Steglitz fragt bei Petra Röder nach

„Es gibt kaum einen rationalen Grund, nicht auf E-Books umzusteigen.“

Die Verbindung zu Petra kam über Michael Röder zustande, für dessen Portal The Intelligence ich gelegentlich schreibe. Als ich mir Gedanken machte, welche Autoren unterschiedlichen Schlages in meiner losen Gesprächsreihe den Anfang machen könnten, fragte ich Micha, ob er mir einen Kontakt herstellt. Und: siehe da …

Die Selbst-Verlegerin Petra Röder ist ursprünglich Grafikerin. Ihr Debüt, den ersten Band der Vampir-Trilogie „Blutrubin“, veröffentlichte sie 2011 bei „edition winterwork“, einem BOD-Verlag, der auch die Folgebände druckte. Mit ihren E-Books ist sie bei Kindle präsent, seitdem die Plattform in Deutschland im Frühjahr 2011 an den Start ging. Petra hat klare Vorstellungen von den Anforderungen an Self Publisher und ist davon überzeugt, dass dem E-Book die Zukunft gehört. Ginge es nach ihr, würde die Buchpreisbindung in Deutschland fallen.

Wie kam es zu deiner ersten Publikation?

Ich habe vor rund drei Jahren mit dem Schreiben begonnen und einen, nennen wir es Übungsroman zu Papier gebracht. Der liegt mittlerweile gut verschlossen in einer Schublade. Dort wird er auch bleiben. Das erste vorzeigbare Werk war „Blutrubin – Die Verwandlung“ mit dem ich mich auch bei verschiedenen Verlagen und Agenturen beworben habe. Neben vielen Absagen, die übrigens heute noch – nach über 2 Jahren – eintreffen, bekundete eine bekannte deutsche Literaturagentur ernsthaftes Interesse. Nach vielen Gesprächen habe ich den Roman umgeschrieben und die Charaktere etwas verjüngt, damit die Zielgruppe sich besser damit identifizieren kann. Das alles nahm ein halbes Jahr in Anspruch. Danach war drei Monate Funkstille. Am Ende wurde mir dann mitgeteilt, dass derzeit kein Bedarf an weiteren Vampir-Romanen bestünde. An diesem Punkt habe ich mich entschlossen, die Veröffentlichung selbst in die Hand zu nehmen.

Deine Bücher sind bei „edition winterwork“ erschienen. Hast du – außer dem Druck – auch andere Dienstleistungen in Anspruch genommen?

Neben dem Druck ist „edition winterwork“ ist auch für den Vertrieb zuständig. Die Covergestaltung und den Satz habe ich selbst übernommen. Als Grafikerin fällt mir das nicht schwer. Das Lektorat wurde zusammen mit meinem Mann, einigen Testlesern und Softwareunterstützung ebenfalls selbst bewerkstelligt. All diese Dienstleistungen kann man bei „edition winterwork“ auch dazu buchen, sofern man sich damit überfordert fühlt.

Wieso „edition winterwork“ …

Vor der Zusammenarbeit mit „edition winterwork“ habe ich sehr ausführlich recherchiert, bei welchem Anbieter ich mein Buch veröffentlichen möchte. Die Leitungen sind sicherlich überall ähnlich, die Preise und Vertragsbedingungen sind allerdings eklatant unterschiedlich. Da mir bei „edition winterwork“ auch telefonisch eine sehr kompetente und intensive Beratung geboten wurde, habe ich mich letztendlich für diesen Anbieter entschieden und es bis heute nicht bereut. Meinen Verlag kann ich hier reinen Gewissens eine Empfehlung aussprechen.

Welche Vorteile machst du in der Zusammenarbeit mit einem BOD-Verlag aus?

Im Vergleich zu klassischen Verlagen sehe ich einen großen Vorteil darin, dass Bücher, schnell und unkompliziert veröffentlicht werden.

Siehst du in der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen auch Nachteile?

So man keine größeren Summen investieren möchte oder kann, muss man sich um alles in Eigenregie kümmern: Lektorat, Satz, Cover und Marketing. Mittlerweile sehe ich das jedoch nicht mehr als Nachteil. Wahrscheinlich, weil es mir längst zur Routine geworden ist.

Was sollte man bei der Zusammenarbeit mit BOD-Verlagen besonders beachten?

Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Daten, hier besonders der Text, korrekt sind, die man für den Druck übermittelt. Letztendlich wird gedruckt, was man liefert. Ohne weitere Rückfragen. Mit meinem ersten Buch habe ich diesbezüglich eine unvergessliche Erfahrung gemacht. Als ich die für meinen Eigenbedarf benötigte Auflage bestellt habe, rutschte mir doch tatsächlich versehentlich eine unkorrigierte Version in die Mail an den Verlag. Diese Bücher liegen jetzt hier im Schrank. Vielleicht werden sie einmal begehrte Sammlerstücke, wer weiß … Zum Verkauf taugen sie jedenfalls nicht.

Welche Vorteile hat Self-Publishing deiner Meinung nach?

Ich bin mein eigener Herr. Meine Bücher erscheinen so, wie ich sie geschrieben habe. Es gibt niemanden, der sich einmischt, weder bei der Story noch bei der Gestaltung des Covers.

Wo machst du besondere Risiken aus?

Bisher sind mir keine Risiken aufgefallen; zumindest nicht bei meinem Anbieter.

Was rätst du jenen, die Schritte in Richtung Self Publishing/Independent Publishing planen? Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Ein BOD-Verlag druckt alles, was man ihm vorlegt. Auch den allergrößten Mist, um es unverblümt zu sagen. Daher ist es ungemein wichtig, sich zuallererst wirklich belesene und vor allem gnadenlose Kritiker zu suchen, auf die man dann auch hört. Kritikfähigkeit ist unabdingbar. Wahrscheinlich ist kein Autor auf diesem Planeten in der Lage, das eigene Werk objektiv zu betrachten. Wer aus der Schreiberei einen Nebenerwerb oder mehr machen möchte, der muss qualitativ Ansprechendes abliefern. Ob das dann ein wirklicher Erfolg wird oder nicht, stellt sich erst später heraus.

Petra Roeder – Foto (c) Michael Roeder

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man sich keinen Illusionen hingibt. Es mag da so manchen geben, der sich bereits kurz nach der Veröffentlichung Gedanken über seine Rede zur Verleihung des Literaturnobelpreises macht. Das mag jetzt überspitzt formuliert sein. Aber: Wer von vornherein davon ausgeht, ab sofort mit Reichtum und Ruhm rechnen zu können, der liegt gründlich daneben. Um einen kommerziellen Erfolg zu erzielen, müssen viele Faktoren zusammenspielen, die man nur bedingt planen kann.

Was unerlässlich ist, ist das Marketing. Das tollste Buch wird von niemandem gekauft, wenn kein Mensch weiß, dass es das Buch gibt. Besonders in Sachen Social Media kann man mit der Vorplanung gar nicht früh genug anfangen.

Du veröffentlichst deine Bücher auch als E-Book, und zwar in der Amazon Kindle-Edition. Was hat dich dazu bewogen?

Ich stieg bei Kindle bereits kurz nach dem Start der Plattform ein, um zu testen, ob es da wirklich einen Markt gibt. Die Verkaufszahlen waren gleich zu Beginn erfreulich. Und da die Veröffentlichung eines Kindle-Buches relativ einfach ist, lag es auf der Hand auch meine anderen Bücher dort einzustellen. Ein nicht zu vernachlässigender Grund sind natürlich auch die deutlich höheren Tantiemen.

„Traumfänger“ lag zunächst als E-Book vor – dann als körperliches Buch. Was versprichst du dir von dieser Abfolge?

Die gedruckte Ausgabe war von vorneherein geplant, da es sehr viele Leser gibt, die ein Buch in Händen halten möchten. Allerdings ist die Kindle-Version schneller erstellt. Und so etablierte sich bei mir das Prozedere, ein neues Buch direkt nach Fertigstellung als Kindle-E-Book zu veröffentlichen und sich erst danach um den Satz und das Cover für die gedruckte Version zu kümmern. Zudem dauert es auch ein bisschen, bis ein neues Druckwerk bei Amazon und den anderen Anbietern gelistet und verfügbar ist. Das ist auch bei meinem neuesten Roman „Racheschwur“ so, was die Fortsetzung von „Flammenherz“ ist. Seit vorletzter Woche gibt es die Kindle-Edition. Die gedruckte Ausgabe erscheint am 1. September.

Wie hältst du es mit dem Kopierschutz?

Den habe ich aktiviert. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass wir hier nicht von „unknackbar“ sprechen. Ich stehe allerdings auf dem Standpunkt, dass für geleistete Arbeit auch ein entsprechendes Honorar fällig ist. Und wer es noch nicht selbst gemacht hat, dem sei es hier verraten: Dass es wirklich Arbeit ist, ein Buch zu schreiben.

Was hältst du von den Diskussionen rund um das Pricing beim E-Book?

Ich finde das sollte man jedem Autor bzw. Verantwortlichen selbst überlassen. Der Vorteil am E-Book ist ja, dass mit ein paar Mausklicks etwas geändert werden kann, neben spät erkannten Tippfehlern auch der Preis. Ob man das nun für eine befristete Sonderaktion zu Promo-Zwecken nutzt oder herumexperimentiert, zu welchem Preis sich das Buch gut verkaufen lässt.

Ich habe das mit meinem Buch „Mitten ins Herz“ so gemacht. Anlässlich der Fußball-EM habe ich den Preis heruntergesetzt, um den nicht fußballbegeisterten Lesern eine kleine Freude zu machen. Die Verkaufszahlen sind daraufhin so exorbitant angestiegen, dass ich beschlossen habe, den reduzierten Preis zu belassen. Mit einer Preisbindung ist das unmöglich. Wenn es nach mir ginge, würde auch die Buchpreisbindung für Gedrucktes abgeschafft. Überall wird von den „Märkten“ geredet, die das regeln. Nur bei Büchern hält man an einer Regelung fest, die einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Meinst du, dass dem E-Book die Zukunft gehört?

Das beantworte ich mit ganz klaren Ja. Das lässt sich doch bereits an den Verkaufszahlen von E-Books ablesen, die von Monat zu Monat ansteigen. Seit Weihnachten 2011 ist ein echter Boom erkennbar. Man hat deutlich gemerkt, dass der Kindle-Reader bei vielen Menschen unter dem Christbaum lag. Ich gehe davon aus, dass sich das dieses Jahr wiederholt. Ich bin mir zwar sicher, dass gedruckte Bücher zumindest mittelfristig nicht aussterben, aber in den kommenden Jahren mehr und mehr von E-Books abgelöst werden. Wer schon einmal einen E-Book-Reader mit E-Ink-Technologie in der Hand hatte, wird zugeben müssen, dass der Unterschied zu Papier wirklich minimal ist. Es gibt also kaum einen rationalen Grund, nicht auf E-Books umzusteigen.

Es heißt ja, dass die Digitalisierung und der Umstand, dass Autoren nicht mehr auf traditionelle Verlage angewiesen sind, erhebliche Folgen für den Buchmarkt und -handel haben (werden). Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Sagen wir es so: Als Buchhändler würde ich mir schon meine Gedanken machen, was in drei oder fünf Jahren sein wird. Auf den Buchladen vor Ort dürften echte Probleme zukommen. Für Verlage wird es sicher nicht ganz so dramatisch werden. Die werden ihre etwas geringeren Umsätze dann eben mit E-Books wettmachen.

Glaubst du, dass Independent Publikationen à la longue den klassischen Verlagen den Rang ablaufen können?

Das kommt darauf an, wie sich die Autoren verhalten. Es ist zwar einfach ein E-Book auf den Markt zu bringen, aber nicht jeder Autor ist auch in der Lage ein gutes Buch zu schreiben. Sicher sind unter den neuen Autoren viele unentdeckte Talente, aber eben auch viele Hobbyschreiber, die über kurz oder lang erkennen werden, dass sieben verkaufte Bücher innerhalb eines Jahres zum Broterwerb nicht taugen. Ich denke, das wird sich mit der Zeit einspielen. Neben den publizierenden Hobbyschreibern werden etablierte Self Publisher und E-Book-Autoren stehen, die den traditionellen Verlagen richtig Konkurrenz machen. Ob die renommierten Bestseller-Autoren zukünftig auf Verlage verzichten werden, kann ich schwer einschätzen. Es ist aber zu vermuten, dass sich Vertragsverhandlungen anders gestalten werden und die Tantiemen entsprechend erhöht werden.

Der zweite Teil meines Gespräches mit Petra Röder dreht sich darum, was sie für ihr Buchmarketing tut, welche Maßnahmen erfolgreich waren, welche floppten und wo sie im Social Web Chancen und Risiken ausmacht.

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Vorschläge, wer in der losen Interview-Reihe “Steglitz fragt … bei Autoren nach” auch zu Wort kommen könnte, nehme ich gerne entgegen. Mich interessiert: Wie gehen Autoren mit den Entwicklungen infolge der Digitalisierung um? Welche neuen Wege nutzen sie, wo sehen sie Chancen und Risiken? – Rede und Antwort standen hier bereits Jando und Petra van Cronenburg.

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5 Kommentare zu “Steglitz fragt bei Petra Röder nach

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