„Self Publishing kann auch eine Chance sein.“ SteglitzMind stellt Gabriele Kellner von „Barbaras Bücherstube“ vor

Sind Buchhändler tatsächlich die Verlierer der Digitalisierung? Wie gehen sie mit den Schreckensszenarien um? Wo sehen sie Risiken, wo Chancen und welche Weichen stellen sie, um zukunftsfähig zu bleiben? Wie halten sie es mit dem E-Book und wären Titel von Self Publishern für sie eine Option? Diese u.a. Aspekte will die Gesprächsreihe “Steglitz stellt Buchhändlerinnen und Buchhändler vor” beleuchten, in der Interviewpartner in loser Folge standardisierte Fragen beantworten.

Welche Buchmenschen und Buchhandlungen wir zukünftig etwas näher kennenlernen, schlagen zum einen jene vor, die mir Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus freue ich mich auf Empfehlungen von Euch, wer hier ebenfalls zu Wort kommen sollte. Und, bitte sehr, vermerkt Eure Vorschläge hier (nebst Link zur Buchhandlung); und nicht etwa auf diversen anderen Kanälen im Social Web. Danke sehr! Im Übrigen freue ich mich auch über Gastbeiträge: Was habt Ihr in Buchhandlungen erlebt? Woran denkt Ihr gerne zurück, was ist Euch aufgestoßen?

Dass wir heute Gaby Kellner mit Barbaras Bücherstube kennenlernen, die in Moosburg liegt, haben wir einer Empfehlung von der Schafhüterin zu danken, die in ihrem Kommentar schrieb: Den Buchladen „gibt es mit wechselnden Inhabern seit fast 30 Jahren und die tolle Beratung und das tolle Sortiment, das ich in meinen Jugendjahren dort erlebt habe, war mit ausschlaggebend, dass ich tatsächlich selbst Buchhändlerin geworden bin. […]. Die Gründerin Barbara war eine Koryphäe und hatte tolle Mitarbeiterinnen, eine davon führt den Laden inzwischen. Ich würde ihr gerne die Chance geben, über die Grenzen dieser oberbayerischen Kleinstadt hinaus zu strahlen. Schon lange vor den Zeiten des Internets barg diese Ladentür einen Zugang in die ganze Welt.“

Eine Skizze vom Laden…

Barbaras Bücherstube ist eine Buchhandlung in Moosburg (ca. 17.000 Einwohner) mit allgemeinem Sortiment – und einer Vorliebe für besondere, spezielle, schöne Bücher, auch von kleinen und unabhängigen Verlagen.

Warum sind Sie Buchhändler/in geworden?

Gaby Kellner und ihr Buchladen © Barbaras Bücherstube

Gaby Kellner und ihr Buchladen © Barbaras Bücherstube

Ich wollte immer schon Buchhändlerin werden, habe aber zunächst eine ganz klassische Ausbildung in der Sparkasse gemacht. Dann habe ich irgendwann begonnen, in Barbaras Bücherstube zu arbeiten – unter der Inhaberin, die der Bücherstube ihren Namen gab: Barbara Breimesser. Eine Leidenschaft für schöne Bücher, für Literatur, für Kinderbücher, hatte ich schon immer. Dann, vor knapp drei Jahren, hatte ich die Möglichkeit, die Buchhandlung, in der ich seit mehr als 20 Jahren gearbeitet hatte, zu übernehmen. In Zeiten, in denen es fast schon als „mutig“ bezeichnet werden kann, dieses Wagnis einzugehen, ging für mich damit ein Traum in Erfüllung.

Würden Sie sich unter heutigen Bedingungen abermals für diesen Beruf entscheiden?

Ja, auf jeden Fall, auch wenn es sicher nicht einfacher wird.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem beruflichen Alltag verändert?

Die inzwischen nicht mehr so „neuen Medien“ haben unseren Alltag sehr verändert. Der Einsatz ist höher geworden um unsere Kunden zu begeistern, und auch zu halten.

Die Devise heißt ja: Buchhandel go online! Was unternehmen Sie in dieser Richtung?

Wir sind schon einige Jahre „online“, d.h. wir haben eine Internetseite, auf der man auch bestellen kann. Wir sehen diesen „Onlineshop“ als Ergänzung zu unserem Angebot im Buchladen. So sind die Seiten auch gestaltet: von uns selbst, das ist mit dem System, für das wir uns entschieden haben, auch möglich – und das war uns wichtig. Wir empfehlen dort nur Bücher, die wir toll finden, die wir mögen, die uns berührt haben. Schöne Bücher bekommen dort immer eine Bühne. Und so ist der Internetauftritt die Ergänzung zum Laden. Natürlich sehen wir unsere Kunden lieber im Laden, kommen mit ihnen ins Gespräch, beraten sie. Derzeit holen unsere Kunden die Bücher bei uns ab, wir planen aber auch einen Versand anzubieten.

Wir überlegen, und diskutieren immer wieder, ob wir einen Blog einrichten oder auch auf Facebook zu finden sein sollten – was aber eine intensive Auseinandersetzung und Pflege der Seiten erfordert.

Das Sterben der Buchläden ist allgegenwärtig. Wo verorten Sie für Ihre Buchhandlung die größten Gefahren?

Wie bei vielen anderen in der Branche auch im Internet. Und darin, dass viele glauben, dass Bücher im Internet oder woanders günstiger sind.

Wir versuchen uns diesen Gefahren zu stellen, indem wir unsere Kunden persönlich kennen, eine gute Beratung anbieten, Empfehlungen geben, Veranstaltungen anbieten, Lesungen. Besonders widmen wir uns der Leseförderung im Kinder- und Jugendbuchbereich. Wir arbeiten eng mit Schulen und Kindergärten zusammen, stellen vor Ort Bücher vor und laden die Kinder und Jugendlichen zu uns ein.

Aber auch das Sterben der einst attraktiven (auch kleinen) Innenstädte mit ihrem vielfältigen und individuellen Angebot sehen wir als große Gefahr.

Wie halten Sie es mit dem E-Book?

In unserem Internetauftritt kann man sich auch E-Books kaufen und diese herunterladen. Ja, wir bieten diese Bücher an, aber Bücher aus Papier sind uns – ehrlich gesagt – lieber.

Wäre das eine Option für Sie, auch Titel von Self Publishern anzubieten?

Das machen wir bereits, wenn wir die Autoren kennen und von ihren Titeln überzeugt sind, z.B. haben wir ein kleines, aber feines Büchlein von Ingrid Kellner (wir sind übrigens nicht verwandt), das über Book on Demand erschien, verkauft und haben eine Lesung mit ihr veranstaltet. Self Publishing kann auch eine Chance sein.

Wie verkauft man heutzutage Bücher?

so schauts innen aus  © Barbaras Bücherstube

so schauts innen aus © Barbaras Bücherstube

Über individuelle Beratung und mit viel Leidenschaft. Durch Buchvorstellungen, Lesungen, Veranstaltungen. Und natürlich indem man seine Kunden kennt, berät und passende Empfehlungen geben kann. Hier sind wir im stationären Buchhandel gefordert und wir stellen uns dieser Herausforderung. Als Ergänzung zum Angebot im Buchladen bieten wir unseren Internetshop an. Hier spiegelt sich das Angebot im Laden, auch wenn wir hier keine Beratung geben können, aber dafür Tipps.

Besonderes bieten wir im Laden: wir haben eine Vorliebe für besondere Bücher, für schöne Bücher, für tolle Illustrationen, für schöne Texte – jenseits der Bestsellerlisten und des Mainstream (auch wenn wir diese Titel natürlich auch anbieten). Und dafür wollen wir unsere Kunden begeistern. Und wir freuen uns, dass wir viele Kundinnen und Kunden haben, die dies zu schätzen wissen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, die Ihnen Verlage erfüllen… Welche wären das?

1.) Mut zu besonderen Büchern und Programmen

2.) Gesponserte oder subventionierte Lesungen, damit sich auch kleinere Buchhandlungen tolle Autoren leisten können

3.) Mut, sich nicht immer den Wünschen von einigen Wenigen (Großen) zu beugen

Und was würden Sie sich vom Börsenverein für den deutschen Buchhandel wünschen?

Dass sich der Börsenverein – gerade jetzt – für die Buchpreisbindung einsetzt.

Kostengünstigere Seminare, denn der Kostendruck in einer Buchhandlung ist ohnehin schwierig, da wäre es wünschenswert, dass Seminare, die zweifelsohne wichtig sind, günstig (nicht kostenlos) angeboten würden.

Und auch eine Senkung des Börsenvereinsbeitrages für kleinere Sortimente wäre (gerade für diese) hilfreich und wünschenswert.

Was treibt Sie in der literarischen Szene, dem Literaturbetrieb derzeit besonders um?

Es ist schön, dass es immer wieder kleine, mutige Verlage gibt, die sich trauen, besondere Programme anzubieten, vor allem im Kinderbuchbereich, z.B. Mixtvision Verlag. Dazu braucht es aber auch Buchhandlungen, die sich mit den Programmen auseinandersetzen und die dieselbe Leidenschaft dafür empfinden – und diese auch dem Kunden vermitteln wollen und können. Nur dann kann es funktionieren.

Warum sollten Kunden in eine Buchhandlung gehen?

Weil eine Buchhandlung ein ganz besonderer Ort ist. Ich darf Ihre Blogleserin zitieren, die uns für dieses Interview empfohlen hat: weil Buchhandlungen „einen Zugang in die ganze Welt“ in sich bergen. Weil Bücher etwas Tolles, etwas Faszinierendes sind. Weil man über Bücher sprechen sollte, und über die Besonderen ohnehin. Weil sonst die Gefahr besteht, dass man sie übersieht, übergeht. Und weil man in einer Buchhandlung Anregung, Inspiration bekommt – auch mal was anderes zu lesen, zu erfahren. Und weil Buchhandlungen einfach schön sind. – Ich gehe in anderen Städten immer in die kleinen Buchhandlungen. Und kaufe dort auch ein.

Welche anderen Buchhandlungen empfehlen Sie? Und wer sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

Wir wollen eine ganz besondere Buchhandlung empfehlen, unsere Lieblingsbuchhandlung in Wien: Lia Wolf. Lia Wolf hat ein sehr spezielles Sortiment: Grafikdesign, Fotografie, Mode, aber auch ganz viele andere tolle Bücher, sowohl deutschsprachig, als auch international. Ihr Buchladen liegt in einem der Wiener Innenhöfe und ist ein wahres Juwel.

Schön, dass Sie dabei sind.

Darüber freuen wir uns sehr und sind sehr gerne dabei. Vielen Dank auch an die Bloggerin, die uns empfohlen hat!

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Fünf Fragen vom Börsenblatt für den deutschen Buchhandel zur Gesprächsreihe mit Buchhändler/innen beantworte ich hier

Zu Wort gekommen sind bislang:

Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart/Vaihingen

Edda Braun mit ihrer Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt

Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm

Margarete Haimberger mit ihrer Schröersche Buchhandlung in Berlin/Schöneberg

Sonja Lehmann vom Bücherwurm Borken im Nordhessischen

Martina Bergmann mit der Buchhandlung Frau Bergmann in Borgholzhausen

Thomas Calliebe mit seiner Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau

Mila Becker mit Mila Becker Buch & Präsent in Voerde

Trix Niederhauser aus der Schweiz von der Buchhandlung am Kronenplatz in Burgdorf/Emmental

Simone Dalbert von der der Buchhandlung Schöningh in Würzburg

Klaus Kowalke von der Stadtteilbuchhandlung Lessing und Kompanie Literatur e. V. in Chemnitz

Beate Laufer-Johannes von der der BücherInsel in Frauenaurach bei Erlangen

Petra Hartlieb von der Wiener Buchhandlung Hartliebs Bücher

Nicole Jünger aka Kata Butterblume vom Buchladen am Neuen Markt in Meckenheim

Jörg Braunsdorf von der Berliner Tucholsky-Buchhandlung

Stefanie Diez und ihre Buchhandlung Die Insel im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg

Britta Beecken von der Berliner Buchkantine

Heike Wenige mit dem Taschenbuchladen, der im sächsischen Freiberg ansässig ist

Christian Röhrl von der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg

Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz in Dresden

Jessica Ebert und Katja Weber von der Berliner Buchhandlung ebertundweber

Anna Jeller mit ihrer Buchhandlung Anna Jeller in Wien

Holger Brandstädt von der Friedrich-Wagner-Buchhandlung, die in Ueckermünde ansässig ist

Bettina Haenitsch mit der Buchhandlung der buchladen in Seligenstadt

Gustav Förster mit der Wein-Lese-Handlung Förster, die in Ganderkesee zwischen Oldenburg und Bremen zu finden ist

John Cohen von der Hamburger Buchhandlung cohen + dobernigg

Beate und Mischa Klemm mit der Buchhandlung lesen und lesen lassen, die ihren Sitz in Berlin/Friedrichhain hat

Maria Glusgold-Drews mit ihrem Buchladen MaschaKascha – Schöne Bücher in Hannover

Hannah Wiesehöfer und Nina Wehner mit ihrer Buchhandlung Die Buchkönigin, die in Berlin-Neukölln zu finden ist

Annaluise Erler von der Buchhandlung Findus ans Herz gelegt, die in sächsischen Tharandt ansässig ist

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3 Kommentare zu “„Self Publishing kann auch eine Chance sein.“ SteglitzMind stellt Gabriele Kellner von „Barbaras Bücherstube“ vor

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