„Der Börsenverein sollte mehr auf die Probleme der Kleinen eingehen.“ SteglitzMind stellt Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten. – Wenig mehr zum Vorhaben hier.

Sonja Lehmann habe ich gebeten, hier mit zu tun, weil sie zum Beitrag von Edda Braun eine Berufsbeschreibung beigesteuert hat, die mir wohl gefiel: „Der Buchhändler: Das Wissen eines Professors, die Geduld einer Krankenschwester und die Bezahlung einer Verkäuferin“.

Nun freue ich mich, dass wir sie und den Bücherwurm Borken heute etwas näher kennenlernen dürfen, der im Nordhessischen gelegen ist

Eine Skizze vom Laden …

Der Bücherwurm befindet sich 50 km südlich von Kassel.

Gegründet wurde die Buchhandlung 1996. 2009 habe ich sie übernommen. Wir haben ein allgemeines Sortiment mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch. Ein weiterer Schwerpunkt ist seit 2005 ein Lehr- und Lernmittelvertrieb. Unsere Verkaufsfläche beträgt 100 qm.

Warum sind Sie Buchhändlerin geworden?

Sonja Lehmann  ©  Bücherwurm Borken

Sonja Lehmann © Bücherwurm Borken

Ich lese natürlich gern und begeistere gern andere Menschen von meinem „Gelesenen“. Der Beruf bietet immer Abwechslung und der Buchhändler muss immer neugierig sein, um Neues zu entdecken.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja natürlich würde ich heute wieder Buchhändlerin werden, weil der Grundgedanke: Lesen und zum Lesen motivieren sich nicht geändert hat bzw. nicht ändern wird.

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Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Die Kunden sind heute besser informiert. Das verlangt auch von uns Buchhändlern noch besser informiert zu sein. Natürlich haben sich auch die Bibliographie bzw. Recherchemöglichkeiten geändert. Ich weiss noch, wie wir mit „Microfichen“ als Bibliographie gearbeitet haben. Heute haben wir Datenbanken etc.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir sind viel im Netz unterwegs. Seit Ende der 90er Jahre haben wir schon einen Onlineshop und pflegen ihn auch regelmäßig. Facebook, Twitter ist für uns kein „Rotes Tuch“. Wir versuchen auch dort präsent zu sein und die Kunden dort abzuholen, wo sie sind.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Unsere größten Probleme sind die Kosten. Hier meine ich nicht die Personalkosten, Miete etc. Wir haben für viele Dienstleistungen Kosten z.b. Versandkosten bei Einzelbestellung bzw. Schulbuchbestellungen, Telecashgebühren etc. Das sind Kosten, die wir nicht „umlegen“ können, die aber zum Kundenservice dazugehören.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

Wir verkaufen E-Reader und E-Books seit 2009 aktiv. Seit 2011 haben wir ein offenes WLAN für Kundendownloads im Laden. Natürlich können die Kunden auch auf unserer Internetseite E-Books bestellen.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Für uns kleine Buchhandlung ist es sehr schwierig Titel von Self Publishern anzubieten, weil diese Titel besonders beratungsintensiv sind.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

Wir kennen ca. 80 % unsere Kunden und können dadurch auch zielgerecht beraten. Im Ladengeschäft steht für uns das Beratungsgespräch mit dem Kunden an erster Stelle.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

der Buchladen © Bücherwurm Borken

der Buchladen © Bücherwurm Borken

– Werbezuschuss für Veranstaltungen

– Die Verlage sollten auf Endkundenbelieferung verzichten und mehr den stationären Buchhandel unterstützen

– Das Konditonsmodell für kleine Buchhandlungen besser gestalten

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Das ist wie in der Politik: Je weiter man sich von der Basis entfernt, desto weniger bekommt man das „wahre Leben“ mit. Der Börsenverein sollte mehr auf die Probleme der kleinen Buchhandlungen bzw. Verlage eingehen.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Im Moment treibt mich nichts um, was erwähnenswert wäre.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil wir den Kunden auch sehr viel Dienstleistung abnehmen können. Wir recherchieren Bücher, CDs etc. ohne einen Aufpreis und die Kunden haben mehr Zeit ihre Freizeit zu gestalten. Wir können auch gezielt beraten. Buchhandlungen sind auch eine Ort, wo man zur Ruhe kommen kann. Und sich inspirieren lassen von neuen Dingen.

Wo findet man Ihre Buchhandlung im Netz?

Dort und bei Facebook hier

Herzlichen Dank, dass Sie der Einladung gefolgt sind.

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Rede und Antwort standen bislang: Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen, Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt, Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm und Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr!

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