein Steckbrief in Stichworten …

Ein Bibliophile wie aus dem Lehrbuch. Leidenschaftlicher Bücherarchäologe und Leser von Werken, die längst vergessen sind. Sammler von alten Computern. Geschäftsführer einer GmbH für IT Consulting. Vater, Ehemann, Gärtner und Rennradler. Tee- und Weintrinker. Fernsehhasser. Fotograf. Liebhaber alter Ohrensessel.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Die ersten Gehversuche habe ich mit einem selbstgeschriebenen CMS namens Akeron gemacht. Irgendwann wurde mir die Wartung zu doof und der Server krachte natürlich ab. Ohne Backup. Über Joomla bin ich anschließend zum WordPress gekommen, welches auf einem der von mir betriebenen Server läuft. Dieser Blog läuft seit etwa Ende 2012. Ich blogge eigentlich nur deswegen, weil ich gern über Bücher und verbundene Themen rede. Leider gibt es nur wenige Menschen in meinem Umfeld, die auf der gleichen Wellenlänge sind wie ich, daher gebe ich meiner Redelust Auslauf, indem ich sie bloggen lasse.

Deine Themenschwerpunkte …

Bücher. Bücher. Bücher. Idealerweise solche, deren Autoren längst zur Staub zerfallen sind. Entdeckungen in Antiquariaten, an die sich niemand erinnert. Aber auch die Verbindung des Lesens mit gehobener Lebenskultur: welcher Wein passt zu welchem Buch? Kunst und Malerei mit Büchern als Sujet. Im Focus liegen auch Kuriositäten wie Bücher aus Menschenhaut, alte Bibliotheken und Menschen, die für Bücher gemordet haben.

Was treibt dich in der Literaturszene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Um ehrlich zu sein, nicht wirklich viel. Schon seit langem kümmere ich mich recht wenig darüber, was aktuell angesagt ist, sondern gehe meinen eigenen Weg. Literaturpresse, Foren und Blogs lese ich eigentlich nur, um mir paar neue Empfehlungen einzuhandeln, oder weil mir deren Still gefällt. Ich lese das, was mir gefällt. Der sogenannte Literaturbetrieb interessiert mich wenig.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Der Blog entstammt meiner Lust zum Plaudern über Bücher. Ob es jemand tatsächlich liest (oder nicht) tut dem keinen Abbruch. Es ist natürlich schön, Lesezuschriften zu bekommen, aber auch ohne diese würde ich schreiben. Daher bleibt es eigentlich bei Facebookeinträgen und Twitter, was ich vor kurzem für mich entdeckt habe. Darüber hinaus poste ich hin und wieder in einzelnen Bücherforen oder kommentiere, wenn auch selten mangels Zeit, andere Blogs.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Sich nicht so ernst nehmen. Niemand von uns hat ein Monopol für die Wahrheit. Nicht jeder, der mit unserer Meinung nicht übereinstimmt, ist gleich ein Teufel. Als Blogger sollte man sich häufig mehr Höflichkeit aneignen. Wenn sich schon jemand die Mühe macht, unseren Text zu lesen, sollte er etwas respektvoller behandelt werden, als so mancher es mit seinem Publikum tut. Auch dann, wenn man gerade einen stressigen Tag hinter sich hat oder der Kommentar nicht so positiv ausfällt: Höflichkeit ist das Gebot!

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Die Zeit, ach, die leidige Zeit. Wieso hat ein Tag keine vierzig Stunden? Als Unternehmer, Familienvater und jemand mit vielen anderen Interessen fällt es häufig schwer, Zeit zu finden, um vernünftige Blogeinträge zu schreiben. Spätestens dann, wenn ein Release beim Kunden ansteht oder der Sohn krankt, wird es richtig schwer, Zeit zu finden, um überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen. Geschweige denn, darüber zu schreiben.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Als Blogger weniger. Aber ich betreibe noch eine zweite Seite, Computermuseum Lorsch, welche sich meiner zweiten Leidenschaft widmet: dem Sammeln von alten Computern. Da fand zufälligerweise tatsächlich ein Arbeitskollege diese Seite, rief mich an und schenkte mir einen Tandy Radio Shack 80 Model 1, den aller ersten Heimrechner, der fertig gebaut ausgeliefert wurde. Einfach so, damit er nicht verschrottet wird. Oh, selig sind die Glücklichen, die einen TRS 80 in ihren Regalen wissen!

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

der Lesesessel © Daniel Ludwig

der Lesesessel © Daniel Ludwig

Mein Blog ist schon etwas spezifisch, was mein angeht. Die meisten Autoren und Verlage, deren Bücher ich beschreibe, sind seit 50 Jahren tot. Da ist es schwer, von ihnen Rezensionsanfragen zu bekommen…

Grundsätzlich stehe ich dieser Praxis etwas skeptisch gegenüber. So manche Anfrage, die mich erreichte, scheint aus dem Schrottflinten-Bereich zu kommen: man schreibt einfach alle bekannten Blogs an, irgendeiner wird schon was Positives darüber schreiben. Wieso sollte ich ein Buch über die lesbische Liebe zweier Sekretärinnen beschreiben, die sich ihrer Neigung bewusst werden? Oder, als bekennender naturwissenschaftlich interessierter Hobbyforscher das neueste Esoterikbuch über die Wirkung von Erdstrahlen (Blödsinn)? Würde man sich nur wenig mit meinem Blog auseinandersetzen, wäre schnell klar, wie unpassend diese Themen für mich sind.

Darüber hinaus ist mir stets etwas unbehaglich zumute, zu rezensieren. Wenn mir schon jemand was schenkt, sehe ich mich verpflichtet, das Buch auch tatsächlich zu lesen, selbst dann, wenn es mich nicht interessiert. Meine angeborene Höflichkeit macht es mir ebenso schwer, dieses Buch anschließend negativ zu bewerten, während ich bei einem gekauften Exemplar keinerlei Hemmungen hätte und es verreißen würde. Es ist schon passiert, dass ich Rezensionsexemplare zurückgeschickt habe mit der Entschuldigung, es nicht beschreiben zu wollen, weil es zu grottenschlecht ist.

Bisher hat es übrigens kein Rezensionsexemplar in meine Top Ten geschafft…

Und wie würdest du damit umgehen, wenn dir Self-Publisher ihre Titel zur Rezension anbieten?

Warum nicht? Gefällt mir das Buch, beschreibe ich es gern. Ich mache keinen Unterschied zwischen Hemingway, Tolstoi und Frau Müller oder Herrn Schmidt. Gut und mit Leidenschaft geschrieben ist mir viel lieber als Stangenware. Ist es jedoch lausig und langweilig, geht es postwendend an den Autor zurück mit der Bitte, mich künftig davon zu verschonen.

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Auf Geschäftsreisen und im Urlaub liebe ich meinen Kindle. Ist man mit einem Kind unterwegs oder hat eine Marathonwoche mit vielen Hotels und Konferenzen vor sich, lernt man schnell, jedes Kilo zu schätzen. Ich lese schnell. Früher war ich spätestens gegen Ende der ersten Urlaubswoche auf der Suche nach neuen Lesequellen, während die ausgelesenen Bücher im Hotel oder unter Mitreisenden sich breit machten. Seitdem ich den Kindle habe, begleitet er mich stets überall, randvoll gefüllt mit Klassikern und Thrillern. Die letzten lese ich sowieso nur einmal, so nehmen sie danach wenigstens keinen Platz in meinen Regalen und ich habe keine Mühe mehr damit, sie weiter zu verschenken.

Daheim jedoch verschwindet der Kindle in der Schublade und staubt vor sich hin. Lesen daheim heißt für mich: Chesterfield Ohrensessel, Tasse Tee und ein Papierbuch.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wie ich sehe, hast Du die meisten Blogs, welche ich gern lese, bereits aufgeführt? So viel bleibt da leider nicht mehr übrig. Aber ich versuche es dennoch. Wie wäre es mit dem Blog von Jarg? Ich mag sehr diese privaten Blogs, deren Autoren sich wenig darum kümmern, was gerade angesagt ist, sondern schreiben, was ihnen an der Seele liegt.)

Hatten wir…

Dann vielleicht Leopolds Leselampe – Geographie in Texten und Bildern. Empfehlen möchte ich außerdem die beiden ungewöhnlichen Tumblr-Blogs Lesestunde und The Bibliophile.

Danke sehr, Daniel. Ich freue mich, dass du dabei bist.

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Zuletzt stellte sich Markus Kolbeck mit der Leipziger Bücherlei vor. – Eine Übersicht, wer bereits alles Rede und Antwort stand und welche Blogs in den jeweiligen Gesprächen empfohlen wurden, findet sich hier

 

 

 

 

 

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Vergesst die kleinen Buchhändler nicht. Wünsch dir was! (Teil II)

So einiges kam auf die Frage „Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… welche wären das?“ zusammen, die Buchhändler im Rahmen meiner Reihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor beantwortet haben. Während sich die Gesprächspartner bei der Frage, was man sich vom Börsenverein des deutschen Buchhandels erhoffe, eher zurück hielten, gab sich hier keiner bedeckt. Mancher holte weit aus. Schnell wurde mir deutlich, dass das Verhältnis zwischen verbreitendem und herstellendem Buchhandel nicht gänzlich ungetrübt ist. Wissen Verlage etwa das nicht zu schätzen, was Buchhändler leisten?

Welche Schritte Verlage einzuleiten hätten, um das unabhängige Sortiment zufriedener zu stimmen, thematisieren zwei Blogposts. Im ersten Teil habe ich die Wünsche an Programm und Marketing zusammengefasst; heute geht es um den Vertrieb, die Wettbewerbsbedingungen und anderes, was Buchhändlern bei der Zusammenarbeit mit Verlagen aufstößt.

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Auf den Umstand, dass Filialisten und Großbuchhändler ihren Einkauf zentral tätigen, haben sich die Verlage in den vergangenen Jahren eingestellt, indem sie den Innendienst ausgebaut und den Außendienst verkleinert bzw. gänzlich abgeschafft haben. Seither ist des Öfteren zu hören, dass freie Handelsvertreter, die zwei- oder teilweise sogar dreimal jährlich Buchhandlungen besuchen, um Novitäten vorzustellen und Bestellungen aufzunehmen, ein Auslaufmodell sind. Dass Verlage gänzlich auf Vertreter verzichten können, diese Ansicht teilen die Interviewpartner allerdings nicht. Vielmehr schlagen sie eine Bresche für kompetente Verlagsvertreter, die individuell und unabhängig beraten. Sie sind ein wesentliches Bindeglied zwischen Buchhandel und Verlag; nicht zuletzt, weil sie wichtige Informationen zu Neuerscheinungen vermitteln, die Vorschauen nicht bieten. Der verlagseigene Innendienst, namentlich die telefonische Betreuung durch Key Account Berater, punktet bei den 44 Gesprächsteilnehmern dagegen nicht.

Sabine und Ute Gartmann  © Jürgen Heuser

Sabine und Ute Gartmann © Jürgen Heuser

Wir arbeiten gern mit fitten Vertretern, haben keine Lust auf „Telefonbetreuung“. Sagen Sabine und Ute Gartmann von der Buchhandlung die schatulle in Osterholz-Scharmbek

„Man erhalte uns unsere Verlagsvertreter, die abseits der plakativen und austauschbaren Kurzbeschreibungen der Neuerscheinungen in den Verlagsvorschauen, glaubwürdige und auf meine Buchhandlung zutreffende Einschätzungen abgeben können.“ Wünscht sich Bettina Haenitsch von der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

„Vertreter sind uns wichtig. Als Bindeglied zwischen Verlag und Buchhändler leisten diese eine wichtige und unersetzliche Arbeit. Den Verlagsvorschauen mit den unklaren Titelankündigungen wie „Ein neuer Irving“ oder „Der neue Weltbestseller“ und kein anständiger Text dazu kann man selten trauen. Und zum Vertreter sollte man so ein Verhältnis haben, dass die Kommunikation stimmt, der Vertreter den Laden kennt und unabhängig und individuell trotz Umsatzvorgaben seitens des Verlages beraten kann. Das kann telefonische Betreuung nicht leisten.“ So Heike Wenige vom Taschenbuchladen in Freiberg

Gar auf wenig Verständnis stößt, warum Verlage ihre Geschäfte über andere Vertriebsschienen als den Buchhandel abwickeln. Moniert werden Aktivitäten auf Nebenmärkten wie Supermärkten, Blumenläden oder Apotheken. Ein Dorn im Auge der Befragten ist der Direktvertrieb an Endkunden.

Holger Brandstädt © Roland Köhler

Holger Brandstädt © Roland Köhler

Ich wünsche mir, dass Verlage weniger die Nebenmärkte fördern und stattdessen dem Buchhandel ähnlich attraktive Angebote machen.“ Fordert Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde

„Dass die Verlage zu uns Buchhandlungen als Partner 100% stehen und somit alle Geschäfte über den Buchhandel abgewickelt werden und nicht die arbeitsintensiven abgeben, die leicht zu handelnden und lukrativen jedoch direkt über Verlag-Kunde laufen…“ Das möchte Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

„Wenn, wie die Verlage gerne betonen, der Buchhandel als Vertriebsweg so wichtig ist: Wieso gibt es dann Bücher in Supermärkten und wieso verkaufen sie, die laut über nicht rentable Einzellieferungen an die Buchhändler wettern, ihre Bücher direkt an Endkunden?“ Fragen Ingo Herrmann und Heike Röminger von der Berliner Buchhandlung Moby Dick

In diesem Kontext ist es wenig verwunderlich, dass die verlagseigenen Webshop-Lösungen ebenfalls im Kreuzfeuer der Kritik stehen. Besser beraten wären Verlage, wenn sie auf das stationäre Sortiment verlinken würden.

Bettina Heanitsch © privat

Bettina Heanitsch © privat

Mich stören tatsächlich auch die eigenen Shops auf den Homepages der Verlage. Warum wird hier nicht an den örtlichen Buchhandel verwiesen? Über die Zahlen im Direktvertrieb wird gar nicht gesprochen. Kein Wunder, dass der einzelne Sortimentsbuchhändler immer weniger Unterstützung durch die Verlage erfährt, warum sollte der Verlag das auch tun, wenn er es selber verkaufen kann und mehr verdient. Da kann man sich das auch leisten, ein Taschenbuch für 9,90 Euro versandkostenfrei zu liefern.“ So Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

„Ab und an habe ich den Eindruck, der Buchhändler steht bei Verlagen als letzter in der Reihe. Warum eigene Shops auf den Verlagshomepages? Die Buchhändler lesen und setzen sich aktiv für die Bücher der Verlage ein – das ist nicht sehr unterstützend.“ Meint Bettina Haenitsch von der buchladen in Seligenstadt

Gar nicht gut kommt an, dass Verlage auf ihrer Webpräsenz auf die Bezugsmöglichkeit via Amazon verweisen. Und so mancher fragt sich, warum sie überhaupt mit einem Onliner kooperieren, der den Buchmarkt gnadenlos kannibalisiert, statt ihm die Stirn zu bieten.

Barbara Roth  © Iris Roth

Barbara Roth © Iris Roth

Dass die Verlage uns auf Ihre Homepages verlinken und listen und nicht als erstes (und meist auch noch ausschließlich) Amazon als Bezugsquelle anführen.“ Ärgert Barbara Roth von der Offenburger Buchhandlung Roth

„Verkauft eure Bücher nicht an Amazon! Würden sich drei, vier große Publikumsverlage trauen, ihre Titel nicht mehr über Amazon zu verkaufen, wäre der Ruf von Amazon bezüglich der allumfassenden Lieferfähigkeit schnell hin und der Kunde würde auch wieder mal woanders hinschauen.“ Fordern Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Auf allgemeines Unverständnis stößt, warum sich Verlage nicht an den Kosten für Lesungen und Veranstaltungen beteiligen. Dass Buchhandlungen, die sich solcherart mit viel Herzblut und Engagement für Bücher einsetzen, mit Flyern oder Partieexemplaren abgespeist werden, sorgt für Unmut. Manchen ärgert in diesem Zusammenhang auch, dass Autoren zunehmend über spezialisierte Agenturen und nicht mehr direkt über den Verlag für Lesungen in der Buchhandlung gebucht werden können.

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Torsten Meinicke © Buchladen Osterstraße

Übernahme eines Teils der Kosten bei Lesungen, denn schließlich machen wir mit unseren Lesungen Werbung für das jeweilige Buch.“ Das wünscht Torsten Meinicke vom Hamburger Buchladen Osterstraße

„Schafft ein Budget für Veranstaltungen, aus dem ihr kleinere Buchhandlungen unterstützen könnt. Und zwar mit mehr als nur Plakaten oder Partieexemplaren!“ Fordert Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Obwohl der Sortimentsbuchhandel trotz aller Umwälzungen ein wichtiger Umschlagsplatz für Bücher ist, scheinen Verlage auf die Belange kleinerer und mittlerer Buchhandlungen wenig Rücksicht zu nehmen. Für ihr Engagement sehen sich die Befragten regelrecht abgestraft. Sie wünschen sich mehr Entgegenkommen und Solidarität. Darüber hinaus sind ihre Forderungen so vielfältig wie das stationäre Sortiment bunt ist.

Annaluise Erler © Julius Erler

Annaluise Erler © Julius Erler

Vernünftige Konditionen auch für Kleinbestellungen. Ich möchte für mein Engagement per VLB (und nicht nur per BS-Katalog zu bibliografieren) nicht mit Minderrabatten und Versandkosten statt Portokosten „bestraft“ werden. Nachlieferungen grundsätzlich portofrei (das ist in jeder anderen Branche selbstverständlich!)“ Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

„Wir Buchhändler sind das Schaufenster für die Verlage. Falls wir die Produkte dann trotz Bemühungen doch mal nicht verkaufen können, möchten wir nicht auch noch mit Remi-Kosten bestraft werden.“ So Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus in Tharandt

Beate Laufer-Johannis  © privat

Beate Laufer-Johannis © privat

„Ein höherer Rabatt ohne Riesenabnahmemengen würde uns das Leben sehr erleichtern. Nehmt auch uns „kleine Buchhandlungen“ ernst und unterstützt uns bei Aktionen.“ Wünscht sich Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

„Schnürt Pakete, die zu unserer Größe passen. Stellt uns auch bei kleineren Bestellmengen Werbematerial und Leseexemplare zur Verfügung. Wir, die Indis, sind diejenigen, die sich auch für die Bücher einsetzen, die nicht auf den Bestsellerlisten landen.“ So Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

„Schön wäre es, auf Sonderauslieferungen zu verzichten, die uns unnötig die Kosten in die Höhe treiben.“ Meinen Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen

Allgemein sorgen die Konditionen für Verdrießlichkeit. Dass Verlage vor Ketten, Filialisten und Großabnehmern wie Amazon regelrecht katzbuckeln und ihnen nennenswerte Wettbewerbsvorteile einräumen, gereicht den Kleineren, die sich stärker anstrengen müssen, zum großen Ärgernis. Unisono werden ungerechte Konditionen und unfairer Wettbewerb beklagt, der auf Kosten des unabhängigen Sortiments geht. Entsprechend wünschen sie sich bessere Konditionen, geringere Versand- und Remissionskosten und Rabatte, die nicht nur auf die Absatzzahlen, sondern auch auf die Ladengröße abgestimmt sind.

Edda Braun © privat

Edda Braun © privat

Ich erwarte, dass die Verlage Konditionenforderungen von Amazon und Konsorten, die keine Wettbewerbsgerechtigkeit mehr ermöglichen, an unsere Realitäten angleichen. Die Preisbindung würde es ermöglichen und mit welchem Recht fordert die Krake 20 – 25% mehr Rabatt zzgl. Distributionskosten? Schließlich wickelt der traditionelle Buchhandel erheblich mehr Buchumsatz ab als Amazon.“ So Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

„Bei der Konditionengestaltung nicht nur die ‚Großen‘ zu hofieren, sondern an unseren gemeinsamen Auftrag denken, für die Verbreitung und den Erhalt der Buches als Kulturgut und Bildungsmittels ersten Ranges zu sorgen.“ Wünscht sich Edda Braun von der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

„Bessere Rabatte, die zugeschnitten sind nicht nur auf Absatzzahlen sondern auch auf die Ladengröße.“ Fordert Maria Glusgold-Drews vom Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Hatte das Spartenpapier 1985 nicht festgeschrieben, das die drei Parteien des deutschen Buchhandels fair miteinander umgehen sollen? Und heißt es in der Orientierungshilfe des Börsenvereins für das Verhalten von Verlag, Sortiment und Zwischenbuchhandel nicht, dass Verlage bei ihrer Konditionengestaltung darauf Acht geben müssen, auch kleinere Sortimente wettbewerbsfähig zu halten? Ist der gemeinsame Konsens, der drei Sparten jahrzehntelang verband, inzwischen hinfällig geworden? Ja, beklagt Susanne Martin von der Stuttgarter Schiller Buchhandlung:

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Susanne Martin © Silvie Brucklacher

Ich bedauere sehr, dass der Branchenkonsens, Werte, die für alle Sparten über viele Jahrzehnte gegolten haben, in den letzten Jahren mehr oder weniger verloren gegangen ist. Ich bedauere das natürlich zum einen, weil der Sortimentsbuchhandel als schwächstes Glied das besonders zu spüren bekommt. Aber auch deshalb, weil ich glaube, dass das langfristig unserer Branche und ihrer Durchsetzungskraft (und damit letztlich dem Buch) sehr schaden wird und sie beliebig werden wird. Und das finde ich einfach schade.“

Bleibt an dieser Stelle ein Appell an die Adresse der Verlage: Zeigt euch solidarischer, nehmt Rücksicht auf die Belange der Kleineren und fokussiert nicht nur kurzsichtig jene, die eure Kasse klingeln lassen. Buchhändler wünschen sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und nicht zuletzt: Sie vermissen Wertschätzung!

Simone Dalbert © privat

Simone Dalbert © privat

Es wäre schön, wenn man nicht als Bittsteller, sondern als Handelspartner mit gemeinsamem Interesse (Handel mit Kultur UND Ware, nämlich Buch) gesehen würde.“ Meint Ingo Herrmann und Heike Röminger von der Berliner Buchhandlung Moby Dick

„Nach der Buchmesse hat sich bei uns eine gewisse Frustration breit gemacht, was den Messebesuch betraf. Irgendwie hatten wir uns in den letzten Jahren an den Ständen der Verlage zunehmend als Störfaktor gefühlt, nicht als interessierten und möglicherweise sogar interessanten Partner der Verlage. Klar gilt das nicht für alle, wir hatten auch sehr nette Messegespräche, aber wenn mir gesagt wird, ich solle doch von zu Hause aus bestellen, man habe gerade keine Zeit zum Aufnehmen einer Bestellung, dann komme ich schon ins Grübeln…“ So Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung

„Vergesst die vielen kleinen Buchhändler nicht. Wir machen einzeln nicht den Umsatz einer großen Filialkette oder sogar eines Online-Riesen. Aber wollt ihr wirklich, dass die Kleinen mit der Nähe zum Kunden immer weniger werden?“ Fragt Simone Dalbert von der Würzburger Buchhandlung Schöningh

„Dass auch umgekehrt sie, wenn sie denn solcherart Bücher machen und herausbringen, in ein ähnlich ambitioniertes Verhältnis zu denjenigen Buchläden und Buchhändlern treten, wo sie ein solches Verhältnis zu ihren Büchern lebendig vorfinden können.“ Wünscht sich Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales

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BTW: Die Fragestellungen der Gesprächsreihe will eine Veranstaltung erweitern und vertiefen, die in Berlin/Mitte am 3. Juni 2014 ab 19.00 Uhr in der Tucholsky-Buchhandlung stattfindet. Wir erwarten uns eine kontroverse Debatte, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Zur Diskussion beitragen werden u.a. Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Autor von “Das Buch als Beute”) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung). – Der Eintritt ist frei.

Um Voranmeldung wird gebeten: kurt(klammeraffe)tucholsky(punkt)de

Wünsch dir was! Wie Verlage Buchhändler zufriedener stellen können (I)

Sollte sich der Osterhase befleißigen, all‘ jene Wünsche in einen Sack zu packen, die Buchhändler an Verlage richten, dann hätte er schwer zu schleppen. Ganz schön viel kam jedenfalls auf die Frage „Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… welche wären das?“ zusammen, die Buchhändler im Rahmen meiner Reihe SteglitzMind stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor beantwortet haben. Während sich die Gesprächspartner bei der Frage, was man sich vom Börsenverein des deutschen Buchhandels erhoffe, eher zurück hielten, gab sich hier keiner bedeckt. Mancher holte weit aus. Schnell wurde mir deutlich, dass das Verhältnis zwischen herstellendem und verbreitendem Buchhandel nicht gänzlich ungetrübt ist. Wissen Verlage etwa das nicht zu würdigen, was Buchhändler leisten?

Welche Schritte Verlage einzuleiten hätten, um Buchhändler zufriedener zu stimmen, darum geht es in den folgenden Blogposts. In diesem Teil fasse ich die Wünsche an Programm und Marketing zusammen; im zweiten Teil wird es vorrangig um Vertrieb und Wettbewerbsbedingungen gehen.

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Ganz oben auf der Liste steht ein Wunsch, der nicht nur aus dem Sortiment seit Jahren laut wird. Obwohl der Novitäten-Ausstoß in jüngerer Zeit etwas rückläufig ist, bleibt der Buchmarkt dennoch durch eine unverminderte Titelflut unüberschaubar. Das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) listet nahezu 1,4 Millionen Titel und jährlich kommen Unmengen hinzu. So buhlten 2012 – laut „Buch und Buchhandel in Zahlen“ – 91.100 Neuerscheinungen um Buchhändler und Leser. Diesen Bücherberg kann selbstverständlich kein Mensch bewältigen; selbst ein potentieller Vielleser nicht, der es hypothetisch auf vier Bücher wöchentlich bringt. Auch dieser schafft jährlich kaum mehr als 200 Bücher. Kurzum: Es drängeln sich zu viele auf dem Markt, sagen die Buchhändler, und fordern entsprechend von den Verlagen eine Drosselung der Produktion.

lesende Buchhändlerin ©  Mila Becker

lesende Buchhändlerin © Mila Becker

Sucht sorgfältiger aus, strafft die Programme. Das gäbe dem Buch eine größere Wertigkeit. Nicht alles, was gedruckt werden kann, muss auch gedruckt werden“. Sagt Brigitte Gode von der Gollenstein Buchhandlung in Blieskastel

„Stoppt die irrsinnige Masse an Neuerscheinungen. Es gibt nicht weniger Leser, es gibt zu viele Bücher. Gegen diese unendliche Flut, die produziert wird, kann weder der gutwilligste Buchhändler, noch der ambitionierte Leser ankommen. Nicht Masse, sondern Klasse wäre mal wieder angesagt!“ Findet Mila Becker von Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

„Ratlosigkeit im Neuerscheinungsdschungel treibt um… Es wird uns so schwer gemacht, gute Belletristik zu finden – aber wir finden sie!“ Meint Heike Wenige vom Taschenbuchladen im sächsischen Freiberg

Da sich die befragten Sortimenter in der Pflicht sehen, Perlen aus dem Büchermeer zu fischen, gereicht ihnen ein unüberschaubarer Markt, den niemand bewältigen kann, zum doppelten Ärgernis. Perlen lassen sich in trüben Gewässern nur schwerlich auffinden. Aber nicht allein die Überproduktion wird kritisiert, sondern auch das Tempo, das Verlage beim Verlegen vorlegen. Bücher werden zu schnell und zu eilfertig verramscht und damit der Chance enthoben, sich auf dem Markt durchzusetzen. Moniert wird in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass Verlage ihre Backlist vernachlässigen und dass die Fristen zwischen Hardcover- und Taschenbuchausgaben zu kurz sind.

Lia Wolf  © Oskar Schmidt

Lia Wolf © Oskar Schmidt

1. weniger Publizieren in 2. niedrigeren Auflagen was zu 3. weniger Verramschen führt und somit der dritte Wunsch sich von selbst erfüllt und für den Wunsch nach Backlistpflege frei bleibt.“ Sagt Lia Wolf von der Wiener Buchhandlung Lia Wolf

„Verramscht eure Bücher nicht so schnell! Die Bücher werden sehr, sehr schnell – manchmal innerhalb eines halben Jahres an moderne Antiquariate billig verhökert, so dass zeitgleich bei uns die „normale“ Ausgabe gehandelt wird – das ist sehr unschön…“ Meinen Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Ebenfalls ihr Fett weg bekommen die Verlagsprogramme höchst selbst. Anstoß nehmen die Befragten vorrangig an Qualität und Uniformität des Angebots.

Mich treibt um, das es immer schwerer wird, Titel mit Substanz zu finden, die zu verkaufen Freude macht. Die Unzahl austauschbarer Massenware auch aus Häusern mit großer literarischer Tradition wie z.B. Aufbau, Ullstein, List deprimiert. Fragen Sie doch mal Verlage, was im vorletzten Herbst der Spitzentitel war?! Auch wenn Osburg, Liebeskind u.a. immer noch für Lichtblicke sorgen, dünnt sich das Angebot trotz hoher Novitäten-Anzahl doch zusehends aus.“ So Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde

Moniert werden allerdings nicht nur flache Inhalte, auch die Gestaltung der Bücher lässt in den Augen der Buchhändler vielfach zu wünschen übrig. Verbesserungen fordern sie bei der Titel- und Covergestaltung. Lieblose, uninspirierte Klappentexte kommen ebenso wenig an wie austauschbare und uniforme Cover. Zudem scheinen Verlage das Preis-/Leistungsverhältnis aus dem Auge verloren zu haben. Für Unmut sorgt außerdem, wenn Titel künstlich aufgeblasen werden. Und bisweilen wäre weniger ganz einfach mehr.

Margarete Haimberger © Margarete Haimberger

Margarete Haimberger © Margarete Haimberger

Ich wäre schon zufrieden, wenn auf jedem Umschlag ein paar Angaben zum Inhalt stehen würden und keine geheimnisvollen Sätze aus dem Buch. Es mag originell sein, aber die Kunden legen so ein Buch meist zurück.“ Sagt Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

„Reduziert die vielen austauschbaren Titel und blast Bücher nicht künstlich auf: in unsere Regale passt halt nur eine begrenzte Zahl von Titeln. Ein Buch mit den Ausmaßen eines Backsteins nimmt uns einfach zu viel Platz weg wenn man den Text auch – ohne Einbußen an guter Lesbarkeit – auf ein Drittel der Seiten unterbringen könnte. „Meint Rosemarie Reif-Ruppert von der Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg

„Übertreibt es nicht mit der Ausstattung, vertraut auf die Wirkung des Worts (und wenn es keine Wirkung hat, lasst es lieber ganz bleiben.“ Wünscht sich Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Rosi Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Rosemarie Reif-Ruppert © Rainer Kradisch

Ach, bitte: druckt ansprechende Texte auf die Buchrückseite!“ Fordern Beate und Mischa Klemm von der Berliner Buchhandlung lesen und lesen lassen

„Liebe Verlage, bitte macht Bücher nicht so billig! Wenn die Qualität stimmt, darf ein Taschenbuch auch 14,99 kosten und nicht nur 8.99. Achtet doch bitte wieder mehr auf das Preis-Leistungsverhältnis: für 800 Seiten mit schmucken Cover sind 10 € zu wenig, für 80 Seiten, auf schlechtes Papier gedruckt, sind € 12,90 zu viel.“ So Rosemarie Reif-Ruppert von der Nürnberger Gostenhofer Buchhandlung

Absolut NO GO ist das „Trittbrettfahrer-Syndrom“, was meint, dass Verlage das abkupfern, was auf dem Markt gut geht. Mogelpackungen verschaukeln Leser, in der Folge büßen Verlage langfristig Glaubwürdigkeit und Renommee ein.

Stefanie Dietz © Anette Hempfling

Stefanie Dietz © Anette Hempfling

Die zunehmende Produktion austauschbarer Titel und die zunehmende Uniformität des Angebotes mit der Gefahr, dass die Qualität immer mehr in den Hintergrund tritt. Tödlich für den Buchhandel ist die Devise „Fliegen irren nicht…“, also legen wir noch eins auf den großen Haufen drauf. Das andauernde „Für die Leser von…„ signalisiert doch nur „Abklatsch Nr. X“. Sagt Gustav Förster von der Wein-Lese-Handlung Förster in Ganderkesee

„Was mir am Programm der großen Publikumsverlage am meisten auf den Geist geht, ist das “Trittbrettfahrersyndrom”. Erfolgreiche Titel werden von anderen Verlagen kopiert, (indem etwa Themen geklaut werden, Cover ähnlich gestaltet), um den naiven Leser dazu zu bringen, Bücher zu kaufen, die den eigentlichen Erfolgstitel nur wiederkäuen. Durch dieses reine Interesse am schnellen Umsatz verlieren Verlage an Glaubwürdigkeit.“ Meint Stefanie Diez von der Berliner Buchhandlung Die Insel

Bedauert wird vielfach, dass etablierte (Publikums-) Verlage den Mut zum besonderen, zum ambitionierten Buch verloren haben. In diesem Zusammenhang kommen in der Gesprächsreihe die sogenannten Independent Verlage gut weg, die abseits des Mainstreams trotz schlechter gestellter Vertriebsmöglichkeiten mit innovativen Programmen und ungewöhnlichen Büchern überzeugen, die ansprechend gestaltet sind. Sie werden von den befragten Buchhändlern vielfach lobend erwähnt.

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner © die Buchkönigin

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner © die Buchkönigin

Sehr viele kleinere bis kleine, unabhängige Häuser wie z.B. der Secession Verlag, Binooki oder Kunstmann leisten wunderbare Arbeit und sind mit großer Hingabe bei der Sache, da gibt es rein gar nichts dazu zu wünschen!!!“ So Stefanie Diez von der Berliner Buchhandlung Die Insel

„Schön ist, dass auch im Literaturbetrieb immer noch neue Konzepte erdacht werden und funktionieren. Zum Beispiel der neue Berliner Verlag Metrolit – ein Projekt verschiedener Akteure des Literatur- und Medienbetriebs (Aufbau, Walde + Graf, Flux Fm). Sie haben ein innovatives Programm aufgestellt, das sich sowohl am Zeitgeist orientiert als auch auf klassisch verlegerische Arbeit setzt. Weiterhin ist es erfreulich zu sehen, dass auch kleine ambitionierte Projekte wie zum Beispiel der Binooki Verlag oder Kookbooks eine Chance haben, sich zu etablieren. Auch Ungewöhnliches oder scheinbar Abseitiges muss nicht konträr zu wirtschaftlicher Machbarkeit stehen, und trägt zu einer lebendigen literarischen Szene abseits des Mainstreams bei.“ Meinen Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner von der Berliner Buchhandlung Die Buchkönigin

Nicht gut weg kommt das Marketing, mit dem Verlage gedenken, Buchhändler für ihre (Spitzen-)Titel einzunehmen. Dass Mittelmäßiges mit Superlativen hochgejubelt wird, verärgert den Buchhandel. Mit künstlich aufgeblähten Kampagnen für einzelne Titel, die mit aller Macht auf Bestseller-Listen gehievt werden sollen, hat er ebenso wenig am Hut. Und für marktschreierische Vorschauen, die den Handelspartner für dumm verkaufen wollen, haben Buchhändler schon überhaupt kein Verständnis.

Heike Wenige  © privat

Heike Wenige © privat

Es bringt mir nichts, einen umworbenen Bestseller einmal von hinten, von vorne, auf einem Stapel, in einen kunstvollen Aufbau oder sonst wie auf jeweils einer ganzen Seite abgebildet bestaunen zu können. Dagegen hätte ich gerne Vorschauen oder Leseproben, die Informationen über Text und Autor bieten. Ja, auch wie die Geschichte ausgeht und wer der Täter ist, darf gerne verraten werden…“ So Rosemarie Reif-Ruppert von der Nürnberger Gostenhofer Buchhandlung

„Verlagsvorschauen sollten mehr Arbeitsmittel sein und den Buchhändler nicht mit den üblichen Superlativen und mehrseitigen Einzeltitelankündigungen quälen, man hat doch auf der ersten Seite schon begriffen, wie wichtig das Buch für den Verlag sein könnte.“ Findet Heike Wenige vom Taschenbuchladen in Freiberg

Statt viel Gedöns und leeren Versprechungen („wir werben in…“) wünschen sich Buchhändler sachliche Informationen und Leseproben. Auf wenig Verständnis stößt, dass Verlage inzwischen mit Leseexemplaren geizen. Mancher kann sich durchaus vorstellen, auf die gedruckte Vorschau zu verzichten. Andere wiederum sprechen sich dafür aus, dass die Gelder, die für aufwändig gestaltete Vorschauen und Kataloge ausgegeben werden, sinnvoller fließen sollten.

Clemens Bellut © Laurenz Micke

Clemens Bellut © Laurenz Micke

Vor allem: Seid großzügig mit Leseexemplaren, denn unsere Kunden fordern unsere persönlichen Buchempfehlungen ein und dafür müssen wir lesen, lesen, lesen.“ Sagt Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach

„Wieder mehr Leseexemplare im Hinblick auf den Einkauf und natürlich den Verkauf. Was ich gelesen habe, kann ich in der Regel auch verkaufen.“ Meint Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

„Dass sie die Gelder, die in ihre oft unglaublich aufwendigen Kataloge und Präsentationen gehen, eher den Autoren, den Lektoren, den Setzern und den Buchhändlern zugute kommen lassen.“ Fordert Clemens Bellut vom Heidelberger Buchladen artes liberales

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BTW: Die Fragestellungen der Gesprächsreihe will eine Veranstaltung erweitern und vertiefen, die in Berlin/Mitte am 3. Juni 2014 ab 19.00 Uhr in der Tucholsky-Buchhandlung stattfindet. Wir erwarten uns eine kontroverse Debatte, zu der Ihr herzlich eingeladen seid. Zur Diskussion beitragen werden u.a. Siegmund Ehrmann, MdB (Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien), Zoë Beck (Autorin und e-Book-Verlegerin CulturBooks), Lorenz Borsche (Vorstand der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch), Boris Langendorf (freier Publizist), Daniel Leisegang (Autor von „Das Buch als Beute“) und Stefan Weidle (Verleger und Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung). – Der Eintritt ist frei.

Um Voranmeldung wird gebeten: kurt(klammeraffe)tucholsky(punkt)de